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Geschichte
Historischer Überblick

Bereits nach 1251 wurde auf dem heutigen Stadtgebiet im Rahmen der Territorialpolitik des meißnischen Markgrafen Heinrichs des Erlauchten die Stadt Fürstenberg im Verband der Niederlausitz gegründet. 1286 ist sie als Civitas und Zollstätte bezeugt. Im 14. Jahrhundert veranlasste Kaiser Karl IV. den Bau einer Stadtmauer. Von 1316 bis 1817 stand die Grundherrschaft mit geringen Unterbrechungen dem Kloster Neuzelle zu. Der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gebildete Rat hatte die Niedergerichte inne, gemeinsam mit dem Abt von Neuzelle auch die Obergerichte.

Nach dem Prager Frieden 1635 kam Fürstenberg mit der Niederlausitz zum Kurfürstentum Sachsen, 1815 fiel es an Preußen. Das abseits der Fernstraße Frankfurt (Oder) – Guben an einer wenig bedeutenden Oderfähre gelegene, aber als Zollstätte wichtige Städtchen, in dem auch Fischerei und Schifffahrt betrieben wurden, hatte im Jahr 1830 1686 Einwohner. Mit dem Bau der Bahn von Frankfurt (Oder) nach Breslau 1846 und im Anschluss an den hier in die Oder mündenden Oder-Spree-Kanal (1891) begann eine industrielle Entwicklung mit Glashütten, Werften, Säge-, Öl- und Getreidemühlen. Die jüdische Gemeinde der Stadt nahm 1890 ihren Friedhof in Nutzung, der später von den Nazis zerstört wurde. Zwischen 1871 und 1900 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl auf 5.700, bis 1933 stieg sie auf 7.054. Im Jahre 1925 wurde ein Oderhafen angelegt.

Für die Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten entstand zwischen dem Kanal, der Bahnlinie und der Schönfließer Chaussee (heute Beeskower Straße) das Chemische Zentralwerk der DEGUSSA, in dem während des Zweiten Weltkrieges Häftlinge eines Außenlagers des KZ Sachsenhausen und Kriegsgefangene des M-Stammlager III B (Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager) Zwangsarbeit verrichteten, bei der Tausende ums Leben kamen. Außerdem wurden sie im Oder Gerätebau eingesetzt, einer ausgelagerten Rüstungsfabrik von Rheinmetall-Borsig, im MEW Kraftwerk an der Oder, im Forst und beim Straßenbau. Zwischen 1940 und 1943 wurde am Oder-Spree-Kanal der GBI-Hafen errichtet, mit einem Granitlager für die geplante Reichshauptstadt, der heutige Hafen Eisenhüttenstadt. Am 24. April 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt. Fürstenberg (Oder) wurde Garnisonsstadt der sowjetischen Truppen. Die Industrieanlagen wurden zum großen Teil als Reparationsleistung demontiert.[3]

Rodung des Geländes durch einen sowjetischen SChTS-NATI-Kettentraktor nach dem symbolischen ersten Axthieb
Grundsteinlegung im Hüttenkombinat Ost durch Minister Selbmann

Auf dem III. Parteitag der SED vom 20. bis 24. Juli 1950 wurde der Beschluss zum Bau des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO) und einer sozialistischen Wohnstadt bei Fürstenberg (Oder) gefasst.

Eisenhüttenstadt gilt somit als die erste „sozialistische Stadt“ der DDR und ist als reine Planstadt entstanden.

Am 18. August 1950 erfolgte der symbolische erste Axthieb zum Baubeginn des Eisenhüttenkombinats. Am 1. Januar 1951 legte Minister Fritz Selbmann den Grundstein für den ersten Hochofen, der am 19. September 1951 den Betrieb aufnahm. Bis 1955 entstanden fünf weitere Hochöfen. Am 1. Februar 1953 wurde die Wohnstadt als selbstständiger Stadtkreis aus dem Kreis Fürstenberg herausgelöst und am 7. Mai 1953 aus Anlass des Todes von Stalin in Stalinstadt umbenannt. Ursprünglich sollte die Stadt zum 70. Todestag von Karl Marx den Namen Karl-Marx-Stadt erhalten,[4] den dann aber stattdessen Chemnitz erhielt. Ende des Jahres 1953 hatte die Stadt 2.400 Einwohner, im Jahre 1960 bereits 24.372. Fürstenberg (Oder) wurde 1952 Kreisstadt und hatte 1960 eine Einwohnerzahl von 6.749.

