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Geschichte
Erste Spuren menschlicher Besiedlung

Arnis war auch ursprünglich eine Halbinsel in der Schlei. An deren Nordzipfel, dem sogenannten Aar, wurden Steingeräte und Feuersteinabschläge aus der Jungsteinzeit (ca. 4300–2300 v. Chr.) gefunden. Urkundlich erwähnt wurde der Ort zum ersten Mal 1472 in einer „Dingeswinde“ (einem gerichtlichen Attest) der Schliesharde (Vogtei „Schleiharde“) als „Arnytze“.[2] Dieser Name leitet sich vom altdänischen ari für „Adler“ und dem dänischen næs für „Nase“ ab und bedeutet demnach „Landvorsprung, wo Adler sind“.

Die ovale Erhebung des heutigen Friedhofs ist in der östlichen Hälfte mit einer Trockenmauer, in der westlichen mit einem Erdwall befestigt. Dabei handelt es sich um die Reste einer spätmittelalterlichen Befestigungsanlage, von der aus, zusammen mit der auf dem südlichen Schleiufer liegenden Schwonsburg, die Schlei-Enge bei Arnis-Sundsacker gut überwacht werden konnte.[2] Die Anlage wurde um 1415 von König Erich von Pommern errichtet, der als sogenannter Unionskönig bis zu seiner Absetzung 1439 über die drei nordischen Reiche Dänemark, Norwegen und Schweden herrschte. Dabei wurde mit einem aufwendigen Durchstich der Landverbindung nach Angeln die Festung mit der Schlei als natürlichem Burggraben sicherer gemacht. Arnis wurde damit zur Insel. Die Festungsanlagen waren zusammen mit der Schwonsburg Teil eines größeren Systems, mit dem König Erich von Pommern in seinem Konflikt mit den holsteinischen Herzögen die Stadt Schleswig auf dem Seeweg von dessen Alliierten abhalten wollte (s. auch Adolf VIII. (Holstein)).[3] Bis wann diese Verteidigungsanlagen genutzt wurden, ist unklar.

Die Insel Arnis 1665 auf einer der Karten (Urheber: Johannes Mejer) des Atlas Maior von Joan Blaeu
Gründung

Im 17. Jahrhundert war die nahe gelegene Stadt Kappeln den Herren von Rumohr auf Gut Roest unterstellt. 1666 forderte Detlef von Rumohr von den etwa 750 Einwohnern des Fleckens den Homagial-Eid, bei dem sie ihrem Lehnsherren Gefolgschaft und Treue zusichern mussten. 65 Familien weigerten sich, ihre Freiheit aufzugeben. Sie wandten sich an den Landesherrn Herzog Christian Albrecht von Gottorf, der ihnen die südlich von Kappeln in der Schlei gelegene, inzwischen nicht mehr als Verteidigungsanlage genutzte Insel Arnis zuwies. Am Morgen des 11. Mai 1667 leisteten 64 Haushaltsvorstände vor Ort dem Herzog den Huldigungseid und entzogen sich damit der drohenden Leibeigenschaft. Unter ihnen waren zwei Frauen, Birrit Wulfs und Cathrin Petersen. Einer der Ausreisewilligen war an diesem Tag in Kopenhagen und hatte den Eid vorher schriftlich abgelegt.[4] 1673 wurde die Kirche des neuen Kirchspiels fertiggestellt.

Wirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert

Die Neusiedler auf der Insel Arnis betrieben neben dem Fischfang vor allem mit zunehmendem Erfolg Handel im Bereich der westlichen Ostsee. Arnis soll in dieser Zeit über mehr Schiffe als Eckernförde oder Flensburg verfügt haben.[5] Von der Prosperität dieser Zeit zeugen heute noch reich verzierte Grabsteine der Kapitänsfamilien auf dem Arnisser Friedhof. Der Erfolg der Schifffahrt gab auch dem Handwerk der Stadt Impulse; Schiffe wurden auch für Kaufleute aus Hamburg und Bremen gebaut. In den 1780er Jahren sollen 50 bis 60 Schiffszimmerer auf den Werften des Fleckens beschäftigt gewesen sein.[6] Der heutige Fährgang war im 18. Jahrhundert ein Zugang zu einem Werftplatz. 1786 wurde eine Holländerwindmühle gebaut. (In den 1970er Jahren wurde sie abgerissen; der dazugehörige Getreidespeicher wird heute noch als Ferienappartement-Haus genutzt.) Es gab ein Gildehaus und eine Meierei.

