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Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Ein in der Gemarkung Butzow am Hasselberg gefundenes Hängegefäß der Havelländischen Kultur im Museum für Vor- und Frühgeschichte

Die Gegend um Beetzseeheide war bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit von Menschen bewohnt. Archäologische Funde belegen Besiedlungen des Gebietes zwischen der Havel und dem Beetzsee spätestens seit der mittleren Steinzeit. So wurden in der Umgebung zahlreiche Artefakte aus Knochen und Geweih ausgegraben, die in die jungpaläolithische beziehungsweise mesolithische Zeit datiert werden konnten. Aus der jüngeren Steinzeit liegen ebenfalls Funde vor.[11] Am Hasselberg an der Grenze zur Gemeinde Beetzsee konnten beispielsweise Gräber der Havelländischen Kultur gesichert werden.[12] Dabei wurden mehrere Hängegefäße gefunden, die teilweise im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellt sind. Weitere Funde stammen von der steinzeitlichen Kugelamphorenkultur.

Archäologische Funde: Fibeln vom Mosesberg im Kreismuseum Jerichower Land

Ebenfalls stammen Funde der Umgebung beispielsweise aus der Bronzezeit. Am Mosesberg nördlich Ketzürs beziehungsweise östlich Butzows wurde bei Ausgrabungsarbeiten ein Urnengräberfeld mit etwa 60 Gräbern, die sich der frühen Eisenzeit und der frühen römischen Kaiserzeit zuschreiben lassen, entdeckt. Grabbeigaben waren Fibeln, Messer und Gürtelschnallen.[13] 1899 wurde ein ebenfalls eisenzeitliches Urnengräberfeld nördlich von Mötzow nahe dem Beetzseeufer ausgegraben.[14] Neben steinzeitlichen Gräbern wurde auf dem Hasselberg einer der größten Urnengräberfriedhöfe des Elbe-Havelgebietes der späteren römischen Kaiserzeit bis zum Beginn der Zeit der Völkerwanderung entdeckt. Bei Ausgrabungen wurden zumeist schalenförmige Urnen ohne Beigaben gefunden. Die Funde wurden ins 3. bis ins 5. Jahrhundert datiert.[12] Viele der archäologischen Funde aus der Gemarkung Butzow sind im Kreismuseum Jerichower Land in Genthin ausgestellt.

In seinem Werk Germania beschrieb Tacitus die Gegend östlich der Elbe bis an die Oder als Siedlungsgebiet des suebischen Stamms der Semnonen. Bis auf wenige Restgruppen verließen die Semnonen noch vor beziehungsweise spätestens während der Zeit der Völkerwanderung ab dem 3. beziehungsweise 4. Jahrhundert ihr altes Siedlungsgebiet an der Havel in Richtung des Rheins. Ab dem 5. beziehungsweise 6. Jahrhundert kam die germanische Siedlungstätigkeit weitgehend zum Erliegen. Es liegen ab dieser Zeit bis ins 8. Jahrhundert nur noch wenige archäologische Funde vor. Anfang des 8. Jahrhunderts[15] wanderten Slawen in das nach der Abwanderung der Germanen weitgehend siedlungsleere Gebiet ein. Reste germanischer Bevölkerung gingen in der slawischen Mehrheitsbevölkerung auf. Aus frühslawischer Zeit datieren Funde entlang des Beetzsees. So stammen Oberflächenfunde vom Beetzseeufer östlich der heutigen Ortslage Butzows. An dieser Stelle soll eine Siedlung der frühen bis zur späten Slawenzeit bestanden haben.[12] Weitere slawische Siedlungen lagen in der Gemarkung Ketzür direkt am See etwa 200 Meter südwestlich des heutigen Dorfkerns[13] und in der Gemarkung Gortz am Ufer unterhalb des Flachsbergs.[16]

Mittelalter
Die Kirche Ketzürs mit mittelalterlichem polygonalen Zentralbau

Nachdem die slawische Burg Brandenburg 20 Jahre zuvor von Heinrich I. erobert worden war, errichtete Kaiser Otto I. im Jahre 948 das Bistum Brandenburg. Da es 983 zu einem Aufstand der Slawen kam, bei dem Brandenburg mit seinen umliegenden Gebieten in die Hände heidnischer Slawen zurückfiel, lebten die Bischöfe ab dieser Zeit zwar formal in kontinuierlicher Besetzung, jedoch im Exil in Magdeburg als Titularbischöfe, und hatten keine Herrschaft über ihre Gebiete im Osten an der Havel. Dieser Zustand bestand fast 200 Jahre, bis 1157 Albrecht der Bär Brandenburg zurückerobern konnte.

Die älteste urkundliche Erwähnung Mötzows stammt aus dem Jahr 1161, vier Jahre nach der Rückeroberung. Das Dorf, in der Urkunde „Mukzowe“ geschrieben, wurde als slawische Siedlung am Beetzseeufer südwestlich seiner heutigen Lage vom Bischof Wilmar von Brandenburg dem neugegründeten Domkapitel zu Brandenburg überschrieben. 1204 war in einer Urkunde an den brandenburgischen Markgrafen Otto II., in der der Besitz des Domkapitels bestätigt wurde, von zwei nahe beieinander liegenden Dörfern Mötzow die Rede.[17] Drei Jahre später, 1207, wurde Butzow als „Buzow“ erstmals erwähnt.[12] Im Jahr 1242 war in einer Urkunde, in der wiederum Mötzow erwähnt wurde, von einer „villa Mocszow slavicali“ beim Allod Mötzow die Rede. 1267 wurde dieses Dorf abermals als wendisch bezeichnet. Bald danach soll der slawische Ort wüst gefallen sein[14], während das Allod 1335 als eine curia, als Wirtschaftshof, beschrieben wurde.[17]

Gortz wurde erstmals im Jahr 1313 erwähnt, als in einer Urkunde von einem „Borgardo plebano in Gardyz“ die Rede war. Eine zweite Erwähnung stammt aus dem Jahr 1334 als „villam Garditz“.[18] In einer Urkunde des Markgrafen Ludwig I. aus dem Jahr 1335 wurden mehrere Beetzseegemeinden zu Instandhaltungsarbeiten an Dämmen verpflichtet. Dies betraf unter anderem Butzow und Kützkow, das dabei seine erste Erwähnung fand.[12][19] 1371 hatte „im Dorfe Garze“ ein Tile Selchow dem Altar Sankt Antonii in der Sankt-Gotthardt-Kirche in der Altstadt Brandenburg die Erträge mehrerer Höfe im Dorf überlassen. Vier Jahre später wurde im Landbuch Karls IV. „Gartz“ einem Claus Hennicke zugeschrieben. Er hatte die Obergerichtsbarkeit und den Wagendienst als markgräfliches Lehen inne. Das Dorf soll 34 Hufen gehabt haben, von denen 2 der Pfarrer (Wedemhof) und 5 Claus Hennicke (Ritterhof) besaß. Die übrigen waren wie die Fischerei verpachtet. Es gab 14 Kossäten und einen Krüger im Ort. Für den Weinberg war jährlich 1 Pfund zu zahlen.[20]

In Butzow listete das Landbuch 24 Hufen auf, von denen 22 frei und nur 2 verpachtet waren. Eine wirkliche Bauerngemeinde existierte im Dorf nicht. Von den freien Hufen waren 15 im Besitz von Vasallen des Markgrafen. Außerdem waren 7 Kossäten und ein Krüger beschrieben. Für die Fischerei auf dem See musste ein Pachtzins gezahlt werden. Das Obergericht im Ort hatten die Vasallen Heinrich Bröseke und Claus Butzow inne.[21] Herr über Ketzür war Thile Brösigke, ebenfalls aus der Familie Brösigke, die für mehrere Jahrhunderte das Dorf in ihrem Besitz behielt. Die Familie fand in verschiedener Schreibweise in den Jahrhunderten Erwähnung. Thile war ebenfalls Vasall des Markgrafen. Er hatte die Obergerichtsbarkeit und das Kirchenpatronat inne. „Kotzure“ beziehungsweise „Kotzüre“ hatte 26 Hufen, von denen 6 Brösigke und 2 der Pfarrer besaß. Die übrigen Hufen waren verpachtet. Daneben existierten 6 Kossätenhöfe und eine Windmühle. Pachtzins der Mühle waren 3 Wispel Roggen, die Fischerei brachte 5 Schilling und der Schulze hatte das Lehnspferd zu unterhalten.[22]

