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Geschichte
Namensherkunft
Ortsmitte von Bomlitz mit „Altwerk“ und Steilhang des Fuchsbergs (rechts)

Der Ortsname folgt hier nicht wie sonst dem zumeist sehr alten Flussnamen, sondern hat diesen rückwirkend modifiziert. Die Bomlitz hieß noch im 18. Jahrhundert (wie noch heute mundartlich) Bommelse, von ursprünglich Bamlina in der Bedeutung von Kleiner Baumfluss als dem Hauptnebenfluss der Böhme, ursprünglich Bama, Bumen in der Bedeutung Baumfluss.[11] Diesem Namen folgt der bereits im Jahre 835 als Bamlinestade (Ufer der Bommelse) urkundlich erwähnte Ortsteil Bommelsen, der Name Bomlitz leitet sich dagegen von der Örtlichkeit am sich rechtwinklig um den steilen Fuchsberg legenden Talknick ab. Mögliche Bezüge für das Suffix im Namen Bommel-(l)etz sind entweder der Talknick selbst, eine Stromschnelle oder Wehr (Letzel),[12] oder aber ein Eichenbestand, dessen niederdeutsche Bezeichnung im Zuge des zeitweiligen Zetazismus zu Eitz geworden war.[13] Der Name dieser Keimzelle des Ortes Bomlitz ging später auf das Gewässer über.

Geschichte der ländlichen Ortsteile

Im Bomlitzer Gemeindegebiet gibt es viele Hügelgräber, die wie viele gefundene Artefakte aus der Bronzezeit stammen. Dies lässt eine für Geestgebiete relativ frühe Besiedlung erkennen.

Die landwirtschaftlich geprägten Dörfer, die heute Ortsteile von Bomlitz sind, lagen abseits der frühen überörtlichen Wege, die meist über die weniger feuchten Höhen verliefen wie der Kriegerweg im Osten von Bomlitz, und umfassten wegen der allenfalls mäßig ertragreichen Böden nur wenige Hofstellen. Die Kartenblätter der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775 (Blatt 38 Neuenkirchen) und 1778 (Blatt 89 Walsrode) verzeichnen beispielsweise für Jarl(ingen) 7 Feuerstellen und für Westerharl 6, was typischen Einwohnerzahlen von um die 50 entspricht. Die Dörfer Borg und Uetzingen standen in enger Beziehung zur altsächsischen Hünenburg an der Warnaumündung.

Das Gebiet gehörte zum Fürstentum Lüneburg und später zum Kurfürstentum Hannover, ab 1815 Königreich Hannover. Nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel Hannover an Preußen. Die Gemeinden gehörten nun zum Landkreis Fallingbostel im Regierungsbezirk Lüneburg der neuen preußischen Provinz Hannover.

Die zersplitterte Flur wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts verkoppelt. Teile der verarmten Heideflächen wurden zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Dampfpflug umgebrochen, teils zu Ackerland, meist aber zu Forstflächen.

