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Geschichte

Bereits in der Jungsteinzeit (4500–1800 v. Chr.) war die Stelle besiedelt, ebenso in der Frühen Eisenzeit (700–450 v. Chr.) und der Späten Eisenzeit (450–15 v. Chr.), wie durch zahlreiche Funde belegt ist. Auch in der Römerzeit gab es eine Ansiedlung, und im Jahre 1909 wurde ein ganzes fränkisches Gräberfeld entdeckt. So war die Stelle, an der heute Erbes-Büdesheim gelegen ist, schon lange Zeiten hindurch – wahrscheinlich mit Unterbrechungen – besiedelt.

Zum ersten Mal wurde das Dorf Anfang Januar 767 im Lorscher Codex erwähnt.[2] Der dort genannte Egilolf war auch in anderen Orten Rheinhessens begütert. In diesem Falle tauschte er seinen Besitz von 10 Joch Ackerland und erhielt von dem Kloster Lorsch ein Pferd. Da aber im damaligen Wormsgau drei Büdesheim lagen, so läßt sich nicht immer genau bestimmen,…[3]

Die Michaels-Kirche ist zwischen 767 und 768 erwähnt worden.[4] Adulf schenkte eine Basilika, welche zu Ehren des Hl. Michael errichtet ist… und in der Gemarkung Bornheim bei Alzey zwei Weinberge und einen Wald.

Rund 37 Klöster und Adlige hatten im Laufe der folgenden Jahrhunderte im Dorf Grundbesitz, übten also die Grundherrschaft aus. Die Geschichte der Ortsherrschaft, d. h. die Geschichte derer, die den Ort regierten, ist recht kompliziert. Erbes-Büdesheim gehörte als Dorf insgesamt ursprünglich um 1275 zur Grafschaft Leiningen, ab 1350 zu der Vorderen und Hinteren Grafschaft Sponheim, deren Hauptbesitz im Hunsrück lag, und nach deren Aussterben 1437 zu deren Erben: zur Grafschaft Veldenz, zur Markgrafschaft Baden und zur Kurpfalz. Von 1559 bis 1598 und von 1611 bis 1673 zählte es zu Pfalz-Simmern, einer Nebenlinie der Kurpfalz mit Regierungssitz in Simmern, und ab 1673 ganz zur Kurpfalz.

Zu den Besonderheiten des Ortes gehören die uralten Steinkreuze an der Offenheimer und der Nacker Straße, der einstige See im Ostteil der Gemarkung, auf den heute noch Flurnamen hinweisen, der Eicherwald im Nordwesten und seiner sehr altertümlichen Parzelleneinteilung, das Quecksilber-Bergwerk im äußersten Nordwesten unterhalb des Eicherwaldes und der Galgen im Osten an der Heimersheimer Gemarkungsgrenze.

Das Dorf selbst war zum Schutz vor räuberischen Überfällen seit dem Spätmittelalter mit einer Dorfmauer umgeben, der ein mit Wasser gefüllter Graben und ein mit Rüstern bewachsener Erdwall vorgelagert waren. Das Obertor im Süden und der Untertor im Norden schlossen den Ort ab.

Besondere Aufmerksamkeit erregt Erbes-Büdesheim allein schon dadurch, dass es zwei Burgen besaß, das Weiße Schloss im Süden und die Blaue Burg im Nordwesten.

Das Weiße Schloss im Süden mit seinen bis heute 32 Besitzern, wurde bereits vor 1354 erbaut und damals bewohnt von dem aus Fürfeld stammenden Ritter Dietz Birkenfelder, danach lange Zeit von der Familie der Herren von Morsheim (= Morschheim).
Die Blaue Burg im Nordwesten zwischen dem Ende der Pankratiushofstraße und der Grabengasse, von der heute nur noch zwei Turmtorsos vorhanden sind, wurde vor 1488 errichtet und sehr wahrscheinlich 1504 im Pfälzisch-Bayerischen Erbfolgekrieg zerstört. Die Gewann Das blaue Schloss am Westende der Niedergasse gehörte sozusagen als Burgzwinger zu der Blauen Burg. Im Bereich dieses Blauen Schlosses gab es 1590 ein Gefängnis, das zuvor 1533–1560 als Stock bezeichnet wurde.

