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Geschichte
Ab 15.000 Jahre vor unserer Zeit

Die bisher älteste Anwesenheit des Menschen am Dümmer ist durch eine bereits 1887 im Dümmer herausgefischte Harpunenspitze nachgewiesen. Sie wurde von Menschen hergestellt, die in der damaligen baumlosen Tundra des Bölling-Interstadials der Weichsel-Kaltzeit vor 15.000 Jahren in der Dümmerniederung dem Ren nachstellten.

Mit dem Anstieg der Temperaturen vor rund 12000 Jahren veränderte sich die Natur am Dümmer: Birken- und Kiefernwälder dehnten sich aus, weitere Laubhölzer kamen hinzu, Groß- und Niederwild wurden heimisch – eine ideale Lebensgrundlage für den Menschen des Mesolithikums. Eine Spitze mit Widerhaken, vielleicht eine Harpunenspitze – 1973 bei Lemförde gefunden – bestätigt die Anwesenheit dieser Mittelsteinzeitmenschen bereits zum Ende der Weichsel-Kaltzeit, denn mithilfe der C14-Methode wurde die Spitze auf ein Alter von 11.000 Jahren vor unserer Zeit datiert.

Weitere 150 vorwiegend mittelsteinzeitliche Fundstellen konnten ab 1999 bei systematischen Feldbegehungen vor allem im westlichen Bereich des Dümmers entlang der frühen postglazialen Uferlinie des Sees ermittelt werden.

Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum

Vor 7000 Jahren wurden die bisherigen Nomaden der Dümmerniederung sesshaft.

Bei Deichbau- und Dränagearbeiten wurde südlich des Dümmers am Huntezufluss eine urgeschichtliche Siedlung entdeckt. Diese wurde 1961 bis 1967 unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Jürgen Deichmüller auf einer Gesamtfläche von 1.100 m² systematisch ausgegraben.

Das dabei viele tausend Objekte umfassende Fundmaterial „ist überaus reichhaltig und mannigfaltig und vermittelt einen ungewöhnlich guten Einblick in das Alltagsleben jener Menschen, die zwar noch Jagd und Fischfang betrieben, aber darüber hinaus bereits begonnen hatten, Haustiere zu züchten, Getreidearten zu kultivieren, Steinbeile zu durchbohren und zu schleifen, Wolle zu spinnen, Gefäße aus Ton zu formen und zu brennen und festere Hütten zu bauen als ihre Vorfahren.“[5]

Wegen des außerordentlichen Reichtums der Fundstücke, auch an organischen Substanzen, die für die Radiokarbon-Datierung geeignet waren, konnte eine zeitliche Einteilung der Besiedlungszeit dieses Platzes vorgenommen werden:

ca. 4200–3700 v. Chr.: Erste noch zahlenmäßig geringe Besiedlungsphase
ca. 3700–3180 v. Chr.: „Hauptbesiedlungszeit mit einer großen Anzahl bearbeiteter und radiokarbondatierter Hölzer, die außerhalb des Bereiches der oberen Kulturschicht auftraten.“[6]
ca. 2950–2700 v. Chr.: Die dritte Besiedlungszeit „erscheint isoliert von beiden vorangehenden dazustehen; es kann aber nicht ausgeschlossen werden, daß dennoch eine kleine Anzahl von Menschen den Siedlungsplatz bewohnte.“[6]

Nach den Knochenfunden in den einzelnen Schichten zu urteilen, waren die Bewohner der Siedlung immer noch Wildbeuter des Mesolithikums, auch wenn bereits Haustierknochen vorhanden sind.

Der Nachweis neolithischer Keramik, zum Teil sogar mit eigener Ausprägung („Dümmer-Keramik“ oder „Hüde-Swifterband-Gruppe“), lässt auf Kontakte zu den südlich in den Lössgebieten bereits existierenden neolithischen Kulturen schließen. Auch die Reste von Getreide in Mühlen und Schüsseln dürfen nicht unbedingt als Beweis für eine bäuerliche Lebensweise gelten, denn produzierende Wirtschaftsformen wie Landbau und Viehzucht lassen sich nicht nachweisen.