Jarlingen und Ahrsen sind Nachbardörfer im oberen Warnautal. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 11. Jahrhundert. Jarlingen ist ein kleines Haufendorf mit späterer Siedlungserweiterung, Ahrsen besteht aus Einzelhöfen in Streulage. Zum gemeinsamen Dorfgemeinschaftshaus wurde 1999 ein 220 Jahre alter Schafstall umgebaut.
Bommelsen markiert mit seiner bis 1930 erbauten Friedenskirche die Mitte der lockeren Höfe- und Dörferreihe entlang des oberen Bomlitztales, die mit dem seit der Gemeindereform 1974 zu Soltau gehörenden Ort Woltem beginnt und über Bommelsen, Kleinharl, Kroge und Hasberg bis Westerharl reicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bommelsen im Jahre 835. Sein Ortsbild ist von gut erhaltenen historischen Hofanlagen geprägt. Auf dem Friedhof liegt das Grab von Johannes Blaskowitz.
Kroge mit Kleinharl gruppiert sich um das kurze Stück gemeinsamen Verlaufs von Bomlitztal und B440, der früheren Chaussee von Visselhövede nach Dorfmark. Eine im Kreuzungsbereich der alten Handels- und Verkehrswege gelegene Hofstelle mit einem „Krug“ wird als Namensgeberin für den Ort angesehen.[14]
Borg bildet mit Cordingen ein Siedlungsband entlang der rechten Seite des unteren Warnautales. Borg ist das kompakteste Haufendorf der Gemeinde Bomlitz und leitet seinen Namen von der nahen altsächsischen Burganlage (Hünenburg) her. Cordingen (1410: Cordinghe) ist ein alter Gogerichtsort (niedere, erbliche Gerichtsbarkeit). Die historische Wassermühle Cordingen wurde erstmals 1408 erwähnt.
Uetzingen (1069: Udecsineburstalde) war früher der zur Borger Burg gehörende Wirtschaftshof und Gogericht.[14] Das Dorf ist mit Elferdingen und Wenzingen der südlichste Ortsteil der Gemeinde. Die drei Dörfer gehörten noch im 18. Jahrhundert zur Bauerschaft Honerdingen auf der gegenüberliegenden Böhmeseite. Diese Bauerschaft wurde 1810 wegen einer neuen Grenzziehung, die nach der Besetzung des Kurfürstentums Hannover durch französische Truppen vorgenommen wurde, in Honerdingen links der Böhme und Honerdingen rechts der Böhme geteilt. 1912 erhielt Honerdingen rechts der Böhme den Namen Gemeinde Uetzingen.[15]
Geschichte der Kernorte Bomlitz und Benefeld

Das Gebiet der heutigen Kernorte war, abgesehen vom Doppelhof Benefeld im unteren Bomlitztal, siedlungsleer bis 1681 an einem markanten Knick des damals so genannten Bommelse-Tales die Gewerbeansiedlung erfolgte, aus der sich gut 200 Jahre später die Ortsteile Bomlitz und Benefeld entwickelten und damit auch die heutige Gemeinde. Die vom begüterten Papiermacher Gabriel Pfuhl errichtete Papiermühle an der Bommelse firmierte laut Wasserzeichen als Bomlitz. 1770 wurde der große Betrieb durch Hochwasser zerstört. Die erneute Zerstörung 1774 bedeutete sein Ende; 1778 dokumentiert die Kurhannoversche Landesaufnahme nur noch Wohn- und Stallgebäude.[16]

Gutsbezirk Bomlitz mit Werksanlagen Wolff & Co. 1903 und im Ersten Weltkrieg[17]

Bestrebungen für neue Konzessionen scheiterten, bis 1815 die Neuerrichtung als Pulvermühle unter Leitung von Dr. Leschen aus Hannover genehmigt wurde. Sie wurde nach ihrer Fertigstellung 1824 vom Walsroder Mitinhaber August Wolff übernommen.

Der Bedarf an weiteren Stauanlagen für Mühlen zur Schwarzpulverherstellung führte zum Zukauf von Land entlang der Bomlitz, wodurch das um 1850 bereits rund 330 Hektar umfassende Gut Bomlitz entstand. Die Firma expandierte stetig, inzwischen unter dem Namen Wolff & Co., entwickelte weltweite Handelsbeziehungen, kaufte die konkurrierende Fallingbosteler Pulvermühle auf und wurde ab 1877, zunächst mit der Produktion von Schießbaumwolle, nach und nach ein Unternehmen der chemischen Industrie. Die weiterhin bedeutende Pulverproduktion führte im Ersten Weltkrieg zu einer starken Expansion der Werksanlagen. Nach dem Krieg gelang eine weitgehende Umstellung auf zivile Produkte.

Das alte Verwaltungsgebäude der Firma Wolff (August-Wolff-Straße)

Die Entwicklung des Kernortes Bomlitz war im 19. Jahrhundert mit der Werksgeschichte noch nahezu identisch. Anfangs waren die meisten Wohnungen werkseigen, ihre Anzahl stieg von 60 1905 (Gutsbereich) auf 168 1945.