Am 13. November 1961 wurden die Städte Fürstenberg (Oder) (mit dem Ortsteil Schönfließ) und Stalinstadt zu Eisenhüttenstadt zusammengeschlossen, um im Rahmen der Entstalinisierung den unerwünscht gewordenen Namen zu tilgen. Dabei wurde die Stadt Fürstenberg (Oder) aus dem Landkreis Fürstenberg herausgelöst und der bereits unter dem Namen Stalinstadt bestehenden kreisfreien Stadt zugeschlagen. Eisenhüttenstadt war dann bis zur Bildung des Landkreises Oder-Spree sowohl kreisfreie Stadt als auch Kreisstadt des Kreises Eisenhüttenstadt.

Am 19. September 1986 wurde unter großer politischer Anteilnahme in der Bundesrepublik ein Abkommen über die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt unterzeichnet.[5]

Mit dem Ausbau des Hüttenwerks stieg die Einwohnerzahl bis 1988 auf den historischen Höchststand von über 53.000. Im Jahre 1993 erfolgte die Eingemeindung des Ortes Diehlo. 1996 wurde die Neue Deichbrücke über den Oder-Spree-Kanal wiederaufgebaut. Mit dem Strukturwandel nach der Wiedervereinigung hat sich die Einwohnerzahl nahezu halbiert. Um den Schrumpfungsprozess zu beherrschen, wurde ein Stadtumbauprogramm begonnen, das mit dem Abriss und der Sanierung zahlreicher Wohnungen verbunden ist.

Ortsname
Errichtete Planstadt unmittelbar am Hüttenwerk, 1960

Der etwas sperrige Name der Stadt hat immer schon dazu animiert, griffigere Bezeichnungen zu kreieren. In der Umgangssprache wird die Stadt oft verkürzt mit „Hüttenstadt“ oder „Hütte“ bezeichnet. Aufgrund des Verfalls seit 1989 wird die Stadt heute im Volksmund bisweilen „Schrottgorod“ genannt.[6] Schrott verballhornte darin das Eisen als ein zur Wiederverwertung anstehendes Material, die Endung -gorod die russische Endung für -stadt.[7]

Eingemeindungen

Die Gemeinde Diehlo wurde im Jahr 1993 Ortsteil von Eisenhüttenstadt.

Bevölkerungsentwicklung
„Wohnkomplex II“ – Saarlouiser Straße

Bei der folgenden Übersicht der Einwohnerzahlen von Eisenhüttenstadt (vor 1961 Stalinstadt) handelt es sich um amtliche Fortschreibungen der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik (bis 1989) und des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (ab 1990).

Einwohnerentwicklung von 1953 bis 2015 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner
1953 2.400
1955 15.157
1958 19.629
1960 24.372
1961 32.970
1965 38.138
1970 45.410
1975 47.414
1980 48.253
1985 48.810
1988 53.048
Jahr Einwohner
1990 50.216
1995 47.376
2000 41.493
2005 34.818
2006 33.914
2007 33.091
2008 32.214
2009 31.689
2010 31.132
2011 27.795
2012 27.410
Jahr Einwohner
2013 27.205
2014 27.444
2015 30.416

Gebietsstand des jeweiligen Jahres (ab 1995 jeweils 31. Dezember),[8][9] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Der starke Bevölkerungszuwachs im Jahr 2015 hängt mit der Aufnahme von Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung Eisenhüttenstadt zusammen.