Im 15. Jahrhundert, 1413, wurden Butzow und Ketzür sowie weitere Dörfer von magdeburgischen Raubrittern geplündert.[23] 1428 erhielt das Brandenburger Domstift vom Markgrafen in Butzow einen zuvor heimgefallenen Hof und einen Weingarten unmittelbar neben dem Pfarrhof als Lehen. Zwei Jahre später wurde ein Claus Ruck als Herr über Gortz beschrieben. 1440 hatte die Altstadt Brandenburgs die Fischereirechte auf dem Beetzsee bei Butzow im Besitz. Bewohner des Dorfes durften nur mit kleinen Netzen am Ufer fischen.[12] Bis 1450 vergrößerte laut dem Schoßregister die Familie von Brösigke ihren Hof in Ketzür auf 8 Hufen[22], und noch vor 1450 hatte Claus Ruck das Dorf Gortz an die Brösikes abgetreten. Claus von Brösike besaß in Gortz einen Hof mit 5 Hufen, der bis 1480 um weitere 3 vergrößert wurde, sodass das Rittergut ebenfalls 8 Hufen groß war. Herr über Butzow war 1450 ein Bürger Jasper Lantyn aus Brandenburg, der seit 1431 einen Gutshof besaß und auch Besitzungen in Hohenferchesar und Fohrde im heutigen Havelsee hatte.[21] Ab 1477 erhielt eine Margarethe Retzow von Achim Brösicke eine jährliche Rente aus dem Dorf Ketzür.[13] Der erste beschriebene Großbrand war im Jahr 1480 in Gortz. Bei diesem wurden mehrere Bauernhöfe mit insgesamt zwölf Hufen zerstört.[24] Ab 1499 bis 1542 hatte das Prämonstratenserstift Unserer lieben Frau auf dem Berge auf dem Marienberg vor der Altstadt das Patronatsrecht über Butzow.[12]

Frühe und Neuere Neuzeit
Das Gutshaus der Familie von Brösegke in Ketzür

1518 gab der Kurfürst Joachim I. ein heimgefallenes Lehen in Butzow dem Prämonstratenserstift auf dem Marienberg, das bereits das Kirchenpatronat innehatte, und im Jahr 1520 verkaufte er Butzow mit allen Rechten und Einkünften für 992 Gulden und 30 Groschen an das Domkapitel Brandenburg. Auch die Lehnsfolge ging von den Familien Brösegke und Klest auf das Domkapitel über. Die bisherigen Freihufe wurden daraufhin an Bauern verpachtet. Später, im Zuge der Reformation, kam auch das Kirchenpatronat vom Prämonstratenserkloster an das Domkapitel, und spätestens seit 1541 bis in das 17. Jahrhundert hinein wurde der Butzower Gottesdienst vom Ketzürer Pfarrer versehen.[12][21] Die Gortzer Kirche war Filialkirche Ketzürs.[19] Ebenfalls spätestens ab 1541 war das Brösegkesche Gut in Ketzür innerhalb der Familie geteilt.[22]

Mötzow war 1567 als Vorwerk beziehungsweise Schäferei im Register des Doms ausgewiesen. Auf dem Wasenberg südlich des Dorfes und unweit der Landstraße nach Nauen befand sich die Hochgerichtsstätte des Doms. Auf ihm standen Galgen und Richtrad und es wurden dort mindestens bis ins 18. Jahrhundert hinein Hinrichtungen durchgeführt.[25] Die Rechtsausübung reichte bis zum Merseburger Zehntvertrag von 1237, beendete den Brandenburger Zehntstreit, zurück. Zu seinen Vereinbarungen gehörte die Übertragung der Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit in den Ortschaften des Domkapitelguts an den Dompropst oder seinen Stellvertreter. Als Kleriker durften sie die Blutgerichtsbarkeit nicht selbst ausüben, sondern mussten einen Richter berufen, der einem anderen Stand angehörte.[26][27] Während der Pest beispielsweise in den Jahren 1577 und 1598 verließen die wohlhabenden Bürger Altstadt und Neustadt und zogen sich teilweise auf ihre Ländereien in den Weinbergen zurück. Die altstädtischen lagen bei Radewege, die neustädtischen bei Klein Kreutz. Der gemeinsame brandenburgische Schöppenstuhl tagte während dieser Zeiten auf der Pählbrücke bei Butzow.[28]

Im Schoßkataster von 1624 wurde erstmals für Butzow ein Dorfschmied schriftlich erwähnt.[12] Im selben Jahr gab es in Ketzür zwölf bäuerliche, zwölf herrschaftliche und zwei Pfarrhufe, einen Hirten und einen Schmied.[19] Infolge des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) fiel Butzow weitgehend wüst. Auch Gortz wurde zerstört. Nach dem Krieg und der Wiederbesiedlung bekam Butzow bis spätestens 1656 wieder einen eigenen Pfarrer. Gortz wurde etwas abseits des Beetzsees nördlich des Flachsbergs wieder errichtet.[29] Im Jahr 1669 vernichtete ein Brand vier Butzower Gehöfte, eine Scheune und den Küsterhof.[12] Ketzür blieb bis ins späte 17. Jahrhundert vollständig im Eigentum der Familie von Brösegke. Infolge eines Erbvergleichs 1674 ging Ende des 17. Jahrhunderts ein Teil des Besitzes in Ketzür an einen Joachim von der Hagen. Das Rittergut Gortz, zu dem auch Besitzungen und Rechte außerhalb des Ortes gehörten, wurde ebenfalls geteilt. Der kleinere Teil blieb bei der Familie von Brösegke, der größere ging an von der Hagen.[24] 1691 erhielt Joachim von der Hagen den Lehnsbrief von Kurfürst Friedrich III., dem späteren König Friedrich I.[30]

Ab 1717 verpachtete das Domstift sein Gut Mötzow. Erster Pächer war bis 1729 August von Schönborn.[31] Die Güter der von Hagens in Ketzür und Gortz umfassten 1718 einen Rittersitz, Schäfereigerechtigkeit, Fischerei, Rohrung, Jagd, Ober- und die Niedergerichtsbarkeit, einen Teil des Kirchenlehns, Gärten, Wiesen, Fleischzehnt, Holzung, Bauernhofe, Pachten und mehr.[24][22] Für das Jahr 1772 wurden für Butzow 163[12] und um 1800 auf dem Vorwerk Mötzow 68 Einwohner gezählt.[25]

1815 wurden im Königreich Preußen nach den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich und den damit zusammenhängenden politischen und geografischen Veränderungen Provinzen gebildet. Die Gebiete um die Stadt Brandenburg wurden der neuen preußischen Provinz Brandenburg angegliedert. Ein Jahr später wurde der Landkreis Westhavelland gegründet, zu dem die Orte Butzow, Gortz, Mötzow und Ketzür gehörten. 1824 ging das Gut in Ketzür mit zwölf Hufen von der Familie Brösegke an die Familie von Rochow[19] und 1836 wechselte auch das Gut in Gortz.[32] Ab 1859 verpachtete das Domstift Mötzow und die zum Gut gehörenden Ländereien an Friedrich Sander. Dieser ließ 1894 ein schlossähnliches Gutshaus auf dem Gutshof errichten.[31]

