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Geschichte

Im November 2005 wurden im Trassenverlauf des geplanten Ausbaus der B 5 zwischen Wustermark und Nauen am Fundplatz Bredow 24 mehrere menschliche Bestattungen entdeckt. Es wurden elf Gräber und einige verstreut liegende Knochen gefunden. Durch Keramikfunde konnte das Gräberfeld in die mittelslawische Zeit (spätes 10. bis Mitte 11. Jahrhundert) datiert werden. Die mehreren Gräbern beigegebenen Schläfenringe wiesen allerdings in das späte 11. bis in die 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Überreste von 15 Personen, sieben Frauen und acht Männer, wurden durch die Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die meisten waren ältere Menschen. Man fand nur einen Jugendlichen und eine jungerwachsene Frau. Die Männer waren durchschnittlich 169,5 cm groß, die weiblichen dagegen nur 154,9 cm. Die Verstorbenen waren durch verschiedenste Erkrankungen belastet, hauptsächlich an den Zähnen und Gelenken. Es fanden sich Anzeichen, dass auch schwere Krankheiten überlebt wurden.[4][5][6]

Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1315 unter dem wendischen Namen „Brisenlank“ („Birkenlande“) als vorgelagerte Befestigungsanlage des Amtes Vehlefanz. 1315 bekam die Stadt Nauen vom Markgrafen Woldemar die Holzungsgerechtigkeit „inter paludes seu mericas dictas Zuzen et Brisenlank super totum Glyn usque ad terram Bellin“[7] verliehen (siehe auch: Der Zootzen).

Der Ortsteil Bredow wurde bereits 1208 im Zusammenhang mit einem Pfarrer Dietrich zu Bredow erwähnt. 1309 verlieh der Markgraf Woldemar dem Vogt Matthias von Bredow zu Rathenow für 206 Mark Silber das Dorf Bredow bis auf sechs Hufen, die einem Herrn von Broesigke (Braseke) gehörten.[8]

Zeestow wurde 1346 als Zcesto erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom Personennamen Tschest ab.[9]

Erst 1925 wurde Brieselang als selbstständige Landgemeinde gegründet. Ihr Name geht auf die Landschaftsbezeichnung zurück, die auch Theodor Fontane in seinen Reiseerzählungen erwähnt. Der kleine Ortsteil Alt-Brieselang wird den meist aus Berlin stammenden Ansiedlern den Namen vorgegeben haben, die in der damals feuchten Gegend mit ihren Eichenwäldern eine Bleibe im Grünen für ihre Familien auf der Flucht vor den Berliner Mietskasernen suchten. Diese meist von „Stadtflüchtlingen“ ausgehende Besiedlung auf relativ kleinen Parzellen führte bis heute zu der ausgedehnten Eigenheimstruktur der großen Landgemeinde.

Amt Brieselang

Im Zuge der Ämterbildung in Brandenburg erteilte der Minister des Innern des Landes Brandenburg am 26. August 1992 seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Brieselang. Als Zeitpunkt für das Zustandekommen des Amtes wurde der 30. August 1992 bestimmt.[10] Die Zustimmung war zunächst befristet bis zum 30. August 1994. Sitz des Amtes war die Gemeinde Brieselang. Zum Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes waren folgende Gemeinden im damaligen Kreis Nauen zugeordnet:

Brieselang
Bredow
Zeestow

Die Befristung wurde ab dem 28. Juli 1994 aufgehoben.[11]
Mit der Gemeindereform Brandenburg 2003 wurden die Gemeinden Bredow und Zeestow zum 26. Oktober 2003 in die Gemeinde Brieselang eingegliedert. Das Amt Brieselang wurde aufgelöst und die Gemeinde Brieselang amtsfrei.[12]

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahl der Vorgängergemeinden entwickelte sich wie folgt:[13]

Datum Brieselang Bredow Zeestow
1. Dezember 1875 414 400 361
16. Juni 1925 1 091 1 027 398
31. August 1950 4 826 1 212 378
31. Dezember 1964 4 852 888 269
31. Dezember 1989 4 388 632 198
31. Dezember 1995 4 691 590 232
31. Dezember 2000 7 936 646 391
31. Dezember 2002 8 535 670 552

Für das Gebiet der neuen Gemeinde ergeben sich folgende Daten (Stand jeweils 31. Dezember):

Jahr Einwohner
2003 10.067
2004 10.343
2005 10.457
2006 10.598
2007 10.667
Jahr Einwohner
2008 10.794
2009 10.823
2010 10.854
2011 10.795
2012 10.894
Jahr Einwohner
2013 10.999
2014 11 167
2015 11 484

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[14][15] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik
Rathaus, Oktober 2009
Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung besteht aus 22 Gemeindevertretern sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister.

