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Geschichte
„Brunsbuttel“ 1645 im Atlas Maior von Blaeu
Brunsbüttel um 1895
Matthias-Boie-Haus / Ähren- und Flechtverbund

Die älteste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde vom 14. Juli 1286. Darin gelobten die Bürger von Brunsbüttel ihrem Lehnsherrn, dem Erzbischof von Bremen Giselbert von Brunkhorst, Hamburger Kaufleute nicht mehr zu berauben, d. h. dem Strandraub nicht mehr nachzugehen. Die elbnahe Lage brachte dem Ort zunächst kein Glück. Nach ständigen Landverlusten wurde Brunsbüttel im 17. Jahrhundert landeinwärts verlegt. 1654 wurde mit dem Friedhof begonnen; 1679 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Jakobuskirche abgehalten werden. Die Weihnachtsflut 1717 brach östlich der Ortschaft tief in das Hinterland ein. Alle Bemühungen, den Deich zu schließen, führten nach einem Rückschlag durch die Neujahrsflut 1721 mit einem Umgehungsdeich erst zu einer langjährigen Ausdeichung und 1762 schließlich zum Deichschluss an der Bruchstelle. Der dadurch entstandene Brunsbüttel-Eddelaker-Koog erhielt 1772 die politische Selbstständigkeit durch den dänischen König Christian VII. Mit dem Beginn des Baus des Nord-Ostsee-Kanals 1911 wurde Brunsbüttel geteilt.1907 erfolgte die Umbenennung des Brunsbüttel-Eddelaker-Koogs in Brunsbüttelkoog, das im Jahre 1948 Stadtrecht erhielt. Am 1. Januar 1970 entstand aus Brunsbüttelkoog und den Gemeinden Brunsbüttel, Mühlenstraßen, Ostermoor, Osterbelmhusen, Westerbelmhusen (des früheren Kirchspiels Brunsbüttel) und Westerbüttel (des früheren Kirchspiels Eddelak) die Stadt Brunsbüttel. Zwei Jahre später wurde die Gemeinde Blangenmoor-Lehe (des früheren Kirchspiels Eddelak) eingemeindet sowie eine etwa 80 ha große Fläche aus der Steinburger Nachbargemeinde Büttel, auf der ein Kernkraftwerk errichtet wurde.

Während des Ersten Weltkriegs war die I. U-Boot-Flottille in Brunsbüttelkoog stationiert.[2]

Infolge des Kieler Matrosenaufstandes bildete sich am 5. November 1918, ähnlich wie in Hamburg, Lübeck und Cuxhaven ein Arbeiter- und Soldatenrat in Brunsbüttelkoog.[3] Damit gehörte die Stadt zu den Orten, in denen die Novemberrevolution ihren Ausgang nahm.

In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 überfielen Nazis den jüdischen Geschäftsmann Franz Samter und dessen Sohn Walter. Beide wurden in Schutzhaft genommen.[4] Am 6. April 1945 erreichte gegen 20 Uhr ein Zug mit über 2000 KZ-Häftlingen den Brunsbütteler Bahnhof. Die Wachmannschaft ließ die Waggons trotz katastrophaler hygienischer Zustände bis zum nächsten Morgen verschlossen stehen. In der Nacht tobten und schrien die Häftlinge vor Verzweiflung. Mindestens drei Menschen wurden von den Wachleuten erschossen. Erst gegen Mittag des 7. April 1945 wurde Verpflegung ausgegeben und die Waggons notdürftig gereinigt. Gegen 14 Uhr fuhr der Zug ab.[5]

Eingemeindungen

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Brunsbüttel aufgelöst. Alle ihre Dorfschaften, Dorfgemeinden und Bauerschaften wurden zu selbständigen Gemeinden/Landgemeinden, so auch ihr Hauptort Brunsbüttel.[6]

Am 1. Januar 1970 wurden die Stadt Brunsbüttelkoog und die bis dahin selbstständigen Gemeinden Brunsbüttel, Mühlenstraßen, Osterbelmhusen, Ostermoor, Westerbelmhusen und Westerbüttel zur neuen Stadt Brunsbüttel zusammengeschlossen.[7] Am 1. Januar 1972 kam Blangenmoor-Lehe hinzu.[8]

Einwohnerentwicklung
Daten der nebenstehenden Tabelle als Grafik, Blau die Einwohnerzahl für das Gebiet der heutigen Gemeinde Brunsbüttel. Rot die Zahl für Brunsbüttelkoog