Messtischkarte des 19. Jahrhunderts der Mötzower Gegend: Ziegeleien rot, Tongruben violett

In der gesamten Gegend entlang der Havel und der mit ihr verbundenen Seen gab es zu Beginn und im Verlauf des 19. Jahrhunderts und mit der beginnenden und voranschreitenden Industrialisierung in Preußen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Aufgrund reicher Tonvorkommen in der Gegend und in der Nähe des Sees wurden unter anderem um die Ortschaften Mötzow, Butzow, Ketzür und Gortz mehrere Ziegeleien errichtet. Die Havel ermöglichte einen Transport in die Industriezentren. Die gebrannten Klinker wurden vor Ort auf Lastkähne verladen und mit dem Schiff in die Städte Brandenburg, Potsdam und Berlin transportiert. Eine Schiffsladung bestand üblicherweise aus etwa 40.000 bis 50.000 Ziegelsteinen.[33] Die Klinkerproduktion wurde teilweise noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aufrechterhalten. Dann erschöpften sich die Tonvorkommen und modernere Werkstoffe wurden eingesetzt. 1840 gab es in Butzow 29 Wohnhäuser und 80 Wirtschaftsgebäude, darunter befanden sich eine Mühle und eine Ziegelei.[12] Mötzow war 1860 ein Vorwerk mit 12 Wohn- und 41 Wirtschaftsgebäuden, davon zwei Ziegeleien.[25]

20. und 21. Jahrhundert
Ehemaliger Bahndamm der Westhavelländischen Kreisbahnen bei Ketzür

Um das Jahr 1900 lebten in Ketzür mehr als 500 Menschen und der Ort bestand aus 53 Wohngebäuden. Butzow hatte 360 Bewohner und 70 Häuser. Von den Bewohnern Butzows waren zwei Gastwirte, einer Schlachter, einer Bäckerei-, einer Fischerei- und einer Molkereibesitzer. Außerdem gab es mehrere neu gegründete Bauernhöfe im Dorf.[12][19] Im Jahre 1904 wurde das heutige Beetzseeheide an das deutsche Schienennetz angeschlossen. In diesem Jahr wurde eine über Butzow und Ketzür führende Zweigstrecke der seit 1901 bestehenden Westhavelländischen Kreisbahnen eröffnet, die Brandenburg mit Nauen im Nordosten verband. Südöstlich Ketzürs wurde die Verbindung über eine Brücke über den Beetzsee geführt. Die Eisenbahnverbindung spielte vorrangig im Güterverkehr für die Beetzseegemeinden eine wichtige Rolle. So wurden vor allem landwirtschaftliche Produkte und Ziegeleierzeugnisse transportiert. Nach dem Niedergang des Bahnverkehrs wurde die Verbindung über Butzow und Ketzür 1969 eingestellt und in der Folge zurückgebaut. Das Gleis aus Richtung Brandenburg endet seit dem Rückbau in der Gemeinde Beetzsee.

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde Gortz 14 und aus der Gemeinde Butzow 18 Einwohner. Im Zuge der Auflösung der Gutsbezirke wurde Mötzow 1928 zu einer freien Landgemeinde.[25] Der Ort hatte 1933 134 Bewohner. Diese Zahl fiel bis 1939 auf 122. Zu den gleichen Zeiten lebten in Butzow 303 und 297, in Ketzür 370 und 383 und in Gortz 306 und 314 Bewohner.[34] In Ketzür existierten 1939 insgesamt 26 land- und forstwirtschaftliche Betriebe.[19]

Gedenkstein für fünf 1942 bei Butzow auf der Flucht erschossene sowjetische Kriegsgefangene

Während des Zweiten Weltkriegs wurden am 12. und 27. Juli 1942 bei Butzow fünf aus einem Lager in der Stadt Brandenburg geflohene sowjetische Kriegsgefangene erschossen. Sie wurden auf dem Friedhof beerdigt. Nach Kriegsende wurde ein Gedenkstein errichtet. Ebenfalls auf dem Friedhof liegen 13 deutsche Soldaten, die Anfang Mai 1945 in der Nähe des Ortes umkamen. Aus Butzow fielen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg mindestens zwölf Bewohner beziehungsweise wurden als vermisst gemeldet.[35] Auf dem Friedhof Gortz wurden 23 Ende April und Anfang Mai 1945 gefallene deutsche Soldaten beerdigt.[36]

Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurden um Ketzür 375 Hektar landwirtschaftliche Fläche des ehemaligen Rittergutes unter 54 Bewohnern neu verteilt. Bei Gortz wurden ein Rittergut mit 312 und ein Gut mit 128 Hektar und bei Butzow ein Gut mit 117 Hektar unter der landlosen und landarmen Bevölkerung neu aufgeteilt.[37] Das Domstiftsgut Mötzow blieb in kirchlichem Besitz[25], jedoch musste es in der Folge vom Domstift selbst bewirtschaftet und durfte nicht mehr verpachtet werden.[38] 1952 fand in der 1949 gegründeten DDR eine Verwaltungsreform statt. Die Länder wurden aufgelöst und dafür Bezirke gebildet. In diesem Zusammenhang war auch eine Umstrukturierung der bestehenden Kreise notwendig geworden. So wurde der Landkreis Westhavelland, zu dem die Orte bis dahin gehörten, aufgelöst, und die Gemeinden dem neuen Kreis Brandenburg (Land) im Bezirk Potsdam angegliedert.[39] Ab 1953 erfolgte wie überall in der DDR in den heutigen Ortsteilen Beetzseeheides die Kollektivierung der Agrarbetriebe, die durch die Bodenreform teils zu klein waren, um rentabel beziehungsweise effektiv geführt zu werden. Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden gebildet. Nicht von dieser Kollektivierung betroffen war das Domstiftsgut.[40] Im Zuge des Ausbaus der Landwirtschaft wurden in Butzow 1955 große Stallanlage für Schweine- und Rindermast und als Milchviehanlage errichtet. Das seit der Auflösung der Gutsbezirke selbstständige Dorf Mötzow wurde 1957 nach Butzow eingemeindet.[38] 1960 schlossen sich die LPG Butzows, Ketzürs und Gortz weiter zur LPG „Freundschaft“ zusammen. Eine weitere Konzentration erfuhr die Landwirtschaft mit der Gründung einer Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) nördlich der Stadt Brandenburg, deren Sitz in Brielow war und der die Pflanzenproduktionen der LPG der Umgebung angegliedert wurden. Nach der Stilllegung der Westhavelländischen Kreisbahnen wurde auf ehemaligem Bahngelände bei Butzow zum Beetzsee ein großer Campingplatz eingerichtet und 1979 erfolgte die Eröffnung einer Wetterstation.[13]

Mit den politischen Umwälzungen der Jahre 1989 und 1990 kam es wiederum zu Veränderungen. Die einzelnen LPG wurden aufgelöst, was zu Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion führte. Die ehemaligen Genossenschaftler verpachteten ihren Besitz, bewirtschafteten ihn selbst oder brachten ihn beispielsweise in die neugegründete Brielower Agrar GmbH ein. Die Stallanlagen der Umgebung wurden stillgelegt.[13][19] Ebenfalls reduzierte das Domstiftsgut bei Mötzow die Produktion. So wurden zunächst alleine auf deren Ländereien bis zu 50 Prozent der Anbaufläche stillgelegt und letztlich das ehemalige Gut ab 2001 verpachtet.[41] 1990 wurde der Bezirk Potsdam aufgelöst und ging im wiedergegründeten Land Brandenburg auf. Nach der Wiedervereinigung wurde 1993 der neue Landkreis Potsdam-Mittelmark gegründet, in dem der Landkreis Brandenburg aufging. Im Vorfeld der für 2003 geplanten brandenburgischen Gemeindegebietsreform schlossen sich zum 1. Februar 2002 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Butzow, Gortz und Ketzür freiwillig zur Gemeinde Beetzseeheide zusammen.[42]

Gemeinde- und Ortsnamen

Als sich 2002 die bisher selbstständigen Orte Butzow, Gortz und Ketzür zusammenschlossen, entschied man sich, der Gemeinde einen neuen Namen zu geben. Dies sollte verdeutlichen, dass es sich um eine gleichberechtigte Fusion und um keine Eingemeindung handelte. Für Beetzseeheide entschied man sich, da der Beetzsee und die bewaldeten Heidelandschaften (Gortzer, Ketzürer und Butzower Heide) das Landschaftsbild dominieren.