Bürger für Brieselang: 5 Sitze
Initiative für Bürgerinteresse und Bürgerbeteiligung e. V.: 4 Sitze
SPD: 4 Sitze
CDU: 4 Sitze
Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze
Die Linke: 2 Sitze
NPD: 1 Sitz

Stand: Kommunalwahlen 2014[16]

Bürgermeister

In einer Stichwahl am 16. November 2003 wurde Wilhelm Garn (CDU) zum hauptamtlichen Bürgermeister in Brieselang gewählt. Am 11. Oktober 2011 wurde er mit 56,0 % der gültigen Stimmen für weitere acht Jahre gewählt.[17]

Wappen

Das Wappen der Gemeinde (siehe oben) wurde am 12. Juni 2006 genehmigt.

Blasonierung: „Auf einem blauen Wellenschildfuß, belegt mit dem Wappen von Bredow (in Silber ein roter Steigbaum mit drei Quersprossen), in Silber zwei Birken mit natürlichem Stamm, grüner Krone und grünen Kätzchen.“[18]

Wappen der eingemeindeten Ortsteile

Die Wappen von Bredow und Zeestow

Flagge

„Die Flagge kann an einem Querholz, an einem Längsholz und als Banner verwendet werden. Bei der Aufhängung an einem Querholz ist die Fahne durch zwei gleich große waagerecht angeordnete Streifen in den Farben Grün und Weiß geteilt. Die Farbe Grün befindet sich in der oberen Hälfte. Das Gemeindewappen ist in der Mitte stehend angeordnet und überlappt beide Farben. Bei der Anbringung an einem Längsholz sind die Farben senkrecht angeordnet, wobei die Farbe Grün dem Mast zugewandt ist. Das Wappen steht mittig. Als Banner sind die Farben Grün und Weiß senkrecht angeordnet, wobei die Farbe Grün sich an der linken Seite befindet. Das Wappen steht mittig.“[19]

Sehenswürdigkeiten

Aufgrund der recht kurzen Bebauungsgeschichte der Kerngemeinde gibt es nur wenige historische Bauten. Für am Siedlungsbau Interessierte bietet Brieselang einen guten Überblick über die Siedlungsformen, Baustile und architektonischen Ausformungen des Eigenheimbaus seit den 1920er Jahren bis in die Gegenwart.

Ehemaliges Atelier von Hans Klakow

In der Liste der Baudenkmale in Brieselang stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Burgwall Alt Brieselang, Wallreste einer slawischen Niederungsburg aus dem 8. Jahrhundert
Denkmal für die Opfer des Faschismus aus dem Jahre 1946 auf dem Platz des Friedens vor dem Bahnhof
Liste der Stolpersteine in Brieselang

Kirchen

Evangelische Kirche Brieselang, 1931 nach Plänen des Kladower Architekten Rettig gebaut[20](Lage52.58909813.000738)
Katholische Kirche St. Marien, 1970 gebaut, ihre Fenster sind seit 2010 mit dem Glaskunstzyklus „Maria“ des Berliner Künstlers Andreas Wolff bemalt[21](Lage52.5904213.001482)
Dorfkirche Zeestow, 1850 errichtet, 2014 zur Autobahnkirche umgebaut(Lage52.57142112.959318)
Dorfkirche Bredow, 1862 geweiht [22](Lage52.58793912.92681)
Neuapostolische Kirche Brieselang, 1953 erbaut, im Februar 2013 entweiht Auf demselben Grundstück ist für die etwa 100 Gläubigen 2013 ein größerer Neubau entstanden, der im März 2014 eingeweiht wurde.[23](Lage52.59137812.995569)

Das Brieselanger Licht

Die Geschichte vom Brieselanger Licht beschreibt mysteriöse Lichterscheinungen und lockt regelmäßig Besucher aus dem Umland in den Brieselanger Forst.[24][25]

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Brieselang liegt an der Landesstraße L 202 von Wustermark zur L 201, die nordöstlich der Gemeinde zwischen Nauen und Falkensee verläuft. Die Autobahnanschlussstelle Brieselang am westlichen Berliner Ring (A 10) liegt auf dem Gemeindegebiet.

