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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Bad Schussenried nicht vorenthalten.

Geschichte
Das Torgebäude am Kloster Schussenried
Bad Schussenried

Archäologische Funde erbrachten Zeugnisse einer vorgeschichtlichen Besiedlung der Region. 1866 fand man den altsteinzeitlichen Lagerplatz von Jägern und Sammlern. Es waren dies die ersten altsteinzeitlichen Funde in Mitteleuropa. Bei Aichbühl, etwa 1,5 km nördlich der Schussenquelle, wurden Ende des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen im Moor des Federseerieds jungsteinzeitliche Pfahl- und Moordörfer entdeckt. Schussenried wurde namengebend für die Schussenrieder Gruppe des Jungneolithikums.

Im Jahre 2009 entdeckten Archäologen bei Grabungen im Olzreuter Ried in Ablagerungen eines ehemaligen Sees in einer Pfahlbausiedlung vier jungsteinzeitliche Räder. Das Ahornholz wurde dendrochronologisch auf circa 2897 v. Chr. datiert. Die Achsenfragmente gehören in den Fundhorizont der Goldberg-III-Gruppe des Endneolithikums. Die einzigartigen Fundstücke sind für die wissenschaftliche Erforschung der Technik- und Verkehrsgeschichte von größter Bedeutung.[2][3]

Zum ersten Mal wurde Shuozenried 1153 urkundlich erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag die Stadt im Herzogtum Schwaben.

Die Geschichte der Stadt ist eng mit der des Klosters Schussenried verbunden. Im Jahre 1183 gründeten die Ortsherren Konrad und Beringer das Prämonstratenserkloster. Die Abtei erhielt viele Privilegien, so zum Beispiel im Jahre 1521 die Hohe Gerichtsbarkeit (Blutbann), so dass die Äbte neben dem Krummstab auch das Schwert im Wappen führten. Bis zur Säkularisation lenkten die Chorherren die Geschicke der Klostergemeinde.

Am 25. Februar 1803 wurde die Reichsabtei säkularisiert und ratifiziert im Reichsdeputationshauptschluss 1802 an den Grafen von Sternberg-Manderscheid übergeben. Drei Jahre später wurde Schussenried mediatisiert und kam an das Königreich Württemberg. Die gräfliche Standesherrschaft entschloss sich 1835, das Klostergebäude an das Königreich Württemberg zu veräußern, das dort 1837 ein Hüttenwerk (heute Wilhelmsmühle der SHW Wasseralfingen GmbH) errichtete.

1845 wurde im Neuen Kloster das Psychiatrische Landeskrankenhaus errichtet (heute Zentrum für Psychiatrie). Das Psychiatrische Landeskrankenhaus Schussenried, eine staatliche Anstalt Württembergs, war zwischen 1940 und 1941 im Rahmen der „Euthanasie“-Aktion T4 Zwischenanstalt für den systematischen Transport von 561 Patienten und Heimbewohnern aus Freiburg, Fußbach, Liebenau, Zwiefalten in die NS-Tötungsanstalten Grafeneck und Hadamar. An diese Opfer des NS-Terrors erinnert seit 1983 eine Gedenktafel auf dem Anstaltsfriedhof.[4]

Der Torfabbau war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Wirtschaftszweig in Schussenried.

Im Jahre 1947 wurde es zur Stadt erhoben. Seit dem 26. April 1966 darf Schussenried den Titel „Bad“ führen.

Otterswang

Erstmals erwähnt wurde Otterswang 1116 als Otolfiswane. Der Ort hatte von 1187 bis 1803 Ortsadel. Ein Seitenzweig der Schenken von Winterstetten und der von Schmalegg benannte sich nach Otterswang. Der Ort und die frühere Burg kamen 1420 zum Kloster Schussenried. Die Gemeinde Otterswang gehörte zum württembergischen Oberamt Waldsee. Bei der Kreisreform 1938 wurde die Gemeinde in den Landkreis Biberach eingegliedert.

