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Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes (Bersinbrugge) ist auf das Jahr 1221 datiert, die Siedlung ist jedoch vermutlich weitaus älter, da umliegende Ortschaften bereits um das Jahr 1000 erwähnt wurden. Otto von Ravensberg gründete 1231 ein Zisterzienserinnen-Kloster aufgrund „einer in den Fehden mit Tecklenburg an dieser Stelle begangenen Freveltat“ (Denkmalsinschrift), vermutlich waren jedoch machtpolitische Gründe für die Klostergründung ausschlaggebend. Das Zisterzienserinnenkloster existierte von 1231 bis 1787. Die Aufgabe des Klosters konnte zugleich die heutige Stadt Bersenbrück entstehen lassen. Wegen der vom Orden geforderten Abgeschiedenheit der Klöster siedelten die Bauern in einer Entfernung von mehreren hundert Metern vom Kloster an. Nun aber entstanden die ersten Häuser vor der Klosterpforte, und die leerstehenden Klostergebäude dienten zunehmend der Verwaltung und Gerichtsbarkeit.

Viele der noch heute im Ort lebenden Familien werden in amtlichen Dokumenten bereits im 15. Jahrhundert erwähnt.

Von 1885 bis 1972 war Bersenbrück Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises, der im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform am 1. Juli 1972 aufgelöst und mit den Landkreisen Wittlage, Melle und Osnabrück zum Landkreis Osnabrück zusammengefasst wurde.

Bersenbrück ist seit 1956 Stadt. Die Samtgemeinde Bersenbrück wurde 1972 gegründet und besteht aus den Mitgliedsgemeinden Alfhausen, Ankum, Bersenbrück, Eggermühlen, Gehrde, Kettenkamp und Rieste.

Religionen

Bersenbrücks Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch. Durch die Ansiedlung von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion hat sich der Anteil der protestantischen Gläubigen vergrößert. Nach wie vor stellen die Katholiken die größte christliche Gemeinschaft Bersenbrücks.

Es existieren eine römisch-katholische, eine evangelische und eine baptistische Kirchengemeinde.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Ahausen-Sitter und Talge eingegliedert.[2]

Einwohnerentwicklung
Bevölkerungsentwicklung seit 1987

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Bersenbrück im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.

Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen [3] auf Basis der Volkszählung vom 25. Mai 1987.

Bei den Angaben aus den Jahren 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden.[2]

Jahr Einwohner
1961 4.600
1970 5.143
1987 5.598
1990 5.767
1995 7.391
2000 7.751
2005 7.842
2010 7.946
2011 7.962
2015 8.253

Ortsname

Frühere Ortsnamen von Bersenbrück waren in den Jahren 1221 Bersinbrugge, 1231 Bersembrugge, 1301 Bersenbrucge und 1723 Berßenbrück. Der Ortsname ist eine Bildung mit dem Grundwort „-brück“. Das Bestimmungswort enthält einen Gewässernamen „Bersina/Birsina“, der seinerseits eine Ableitung mit „-n-“Suffix ist. Ableitungsbasis ist „bheres-“ für „schnell“. Später setzte sich der Name „Hase“ – wie in Osnabrück, eigentlich „Brücke über die Osna“ – durch.[4]

Politik
Stadtrat

Der Stadtrat hat gegenwärtig 21 Mitglieder aus drei Parteien. Die CDU hält mit 12 Sitzen die absolute Mehrheit der Mandate und stellt den Bürgermeister.

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996.

Rat der Stadt Bersenbrück: Wahlergebnisse und Stadträte
CDU SPD GRÜNE Gesamt Wahl-
beteiligung
Wahlperiode  %  %  %  %  %
1996–2001 66,1 14 27,6 6 6,3 1 100 21 69,9
2001–2006 69,7 15 26,0 6 4,2 100 21 64,2
2006–2011 64,2 14 29,1 6 6,7 1 100 21 48,8
2011–2016 56,7 12 23,2 5 20,1 4 100 21 50,3
Prozentanteile gerundet.
Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen[5], Landkreis Osnabrück[6][7].
Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,
da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.

Kommunalwahl 11. September 2016
[8]

CDU: 13 Sitze
SPD: 5 Sitze
UWG Stadt BSB: 3 Sitze
Grüne: 2 Sitze
Bürgermeister

Aktueller Bürgermeister der Stadt ist Christian Klütsch (CDU).

