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Geschichte
Bürger- und Vereinshaus mit Touristinformation

Der Stadtteil Keuschberg ist der älteste Teil der Stadt. Am 5. Juli 993 wurde der Ort durch Otto III. erstmals urkundlich erwähnt. Vesta, ein mit Wällen befestigter Königshof, wurde 1197 im Naumburger Urkundenbuch erstmals genannt. Für die anderen Stadtteile von Bad Dürrenberg sind folgende Ersterwähnungsdaten überliefert: Kirchdorf: 1248, Goddula (später: Klein- und Groß-Goddula): 1263, Lennewitz: 1267, Balditz: 1317 und Fährendorf 1320.[2] Zu dieser Zeit muss bereits eine namensgebende Fähre in Fährendorf existiert haben. Das Standesamt, das ehemalige Salzamt, ist das älteste Steingebäude der Stadt und ist bereits in Urkunden aus dem Hochmittelalter als Königsgut nachgewiesen.

Bahnhof Bad Dürrenberg
Kurpark

Das Gebiet der heutigen Ortschaft Bad Dürrenberg gehörte bis 1815 zum Gebiet des Hochstifts Merseburg, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte. Während Dürrenberg, Balditz, Keuschberg, Vesta, Groß- und Klein-Goddula zum Amt Lützen gehörten, unterstanden Kirchdorf, Fährendorf, Lennewitz, Ostrau, Porbitz und Poppitz der Verwaltung des Amts Merseburg.[3] 1741 unternahm der kurfürstlich-sächsische Bergrat Johann Gottfried Borlach bei Keuschberg Bohrversuche. Die Bohrung war erst 1763 erfolgreich, seitdem gibt es dort einen ständigen Solefluss mit 10,63 % Salzgehalt. Über diesem ersten Solebrunnen entstand 1765 ein wuchtiger Soleförderturm, der nach ihm benannte Borlachturm befindet sich in unmittelbarer Nähe der Gradierwerke. Das Museum im Turm würdigt die Leistungen von Borlach und dokumentiert die Geschichte der Salzgewinnung, die Verarbeitung der Dürrenberger Sole zu Siedespeisesalz und die Entwicklung Dürrenbergs zum Badeort.[4]

Spätgotische Kirche in Kirchfährendorf
Evangelische Kirche
St. Bonifatius

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen die zwölf Orte der heutigen Ortschaft Bad Dürrenberg im Jahr 1815 zu Preußen. Sie wurden 1816 dem Kreis Merseburg[5] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt. Im 19. Jahrhundert wurden folgende Orte erwähnt, die aus mehreren Orten entstanden sind: Kirchfährendorf (aus Kirchdorf und Fährendorf), Porbitz-Poppitz (aus Porbitz und Poppitz), Goddula (aus Groß-Goddula, Klein-Goddula und Vesta).

Erstmals an das Eisenbahnnetz angebunden werden sollte der Ort im Jahr 1826 mit der Errichtung einer Pferdeeisenbahn von Leipzig nach Dürrenberg; die Pläne wurden jedoch verworfen. Im Jahr 1836 wurde die 4,5 Kilometer lange Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn mit einer Spurweite von 585 mm und der erste, 133 m lange Eisenbahntunnel Deutschlands errichtet. Am 22. März 1856 nahm die Bahnstrecke von Leipzig nach Corbetha über Barneck, Markranstädt, Kötschau und Dürrenberg ihren Betrieb auf.

Die Errichtung des ersten Badehauses erfolgte 1845, die erste Saalebrücke wurde 1920 erbaut. Im selben Jahr wurde die Rössener Straßenbahnstrecke in Etappen über Daspig und Spergau bis Fährdorf verlängert, sechs Jahre später dann bis zum Bahnhof Bad Dürrenberg.