Reichenbach

Reichenbach ist durch die aus der Pfahlbauzeit stammenden Funde im Steinhausener Ried bekannt. Im Jahre 839 Rihchinbach genannt, wies der Ort im 13. und 14. Jahrhundert Adel auf, der auf der früheren Burg Braunsberg seinen Sitz hatte. Die Gemeinde Reichenbach gehörte zum württembergischen Oberamt Saulgau, ab 1934 Landkreis Saulgau.

Steinhausen

Steinhausen, 1257 erstmals als Steinhusin erwähnt, besaß zwischen 1260 und 1407 Ortsadel. Steinhausen war zunächst Teilort von Schussenried und wurde dann selbständige Gemeinde im württembergischen Oberamt Waldsee. Bei der Kreisreform 1938 wurde die Gemeinde in den Landkreis Biberach eingegliedert.

Eingemeindungen

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1972 Otterswang und Steinhausen sowie am 1. Januar 1974 Reichenbach in die Stadt eingegliedert.[5]

Politik
Gemeinderat

Bei den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014 vom Mai 2014 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU – 34,8 % – 7 Sitze (−1)
Bürger Liste (BL) – 13,0 % – 2 Sitze (+ 2)
Freie Unabhängige Bürger (FUB) – 25,7 % – 5 Sitze (-2)
FWG – 26,5 % – 5 Sitze (+2)
Bürgermeister

Seit dem 20. März 2010 ist Achim Deinet Bürgermeister von Bad Schussenried. Er setzte sich am 7. Februar 2010 im zweiten Wahlgang gegen Alexander Eisele durch. In dem zwei Wochen zuvor durchgeführten ersten Wahlgang war auch der amtierende Bürgermeister Georg Beetz angetreten, der seine Kandidatur jedoch zurückzog, nachdem er das schlechteste Ergebnis der drei Bewerber erzielt hatte.

1952–1970: Josef Handgretinger
1970−1986: Hubert Kohler
1986–1994: Lothar Frank
1994–2010: Georg Beetz
seit 2010: Achim Deinet
Wappen und Flagge

Das Wappen wurde vermutlich durch die Abtei Schussenried festgelegt. Die Blasonierung des Wappens zeigt: „In Silber ein linksgewendeter, doppelschwänziger roter Löwe.“ Der Löwe gilt als apokryphe Wappenfigur der Herren von Schussenried. Nachdem er schon im Wappen der Prämonstratenserabtei Schussenried als Hinweis auf die Klosterstifter enthalten gewesen war, erscheint er seit langem auch in den Gemeindesiegeln. Nach der Erhebung zur Stadt wurde 1948 die jetzige Gestalt des Wappens vom Gemeinderat bestätigt.

Die Bad Schussenrieder Stadtfarben sind Rot-Weiß, somit auch die Flagge.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Freilichtmuseum Kürnbach

Die Stadt liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und an der Schwäbischen Bäderstraße.

Museen
Bierkrugmuseum: Das Bierkrugmuseum Bad Schussenried ist als Deutschlands erstes Museum dieser Art weithin bekannt. Es werden darin Bierkrüge der Sammlung Ott in allen Größen aus fünf Jahrhunderten gezeigt. Bei Führungen kann die Schussenrieder Brauerei Ott besichtigt werden, in der außerdem der drittgrößte Bergkristall der Welt ausgestellt ist.
Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach: Im Ortsteil Kürnbach befindet sich das 1969 gegründete Oberschwäbische Museumsdorf, wohin oberschwäbische Bauernhäuser versetzt wurden, die am ursprünglichen Ort nicht mehr erhalten werden konnten. Inzwischen entstand um das Strohdachhaus von 1664, das einzige am Ursprungsort, ein richtiges Dorf mit 31 Gebäuden und Einrichtungsgegenständen aus sechs Jahrhunderten.[6] Vom Schwäbischen Eisenbahnverein e. V. wird dort die 1,1 km lange „Dampfbahn Kürnbach“ betrieben.
Wallfahrtsmuseum „Alte Schmiede“ in Steinhausen
Ailinger Erlebnismühle mit über 400 Jahre alter Tradition im Ortsteil Reichenbach
Kutschenmuseum der Familie Mayerföls
Zentrales württembergisches Mundartarchiv und Museum
Klostermuseum Bad Schussenried
Bauwerke
Kloster Schussenried
Bibliothekssaal im ehemaligen Kloster Schussenried
Innenansicht der Klosterkirche St. Magnus
Chorraum und Chorgestühl der Klosterkirche St. Magnus

