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Geschichte
Entwicklung der Stadt

Die erste urkundliche Nennung Bönnigheims findet sich im Lorscher Codex. In einer auf 16. Februar 793 datierten Urkunde vermachte die Nonne Hiltburg die Gemeinden Bönnigheim, Erligheim und Alt-Cleebronn dem Kloster Lorsch. Durch diese Schenkung kam Bönnigheim später mit dem Kloster an das Hochstift Mainz.

Zwischen 1235 und 1252 hatten die Pfalzgrafen von Tübingen Zugriff auf Höfe in Bönnigheim, die um 1235 einen Hof an das Kloster Bebenhausen übertrugen.[4] 1284 verkauften Abt Volland und der Konvent von Kloster Hirsau „um ihrer Schulden willen“ ihren Besitz in Bönnigheim und Botenheim ans Kloster Bebenhausen.[5]

1276 nannte sich der Sohn des edelfreien Albert junior von Roßwag „Werner von Bönnigheim“, als er auf Burg Magenheim dem Kloster Herrenalb alle seine Äcker und Wiesen in Aurich verkaufte.[6] Er könnte Vasall der Grafen von Grüningen gewesen sein, die sich nach der Schlacht bei Frankfurt im schwäbischen Unterland Zugriff auf Reichs- und staufische Hausgüter verschafft hatten, bis König Rudolf von Habsburg dem Grafen Hartmann III. von Grüningen den unrechtmäßigen Zugewinn 1280 wieder abnahm und diese Güter vorerst seinem Reichslandvogt Albrecht II. von Hohenberg überantwortete. So trat der Hohenberger Graf am 3. Februar 1286 als „advocatus et dominus civitatis Bunnenkain“ bzw. Vogt und Herr des 1284 von König Rudolf zur Stadt erhobenen Bönnigheims auf.[7] 1291 übergab der König die junge Stadt seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg.

Ganerbentum

Durch Erbschaft, Heirat und Kauf kam es bald darauf zu einer Zersplitterung der Besitzrechte an Stadt und Burg, aus dem das Ganerbentum hervorging, das bis 1750 Bestand hatte. Während dieser Zeit wurde der Besitz der immer noch unter Mainzer Oberlehensherrschaft stehenden Stadt auf vier Adelsgeschlechter (Herren von Sachsenheim, Herren von Liebenstein, Herren von Gemmingen und Herren von Neipperg) aufgeteilt. Jedem Ganerben stand ein entlang der Mittelachsen des quadratischen Stadtgrundrisses abgegrenztes Viertel zu.[8] Diese Ganerbenverhältnisse galten auch im benachbarten Erligheim.

Es ist nicht möglich, eine Stadt in vier Sektoren zu gliedern, ohne dass es zu Einschnitten im gesellschaftlichen Leben kommt. Auch sind Streitereien unter den Erben bei einer solchen Situation kaum etwas Besonderes. Aus diesem Grund wurde 1388 der Burgfrieden geschlossen, mit dem Bönnigheim seine erste Stadtordnung bekam. Im Burgfrieden legten die Ganerben fest, aus ihren Reihen alle zwei, später alle drei Jahre einen Baumeister zu wählen, der für die Verwaltung der Stadt verantwortlich war. Der jeweilige Baumeister bezog seinen Wohnsitz in der Burg. Weiterhin geregelt waren darin die Wahlen von Stadtrat und Bürgermeister, sowie die Bestellung eines Amtmannes.

Im Bauernkrieg wurde die Burg niedergebrannt, 1546 wieder aufgebaut, 1697 jedoch teilweise wieder eingerissen. In diesem Zustand ist sie heute noch erhalten.