Die Untere Kirchgasse wurde auch Hundsgasse genannt, nach dem Hundo, einem Gefängnisbeamten, der den im Westen des Dorfes Inhaftierten eben durch die Hundsgasse hindurch zum Galgen im Osten des Dorfes begleitet haben mochte. Um Erbes-Büdesheim herum lagen drei untergegangene Dörfchen, deren Gemarkungen später in der Erbes-Büdesheimer Gemarkung aufgegangen sind. Aulheim im Norden, Eyche im Nordwesten und Riede (auch Rode genannt) im Westen. Aulheim besaß eine Nikolauskapelle und zwei heute noch existierende Mühlen, Eyche eine Kirche, in der die Katholiken von Nack im Mittelalter eingepfarrt waren, die also vom Eycher Priester seelsorgerisch betreut wurden, und von Riede kennt man noch die Namen von Gebäuden, Grundstücken und sogar von zwei Einwohnern.

Das Dorf Nack selbst wird 1304 erstmals urkundlich erwähnt. Es besaß zwei bekannte Höfe, den Antoniterhof (auch Thöngeshof, Pfalzhof genannt) und den Hunolsteiner Hof, der dem Vogt von Hunolstein gehörte und eine abgesteinte Mark bildete, also nicht der Nacker Obrigkeit unterstand. Im Südwesten des Dorfes lag das Quecksilber-Bergwerk Karlsgrube (auch Karlsglück genannt), in dem im Jahre 1774 noch 355 Pfund Quecksilber gewonnen wurden. Obwohl Nack bis 1821 als Teil Erbes-Büdesheims galt und erst 1822 politisch selbständig wurde und Bürgermeister erhielt, besaß der Ort doch bereits im 18. Jahrhundert Schultheißen.

Erbes-Büdesheim hat wie die meisten rheinhessischen Dörfer zahlreiche Nöte und viel Leid, aber auch manches Lichtvolle und Bemerkenswerte erfahren. Im Pfälzisch-Bayerischen Erbfolgekrieg 1504/1505 ist es teilweise abgebrannt, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde es wahrscheinlich vollkommen entvölkert. Nach dem großen Krieg zogen dann, durch die Bevölkerungspolitik des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz gefördert, viele reformierte, aber auch katholische Ausländer aus den Gebieten der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und dem Niederrheingebiet hierher.

Durch seine allgemeine Lage und besondere Vergangenheit von den Nachbardörfern abgehoben, wurde es zum Sitz einer Unterabteilung des Oberamtes Alzey, erklärt. Was das Schulwesen betrifft, gab es bereits im 16. Jahrhundert einen evangelischen Lehrer im Ort, dem dann ab dem 18. Jahrhundert ein katholischer Lehrer zur Seite trat. Während in den evangelischen Schulen im 19. Jahrhundert innerhalb von 80 Jahren nur drei Lehrer wirkten, erlebte die katholische Schule mit 21 verschiedenen Lehrern in gleicher Zeitspanne einen recht häufigen Wechsel. Ab 1934 löste eine christl. Simultanschule die bis dahin getrennten Konfessionsschulen ab. Sie wurde 1954 unter Hauptlehrer Böhler in Dienst gestellt.

Ab 1950

Die Gemeinde Erbes-Büdesheim hat sich wie viele Gemeinden in Rheinhessen seit den 1950er Jahren sowohl in ihrer Struktur als auch im Aussehen stark verändert. War der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre noch stark landwirtschaftlich geprägt, überwiegt heute der Wohncharakter. Gab es in den Fünfzigern rund 50 selbstständige landwirtschaftliche Betriebe, so sind heute nur noch drei Vollerwerbsbetriebe und einige Nebenerwerbsbetriebe vorhanden.

Aushängeschild der Landwirtschaft war die Staatsdomäne sowohl vor als auch nach den beiden Weltkriegen. Noch 1950 arbeiteten rund 60 Personen in diesem Musterbetrieb, der Vorbild für viele landwirtschaftliche Betriebe war und an dessen Arbeitsweise sich die Bauern in der Umgebung orientierten. Saatzucht, Schweine- und Rinderzucht, Milchwirtschaft und auch eine Brennerei zeigten die Vielfältigkeit des „Schlossgutes“, wie es auch im Volksmund genannt wurde.