Der 1883 aus der Gemeinde Westerharl ausgegliederte Gutsbezirk Bomlitz wurde 1928 in eine selbständige Gemeinde umgewandelt. Anfang der zwanziger Jahre entstand das Ortszentrum mit den heute noch markanten Gebäuden der Hauptverwaltung, des Sozialgebäudes, des Hauptpförtners und des Ledigenheims, später auch Gaststätten, ein Fest- und Speisesaal, ein Fußballplatz, ein Schwimmbad, Tennisplätze und anderes. Die Gebäude aus dieser Zeit haben teilweise eine betont städtische Architektur und stehen teilweise unter Denkmalschutz. Bomlitz bekam 1916 Bahnanschluss über die 3,6 Kilometer lange und steigungsintensive Werkbahn Cordingen-Bomlitz. Sie war die erste elektrifizierte Bahnstrecke im heutigen Niedersachsen (Oberleitung 1979 abgebaut).

Von weiterer einschneidender Bedeutung für die Entwicklung des heutigen Gemeindegebietes war Mitte der 1930er Jahre die Errichtung eines Werkes mit umfangreichem Schienen- und Straßennetz für die Herstellung von Nitrocellulose und anderen Sprengstoffen durch die Eibia GmbH, eine Tochterfirma von Wolff & Co. Bis zu 8000 Menschen arbeiteten in Spitzenzeiten in der Produktion und bei der Errichtung der Anlagen und Unterkünfte der Arbeiter. Der Ort Benefeld entstand mit dem Bau von Betriebsleiter- und Meisterwohnungen sowie Siedlungen für die Arbeiter, den heutigen Quartieren Mühlenhofsiedlung, Lohheide Nord und Süd. Die Baracken des Steinlagers oder von Bomlitz-Kiebitzort sind heute abgerissen. Neben den Eibia-Lagern bestand für die Dauer von sechs Wochen auch ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen. Auch in den umliegenden Orten wurden Siedlungen errichtet, um die hohe Anzahl von Arbeitskräften (anfangs Freiwillige, später vorwiegend Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) unterzubringen. Nach dem Krieg wurde der freie Wohnraum von den zahlreichen Flüchtlingen genutzt. Während in Bomlitz der Kern der Bevölkerung blieb, erhielt Benefeld eine nahezu neue Einwohnerschaft. Über 4000 Menschen, deutlich mehr als in Bomlitz, lebten damals in den Lagern Benefelds. Im Laufe der Zeit zogen daneben viele Spätaussiedler aus Osteuropa nach Bomlitz.

Ortsmitte von Bomlitz mit Industrieanlagen

Seitdem hat sich die heutige ungünstige zweipolige Struktur der Gemeinde Bomlitz herausgebildet, die (neben hierfür typischen Rivalitäten) dazu führte, dass sich kein Ortskern etablieren konnte, der einer Wohnbevölkerung dieser Größe angemessen ist. Zeitweiligen Bestrebungen nach einer gemeinsamen Ortsmitte im Bomlitztal stehen Grundstücksfragen, Sanierungskosten und der Naturschutz entgegen. Lediglich das Waldbad und das Schulzentrum liegen mittig im und über dem Bomlitztal. Hinzu kommt eine ungünstige innere Verkehrsstruktur besonders im Nordwesten des 4 Kilometer lang zusammenhängend bebauten Bomlitzer Kernbereichs, die zu internen Minimalfahrstrecken von bis zu 6 km führt.

Diese aus der industriell dominierten Ortsentwicklung resultierenden strukturellen Nachteile wurden lange Zeit durch hohe gewerbliche Steuereinnahmen kompensiert, auf Grund derer sich Bomlitz zu einer leistungsfähigen Gemeinde mit zahlreichen kommunalen Einrichtungen entwickeln konnte. Dies änderte sich allerdings ab dem Jahre 2007, als das 1974 in Wolff Walsrode AG umbenannte Unternehmen unter dem Namen Dow Wolff Cellulosics heute eine Geschäftseinheit von DowDuPont wurde. Im Jahre 2008 erhielt die Gemeinde den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Tabelle gibt die Einwohnerentwicklung seit 1778 wieder:[18]