Das Neolithikum

Zum Ende der zweiten Besiedlungsphase von Hüde I – etwa um die Zeit 3300 bis 3200 v. Chr. – legten Menschen eines anderen Kulturkreises auf einer sich leicht abhebenden Geländekuppe an der nördlich vom Dümmer ausfließenden Hunte einen Siedlungsplatz an. Dieser wurde später als „Hunte I“ bezeichnet.

Dieser Platz wurde 1934 bei der Begradigung der Hunte entdeckt, aber erst in den Jahren 1938 bis 1940 von Prof. Dr. Hans Reinerth, dem damaligen Leiter des Reichsamtes für Vorgeschichte, systematisch ausgegraben. Im Jahre 2000 wurden die während des II. Weltkrieges verstreuten Grabungsdokumente und das Fundmaterial im Rahmen eines Forschungsprojektes des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover wieder zusammengetragen, um diese wissenschaftlich auszuwerten.

Das Fundmaterial der 1. Besiedlungsphase von „Hunte I“ ist Menschen der Trichterbecherkultur zuzuordnen. Es ist „die erste Kulturgruppe im nordwestdeutschen Raum, die alle Merkmale einer jungsteinzeitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsform aufweist.“[7]

Diese Neolithiker lösten im 4. Jahrtausend v. Chr. allmählich die vorherige, fast 5000 Jahre lang existierende mesolithische Lebensweise ab. Für diese folgenreiche Übergangsphase vom Mesolithikum zum Neolithikum im norddeutschen Raum sind die beiden Fundorte Hüde I und Hunte I von großer wissenschaftlicher Bedeutung und zeichnen die Dümmerniederung als eine der wichtigsten urgeschichtlichen Regionen aus.

Dümmersanierung

Die Eindeichung des Dümmers zwischen 1939 und 1953 schuf die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Entwicklung, in der Siedlung, Landwirtschaft und Gewerbe intensiviert werden konnten. Die neben dem Eindeichungsprojekt erfolgende Melioration der Niederung mit der Trockenlegung der Moore zwecks Intensivierung der Landwirtschaft, industriellem Torfabbau und Schaffung weiterer Nutzungsflächen hatte die Mineralisierung des Hochmoortorfes zur Folge. Die Mineralstoffe (Stickstoff aus Niedermooren und Phosphor aus Hochmooren) werden über die Entwässerungskanäle und die Hunte in den Dümmer eingeschwemmt und führen zur „Überdüngung“ des Sees. Hinzu kommt die Gülle-Belastung der Wiesen und Felder durch die Massentierhaltung im Landkreis Vechta. Durch die Moor-Mineralisierung und die Intensivlandwirtschaft wird der Dümmer jährlich etwa mit 30 Tonnen Phosphor belastet (2004).[8]

Der Preis dafür waren schwere Schäden im Naturhaushalt des Dümmers. Innerhalb weniger Jahre verschwanden Unterwasserpflanzen und Teichmuscheln, Röhricht und Binsen gingen zurück. Der Schlamm begann, den See zu ersticken. Jahrzehntelang bestand ein Interessenkonflikt zwischen Dümmer-Anrainern und Naturschützern. Noch heute werden im Landschaftsrahmenplan für den Landkreis Diepholz Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Tourismus ausdrücklich als „Gefährdungen“ des Landschaftsschutzgebietes Dümmer eingestuft.[9]

Bereits in den 1980er Jahren gab es erste Vorstöße zu einer Dümmersanierung. Es zeigte sich jedoch, dass Naturschutz am Dümmer politisch nur dort durchzusetzen war, wo die Öffentliche Hand die Flächen von den Grundeigentümern aufgekauft hatte.[10] Nachdem dies geschehen war, wurde im Jahr 2004 damit begonnen, das Konzept der Dümmersanierung in Angriff zu nehmen. Dieses Konzept sieht folgende Schwerpunkte vor:

