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Geschichte

Bacharach wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt.[3] Wohl schon im 7. Jahrhundert ging das königliche Gebiet in den Besitz des Kölner Bischofs Kunibert über (darauf deutet eine „Kunibertskapelle“ an Stelle der heutigen Wernerkapelle). Vögte des Kölner Besitzes waren die Pfalzgrafen, die mit der Zeit den Kölner Einfluss zurückdrängten. Bereits Pfalzgraf Hermann von Stahleck hatte so viel Einfluss, dass er auf Burg Stahleck residiert. Die Tochter seines Nachfolgers Konrad von Staufen heiratet heimlich auf Burg Stahleck einen Sohn der verfeindeten Familie der Welfen. Dadurch fällt Bacharach und die gesamte Pfalzgrafschaft für kurze Zeit an Heinrich von Braunschweig. 1214 werden die wittelsbacher Pfalzgrafen neue Herren über Bacharach. Sie erhielten zusammen mit dem Unteramt Kaub hier ihre wichtigste Zoll und Einnahmequelle. 1314 wurde hier beschlossen, Ludwig den Bayern zum deutschen König zu wählen. Außerdem war Bacharach die wichtigste Umladestation für den Weinhandel, da hier die Fässer von kleineren Schiffen, die allein das Binger Loch passieren konnten, auf größere verladen wurden. Ab jetzt trug der Wein die Bezeichnung „Bacharacher“. Auch durch den Holzhandel aus dem Hunsrück gewann Bacharach an Bedeutung und erhielt 1356 die Stadtrechte.

Bacharach 1645 (Matthäus Merian)
Rheinromantische Wernerkapelle auf einem Stich von William Tombleson
Bacharach um 1832 auf einem Stich von William Tombleson

Weithin sichtbar ist die gotische Wernerkapelle, sie ist ein rheinromantisches Wahrzeichen der Stadt und liegt auf dem Weg zur Burg Stahleck, von der Stadt aus. Ihr Bau wurde um 1293 (erste Weihe eines Werneraltars im Südflügel) an der Stelle der älteren Kunibertkapelle als Wallfahrtskapelle erbaut und mit Beiträgen der Wallfahrer finanziert aber erst nach 1426 vollendet. Bei der Sprengung der Burg (1689) wurde sie stark beschädigt und verfiel danach zur Ruine.[4] Namensgeber ist der vormals „heilige“ Werner von Oberwesel. Nach der zeittypischen christlichen Ritualmordlegende soll der 16-jährige am Gründonnerstag 1287 von Mitbürgern der örtlichen jüdischen Gemeinde ermordet worden sein, die sein Blut für das Passahfest verwendet hätten. Auf den angeblichen Ritualmord erhob sich der antisemitische Mord- und Pogrommob und zerstörte nicht nur jüdische Gemeinden am Mittelrhein, sondern auch an der Mosel und im niederrheinischen Raum. Im Volkschristentum entstand der Wernerkult. Erst 1963 wurde Werner aus dem Heiligenkalender der Diözese Trier gestrichen.

1344 wurde mit dem Bau der Stadtmauer begonnen, die schon um 1400 vollendet war. 1545 wurden die Stadt und die Pfalz unter Pfalzgraf Friedrich II. protestantisch. Burg Stahleck und die Stadtmauer konnten aber nicht verhindern, dass Bacharach im Dreißigjährigen Krieg, beginnend mit der spanischen Besetzung durch Ambrosio Spinola 1620, die bis 1632 andauerte,[5] achtmal die Besatzung und damit die vorherrschende Religion wechselte und mehrfach geplündert wurde. Auch mehrere Stadtbrände sorgten für Zerstörung. 1689 sprengten schließlich französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Burg Stahleck und vier Türme der Stadtmauer.

1794 besetzten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer, Bacharach gehörte von 1798 bis 1814 nach dem Frieden von Lunéville zum Département de Rhin-et-Moselle und war Hauptort (chef-lieu) eines Kantons. Während der napoleonischen Befreiungskriege zog der preußische Feldmarschall Blücher nach seinem Rheinübergang bei Kaub in der Neujahrsnacht 1813/1814 mit seinen Truppen durch Bacharach und das Steeger Tal Richtung Frankreich. An dieses Ereignis erinnert ein Gedenkstein etwas flussabwärts gegenüber Kaub. Nach dem Wiener Kongress ging die Stadt 1815 zusammen mit dem linken Rheinufer bis einschließlich Bingerbrück an Preußen. Nach der Versandung des Hafens fiel Bacharach in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst im Zuge der Rheinromantik wieder erweckt wurde. Zu den ersten wichtigen Besuchern zählte 1840 der französische Schriftsteller Victor Hugo. Im Zuge der Rheinregulierung im Jahr 1850 wurde bei Bacharach der Ara Bacchi gesprengt.