Erste Schwierigkeiten hatte der kleine Flecken Arnis während der napoleonischen Kontinentalsperre gegen England, als die traditionellen Handelswege abgesperrt waren. Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt später dennoch eine bescheidene Blüte. 1860 hatte der Ort über 1000 Einwohner und 88 Handelsschiffe. Der wirtschaftliche Niedergang begann mit dem Deutsch-Dänischen Krieg. Auch in Arnis war die Loslösung von der dänischen Herrschaft zwar erwünscht, im Ergebnis verlor man jedoch über die Trennung von Dänemark die Absatzgebiete im skandinavischen Raum. Die Arnisser Segelflotte verlor ihre Bedeutung endgültig mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Postkarte 1907: Blick auf das noch unbebaute Ufer im Bereich der heutigen Schleiperle, im Hintergrund der Kirchturm
Stadtrecht

Arnis hatte nach 1866 wie 24 andere Gemeinden Schleswig-Holsteins den Status eines Fleckens. Nach der Volkszählung von 1885 hatte Arnis 572 Einwohner. Bis 1920 verloren alle anderen Gemeinden den Status des Marktfleckens oder wurden zu Städten, einzig Arnis behielt ihn. Im Zuge der 1934 unter den Nationalsozialisten durchgeführten Änderung des bis dahin fortschrittlich preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes wurde aus dem Flecken Arnis die Stadt Arnis, was sich aus dem Umstand ergab, das zunächst alle Flecken das Stadtrecht auf Probe erhielten. Dieses musste der Regierungspräsident bestätigen, der es im Fall von Arnis mit Hinweis auf die städtische Struktur des Ortes auch tat. Auf diese Weise profitierte Arnis von einem Gesetz, das ansonsten ein Element der nationalsozialistischen Gleichschaltung war. So wurde unter anderem das kommunale Wahlrecht abgeschafft. Die ersten freigewählten Stadtvertreter konnten 1946 unter der britischen Militärregierung gewählt werden.[7]

Ambitionen als Bade- und Kurort

Nach dem Niedergang der Schifffahrt tauchte um 1900 die Idee auf, dem Beispiel der Seebäder Ahlbeck und Cuxhaven zu folgen und aus Arnis einen „klimatischen Luft- und Badekurort zu machen“. Es wurden Prospekte gedruckt, die venezianische Gondeln auf der Schlei vor einem palastartigen Gebäude am Ort der heutigen „Schleiperle“ zeigten.[8] Die Bestrebungen, als Bade- oder Kurort anerkannt zu werden, wurden bis in die 1920er Jahre erfolglos betrieben. 1927 wurde am Badestrand ein Umkleidehaus errichtet, ein Bademeister wurde angestellt. Der Gemeinderat machte sich Hoffnungen, dass die Offa-Quelle, die hier am „alten Damm“ in Ufernähe entspringt, heilende Wirkung habe. Eine Analyse des Quellwassers ergab allerdings lediglich einen hohen Eisengehalt. Trotz dieses Rückschlages konnte bald darauf unter Bürgermeister Holstein in der Schleswigschen Verwaltung die Durchsetzung der Eigenbezeichnung „Bad“ Arnis erreicht werden.[9] Obwohl der Ort nie die Kriterien eines Kurbades erfüllt hatte, wurde diese Bezeichnung noch bis 2009 auf der Ortstafel vorgezeigt. Die Offa-Quelle entspringt heute im flachen Wasser; ein neuerlicher Versuch, zusammen mit der Gemeinde Grödersby, hieraus mithilfe von EU-Fördermitteln eine kleine touristische Attraktion zu machen, hatte keinen Erfolg.[10]

Nachkriegszeit
Der Dreimaster Fridtjof Nansen hatte als Gertrud II von 1927 bis 1934 Arnis als Heimathafen.