Wappen

Das Wappen der Stadt ziert die silberne Klosterpforte und darunter eine silberne Steinbrücke auf rotem Grund. Die Güter des Klosters fielen nach der Auflösung an die Klosterkammer Hannover, die bis heute einer der größten Landeigner der Gegend ist.

Städtepartnerschaften

Bersenbrück pflegt eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Tinténiac im gleichnamigen Kanton (Region Bretagne). Sie ging aus einem 1998 erstmals stattfindenden Schüleraustausch zwischen dem Bersenbrücker Gymnasium und dem Collége Théophile Briant in Tinténiac hervor. Eine weitere Partnerschaft besteht zur polnischen Stadt Gryfino (Greifenhagen) an der Oder.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Der Remter des Klosters beherbergt das Museum des Landkreises Osnabrück.

Im historischen Remter im Stiftshof befindet sich das Museum des Landkreises Osnabrück, das 1924 von Landrat Hermann Rothert gegründet wurde.

Die Ausstellung besteht hauptsächlich aus historischen Stücken und zeigt das Leben der einfachen Landbevölkerung. Auch werden regelmäßig zeitgenössische Kunstwerke ausgestellt.

An der Hasemühle liegt das Kulturzentrum „Krabat“, das 2000 eröffnet und von einem gemeinnützigen Verein gegründet wurde, der sich als Nachfolger des art-land-Kunstvereins konstituierte, nachdem 1997 die Mühle erstmals eine Kunstausstellung beherbergte. Angegliedert ist dem Verein eine Kunst- und Kreativschule, die über ein eigenes Atelier mit Außengelände verfügt.

Bauwerke
Das Torhaus des Klosters ist das Wahrzeichen von Bersenbrück

Das Wahrzeichen von Bersenbrück ist die im Jahre 1700 von der Äbtissin Nyvenheim errichtete Klosterpforte mit Torhaus („Porthaus“) des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters, das direkt am Marktplatz liegt. Nach Auflösung des Klosters im Jahre 1787 verblieb im Nordflügel des Porthauses ein Wohnbereich für den Pförtner und Nachtwächter. Mit der Gründung des Amtes Bersenbrück 1817 wurde im 1. Stock das Gefängnis untergebracht. Der Südflügel, in dem später ebenfalls Wohnungen entstanden, diente lange Zeit als Kirchenspeicher und Schänke. Das prächtige barocke Wappen derer von „Nyvenheim-Boetzelaer“ über dem Torbogen der Pforte ist das einzige erhaltene Wappen aus der Klosterzeit. Die Inschrift lautet: „Gott zur Ehre, dem Orden zur Zierde, der Nachwelt zuliebe ließ diese Pforte erbauen Maria Catharina von Nyvenheim, Äbtissin in Bersenbrück, Anno 1700, 14. Oktober.“

Römisch-katholische Pfarrkirche St. Vincentius

Die auf dem ehemaligen Klostergelände liegende römisch-katholische Pfarrkirche St. Vincentius stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik errichtet.
Das 1231 von Otto II. von Ravensberg gestiftete ehemalige Kloster befindet sich in direkter Nachbarschaft, in den Räumen sind heute das Amtsgericht und das Kreismuseum untergebracht. Das Kreismuseum wurde 1924 von dem damaligen Landrat des Kreises Bersenbrück, Hermann Rothert, gegründet.
Der Franz-Hecker-Saal im Rathaus zählt ebenso wie das Erntezimmer zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten.
Es gibt eine „Nachtwächterführung“ zu den Sehenswürdigkeiten.

Kunst im öffentlichen Raum

Im Süden der Haseinsel beginnt die ca. 100 km lange, in Meppen endende Hasetaler Kunstroute. Das erste Kunstwerk an dieser Route bildet die 2005 aufgestellte Sandsteinskulptur Thron des Königs der Karpfen und seiner Königin von Mandir E. Tix. Der Künstler gehört zu einer Gruppe von Bildhauern, die für das Kulturzentrum „Krabat“ in der Nähe der Hasemühle arbeiten. Vier aus dieser Gruppe fertigten 2006 die Holzskulptur mit dem programmatischen Namen „Verfall“ an. Betrachter können im Laufe der Jahre beobachten, wie die nicht mit Holzschutzmitteln bearbeitete Skulptur zusehends verfällt.