Blick durch das Gradierwerk in den Kurpark

Die „Großgemeinde Dürrenberg“ entstand am 1. Juli 1930 durch Zusammenschluss der Landgemeinden Dürrenberg, Keuschberg, Porbitz-Poppitz, Ostrau, Lennewitz und Balditz. Seit der Verleihung des Prädikates „Bad“ im Jahr 1935 nennt sich Dürrenberg Bad Dürrenberg. Am 30. November 1946 wurde der Gemeinde Bad Dürrenberg das Stadtrecht verliehen. Die Verkündung nahm der Bezirkspräsident Otto Gotsche in feierlicher Sitzung der Stadtverordneten am 6. Januar 1946 vor. Die Urkunde wurde an Bürgermeister Paul Drese übergeben. Am 15. April 1947 bekam die Stadt ihr Wappen verliehen, das noch heute Verwendung findet.[6] Am 1. Juli 1950 wurden die Orte Kirchfährendorf und Goddula-Vesta nach Bad Dürrenberg eingemeindet.[7] Die Verwaltungsgemeinschaft Bad Dürrenberg mit Oebles-Schlechtewitz, Tollwitz sowie seit 1998 Spergau und seit 2006 Nempitz wurde 1994 gebildet.

Der Badebetrieb in Bad Dürrenberg wurde 1964 eingestellt, die Produktion von Siedesalz bereits ein Jahr zuvor. Ein neuer Solebrunnen wurde am 24. Juni 2000 in Betrieb genommen. 2003 sanierte man die ehemalige Trinkhalle im Kurpark, die anschließend wieder für Soleanwendungen geöffnet wurde. 2008 wurde der Stadt das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Goddula und Kirchfährendorf eingegliedert. Oebles-Schlechtewitz wurde am 1. Juli 2008 in die Stadt Bad Dürrenberg eingemeindet.[8] Am 1. Januar 2010 folgten die Eingemeindungen von Nempitz und Tollwitz[9], was die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Bad Dürrenberg nach sich zog.

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung von Bad Dürrenberg 1990 bis 2015 nach nebenstehenden Daten

Jahr Einwohner
3. Oktober 1990 13.008
31. Dezember 1995 12.214
31. Dezember 2000 11.902
31. Dezember 2005 11.391
31. Dezember 2006 11.287
31. Dezember 2010 12.339
31. Dezember 2012 11.844
31. Dezember 2015 11.763

Politik
Bürgermeister (seit 1945)
Kurt Eckart (SPD), Mai bis Juni 1945
Karl Herfurth (KPD), ab Juli 1945
Paul Drese (SED), 1946 bis 1947
Fritz Singer, 1948 bis 1952
Kurt Boose, ab 1951 stellvertretend
Gerry Meißel (SED), ab 1952 kommissarisch/ Edmund Jatz
Martha Wessler (SED), 20. Februar 1953 bis 19. Februar 1976
Liselotte Wehowski (SED), 20. Februar 1976 bis 20. August 1986
Frank Klappach (SED), 21. August 1986 bis 30. September 1988
Karin Zeisler (SED), 1. Oktober 1988 bis Mai 1990
Thomas Heilmann (CDU), 28. Mai 1990 bis 30. Juni 2001
Jürgen Elste (FDP), 1. Juli 2001 bis 30. Juni 2008
Árpád Nemes (CDU), 1. Juli 2008 bis 30. Juni 2015
Christoph Schulze (CDU), 1. Juli 2015
Stadtrat

Der Stadtrat in Bad Dürrenberg hat 29 stimmberechtigte Mitglieder. Er setzt sich aus 28 Stadträten und dem Bürgermeister der Stadt Bad Dürrenberg zusammen.

Die Mandate verteilen sich seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 wie folgt:

CDU: 8 Mitglieder
FDP: 5 Mitglieder
Die Linke: 5 Mitglieder
SPD: 2 Mitglieder
Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG): 2 Mitglieder
Allgemeine Freie Liste (AFL): 2 Mitglieder
Wählergemeinschaft Pro Bad Dürrenberg (WG-PBD): 2 Mitglieder
Wählergemeinschaft Handwerker und Gewerbetreibende (WG-HuG): 1 Mitglied
Neues Forum: 1 Mitglied
Wappen

Das Wappen wurde am 15. April 1947 durch den Minister des Innern der Provinzialregierung Sachsen-Anhalt genehmigt.