Direkt zu Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Stadt eine große Zahl von Flüchtlingen vor allem aus Ostpreußen und hierbei vor allem aus dem Samland auf. In den Jahren bis zum Ende der 1940er Jahre wurde beinahe jeder Raum in den kleinen Häusern von je einer kompletten Familie bewohnt. Unter den Flüchtlingen waren etliche Fischerfamilien, von denen einige in Arnis geblieben sind.

In den 1950er-Jahren war mit der Familie Leistikow noch eine letzte Kapitäns- und Reederfamilie in Arnis ansässig. Das Kümo ARN VII des Kapitäns Martin Leistikow hatte von 1944 bis 1957 Arnis als Heimathafen.[11] Ein berühmter Vorgänger war der Dreimaster Fridtjof Nansen, der unter dem Eigner M. P. F. Leistikow ab 1927 den Namen Gertrud II trug. 1958 wurde der Sitz der Reederei nach Rendsburg verlegt.[12]

Das heutige Arnis
Das Mühlenhaus heute: Blick auf den von 1970 bis 1972 sanierten und zu einem Apartmenthaus umgebauten Getreidespeicher. Die dazugehörige Mühle wurde abgerissen wegen angeblicher „Baufälligkeit“.[13]

Ab den 1960er Jahren hat Arnis sehr viele Einwohner verloren. In den späten 1960er Jahren wurde die zweiklassige Schule der Stadt zugunsten einer „Dörfergemeinschaftsschule“ in Habertwedt geschlossen. Etliche Eltern schickten damals aus Protest ihre Kinder auf die noch verbliebene dänische Schule, die auf diese Weise bis in die 1980er Jahre überlebte.

Aus dem Fischer- und Schifferort wurde in den Folgejahren zunehmend ein Schmuckstück des Tourismus. Nachdem eine Zeit lang die verkauften Arnisser Häuser von ihren neuen Eigentümern überwiegend als Feriendomizile benutzt wurden, siedelten sich schließlich in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts jüngere Familien an, die vor Ort wieder eine neue, auf den Segelsport bezogene Geschäftstätigkeit begannen. Heute hat u. a. ein Seekartenverlag seinen Sitz in Arnis. Die Werften spielen nach der Schließung der Eberhardt-Werften im Jahr 2013 nur noch eine geringe Rolle im ökonomischen wie im täglichen Leben.

Die Einwohnerzahl dieser kleinen Stadt bietet seit etlichen Jahren Anlass, sich mit Hilfe unterschiedlicher Zahlenangaben trefflich zu streiten. Auch im Jahr 2006 konnte die regionale Zeitung, der Schleibote, in mehreren Artikeln darüber berichten, dass Arnis nach Angaben des Einwohnermeldeamtes in Kappeln im Jahr 2005 354, nach Angaben des Statistischen Landesamtes jedoch im selben Jahr nur 314 Einwohner habe. Nach Aussagen des Arnisser Bürgermeisters können die Daten dieser beiden Zahlenwerke aufgrund von Bestimmungen des Datenschutzes nicht abgeglichen werden. Die Spekulation über die tatsächliche Einwohnerzahl der kleinsten Stadt in Deutschland kann deshalb fortgeführt werden. Unbestritten ist aber der Rang als kleinste Stadt Deutschlands. Zudem hat Arnis unter den 100 kleinsten Städten Deutschlands mit 669 Einwohnern pro Quadratkilometer die höchste Bevölkerungsdichte.

Arnis ist unter anderem auch bekannt als einer der Drehorte für die ZDF-Serie Der Landarzt.