Naturschutz: Dauerhafte Erhaltung der für den Naturschutz wertvollen Bereiche des Dümmers und der Dümmerniederung mit den naturraumspezifischen Pflanzen- und Tierarten; dazu gehört auch die Wiederherstellung von besonderen Biotopen, soweit diese erheblich beeinträchtigt oder zerstört sind.
Wasserwirtschaft: Erhaltung einer offenen Wasserfläche des Dümmers und die Verbesserung der Gewässergüte der Oberflächengewässer und des Grundwassers durch Verminderung der Nährstoffeinträge.
Landwirtschaft: Sicherung der Existenzen der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe unter Berücksichtigung einer an den Belangen von Naturschutz und Wasserwirtschaft orientierten Bodennutzung.
Erholung und Fremdenverkehr: Erhaltung des Dümmers und der Dümmerniederung als Erholungsraum.[11]
Naturschutz und Wasserwirtschaft
Brücke über die Hunte als Teil des Radwegs Dümmer-Rund-Tour

Das West- und das Südufer des Dümmers und ein Landstreifen dahinter liegen im Naturschutzgebiet Dümmer.[4] Ein Streifen am Ostufer zwischen Hüde und Lembruch ist ebenfalls unter Naturschutz gestellt (Name des Naturschutzgebiets: Hohe Sieben). Die Zone zusammenhängender Naturschutzgebiete wird um Gebiete beiderseits der Hunte südlich und nördlich des Dümmers ergänzt (um die Naturschutzgebiete Westliche Dümmerniederung und Ochsenmoor). Im Interesse des Naturschutzes ist der Randrundweg um den Dümmer herum im Bereich der oberen Hunteüberquerung deutlich nach Süden verschwenkt.

Das Sanierungskonzept sieht vor, einerseits den Nährstoffeintrag über die Flüsse zu mindern, andererseits den Schlamm über mehrere Jahre abzusaugen. Zu diesem Zweck wurden die Kläranlagen im Dümmergebiet mit einer dritten Reinigungsstufe ausgestattet, und der Bornbach wurde umgeleitet. Die Entschlammung des Dümmers wird als Daueraufgabe in Angriff genommen.[12]

Eine Wiederherstellung der Selbstreinigungskräfte des Sees kann so aber noch nicht erreicht werden. Es fehlen Unterwasserpflanzen und Teichmuscheln, algenfressende Kleinkrebse und Bodentiere sowie Raubfische, die Friedfische in Schach halten. Das abgestorbene Schilf kann wegen des Deiches nicht aus dem See hinaus auf die Wiesen geschwemmt werden. Der über die Schleusen eingestellte Wasserstand – im Sommer hoch, im Winter niedrig – verhindert geradezu die Wiedereinbürgerung vieler Arten der ehemaligen Lebensgemeinschaft. Nur bei wenig Wasser im Sommer gelangen Licht bis auf den Seeboden und Luft in den Wurzelbereich des Röhrichts. Nur bei Hochwasser und Überschwemmung im Frühjahr können tote Pflanzenteile aus dem See hinausgelangen.[13]

Feuchtwiese bei Dümmerlohausen

Die Gebiete westlich und südlich des Dümmers wurden in den Jahren 2002 bis 2007 wiedervernässt.[14] Im Rahmen dieser Wiedervernässung wurden rund 175 ha ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzflächen erworben. Hierdurch wurde im EU-Vogelschutzgebiet „Dümmer“ eine Niedermoorfläche von zusammen 2500 ha Größe arrondiert. Das war eine wesentliche Voraussetzung für die großflächige Wiedervernässung. Mit deren Hilfe wurde einer der größten zusammenhängenden Feuchtgrünlandbereiche in Nordwestdeutschland als geeigneter Lebensraum für Wiesenvögel entwickelt.[14] Die Maßnahme wurde 2009 von der EU als einziges deutsches Projekt mit dem „Best practice award“ ausgezeichnet.[15]

Naturschützer mahnen an, dass es gelte, das Dümmergebiet mit den angrenzenden Mooren am Westrand der Diepholzer Moorniederung stärker zu vernetzen sowie die Renaturierung der Fließgewässer im Dümmergebiet anzugehen.[16]

Im Westen des Dümmers, befindet sich der Windpark Borringhauser Moor. Derzeit ist eine Erweiterung des Windparks nach Süden geplant. Im Zuge dieser Erweiterung sollen die alten Anlagen durch neue, etwa 200 Meter hohe Windräder ersetzt werden.[17] Naturschützer sehen diese Erweiterung äußerst kritisch, da die geforderten Schutzabstände von 1000 m zum NATURA-2000-Gebiet Dümmer nicht eingehalten und Zugkorridore beeinträchtigt würden. Außerdem seien die Erweiterungsflächen wichtige Rast- und Äsungsflächen für Vögel. Der NABU (Kreisgruppe Vechta) hat seine Bedenken in einem Schreiben an die Stadt Damme ausführlich dargelegt.[18] Die deutlich höheren Anlagen dürften nicht zuletzt Auswirkungen auf das Landschaftsbild des Naturparks haben, das vor allem durch weite Moor- und Wiesenflächen bestimmt wird.