Blasonierung: „In Rot über blauem Wasser ein silbernes Gebäude mit turmartigem Dach, schwarzen Fenstern, Tür und silberner Eingangstreppe.“

Flagge von Bad Dürrenberg

Das Gebäude im Wappen der Stadt stellt das Wahrzeichen von Dürrenberg, den sogenannten Kunst- oder Borlachturm dar. Die Wellen deuten die geografische Lage der Stadt an der Saale an.[10]

Flagge

Die Flagge der Stadt Bad Dürrenberg ist weiß – rot (1:1) gestreift.

Städtepartnerschaften

Bad Dürrenberg unterhält Partnerschaften zu Caudebec-lès-Elbeuf in Frankreich, Ciechocinek in Polen, Encs in Ungarn und Melle in Niedersachsen (Deutschland).[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gradierwerk
Borlachmuseum
Kurpark (10 ha) u.a. mit einer Blumenuhr, Baumpfad
Größtes zusammenhängendes Gradierwerk Deutschlands (636 m lang)
Borlachturm
Borlachmuseum über die Geschichte des Salzes in der Region
Heimatstube
Vogel- und Palmenhaus
Naturlehrpfad mit Lehrtafeln; führt durch ein Naturschutzgebiet
Trimmpfad
Spätgotische Kirche im Ortsteil Fährendorf
Saale-Radwanderweg (7 km auf der Gemarkung)
Radweg Sole, Kohle und Geschichte vom Geiseltalsee nach Lützen
Erster Eisenbahntunnel Deutschlands (nach heutigem Maß 177 Meter lang)
Die Kirche St. Bonifatius ist ein sakraler Rundbau, der im Altarraum eine ungewöhnliche Glasmosaik-Darstellung des gekreuzigten Christus hat.
Museumswohnung in der Gartenstadt („Alte Siedlung“)
Nachbau der ersten sächsischen Dampfmaschine (von Christian Friedrich Brendel) im Witzlebenturm
Geschichtsdenkmale
Hunnenstein
Kriegerdenkmal auf dem Borlachplatz zur Erinnerung an die 151 Gefallenen des Ersten Weltkrieges, eingeweiht am 23. August 1925
Grabstätten für 14 Zwangsarbeiter auf dem Städtischen Friedhof
Grabstätten von 18 Zwangsarbeitern auf dem Neuen Friedhof
Denkmal aus dem Jahre 1959 auf dem Alten Friedhof für 41 Zwangsarbeiter aus mehreren Nationen
Kriegerdenkmal vor der evangelischen Kirche zum Andenken an die Teilnehmer und Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71
Kriegerdenkmal an der Kirchfährendorfer Straße im Ortsteil Fährendorf für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
Denkmal auf dem OdF-Platz zur Erinnerung an die „Opfer des Faschismus und des imperialistischen Krieges“
Hunnenstein mit dem sagenhaften Abdruck der Hand König Heinrichs I. zur Ungarnschlacht 933
Bauernstein
Regelmäßige Veranstaltungen
Brunnenfest: Jeweils drei Tage am letzten Juni-Wochenende; zu den Brunnenfesten wird traditionell das Kleine Borlachspiel aufgeführt. Dabei wird die Erschließung der Quelle dargestellt und es findet eine öffentliche Solemessung statt.
Kurkonzerte Mai bis September im Kurpark
Ostermarkt am Karsamstag vor dem Palmen- und Vogelhaus
Bauernmarkt am ersten Samstag im September, auf dem Borlachplatz/Apothekerberg vor dem Palmen- und Vogelhaus
Weihnachtsmarkt am zweiten Adventwochenende, vor dem Palmen- und Vogelhaus
Ausstellungen regionaler Künstler im Wasserturm des Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung (ZWA)
Tag des offenen Denkmals, u.a. mit Führungen zum Borlachschacht, Eisenbahntunnel, Gradierwerk
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehrsanbindung
Eisenbahnbrücke bei Bad Dürrenberg über die Saale
Straßenbahnlinie 5