Politik

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 37,5 %

 %3020100

29,1 %23,6 %15,4 %13,2 %9,5 %3,0 %2,5 %2,4 %1,5 %

SPDLinkeCDUBVFOAfDREPGrünePiratenFDP
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2008
 %p 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12

+1,6 %p
-11,2 %p+2,6 %p+0,6 %p+9,5 %p-1,4 %p± 0,0 %p+2,4 %p-3,9 %p
SPDLinkeCDUBVFOAfDREPGrünePiratenFDP
Stadtverordnetenversammlung
Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung
8

9

1

1

4

5

2

1
8 9 1 1 4 5 2 1 

Insgesamt 31 Sitze Linke: 8 SPD: 9 Grüne: 1 Piraten: 1 BVFO: 4 CDU: 5 AfD: 2 REP: 1

Rathaus, 2005
Elfgeschossige Wohnblocks

Die Stadtverordnetenversammlung (SVV) Eisenhüttenstadt besteht seit der Kommunalwahl am 28. September 2008 aus 32 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 errang bei einer Wahlbeteiligung von 37,5 Prozent (−4,8 Prozentpunkte im Vergleich zu 2008) die AfD Stimmen für drei Sitze, konnte allerdings nur zwei besetzen. Damit blieb ein Sitz unbesetzt und es ergab sich folgende Sitzverteilung:

SPD Die Linke CDU BVFO AfD B90/Grüne REP Piraten FDP Gesamt
2014 9 8 5 4 2 1 1 1 31
2008 9 11 4 4 1 1 2 32

Die Stadtverordneten von BVFO (Bürgervereinigung Fürstenberg/Oder), Bündnis 90/Die Grünen und Piraten bilden dabei eine gemeinsame Fraktion.[10]

Siehe auch: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Eisenhüttenstadt
Bürgermeister

Bürgermeister von Stalinstadt bzw. seit 1961 Eisenhüttenstadt:

1953–1956 Albert Wettengel (SED)
1956–1965 Max Richter (SED)
1965–1969 Siegfried Sommer (SED)
1969–1985 Werner Viertel (SED)
1985–1988 Manfred Sader (SED)
1988–1990 Ottokar Wundersee (SED)
1990–1993 Wolfgang Müller (CDU)
1993–2009 Rainer Werner (SPD)
2010–2018 Dagmar Püschel (Die Linke)
2018– Frank Balzer (SPD)

Frank Balzer (SPD) wurde in der Stichwahl am 8. Oktober 2017 mit 67,9 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren zum neuen Bürgermeister der Stadt gewählt.[11]

Wappen

Das Wappen wurde am 31. Januar 1992 genehmigt.

Blasonierung: „In goldenem Feld über drei blauen Wellenfäden in Rot rechts ein Hochhaus, links ein Hochofensystem überhöht von dem bandförmig blauen Teilumriss einer links gewandten Friedenstaube.“[12]

Eisenhüttenstadt führt seit 1973 ein Wappen, das von Johannes Hansky (1925–2004) entworfen wurde. Im Vordergrund werden ein rotes Hochhaus und daneben ein roter Hochofen dargestellt, die das metallurgische Zentrum symbolisieren. Darüber schwebt stilisiert eine Friedenstaube. Im Schildfuß symbolisieren drei blaue Wellen die Lage an der Oder.[13]

Städtepartnerschaften
Dimitrowgrad in Bulgarien
Drancy in Frankreich
Głogów (Glogau) in Polen
Saarlouis im Saarland, 1986 begründet, erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft
Kirchliche Einrichtungen

Die evangelische Friedensgemeinde Eisenhüttenstadt nutzte für Gottesdienste in Schönfließ zunächst einen Raum in einer Gaststätte. In der Neustadt waren zunächst ein sogenannter Evangeliumswagen, zwischenzeitlich ein Zelt und ab 1952 eine Baracke vorhanden. Für die geplanten Wohnsiedlungen, damals noch als Stalinstadt, waren seitens Walter Ulbricht keine kirchlichen Einrichtungen und insbesondere keine Kirchtürme vorgesehen. Das heutige evangelische Kirchengebäude und Gemeindezentrum in der Neustadt wurde nach 1976 erbaut und geht mit auf den langjährigen Einsatz des späteren Ehrenbürgers Pfarrer Heinz Bräuer zurück.[14]

Im Ortsteil Fürstenberg wurde die im Krieg stark zerstörte Nikolaikirche provisorisch aufgebaut und nach der Wende grundlegend saniert. Die neuapostolische Gemeinde in Eisenhüttenstadt hat eine Kirche im Stadtteil Fürstenberg.