Ortsteil 1778 1848 1871 1901 1925 1939 1950 1962 1970 heute
Ahrsen 45 48 94 103 125 317 332 186 40 104
Westerharl, nach 1952 Benefeld 55 32 106 112 124 1069 2633 2718 3230 2232
Bomlitz 10 74 95 324 817 1283 1825 2084 2580 3052
Bommelsen 55 150 203 173 323 398 286
Borg mit Cordingen 70 179 145 165 292 483 551 589 836 627
Jarlingen 55 86 111 141 136 144 223 186 208 240
Kroge mit Klein Harl 70 108 116 157 177 299 412 485 337 290
Uetzingen mit Elferdingen und Wenzingen 100 171 173 361 408 819 1049 990 462
Gesamt 460 736 990 4176 7118 7695 8276 7293

In den Jahren 1990 bis 2009 (20 Jahre) hatte die Gemeinde Bomlitz mit geringen Schwankungen im Durchschnitt rund 7100 Einwohner.[19]

Religionen
Friedenskirche in Bommelsen

Die Mehrzahl der konfessionell gebundenen Einwohner gehören zur evangelisch-lutherischen Kirche (Kirchenkreis Walsrode) mit Kirchen in Bomlitz (Paulus-Kirchengemeinde) und Bommelsen (St.-Dionysius-Kirchengemeinde in Bad Fallingbostel).

Die katholischen Christen sind in einer Gemeinde mit Kirchen in Bomlitz-Benefeld (Kirche Hl. Geist), Walsrode, Bad Fallingbostel und Visselhövede innerhalb des Dekanats Verden im Bistum Hildesheim organisiert.

Die Auferstehungsgemeinde Uetzingen ist eine freie evangelische Kirche.

Politik
Gemeinderat
Rathaus der Gemeinde Bomlitz

Der Gemeinderat der Gemeinde Bomlitz besteht aus 18 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6.001 und 7.000 Einwohnern.[20] Die 18 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Michael Lebid (SPD).

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:

SPD: 8 Sitze
CDU: 5 Sitze
Bürgerliste Bomlitz (BLB): 3 Sitze
AfD: 1 Sitz
Einzelbewerber: 1 Sitz
Bürgermeister

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bomlitz ist Michael Lebid (SPD). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er als Amtsinhaber mit 60,1 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,2 %.[21] Lebid trat seine weitere Amtszeit am 1. November 2014 an.

Wappen

Das Wappen, gestaltet vom Heraldiker Alfred Brecht, wurde am 15. Mai 1972 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein über die Schildmitte hinausragender schwarzer Hügel, darin ein angeschnittenes silbernes Steinpackungsgrab mit goldener Kegelhalsurne, darüber, von Schildrand zu Schildrand, ein blaues Wellenband in zwei Schwüngen ein „W“ verhehlend.“

Städtepartnerschaften
Kępice, Polen
Blainville-sur-Orne, Frankreich
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kulturarbeit

Viele kulturelle Aktivitäten in Bomlitz finden unter dem organisatorischen Dach des FORUM Bomlitz statt. Es gibt mehrere Arbeitsgruppen (2014):

EIBIA und Ortsgeschichte: Führungen, Ausstellungen und Vorträge zur EIBIA und zu lokalhistorischen Themen
Flötengruppe und Gemshorn-Ensemble: Musik der Renaissance, anspruchsvolle Werke des Barock bis hin zu zeitgenössischen Komponisten
Galerie: Ausstellungen zeitgenössischen Kunstschaffens, Malerei, Fotografie und auch Ausstellungen historischer Dokumente und Präsentationen
Musik: Organisation von Auftritten vorwiegend regionaler Musiker, Musikgruppen und Bands, Kontakte von Musikern untereinander
Städtepartnerschaften: Pflege der bestehenden Partnerschaften der Gemeinde Bomlitz
Amateur-Theatergruppe Lampenfieber: jeweils im Sommer ein Boulevard-Stück, in der Vorweihnachtszeit ein Märchen
Cordinger Mühle: Pflege der Mühle und der Mühlentechnik, Führungen und historische Dokumentation der Geschichte der Cordinger Mühle
Vorträge: Organisation von Vorträgen aus den Bereichen Natur und Naturwissenschaften, Reisen und andere Länder, Kunst und Kultur sowie Lesen und Literatur. Ein Schwerpunkt ist das Werk des Schriftstellers Arno Schmidt.
Wanderungen: Spaziergänge, Wanderungen und Fahrradtouren durch die Region Bomlitz, dazu gehören Neujahrswanderung und Fahrradtour durch den Mai. Ein besonderes Angebot sind geführte Geocaching-Touren.