Der Ursprung des Namens Beetzsee ist nicht abschließend geklärt. Es wird beispielsweise ein eventueller Zusammenhang zu anderen möglichen Namen von Seen, wie Bützsee, Bötzsee, Bützowsee hergestellt. Ein Entlehnung aus dem Urslawischen wird diskutiert. So wird beispielsweise ein Bezug zu bъčъ für „großes Gefäß“ oder „Feldbrunnen“ oder bučatri für „vor Feuchtigkeit anschwellen“ oder „faulen“ vermutet.[2]

Die Ortsnamen Beetzseeheides sind Slawischen Ursprungs. Butzow wird vom polabischen Namen Budz oder Buč abgeleitet. Es wäre somit eine Wohnstätte dieser Person beschrieben. Der Name und die Schreibung des Ortes änderte sich in den Jahrhunderten kaum. Bei seiner ersten bekannten schriftlichen Erwähnung hieß das Dorf „Buzow“.[12] Gortz ist ebenfalls polabischen Ursprungs. Es soll sich von gardec oder gard ableiten, was so viel wie „Burg“ oder „umzäunter, befestigter Ort“ bedeutet. In einer ersten Urkunde 1313 war von „Gardyz“ die Rede und 1334 von „Garditz“.[18] In Aufzeichnungen 1371 hieß der Ort „Garze“ und im Landbuch 1375 „Garz“.[24]

Ketzür wird als Katerort erklärt. Es soll sich vom polabischen kocur ableiten, was „Kater“ bedeutet. Es wird jedoch vermutet, dass sich Kater in diesem Fall nicht auf eine männliche Katze, sondern vielmehr wie auch in anderen slawischen Sprachen metaphorisch auf eine Pflanze bezieht. Somit wäre Ketzür eine Gegend, in der eine als Kater bezeichnete Pflanze vorkam. In seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1335 wurde das Dorf „Cùczoer“ geschrieben und im Landbuch 1375 wurde „Kotzure“ beziehungsweise „Kotzüre“ genannt.[13] Im Schmettauschen Kartenwerk des späten 18. Jahrhunderts hieß es bereits „Ketzüre“.

Mötzow ist ebenfalls ein Name slawischen beziehungsweise polabischen Ursprungs. Mokoš soll in verschiedenen slawischen Sprachen existieren und mit heidnischen Gottheiten in Zusammenhang stehen. 1161 wurde Mötzow als „Mukzowe“ dem Domkapitel überschrieben. 35 Jahre später war daraus „Muczowe“ geworden.[14] Die ausdrücklich slawische Siedlung in kirchlichem Besitz wurde 1242 als „Mucszowe“ und 1267 als „Mocszowe“[43] und der Hof 1335 als „Motzowe“ urkundlich erwähnt.[14]

Bevölkerung

Beim Zensus 2011 hatte Beetzseeheide 643 Einwohner. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark hatten nur die Gemeinden Päwesin, Wenzlow, Gräben und Buckautal eine geringere Einwohnerzahl. Der Ausländeranteil lag bei 0,9 Prozent. 22,7 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 146 Einwohner zählten sich dem evangelischen, 3,7 Prozent beziehungsweise 24 absolut dem katholischen Christentum zu. Die restliche Bevölkerung wurde bei der Frage nach der Religionszugehörigkeit unter „sonstige, keine, ohne Angabe“ zusammengefasst, sodass eine Aussage zu weiteren Religionsgemeinschaften anhand dieser Daten nicht möglich ist.[44]

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung im Gebiet der heutigen Gemeinde Beetzseeheide hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein erstes Maximum mit 1346 Einwohnern 1890 erreicht. In den folgenden Jahrzehnten verloren die Dörfer zunehmend an Bevölkerung. Dieser Trend wurde nur kurzzeitig kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterbrochen, als Aussiedler aus ehemaligen deutschen Gebieten in den Dörfern untergebracht und angesiedelt wurden. 1946 lag das Allzeithoch entsprechend bei 1447 Einwohnern. Daraufhin kam es zu einem abermaligen Abfall der Bevölkerungszahlen, der kontinuierlich bis 1996 anhielt. In diesem Jahr wurden für die Orte 637 Einwohner erfasst und somit weniger als die Hälfte der Jahre 1890 und 1946. Nach 1996 stagnierten die Zahlen zunächst. Dann kam es erstmals seit der Nachkriegszeit bis 2004 zu einem leichten Anstieg. 2004 bis 2013 fiel die Einwohnerzahl wieder kontinuierlich, jedoch deutlich leichter als Jahrzehnte zuvor. Ab 2014 wächst die Einwohnerzahl wieder, wenn auch nur in geringem Maße. Die genauen Bevölkerungszahlen sind in der Tabelle Bevölkerungsentwicklung im Gebietsstand des jeweiligen Jahres dargestellt.

Bevölkerungsentwicklung im Gebietsstand des jeweiligen Jahres[45][46]

Beetzseeheide Butzow Gortz Ketzür gesamt
1875 357 394 420 1171
1910 358 342 400 1100
1939 297 314 384 995
1946 330 398 518 1246
1950 376 452 596 1424
1971 411 299 286 996
1990 289 208 221 718
1995 246 188 209 643
2000 261 191 257 709
2001 251 210 249 710
2002 711 711
2005 725 725
2010 665 665
2011 654 654
2012 663 663
2013 645 645
2014 676 676
2015 675 675

Dialekte

Bis in das 19. beziehungsweise 20. Jahrhundert war die regionale Mundart ein typischer brandenburgischer Dialekt, der vom größten Teil der Bevölkerung im Alltag gesprochen wurde. In der Zeit Theodor Fontanes beispielsweise wurde in der Gegend noch dieser niederdeutsche Dialekt verwendet. So wurden in vielen Worten p statt f, t statt s-Lauten und k statt des ch verwendet. Beispielsweise sprach man grot statt groß und Dörp statt Dorf. Auch bei Vokalen gab es Unterschiede wie ie und u statt der Diphthonge ei und au. So war das Haus zu dieser Zeit ein Huus. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wechselte die Sprache von den Städten ausgehend immer mehr vom Niederdeutschen zum Berliner Dialekt, sodass das Niederdeutsche heute um die Stadt Brandenburg fast als ausgestorben zu bewerten ist. Beispielhaft für die Sprache des 20. und 21. Jahrhunderts wird au zum o (lofen statt laufen) und z zum stimmlosen s (Ssitrone statt Zitrone) gesprochen. Typisch ist auch das häufige Umschreiben des Genitivs wie dem Gregor sein Auto.[47]

Politik
Bürgermeister

Bürgermeister der Gemeinde Beetzseeheide ist der parteilose Eberhard Pinkpank, der bei der Kommunalwahl 2014 mit 82,5 Prozent der gültigen Stimmen für fünf Jahre gewählt wurde.[48][49] Es ist seine zweite Amtsperiode. Bei der Wahl 2008 hatte er sich mit 71,8 Prozent gegen den Amtsinhaber Horst Kemmeries (28,2 Prozent) durchgesetzt.[50] Kemmeries war 2003 als Einzelbewerber zum ersten Bürgermeister Beetzseeheides gewählt worden.