Sehenswert sind die erhaltenen Gebäude des 1183 gegründeten Klosters Schussenried, eines ehemaligen Prämonstratenser-Reichsstifts. 1748 wurde der Neubau der gesamten Klosteranlage begonnen, von dem kaum die Hälfte ausgeführt werden konnte. Die Pläne dazu lieferte Dominikus Zimmermann; ein Holzmodell ist erhalten. Bauleiter war Jakob Emele, der 1750 zum Klosterbaumeister ernannt wurde und Zimmermann verdrängte. Das Bauvorhaben folgte dem Vorbild der Abtei Wiblingen. Beide Klöster zeichnen sich durch ihre überragenden Bibliothekssäle im Nordtrakt der Klosteranlagen aus. Ein Kapitelsaal im Osten wurde bereits im frühen 19. Jahrhundert wieder abgebrochen.

Aus dem Mittelalter ist die kurz vor dem Klosterneubau barockisierte Sankt-Magnuskirche erhalten, eine dreischiffige Basilika mit barocker Ausstattung, darunter das Chorgestühl von Georg Anton Machein und Deckenfresken von Johannes Zick. Die Klosterkirche hätte durch einen Neubau nach Plänen von Emele ersetzt werden sollen; dazu ist es nicht mehr gekommen.

Wallfahrtskirche Steinhausen
Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Steinhausen

Die zwischen 1728 und 1731 erbaute Wallfahrtskirche St. Peter und Paul im Ortsteil Steinhausen gilt als ein Hauptwerk Dominikus Zimmermanns und ist als heiter-verspieltes Wahrzeichen des oberschwäbischen Barock ebenfalls Ziel vieler Touristen. Die häufig zu hörende Bezeichnung Schönste Dorfkirche der Welt ist jedoch eher irreführend, da die „Dorfkirche“ als Wallfahrtskirche durch das reiche Kloster Schussenried errichtet wurde und als reine Pfarrkirche für ein Dorf dieser Größe völlig überdimensioniert wäre. Der Bauherr Abt Didakus vom Kloster Schussenried, ein gebürtiger Biberacher, wurde wegen erheblicher Baukostenüberschreitung von einem geistlichen Gericht seines Ordens gemaßregelt und strafversetzt. Durch Steinhausen führt der historische Jakobspilgerweg, der im spanischen Santiago de Compostela endet. Steinhausen ist eine Station auf dem Teilstück Ulm-Konstanz. Seit 2009 führt auch der Oberschwäbische Pilgerweg durch den Ort. So wird Steinhausen heute von vielen Menschen auf einem Weitwanderweg auch wieder zu Fuß besucht.

Kirche in Otterswang

Die ebenfalls prächtig ausgestattete spätbarocke Kirche St. Oswald im Ortsteil Otterswang wurde 1770 erbaut und 1972 umfassend renoviert. Sie wird vor allem um das Erntedankfest im Herbst viel besucht, da sie jedes Jahr mit einem prunkvollen Erntedankteppich aus Feld- und Gartenfrüchten geschmückt wird. Auch das barocke Pfarrhaus ist erhalten.[7]

Kirche in Reichenbach

Die 1460 erbaute Kirche zu den Heiligen Sebastian, Blasius und Agatha wurde 1704 ganz umgestaltet und später mehrmals restauriert.