Der Naturschutzring Dümmer fördert die Wiederansiedlung von Fischadlern und Laubfröschen am Dümmer.[19] Die NUVD setzt sich für eine Revitalisierung des kränkelnden Schilfgürtels am See ein.[20]

Naturlehrpfad bei der Naturschutzstation Marl

In Marl wurde 1993 vom Land Niedersachsen eine Naturschutzstation eingerichtet. Die Station betreibt einen Naturelerlebnispfad.[21]

Im November 2009 wurden am Dümmer mehrere Biber gesichtet. Wie sie dorthin gelangten, ist unbekannt; eine natürliche Einwanderung von der Elbe oder der Hase her erscheint unwahrscheinlich. Naturschützer hatten sich bereits ein Jahr zuvor für die Wiederansiedlung des Bibers in jenes Revier eingesetzt, in dem er früher heimisch war;[22] Wasserwirtschafter hingegen sehen Gefahren für die Stabilität des Dümmerdeichs,[23] der an zwei Stellen bereits massiv unterhöhlt wurde. Allein für den Schutz des Deichfußes an den acht Wehranlagen durch Einbau von Stahlgittermatten sei mit Kosten von etwa 250.000 Euro zu rechnen. Eine drastische Erhöhung der Beiträge für den Hunte-Wasserverband sei nicht auszuschließen.[24] Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Diepholz teilte mit, dass Biber nur dann eingefangen und weggebracht werden dürfen, wenn die Biber erhebliche Schäden verursachen oder falls es sich um Nordamerikanische Biber gehandelt hätte, da Fälle von Faunaverfälschung nicht geduldet werden dürften.[25] Die genetischen und anatomischen Untersuchungen der zwei bei Burlage und bei Hunteburg tot gefundenen Biber ergaben, dass es sich um europäische Biber handelt.[26] Im Februar 2010 berichtet die Presse über weitere Biberspuren hunteabwärts in Barnstorf.[27] Ende März 2010 meldet die Polizei einen leichten Verkehrsunfall mit einem Biber in Wildeshausen.[28] Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bewertet in einer Schrift aus dem Jahr 1998 – ohne Bezug auf den Dümmer – die Westwanderung des streng geschützten Elbebibers, der lange Zeit als verschollen oder ausgestorben gegolten habe, positiv.[29]

Im Rahmen des Dümmersanierungs-Projekts wird auch der Umstand berücksichtigt, dass der Dümmer als Rückhaltebecken dazu dienen soll, den Wasserstand der Hunte bis Wildeshausen zu regulieren und so die hunteabwärts gelegenen Gemeinden vor Hochwasser zu schützen.[30]

Landwirtschaft, Torfwirtschaft und Fischwirtschaft
Strandszene am Dümmer im Sommer bei Hüde

Durch die Eindeichung des Dümmers und den Abbau des Torfs auf den anliegenden Moorflächen sollte in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Möglichkeit zu einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Dümmerrandgebiete und zu einem industriellen Torfabbau geschaffen werden. Durch diese Maßnahmen wurde der ökologische Wert der Böden und des Dümmers selbst (in diesen flossen bis 2004 allein aus dem Landkreis Vechta bis 2004 jährlich 30 Tonnen Phosphor) erheblich herabgesetzt.

Im Zuge der Flurbereinigung erhielten die Besitzer der ökologisch aufzuwertenden Flächen teils Ausgleichsflächen, teils Ausgleichszahlungen. Heute wird auf den wiedervernässten Flächen keinerlei Torfabbau mehr betrieben.

