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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Döbern nicht vorenthalten.

Geschichte
Evangelische Christuskirche
Katholische Kirche Corpus Christi

Döbern, dessen Name vom altsorbischen Wort debṙ für Vertiefung oder Schlucht hergeleitet werden kann, liegt im äußersten Süden der Niederlausitz. Bei einer Befragung bezeichneten sich hier im Jahr 1850 noch 12 Prozent der 342 Einwohner als wendisch, 1867 kein einziger.

Nachdem das Königreich Böhmen im Prager Frieden das Markgraftum Niederlausitz 1635 an das Kurfürstentum Sachsen abtrat, wurde Döbern 1815 zusammen mit der Niederlausitz im Ergebnis des Wiener Kongresses zur preußischen Provinz Brandenburg geschlagen. Es lag von 1818 bis 1945 im Landkreis Sorau, dessen westlicher Rumpf bis 1952 von der kreisfreien Stadt Forst aus verwaltet wurde. Danach gehörte Döbern zum neugebildeten Kreis Forst im DDR-Bezirk Cottbus, der ab 1990 als Landkreis Forst im Land Brandenburg fortbestand und 1993 im Landkreis Spree-Neiße aufging.

Döbern erhielt mit Wirkung vom 3. Oktober 1969 Stadtrecht.[4]

Sein Gründungsdatum aber bleibt ungewiss. Seit spätestens dem 15. Jahrhundert existiert Döbern als ein Vasallendorf der Herrschaft Forst, die bis 1667 im Besitz des Adelsgeschlechts der Bieberstein war und danach, ehe sie ganz unter sächsische Hoheit kam, an das Herzogtum Sachsen-Merseburg fiel.

Innerhalb einer langen Reihe adliger Besitzerfamilien erwarb im Jahr 1838 Johann Wilhelm August von Friedrich das Döberner Rittergut. Er ließ 1850 auf seinem Land eine Braunkohlengrube anlegen, eine der ersten in der Niederlausitz. Sie wurde schon 1852 wieder stillgelegt. Ebenfalls auf Gutsland wurde 1857 durch den neuen Besitzer Heinrich Bruhn die Grube Heinrich in Betrieb genommen, die bis 1870 arbeitete. Hinzu kam 1864 die bis 1934 betriebene und sehr ergiebige Providentia. Mit der immer größer werdenden Kohleproduktion, die vor allem in den Fabriken der umliegenden Städte abgesetzt wurde, hatte für das kleine, gärtnerisch geprägte Döbern, das zuvor nur eine Wassermühle, eine Ziegelei und eine Brauerei besaß, die Entwicklung zum Industrieort begonnen.

Das galt erst recht, als in unmittelbarer Nähe der Grube im Jahr 1867 die Tafelglashütte Gebrüder Hirsch ihre Arbeit aufnahm und 1882 die Glashüttenwerke Fettke & Ziegler gegründet wurden. Die Bevölkerungszahl von Döbern stieg stark an. Die Bebauung zu beiden Seiten der Chaussee nach Muskau, einige hundert Meter abseits der Dorfstelle gelegen, verdichtete sich weiter. Vor und nach der Jahrhundertwende folgten den ersten beiden Glasbetrieben zahlreiche andere, begünstigt durch den 1891 mit der Bahnstrecke Weißwasser–Forst vollzogenen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Es entstand eine Brikettfabrik. Um aufkommenden Absatzschwierigkeiten bei Tafelglas zu begegnen, begann die Produktion von Behälterglas eine größere Rolle zu spielen. Auch die Kristallschleiferei nahm zu.

Ein bedeutendes Unternehmen war ab den 1930er Jahren auch die Destillation des Johann Kocemba, die zahlreiche Likörsorten, Fruchtsäfte, Sirups und Limonaden herstellte und bis in die 1950er Jahre eine reichhaltige Produktpalette aufwies. Das aufgelöste Firmenarchiv mit Hunderten Etiketten von ca. 1930 bis 1960 wurde später bei Internetauktionen angeboten.

Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die größten Glasunternehmen enteignet, weitere aus Döbern und Umgebung traf es dann in den 1950er Jahren. Für diese Betriebe, die den VEB Glashüttenwerk Döbern bildeten, errichtete man 1968 einen großen Hütten- und Verwaltungsneubau. In das Glashüttenwerk wurden 1972 auch noch die letzten privaten und halbstaatlichen Betriebe eingegliedert. Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte lag bei knapp 1800.