Neuzeit

1750 kaufte Graf Friedrich von Stadion die gesamte Stadt und beendete damit das Ganerbentum. 1756 ließ er das prachtvolle Schloss bauen. 1785 wurde die Stadt an Herzog Carl Eugen von Württemberg verkauft. In Württemberg gehörte sie fortan zum Oberamt Besigheim, das 1938 im Landkreis Ludwigsburg aufging.
Im Zweiten Weltkrieg zerstörten beim Einmarsch französischer Soldaten am 7. April 1945 sowohl die Wehrmacht als auch die Franzosen Teile des Stadtzentrums, bei dem viele Zivilopfer zu beklagen waren. Beim Wiederaufbau nahmen die historischen Vorbilder nur wenig Berücksichtigung.[9]

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[10] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 3.233
1. Dezember 1880 ¹ 3.381
1. Dezember 1890 ¹ 3.567
1. Dezember 1900 ¹ 3.382
1. Dezember 1910 ¹ 3.213
16. Juni 1925 ¹ 3.170
16. Juni 1933 ¹ 3.425
17. Mai 1939 ¹ 3.584
13. September 1950 ¹ 4.738
6. Juni 1961 ¹ 5.215
Jahr Einwohner
27. Mai 1970 ¹ 6.120
31. Dezember 1980 6.225
25. Mai 1987 ¹ 6.186
31. Dezember 1990 6.853
31. Dezember 1995 6.815
31. Dezember 2000 7.317
31. Dezember 2005 7.487
31. Dezember 2010 7.520
31. Dezember 2015 7.593

Eingemeindungen
1. Januar 1972: Hohenstein[11]
1. Oktober 1972: Hofen[11]
Religionen

Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ist auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort vertreten.

Politik

Kommunalwahl 2014

 %403020100

33,16 %31,70 %18,91 %16,24 %

FWV/CDUUWGSPDGrüne
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10

-8,28 %p
+4,08 %p+0,27 %p+3,94 %p
FWV/CDUUWGSPDGrüne
Gemeinderat

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hat der Gemeinderat 18 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,37 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  Freie Wählervereinigung/CDU 6 Sitze
  Unabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim 6 Sitze
  SPD 3 Sitze
  B90/GRÜNE     3 Sitze

Zusätzliches stimmberechtigtes Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2002 Kornelius Bamberger. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 18. April 2010 erhielt er 96,49 Prozent der Stimmen.[12]

Wappen und Flagge
Hohenstein

Das Wappen zeigt in Rot ein sechsspeichiges, silbernes Rad sowie einen darunter liegenden gesichteten silbernen Mond. Das Wappen spiegelt damit die Geschichte der Stadt wider, in dem als Elemente das Mainzer Rad auftauchen, sowie der Mond als Teil des Wappens der Herren von Magenheim, die als Gründer von Bönnigheim gelten.

Die Bönnigheimer Stadtfarben sind Weiß-Rot; sie sind seit mindestens 1921 in Gebrauch.

Die Wappen der eingemeindeten Orte sind:

Hofen: In Rot eine silberne Kirche mit linkshin stehendem Turm, rechts oben ein doppelarmiges silbernes Kreuz; Flagge weiß-rot; genehmigt am 7. Oktober 1966.

Hohenstein: In Silber auf einem mit fünf aneinander gereihten silbernen Rauten belegten grünen Berg eine zweitürmige bezinnte rote Burg; Flagge rot-weiß; genehmigt am 19. August 1965.

Städtepartnerschaften
Rathaus von Bönnigheim

Bönnigheim unterhält freundschaftliche Beziehungen zu

Frankreich Rouffach im Elsass, Frankreich seit 1964,
Deutschland Neukirch/Lausitz, Landkreis Bautzen, Sachsen seit 1992
Ungarn Balatonboglár am Plattensee, Ungarn seit 2000
Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bönnigheim liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen
Schwäbisches Schnapsmuseum und Museum Arzney-Küche
Um Alkohol geht es in diesen beiden benachbarten Museen. Das Schwäbische Schnapsmuseum besitzt die größte alkoholgeschichtliche Sammlung Deutschlands. Seit 2013 wird dort außerdem eine Ausstellung zum Thema Nachgeburtsbestattung gezeigt.[13]
Museum Charlotte Zander (Naive Kunst und Art brut) im Stadionschen Schloss
Museum Sophie La Roche (der Autorin des ersten deutschen Frauenromans Sophie von La Roche gewidmet)
Sudetendeutsche Heimatstube
Bauwerke
Köllesturm
Friedhofskapelle

Bönnigheim besitzt zahlreiche sehenswerte, denkmalgeschützte Gebäude. Der ausgeschilderte historische Rundgang durch die Stadt führt entlang von knapp 50 Bauwerken.