Architektur und Stadtentwicklung
Anlage der Siedlung
Lange Straße 19 – das erste massiv errichtete Haus – 1764

Nach der Rodung des ursprünglich vorhandenen Baumbestandes wurde 1667 die neue Siedlung nach einem strengen Plan angelegt. Die Mittelachse der Insel wurde als Straße (heute Lange Straße) geplant, an der dann die Häuser giebelseitig auf gleich großen Grundstücken gebaut werden sollten. Die Breite der Grundstücke betrug (und beträgt heute noch immer) 10 Meter, die Länge ergab sich aus der jeweiligen Entfernung zum Wasser.
Jede Familie sollte damit ein annähernd einheitlich großes Grundstück erhalten.

In den ersten Jahren wurden die Häuser unzusammenhängend an verschiedenen Plätzen errichtet, erst allmählich ergab sich das heute bekannte Bild mit dicht an dicht stehenden Häusern. Ausnahmen von dieser Regel befinden sich noch heute vor allem an den Enden der Langen Straße sowie im Bereich des Ortszuganges von der Angelner Seite. Am westlichen Ende, oder oberen Ende wie in Arnis gesagt wird, stehen kurz vor der Verzweigung zur Schul- und Parkstraße mehrere Häuser traufständig zur Straße, u. a. das Pastorat.

Hausbau in Arnis

Die Häuser des 17. und 18. Jahrhunderts waren Fachwerkhäuser, von denen einige wenige noch heute vorhanden sind (meist mit späteren Umbauten und Sanierungseingriffen). Die Größe der ersten Häuser kann heute an den Grundstücken Lange Straße 13 und 26 erahnt werden. Ein typisches Merkmal dieser Fachwerkhäuser sind die Utluchten, Anbauten am Wohnzimmer des Hauses über die eigentliche Fassadenfront hinaus zur Straße hin. Die Utluchten gibt es an einigen Häusern sowohl doppelt, zu beiden Seiten der Eingangstür, wie auch einseitig, asymmetrisch zur Achse des Hauses. Hinter den Fenstern der Utluchten befanden sich die begehrtesten Plätze im Wohnzimmer des Hauses, da man von hier aus das Treiben auf der Straße beobachten konnte. Im 17. und 18. Jahrhundert blieb neben den Häusern ein breiter Gang als Zugang zu Hof und Garten bestehen, der sich bei im späten 18. und im 19. Jahrhundert errichteten Häusern auf äußerst schmale, im Charakter städtische Laufgänge reduzierte.

Im 19. Jahrhundert setzte sich als Bautyp allmählich das voll gemauerte Haus auf einem Fundament aus Felssteinen durch (z. B. Lange Str. 79). Typisch für diese Zeit sind die halbmondförmigen, vielfach unterteilten Giebelfenster im zweiten Obergeschoss, das als Dachboden zu Lagerzwecken genutzt wurde, sowie die großen mit Holzarbeiten reich verzierten Eingangstüren in der Mittelachse der Häuser. Innerhalb dieser Häuser führte ein zentraler Flur bis zum rückwärtigen Teil. Die vorderen Räume wurden meist als Wohnräume, die rückwärtigen als Wirtschaftsräume genutzt. Innerhalb der oberen Etage wurde höchstens der zur Straße hin gewandte Teil als Wohnraum genutzt, da es in dieser Zeit noch keine geeigneten Dämmtechniken für die Einkleidung der Dachschrägen gab. Das obere Geschoss wurde deshalb meist als Lagerplatz genutzt.

Stadtbild
Die Verbreiterung der Langen Straße an der Stelle des früheren Teiches
Fischer in Arnis

Genau wie in Maasholm wurde das Stadtbild, das den Zweiten Weltkrieg noch vollständig überlebt hatte, im Ortszentrum mit Beginn der Umbauten in den 1960er und 1970er Jahren arg in Mitleidenschaft gezogen. Teilweise wurden die Fachwerkhäuser komplett mit Rotklinker-Fassaden umbaut. Da auch die Größe und Proportionen der Fenster verändert wurden, unterschied sich das Ergebnis eines solchen Umbaus dann kaum von einem Siedlungsbau der Nachkriegszeit. Weitaus häufiger als ein Umklinkern kam jedoch das Einsetzen neuer, breiter Fenster vor, deren Proportionen sich grundlegend von denen der historischen Fenster unterschieden. Auf diese Weise wurde in diesen Jahrzehnten ein großer Teil der Häuser missgestaltet – die Verwendung von Mahagoniholz anstelle der meist zweifarbig gestrichenen alten Fenster tat ein Übriges.