Gemeindevertretung

Kommunalwahl 2014[51]

 %6050403020100

53,021,410,56,73,92,52,0

LiKeaLiBubFBuBcSerndSchnoeGrüneRichg
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2008[52]
 %p 12 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6

+5,1
-5,8+10,5+6,7+3,9+2,5+2,0
LiKeaLiBubFBuBcSerndSchnoeGrüneRichgVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:a Liste Ketzürb Liste Butzowc Freie Bürger und Bauernd Einzelbewerber Uwe Sernow-Rosee Einzelbewerber Bruno Schnorbachg Einzelbewerber Oliver Richter

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%

Wahl 2014 Anzahl  % +/− Sitze +/−
Wahlberechtigte 595
Wähler 347 58,3 −2,3
ungültige Stimmzettel 11 3,2 +0,5
gültige Stimmen (bis drei pro Wähler) 992 95,3 −1,5
Liste Ketzür 526 53,0 +5,1 5 +1 1
Liste Butzow 212 21,4 −5,8 2* 0 0
Freie Bürger und Bauern 104 10,5 +10,5 1 +1 0
Einzelbewerber Uwe Sernow-Rose 66 6,7 +6,7 / / /
Einzelbewerber Bruno Schnorbach 39 3,9 +3,9 / / /
Bündnis 90/Die Grünen 25 2,5 +2,5 / / /
Einzelbewerber Oliver Richter 20 2,0 +2,0 / / /

*Zwei Sitze für die Liste gewählt bei nur einem Kandidaten. Ein Sitz bleibt unbesetzt.

Der Gemeindevertretung gehören bei acht zu besetzenden Sitzen sieben Gemeindevertreter an. Die letzte Kommunalwahl fand am 25. Mai 2014 statt. Die Wahlen waren kombinierte Personen- und Listenwahlen. Jeder Wähler konnte bis zu drei Stimmen abgeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,3 Prozent. Dies waren 2,3 Prozent weniger als bei der Wahl 2008, jedoch über zwölf Prozent mehr als im Landesdurchschnitt. Die Wahlbeteiligung lag brandenburgweit bei 46,2 Prozent.[53] Die erstplatzierte Liste Ketzür errang mit 53 Prozent die absolute Mehrheit, wobei sie ihr Ergebnis von 2008 um 5,1 Prozent verbesserte. Sie errang damit fünf Sitze. Zweitplatzierte wurde die Liste Butzow mit 21,4 Prozent. Dies war ein Minus von 5,8 Prozent. Mit dem Wahlergebnis errang sie theoretisch zwei Sitze in der Gemeindevertretung. Da der Liste jedoch nur ein Kandidat angehörte, bleibt der zweite Sitz entsprechend dem Brandenburgischen Kommunalwahlgesetz bis zum Ende der Wahlperiode unbesetzt, und die Anzahl der Gemeindevertreter verringerte sich auf insgesamt sieben. Den letzten freien Sitz errang Freie Bürger und Bauern mit 10,5 Prozent. Diese Wahlliste trat erstmals mit einem Kandidaten zur Kommunalwahl in der Gemeinde an. Nicht gewählt wurden drei Einzelbewerber und Bündnis 90/Die Grünen, die ebenfalls jeweils bei den vorangegangenen Wahlen nicht angetreten waren. Einzige Frau in der Gemeindevertretung ist Britta Fraas, die auf Platz vier über die Liste Ketzür gewählt wurde. Der Bauernverband und die Wählergemeinschaft Beetzseeheide, die 2008 jeweils einen Sitz errungen hatten, traten nicht wieder zur Wahl an.[51]

Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke
Epitaph aus Alabaster im Chorraum der Dorfkirche Ketzür

Eingetragene Baudenkmale in Beetzseeheide sind beispielsweise die Dorfkirchen in Butzow, Gortz und Ketzür, Gutshäuser und Wohngebäude. Die Dorfkirche Ketzür vereint Elemente verschiedener Epochen. Auffällig ist der gotische polygonale (siebeneckige) Zentralbau aus Ziegelstein, der sich asymmetrisch an den Turm anschließt. Er soll aus dem 13.[54] beziehungsweise 14. Jahrhundert stammen.[55] Der Turm ist im unteren Teil ebenfalls gotisch, der Aufbau barock. Der Chor ist im Verhältnis zum Schiff noch weiter von der für Kirchen üblichen Ost-Westachse nach Nordosten ausgerichtet. Dadurch hat die Kirche bei einem streng ausgerichteten Westturm eine nach Nordosten abweichende, leicht bogenförmige Längsachse. Der Anschluss des Chores an das Kirchenschiff bildet aufgrund der polygonalen Form, wodurch das Schiff in diesem Bereich schmaler ist, im Norden und Südwesten vorspringende Ecken. Der Chor stammt aus dem Jahr 1599 und hat im Osten einen auffälligen Schweifgiebel, der der Renaissance zuzuordnen ist. Im Kircheninneren sind die Patronatsloge der Familie von Broesigke und ein für Heyno beziehungsweise Heino von Broesigke gestiftetes Epitaph des Bildhauers Christoph Dehne herausragend.[54]

Die Bockwindmühle Ketzür

Die Bockwindmühle Ketzür steht östlich unweit des Dorfes. Sie ist restauriert und funktionstüchtig. Der Ketzürer Tischlermeister Friedrich Henkel kaufte das hölzerne Bauwerk 1861 und setzte sie nach Ketzür um. Zuvor stand die Mühle in Bornim bei Potsdam. Fast hundert Jahre blieb sie im kommerziellen Betrieb, ehe sie 1955 stillgelegt wurde. Nachdem sie in den folgenden Jahren verfallen war, begann man 1988 mit den ersten Sanierungsarbeiten am heutigen Baudenkmal. Weitere Sanierungen folgten. Die Mühle befindet sich im Eigentum der Gemeinde. Sie wird von dem Verein zur Erhaltung der Bockwindmühle zu verschiedenen Anlässen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und betrieben.[56]

Baudenkmal Wohnhaus in der Dorfstraße 30 in Ketzür

In Ketzür steht zentral der Kirche gegenüber das alte Gutshaus der Familie von Brösegke. Es ist ein zweigeschossiger Putzbau, dessen Ursprünge im 16. Jahrhundert liegen sollen. Am südlichen Auslucht ist ein Renaissancegiebel als ältestes Schmuckelement erhalten. In späteren Jahrhunderten, beispielsweise 1752, wurde das Gebäude umfassend umgebaut und erweitert.[19] Der zentrale Rechteckbau ist schlicht. Der Anstrich hat einen Gelbton, Rechteckfenster und ein fünfteiliges korbbogiges Oberlicht über dem Portal sind von weißen Faschen umrandet. Das Dach ist abgewalmt. Im Norden befindet sich ein Anbau, der sich äußerlich vom Hauptgebäude in zwei Punkten unterscheidet. Die Fenster dieses Gebäudeteils sind spitzbogig. Außerdem hat er ein Mansarddach. Im Gutshaus tagen der Ortsbeirat und die Gemeindevertretung.[57] Neben Kirche und Gutshaus stehen in Ketzür vier bauhistorisch wertvolle Wohngebäude und Gehöfte (Dorfstraße 29, Dorfstraße 30, Dorfstraße 31 und Unter den Linden 11) sowie eine Straße mit Ziegelsteinpflasterung nördlich der Ortslage in der Denkmalliste des Landes.[58]

Dorfkirche Gortz mit Schiff aus Feldsteinen und barockem Kirchturm

Die Gortzer Dorfkirche ist baugeschichtlich zweiteilig. Das gotische Schiff aus Feldsteinen wurde zwischen 1450 und 1500 errichtet. Der rechteckige Saalbau hatte ursprünglich ein spitzbogiges Stufenportal nach Süden. Später wurde ein quadratischer Turm mit Westportal im Stil des Barocks angebaut. Im Jahr 1906 wurde die Kirche innen umfassend umgebaut. Dabei wurden auch die Fenster letztmals baulich verändert. Aus der Zeit des Umbaus stammen unter anderem das Gestühl und die Westempore.[59] Neben der Kirche steht in Gortz das Wohnhaus Dorfstraße 12 unter Denkmalschutz. Das Bauernhaus mit hellgrauem Anstrich besitzt als auffällige Elemente einen Mittelrisalit, Lisenen im Quaderputz, ein Gesims mit Konsolen und spitzgieblige, neoklassizistische Fensterverdachungen.