Zehn Pferdegespanne und zwei Ochsengespanne leisteten einen wesentlichen Teil der Feldarbeit. Die Arbeitszeit für die Beschäftigten war von montags bis samstags von 7 bis 11 Uhr und von 13 bis 19 Uhr festgelegt. Eine Besonderheit auch für die damalige Zeit war das Treffen der Arbeiter an der katholischen Kirche (Katzenpumpe) und der gemeinsame Gang zu ihrer Arbeitsstelle. Die landwirtschaftlichen Facharbeiter bekamen neben ihrem Lohn jedes Jahr ein Deputat von 30 Zentnern Kartoffeln, fünf Sack Getreide, zwei Ferkel, fünf Zentner Stroh, 40 Mark Prämie und ein Ar Klee.

Die Staatsdomäne wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst von Erwin Römer und nach seinem Tod von seiner Ehefrau Nelly und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Carl-Heinrich Roemer geleitet. Danach war Adolf Hartmann und ab 1965 Joachim Hechler Pächter. Fast 50 Jahre – von 1904 bis 1950 – war Josef Huckle Verwalter in der Domäne. Das Land Rheinland-Pfalz verkaufte 1996 die Staatsdomäne und damit ging die stolze Geschichte eines landwirtschaftlichen Musterbetriebes zu Ende.

Sowohl die Ackerflächen als auch die Weinbergsflächen mit 47 ha wurden umgelegt. Viel Arbeit hatten in dieser Zeit der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Ernst Hirschel und die Rechnerin Emma Huckle zu leisten. Weitsichtig war die Entscheidung, 37 laufende Kilometer Windschutzstreifen anzulegen, die heute die Gemarkung, aber insbesondere auch das Kleinklima prägen. Wegen der Besonderheit dieser Anlage in Rheinhessen wurde das Projekt bei der Grünen Woche 1992 in Berlin vorgestellt. Eine weitere zukunftsweisende Entscheidung im Zuge der Flurbereinigung war der Bau der Umgehungsstraße in den Jahren 1960 und 1961. Zehn Hektar Ackerfläche wurde hierfür zur Verfügung gestellt. 1954 konnte das neue Schulgebäude an der Nacker Straße eingeweiht werden. Damit wurde die unbefriedigende Situation der verschiedenen Standorte gelöst. Entscheidend war hieran Heinrich Böhler beteiligt, der mehr als 40 Jahre die Schullandschaft in Erbes-Büdesheim maßgeblich geprägt hat.

In der Amtszeit von Bürgermeister Christian Wilhelm Lawall erhielt Erbes-Büdesheim als eine der letzten Gemeinden in Rheinhessen ab 1963 eine öffentliche Wasserversorgung, und auch im Verhältnis spät wurde 1992 die Gemeinde kanalisiert.

Josef Seitner prägte das Wirtschaftsleben in der Gemeinde ganz entscheidend. Als Mann der ersten Stunde nach dem Zweiten Weltkrieg begann er mit der Produktion von Bims- und Hohlblocksteinen und einem Baustoffgroßhandel. Danach begab er sich auf das damals noch neue Gebiet des Fertigbetons. Auch in der Kunststoffbearbeitung zeigte er erfolgreich seine Vielseitigkeit. Zahlreichen Erbes-Büdesheimern konnte er wohnortnahe Arbeitsplätze bieten.

Religionen

Die Michaelskirche von Erbes-Büdesheim hieß 1431 Bartholomäuskirche. Durch die Reformation, die seinerzeit große Teile des heutigen Deutschlands erfasste, wurde das Dorf um 1559 herum geschlossen evangelisch, zuerst lutherisch, dann ab 1598 reformiert. Kirche, Pfarrhaus und Schule gehörten damit der evangelischen Gemeinde. Erst infolge des Dreißigjährigen Krieges und in der Zeit der neuen Bevölkerungsansiedlung nach diesem Krieg seit 1648 zogen nicht nur Evangelische, sondern auch wieder Katholiken ins Dorf. Die römisch-katholische Gemeinde wurde erst 1686 durch den Pfarrer Christoph Lautenbach neu gegründet. Infolge der Pfälzer Kirchenteilung von 1706 ging die vorhandene Kirche samt Pfarrhaus und Schule in den Besitz der katholischen Gemeinde über. Da sie sich jedoch bald als baufällig erwies, musste zum Bau der neuen katholischen Kirche geschritten werden, der von 1736 bis 1745 durch den bekannten Baumeister Caspar Valerius erfolgte. Die reformierte Gemeinde hielt ihre Gottesdienste von 1707 bis 1734 im Rathaus, während ihre Kirche 1734–1735 unter dem Ensheimer Pfarrer Johann Christoph Steymann errichtet wurde. Da der evangelische Pfarrer seit 1697 nicht mehr in Erbes-Büdesheim wohnen konnte, zog er nach Ensheim und betreute die evangelische Gemeinde Erbes-Büdesheim mit Nack von Ensheim aus, so dass zwischen Erbes-Büdesheim und Ensheim damals eine – inzwischen fast vergessene – feste Beziehung entstand, zu mindestens im evangelisch-kirchlichen Bereich.