Die Naturschutzflächen sind an über 100 örtliche Landwirte verpachtet worden. Das Gebietsmanagement wird durch die Naturschutzstation Dümmer vor Ort so gesteuert, dass die Erhaltungsziele des EU-Vogelschutzgebietes erreicht werden, die Landwirte aber weiterhin über eine naturschutzkonforme Bewirtschaftung und Pflege der Flächen integriert bleiben.[31]

Der Dümmer bildet einen eigenen Bezirk unter den 70 Fischereibezirken in Niedersachsen.[32] Die gewerbliche Fischerei auf dem Dümmer wird von einem Pächter betrieben.

Einst fanden die Dümmerfischer bis zu 20 Fischarten in ihren Netzen vor, darunter Karpfen, Hecht, Barsch und Döbel. Doch in den letzten Jahrzehnten nahmen die Fangergebnisse ständig ab. Heute lebt im Dümmer eine Überbevölkerung Plankton fressender Friedfische (Plötze, Güster, Rotfeder und Brasse), die nicht mehr ihre natürliche Größe erreichen.[13]

Mehrmals gab es erbitterte Auseinandersetzungen zwischen dem Dümmerfischer und Naturschutzverbänden über das Recht, Kormorane abschießen zu dürfen, die von dem Fischer für den Rückgang des Fischbesatzes im Dümmer verantwortlich gemacht werden.

In Dümmerlohausen und in Lembruch gibt es jeweils eine Fischräucherei. Beide Betriebe beziehen ihre Ware allerdings überwiegend nicht mehr aus dem Dümmer.[8]

Tourismus, Freizeit und Dienstleistungsangebote
Luftbild mit Strand und Bootshafen am Dümmer im Jahr 1989
Nordufer mit Ferienhaussiedlung

Das unmittelbar am Ostufer des Dümmers liegende Dorf Hüde gilt heute als der Hauptort des Dümmer-Tourismus. In Lembruch sowie in Dümmerlohausen, das am Westufer liegt, gibt es ebenfalls Unterkünfte und gastronomische Angebote. Ferienhäuser gibt es außer am Ostufer auch am Nordufer des Dümmers.

Das Dümmer-Museum in Lembruch zeigt multimediale Dauerausstellungen zu den Themen „Landschaftsentwicklung“, „Tier- und Pflanzenwelt“ und „Steinzeitliche Siedlungsplätze“.

Die Dümmerregion hat sich dem Ziel des „sanften Tourismus“ verschrieben. Im Rahmen des Förderprogramm „Natur erleben“ wurde bis 2007 das umfangreiche Wander- und Radwegenetz ausgeschildert, Aussichtstürme wurden überdacht und saniert, und neue Informationstafeln wurden aufgestellt.

Pro Jahr veranstalten das Dümmer-Museum in Lembruch und die Naturschutzstation in Marl im Rahmen der Umweltbildung 70 bis 100 Exkursionen.[33]

Segel- und Surfsport
Segelboote auf dem Dümmer. Im Hintergrund Lembruch
Dümmer-Museum in Lembruch
Westufer mit dem Olgahafen in Dümmerlohausen

Der Dümmer ist trotz der umfangreichen Sperrungen des Seegebiets für Wassersportler im Interesse des Naturschutzes zu einem beliebten Ziel für Segler und Surfer geworden.

1922 wurde der erste Segelclub am Dümmer gegründet. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es ungefähr 60 Segler, denen 35 Jollen zur Verfügung standen. Vor dieser Zeit kannte man nur einen Bootstyp, die Dümmerpünte, ein Flachboot, das aus Eiche hergestellt war und fast nur wirtschaftlichen Zwecken wie dem Fischfang und dem Transport von Binsen und Schilfrohr diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte der Wassersport. Weitere Segelclubs entstanden. Heute (2009) gibt es rund um den Dümmer etwa 25 Vereine, die mit mehr als 2000 Booten und über 1000 Surfbrettern ihren Sport ausüben. Der größte Teil der Segelclubs hat sich zur Wettfahrtgemeinschaft Dümmer zusammengeschlossen, um gemeinsame Aufgaben zu bewältigen, die sich aus der Jugendarbeit, dem Breiten- und Leistungssport ergeben.[34]

Auf dem See finden Segel-Regatten mit den Regatta-Klassen der Pirat-Bootsklasse, dem P-Boot, dem S-Kreuzer und der Europe-Bootsklasse statt. Der Segler-Club Clarholz (SCC) ist einer der größten Segelclubs am Dümmer. Er war schon häufig Ausrichter der Internationalen Deutschen Jugend Meisterschaften (IDJM) im 420er, P-Boot (2002) und im Pirat, darüber hinaus 2005 Ausrichter der Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) im Pirat.