Im Ortszentrum ging die Neugestaltung so weit, dass mehrere für das Erscheinungsbild wichtige Häuser komplett abgerissen und durch in Material und Proportionen ungeeignete Neubauten ersetzt wurden. Im Zuge dieser Umbauten wurde unter anderem die historische Gaststätte „Schifferhaus“ abgerissen.

Dieser negativen Entwicklung stellten sich ab den späten 1970er Jahren zugezogene Neu-Arnisser entgegen, die teilweise den baufälligen bzw. verbauten Häusern wieder ihre historischen Details (u. a. Lange Str. 19) zurückgaben.

Das äußere Bild der Stadt hat sich als (positive) Folge des wirtschaftlichen Niederganges im 19. und frühen 20. Jahrhundert bis heute relativ gut erhalten. Zwei nicht in das Siedlungsraster eingefügte Wohnbauten am nördlichen Ende der Halbinsel, dem Aar, stören zwar, sind aber noch im traditionellen Siedlungsbereich errichtet. Die für Arnis sehr hohe, derzeit noch vorhandene Reparaturhalle der ehemaligen[14] Schiffswerft Otto Eberhard sorgte zur Zeit ihres Neubaus für heftige Debatten und wirkt auch heute von Angeln aus gesehen überdimensioniert. Gleichwohl hat auch dieser Eingriff zwar die Akzente verschoben, das Siedlungsbild aber nicht zerstört.

Ein zerstörerischer Eingriff durch eine Reihe von Wohnneubauten am „alten Damm“ konnte nach erregten Debatten in der Stadtvertreterversammlung Ende der 1960er Jahre verhindert werden. Diese Veränderung hätte den auf die Fläche der ehemaligen Insel beschränkten Siedlungsbereich endgültig aufgelöst. Ein Schritt hierhin bedeuten schon die Bauten entlang der Zufahrtsstraße von Angeln her, wo seit dem Bau (1949) des Villa genannten Hauses des „Kohlenkönigs“ Nissen (Firma Hania[15]) eine Reihe von Wohn- und Geschäftsbauten entstanden sind, u. a. der Stützpunkt am Segelhafen der heutigen WSG auf dem Gemeindegebiet der Nachbargemeinde Grödersby (s. u.).

Nachdem sich der Bau von weit in die Schlei hinausragenden Bootsanlegern, abgesehen von der genannten Anlage der WSG im Arnisser Noor, bislang auf den Bereich parallel zur Langen Straße beschränkt hat, wurde im Herbst 2005 in Arnis ein Projekt für eine neue Seebrücke diskutiert, die diesen Rahmen gesprengt hätte. Eine private Investorengruppe hatte beabsichtigt, vorgelagert vor der Anlage des Arnisser Friedhofs eine Seebrücke in die Schlei hineinzubauen, um u. a. eine Anlegestelle für die sich wieder im Aufwind befindliche Fahrgastschifffahrt zu schaffen. Dieses zu 50 % aus öffentlichen Mitteln zu fördernde Projekt wurde vom Bürgermeister Jan Willi Degen unterstützt, jedoch im November 2005 von der Stadtvertreterversammlung abgelehnt.

