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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Beindersheim nicht vorenthalten.

Geschichte
Name

Im Lorscher Codex wurde im Jahr 855 der Name „Bentritesheim “ verwendet.[3] Er ist aus dem Grundwort „heim“ und dem Bestimmungswort „Bentrites“ zusammengesetzt. Bentrit wird von dem altgermanischen Rufnamen Bandarit abgeleitet, der für das 6. Jahrhundert belegt ist. Eine weitere Schreibweise war: Bentersheim

Chronik
Jungsteinzeit

Durch Luftbildauswertungen im Jahr 2005 bereits bekannter archäologischer Fundorte in der Gemarkung Beindersheim konnte eine 7300 Jahre alte Ansiedlung nachgewiesen werden. Die jungsteinzeitliche Hausanlage wird der Zeit der Bandkeramiker zugerechnet.[4]

Römisches Reich

Beindersheim liegt an der auf dem westlichen Hochufer des Rheins gelegenen Römerstraße von Speyer nach Worms. Fundamentsfunde zweier römischen Villen im Bereich Bubengewanne und Osterlanggewann belegen die römische Besiedlung im Beindersheim. In der wechselhaften Geschichte des Patroziniums steht zu Beginn „Heilig Kreuz“, gerne in der gallo-römischen Zeit vergeben.

Alemannen

Wohl noch in der vorfränkischen Zeit wechselt das Patrozinium der Kirchengemeinde auf den „Heiligen Petrus“, zumal es erst in der folgenden fränkisch-karolingischen Zeit üblich ist, den Heiligen Petrus zusammen mit dem Heiligen Paulus zu verehren.

Fränkische Landnahme und Frühmittelalter

Sehr häufig sind fränkische Siedlungen in der Nähe römischer Niederlassungen entstanden. So auch in Beindersheim, worauf auch die charakteristische Namensendung „–heim“ hinweist.
Die erste urkundliche Erwähnung Beindersheims vom 13. April 855 im Lorscher Codex manifestiert einen Gütertausch in der Gemarkung des Dorfes Bentritesheim im Wormsgau gelegen.[3] Aus der zweiten urkundlichen Erwähnung 874 in der „Mainzer Urkunde“ geht hervor, dass zwischen 629 und 656 ein fränkischer König aus Bendirdisheim der Kölner Bischofskirche seinen Besitz übereignet habe. Daraus kann gefolgert werden, dass die Dorfgründung durch Bandarit kurz nach der fränkischen Landnahme im 6. Jahrhundert erfolgt sein muss.
Für die folgenden 400 Jahre gibt es keine schriftlichen Quellen.

Hoch- und Spätmittelalter / Leiningische Herrschaft (1024–1481)

Unter Konrad II. (1024–1039) erhalten die Grafen von Leiningen die Landgrafschaft als
Lehen des Bischofs von Worms.

1254 wird das Patronats- und Zehntrecht der Kirche zum Heiligen Kreuz und zum Heiligen Petrus an den Ritter Diezo von Enselntheim (Einselthum) übertragen.
Zehn Jahre später holt sich Diezo von Einselthum (der von Leiningen belehnt war) die Zusicherung des Wormser Bischofs Eberhard das Zehntrecht für 600 Pfundheller an das Andreasstift in Worms verkaufen zu dürfen. Bis zur Französischen Revolution ist nun das Andreasstift Worms Patronats- und Zehntherr der Kirche zu Beindersheim.
Dritter Kirchenpatron ist der Heilige Nikolaus, dessen Verehrung vom Kloster Cluny ab dem 12. Jahrhundert ausgeht.

Eine Urkunde aus 1307 belegt ein bestehendes Dorfgericht samt Schöffen in Beindersheim.
1398 wird Beindersheim als eines von drei überörtlichen Leininger Gerichten belegt.
1438 belehnt Graf Emich von Leiningen den Hans Kranich von Dirmstein, genannt Bock, mit einem Gut von 102 1/2 Morgen.
1481 tritt Leiningen in Folge eines Erbstreits nach dem Tod des Grafen Hesso Beindersheim an die Kurpfalz ab.