Datum heutige
Gemeinde
Brunsbüttel
damalige
Gemeinde
Brunsbüttel
Brunsbüttel-
koog
03.12.1867 3.180 1099 849
01.12.1880 3.000 1061 787
01.12.1890 3.955 1176 1585
01.12.1900 5.950 1291 3513
01.12.1910 8.530 1461 5684
08.10.1919 7.850 1377 5039
17.05.1939 8.051 1457 5425
13.09.1950 14.407 2681 9805
06.06.1961 11.997 2043 8634
27.05.1970 12.225

Politik
Rathaus in Brunsbüttel
Ratsversammlung

Von den 23 Sitzen in der Gemeindevertretung haben die SPD seit der Kommunalwahl 2013 neun Sitze, die CDU acht, die FDP drei, die Grünen zwei und die WGP (Wählerinitiative Graue Panther) einen Sitz. (Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2013).

Wappen

Blasonierung: „In Rot ein schräglinker silberner Wellenbalken, den, schräglinks gekreuzt, ein Anker mit Ring und ein Spaten in verwechselten Farben überdecken.“[9]

Das Wappen wurde 1951 für Brunsbüttelkoog genehmigt und nach der Gründung von Brunsbüttel übernommen. Der Anker symbolisiert den maritimen Charakter und die lange Seefahrertradition der Stadt. Die Wellenlinie und der Spaten stehen für den Bau des Nord-Ostsee-Kanals. Das in der Stadtfahne verwendete Motiv wurde vom Kunsterzieher Wilhelm Horst Lippert entworfen.

Städtepartnerschaft
Tschechien Horní Počernice, Tschechien (seit Februar 2004)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schleusenmuseum Atrium
Theater und Museen

Das Kultur- und Tagungszentrum wurde 1992, nach 3jähriger Bauzeit, eröffnet. Betreiber ist die Volkshochschule Brunsbüttel e.V.

Das Elbeforum Brunsbüttel bietet ein Veranstaltungsprogramm aus den Bereichen Schauspiel, Komödie, Musical, Oper, Operette, Kleinkunst, Kindertheater u.v.a.m. Eine feste Größe sind auch die kommerziellen Veranstaltungen im Elbeforum, wozu u. a. Bälle, Tagungen, Seminare, Versammlungen, Empfänge, Parteitage und private Feste gehören.

Seit der Eröffnung wird im Elbeforum die Stadtgalerie als Kunstmuseum geführt. Neben der Pflege der städtischen Kunstsammlung präsentiert die Stadtgalerie ein breit gefächertes Programm von wechselnden Ausstellungen verschiedenster Kunstrichtungen.

Brunsbüttel ist alljährlicher Spielort des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Aufführungsort für Theater und Musikveranstaltungen ist das Elbeforum,

Eine weitere Galerie ist die Galerie Rusch.

Das Heimatmuseum Brunsbüttel bietet u.a.Informationen über die Entstehungsgeschichte des Ortes, den Heimatdichter Emil Hecker, den Kinderbuchautor Boy Lornsen, aber auch wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichsten Themen.

Das Schleusenmuseum Atrium informiert über Kanalbau und Schleusen.
In der Liste der Kulturdenkmale in Brunsbüttel stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Tourismus

Größter Anziehungspunkt Brunsbüttels ist die Lage an der Unterelbe und dem Nord-Ostsee-Kanal, der meistbefahrensten künstlichen Seeschifffahrtsstraße der Welt. Insbesondere die Kanalschleusen sind nicht nur für Schiffs- und Technikinteressierte sehenswert. Im angegliederten Schleusenmuseum Atrium befinden sich viele Schautafeln zur Entstehungsgeschichte des Nord-Ostsee-Kanals, Modelle und historische Exponate, wie das kaiserliche Prunkgeschirr zur symbolischen Grundsteinlegung und alte Helmtaucher-Ausrüstungen. Der Bau der 5. Schleusenkammer – Deutschlands größte Wasserbaustelle – lockt seit Baubeginn 2014 Technikinteressierte und Fachbesucher aus aller Welt. Dazu dient auch das eigens errichtete SchleusenInfoZentrum. Über die Volkshochschule werden Führungen nicht nur auf dem Schleusengelände angeboten.[10]