Bewohner

Schon im 19. Jahrhundert war es Arnisser Bürgern bewusst, in einem besonderen Ort zu wohnen. Der Küster und Schullehrer Christopher Scharf war 1838[16] der erste Arnisser Bürger, der eine Chronik des Ortes als Buch veröffentlichte. Weitere Chroniken wurden vom ehemaligen Arzt des Ortes, Walther Luth, im Jahr 1977 und von der Fischersfrau Liselotte Wiese im Jahr 2000 herausgegeben. Die Autobiografie des Kapitäns und zeitweiligen Auswanderers Peter Hansen aus Amalienburg bezog sich 1859 im Untertitel ausdrücklich auf Arnis.[17]

Die Arnisser gelten – ausgehend von der Gründungsgeschichte – als sehr dickköpfig[18] und sind in Schleswig-Holstein über die Berichterstattung in den Medien bekannt für ihre Streitkultur, in der Nachbarn untereinander oder einzelne Arnisser bzw. Teile der Arnisser Bevölkerung gegen Entscheidungen ihrer Stadträte klagen.[19] Im sprichwörtlichen „Pappelstreit“ ging es ab 2009 zuerst um das Fällen großer Pappeln entlang des Wanderwegs an den „Noorwiesen“. Die Pappeln sollten aus Sicherheitsgründen gefällt werden, da sie nicht mehr standfest seien. Dies wurde von einer Gruppe von Bürgern verhindert, da aus ihrer Sicht die Bäume in ihrer besonderen Größe zum Stadtbild gehören. Ein zweiter Pappelstreit entstand um die Kosten für die erforderliche Sanierung der Pappeln. Per Gerichtsbeschluss wurde dann 2011 festgestellt, dass die Kosten von der Stadt zu tragen sind, obwohl sie auf Privatgrundstücken stehen. Der Wanderweg mit den mehr als 60 Jahre alten Pappeln sei als öffentliches Ensemble zu werten[20] – die Anpflanzung vor dem Zweiten Weltkrieg[21] war nicht exakt außerhalb der Grundstücksgrenzen erfolgt.

Politik

Von den neun Sitzen in der Stadtvertretung hat die Wählergemeinschaft BfA seit der Kommunalwahl 2013 sechs Sitze, der SSW hat drei Sitze.

Wappen

Blasonierung: „Unter goldenem Schildhaupt, darin eine liegende blaue Netznadel zwischen zwei aufrechten blauen Lindenblättern, in Blau ein einmastiges goldenes Segelschiff mit voller Besegelung, Flagge und Wimpel.“[22]

Einrichtungen

In der Stadt gibt es heute nur noch einen dänischen Kindergarten im Gebäude der ehemaligen dänischen Schule. Die nächste Vor- und Grundschule befindet sich in Habertwedt, einem Ortsteil der Nachbargemeinde Grödersby, die weiterführenden Schulen im etwa 5 km entfernten Kappeln. Ebenfalls in Kappeln findet sich die nächste dänische Schule.

Die Schifferkirche ist evangelisch.

Vereine

Arnis hat drei Segelclubs: den seit 1907 bestehenden Arnisser Segelclub e. V. (ASC) mit Sitz und Segelhafen in Kappeln, die Wassersportgemeinschaft Arnis e. V. (WSG Arnis mit Sitz am Arnisser Noor (zu Grödersby gehörend)) und den örtlich ansässigen Segel-Verein Arnis (SVA).

Der Arnisser Turn- und Sportverein spielt heute nur noch eine geringe Rolle, blickt aber auf eine lange Tradition zurück.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Schifferkirche in Arnis mit der Grabplatte einer Kapitänsfamilie
Der Kirchenraum

Arnis hat einen Segelhafen im natürlichen Schutz des Noores, eine Werft, mehrere Hallen als Winterlagerplätze für Segelboote sowie eine Seilfähre über die Schlei. Die Stadt besitzt einen Fußweg entlang des Schleiufers, auf dem sich die Halbinsel in weniger als einer halben Stunde umrunden lässt. Die Mischung aus Gärten, Werften und Anlegern für Segelboote auf der Südostseite bietet eine in dieser Form seltene städtebauliche Durchdringung von Arbeiten, Wohnen und touristischer Nutzung. Sehenswert ist die Kirche (die Fachwerkwand stammt noch aus der Zeit des Baus von 1669) und die Anlage des Friedhofs auf einer Erhebung, die sich auf den Resten einer Verteidigungsanlage (s. Schwonsburg) aus der Zeit Erichs von Pommern gründen soll. Die Lange Straße bildet die Mittelachse und zugleich den größten Reiz der Stadt, mit den gekappten Linden und den noch verbliebenen Fischerhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Die nächste größere Stadt ist Kappeln.