Die neuromanische Dorfkirche Butzow

Die Kirche in Butzow als jüngste der Dorfkirchen wurde bis 1879 errichtet. Es handelt sich um einen mit Ziegeln gemauerten, relativ schlichten neuromanischen Putzbau mit spitzem Turmhelm und einer halbrunden Apsis. Äußere Schmuckelemente sind unverputzte Lisenen, ein einfaches Traufgesims und Blendfenster. Innen befindet sich eine Orgel des Potsdamer Orgelbaumeisters Carl Eduard Gesell.[60] Das äußerlich unscheinbare Wohnhaus Dorfstraße 8 in Butzow ist das älteste Gebäude des Dorfes und ebenfalls ein geschütztes Baudenkmal. Es ist ein Lehmfachwerkhaus.[13] Das Fachwerk ist nicht sichtbar, da das Gebäude nachträglich grau verputzt wurde. Schmuckelement ist eine schlichte, weiß gestrichene profilierte Saumschwelle zwischen den Etagen. Am nördlichen Ortsrand befindet sich ein sowjetisches Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Die zweisprachige Inschrift lautet „Ewigen Ruhm unseren Helden im gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus“.[61]

Das Gutshaus Mötzow

Das Mötzower Gutshaus des Domstifts ist dem späten Historismus zuzuordnen. Es wirkt schlossähnlich und ist ein Beispiel für Herrensitze des späten 19. Jahrhunderts in der Gegend um die Stadt Brandenburg. Es wurde mit roten Ziegeln gemauert, die großteils unverputzt blieben. Auffällig sind die vielen Nischen, die durch Risalite mit Krüppelwalmdächern und turmartige Anbaue verschiedener Größe und Gestalt entstanden. Außerdem hat es mehrere ebenfalls turmartige Dachreiter und verschiedenartige Fenster. Baujahr des Herrensitzes soll 1894 gewesen sein. Neben dem Gutshaus gibt es einige teilweise deutlich ältere Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Gutssiedlung.[62] In einer Umfrage der ARD wurde das Domstiftsgut 2012 zum zweitschönsten Bauernhof Deutschlands gewählt.[63]

Hauptartikel: Liste der Baudenkmale in Beetzseeheide und Liste der Bodendenkmale in Beetzseeheide
Museen
Gut Mötzow als frühere Herberge des N’Ostalgiemuseums

Das einziges Museum der Gemeinde, das N’Ostalgiemuseum, ist 2016 von Mötzow nach Leipzig umgezogen.[64]

In den Räumen der Kunstmühle des Gutes Mötzow stellen regelmäßig regionale Künstler aus. 2013 waren Fotografien von Lars Friebel und Ronald Geisler und Bilder der Malerin Gisela Neuenhahn zu sehen.[65]

Veranstaltungen

Seit 2001 findet alljährlich im August in einer Kiesgrube bei Ketzür das Open-Air-Konzert Ketzür Rockt statt. Bei diesem Konzert treten in erster Linie lokale und regionale Bands auf.[66] Regelmäßig wechselnde kulturelle Veranstaltungen finden außerdem auf dem Gut Mötzow statt. Die Regattastrecke Beetzsee gegenüber Mötzow ist eine internationale Wettkampfstätte, auf der regelmäßig Kanurennsport- und Ruderregatten wie beispielsweise Welt- und Europameisterschaften ausgetragen werden.

Schutzgebiete

In Beetzseeheide gibt es eine Vielzahl von Schutzgebieten und Schutzzuweisungen, die sich teilweise überlappen. So liegt die Gemeinde beispielsweise in ihrer gesamten Fläche im Naturpark Westhavelland. Daneben hat Beetzseeheide Anteil am Naturschutzgebiet Marzahner Fenn und Dünenheide, dem Landschaftsschutzgebiet Westhavelland, dem SPA-Gebiet (europäisches Vogelschutzgebiet) Mittlere Havelniederung, den FFH-Gebieten Beetzsee-Rinne und Niederungen, Mittlere Havel Ergänzung und Bagower Bruch und den geschützten Landschaftsbestandteilen Feldmark Mötzow-Lünow und Marzahner Fenn. Vollständig innerhalb Beetzseeheides liegen neun weitere geschützte Landschaftsbestandteile, ein Flächennaturdenkmal und eine als Naturdenkmal ausgewiesene Stieleiche. Weitere Bereiche sind als geschützte Biotope und einige Straßen als geschützte Alleen ausgewiesen.[67][68]

Schutzausweisung Name Größe
in ha
Nummer
in Karte
Naturschutzgebiete Marzahner Fenn und Dünenheide 725[69] 1
Landschaftsschutzgebiete Westhavelland 136.071[70] /
Naturparke Westhavelland 131.500[71] /
FFH-Gebiete Bagower Bruch 154[72] 2
Beetzsee-Rinne und Niederungen 916[73] 3
Mittlere Havel Ergänzung 2.524[74] 4
SPA-Gebiete Mittlere Havelniederungen 25.024[75] 5
Geschützte Landschaftsbestandteile Marzahner Fenn 6
Feldmark Mötzow-Lünow 7
Katharinenbruch 8
Gortzer Streng 9
Todtlaake Ketzür 10
Todtlaake Gortz 11
Hüselberg 12
Kerkfenn 13
Schweineecken 14
Streuobstwiesen 15
Gortzer Laake 16
Flächennaturdenkmale Erdeloch bei Mötzow 17
Naturdenkmale Stieleiche (Gortz) 18

Siehe auch die Liste der Naturdenkmale im Amt Beetzsee.

Naturpark Westhavelland

Die Gemeinde Beetzseeheide ist über ihre gesamte Fläche Teil des sich entlang der Unteren Havel erstreckenden Naturparks Westhavelland. Dieser ist mit 1315 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet in Brandenburg. Es umfasst eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete des europäischen Binnenlandes und Mitteleuropas. Außerdem ist es das größte Rast- und Brutgebiet für Wat- und Wasservögel im Binnenland.[71] Die Feuchtgebiete sind ebenfalls einige der größten Binnenrastplätze nordischer Zugvögel. Im Frühjahr rasten auf den Seen und flach überstauten Wiesen entlang der Havel tausende Gründel- und Tauchenten. Große Schwärme Watvögel suchen nach Nahrung, ehe sie in ihre nördliche und östliche Heimat weiterziehen. Teilweise finden die Vögel dort aber auch geeignete Brutgebiete. So beherbergen die Niederungen des Naturparks den bedeutendsten Anteil der stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Wiesenbrüter Brandenburgs. Im Schutzgebiet nisten beispielsweise der Große Brachvogel, Kiebitze, Uferschnepfen, Rotschenkel, Bekassinen und Wachtelkönige. Es brüten bedrohte Entenarten wie die Löffelente, die Knäkente und die Schnatterente. Auch Spießenten sind dort noch heimisch. An Greifvögeln gibt es See- und Fischadler, Milane und Wiesenweihen. Der Kampfläufer ist das Wappentier des Naturparks Westhavelland. In den Herbstmonaten durchziehen Graugänse und Kraniche den Naturpark. Neben der Vielzahl von Vögeln leben am Beetzsee auch Biber und Fischotter.[76]