Besonders viele Angebote gibt es im Rahmen des Bomlitzer Mai.

Die Stiftung Geschichtshaus Bomlitz e.V. widmet sich vorrangig der Aufarbeitung der jüngeren, mit der Rüstungsindustrie zur Zeit des Nationalsozialismus‘ verbundenen Geschichte.

Baudenkmale
Ehemaliger Bahnhof Bomlitz mit Museumswagen
Der Weltvogelpark Walsrode wird als größter Vogelpark der Welt bezeichnet
Die Cordinger Mühle an der Warnau mit Fischpass im Vordergrund

Vor allem in den oberen Tälern von Bomlitz und Warnau sind für die Lüneburger Heide typische Hofanlagen erhalten geblieben mit typischen Nebengebäuden wie Backhäusern und Treppenspeichern. Die Baudenkmale stehen in der Liste der Baudenkmale in Bomlitz. In den Ortsteilen Bomlitz und Benefeld sind dagegen die Frühzeit der Industrialisierung und verschiedene Typen von Industriesiedlungen baulich dokumentiert. Von besonderer Bedeutung ist das durch die Gemeinde restaurierte Ensemble der Cordinger Mühle mit weitgehend funktionstüchtiger Mechanik.

Auf dem Gelände der früheren, im Gefälle liegenden Bahnstation Bomlitz sind im Bereich eines alten Lokschuppens einige historische Schienenfahrzeuge zu besichtigen.

Hauptartikel: Liste der Baudenkmale in Bomlitz
Bodendenkmale

Auf einem heidebedeckten Höhenrücken über dem untersten Warnautal liegt ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld. Wenig südlicher liegt beim Ortsteil Borg die Hünenburg, die verbliebenen Wälle einer altsächsischen Burganlage auf einem Geländesporn im Mündungswinkel von Böhme und Warnau. Sie wird mit der Gründung des Klosters Walsrode in Verbindung gebracht. Weiter nördlich, am südlichen Ortsrand von Benefeld, liegt ein weiteres Hügelgräberfeld.

Sehenswürdigkeiten

Der Weltvogelpark Walsrode im Südwesten des Gemeindegebietes wird als größter Vogelpark der Welt bezeichnet. Auf dem 24 ha großen Gelände leben etwa 4000 Vögel aus über 650 Arten.

Im Süden des Gemeindegebietes liegt der Archäologische Wanderpfad Borg. Er führt durch ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld auf einem Hügel der Lohheide und zur Hünenburg an der Warnaumündung.

Der archäologische Wanderpfad ist zugleich einer der Zugänge zum Erholungsgebiet Eibia-Lohheide, das das hügelige Wald- und Heidegebiet beiderseits der unteren Bomlitz und Warnau umfasst. Die ehemalige Munitionsfabrik Eibia nutzte die dortigen grundwasserfernen Hügel für ihre teils unterirdischen Anlagen. Wenige waldbestandene Flachdachbauten sind noch erhalten.

Im Südosten der Gemarkung hat Bomlitz Anteil am Tietlinger Wacholderhain um das Lönsgrab, das nahezu auf der Grenze zu Walsrode liegt.[22]

Am Warnau-Ufer in Benefeld liegt die Cordinger Mühle, eine über 600 Jahre alte malerische Wassermühle mit einem Mühlenhof (Müllerhaus und Backhaus) und Teichanlagen. Die in den 1980er Jahren restaurierte Anlage gilt als eines der wertvollsten historischen Gebäude im Landkreis Heidekreis. Heute wird die Mühle für standesamtliche Trauungen der Gemeinde genutzt und für Feierlichkeiten vermietet.