Weitere große Vereine, die nationale und internationalen Regatten ausrichten, sind die Seglervereinigung Hüde (SVH), der Segler Club Dümmer (SCD), der Motor- und Segelclub Bielefeld (MSC) und der Bielefelder Segler Club (BSC). Die Seglervereinigung Hüde verfügt über einen umweltgerechten Binnenhafen für Jollen und Segelyachten bis circa 7 m Länge, der 2005/06 neu errichtet wurde. Der Verein engagiert sich in der Jugendarbeit und in der Förderung des Leistungssports jugendlicher Segler. Im Sommer 2005 war der Segelclub Lembruch Schoddenhof (SCLS; heute: Segelclub Lembruch – SCL) Ausrichter der ersten Weltmeisterschaft am Dümmer für die FJ-Klasse. Um die Ausrichtung der Regatten und den dafür notwendigen Sicherheitsdienst zu gewährleisten, wurde die „Wettfahrtgemeinschaft Dümmer See“ gegründet.

Seit vielen Jahren sind die Windsurfer im eingetragenen Verein Windsurfclub Dümmersee (WSCD) organisiert. Der Verein tritt für Verbesserung der Infrastruktur für die Surfer auf dem Dümmer ein und unterstützt Surfsportveranstaltungen.

Von November bis Ostern besteht auf dem Dümmer ein Winterbefahrensverbot für Segler und Surfer.[35] Sofern ein Boot über einen kraftstoffbetriebenen Motor verfügt, darf dieser auf dem Dümmer grundsätzlich nicht eingesetzt werden.

Baden

Am Ostufer des Dümmer befinden sich vier Sandstrände, an denen die Möglichkeit besteht, kostenlos zu baden. Diese Strände sind kinderfreundlich, da sie ein relativ geringes Gefälle aufweisen und die Wasserqualität regelmäßig geprüft wird. 2003, 2009,[36] 2011 und 2012 gab es wegen einer zu starken Belastung des Wassers durch Blaualgen ein zeitlich begrenztes Badeverbot.

Angeln

An den Ufern des Dümmers besteht für Freizeitangler die Möglichkeit, außerhalb der Naturschutzgebiete und abseits der Huntemündung, wo ein generelles Angelverbot besteht, nach Erwerb eines Fischereierlaubnisscheines zu angeln.[37]

Winteraktivitäten
Lembruch am Ostufer im Winter

Sobald der See bei stabiler Kaltwetterlage zugefroren ist, kann man auf dem Dümmer Schlittschuh laufen, Eishockey spielen und eissegeln. Im Winter 2008 kamen 10.000 Menschen zu einer Eisparty auf den Dümmer.[38]

Seit 2001 findet alljährlich Anfang Januar die Dümmer-Eiswette nach dem Vorbild der Bremer Eiswette statt.[39]

Dümmerheim

Der Landkreis Vechta betreibt in Dümmerlohausen in der Nähe des Dümmer-Westufers ein Jugend- und Freizeitzentrum, das auch unter dem Namen Dümmerheim bekannt ist und für Freizeiten, Seminare, Klassenfahrten und Veranstaltungen zur Verfügung steht. Selbstversorger können dort das Selbstversorgerhaus nutzen.

Verkehrsanbindung und Wandern

Der Dümmer ist von der Bundesautobahn 1 (Anschlussstelle Holdorf) kommend erst auf der Bundesstraße 214 ostwärts bis Diepholz und dann noch wenige Kilometer nach Süden fahrend auf der östlich den See passierenden Bundesstraße 51 erreichbar. Der nächste Personenbahnhof liegt südöstlich des Sees am Westrand von Lemförde, fünf Straßenkilometer entfernt. Er wird von Regionalexpressen auf dem Abschnitt Bremen–Osnabrück der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg befahren.