Es gab 1701–1748 eine kleine Mennonitengemeinde in Erbes-Büdesheim, die ihre Gottesdienste im Weißen Schloss hielt, ein Zeichen der ökumenischen, toleranten Haltung der damaligen reformierten Schlossbesitzerfamilien von Rochow (bis 1729) und de la Roche (1729–1788), einer Hugenottenfamilie.

Ebenso besaß Erbes-Büdesheim auch eine kleine jüdische Gemeinde, und zwar wohl bereits im 16. Jahrhundert. Diese hatte im 18. Jahrhundert einen kleinen Friedhof im südlichen Teil des Blauen Schlosses und seit 1840 einen neuen Friedhof im Nordosten des Dorfes. Auch ein Synagogenraum war in der Niedergasse vorhanden.

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat in Erbes-Büdesheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl CDU FWG Gesamt
2014 7 9 16 Sitze
2009 10 6 16 Sitze
2004 10 6 16 Sitze

FWG = Freie Wählergruppe Erbes-Büdesheim e. V.
Bürgermeister

Josef Seitner (CDU), 1979 bis 1979
Heinz-Hermann Schnabel (CDU), 1979 bis 1984 und 1999 bis 2014[6]
Ludwig Jakobs (CDU), 1984 bis 1999
Karl-Heinrich Sailler (FWG) 2014 bis 2016
Karlheinz Tovar (FWG) seit 2016
Gemeindepartnerschaft
Partnerschaft mit Maurepas-Leforest (Département de la Somme, Frankreich)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Rheinhessisches Postmuseum im ehemaligen Postamt im Erdgeschoss des Rathauses
Kultur- und Naturdenkmale
Liste der Kulturdenkmäler in Erbes-Büdesheim
Liste der Naturdenkmale in Erbes-Büdesheim
Sport
Kneippbecken am Weedeplatz, gehört zum Kneipp-Napoleonwanderweg
Schützenverein Erbes-Büdesheim
1. Taekwondo-Club Erbes-Büdesheim
TuS 1882 Erbes-Büdesheim e. V.
PSC Erbes-Büdesheim (Pferdesport Club/Reitanlage Eidam&Partner)
Regelmäßige Veranstaltungen
Wallfahrt zu Ehren des Johannes Nepomuk, Sonntag vor oder nach dem Fest (16. Mai).[7]
Kerb am vorletzten Wochenende im August
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
Raiffeisenkasse Erbes-Büdesheim und Umgebung eG
SELIT Dämmtechnik GmbH
SELIT-TEC Dämmsysteme GmbH
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Ortsgemeinde
Georg Wendel (* 30. März 1892 Erbes-Büdesheim), Hauptlehrer in Monzernheim, Heimatforscher
Marie-Luise Neunecker, (* 1955), Musikerin, Hornistin
Nikolaus Rüdinger, (1832–1896), Universitätsprofessor, Anatom
Heinz-Hermann Schnabel, (* 1945), Politiker (CDU), Bürgermeister, MdL, Vizepräsident des Landtages von Rheinland-Pfalz seit 2006
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Vitus Wurmdobler (* 1945), Restaurator
Damaris Wurmdobler (* 1949), Künstlerin
Literatur
Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 130–134
Literatur über Erbes-Büdesheim in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
Weblinks
 Commons: Erbes-Büdesheim – Sammlung von Bildern
Erbes-Büdesheim
Webseite zu Ortsgeschichte