Naturschutz
Naturschutzgebiet Lönsgrab

Bomlitz hat Anteil an den Naturschutzgebieten:

Ottinger Ochsenmoor (NSG LÜ 253; 103 von 275 ha), eine Gruppe teils entwässerter Hochmoore mit Birken-Kiefern-Beständen und Schwingrasen
Lönsgrab (NSG LÜ 005; 3 von 14 ha), ein hügeliges Heide- und Wacholdergebiet (Tietlinger Wacholderhain) mit Löns-Grabstein und Löns-Denkmal

Als Naturdenkmale sind geschützt:

Rotbuche östlich Bommelsen (ND SFA 005)
Ilex (Stechpalme, Hülse) westlich Bommelsen (ND SFA 006), die als die größte in Norddeutschland bezeichnet wird

Unter Landschaftsschutz stehen die Täler der Böhme, der Warnau und der unteren Bomlitz.

Seit 2010 ist der Cordinger Mühlenstau für Fische passierbar.

Sport

In Bomlitz gibt es zwei große Sportvereine:

Die SG (Sportgemeinschaft) Bomlitz-Lönsheide ist durch Fusion aus den ehemaligen Vereinen Sportverein Bomlitz und Spielgemeinschaft Uetzingen-Honerdingen hervorgegangen. Der Verein hat 14 Sparten (darunter Fußball, Handball, Radsport oder Schwimmen)
Die SG (Sportgemeinschaft) Benefeld-Cordingen bietet mit fast 1200 Mitgliedern ebenfalls ein breites Sportangebot (darunter Fußball, Handball, Gymnastik, Walking und durch Verschmelzung mit dem Tennisclub Blau-Weiss Bomlitz seit 2010 auch Tennis)

Bomlitz verfügt über ein beheiztes Freibad mit einem 50-m-Schwimmbecken, einer Sprunganlage, einer 65-m-Rutsche sowie einem Nichtschwimmer- und einem Kleinkinderbecken. Das wettkampfgerechte Schwimmbecken wird von den umliegenden Schwimmvereinen zu Trainingszwecken genutzt. Das Schwimmbad wird seit 2010 über eine Warmwasserpipeline mit Abwärme der örtlichen Großkläranlage beheizt und kann so von April bis Oktober Wassertemperaturen von 26 °C anbieten.

Im Südwesten befindet sich auf der Gemarkung von Borg der Segelflugplatz des Luftsportvereins Walsrode.

Im Bürgerpark in der Ortsmitte trifft sich seit einigen Jahren eine offene Gruppe von Boule-Spielern, die auch bei überörtlichen Turnieren des Petanquesports beteiligt ist. Im Herbst 2011 wurde ein Boule-Platz mit 250 m² Fläche erstellt.

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaftsstruktur der Gemeinde ist durch starke Dominanz des sekundären Sektors, des produzierenden Gewerbes, gekennzeichnet. Die Gemeinde Bomlitz registriert einen starken Einpendlerüberschuss.

Beim Standortmarketing arbeitet die Gemeinde Bomlitz mit Walsrode und Fallingbostel sowie dem Industriepark Walsrode unter der Bezeichnung Wirtschaftsdelta Vogelpark zusammen.

Ansässige Unternehmen
chemische und kunststoffverarbeitende Industrie im Industriepark Walsrode, darunter
Dow Wolff Cellulosics (Bereich Cellulosechemie der früheren Wolff Walsrode AG)
Wipak Walsrode GmbH & Co. KG (Folienherstellung und -veredelung)
Probis
Bildungseinrichtungen
Parkanlage und Grundschule in Bomlitz
Oberschule Bomlitz
Grundschule Bomlitz
Grundschule Benefeld
Freie Waldorfschule Benefeld
Ita Wegman Schule Benefeld
Soziale Einrichtungen
4 Dorfgemeinschaftshäuser in Bomlitz (mit Bücherei, Galerie, Kegelbahn, Fitnessstudio, Sauna), Benefeld, Bommelsen und Jarlingen
5 Kindergärten in Benefeld, Bomlitz und Uetzingen
2 Kinderkrippen
2 Altenwohnanlagen
Gemeindebücherei mit 12.000 Bänden
Verkehr

Die Ortskerne von Bomlitz liegen etwa 4 bis 6 Kilometer vom umgebenden Autobahn- und Bundesstraßennetz entfernt. Das Straßennetz ist, auch wegen des LKW-Verkehrs zum Industriepark, gut ausgebaut. Überlegungen zu vorteilhafteren Linienführungen zum Industriepark sind im Gange.