Seit den 1920er Jahren gab es eine baptistische Gemeindearbeit, aus der 1990 die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde als selbstständige Gemeinde hervorging.[15]

Sehenswürdigkeiten und Kultur
„Bewahrende (Sich schützende Frau)“ von Robert Riehl

In der Liste der Baudenkmale in Eisenhüttenstadt und der Liste der Bodendenkmale in Eisenhüttenstadt stehen die vom Land Brandenburg unter Denkmalschutz gestellten Kulturdenkmale der Stadt.

Bauwerke
Sowjetisches Ehrenmal, 1952
Flächendenkmal Wohnstadt des Hüttenwerks (Größtes Flächendenkmal Deutschlands)
Großgaststätte Aktivist, 1953 erbaut und mittlerweile als Baudenkmal geführt.
Das Gebäude – im neoklassizistischen Zuckerbäckerstil – wurde in der Vergangenheit privatisiert und bis August 2010 für rund fünf Millionen Euro restauriert. Auf einem Teil der bisherigen Fläche konnte eine neue Gaststätte mit 100 Plätzen eingeweiht werden. Die verbleibende größere Fläche wurde in Büroräume umgebaut.[16]
Technisches Denkmal Zwillingsschachtschleuse (erbaut von 1925 bis 1929)
Geschichtsdenkmale
Sowjetisches Ehrenmal am Platz des Gedenkens für 4109 sowjetische Kriegsgefangene, die dort begraben sind
Gedenkanlage auf dem Friedhof des Ortsteils Fürstenberg an der Kastanienstraße für 101 Kriegsgefangene des Stammlagers
Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof am Kirchhofweg für die ermordete Fürstenberger jüdische Kaufmannsfamilie Fellert
Gedenktafel am Geburtshaus des erschossenen jüdischen Bürgers Siegfried Fellert und seiner Frau Emma in der Königstraße 61

Im Ortsteil Fürstenberg sind an der Königstraße 61 durch den Künstler Gunter Demnig Stolpersteine für Emma und Siegfried Fellert verlegt worden.[17][18]

Kultur- und Veranstaltungsorte
Friedrich-Wolf-Theater, 2005
Friedrich-Wolf-Theater (benannt nach Friedrich Wolf)
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Städtisches Museum und Galerie
Feuerwehrmuseum
Stadtbibliothek
Kulturzentrum
Club Hans Marchwitza
Evangelisches Gemeindezentrum Robert-Koch-Str.37
Freilichtbühne in den Diehloer Bergen
Inselhalle auf dem Inselvorplatz
Regelmäßige Veranstaltungen
Stadtfest (in der Regel am letzten Augustwochenende, 2007 mit 250.000 Besuchern)
Brückenfest im Stadtteil Fürstenberg/Oder (ausgesetzt)
Schönfließer Heimatfest im Stadtteil Schönfließ
Drachenbootrennen am Trockendock
Tanzwoche für Amateurtänzer, professionelles Tanztheater und Solokünstler
Musical Schneemann Snowys Abenteuer (im Dezember jeden Jahres im Friedrich-Wolf-Theater)
Musik

Vermutlich seiner Sperrigkeit wegen, die zahllose Assoziationen weckt und eines gewissen Rhythmus nicht entbehrt, existieren verschiedene Musiktitel mit dem Namen der Stadt:

2004: Mariachis feat. Ivo Lotion: Eisenhüttenstadt. Single mit vier Versionen. (Reggae)
2004: Der Plan: Die Verschwörung: Eisenhüttenstadt. (Pop)
2004: Dirk Michaelis: Eisenhüttenstadt
2005: Aki Takase, Alex von Schlippenbach & DJ Illvibe: LOK 03: Eisenhüttenstadt. (Jazz)
2006: Theodore Angst: Eisenhüttenstadt. (Rock)
2013: Sven Helbig: Eisenhüttenstadt
In Eisenhüttenstadt gedrehte Filme
1963: Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen (Kinderfilm, Regie: Rolf Losansky; mit Lieselott Baumgarten und Fred Delmare)
1963: Ofenbauer (Dokumentarfilm, Regie: Jürgen Böttcher)
1963: Silvester am Hochofen (Dokumentarfilm, Regie: Jürgen Böttcher)
1967: Die gefrorenen Blitze (Spionagefilm der DEFA, Regie: János Veiczi)
1992: Eisenzeit (Dokumentarfilm, Regie: Thomas Heise)
2000: Ein halbes Jahrhundert (Dokumentarfilm, vds, Regie: Tilo Schönherr)
2005: Das Schwalbennest (Fernsehfilm, Regie: Maris Pfeiffer)
2006: Hüttenstadt (Dokumentarfilm, Regie: Johanna Ickert)
2007: Lunik – Der Film (Spielfilm, Regie: Gilbert Beronneau)
2007: Monomanie (Thriller, Regie: Maik Richter)
2010: 60 Jahre Stadt und Werk (Dokumentarfilm, vds, Regie: Tilo Schönherr)
2012: Teratrom (Horrorfilm, Regie: Maik Richter)
2017: Das schweigende Klassenzimmer (Spielfilm, Regie: Lars Kraume)
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Blick von der Lindenallee zum Hochofen Va des Hauptarbeitgebers der Stadt, 2012

Am 18. August 1950 gab der Minister für Industrie der DDR, Fritz Selbmann, mit den ersten Axtschlägen zum Fällen einer Kiefer den Start frei für den Bau des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO).

Die Wirtschaft in Eisenhüttenstadt wird heute von der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH dominiert. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist ein integriertes Hüttenwerk und gehört zu ArcelorMittal, dem weltweit größten Stahlkonzern. Das aus dem VEB Eisenhüttenkombinat Ost bzw. der EKO Stahl GmbH hervorgegangene Unternehmen ist gegenwärtig das größte in Brandenburg.

Die kanadische 5N Plus eröffnete 2008 ein Werk in Eisenhüttenstadt.

Seit dem Frühjahr 2011 produziert die Firma Progroup AG, Wellpappen-Rohpapiere für die Verpackungsindustrie in Europa. Im Zuge der Ansiedelung der neuen Papierfabrik wurden auf dem Gelände ein neues Heizkraftwerk von der Firma EnBW Propower GmbH sowie eine neue Kläranlage des örtlichen Trink- und Abwasserzweckverbandes in Betrieb genommen.

Verkehr
Straßenverkehr

Eisenhüttenstadt wird von der Bundesstraße 112 durchquert, die aufgrund des Ausbaus der Neiße-Trasse seit 2015 eine schnelle Verbindung nach Frankfurt(Oder) ermöglicht. In der Stadt beginnt die Bundesstraße 246 nach Beeskow. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Frankfurt (Oder)-Mitte an der A 12.

Zwar liegt Eisenhüttenstadt direkt an der polnischen Grenze, hat aber keinen direkten Grenzübergang. Die nächsten Grenzübergänge befinden sich in Coschen (15 km), Frankfurt(Oder) (25 km) und in Guben (30 km).

Schienenverkehr

Der Bahnhof Eisenhüttenstadt liegt an der Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Cottbus und befindet sich im Stadtteil Fürstenberg. Stündlich gibt es Verbindungen der RB11 nach Cottbus bzw. Frankfurt(Oder), seltener auch direkte Verbindungen des RE1 nach Brandenburg Hbf bzw. Magdeburg Hbf.