Brieselang verfügt über einen Bahnhof an der Berlin-Hamburger Bahn. Er wird von den Regionalbahnlinien RB 10 Nauen–Berlin Südkreuz und RB 14 Nauen–Berlin-Schönefeld Flughafen (Airport-Express) bedient. Die Fahrtzeit nach Berlin-Spandau beträgt etwa 15 Minuten, zum Berliner Hauptbahnhof sind es etwa 30 Minuten. Die Linien der Havelbus Verkehrsgesellschaft verbinden Brieselang mit Falkensee (Linie 656), Nauen (Linie 667) und Wustermark (Linie 649).

Der öffentliche Personennahverkehr wird innerhalb des Gemeindegebietes von dem 2007 gegründeten Projekt BürgerBus Brieselang e.V. ergänzt. Ehrenamtliche Fahrer bedienen inzwischen mit einem Kleinbus zwei Linien durch die Gemeinde.[26][27]

Der Havelkanal durchfließt den Ort von Nordosten nach Südwesten. Etwa in der Ortsmitte wurde beidseitig ein Sportboothafen mit ca. 60 Liegeplätzen angelegt.

Private Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Nichtgewerblich zugelassene PKW (zum 1.1.)[28] 5 090 5 186 5 389 5 533 5 650 5 786 5 899 6 093
Nichtgewerbliche PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 477 480 498 510 523 531 536 546
Vergleichswert Land Brandenburg 475 479 486 493 506 508 510 512

Bildung

In Brieselang gibt es drei Schulen:[29]

Robinson-Grundschule, hat ein fremdsprachliches Profil, war 2001 die größte Grundschule Deutschlands
Zeebr@-Grundschule, 2002 gegründet, ihr Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Ortsteile Brieselangs zusammen
Hans-Klakow-Oberschule Brieselang, wurde 1923 errichtet und ist nach dem Brieselanger Bildhauer Hans Klakow benannt
Kulturleben
Bildhauerwerkstatt Atelier Wolle
Märkischer Künstlerhof[30]
Kleines Theater Brieselang e. V.
Sport
SV Grün-Weiß Brieselang, spielt in der Saison 2017/2018 in der Oberliga Nordost (Staffel Nord)[31]
SG Brieselang[32][33]
Brieselanger Sportverein[34]
Sportgemeinschaft Wasserfreunde Brieselang[35]
Badminton Brieselang[36]
Agora[37]
Bedeutende Unternehmen
Amazon.com Logistikzentrum
Spielplätze

Im Kernort Brieselang gibt es die folgenden öffentlichen Spielplätze:

Spielplatz am Paul-Mewes-Damm (zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Brieselang und der Robinson-Grundschule)
Spielplatz „Vogelviertel“ (an der Kreuzung Sperlingsgasse/Rotkehlchenstraße)
Spielplatz an der Pappelallee (gegenüber der Zeebr@-Grundschule)
„Drachenspielplatz“ an der Hauptmannstraße (hinter der Kindertagesstätte Zwergenburg)
Persönlichkeiten
Hans Klakow (1899–1993), Bildhauer, lebte seit 1931 in Brieselang
Hilde Benjamin (1902–1989), Rechtsanwältin, Ministerin der Justiz in der DDR, besaß seit 1942 ein Gartengrundstück in Brieselang, auf dem sie zeitweilig lebte[38]
Charlotte Krause (* 1930), Lehrerin, Heimatdichterin, Verfasserin des Brieselang-Liedes, lebt seit 1953 in Brieselang[39][40]
Rudolf Peschel (1931–1989), Maler, lebte seit 1959 in Brieselang
Weblinks
 Commons: Brieselang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Homepage über die Gemeinde Brieselang
Homepage des Ortsteils Zeestow
Homepage über den Ortsteil Bredow
Bredow in der RBB-Sendung „Landschleicher“ vom 14. Dezember 2008