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Geschichte
Burg Bassenheim, Luftaufnahme (2016)

Archäologische Funde wie Tongefäße, Gefäßscherben und ein sogenannter Feuerbock deuten darauf hin, dass es im Bereich des heutigen Bassenheim bereits in keltischer Zeit bzw. um 500 vor Christus eine Ansiedlung gab. Römischen Ursprungs dürften Gebäudereste sein, die 1885 entdeckt wurden. [2]

Im Mittelalter war die Herrschaft Bassenheim laut einer Urkunde von 1265 zunächst ein Lehen von Kurköln. Später gelangte sie in den Besitz der Grafen von Wied, die 1373 die Grafen von Isenburg-Braunsberg mit ihr belehnten. Deren Afterlehensträger wiederum war die Adelsfamilie Waldbott von Waldmannshausen, deren Stammburg bei Hadamar lag. Die Familie, die sich später Waldbott von Bassenheim nannte, brachte durch Kauf und Erbschaft nach und nach die gesamte Herrschaft in ihren alleinigen Besitz und erlangte schließlich im Jahr 1729 die Reichsunmittelbarkeit. Im Frieden von Lunéville 1801 verlor sie ihren linksrheinischen Besitz an Frankreich, wurde aber 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss entschädigt.[3][2] Bis 1815 gehörte Bassenheim zum französischen Département de Rhin-et-Moselle und war Sitz der gleichnamigen Mairie. Diese umfasste das angrenzende kurtrierische Amt Bergpflege und entsprach ungefähr der heutigen Verbandsgemeinde Weißenthurm. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege fiel Bassenheim wie das gesamte Rheinland an Preußen. Als mittlerweile mediatisierte Standesherren erhielt die Grafenfamilie ihren Besitz in Bassenheim zurück.

Infolge der Insolvenz des Grafen Hugo Waldbott von Bassenheim wurde ihr örtliches Schloss und das zugehörige Rittergut 1861 zwangsversteigert.[4] Fürst Karl Anton von Hohenzollern kaufte den Besitz für etwa 465.000 Taler[2] und veräußerte ihn 1873 an den Freiherrn Abraham von Oppenheim (1804–1878) und seine Frau Charlotte. Unter ihnen begann in Bassenheim eine rege Bautätigkeit. Unter anderem ließen sie das Bassenheimer Schloss erweitern und restaurieren. Sieben Jahre nach dem Tod Abraham von Oppenheims stiftete seine Witwe der Gemeinde das Bassenheimer Krankenhaus und stattete es für die Unterhaltung mit 400.000 Mark aus. 1977 wurde das Krankenhaus geschlossen und 1984 nach Umbau und Erweiterung in ein Therapiezentrum für psychosomatisch Kranke umgewandelt. Weitere Gebäude aus der Oppenheim’schen Zeit sind das Rentamt am heutigen Walpotplatz, der Marstall in der Mayener Straße, die „Alte Apotheke“ und das „Haus am See“, in dem ehemals Dampfmaschinen standen, die den Druck für die Wasserversorgung erzeugten. Durch den Verkauf von Bauplätzen an Bassenheimer Bürger entstanden auch viele Privathäuser. Abraham und Charlotte von Oppenheim starben kinderlos. 1910 wurden Burg und Rittergut Bassenheim an Julius von Waldthausen verkauft.[4] Dessen Erben ließen das Schloss 1937 wegen zu hoher Unterhaltungskosten abreißen.

Die Burg Bassenheim, die bis heute existiert, war zur Zeit der französischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz des Gouverneurs der Regierungsbezirke Trier und Koblenz und späteren Landeskommissars von Rheinland-Pfalz. Am 8. Oktober 1948 kam es dort zu einem Treffen des französischen Außenministers Robert Schuman mit dem späteren deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die Begegnung gilt als ein Ausgangspunkt der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.

Walpotplatz und Kirche
Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat in Bassenheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl SPD CDU Gesamt
2014 7 13 20 Sitze
2009 7 13 20 Sitze
2004 7 13 20 Sitze

Wappen
Rathaus (1720)

Blasonierung: „Zwölffach geständert von Silber und Rot, belegt mit einem großen roten Herzschild, darin ein goldner Reichsapfel in perspektivischer Darstellung.“
Wappenbegründung: Das Wappen der Gemeinde Bassenheim knüpft an diese historischen Tatsachen in der Weise an, dass es auf dem von Silber und Rot geständerten Schild der Waldbott, der als Schildrand hervortritt, einen großen roten Herzschild zeigt, in dem ein goldener Reichsapfel als Sinnbild der Reichsunmittelbarkeit steht.Die Ortsfarben sind entsprechend denen der Familie Waldbott rot und weiß.