Gedenkstein über die Stiftung des Klosters 1231 durch Otto von Ravensberg

Sandsteinskulptur „Thron des Königs der Karpfen und seiner Königin“

Holzskulptur „Verfall“

Stadtwald

Gleich hinter der Klosteranlage wird die Hase an einem Flutwehr künstlich geteilt. Der Stadtwald Hemke, der von der Hase und dem Hasekanal (Mühlenhase) umschlossen wird, verfügt über einen Fischereilehrpfad. Im Norden Bersenbrücks liegt ein Waldgebiet, dessen nördlicher Teil ehemals der klösterliche Fischteich war, noch an Gräben und Wall erkennbar. Ein südlich davon liegendes Brachland ließ Äbtissin Hedwig Catharina von Hane während ihrer Amtszeit 1755-1781 aufforsten. Es nannte sich bald Hedwigs Freude oder auch Hedwigslust. Heute heißt das ganze Gebiet Stadtwald Freude.

Regelmäßige Veranstaltungen

Seit 1994 findet im Bersenbrücker Klostergarten jährlich im Juli/August eines der größten Reggaefestivals Deutschlands statt. Das Reggae Jam ist mittlerweile eine feste Größe im Bersenbrücker Jahresablauf.

Ebenso findet im Ortsteil Talge jeden Sommer ein zweitägiges Festival mit internationalem Kleinfeld-Fußballturnier statt. Das Talge Open Air[9] wird jährlich am zweiten Wochenende im Juli vom FC Talge [10] ausgerichtet.

Alle zwei Jahre findet im Wechsel mit einer Automobilausstellung im Herbst der „Kartoffelmarkt“ (das Bersenbrücker Stadtfest) statt. Einheimische Erzeuger bieten dort ihre Produkte an, das Angebot vieler Vereine und Gruppen sowie der Schausteller runden den Markt ab.

Am ersten Dezemberwochenende findet der Weihnachtsmarkt im Klostergarten statt.

Die Frühjahrskirmes findet am zweiten Sonntag im Mai statt.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Bahnhof

Bersenbrück liegt an den Bundesstraßen B 214 und B 68. Die nahegelegene Bundesautobahn A 1 ist über die Anschlussstellen Holdorf und Neuenkirchen-Vörden erreichbar. Im Dezember 2004 wurde die neue Umgehungsstraße für die B 68 eröffnet, wodurch das Stadtzentrum spürbar entlastet wurde. Durch Bersenbrück verläuft die Ferienstraße Artland-Route.

Der Bahnhof Bersenbrück an der Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück wird im Stundentakt vom RE 18 (Wilhelmshaven – Osnabrück) bedient und ist dadurch an das überregionale Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Betrieben wird der Schienenverkehr durch die NordWestBahn. Von dieser Verbindung zweigt die Bahnstrecke Bersenbrück–Ankum ab. Auf ihr verkehren seit 1962 nur noch Güterzüge.

Ansässige Unternehmen

In Bersenbrück gibt es eine große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen, einige hiervon sind auch überregional bekannt.

Kalle GmbH (ehemals Kalle Nalo GmbH): Hersteller von Wursthüllen (Kunstdarm) und Schwammtüchern, Hauptsitz in Wiesbaden
Lear Corporation (ehemals Grote-Hartmann GHW): Hersteller in der Automobilzulieferindustrie
Wurst Stahlbau GmbH: Das Unternehmen stellt Stahlkonstruktionen für Stahlhallen, Parkhäuser, Autohäuser und ähnliches her. Im Jahr 2007 wurde die Stahlkonstruktion für die neue Polarforschungsstation Neumayer III gefertigt, hierdurch wurde das Unternehmen bundesweit bekannt. 2011 wurde das Unternehmen mit dem ntv-Mittelstandspreis „Hidden Champion 2011“ für seine Leistungen als wirtschaftlich erfolgreiches sowie sozial und gesellschaftlich engagiertes Unternehmen ausgezeichnet.
Öffentliche Einrichtungen

Bersenbrück ist Sitz des Amtsgerichts Bersenbrück. Im Rathaus ist neben der Samtgemeindeverwaltung auch die Stadtverwaltung untergebracht. Weiterhin befinden sich an öffentlichen Einrichtungen in der Stadt u. a. das Gesundheitsamt, Veterinäramt, die Kreisstraßenmeisterei, die Feuerwehrtechnische Zentrale für den Nordteil des Landkreises Osnabrück und die Agentur für Arbeit als Geschäftsstelle der Bundesagentur für Arbeit.