Linie Verlauf Takt Fahrzeuge
RB 11 Frankfurt(Oder) – Eisenhüttenstadt – Neuzelle – Guben – Peitz Ost – Cottbus-Sandow – Cottbus Stündlich BR 442
RE 1 (Cottbus – Eisenhüttenstadt) – Frankfurt(Oder) – Berlin Hbf – Brandenburg – Magdeburg Stündlich (Mo-Fr);

Früh-/Abendstunden (Sa/So)

BR 182 + 5 mod. DoSto

Sonstiger Verkehr

Eisenhüttenstadt liegt an einer Bundeswasserstraße der Ausbauklasse III, der Oder-Spree-Kanal mündet hier in die Oder. Auf dem Wasserweg sind die Küsten der Nord- und Ostsee sowie viele europäische Metropolen zu erreichen. Die Stadt verfügt über mehrere Binnenhäfen mit Bahnanschluss und Straßenanbindung.

Der nächstgelegene Flughafen ist Berlin-Schönefeld. Ein Verkehrslandeplatz liegt am Nordwestrand der Stadt im zur Gemeinde Siehdichum gehörenden Pohlitz.

Bildung

Heute existieren in Eisenhüttenstadt fünf Grundschulen, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und ein Gymnasium. Weiterhin gibt es ein Oberstufenzentrum mit angeschlossenem beruflichem Gymnasium, drei berufliche Schulen und Fachoberschulen, zwei Förderschulen und zwei weitere Weiterbildungseinrichtungen. Träger der Schulen sind die Stadt Eisenhüttenstadt, der Landkreis Oder-Spree und private Träger.

Albert-Schweitzer-Gymnasium

1991 entstand das durch den Stadtkreis Eisenhüttenstadt getragene Gymnasium als Städtisches Gymnasium Eisenhüttenstadt. Mit Neubildung des Landkreises Oder-Spree wechselte 1993 die Trägerschaft. Am 30. Oktober 1996 erhielt die Schule den Namen Albert-Schweitzer-Gymnasium. Die Namensgebung erfolgte im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und des Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.
Seit Mai 2009 kann auf dem Schulgelände eine Albert-Schweitzer-Ausstellung besichtigt werden, die eine Dauerleihgabe des Niederlausitzer Albert-Schweitzer-Freundeskreises ist.

Oberstufenzentrum Oder-Spree

Das Oberstufenzentrum Oder-Spree mit über 3500 Auszubildenden und Schülern ist die größte Bildungseinrichtung im Landkreis Oder-Spree und betreibt den Außenstandort Gottfried-Wilhelm-Leibnitz in der Waldstraße 10. Die Einrichtung vereint Bildungsgänge der Berufsschule, der Berufsfachschule, der Fachoberschule und des beruflichen Gymnasiums. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Bildungs- und Erziehungsarbeit ist die Pflege vielfältiger internationaler Beziehungen mit Partnerschulen unter anderem in Japan, Schweden, Frankreich, Holland, Dänemark und Polen.
Die Schule fusionierte 2012 mit dem OSZ Palmnicken in Fürstenwalde/Spree, wo die Schulleitung und das Sekretariat ihren Sitz haben.

Medien

In Eisenhüttenstadt erscheint als tägliche Regionalzeitung die Märkische Oderzeitung mit einem eigenen Lokalteil. Daneben werden die Anzeigenblätter Märkischer Markt, Märkischer Sonntag und Der Oderland-Spiegel herausgegeben.

Außerdem wird in der Stadt mit dem Oder-Spree-Fernsehen (OSF) ein lokales Fernsehprogramm produziert, das in Eisenhüttenstadt, Neuzelle und Beeskow über Kabel zu empfangen ist.

Sport

In den Sportanlagen Wallstraße befindet sich das Stadion der Hüttenwerker.