Kurpfalz (1481–1705) / Reformation / Dreißigjähriger Krieg
Wallonische Zuwanderung

1562 kommt mit Arnold Aquila (Adler) der erste lutherische Pfarrer in die Gemeinde.
Sein Antrittsdatum fällt mit dem Beginn der Einziehung der geistlichen Güter zusammen, die durch die Administration der Kurpfalz vollzogen wird.
1577 wird der reformierte Glaube in Beindersheim eingeführt, diese Gruppe wächst zur größten Glaubensgemeinschaft. Lutheraner und Katholiken bilden die Minderheit. Der lutherische Pfarrer Hubertus Sturmius muss 1579 Beindersheim verlassen und avanciert zum Professor der Theologie an der neu gegründeten Universität Leiden/Niederlande.

Im Dreißigjährigen Krieg leidet Beindersheim schwer, zumal es in unmittelbarer Nähe der Festungsstadt Frankenthal liegt. 1621 belagert das spanische Heer Spinolas Frankenthal. In Beindersheim werden die Vorräte geplündert und Gebäude in Brand gesteckt. 1632 belagern die Schweden Frankenthal und 1635 nehmen die Spanier die Stadt ein. 1644–1646 kommt es zur kompletten Verwüstung Beindersheims durch die Franzosen, die das von den Spaniern eingenommene Frankenthal belagern.

1654 werden in Beindersheim 40 wallonische Glaubensflüchtlinge aufgenommen. In den kommenden Jahren wächst diese Gruppe auf 200 Personen an. Sie feiern eigene Gottesdienste und errichten eine Schule in französischer Sprache. Die große Anzahl der fremden Bewohner muss eine gravierende Veränderung des Zusammenlebens nach sich gezogen haben, da zu Beginn auch Verständigungsschwierigkeiten bestanden. Dazu kam, dass die Zugezogenen über kaum Grundbesitz verfügten und als Tagelöhner und Handwerker ihr Auskommen bestreiten mussten.
Als am 2. Advent des Jahres 1688 französische Truppen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges 43 Beindersheimer niedermetzelten, verließ die Mehrzahl der Wallonen das Dorf, um sich auf die rechte Rheinseite im Bereich Hanau und Frankfurt in Sicherheit zu bringen. Im Oktober 1689 hat das Dorf nur noch 111 Einwohner.

Hochstift Worms (1705–1797)

Am 26. August 1705 tritt der Kurfürst von der Pfalz Beindersheim an das Bistum Worms ab. Mit der neuen Herrschaft kommen die verbliebenen Katholiken in eine günstigere Position.
Die Bevölkerung wächst rasch an, aber Missernten der Jahre 1784 und 1785 führen für ärmere Bevölkerungsschichten zu einer katastrophalen Notlage, wie die erschütternden Liquidationsprotokolle dokumentieren. Es kommt zu Wegzügen in die nähere Umgebung, bis hin zu Auswanderungen nach Ost- und Westgalizien.

Im Zuge der Koalitionskriege kommen 1792 französische Truppen nach Beindersheim. Am 2. Februar 1794 requirieren die Franzosen 47 Stück Rindvieh in der Gemeinde. Die Preußen lösen die Franzosen ab. Am 1. Mai 1794 kommt es zu Kämpfen um Frankenthal, die Preußen müssen sich zurückziehen. Mehrere Zivilpersonen fliehen auf die rechte Rheinseite.

Französische Herrschaft (1797–1813)

Am 17. Oktober 1797 tritt Österreich das linke Rheinufer an Frankreich ab. Beindersheim wird Teil des Départements du Mont-Tonnerre (Donnersberg).
1808 verurteilt eine Sonderkammer des Schwurgerichts Mainz 18 Beindersheimer Bürger zu bis sechs Jahren Haft. Sie hatten sich geweigert die hohe französische Grundsteuer zu zahlen und dem eintreibenden Beamten das Lagerbuch entrissen und Staatsdokumente vernichtet.

Königreich Bayern (1816–1918)

Zum Jahreswechsel 1813/14 befreiten österreichische und bayerische Truppen das linksrheinische Gebiet von der französischen Herrschaft.
Nach dem Wiener Kongress (1815) kam Beindersheim als Teil der Pfalz 1816 zum Königreich Bayern.
Zur Abwehr badischer und pfälzischer Freischärler quartiert das bayerische Militär im Juni 1849 120 Reiter und 384 Fußsoldaten in Beindersheim ein. Die letzte Einquartierung verzeichnet der Chronist Philipp Raquet im Jahre 1850.