Die Ganerbenburg
Burg Bönnigheim bildete die nordwestliche Begrenzung der mittelalterlichen Stadt und wurde im Bauernkrieg zerstört, danach wiederaufgebaut und im 17. Jahrhundert größtenteils abgerissen. Von ihr ist noch ein Turm sowie ein massives Steinhaus erhalten. Von der mittelalterlichen Stadtmauer, deren Gesamtlänge rund 1150 Meter betrug und die bis zu 9,10 Meter hoch und 1,40 Meter stark war, bestehen noch Reste westlich des Schlosses.
Der Köllesturm
ist ein Torturm der früheren Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Außerhalb der Stadtmauer führte eine Brücke über den trockenen Stadtgraben zu diesem Turm, der mit Flügel- und Zugtor verschlossen war. Seine heutige Dachform erhielt der Turm bei einer Renovierung nach einem Brand im späten 18. Jahrhundert.
Der Diebsturm
ist ein halbrunder Turm, der 1458 an die Stadtmauer angebaut wurde.

Ganerbenburg

Reste der Stadtmauer

Diebsturm

Stadionsches Schloss
Das Stadionsche Schloss
wurde 1756 von Baumeister Anton Haaf für Friedrich Graf Stadion errichtet. In seiner wechselvollen Geschichte diente das Gebäude u. a. von 1828 bis 1888 als Forstamt, später als königliche Taubstummenanstalt und als Schiller-College für amerikanische Studenten. Seit 1996 befindet sich im Schloss das Museum Charlotte Zander für Naive Kunst und Art Brut.
Der Kavaliersbau
mit markantem Staffelgiebel an der Stadtmauer ist der letzte noch bestehende Teil des Liebensteiner Schlösschens, an dessen Stelle später das Stadionsche Schloss errichtet wurde. In dem Gebäude befindet sich u. a. die städtische Musikschule und das Jugendcafé.
Das Forstgefängnis
zwischen Schloss und Kavaliersbau wurde als Gefängnis für Wilddiebe und Forstfrevler im 19. Jahrhundert errichtet. Heute befindet sich dort das Museum Sophie La Roche.
Der Georgsbrunnen
mit der Figur des mit einem Drachen kämpfenden heiligen Georg wurde 1549 errichtet, sein Brunnentrog stammt von 1816 und ist mit den Namen der damaligen Räte der Stadt beschriftet. Der vor dem Schloss befindliche Brunnen diente lange Zeit als Löschwasserspeicher.

Kavaliersbau

Forstgefängnis

Brunnen Sankt Georg

Brunnenfigur

Cyriakuskirche
Die Cyriakuskirche
geht auf eine romanische Basilika zurück und wurde 1100 erstmals erwähnt. Auf dem Kirchplatz befindet sich eine Spiegel-Installation der Bönnigheimer Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai (* 1956).
Das Cyriakuspfründehaus
beim Kirchplatz war bis 1869 Wohnhaus des ersten Pfarrers und später das Ortsgefängnis. Im benachbarten Stelzenhaus wurde in dem durch einen überkragenden und auf Holzpfosten ruhenden Oberstock mehr Wohnraum geschaffen.
Der Bebenhäuser Hof
war ein Hof des Klosters Bebenhausen, das bereits 1103 Besitz in Bönnigheim hatte. Das Gebäude datiert um 1620, es weist einen Neidkopf auf und seine Gefachbemalungen zeigen zeitgenössische Liedtexte. Heute beherbergt das 1983 renovierte Gebäude ein Hotel.
Der Mainzer Hof
am Meierhof 7 ist ein frühgotisches, zweigeschossiges Steinhaus aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.
Der Maulbronner Hof
wurde als Hofgut des Klosters Maulbronn 1581 errichtet. Das Gebäude wurde inzwischen als Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.