Mit dem Jahr 1990 fiel es dem Glaswerk zunehmend schwer, sich unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen zu behaupten. Es kam zu Eigentümerwechseln. Die Beschäftigtenzahl begann immer stärker zu schrumpfen und fiel nach Insolvenzen auf einen Tiefpunkt. 1996 endete auch der Bahnverkehr.

Döbern, das bis 1910 nach Groß Kölzig eingepfarrt war, erhielt 1908 eine eigene evangelische Kirche. Über die eigene Schule verfügte es bereits seit 1877. Die meist zugezogenen Einwohner katholischen Glaubens erhielten ihre Gemeindeschule 1902, ihre Kirche 1906.

Zur Stadt Döbern gehört seit 1974 die früher selbstständige Gemeinde Eichwege, die bis 1938 Dubraucke hieß und nach 1945 nicht mehr zurückbenannt wurde.

Döbern verfügt heute, von einigen Fabrikantenvillen und öffentlichen Gebäuden abgesehen, nur noch über eine bescheidene Zahl wertvoller baulicher Zeugnisse der Industrie- und Gemeindegeschichte. Das 1750 auf dem Gelände einer mutmaßlichen Wasserburg errichtete Gutshaus ist vernachlässigt, der Gutspark als solcher unkenntlich.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 462
1890 684
1910 3 419
1925 3 541
1933 3 862
1939 3 948
1946 3 738
1950 4 162
1964 4 459
1971 4 597
Jahr Einwohner
1981 5 072
1985 4 883
1989 4 732
1990 4 672
1991 4 593
1992 4 515
1993 4 433
1994 4 389
1995 4 322
1996 4 259
Jahr Einwohner
1997 4 224
1998 4 186
1999 4 171
2000 4 118
2001 4 053
2002 4 047
2003 4 027
2004 3 983
2005 3 895
2006 3 851
Jahr Einwohner
2007 3 786
2008 3 696
2009 3 642
2010 3 618
2011 3 501
2012 3 399
2013 3 351
2014 3 328
2015 3 396

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[5][6] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik
Amtsverwaltung Döbern
Verwaltungsstruktur

Die Stadt Döbern hat keine eigene Verwaltung, sondern wird durch das Amt Döbern-Land verwaltet. Dieses Amt wurde mit Genehmigung des Innenministeriums des Landes Brandenburg am 31. Juli 1992 gebildet. Diesem gehörten anfänglich 14 Gemeinden an. Nach einer Gemeindegebietsreform reduzierte sich deren Gesamtanzahl durch Fusion auf 8. Diese Gemeinden bedienen sich der gemeinsamen Verwaltung, der Amtsverwaltung mit dem Sitz in Döbern und Hornow. Chef der Verwaltung ist der Amtsdirektor. Die Bürgermeister der amtsangehörigen Gemeinden, darunter auch der Döberner Bürgermeister, sind ehrenamtlich tätig.

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Döbern besteht aus 14 Abgeordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister.

CDU 3 Sitze
Die Linke 3 Sitze
FDP 3 Sitze
SPD 2 Sitze
Haus- und Wohnungseigentümerschutzvereinigung e. V. 2 Sitze
Alternative für Deutschland 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[7]

Je ein Sitz der CDU und der SPD bleiben unbesetzt, weil die Parteien mehr Sitze gewannen als sie Kandidaten nominiert hatten.[8]

Bürgermeister

Jörg Rakete (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 57,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[9] gewählt.[10]

Wappen

Das Wappen wurde am 7. Juli 1993 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau unter goldenem Schildhaupt mit quergelegter roter Hirschstange ein silberner Sparren, begleitet beiderseits von je zwei gekreuzten silbernen Berghämmern mit goldenen Stielen, im Winkel ein silberner Kelch.“[11]

Städtepartnerschaften

Zur Stadt Rheinbach in Nordrhein-Westfalen bestehen seit 1990 partnerschaftliche Beziehungen. Weiterhin bestehen seit vielen Jahrzehnten partnerschaftliche Beziehungen zur polnischen Stadt Jasień. Die Zusammenarbeit mit Jasień ist seit dem 21. Februar 1999 in einem Partnerschaftsvertrag geregelt.