Die Verleihung des Wappens an die Gemeinde Bassenheim wurde mit Urkunde des Oberpräsidenten der Rheinprovinz unter dem 18. Februar 1936 ausgesprochen.

Partnerstädte
Pasym, Polen
Mit dem heutigen Pasym, dem früheren ostpreußischen Passenheim, bestehen seit 1988 freundschaftliche Beziehungen. Doch die historischen Beziehungen sind sehr viel älter: Das vom Deutschen Orden gegründete Dorf Heinrichswalde erhielt 1386 Stadtrechte. Der ersten Stadt Masurens wurde zu Ehren des obersten Spittlers und Komturs des Deutschen Ordens, Siegfried Walpot von Bassenheim, der Name „Bassenheim“ gegeben. Die Ostpreußen machten daraus „Passenheim“, die Polen nannten sie schon im 19. Jahrhundert „Pasym“. So heißt sie jetzt offiziell und führt das von Siegfried Walpot von Bassenheim eingeführte Wappen auch heute noch. Pasym liegt zwischen dem großen Kalbensee und dem Lelskersee 30 km südöstlich von Allenstein (Olstyn), hat eine riesige Gemarkung (rund 15.000 Hektar) und 5000 Einwohner, von denen 2500 in der Stadt, die anderen in ländlichen Bereichen wohnen.
Pougues-les-Eaux, Frankreich
Pougues-les-Eaux, 11 km von der Koblenzer Partnerstadt Nevers/Loire entfernt, wurde schon im 16. Jahrhundert durch seine Thermalquellen bekannt. Bis 1971 war die Stadt Badeort. In dem ehemaligen Parkgelände steht heute ein Spielcasino, das viele Besucher anlockt. Die Stadt hat 2500 Einwohner. Die Partnerschaftsbeziehungen sind seit 1989 aus freundschaftlichen Verbindungen zwischen den Tennisclubs beider Orte entstanden; sie wurden 1994 offiziell beschlossen. Seit dem 1. September 1993 besteht der Freundschaftskreis Bassenheim/Pougues-les-Eaux.[6]
Therapiezentrum Bassenheim

Charlotte Oppenheim gründete nach dem Tod Abraham Oppenheims 1885 das „Von-Oppenheim’sche Krankenhaus“. Zu dessen Errichtung stiftete sie der Gemeinde den Bauplatz, zusätzliche 5000 m² Land sowie 400.000 Mark. Das Krankenhaus, das 1888 um einen Kindergarten und eine Nähschule erweitert wurde, sollte der medizinischen Versorgung von Armen, Gebrechlichen und Kranken dienen.[7] Nach seiner Schließung im Jahr 1977 wurde das Gebäude restauriert und erweitert und 1984 als „Therapiezentrum Bassenheim“ für psychosomatisch Kranke wieder eröffnet.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bassenheimer Reiter
Adenauer-Schuman-Gedenkzeichen
Das berühmteste Kunstwerk Bassenheims ist der Bassenheimer Reiter in der Pfarrkirche St. Martin. Das frühgotische Relief des heiligen Martin, das dem Naumburger Meister zugeschrieben wird, stammt aus dem Westlettner des Mainzer Doms und wurde von dem Mainzer Domherrn Casimir Waldbott von Bassenheim 1683 nach Bassenheim gebracht.
Die Burg Bassenheim war seit dem 13. Jahrhundert im Besitz der Erzbischöfe von Trier, später wurde sie Sitz von Ministerialen. Die Herrschaft Bassenheim fiel noch vor 1300 durch die Heirat von Helena von Bachem, Erbtochter des Ritters Heinrich von Bachem, mit Siegfried Walpod († 1333) an das Geschlecht der Waldbott von Bassenheim. 1729 wurde die Herrschaft Bassenheim (durch den Niedergang der Grafschaft Sayn ein Lehen Kurkölns geworden) reichsunmittelbar und unterstand direkt dem Kaiser. Graf Hugo Waldbott verlor 1862 den 600-jährigen Stammsitz durch Zwangsversteigerung. Schloss und Gut befinden sich heute im Besitz der Freiherrn von Waldthausen-Osten. Das Schloss ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
In Bassenheim konnte ein Teil des jüdischen Friedhofes trotz der Verwüstungen der Naziherrschaft erhalten bleiben.
Auf dem Walpotplatz steht der Historienbrunnen des Mayener Bildhauers Paul Milles von 1985, später ergänzt durch Statuen der Ritter und Grafen von Bassenheim.[9]
Seit Juni 2012 erinnert am Walpotplatz ein begehbares Denkmal aus zwölf Stelen an das Treffen zwischen Robert Schuman und Konrad Adenauer in der Bassenheimer Burg, mit dem 1948 die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland begann. Schöpfer des Denkmals ist Harald Stieding, Hauptinitiatoren waren der frühere Bürgermeister von Bassenheim, Theobald Groß, Cord Michael Sander und Josef Seul.[10]
In der Nähe des Ortes liegen der Karmelenberg, ein Schlackenkegel vulkanischen Ursprungs, mit der 1662 erbauten Marienkapelle sowie der Goloring.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Bassenheim