Naturschutzgebiet Marzahner Fenn und Dünenheide
Blick im Marzahner Fenn nach Südwesten

Das Marzahner Fenn im Nordwesten Beetzseeheides ist Teil des Naturschutzgebietes Marzahner Fenn und Dünenheide. Dieses 725 Hektar große Naturschutzgebiet zeichnet sich durch einen engen räumlichen Bezug verschiedener Lebensräume aus. So gibt es naturnahe Erlen- und Kiefernwaldgesellschaften auf nährstoffarmen Standorten, Wasserflächen, leichte Höhenzüge mit nur extensiv genutzten Trockentälern, sogenannte Zwergstrauch- und Dünenheiden, kleine Niedermoore, Feucht- und Nasswiesen. Aufgrund der unterschiedlichen Lebensräume leben im Schutzgebiet eine Vielzahl von teilweise gefährdeten Pflanzen- sowie Vogel-, Reptilien- und Amphibienarten. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland gelten 78 der 156 im Marzahner Fenn und in der Dünenheide nachgewiesenen Wirbeltierarten als gefährdet. Das Gebiet stellt ein ökologisches Bindeglied zwischen dem Beetzsee und dem Riewendsee im Osten, der Havelniederung im Westen und dem Havelländischen Luch im Norden dar. Einige der im Naturschutzgebiet lebenden Tier- und Pflanzenarten sind Fischadler, Schreiadler, Baumfalke, Bekassine, Wachtel, Kranich, Raubwürger, Zauneidechse, Ringelnatter, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Kammmolch, Blutweiderich und Tausendblatt. Das Naturschutzgebiet Marzahner Fenn und Dünenheide ist in seiner Gänze Teilgebiet des europäischen Vogelschutzgebietes (SPA-Gebiet) Mittlere Havelniederungen und im nördlichen Bereich Teilgebiet des FFH-Gebiets Weißes Fenn und Dünenheide. Es gehört zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.[69]

Wirtschaft

In Beetzseeheide gibt es ausschließlich kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe.[77][78][79] Industriebetriebe siedelten sich seit dem Ende der Ziegeleien nicht wieder an. Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Gemeinde sind der Tourismus und die Landwirtschaft.

Tourismus
Campingplatz am Beetzsee in Butzow

Touristischer Hauptanziehungspunkt ist der Beetzsee, an dessen Ufern die Gemeinde liegt. Neben dem See und der umliegenden Natur mit Waldgebieten und Wiesen profitiert Beetzseeheide von der relativen Nähe zu den Städten Berlin, Potsdam und Brandenburg. Wie in den übrigen Anliegergemeinden des Beetzsees entwickelt sich vor allem der Natur-, Wasser und Wassersporttourismus immer stärker.[80] So ist der See auf seiner gesamten Fläche Segel- und Motorbootrevier. Neben dem Beetzsee bestehen weitere Bademöglichkeiten in den vielen Tongrubenseen. Auch Wasserwanderungen aus Richtung der Unteren Havel entlang der Beetzsee-Riewendseekette sind bei Touristen beliebt. Seit einigen Jahren werden Fahrten und Urlaube in gemieteten führerscheinfreien Hausbooten auf dem Fluss und seinen angrenzenden Seen immer stärker angeboten und nachgefragt.[81] Der Beetzsee und Beetzseeheide sind bei Eisfreiheit über die Havel und die mit ihr verbundenen Wasserstraßen mit privaten Booten ganzjährig erreichbar.

In den Orten gibt es mehrere Campingplätze,[9] Ferienhausanlagen, Gästehäuser, Pensionen und Ausflugslokale direkt am Beetzsee.[82][83] Hotelanlagen am See befinden sich in den Ortsteilen Radewege und Brielow der benachbarten Gemeinde Beetzsee[84] und im Päwesiner Ortsteil Bollmannsruh etwa 500 Meter nordwestlich der Gemeindegrenze zu Beetzseeheide.[85] Weitere Hotels gibt es beispielsweise in der Stadt Brandenburg. Viele Brandenburger haben ihre Wochenend- und Ferienhäuser in der Gemeinde. Seit mehreren Jahren berührt der Beetzsee-Havel-Radweg und der Storchenwanderweg die Gemeinde.[86][87] Beide führen als Rundwege um den Beetzsee. Die Ferienregion Beetzsee ist eine der Urlaubsregionen Brandenburgs mit den höchsten Zuwachszahlen.[88]

Landwirtschaft
Die Flächen der Todtlaake

Neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde. 2443 Hektar und somit fast zwei Drittel der Flächen Beetzseeheides werden landwirtschaftlich genutzt. Zur Zeit der DDR waren die landwirtschaftlichen Betriebe Butzows, Ketzürs und Gortz in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) organisiert. Nach dem Ende der DDR wurden die Genossenschaften aufgelöst. Die Stallanlagen gingen in der Brielower Agrar GmbH auf, wurden jedoch relativ bald stillgelegt. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden von den Eigentümern größtenteils verpachtet. Hauptanbaukulturen sind Weizen, Raps und Futtermittel.[13] Da es in der Todtlaake mehrere Binnensalzstellen gibt, an denen salzhaltiges Wasser zutage tritt, gibt es in ihr vor allem Salzwiesen, die extensiv beweidete beziehungsweise gemähte werden.[89] Die landwirtschaftlichen Flächen Mötzows, die nie Teil einer LPG waren, wurden 2001 verpachtet. Seitdem wird das Domstiftsgut als sogenannter Vielfrucht- und Erlebnishof mit teilweiser Direktvermarktung betrieben. Hauptanbaukulturen sind Heidelbeeren und Spargel.[31] Um die Orte gibt es einige Streuobstwiesen, beispielsweise nördlich des Mühlenbergs bei Gortz. Das Obst wird unter anderem in einer Ketzürer Mosterei versaftet und vermarktet.[90]

Forstwirtschaft

Die Flächen im Norden der Gemeinde werden in erster Linie forstwirtschaftlich genutzt. Größtes Waldgebiet Beetzseeheides ist die Gortzer Heide, die nach Westen in die Ketzürer und die Butzower Heide übergeht. Daneben sind vor allem die Hügelkuppen und einige Ufergebiete bewaldet. Den weitaus größten Anteil der Wälder machen monokulturelle Kiefernforste aus. Am Übergang von der Gortzer zur Bagower Heide nach Nordwesten gibt es einen naturnahen Laubmischwald, der mit einem kleinen Anteil auf dem Gemeindegebiet Beetzseeheides liegt. Um die Tongrubenseen vor allem bei Mötzow haben sich teilweise wieder Bruchwälder bilden können. Laubholzforste gibt es nur mit einem geringen Anteil.[7] In den letzten Jahren wird verstärkt von Kahlschlägen und monokulturellen Wiederaufforstungen abgesehen und stattdessen die Entwicklung naturnäherer Mischwälder vorangetrieben.

Infrastruktur
Verkehr
Bus der Linie 569 der Verkehrsgesellschaft Belzig an der Haltestelle Ketzür

Hauptachse des Straßenverkehrs ist die Landesstraße 911, die von Brandenburg an der Havel nach Barnewitz führt. Von Süden durchquert sie aus Brandenburg kommend Mötzow, wird mit der Pählbrücke über den Beetzsee und auf einer kurzen Strecke durch die Gemeinde Beetzsee geführt, durchquert Butzow, führt nördlich an Ketzür vorbei und durch das Dorf Gortz. Nördlich von Gortz verlässt die Landesstraße die Gemeinde nach Märkisch Luch. Nördlich von Mötzow, kurz vor der Pählbrücke, zweigt die Kreisstraße 6941 von der Landesstraße 911 ab. Sie führt in die Orte Grabow und Lünow in der Gemeinde Roskow. Eine weitere abzweigende Hauptstraße ist die Landesstraße 912. Von der 911 in Gortz führt sie in die Gemeinde Päwesin nach Bollmannsruh. Daneben gibt es kommunale und private Straßen.