Bad Dürrenberg verfügt über einen Haltepunkt an der Strecke Leipzig – Großkorbetha mit stündlich verkehrenden Regionalbahnlinien SE15 und RE17 nach Leipzig, Erfurt und Saalfeld. Zudem ist die Stadt mit der Straßenbahnstrecke Halle-Ammendorf–Bad Dürrenberg (Halle – Kröllwitz – Merseburg – Leuna – Bad Dürrenberg) an den Nahverkehr der HAVAG angebunden. Die darauf verkehrende Linie 5 ist mit ca. 30 Kilometern die längste Straßenbahnlinie in den Neuen Bundesländern. Busverbindungen gibt es unter anderem nach Markranstädt, Merseburg, Günthersdorf und Kleinkorbetha.

Linie Linienverlauf im Fahrplanjahr 2016
RE 17 Leipzig Hbf – Leipzig-Gohlis – Leipzig Coppiplatz – Leipzig-Möckern – Leipzig-Leutzsch – Leipzig-Miltitz – Markranstädt – Bad Dürrenberg – Großkorbetha – Weißenfels – Naumburg(Saale)Hbf – Bad Kösen – Bad Sulza – Apolda – Weimar – Erfurt Hbf (betrieben durch Abellio Rail Mitteldeutschland)
SE 15 Leipzig Hbf – Leipzig-Gohlis – Leipzig Coppiplatz – Leipzig-Möckern – Leipzig-Leutzsch – Leipzig-Miltitz – Markranstädt – Bad Dürrenberg – Großkorbetha – Weißenfels – Naumburg(Saale)Hbf – Bad Kösen – Jena Saalbahnhof – Orlamünde – Rudolstadt(Thür) – Saalfeld (Saale) (betrieben durch Abellio Rail Mitteldeutschland)

Weiterhin liegt die Stadt direkt an der A 9, an der sie eine eigene Anschlussstelle hat.

In Bad Dürrenberg gibt es eine Saaleschleuse.

Tourismus

Das ehemalige Salzamt wurde zum Hostel umgebaut, daneben gibt es drei weitere Hotels.
Außerdem gibt es das Sole Spa (Gesundheit, Wellness und Entspannung) direkt im Kurpark und das Gesundheitszentrum mit Sole Bewegungsbad (Veranstaltungs- und Dienstleistungszentrum Bad Dürrenberg gGmbH).

Landesgartenschau 2022

Unter dem Motto „Salzkristall & Blütenzauber“ bewarb sich die Stadt Bad Dürrenberg am 14. September 2016 um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 und erhielt am 28. März 2017 den Zuschlag.[12]

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Carl Bischof (1812–1884), Bergbauingenieur
Rudolph Vogel (1847–1923), Reichstagsabgeordneter
Helmut Pohle (1925–1994), Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer
Ibrahim Böhme (1944–1999), Politiker
Willi Opitz (1928–2011), Jurist, Generalmajor und Rektor der Hochschule des MfS
Lars-Broder Keil (* 1963), Journalist und Buchautor
Andreas Ihle (* 1979), Weltmeister und Olympiasieger im Kanurennsport
Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Borlach-Gedenkplakette
Johann Gottfried Borlach (1687–1768), kursächsischer Bergrat und Gründer der Arterner, der Kösener und der Dürrenberger Saline
Novalis (1772–1801), Frühromantiker, Philosoph und Jurist
Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770–1837), Pharmazeut und Apotheker
Karl von Fritsch (1838–1906), Paläontologe und Geologe, Präsident der Leopoldina
Carl Buttenstedt (1845–1910), ab 1883 Sekretär beim Salzamt Dürrenberg
Georg Engelbert Graf (1881–1952), Politiker, Dozent und Autor
Ernst Fraenkel (1898–1975), Politikwissenschaftler und Jurist
Christa Maria Ziese (1924–2012), Lied-, Konzert- und Opernsängerin
Siehe auch
Bestattung von Bad Dürrenberg
Weblinks
 Commons: Bad Dürrenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Dürrenberg – Reiseführer
Internetpräsenz der Stadt
Internetpräsenz der Stadt – Tourismus/Kultur