Darüber hinaus gibt es einen historischen Ortskern (Brunsbüttel-Ort) mit der Jakobuskirche (1677, 1726 nach Blitzeinschlag neu errichtet), dem Heimatmuseum und dem Matthias-Boie-Haus (1779), das als eines der schönsten Fachwerkhäuser in Dithmarschen gilt. In der Nähe des Kanals entstand um 1900 das Beamtenviertel für die Mitarbeiter der kaiserlichen Kanalverwaltung nach dem Vorbild englischer Gartenstädte. Der 1911 erbaute Wasserturm an der Ostermoorer Straße ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Das Brunsbütteler Freibad liegt auf dem Deich am Einfahrtsbereich der neuen Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals. Die Liegewiese befindet sich auf der äußeren Deichböschung und bietet einen Blick auf den Schiffsverkehr. In jüngster Vergangenheit ist das Hallenbad LUV aufwändig modernisiert worden und beherbergt auf seinem Gelände ein Hüttendorf für Gruppen- und Einzelreisende. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde ein Minigolfplatz neu angelegt. Ein Stellplatz mit Entsorgungsstation für Wohnmobile runden das Angebot an der Straße Am Freizeitbad ab.

Seit 2004 findet jährlich die Wattolümpiade, ein teils sportlicher, teils spaßiger Wettkampf im Schlickwatt der Elbe statt, an dem sich Teams aus ganz Deutschland beteiligen. Sie wurde von einigen engagierten Bürgern als Benefizveranstaltung für die Deutsche Krebsgesellschaft ins Leben gerufen. Am Vortag findet jeweils das Wattstock-Festival statt. 2005 wurde den Organisatoren der Deutsche Tourismuspreis für innovative Tourismusprojekte verliehen. Der Begriff ist eine Erfindung des Künstlers Hein Hoop.

Brunsbüttel liegt an der im Mai 2004 eröffneten Deutsche Fährstraße. Weitere Ferienrouten, die durch Brunsbüttel führen, sind die Grüne Küstenstraße und der Nordseeküsten-Radweg.

Gedenkstätten

Zum Gedenken an die Opfer beider Weltkriege wurden an mehreren Stellen im Stadtgebiet Mahnmale errichtet, an denen alljährlich am Volkstrauertag durch Abordnungen von politischen und gesellschaftlichen Gruppen eine Kranzniederlegung stattfindet. An der Jakobus-Kirche befindet sich zusätzlich ein Gedenkstein für die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71).

Paulus-Kirche

Jakobus-Kirche

Paulus-Friedhof

Ortsteil Westerbüttel

Ortsteil Blangenmoor-Lehe

Gedenkstein am Deich

Ostlandkreuz auf dem Paulus-Friedhof

Gedenkstein zur Wiederherstellung des Deiches im Jahre 1762, nachdem dieser durch die Weihnachtssturmflut des Jahres 1717 zerstört wurde. Inschrift in niederdeutsch: HIER WOR / DE KOOG SLOTEN / 11.7.1762 (Hier wurde der Koog geschlossen).

Wirtschaft und Infrastruktur
Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals von der Seeseite aus
Schleuseneinfahrt Mole 2 elbseitig

Die Brunsbütteler Wirtschaft ist durch die Seefahrt und den Handel geprägt. Herausragendes Datum war die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) im Jahr 1895. Prägend für die Wirtschaft Brunsbüttels waren die Lotsenbrüderschaften. Lotsen und Kanalsteurer begleiten die Schiffe auf der Unterelbe von Brunsbüttel bis Hamburg und auf dem Nord-Ostsee-Kanal von Brunsbüttel bis Kiel. In Brunsbüttel wird auch die Verkehrslenkung auf Elbe und Nord-Ostsee-Kanal durchgeführt.

Seit 1962 haben sich in Brunsbüttel mehrere Chemiewerke angesiedelt. Seitdem ist die Wirtschaft überwiegend durch die chemische Industrie geprägt. In Brunsbüttel enden auch die Pipelines von der Landstation Dieksand in Friedrichskoog (Ölfördergebiet Mittelplate) und von der Ölraffinerie in Heide. Der ChemCoast Park Brunsbüttel ist das bedeutendste zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet in Schleswig-Holstein.[11] Von 1970 bis 1977 wurde das Kernkraftwerk Brunsbüttel errichtet. Es ging 2007 außer Betrieb und ist nach Verlust der Betriebserlaubnis im August 2011 dauerhaft stillgelegt.