Zwischen 1800 und 1858 verlassen laut den Hausbüchern von Philipp Raquet und Heinrich Schardon 235 Beindersheimer Personen die Ortschaft um nach Amerika auszuwandern. Hauptsiedlungsgebiet der Beindersheimer war Ohio (1833).

Einwohnerentwicklung

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war Beindersheim wahrscheinlich ein reines Einstraßendorf an der Schenkelstraße/Kirchenstraße, das im frühen 17. Jahrhundert etwa 40 Gehöfte und damit 150–200 Einwohner aufwies. Im 18. Jahrhundert kam es zu einem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum durch Wiederaufbau und Wiederbesiedlung nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, so dass 1771 370 Einwohner gezählt wurden. In dieser Zeit wurden die nach Süden abzweigenden Verbindungsstraßen bebaut. Die Ortsgrenzen aus dem 18. Jahrhundert wurden im 19. Jahrhundert kaum ausgeweitet, da offenbar der Zuzug im Gegensatz zum Umland nur gering war und durch Neubürger lediglich Baulücken geschlossen wurden. Eine Ausbreitung erfolgte seit Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem in Richtung Südosten. Es handelte sich meist um reine Wohnhäuser von Arbeitern und Angestellten in Frankenthal und Ludwigshafen am Rhein. Der Trend vom Bauerndorf zur Wohngemeinde setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort, die seither neu besiedelten Flächen haben die bebaute Fläche mehr als verdoppelt. 1960 hatte Beindersheim 1260 Einwohner, seitdem wurden noch mehrere Neubaugebiete im Süden, Westen und Osten erschlossen.

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat in Beindersheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 8 9 3 20 Sitze
2009 6 8 6 20 Sitze
2004 7 7 6 20 Sitze

FWG; Freie Wählergruppe Beindersheim e. V.
Bürgermeister
Hauptartikel: Liste der Bürgermeister von Beindersheim

Bei der Wahl zum Ortsbürgermeister 2009 setzte sich Thomas Wey (CDU) mit 58,8 Prozent der Stimmen durch, er löste Benno Haas ab. Thomas Wey wurde 2014 wieder gewählt.

Wappen

Blasonierung: „In Schwarz ein goldenes Gemarkungszeichen in Form eines Ringes, der durch ein goldenes Kreuz ausgefüllt ist, dessen waagrechte Arme über den Ring hinausragen, pfahlweise begleitet rechts von einem silbernen Schwert mit goldenem Knauf und links von einem silbernen Schlüssel mit linkshin gewendetem silbernem Bart und goldenem Griff.“