In der Liste der Kulturdenkmale in Arnis stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Regelmäßige Veranstaltungen

Im Sommer finden das Stadtfest und das Sommerfest des DRK statt, am ersten Wochenende im September die „Speck-Regatta“, die vom Arnisser Segelclub, dem ASC, veranstaltet wird.

Die Speck-Regatta wird seit 1920 veranstaltet. Da die Wirtschaftskrise reguläre Preise für die Teilnehmer unmöglich machte, wurden damals gespendete Lebensmittel als Preise vergeben. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten, der Sieger bekommt Speck und einen Erinnerungsteller, weitere Preise werden in der Form von Naturalien vergeben.

Die Regatta ist heute eine der wichtigsten auf der Schlei, die Zahl der teilnehmenden Boote ist von 15 im Jahr 1920 auf mehr als 100, die in verschiedenen Klassen fahren, gestiegen.

Feier zum 350. Geburtstag
Gruppenfoto der Theatergruppe aus Arnis, die im Jahr 2017 anläßlich der 350-Jahre-Feier der Stadt das Theaterstück „Der Auszug nach Arnis“ geprobt und am 8. und 9. Juli in einem Festzelt in Arnis aufgeführt hat.

Am 8. Juli 2017 feierte die kleine Stadt ihren 350-jährigen Geburtstag mit Musik, Theater, Kunsthandwerk und Lichtershow. Die 297 Einwohner (Stand 2017) trafen ein Jahr lang Vorbereitungen für den Festakt, der mit einem deutsch-dänischen Gottesdienst in der Schifferkirche begann, gefolgt von einem bunten Festumzug durch die Stadt und einem Jubiläumsfest im Festzelt mit dem Landrat Wolfgang Buschmann und dem dänischen Generalkonsul aus Flensburg, Henrik Becker-Christensen, sowie Ehrengast Hans-Joachim Grote, dem neuen Innenminister Schleswig-Holsteins, der die Glückwünsche des Ministerpräsidenten Daniel Günther überbrachte. Im Rathaus wurde eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt eröffnet, die vom in Arnis geborenen Historiker Nicolaus Schmidt erstellt wurde.[23] Während Arnisser Segler eine Jubiläumsregatta auf der Schlei veranstalteten, waren der Gaffelsegler Catarina und das Wikingerschiff Sigyn für Gäste des Festes zu besichtigen.[24][25]

Am 8 und 9. Juli wurde im Festzelt jeweils vor 350 Zuschauern das Theaterstück „Der Auszug nach Arnis“ aufgeführt. Das Theaterstück basiert in der ersten Hälfte auf dem in den 1950er-Jahren vom Dr. Hans Bürgin (Lehrer an der Klaus-Harms-Schule in Kappeln) geschriebenen „Kappelner Heimatspiel“. Die Umarbeitung und Ergänzung mit einer komplett neuen zweiten Hälfte erfolgte durch Hendrik Horn (Arnis) und Nicolaus Schmidt (Berlin/Arnis). Die plattdeutschen Texte stammen von Elke Horn (Arnis), die auch Regie geführt hat.