Das Westküstenklinikum Brunsbüttel stellt die medizinische Grundversorgung für den südlichen Teil Dithmarschens sicher.

Im Sommer 2004 wurde das erste Exemplar der damals größten Windenergieanlage der Welt, der „REpower 5M“, mit einer Nennleistung von 5 Megawatt und einer Gesamthöhe von 183 Metern in Brunsbüttel errichtet.

Häfen in Brunsbüttel
Sportboothafen im historischen „Alten Hafen“

Brunsbüttel hat verschiedene Häfen. An der Elbe liegen der Tiefwasserhafen Elbehafen und der nur bei Hochwasser befahrbare „Seglerhafen“ für die einheimischen Sportboote. Mehrere Häfen liegen am Nord-Ostsee-Kanal, der Ölhafen und der Hafen Ostermoor sowie die Liegeplätze im „Yachthafen“ für die vorbeifahrenden Sportboote.[12]

Wichtigster Punkt der Brunsbütteler Infrastruktur ist der Tidehafen Elbehafen. Der Seehafen ist der bedeutendste Nordseehafen in Schleswig-Holstein. Aufgrund seiner breiten Aufstellung als Universalhafen werden im Elbehafen viele Güterarten wie Flüssiggut, Massengut und Stückgut sowie Projektladungen umgeschlagen. Die Betreibergesellschaft Brunsbüttel Ports hat im Jahr 2012 in den Häfen Elbehafen, Ölhafen und Hafen Ostermoor zusammen knapp 11,5 Mio. Tonnen Güter umgeschlagen, das entspricht einer Steigerung um über 10 % gegenüber 2011.[13]

Im Jahr 2016 wurden in Brunsbüttel 8,8 Mio. t Güter im Seeverkehr umgeschlagen (+ 6,9 % gegenüber dem Vorjahr), der Umschlag in der Binnenschifffahrt erhöhte sich um 5,3 % auf 3,2 Mio. t.[14]

Auf der Funkfrequenz 156.425 MHz ist „Brunsbüttel Elbe Traffic“ (die Verkehrsüberwachung der Elbemündung von der Schleuseninsel aus) zu hören. Der Funkverkehr der Schleusen wird auf Kanal 13 (156.650 MHz) abgewickelt.

Der Hafen Brunsbüttel ist an der Hafen-Kooperation Offshore-Häfen Nordsee SH beteiligt.

Im Schleusenvorhafen ist das Seenotrettungsboot Gillis Gullbransson der DGzRS stationiert.

Verkehr
Alte Schleusen elbseitig, Leuchttürme Brunsbüttel, Mole 1 (Schwarz), Mole 2 (Rot)
Schleuseneinfahrt elbseitig
Fähre „Breslau“ über den Nord-Ostsee-Kanal
Schiffsverkehr

Brunsbüttel liegt an zwei großen Schifffahrtsrouten. Der gesamte Schiffsverkehr der Unterelbe zwischen Hamburg und der Nordsee sowie zwischen Hamburg und der Ostsee über Elbe und Nord-Ostsee-Kanal passiert Brunsbüttel. Sportboote können Brunsbüttel von der Ostsee über den Nord-Ostsee-Kanal, von Hamburg über die Elbe und direkt von der Nordsee anfahren und den Hafen an den Schleusen im Nord-Ostsee-Kanal anlaufen.

Als Navigationspunkte für den Schiffsverkehr auf der Elbe und für die Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal befinden sich mehrere Leuchttürme auf dem Brunsbütteler Stadtgebiet. Zwei Leuchttürme als Richtfeuer für die Fahrt auf der Unterelbe von Cuxhaven in Richtung Brunsbüttel befinden sich auf der Schleuseninsel (Unterfeuer53.8894166666679.142325, Höhe 23,5 m) und im Ortsteil Brunsbüttel-Süd (Oberfeuer53.895459.1648305555556, Höhe 48,6 m). Vier Molenfeuer auf den vier Molen, die die Einfahrt zu den Kanal-Schleusen einfassen, leiten den Schiffsverkehr von der Elbe in die Kanalschleusen. Für den Bau einer fünften Schleusenkammer finden hier zurzeit Bauarbeiten statt, die Molen werden verändert.