Persönlichkeiten
Siegfried Walpot von Bassenheim, Komtur und oberster Spittler des mittelalterlichen Deutschordensstaats im Baltikum. Zu seinen Ehren erhielt 1386 die erste Stadt Masurens den Namen Bassenheim (später Passenheim). Das heutige polnische Pasym ist Partnerstadt Bassenheims.
In Bassenheim aufgewachsen
Christian Nicolay (* 1976), Sportler, 2006 Deutscher Meister im Speerwerfen
Jens Tiedtke (* 1979), Sportler, Handballnationalspieler
Rolf Weiber (* 1957), Volkswirt, Hochschullehrer für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
Karl-Josef Häfner (* 1952), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kelberg/Vulkaneifel
Mit Bassenheim verbunden
Julius Raschdorff (1823–1914), Architekt[7]
Charlotte Oppenheim (1811–1887)
Helene von Nostitz (1878–1944), Schriftstellerin; Nichte des späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg; starb in Bassenheim
Claude Hettier de Boislambert (1906–1986), Militärgouverneur von Rheinland, dann Rheinland-Pfalz von 1945 bis 1951, residierte im Bassenheimer Schloss

Ortsansicht, rechts der Eingang zum Schlossgrundstück

Lageplan

Informationstafel zur Geschichte

Ortsmitte (Walpot-Platz) mit Kirche

Rentamt (Walpot-Platz)

Historienbrunnen auf dem Walpotplatz

Burg Bassenheim (Privatbesitz Frhr. v. Waldthausen-Osten)

Burg Bassenheim

Kapelle auf dem Karmelenberg oberhalb von Bassenheim

Literatur
Josef Bartz: Bassenheim Geschichten einer Gemeinde. Selbstverlag, Bassenheim 2007 (Geschichten der Gemeinde in den letzten 100 Jahren).
Theobald Groß: Kleinod zwischen Rhein und Eifel. Impressionen aus dem geschichtsträchtigen Bassenheim. Selbstverlag, Bassenheim 2004 (Heimatbuch des ehemaligen Bürgermeisters).
Hans-Eckhart Joachim: Das eisenzeitliche Hügelgräberfeld von Bassenheim. Hrsg.: Landschaftsverband Rheinland (= Rheinische Ausgrabungen. Band 35). Rheinland-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7927-1136-2. 
Bernhard Gondorf: Bassenheim bei Koblenz. 1. Auflage. Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1984, ISBN 3-88094-477-6. 
Peter Schug, Jakob Marx, Matthias Schuler: Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier. Bd. 7. Geschichte der Dekanate Bassenheim, Kaisersesch, Kobern und Münstermaifeld.
Karl-Heinrich Reif, Hermann Müller: Familienbuch Bassenheim für die Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts.
Eleonora Heine-Jundi: Traumgeflüster in einer Allee.
Jane in der Beek: Die Töchter des Herrn von Bassenheim.
Literatur über Bassenheim in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
Weblinks
 Commons: Bassenheim – Sammlung von Bildern
Die offizielle Webpräsenz der Ortsgemeinde Bassenheim
Geschichte der Orgeln in Bassenheim (PDF-Datei; 47 kB)