Die Aufführung von Theaterstücken, die sich mit der Gründungsgeschichte beschäftigen, hat Tradition in Arnis. Bereits zur 200-Jahr-Feier wurde am 15. Mai 1867 in der „Meyerschen Gaststätte“, im heutigen Haus Lange Straße 79, ein solches Stück aufgeführt, „Die Gründung von Arnis“. Überliefert sind die Namen der Schauspieler, aber nicht der Autor des Stückes.[26]

Wirtschaft

In Arnis gibt es neben Gastronomiebetrieben mehrere Gewerbebetriebe, die sich vor allem auf den Segelsport und die Schifffahrt spezialisiert haben. Die Einkaufsinfrastruktur hat sich fast vollständig aufgelöst; übrig geblieben ist eine Backstube mit Café. Während in den 1950er Jahren Lebensmittel noch in sechs Geschäften gekauft werden konnten, reduziert sich das Angebot heute auf die Stände eines kleinen Wochenmarktes. Daneben gibt es eine Reihe von Geschäften für den touristischen Bedarf sowie eine Töpferei.

Von besonderer Bedeutung für den Ort ist mit jährlich rund 12.000 Übernachtungen der Fremdenverkehr. Der Boots- und Schiffbau, der bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts die wichtigste Rolle gespielt hatte, wird heute auf einem etwas niedrigeren Niveau von der Schiffswert Otto Eberhardt (nach einer zwischenzeitlichen Schließung) [27] und der Yacht- und Bootswerft Matthias Paulsen fortgeführt, die weiterhin in der Tradition des Yachtbootsbaus in Mahagoni der früheren Werft Matthiesen & Paulsen arbeitet. Die Schiffswerft Heinrich Eberhardt ist dagegen eine Mischung aus Marina und Plattform für kleinere Bootsbauprojekte. Auf diesem Gelände operiert auch die Balticat Werft, die Serienkatamarane in Kohlefaser und formverleimte Sandwichbauweise herstellt.[28]

Verkehr
Die Seilfähre nach der Abfahrt in Arnis

Arnis ist über die Bundesstraße 201 von Schleswig nach Kappeln oder über die Bundesstraße 199 von Flensburg nach Kappeln zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Süderbrarup und der nächste Flughafen in Kiel-Holtenau.

Zum Bahnhof Süderbrarup gibt es eine Busverbindung, weitere Busverbindungen bestehen nach Schleswig, Kappeln, Flensburg und Eckernförde.

Im Sommerhalbjahr verkehrt über die Schleienge nach Schwansen hinüber eine seilgeführte Motorfähre.

Siehe auch: Liste der Straßennamen in Arnis
Persönlichkeiten
Jacob Georg Christian Adler (1756–1834), Theologe und Orientalist
Friedrich Marquard Meyer (1769–1834), Theologe
Otto Soltau (1885–1915), Künstler
Nicolaus Schmidt (* 1953), Künstler
Literatur
Christopher Scharf: Beschreibung und Geschichte der Insel und des Fleckens Arnis. Schleswig 1838.
Deutscher Grenzverein (Hrsg.): Biographie des Schiffscapitains Peter Hansen von Amalienburg bei Arnis im Herzogthum Schleswig. Deutscher Grenzverein, Flensburg 1989. (Nachdruck der Originalausgabe, Tönning 1859)
Walter Luth: Arnis – Kleine Stadt mit großer Vergangenheit. Druck- und Verlagshaus, Arnis 1977, OCLC 257192871.
Karl Müller: Die Schlei – Tochter der Ostsee. Rendsburg 1965, über Arnis S. 68–75.
H. D. Schurdel: Die Hoheitszeichen der Stadt Arnis. In: Zeitschrift Schleswig-Holstein. 5, 1986, S. 18 ff.
August Westphalen: Schiffahrt und Häfen von Tondern bis Brunsbüttel, von Hadersleben bis Schleswig. Ein geschichtlicher Überblick von den Anfängen bis heute. Flensburg 1971, DNB 720101379.
Liselotte Wiese: Die Arnisser Straßen und Häuser, Sitten und Gebräuche. Eigenverlag, Arnis 2000, OCLC 248252710.
Nicolaus Schmidt: ARNIS 1667–2017 Die kleinste Stadt Deutschlands. Wachholtz Verlag 2017, ISBN 978-3-529-05188-3.
Weblinks
 Commons: Arnis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Arnis – Reiseführer
Stadt Arnis
SWR2-Radiofeature über Arnis