Bildung

In Bersenbrück gibt es fünf Kindergärten, davon einen Sprachheilkindergarten, einen Integrationskindergarten und einen Kindergarten für behinderte Kinder. Eine Grundschule, eine Oberschule, ein Gymnasium und die Berufsbildende Schule des Landkreises Osnabrück stehen für Schüler aller Altersgruppen zur Verfügung.

Auch die Kreismusikschule ist in Bersenbrück untergebracht. Weiterhin gibt es ein großes Bildungs- und Betreuungsangebot für behinderte Menschen, z. B. den Verein „Heilpädagogische Hilfe“ mit dem „Paul-Moor-Bildungsinstitut“, einer Tagesbildungsstätte, die sich seit dem Sommer des Jahres 2007 „Paul-Moor-Schule“, benannt nach dem Pädagogen Paul Moor, nennen darf.

Die Volkshochschule Osnabrücker Land veranstaltet regelmäßig Kurse zu verschiedenen Themenbereichen (hauptsächlich Erwachsenenbildung).

Aus einer Kooperation zwischen dem Landkreis Osnabrück (als Schulträger) und der Samtgemeinde Bersenbrück ist das Medienforum hervorgegangen, das sich als verbindender Gebäudetrakt zwischen Gymnasium und Berufsschule befindet. Dem Besucher stehen Internetcafé, Bücherei und Videobearbeitungsraum zur Verfügung. Die Bücherei wurde aus den Schulbüchereien von Gymnasium und Berufsschule und der Stadtbibliothek gebildet.

Sonstiges
Das Kraftfahrzeugkennzeichen des ehemaligen Landkreises Bersenbrück, „BSB“, ist in Bersenbrück und Umgebung als Abkürzung für Bersenbrück sehr geläufig und wird häufig verwendet.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Carl Anton Lüpke (* 1775 in Bersenbrück, † 1855 in Osnabrück), Weihbischof in Osnabrück und Titularbischof von Anthedon
Arnold Buddenberg (* 19. Dezember 1811 in Bersenbrück, † 16. Februar 1892 in Bippen), Politiker der Nationalliberalen Partei
Franz Hecker (* 15. November 1870 in Bersenbrück, † 21. November 1944 in Osnabrück), Maler
Oskar Hecker (* 21. Mai 1864 in Bersenbrück, † 19. September 1938 in München), Geophysiker
Gustav Nietfeld-Beckmann (* 9. März 1896 in Bokel, † 28. November 1961 in Bersenbrück), Politiker (NSDAP)
Peter Fischer-Hollweg (* 1939 in Bersenbrück), Politologe im Diplomatischen Dienst des Auswärtigen Amtes im Ruhestand und heute im Ehrenamt Botschafter des Souveränen Malteser-Ritterordens in Lettland
Hans-Gert Pöttering (* 15. September 1945 in Bersenbrück), CDU-Politiker und ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments
Paul Wessler (* 1949 in Bersenbrück), Meisterschüler bei K.-H. Herrfurth, zahlreiche Kunstausstellungen
Hermann Winner (* 1955 in Bersenbrück), deutscher Maschinenbauingenieur
Literatur
Werner Dobelmann, Das Buch vom Kreise Bersenbrück. Eine Heimatkunde für Schule und Haus, Quakenbrück 1953
Werner Dobelmann, Entstehung und Entwicklung des Ortes Bersenbrück, in: Franz Buitmann, Werner Dobelmann, Franz Hülsmann, Ernst Schulte (Red.), Bersenbrück. Stadt im Osnabrücker Land. Beiträge zum Jubiläumsjahr 1981 in Wort und Bild. 750 Jahre Bersenbrück – 25 Jahre Stadt, Bersenbrück 1981, pp. 27[26]–84.
Weblinks
 Commons: Bersenbrück – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Internetauftritt der Stadt Bersenbrück
Internetauftritt der Samtgemeinde Bersenbrück
Suche nach „Bersenbrück“ in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Suche nach Bersenbrück im Portal SPK digital der Stiftung Preußischer Kulturbesitz