Es bestehen Linienbusverbindungen nach Walsrode (tagsüber annähernd stündlich) und Bad Fallingbostel. Sie werden von der Verkehrsgemeinschaft Nordost-Niedersachsen (VNN) betrieben.

Die früher bestehenden Eisenbahnverbindungen von Walsrode über Cordingen nach Bomlitz und von Walsrode über Cordingen und Jarlingen nach Visselhövede im Verlauf der Bahnstrecke Bremervörde–Walsrode sind mittlerweile eingestellt. Die Strecke nach Bomlitz fungiert weiterhin als Gleisanschluss des Industrieparks. Das Werkbahnnetz der Eibia ist abgebaut.

Persönlichkeiten
Otto Bittelmann, (1911–2000), MdB (CDU), Vorsitzender im Agrarausschuss des CDU-Bezirksverbandes Lüneburg, Ratsmitglied der Gemeinde Bomlitz
Jürgen Kroymann, (1911–1980), Dozent für deutsche Sprache und Literatur am britischen Wyran-College in Bomlitz (1945 und 1946), Vater von Maren Kroymann
Georg Melchers (1906–1997) wurde auf dem Gut Cordingen geboren, wo er seine Kindheit verbracht hat; war Prof. an der Universität Tübingen und von 1947 bis 1976 Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologie.
Friedrich Neuhausen (1934–1994), war von 1980 bis 1990 dreimal MdB (FDP), dabei auch stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Wissenschaft, war Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Bomlitz
Bomlitz ist der Heimatort von Lisa Politt (* 1956), Kabarettistin, die mit Gunter Schmidt als Duo Herrchens Frauchen auch ein Lied über Bomlitz sang.
Helmut Schlüter, MdB (SPD), Vorsitzender des SPD-Ortsverbands Bomlitz, Mitglied des ehrenamtlichen Hauptvorstandes der IG Chemie, Papier, Keramik
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Schriftsteller Arno Schmidt (1914–1979) für fünf Jahre im Mühlenhof in Cordingen. Nach ihm ist der Arno-Schmidt-Pfad im Warnautal benannt.
Hubertus Schmoldt, ehemaliger Vorsitzender der IG BCE, Lehre bei Wolff Walsrode
Hans-Joachim Walde (1942–2013), wohnte in Bomlitz, als er als Zehnkämpfer bei den Olympischen Sommerspielen 1964 die Bronzemedaille und 1968 die Silbermedaille errang. Nach seinem Geburtsort ist die Gläsersdorfer Straße am Waldstadion benannt.
Literatur
Olaf Mußmann: Bomlitz. Perspektiven der Geschichte. Geiger, Horb am Neckar 1989; ISBN 3-89264-305-9
Olaf Mußmann: Komplexe Geschichte. Systemtheorie, Selbstorganisation und Regionalgeschichte. Von der Papiermühle zur Pulverfabrik. Ein historischer Längsschnitt der Gemeinde Bomlitz. Universität, Dissertation, Hannover 1994
Olaf Mußmann: Selbstorganisation und Chaostheorie in der Geschichtswissenschaft. Das Beispiel des Gewerbe- und Rüstungsdorfes Bomlitz 1680–1930. Leipziger Univ.-Verlag, Leipzig 1998; ISBN 3-933240-10-7
Thorsten Neubert-Preine: Bomlitz. Von der Papiermühle zur Großgemeinde. Herausgeber Stiftung Geschichtshaus Bomlitz, Rückblende Nr. 5, Mai 2010
Thorsten Neubert-Preine: Wie ein Schiffsbug. Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Heilig-Geist-Kirche in Benefeld, 1961–2011, Bomlitz 2011
Weblinks
 Commons: Bomlitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Webseite der Gemeinde Bomlitz
Stiftung Geschichtshaus Bomlitz e.V.
Geheime Reichssache Eibia auf geschichtsspuren.de (vormals lostplaces.de)
Eibia GmbH – Anlage „Walo I“, Bomlitz
Webseite mit aktuellen und historischen Bildern von Bomlitz