In Brunsbüttel sind Lotsen von zwei deutschen Seelotsenbrüderschaften stationiert. Sowohl die Lotsenbrüderschaft NOK 1 als auch die Lotsenbrüderschaft Elbe nehmen von hier aus Lotsaufgaben auf der Unterelbe und auf dem Nord-Ostsee-Kanal wahr.

Vom 20. August 2015 bis zum 1. März 2017 gab es wieder eine Autofährverbindung über die Elbe nach Cuxhaven, die im Zweistundentakt mit zwei Doppelendfähren betrieben wurde. Der Fährbetrieb wurde von dann Mai bis Oktober 2017 mit einem Fährschiff von der Elb-Link Fährgesellschaft mbH durchgeführt.[15][16][17]

Innerorts verbinden zwei kostenfreie Autofähren über den Nord-Ostsee-Kanal das westliche mit dem östlichen Stadtgebiet.

Straßenverkehr

Für Kraftfahrzeuge ist die Stadt von Norden und Südosten über die Bundesstraße 5 zu erreichen. Die nächste Autobahn, die A 23, ist 27 Kilometer entfernt. Aus dem westlichen Niedersachsen kann Brunsbüttel auch über die 25 Kilometer entfernte Elbfähre Glückstadt–Wischhafen und von dort über die Bundesstraße 431 und Kreisstraßen erreicht werden.

Per Fahrrad ist Brunsbüttel unter anderem über den Elberadweg, der hier mit dem Nordseeküsten-Radweg zusammenfällt, und entlang des Nord-Ostsee-Kanals zu erreichen.

Schienenbus Baureihe 798 im Bahnhof Brunsbüttel Süd 1986
Eisenbahnverkehr

Der Bahnhof St. Michaelisdonn der Eisenbahnstrecke Hamburg–Westerland ist 12 Kilometer entfernt. Zwei Eisenbahn-Verbindungen von Brunsbüttel nach St. Michaelisdonn und nach Wilster dienen heute ausschließlich dem Güterverkehr. Den Personenverkehr auf der Bahnstrecke Wilster–Brunsbüttel stellte die Deutsche Bundesbahn zum 27. Mai 1988 ein. Das Bahnhofsgebäude und auch die Gleisanlagen des ehemaligen Personenbahnhofs nutzt sie weiterhin.

Flugverkehr

Der Verkehrslandeplatz ⊙53.9783333333339.143333333333338 St. Michaelisdonn des Dithmarscher Luftsportvereins steht sowohl dem privaten als auch dem gewerblichen Luftverkehr zur Verfügung.

Kohlekraftwerksplanungen in Brunsbüttel seit 2005

Ab 2005 war in Brunsbüttel der Bau von gleich drei neuen Steinkohlekraftwerken vorgesehen. Während die Konzerne GDF Suez Energie Deutschland AG (ehemals Electrabel) und Südweststrom Kraftwerk GmbH & Co. KG (SWS) ihre Planungen bereits wieder abgesagt haben, liegt das Projekt der GETEC Energie AG derzeit auf Eis.

Kohlekraftwerksprojekt von GDF Suez

Bereits 2005 begann GDF Suez Energie Deutschland AG mit seinen Planungen für ein neues Steinkohlekraftwerk im Industriegebiet am Elbehafen mit einer elektrischen Leistung von 800 Megawatt und einem Wirkungsgrad von 46 Prozent. Die Investitionskosten betrugen eine Milliarde Euro. Das Kühlwasser sollte der Elbe entnommen werden und die Kohle über den an den Kraftwerksstandort angrenzenden Elbehafen angeliefert werden.[18][19]

Ab 2006 lief das Genehmigungsverfahren. Der Baubeginn war für 2008 und die Inbetriebnahme für 2010 geplant.[20]
Ende 2010 gab GDF Suez die Aufgabe des Projekts bekannt. Als Gründe nannte der Konzern die mangelnde Rechtssicherheit aufgrund von Verzögerungen im Genehmigungsverfahren, das Fehlen eines Projektpartners und die zuvor von der damaligen Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke.[21] Der Zeitverzug im Genehmigungsverfahren war insbesondere auf lokalen Protest gegen den Bau des Kraftwerks zurückzuführen. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und ein Brunsbütteler Bürger hatten im Mai 2010 einen Antrag auf Normenkontrolle gegen den Bebauungsplan eingereicht, weil dieser gegen deutsche und europäische Umwelt- und Gesundheitsschutzvorgaben verstoße sowie baurechtliche Mängel aufweise.[22]