Die Pflege und Erhaltung der Baudenkmäler Bacharachs, im frühen 20. Jahrhundert vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz vorangetrieben, der sich besonders der damals höchst gefährdeten Stadtmauer und der Ruine von Burg Stahleck annahm, und das starke Engagement des Landes Rheinland-Pfalz für die Wernerkapelle haben dafür gesorgt, dass Bacharach heute noch ein Kleinod der Rheinromantik und ein vielseitiges Zeugnis der mittelalterlichen Architektur am Mittelrhein ist. Die Ruine der Wernerkapelle ist baudenkmalgemäß gesichert und davor ist eine Gedenktafel zu Erinnerung an die unmenschlichen Verbrechen gegen die jüdischen Mitbürger angebracht, die ein Gebetzitat Papst Johannes XXIII. um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden enthält:

„Wir erkennen heute, daß viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so daß wir die Schönheit deines auserwählten Volkes nicht mehr sahen und die Züge unseres erstgeborenen Bruders nicht mehr wiedererkannten. Wir entdecken nun, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel im Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat die Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, daß wir dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wußten nicht, was wir taten …“

Heute lebt Bacharach vom Tourismus und der Wein aus Bacharach erfreut sich noch immer internationaler Beliebtheit. Probleme aufgrund einer wegen fehlender Perspektiven schrumpfenden Bevölkerungszahl sind aber nicht zu übersehen.

Eingemeindungen

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Steeg mit seinerzeit 852 Einwohnern nach Bacharach eingemeindet.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Bacharach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.794
1835 2.342
1871 2.511
1905 2.859
1939 2.746
1950 3.091
Jahr Einwohner
1961 2.853
1970 2.712
1987 2.184
1997 2.268
2005 2.097
2015 1.880

St. Peter
Religion

2013 waren 47,4 Prozent der Einwohner evangelisch und 30,7 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[7]

Politik
Stadtrat

Der Stadtrat in Bacharach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[8]

Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt
2014 4 5 1 6 16 Sitze
2009 3 4 2 7 16 Sitze
2004 3 5 2 6 16 Sitze

FWG = Freie Wählergruppe Bacharach e.V.
Ortsbezirke

Die Stadtteile Henschhausen, Medenscheid, Neurath und Steeg sind Ortsbezirke mit Ortsbeiräten und Ortsvorstehern.

Städtepartnerschaften

Bacharach pflegt zu Overijse in Belgien und Santenay in Frankreich partnerschaftliche Beziehungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Wernerkapelle
Blücher-Gedenkstein
Marktturm
Bauwerke
Fachwerkhäuser, die in der gesamten Stadt zu finden sind. Eine ganze Zeile fasst Bacharach mit der Stadtmauer zum Rhein hin ein. Die Stadtmauer ist unter Arkaden begehbar; von ihr aus führen Zugänge zu den Weinstuben und Restaurants mit Außenterrassen zum Rhein.
Altes Haus, mittelalterliches Fachwerkhaus von 1389. Das heutige Erscheinungsbild resultiert aus einem um 1600 durchgeführten Umbau [9]
Haus Utsch von 1585, seinerzeit auch von Friedrich Wilhelm Utsch, dem „Jäger aus Kurpfalz“, bewohnt
Alter Posthof
Alter Marktplatz
Kurpfälzer Amtskeller
Ehemalige kurpfälzische Münze (seit Mitte 14. Jahrhundert)
Zollhof mit der katholischen Kirche St. Nikolaus
Evangelische Kirche St. Peter
Ruine der gotischen Wernerkapelle
Die Bacharach umgebende zum Teil begehbare Stadtmauer
Die Türme der Stadtmauer (14. Jahrhundert): Diebsturm (Reste), Zehnt-turm, Spitzenturm (Reste), Postenturm, Holztor (Steeger Tor), Liebesturm, Halbturm (Reste), Kühlbergturm (Reste), Sonnenturm (Reste), Hutturm, Zollturm (nicht mehr vorhanden), Kranentor, Markttor, Münztor, Winandturm. Die Stadtbefestigung ist eine der am besten erhaltenen in Rheinland-Pfalz
Rheininsel, der Bacharacher Werth
Burg Stahleck, UNESCO-Welterbe und heute eine Jugendherberge mit 168 Betten[10]
Reste einer Römerstraße oberhalb von Burg Stahleck
Burg Stahlberg über Bacharach-Steeg
Blücher-Gedenkstein an der Rheinfähre
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Bacharach
Bacharach in der Kunst
Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach (sic) 1840.[11]
Heinrich Heine: Gedicht Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …[12]
Don Jaffé: Prolog zu Rabbi von Bacherach nach Heinrich Heine, Musikstück für Violoncello und Sprecher
Clemens Brentano: Loreley-Gedicht Zu Bacharach am Rheine …
Gerd Hergen Lübben: Der Textfund zu Bacherach [Vorsatz/ „Vom Heligen Werner und Pogrom in Bacherach am Rhein“ / Nachklang]. In: Die Brücke – Forum für antirassistische Politik und Kultur, Heft 140, 2/2006 (Saarbrücken), S. 126–128
Guillaume Apollinaire: Gedicht La Lorley. In: Oeuvres poétiques. Gallimard, Paris 1965, S. 115f.[13] Vertont von Dmitri Schostakowitsch
Robert Stolz’ Singspiel Wenn die kleinen Veilchen blühen (1932) spielt im „Alten Haus“ Bacharach, seinem Stammlokal.
Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn: Trinklied: „Zu Klingenberg am Maine, Zu Würzburg an dem Steine, Zu Bacherach am Rhein …“
Regelmäßige Veranstaltungen
Impression vom Vierthälermarkt 2007
Kulinarische Sommernacht (jeweils am vierten Augustwochenende)
Bouleturnier
„Tal to Tal“ – Autofreier Erlebnistag, oberes Mittelrheintal (jeweils am letzten Sonntag im Juni)
Vierthälermarkt – Mittelalterlicher Markt in Bacharach
Kappensitzung des BCV (Bacharacher Carneval-Verein e.V.)
Verkehr