Sehenswürdigkeiten
Ehemaliges Postamt

In der Liste der Baudenkmale in Döbern und in der Liste der Bodendenkmale in Döbern stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmale.

Wirtschaft und Infrastruktur
Glaswerk

Seit Jahren arbeitet das Glaswerk, das unter dem neuen Namen „Cristalica“ firmiert, an der Überwindung seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Belegschaft besteht gegenwärtig aus 55 Mitarbeitern, die Erhöhung auf 80 ist geplant.

Glaswerk Döbern mit Verkaufspyramide (2017)

Im Herbst 2013 wurde unter Anwesenheit des brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke auf dem Firmengelände eine 17 Meter hohe, der Produktionspräsentation und dem Verkauf dienende Glaspyramide eröffnet. Als zusätzlicher Blickfang fungiert unmittelbar an der Forster Straße eine wuchtige Mauer mit exotischen Bildnissen und Arabesken.

Verkehr

Die Stadt liegt an der Bundesstraße 115 zwischen Forst und Bad Muskau. Die Bundesstraße 156 (Spremberg–Bad Muskau) ist in 3 km erreichbar. Zur Bundesautobahn 15 (Dreieck Spreewald–polnische Grenze) sind es über die B 115 bis zur Anschlussstelle Forst etwa 15 km.

Der Bahnhof Döbern (b Forst) lag an der Bahnstrecke Weißwasser–Forst. Diese wurde 1996 stillgelegt.

Öffentliche Einrichtungen
Sitz des Amtes Döbern-Land
Stadtbibliothek
Heimatstube
Strandbad Badesee Eichwege
Sport

1929 errangen die Fußballer von FT Döbern den Vizemeistertitel im Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Sie verloren das im Stadion des SC Victoria Hamburg ausgetragene Endspiel gegen den einheimischen SC Lorbeer Rothenburgsort knapp mit 4:5 Toren.

Die Fußballmannschaft von Chemie Döbern wurde im Jahr 1983 Bezirksmeister und qualifizierte sich damit für die zweitklassige DDR-Liga, der sie aber nur eine Spielzeit lang angehörte. Die Mannschaft des SV Döbern spielt in der Saison 2016/17 in der Landesklasse Süd des Fußball-Landesverbandes Brandenburg.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Germanus Theiß (1898–1960), Politiker (CDU), 1946–1950 Abgeordneter des Brandenburgischen Landtags
Helmut Radochla (1913–1990), Turner
Birgit Radochla (* 1945), Geräteturnerin
Klaus-Peter Schulze (* 1954), Bürgermeister, Politiker (CDU), seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages
Alexander Besch (* 1955), Fußballspieler
Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Germanus Theiß (1867–1945), Glasmacher und Glashüttenmeister, Verfasser der Lebenserinnerungen des Glasmachers Germanus Theiss
Michaela Andörfer (1928–2014), Ordensfrau, Generaloberin der Hedwigschwestern, wuchs in Döbern auf
Kristian Pech (* 1946), Schriftsteller, lebt und arbeitet in Döbern
René Rydlewicz (* 1973), Fußballspieler, begann seine Laufbahn bei Chemie Döbern
Franz Schiewer (* 1990), Radrennfahrer, wuchs in Döbern auf
Literatur
Döberner Kultur- & Heimatblatt. Herausgeber: Döberner Heimatfreunde e.V. Jahreshefte seit 2002.
Kurt Mettke: Döbern N.-L. Seine Geschichte und Entwicklung. Forst 1939.
Rolf Müller: Döbern und seine Schulen. Verlag Reinhard Semmler, Cottbus 2002. ISBN 3-935826-27-3.
von Schönfeldt, Erwin Stein (Herausgeber): Der Landkreis Sorau N.-L. Deutscher Kommunalverlag, Berlin-Friedenau 1925.
Wolfgang Schossig, Manfred Kulke: Braunkohlenbergbau auf dem Muskauer Faltenbogen. (Beiträge zur Geschichte des Bergbaus in der Niederlausitz, Band 6). Cottbus 2006.
Germanus Theiss, Konrad Theiss: Neues Glas und alter Glaube. Lebenserinnerungen des Glasmachers Germanus Theiss. St. Benno-Verlag, Leipzig 1982.
Weblinks
 Commons: Döbern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Webseite der Stadt Döbern