Kohlekraftwerksprojekt von SWS

Ab 2006 plante die Südweststrom Kraftwerk GmbH & Co. KG (SWS), eine Beteiligungsgesellschaft für Stadtwerke und Tochterunternehmen der Südweststromhandels GmbH, für 3,2 Mrd. Euro ein Steinkohlekraftwerk mit zwei Blöcken à 900 Megawatt elektrischer Leistung und einem Wirkungsgrad von 46 Prozent neben dem stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel zu bauen. Es wäre das größte Steinkohlekraftwerk Europas gewesen.[18][23][24] Die Elbe sollte zur Anlandung der Kohle sowie zur Direktwasserkühlung genutzt werden.[25]

Ursprünglich sollte das Kraftwerk 2014 in Betrieb gehen. Ende 2010 wurde die Investitionsentscheidung ausgesetzt, während das Genehmigungsverfahren jedoch weiter betrieben wurde. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) und der BUND Schleswig-Holstein hatten jede erteilte Teilgenehmigung beklagt. Nachdem immer mehr beteiligte Stadtwerke ausgestiegen waren, hatte SWS zuletzt noch 61 Gesellschafter. Im Frühjahr 2012 stieg auch das schweizerische Energieversorgungsunternehmen Repower AG, das die Mehrheit der Anteile gehalten hatte, aufgrund mangelnder Realisierungschancen aus dem Projekt aus.[24][23]

Am 19. Juli 2012 wurde auf der Gesellschafterversammlung von SWS entschieden, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Als Begründung wurden die politische Unsicherheit für Kohleverstromung, die mangelnde Wirtschaftlichkeit und die Ablehnung des Projekts durch die neue Landesregierung Schleswig-Holsteins genannt.[23] Zum Zeitpunkt der Projektaufgabe waren drei Klagen von DUH und BUND vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig anhängig.[24] Im Februar 2013 verzichtete SWS auf die erteilten Genehmigungen und im September desselben Jahres wurde der Bebauungsplan aufgehoben.[26]

Gemeinschaftskraftwerksprojekt von GETEC

Die GETEC Energie AG plant seit 2007 den Bau eines Steinkohlekraftwerks mit einer elektrischen Leistung von ca. 800 Megawatt und einem Wirkungsgrad von 46 Prozent auf dem Ostgelände des Bayer-Industrieparks Brunsbüttel. Für den Standort liegt ein Bebauungsplan vor. Die zu verfeuernde Steinkohle soll über den Hafenanschluss des Industrieparks beschafft werden, die Elbe könnte zur Direktwasserkühlung genutzt werden. GETEC hat nach eigenen Angaben im Dezember 2007 den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsantrag gestellt und suchte nach Projektpartnern für das Gemeinschaftskraftwerk. Der Baubeginn war ursprünglich für 2009, die Inbetriebnahme für 2012/2013 vorgesehen.[27] Es kann jedoch seit Jahren kein Projektfortschritt beobachtet werden. Die Genehmigungsunterlagen wurden noch nicht eingereicht.[18][28]

Luftmessung
Luftmessstation Cuxhavener Straße, im Hintergrund ein Werk von Diethelm Koch

Brunsbüttel ist Standort[29] einer automatischen Messstation zur Überwachung der Luft auf Schadstoffe, wie Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub gemäß Luftüberwachungsauftrag im Bundes-Immissionsschutzgesetz. Die Messwerte der Luftmessstation DESH035 in der Cuxhavener Straße können über die Webpräsenz des Landes Schleswig-Holstein abgerufen werden.[30]

Ansässige Unternehmen
Total Bitumen Deutschland GmbH, Chemie, ehemals elf bitumen
Brunsbüttel Ports GmbH, Hafenbetreiber
Chemische Fabrik Brunsbüttel GmbH, ehemals DyStar Textilfarben GmbH, Chemie
Covestro AG, Chemie
Kernkraftwerk Brunsbüttel, ehemals Energie
Gasturbinenkraftwerk Brunsbüttel, Energie, von Vattenfall betrieben
Lanxess AG, Chemie
Sasol Germany GmbH, Chemie, ehemals Condea
Yara GmbH & Co. KG, Chemie, ehemals Norsk Hydro / Ruhr-Stickstoff
DVB-T Sendeturm Brunsbüttel
Medien

Lokale Tageszeitung ist die als Brunsbütteler Zeitung herausgegebene und mit einem erhöhten Anteil an lokalen Berichten erscheinende Dithmarscher Landeszeitung.