Der Brückenradweg (Bremen–Osnabrück) führt westlich und östlich vorbei am Dümmer, abschnittsweise in Ufernähe. Um den See führt der 27 km[40] lange Radweg Dümmer-Rund-Tour.

Literatur
Ernst Andreas Friedrich: Naturdenkmale Niedersachsens. Landbuch-Verlag, Hannover 1980, ISBN 3-7842-0227-6.
Wolfgang Friemerding: Struktur und Entwicklung des Fremdenverkehrs am Dümmer. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland. 1986 (1985), ZDB-ID 522409-3, S. 241–255.
Andreas J. Helbig, Jürgen Ludwig, Heinrich Belting: Die Vögel des Dümmer-Gebietes. Avifauna eines norddeutschen Flachsees und seiner Umgebung (= Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Bd. 21). Niedersächsisches Landesverwaltungsamt, Hannover 1990, ISBN 3-922321-51-8.
Werner Klohn: Probleme der Raumgestaltung in der Dümmerniederung (= Vechtaer Studien zur angewandten Geographie und Regionalwissenschaft. Bd. 3). Vechtaer Druckerei und Verlag, Vechta 1992, ISBN 3-88441-089-X.
Werner Klohn: Verbreitung, Struktur und Funktion der Kleinstwälder und Gehölze in der Dümmerniederung und ihren Randgebieten. Eine forstgeographische Untersuchung (= Vechtaer Arbeiten zur Geographie und Regionalwissenschaft. Bd. 3). Vechtaer Druckerei und Verlag, Vechta 1986, ISBN 3-88441-077-6(Zugleich: Osnabrück, Universität, Dissertation, 1986).
Ulrike Klugmann, Ingeborg Villwock: Dümmer und Wiehengebirge (= Draußen. Heft 35). HB Verlags- und Vertriebs-Gesellschaft, Hamburg 1984, ISBN 3-616-06335-3.
Walter von Sanden-Guja: Der große Binsensee. Ein Jahreslauf. 2., erweiterte Auflage. Franckh, Stuttgart 1960.
Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas. In: Texte und Zeichen. Eine literarische Zeitschrift. Bd. 1, 1955, ISSN 0563-3109, S. 9–53.
Klaus Seehafer: Der Dümmer See in Farbe. Ein Reiseführer für Naturfreunde. Franckh, Stuttgart 1980, ISBN 3-440-04887-X.
Deichmüller, Jürgen / Staeche, Ulrich (1974): Der Mensch und die Tierwelt am Dümmer in vorgeschichtlicher Zeit. In: 118. Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover (1974), S. 69–86.
Becker, Gunter / Klohn, Werner (2003): Die Siedlungsentwicklung und der Tourismus. In: Hunte-Wasserverband (Hrsg., 2003), S. 48–51.
Kossian, Rainer (2002): 15000 Jahre Menschheitsgeschichte am Dümmer – ein Überblick zur Archäologie der Dümmerregion. Vortrag: unveröffentlichtes Manuskript.
Kossian, Rainer (2003): The Neolithic settlement site „Hunte 1“ near lake Dümmer in Diepholz District (Lower Saxony, Germany), a survey. In: Bauerochse/Haßmann (Hrsg., 2003), S. 79–88.
Becker, Gunter: Thematischer Tourismus: angewandt auf die Dümmerregion. Ein Konzept für die touristische Entwicklung ländlicher Räume. Berlin 2005, ISBN 3-86624-033-3
Weblinks
 Commons: Dümmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
DümmerWeserLand, auf duemmer.de
Bildergalerie Diepholz, auf bildergalerie-diepholz.de
Naturschutzgebiet „Dümmer“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 4: Bremen und Niedersachsen, auf tu-cottbus.de (PDF; 501,2 KB)
Jugend- und Freizeitzentrums am Dümmer See (Dümmerheim), auf duemmerheim.de
Interessengemeinschaft Dümmer e. V., auf rettet-den-duemmer.de
Der Dümmer See im Kulturportal Nordwest
Dümmer (Leitfaden Maßnahmenplanung Oberflächengewässer), Wasserrahmenrichtlinie, Band 3 (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz; NLWKN; PDF; 2,25 MB)