Installation am Kirchplatz

Stelzenhaus und Cyriakuspfründehaus

Bebenhäuser Hof

Maulbronner Hof

Gemminger Kelter
Die Neipperger Kelter und die Gemminger Kelter
sind massive Keltergebäude aus dem Jahr 1600, die auf die Herren von Neipperg bzw. die Herren von Gemmingen zurückgehen, denen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert jeweils ein Viertel der Stadt Bönnigheim gehörte. Die Gemminger Kelter wurde zu einem zeitgemäßen Geschäfts- und Wohngebäude modernisiert, die Neipperger Kelter ist äußerlich unsaniert und beherbergt das Clublokal eines Sportvereins. Die anderen beiden Kelter der Herren von Sachsenheim und Liebenstein wurden beim Bau der Genossenschaftskelter 1949 abgerissen. Diese hat einen Uhrenturm mit den Wappen der früheren vier Ganerbenfamilien und wurde später zeitweise als Supermarkt umfunktioniert.
Das ehemalige Gemminger Amtshaus
befindet sich nahe der Kirche. Das zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaute Gebäude lässt nur noch schwerlich seinen historischen Kern erkennen.
Der Ganerbenbrunnen
in der Ortsmitte zeigt auch die Wappen der vier Ganerbenfamilien und erinnert an die Einteilung des Ortes in Viertel.

Ehem. Genossenschaftskelter

Uhrenturm der Genossenschaftskelter

Ehem. Gemminger Amtshaus

Ganerbenbrunnen

Fachwerkhaus am Markt
Das frühere Stadtschreiberhaus
an der Kirchstraße 22 weist Reste spätgotischer Ausmalung von 1541/42 auf.
Die Stadtapotheke
an der Kirchgasse 2 wurde 1764 im spätbarocken Stil errichtet, eine Apotheke befindet sich seit 1848 in dem Haus. Die alte Einrichtung kann durch neue Schaufenster besichtigt werden.
Im Ort befinden sich außerdem zahlreiche weitere historische Fachwerkbauten, darunter auch historische Gasthöfe wie das Gasthaus Bären von 1766. Hervorzuheben sind das Weingärtnerhaus von 1810 und das Wohnhaus von 1757 in der Grabengasse sowie das Ackerbürgerhaus von 1630 mit seinen insgesamt neun Dachfeldern in der Schloßstraße.
Die Villa Amann
in der Kirchheimer Straße 15 wurde im Jahre 1900 errichtet.

Ackerbürgerhaus 1630

Wohnhaus 1757

Weingärtnerhaus 1810

Gerbergasse

Klösterle
Rund 1,5 km südwestlich des Stadtkerns befindet sich am Rande der Weinberge die Ruine des Klösterle. Um 1435 wurde dort eine Kapelle erbaut, die der „seligsten Jungfrau Maria“ geweiht war. In Verbindung mit der Quelle, bei der sie sich befand, wurde sie zu einer Pilgerstätte. Von 1477 bis zur Reformation lebten dort Barfüßermönche. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgegeben. Die Steine wurden teilweise für Bauten in Bönnigheim verwendet. Die Überreste waren schließlich völlig von Erdreich bedeckt. 1975 wurden bei Flurbereinigungsarbeiten die erhaltenen Reste der Anlage wiederentdeckt und freigelegt.
Vereine
Die Ortsgruppe Bönnigheim des Schwäbischen Albvereins wurde im Jahr 2002 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.[14]
Wirtschaft und Infrastruktur
Weinbau

Der Weinbau ist schon seit der ersten urkundlichen Nennung in Bönnigheim bekannt.

Die Strombergkellerei baut als Erzeugergenossenschaft die Weine der Orte Bönnigheim, Kirchheim am Neckar, Hohenhaslach und Erligheim aus.
Überregional bekannt als Weingut speziell für Spätburgunder und Lemberger von hoher Qualität ist das Weingut Ernst Dautel.