Brunsbüttel ist Standort eines Sendeturms für DVB-T, der 2009 errichtet wurde. Der Fernsehsenderstandort Brunsbüttel hatte keinen analogen Vorgänger.

Bildung und Kinderbetreuung
Grundschulen
Boy-Lornsen-Grundschule (Schulstraße 2–4), ehemals Grundschule Nord
Grundschule West (Sackstraße 14)
Gemeinschaftsschule
Gemeinschaftsschule Brunsbüttel (Bojestraße 30) hervorgegangen aus Boje-Realschule und Hauptschule Brunsbüttel
Gymnasium
Gymnasium Brunsbüttel (Bildungszentrum) (Kopernikusstraße 1)
Förderschulen
Pestalozzischule Brunsbüttel (Förderzentrum Dithmarschen-Süd) (Geschwister-Scholl-Weg 2)
Berufsschule
Außenstelle des Berufsbildungszentrum (BBZ) Dithmarschen (Festgestraße 11)
Kinderbetreuung
Evangelischer Kindergarten Paulus Süd (im Gebäude der ehemaligen Grundschule Süd, Jahnstraße 3)
Evangelischer Kindergarten Paulus Nord (Memeler Straße 1a)
Evangelischer Kindergarten Jakobus (Süderstraße 5)
Evangelische Kindertagesstätte Noahs Arche (Albert-Schweitzer-Straße 2–4)
Städtischer Kindergarten Rappelkiste im Mehrgenerationenhaus (Schulstraße 2–4)
Städtischer Kindergarten Spatzennest (Am Freizeitbad 1)
Städtische Kindertagesstätte Löwenzahn (Töpferstraße 4)
Offene Ganztagsbetreuung an der Boy-Lornsen-Grundschule (Schulstraße 2–4)
Offene Ganztagsbetreuung an der Förderschule Brunsbüttel (Geschwister-Scholl-Weg 2)
Sonstige Bildungseinrichtungen
Volkshochschule Brunsbüttel e.V. (Max-Planck-Straße 9–11)
Stadtbücherei (Bildungszentrum) (Kopernikusstraße 1)
Ehemalige Schulen
Die Grundschule Süd (Jahnstraße 3) wurde 2008 wegen stark gesunkener Schülerzahlen geschlossen.
Hauptschule Brunsbüttel (Bojestraße 30) (vormals Kopernikusstraße 1)
Regionalschule Brunsbüttel (ehemals Boje-Realschule) (Bojestraße 30)

Boy-Lornsen-Grundschule
(ehemalige Grundschule Nord)

Grundschule West

Grundschule Süd
(2008 geschlossen)

Bildungszentrum

Pestalozzischule
(Förderzentrum)

Kirchen und kirchliche Einrichtungen
Pauluskirche
Jakobuskirche
Maria Meeresstern
Evangelisch-lutherisch
Jakobuskirche (Markt 12)
Pauluskirche (Kautzstraße 11)
Gemeinschaft in der Landeskirche (Paulus-Gemeindezentrum, Kautzstraße 11)
Deutsche Seemannsmission Westküste e. V. (Kanalstraße 8a–10)

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Brunsbüttel unterhält zwei Kirchen: die 1915 geweihte Pauluskirche an der Kautzstraße und die Jakobuskirche im historischen Ortskern am Markt. Letztere wurde zuletzt 1726 geweiht, nachdem sie durch Brände zerstört und neu aufgebaut worden war.

Römisch-katholisch
Maria Meeresstern (Bojestraße 36)

Die römisch-katholische Pfarrgemeinde St. Ansgar in Itzehoe unterhält in Brunsbüttel die 1930 geweihte Kapelle Maria Meeresstern in der Bojestraße.