Kultur, Sehenswürdigkeiten, Natur
Kulturdenkmale
Katholische Kirche Hl. Kreuz, St. Peter und St. Nikolaus (Kirchenstraße 9): Neubarocker Putzbau, der sich an oberbayerischen Vorbildern orientiert.
Die Protestantische Kirche (Kirchenstraße 7) wurde 1748 am gleichen Ort, für den bereits 874 eine Kirche nachgewiesen ist, erbaut.
Rathaus (Schenkelstraße 1): Erbaut 1849, bis 1913 auch protestantisches Schulhaus und bis 1950 Wachhaus. Zweigeschossiges Gebäude im Ortsmittelpunkt, das den Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert ersetzt.
Kirchenstraße 5: Bauernhof, möglicherweise ehemaliger protestantischer Pfarrhof. Das Erdgeschoss wurde 1747 erbaut, das Obergeschoss und das Satteldach stammen aus dem späten 19. Jahrhundert.
Kirchenstraße 16: Bauernhof aus dem mittleren 19. Jahrhundert.
Schenkelstraße 4 und Schenkelstraße 5: Landschafts- und ortstypische Bauernhöfe aus dem 19. Jahrhundert.
Wegekreuz an der Großniedesheimer Straße: Errichtet 1869, in jüngerer Zeit restauriert.
In der Hofmauer des Neubaus Schenkelstraße 14 der ehemalige Schlussstein der 1774 an dieser Stelle errichteten Zehntscheune.
Kriegerdenkmal auf dem Friedhof, 1959 vom Freinsheimer Bildhauer Franz Lind geschaffene Betonplastik.
Grabmal Diehl/Raquet auf dem Friedhof, um 1910 errichtet, polierter Marmorsockel mit Engelsfigur.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Beindersheim
Weitere Bauwerke
Ehemaliges Schulhaus (Brunnenweg 6): Zweigeschossiger Putzbau aus dem Jahr 1913 mit großflächigen Rechteckfenstern, hohe Walmdächer mit geschweiften Gauben. Das Gebäude wird heute als Bücherei genutzt. Benachbart ist das ehemalige Lehrerwohnhaus (Frankenthaler Straße 27/29), ebenfalls 1913 erbaut.
Frankenthaler Straße 10: Gehöft aus dem 19./20. Jahrhundert mit einem zweigeschossigen Putzbau als Wohn- und einem Nebenhaus. Es wurde durch ein Feuer zerstört und danach abgerissen.
Weitere Einrichtungen
Im Schlittweg befindet sich die Albrecht-Dürer-Grundschule mit etwa 200 Schülern aus Beindersheim und Heuchelheim.
Am westlichen Ortseingang ist die Freiwillige Feuerwehr stationiert. Sie ist eine der fünf Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim und besteht zurzeit aus 23 Feuerwehrleuten, die mit zwei Fahrzeugen ihre Einsätze bewältigen.
In der Ortsmitte befindet sich direkt neben der Grundschule der Protestantische Kindergarten „Arche Noah“.
Natur
Zu den ausgewiesenen Naturdenkmalen gehören die Baumanlage an der evangelischen Kirche und der Bereich des alten Friedhofs hinter dieser Kirche.
Der Schrakelbach, ein Nebenlauf des Eckbachs, nördlich des Ortes wurde renaturiert.
Östlich des Ortes ist aus einer alten Kiesgrube ein Biotop entstanden.
Siehe auch: Liste der Naturdenkmale in Beindersheim
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Paul Gross (1883−1942), bayerischer Offizier, dann Aktionär und Geschäftsführer der Frankfurter Strohhutfabrik AG, 1941 nach Lodz deportiert und dort ermordet.[6]
Brigitte Reinwald (* 13. Januar 1958), Professorin für Afrikanische Geschichte an der Universität Hannover.
Emil Schardon (1887–1950), war Mediziner und wegen seiner Tapferkeit in Ausübung des Arztberufes Ritter des Bayerischen Militär-Sanitäts-Ordens.
Personen, die vor Ort gewirkt haben
Rainer Hauck (* 16. Januar 1978) Bundesliga-Fußballspieler, spielte in der Jugend beim MTSV Beindersheim.
Wendelin Leonhardt (1872– † unbek.), Architekt der katholischen Pfarrkirche Beindersheim (1914–1916).
Hubertus Sturmius (16. Jahrhundert) war reformierter Pfarrer in Beindersheim und ab 1579 theologischer Professor an der Universität Leiden, Niederlande.
Erwin Wortelkamp (* 21. September 1938) Bildhauer und Maler, Gründer und Leiter (bis 1973) des „ateliers nw 8“ im Neuen Weg in Beindersheim.
Vereine
Männer Turn- und Sport Verein Beindersheim 1909 e.V. – aktiver Verein mit 600 Mitgliedern
Literatur
Jörg Fesser: Frühmittelalterliche Siedlungen der nördlichen Vorderpfalz. Mannheim 2005, S. 332–334 u. 417–418 (uni-mannheim.de). [7]
Paul Habermehl: Beindersheim. Geschichte eines Dorfes. Beindersheim 1979. [8]
Rudolf H.Böttcher: 12-teilige Reihe zur 1150-Jahrfeier Beindersheims, in: Die Rheinpfalz, Ludwigshafen, Ausgabe Frankenthal vom 30. Juli 2005 bis 18. Januar 2006 (lose Folgen)
Weblinks
 Commons: Beindersheim – Sammlung von Bildern
Offizielle Webpräsenz der Ortsgemeinde Beindersheim
GenWiki: Artikel Beindersheim mit familiengeschichtlichen Hinweisen