Verkehr
Straßenverkehr

Bönnigheim und seine Ortsteile sind nicht direkt mit dem Fernstraßennetz verbunden. Die nächste Bundesstraße ist die B 27 in Kirchheim am Neckar (via K 1679) bzw. in Richtung Lauffen am Neckar (via L 2254). Die nächste Abfahrt der Autobahn ist die Anschlussstelle Mundelsheim an der A 81 Stuttgart – Heilbronn. Weiterhin gibt es Kreis-/Landesstraßen nach Botenheim, Meimsheim, Walheim (über den Ortsteil Hofen), Erligheim, Freudental, Treffentrill und Cleebronn.

Öffentliche Verkehrsmittel

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und der Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr (HNV) betreiben Buslinien, die Bönnigheim mit den umliegenden Städten und Dörfern verbinden. Bönnigheim selbst liegt im Bereich des VVS und wird von diesem mit den Linien 554 nach Untermberg (Bietigheim-Bissingen) über Bietigheim-Bissingen und 574(A) nach Besigheim bzw. Ottmarsheim bedient.

Der nächstgelegene Bahnhof bietet in Kirchheim am Neckar Anschluss an die Frankenbahn Richtung Heilbronn bzw. Stuttgart. Alternativ kann per Busverbindung der Bahnhof in Bietigheim-Bissingen erreicht werden, wo Anschluss an die S-Bahn Stuttgart und die Stadtbahn Karlsruhe (letztere auch über Heilbronn erreichbar) besteht.

Industrie

Das industrielle Zeitalter kam relativ spät nach Bönnigheim. Erst am 1. November 1854 gründeten Alois Amann (1824–1892) und Immanuel Böhringer (1822–1906) eine Firma für die Fabrikation von gezwirnter und gefärbter Seide in einem Gebäude, das früher ein Knabeninstitut war.[15]

Am 1. Dezember 1854 waren bereits neben einer Zwirnmaschine zwei Wind- und eine Putzmaschine in Betrieb. Die bescheidene Produktion der neuen Firma wurde mit etwas auswärts gekauften Zwirnen vorerst in der Färberei von Rau in Berg gefärbt und anschließend nach Bönnigheim gebracht dort von zwölf Frauen überarbeitet und auf eine Haspel gehaspelt. Die Antriebskraft lieferten zwei Radtreiber, die ein großes Schwungrad beschwerlich drehten. Die Kraft dieser Männer erwies sich jedoch bis 1855 infolge der weiteren aufgestellten Maschinen als unzureichend und ihre menschliche Leistung wurde daher durch ein von zwei Eseln (später zwei Ochsen) getriebenes Göpelwerk ersetzt. Im Jahre 1855 wurde die Schwarzfärberei in eigener Regie betrieben; zusätzliche Maschinen verschiedener Arten wurden gekauft. 1856 kamen vier neue Zwirnmaschinen, sechs weitere Windmaschinen und weitere Spul- und Haspelmaschinen zum Einsatz. Alle Maschinen wurden durch eine Vier-Pferdestärke-Dampfmaschine angetrieben, die die Ochsen ersetzte. Im Jahr 1857 waren zwischen 90 und 100 Arbeiterinnen beschäftigt.[16]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) florierte und expandierte die Firma und eine größere Dampfmaschine wurde in Betrieb genommen. Im Jahre des 25-jährigen Jubiläums 1879 galt die Firma Amann und Böhringer als führendes Unternehmen unter den deutschen Nähseidenzwirnereien.[17]

1880 wurde die bedeutende Konkurrenzfabrik Payr und Mayer in Augsburg und deren Tochtergesellschaft in Mossingen aufgekauft und das Führungspersonal nach Bönnigheim versetzt. 1880 zog sich Immanuel Böhringer ins Privatleben zurück und Alois Amann übernahm das Geschäft, bis er von seinen Söhnen, Emil Amann (1862–1935) und Alfred Amann (1863–1942), unterstützt wurde, worauf die Firma Amann und Söhne hieß. Emil unternahm Versuche mit der Herstellung von synthetischen Fasern, kam aber schließlich zu dem Urteil, dass die Naturseide noch durch nichts Gleichwertiges zu ersetzen sei.[18] Es folgte der Erwerb von zwei Fabriken in Oberitalien in Seriate und Telgate. Emil Amann bereiste Deutschland und die fernsten europäischen Staaten, um den Absatz der Fabriken zu erweitern, während sein Vater und sein Bruder sich auf die Leitung des Unternehmens konzentrierten.[19]