Beetzseeheide liegt mit einigen Hafenanlagen an der Beetzsee-Riewendsee-Wasserstraße, einer Bundeswasserstraße. Bis zur Pählbrücke ist sie mit der Klasse IV ausgewiesen. Dies bedeutet, dass sogenannte Europaschiffe mit den Abmessungen 85 Meter Länge, 9,50 Meter Breite und 2,50 bis 3,00 Meter Tiefgang zugelassen sind. Der Beetzsee wird von solchen Schiffen jedoch nur im äußersten Süden auf kurzer Strecke zwischen der Vorstadtschleuse Brandenburg und dem Silokanal befahren. Oberhalb der Pählbrücke ist die Wasserstraße eine sogenannte nicht klassifizierte Binnenwasserstraße.[91] Während der See im Bereich der Gemeinde früher ein bedeutender Verkehrsweg für die Berufsschifffahrt war, hat sich dieses Bild mittlerweile vollständig gewandelt. Berufsschifffahrt in Form von Frachtschiffverkehr findet faktisch nicht mehr statt. Nur Wasserfahrzeuge für Reparatur- und Ausbesserungsarbeiten im Bereich der Wasserstraße und Fahrgastschiffe befahren neben der Freizeit- und Sportschifffahrt den See auf Höhe der Gemeinde. Bei Letzteren gab es im Gegensatz zur Berufsschifffahrt in den letzten Jahrzehnten einen sehr starken Zuwachs, sodass der See gerade in den Frühjahrs- und Sommermonaten viel befahren ist. Die Hafenanlagen umfassen mehrere Anleger für Motor- und Segelboote.[92]

Mit der Einstellung des Verkehrs auf der durch Butzow und Ketzür führenden Strecke der Westhavelländischen Kreisbahnen in den 1960er Jahren und dem weitgehenden Rückbau des Gleises wurde das heutige Beetzseeheide vollständig vom deutschen Schienennetz abgekoppelt. Seit der Stilllegung ist der Busverkehr der einzige Träger des öffentlichen Nahverkehrs in der Gemeinde. Es gibt zwei regionale Busverbindungen der Verkehrsgesellschaft Belzig mbH (VGB) durch Beetzseeheide. Bedeutendste Linie ist die 569, die von Brandenburg nach Päwesin beziehungsweise Riewend über Butzow, Ketzür und Gortz führt. Sie wird an Wochentagen je Fahrtrichtung mindestens achtmal, an Schultagen auch häufiger bedient. Samstags verkehrt die Linie dreimal, sonntags zweimal je Richtung.[93] Mötzow wird mit der Linie 552 angebunden. Diese verkehrt vorrangig im Schulverkehr zwischen Brandenburg, Mötzow, Lünow und Radewege.[94]
Beetzseeheide liegt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und ist in dessen Tarifsystem integriert. So ist es möglich, im Nahverkehr mit verschiedenen Verkehrsträgern beispielsweise von den Städten Berlin, Potsdam oder Brandenburg mittels eines einzelnen Fahrscheins in die Gemeinde zu fahren.

Bildung und öffentliche Einrichtungen
Grundschule „Am Beetzsee“ am Hasselberg

In Beetzseeheide gibt es keine Schulen. Zuständige Grundschule ist die nahe der Gemeindegrenze am Hasselberg gelegene Grundschule „Am Beetzsee“ in Radewege. In ihr werden primär die Schüler Beetzseeheides und Beetzsees bis zum Ende der sechsten Klasse unterrichtet. Die Radeweger Schule wurde am 1. Juni 1962 als Neubau eingeweiht und war bis 1991 eine zehnklassige Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule. Von 1976 bis 1991 trug sie den Namen „Wladimir Iljitsch Lenin“. Anschließend wurde sie in eine Grundschule umgewandelt.[95] Die nächstgelegenen weiterführenden Schulen befinden sich in der Stadt Brandenburg. Hochschulen in der Nähe sind die Medizinische Hochschule Brandenburg, die Technische Hochschule Brandenburg und die Universität Potsdam. Kindergärten gibt es in der Gemeinde Beetzsee in Radewege und in Brielow und in Brandenburg an der Havel.

Die Freiwillige Feuerwehr Beetzseeheide besteht aus den Freiwilligen Feuerwehren Butzow, Gortz und Ketzür. In allen drei Ortsteilen gibt es Feuerwehrhäuser mit Lösch- und Einsatzfahrzeugen. Die Gemeindevertretung führt ihre Sitzungen vorrangig im Gutshaus in Ketzür durch. Die zuständigen Behörden sind im Sitz des Amtes Beetzsee in der Chausseestraße 33 b in Brielow Ausbau angesiedelt. Dort befindet sich das Standesamt, das Bauamt, das Amt für Ordnung und Soziales und das Amt für zentrale Dienste und Finanzen.[96]

Medizinische Einrichtungen

In Beetzseeheide gibt es keine niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte oder Physiotherapeuten. Die ambulante medizinische Versorgung findet in den Nachbarorten statt. In Brielow gibt es eine Allgemeinarzt-, eine Zahnarzt-, eine Kinderarzt- und eine physiotherapeutische Praxis, in Marzahne eine Physiotherapie, in Päwesin zwei Allgemeinmediziner, in Roskow einen Allgemein- und einen Zahnarzt. Weitere ärztliche, zahnärztliche und physiotherapeutische Praxen befinden sich in Brandenburg an der Havel.[97] Die nächstgelegenen Krankenhäuser befinden sich ebenfalls in der Stadt Brandenburg. Das dortige Städtische Klinikum dient als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Das Sankt-Marien-Krankenhaus ist ein geriatrisches, die Asklepiosklinik ein neurologisches und psychiatrisches Spezialkrankenhaus und die Heliosklinik Hohenstücken eine neurologische Rehabilitationseinrichtung. Für den Rettungsdienst sind die Rettungswachen in Brandenburg und Bollmannsruh zuständig. Der nächstgelegene Standort eines Rettungshubschraubers befindet sich ebenfalls in der Stadt Brandenburg. In Ketzür gibt es ein kunsttherapeutisches Atelier.[98]

Medien

Die Tageszeitung mit der meistverkauften Auflage in Beetzseeheide ist die Märkische Allgemeine mit Sitz in Potsdam. Die für den Brandenburger Landkurier und somit die Nachrichten der Gemeinde zuständige Lokalredaktion hat ihren Sitz im benachbarten Brandenburg an der Havel. Daneben gibt es die beiden kostenlosen, über Anzeigen finanzierten Zeitungen Brandenburger Wochenblatt (BRAWO) und PreussenSpiegel, die regionale und lokale Nachrichten publizieren.[99]

Persönlichkeiten
Heino von Broesigke (1525–1609), Rittergutbesitzer, Beamter und Kunstmäzen
Willy Isensee (1898–nach 1946), Politiker der KPD und SED, Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt, in Gortz geboren
Jean Wiersch (* 1963) Polizeibeamter und Schriftsteller, lebt in Ketzür
Literatur
Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 978-3-412-09103-3.
Günther Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. de Gruyter, Berlin 1994, ISBN 978-3-11-014086-6.
Uwe Czubatynski (Hrsg.): Geschichte der Chur- und Hauptstadt Brandenburg an der Havel. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-044-9.
Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg. Band III, J. Guttentag, Berlin 1860.
Weblinks
 Commons: Beetzseeheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gemeinde Beetzseeheide. Herzlich willkommen. Butzower Dorfkern e. V.; abgerufen am 17. Juli 2014. 
Amt Beetzsee. Auf einen Blick. Amt Beetzsee; abgerufen am 17. Juli 2014.