Burgen

Burg Hervetsweiler, Burg Kürnbach, Ruine Otterswang, Burg Reichenbach, Burg Rudersberg, Burg Schussenried (Alte Apotheke), Burg Schussenried (Neue Apotheke)

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Bad Schussenried
Musik

Aus Bad Schussenried stammen die Schwabenrock-Gruppen Grachmusikoff und Schwoißfuaß. Der Blasmusikverlag Alfred Burger hat seinen Sitz ebenfalls in Bad Schussenried.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Der Bahnhof Bad Schussenried liegt an der württembergischen Südbahnstrecke. Im Stundentakt verkehren Züge nach Ulm und Friedrichshafen. Das nördliche Teilstück nach Ulm kann im ÖPNV mit dem Tarif des Donau-Iller-Nahverkehrsverbundes (DING) genutzt werden, das südliche mit dem Tarif des Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbundes (bodo).

Im Jahre 1896 wurde der erste Streckenabschnitt der Schmalspurbahn Schussenried-Riedlingen – der Federseebahn – von Schussenried nach Buchau eröffnet. 1915 wurde die Strecke bis Dürmentingen verlängert und 1916 noch einmal bis Riedlingen. Zwischen 1960 und 1969 wurde der Betrieb auf allen Strecken eingestellt. Heute existiert als Gütergleis noch der Streckenabschnitt bis zum Torfwerk (auf Normalspur umgestellt), seit 2002 ist auch diese Strecke stillgelegt.

Ansässige Unternehmen

Ein großer Arbeitgeber am Ort ist das Zentrum für Psychiatrie, ein Krankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie, das 256 Betten vorhält. Weitere große Arbeitgeber sind die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) sowie die Betonmischer-Sparte der Liebherr-Gruppe.

Bildungseinrichtungen

Bad Schussenried verfügt über die Georg-Kaeß-Grundschule und die Drümmelberg-Werkrealschule, die Jakob-Emele-Realschule und das Caspar-Mohr-Progymnasium. Daneben ist in der Stadt seit 2011 eine Einrichtung des Humboldt-Institutes für Deutsch als Fremdsprache ansässig.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Hans Lutz, Baumeister (um 1500)[8]
Johann Baptist Allgaier (1763–1823), Schachspieler
Anton Arnold (1872–1945), Former und Betriebsrat, Mitglied des Landtags von Württemberg (SPD)
Wilhelm Schussen (eigentlich W. Frick; 1874–1956), schwäbischer Schriftsteller
Paul Konrad Kurz (1927–2005), Schriftsteller
Alex Köberlein (* 1951), Rock-Musiker und Sänger
Rolf Gölz (* 1962), Profi-Radsportler und Olympiateilnehmer 1984 in Los Angeles, sportlicher Leiter des Rennteams Gerolsteiner
Michael Kranz (* 1983), Schauspieler, wuchs in Bad Schussenried auf
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Paul Atzler (1889–1972), Herausgeber von juristischen Fernlehrgängen, wirkte und starb in Schussenried
Conradin Kreutzer (1780–1849), Komponist und Kapellmeister, besuchte im Stift Schussenried die Schule
Oswald Metzger (* 1954), Politiker und Publizist, wuchs in Schussenried auf
Literatur
Paul Beck, Bernard Ruess: Beiträge zur Geschichte Schussenrieds. Federsee-Verlag, Bad Buchau 1981
Erler Blasius: Das Heimatbuch von Schussenried. Verlag Rudolf Abt, Schussenried 1950
Hubert Kohler (Hrsg.): Bad Schussenried. Geschichte einer oberschwäbischen Klosterstadt. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-4060-1
Joachim Angerer, Otto Beck, Anton Schmid (Hrsg.): Erlebtes Bad Schussenried. Ein Bilderbogen aus Oberschwaben. Fink, Lindenberg 1997, ISBN 3-931820-34-3 (Bildband)
Johann Daniel Georg v. Memminger: Gemeinde Schussenried, aus Beschreibung des Oberamts Waldsee. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1834 (Volltext bei Wikisource)
Weblinks
 Commons: Bad Schussenried – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bad Schussenried – in der Beschreibung des Oberamts Waldsee von 1834
Internetseite der Stadt