Bacharach liegt an der linken Rheinseite und ist erreichbar über die Bundesstraße 9 oder den Rhein. Von und nach Bacharach fahren regelmäßig die Ausflugsschiffe der Köln-Düsseldorfer-Rheinschiffahrt, kurz KD.
Mit der Fähre ab der Engelsburg nach Kaub sind die Verkehrswege des rechten Rheinufers zu erreichen. Zwischen Bingen und Bacharach führt der Rheinradweg unterhalb der Bahn am Rheinufer entlang, in Richtung Oberwesel verläuft er direkt neben der Bundesstraße 9.
Der Hunsrück-Radweg führt quer über den Hunsrück bis nach Saarburg an der Saar.

Die Stadt gehört dem Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbund an. Bacharach liegt an der linken Rheinstrecke der Eisenbahn und ist stündlich durch die Mittelrheinbahn Köln—Koblenz—Mainz erschlossen sowie zweistündlich durch die Regionalexpresslinie 2 Koblenz–Boppard–Bacharach–Bingen am Rhein–Mainz–Frankfurt(M)-Flughafen–Frankfurt(M) Hbf (Stand Dezember 2014).

Söhne und Töchter der Stadt
Hans Meinhard von Schönberg (1582–1616), kurpfälzischer und kurbrandenburgischer Feldobrister und Hofmeister des Winterkönigs
Johann Josef Kewer (1810–1903), Notar und Heimatschriftsteller
Gerhard von Kügelgen (1772–1820), Maler
Karl von Kügelgen (1772–1832), Landschafts- und Historienmaler, russischer Hof- und Kabinettmaler
Jakob Heep (1893–1956), Politiker, Landrat und Landtagsabgeordneter der SPD
Friedrich G. Paff (* 1950), Schriftsteller und Dichter, lebt und arbeitet in Marburg
Arnold Weickard (* 1578; † 23. November 1645, Frankfurt am Main), Leibarzt der Pfalzgräfin Anna Margaretha von Pfalz-Veldenz, Witwe des Herzogs Reichard (Pfalz-Simmern-Sponheim), auf der Burg Neubolanden; Senior des Medizinischen Kollegs Frankfurt/Main
Literatur
Edmund Renard: Die Instandsetzung der Bacharacher Stadtbefestigungen, 1907–1913. Georgi, Bonn 1915.
Friedrich Ludwig Wagner (Hrsg.): Bacharach und die Geschichte der Viertälerorte: Bacharach, Steeg, Diebach und Manubach. Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e.V. 1996, ISBN 3-00-000994-9.
Weblinks
 Commons: Bacharach – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Bacharach – Reiseführer
 Wikisource: Bacharach – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Bacharach in der Topographia Palatinatus Rheni (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Bacharach – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Stadt Bacharach
Jutta Assel, Georg Jäger: Orte kultureller Erinnerung: Bacharach am Rhein. Goethezeitportal, Februar 2011 (Geschichte, Baudenkmäler und Rheinromantik in Wort und Bild)
Bacharach – Residenz der Pfalzgrafen bei Rhein. Website „regionalgeschichte.net“ des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Zur Geschichte von Neurath bei Bacharach. Website „regionalgeschichte.net“ des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Literatur über Bacharach in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
J. F. Dielmann, A. Fay, J. Becker (Zeichner): F. C. Vogel’s Panorama des Rheins: Ansichten des rechten und linken Rheinufers von Mainz bis Coblenz. Lithographische Anstalt F. C. Vogel, Frankfurt 1833:
Bild von Bacharach
Bild von Bacharach
Bild von Bacharach
Bild der Burg Die Pfalz
Georg Dahlhoff: Bacharach. Fotos mit Erläuterungen