Eine eigene Couleurfärberei wurde 1884 in Betrieb genommen, da die bisher auswärts eingefärbte Seide immer wieder zu Reklamationen Anlass gegeben hatte.[17] Da kein Fluss durch Bönnigheim fließt, wurde im Werksgelände nach Wasser für den Färbeprozess gebohrt.[18] Alfred Amann legte eine Lehre in Lyon, London und Krefeld ab, bevor er zur Firma zurückkehrte, um den Posten als Technischer Direktor zu bekleiden.[17] Nach dem Tode von Alois Amann 1892 übernahmen die Söhne die Firma und blieben weiterhin in Geschäftspartnerschaft bis 1917, als Emil aus dem Werk ausschied und als Privatier nach Wiesbaden übersiedelte.[17]

Medien

Aus Bönnigheim berichtet die Bönnigheimer Zeitung, eine Lokalausgabe der Südwest-Presse. Einmal wöchentlich erscheint mit einer Auflage von 7000 Exemplaren das Nachrichtenblättle. Es berichtet aus den Rathäusern von Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim.

Öffentliche Einrichtungen

Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Bildung

Mit dem Alfred-Amann-Gymnasium, der Sophie La Roche-Realschule und der Ganerbenschule, einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, sind alle Segmente des dreigliedrigen Schulsystems in Bönnigheim vertreten. Außerdem gibt es drei städtische, zwei evangelische und einen römisch-katholischen Kindergarten sowie eine städtische Musikschule.

Ver- und Entsorgung

Das Stromnetz in der Stadt wird von der EnBW Regional AG betrieben. Die Stadtwerke Bönnigheim versorgen die Stadt mit Wasser und Gas sowie das Baugebiet Schloßfeld mit Fernwärme. Die Abfallentsorgung wird von der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg mbH (AVL) übernommen, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Landkreises Ludwigsburg. Die AVL ist beauftragt, die Aufgaben zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen im Auftrag des Landkreises Ludwigsburg zu erfüllen.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Dionys Burckard († 1605), Weihbischof in Speyer
Alfred Amann (1863–1942), Textilfabrikant und Ehrenbürger der Stadt
Georg Beer (1527–1600), Baumeister der Renaissance
Johann Jakob Erhardt (1823–1901), Missionar in Ostafrika und Indien
Cosmann Friedrich Köstlin (1711–1790), evangelischer Pfarrer und Superintendent
Albert von Melchior (1844–1913), württembergischer Fabrikant
Ludwig Christian Haeusser (1881–1927), Wanderprediger der 1920er Jahre und der bekannteste Vertreter der sogenannten Inflationsheiligen
Uli Kazmaier (* 1960), Professor für Organische Chemie
Thomas Hammer (* 1969), Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor
Sonstige mit Bönnigheim verbundene Personen
Christoph Ulrich Hahn (1805–1881), langjähriger Gemeindepfleger in Bönnigheim
Friedrich Wilhelm Mader (1866–1947), Autor, verbrachte den Lebensabend in Bönnigheim
Ernst Mayer (1893–1963), Pfarrer und Stadtchronist[20]
Barbara Stratzmann (* um 1448; † 1503), angeblich Mutter von 53 Kindern
Gustav Werner (1809–1887), Pfarrer, gründete eine Arbeitsanstalt in Bönnigheim
Literatur
Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag, 1993, S. 90.
Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger:: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt – Bönningheim, Hohenstein, Hofen. Stadt Bönnigheim, Bönnigheim 1984.
Karl Eduard Paulus: Bönnigheim. In: Beschreibung des Oberamts Besigheim, hrsg. vom Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Müller, Stuttgart 1853, S. 137–160.