Mit dem Eisenhüttenstädter FC Stahl, dem FSV Dynamo Eisenhüttenstadt, der SG Aufbau Eisenhüttenstadt und dem 1. FC Fürstenberg stellte die Stadt bis zum 30. Juni 2016 vier Vereine im Bereich Fußball. Diese waren von der Brandenburg-Liga bis zur Kreisliga vertreten. Zum 1. Juli 2016 fusionierten der Eisenhüttenstädter FC Stahl, die SG Aufbau Eisenhüttenstadt und der 1.FC Fürstenberg und starteten als FC Eisenhüttenstadt den Spielbetrieb auf der 6. Spielebene (Brandenburg-Liga), der sie auch in der Saison 2017/2018 angehören.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Heinz Bräuer (1916–2007), erster Pfarrer von Stalinstadt 1953 bis 1983 (1993–2007)
Söhne und Töchter der Stadt

Bernhard Lösener (1890–1952), nationalsozialistischer Jurist
Oskar Haidinger (1908–1987), Jurist und Bundesrichter
Manfred Sader (1936–2009), Oberbürgermeister von Eisenhüttenstadt, in Schönfließ geboren
Udo Beyer (* 1955), Kugelstoßer, Olympiasieger 1976
Friedrich Liechtenstein (* 1956), Musiker und Entertainer
Hans-Georg Beyer (* 1956), Handballspieler, Olympiasieger 1980
Detlef Gerstenberg (1957–1993), Leichtathlet
Frank Schaffer (* 1958), Leichtathlet
Katharina Bullin (* 1959), Volleyballspielerin
Gisela Beyer (* 1960), Leichtathletin
Hendrik Reiher (* 1962), Ruderer
Thomas Sonnenburg (* 1963), Sozialpädagoge
Ute Langenau (* 1966), Volleyballspielerin
Torsten Gutsche (* 1968), Kanute, Olympiasieger 1992 und 1996
Sven Helbig (* 1968), Produzent, Musiker
Kathrin Boron (* 1969), Ruderin, mehrfache Olympiasiegerin
Sören Lausberg (* 1969), Radrennfahrer
Paul van Dyk (* 1971), DJ, Komponist und Musikproduzent
Sebastian Nakajew (* 1976), Schauspieler
Susann Engert (* 1978), Politikerin (SPD)
Clemens Rostock (* 1984), Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)
Amadeus Wallschläger (* 1985), Fußballspieler
Roger Kluge (* 1986), Radrennfahrer
Florian Müller (* 1986), Fußballspieler
Pia Kästner (* 1998), Volleyballspielerin

Mit Eisenhüttenstadt verbundene Persönlichkeiten
Johannes Hansky (1925–2004), sorbischer Maler, Grafiker und Schöpfer des Stadtwappens, lebte lange Zeit in Eisenhüttenstadt
Rudolf Bahro (1935–1997), DDR-Regimekritiker, verbrachte seine Schulzeit in der Stadt
Tamara Bunke (1937–1967), Mitkämpferin Che Guevaras in Bolivien, legte in Eisenhüttenstadt ihr Abitur ab
Rolf Henrich (* 1944), Erstunterzeichner des Gründungsaufrufs des Neuen Forums, lebt in Eisenhüttenstadt
Sabine Rennefanz (* 1974), Journalistin und Autorin, wuchs in Eisenhüttenstadt auf
Literatur
Eisenhüttenstadt und seine Umgebung (= Werte unserer Heimat. Band 45). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1986.
Rosmarie Beier (Hrsg.): aufbau west – aufbau ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt in der Nachkriegszeit. Wissenschaftlicher Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Stuttgart 1997.
Jascha Philipp Braun: „Die erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden“ – Architektur und Städtebau der DDR der fünfziger Jahre am Beispiel von Stalinstadt, Magisterarbeit, Humboldt-Universität zu Berlin 2010.
Andreas Ludwig: Eisenhüttenstadt. Wandel einer industriellen Gründungsstadt in fünfzig Jahren, Brandenburger historische Hefte Nr. 14, Potsdam: Landeszentrale für politische Bildung 2000, ISBN 3-932502-24-8
Eisenhüttenstadt. Einst und Jetzt. Culturcon/Märkische Oderzeitung. 2010. ISBN 978-3-941092-39-6
Weblinks
 Commons: Eisenhüttenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Eisenhüttenstadt.de, die offizielle Internetseite der Stadt
Wolfgang Kil: Das schwierige Denkmal. 50-jährige Altstadt sucht neue Bewohner, in: Freitag, H. 01/2008
Linkkatalog zum Thema Eisenhüttenstadt bei curlie.org (ehemals DMOZ)