Friedhöfe
Paulusfriedhof (Wurtleutetweute 35)
Jakobusfriedhof (Deichstraße)
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Gedenktafel am Gustav-Meyer-Platz
Gustav Meyer war mit dem Ausbau der neuen Schleusen betraut
Ernst Tange war von 1981 bis 1999 Bürgermeister der Stadt
Wilfried Hansen war von 1999 bis 2011 Bürgermeister der Stadt
Söhne und Töchter der Stadt
Johann Nolto (1638–1711), Arzt und Stadtphysicus in Lübeck
Hermann Hadenfeldt (1872–1961), deutschnationaler Politiker und ehemaliger Bürgermeister der Städte Delmenhorst und Heide
Karl Schütte (1898–1974), Astronom und Hochschulprofessor
Peter Carstens (1903–1945), Tierzuchtgenetiker und SS-Oberführer
Willi Steinhörster (1908–1978), Politiker (SPD)
Wilhelm Malerius (* 1945), Politiker (SPD)
Manfred Sickmann (* 1946), Politiker (SPD)
Ellen Paschke (* 1947), Gewerkschafterin und Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
Michael Goetze (* 1948), Comiczeichner
Holger Koppelmann (* 1949), Marinemaler
Horst Wohlers (* 1949), Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler
Dirk Busch (* 1951), Musiker
Gert-Peter Reichert (1955–2001), Künstler
Jens Magnussen (* 1956), Politiker (CDU)
Dirk Lornsen (* 1957), Jugendbuchautor
Norbert Claussen (* 1958), Politiker (CDU) und ehemaliger Oberbürgermeister von Schwerin
Björn Nagel (* 1978), Springreiter
Oliver Kumbartzky (* 1981), Politiker (FDP) und schleswig-holsteinischer Landtagsabgeordneter
Jennifer Oeser (* 1983), Leichtathletin
Timon Ballenberger (* 1992), Schauspieler
Mit Brunsbüttel verbunden
Christoph Weiherer (* 19. März 1980 in Burghausen) ist ein bayerischer Liedermacher; singt einen seiner bekanntesten Song´s über die PLZ von Brunsbüttel
Willy Lippert (* 1898 in Rathenow; † 1981 in Brunsbüttel), Künstler; lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Brunsbüttel
Boy Lornsen (* 1922 in Keitum auf Sylt; † 1995 ebenda), Bildhauer und Schriftsteller; besaß in der Wurtleutetweute eine Steinbildhauerwerkstatt
Hein Hoop (* 1927 in Gråsten, Dänemark; † 1986 in Büttel-Eck), Erfinder der Wattenkunst und der Wattolümpiade
Dietrich Austermann (* 1941 in Berlin), Politiker (CDU); ehemaliger Bürgermeister der Stadt
Ulrike Rodust (* 1949 in Quakenbrück), Politikerin (SPD); ehemaliges Ratsmitglied der Stadt
Jens Rusch (* 1950 in Neufeld), Künstler; lebt und arbeitet in Brunsbüttel
Roger Schmidt (* 1959 in Bendorf), Karikaturist und Cartoonist; lebt und arbeitet in Brunsbüttel
Karen Duve (* 1961 in Hamburg), Autorin; lebte und arbeitete im Stadtteil Blangenmoor
Klaus Florian Vogt (* 1970 in Heide/Holstein), jugendlicher Heldentenor; lebt in der Stadt
Christian Rickens (* 1971 in?), Journalist und Schriftsteller; wuchs hier auf
Susanne Gärtner (* 1974 in Marne), Schauspielerin; besuchte das Brunsbütteler Gymnasium
Jörg Thieme (* 1978 in Wuppertal), ehemaliger Amateurboxer; wuchs hier auf
Literatur
Heinz Lewerenz: Brunsbüttel. Zeitsprünge, Sutton-Verlag, 2004, ISBN 3-89702-713-5.
Kai H. Tange (Autor), Soenke Dwenger (Illustrator): Brunsbüttel, boyens-medien-Verlag, 2002, ISBN 3-8042-0674-3.
Weblinks
 Commons: Brunsbüttel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Brunsbüttel – Reiseführer
Stadt Brunsbüttel
Linkkatalog zum Thema Brunsbüttel bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Johann Friedrich Dörfer: Topographie von Holstein in alphabetischer Ordnung: Ein Repertorium zu der Karte vom Herzogthum Holstein, den Gebieten der Reichsstädte Hamburg und Lübek, und des Bisthums Lübek, Verlag Röffs, 1807, „Brunsbüttel“ Seite (90) bei digitale sammlungen (MDZ)
Brunsbüttel bei dithmarschen-wiki.de
Brunsbüttelhafen: ausführliche Geschichte und Abbildungen bei dithmarschen-wiki.de
Stadtarchiv Brunsbüttel bei dithmarschen-wiki.de