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Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert

Forchtenberg geht auf den einst nordwestlich des Ortes gelegenen Ort Wülfingen zurück, der schon vorgeschichtlich besiedelt war und 771 erstmals Erwähnung fand. Wülfingen war 1042 Sitz eines Kochergau-Grafen und kam 1210 an die Herren von Dürn, die auf dem Bergsporn südöstlich von Wülfingen eine Burg erbauten. Der Name Forchtenberg ist aus der Umschreibung „vor dem Berg“ entstanden. Die Burg Forchtenberg war unter Konrad von Dürn im Jahr 1234 vollendet. Vermutlich zur selben Zeit wurde die befestigte Stadt Forchtenberg am Fuße der Burg angelegt, die 1298 erstmals urkundlich erwähnt wurde und zu deren Gunsten Wülfingen aufgegeben wurde.

Hohenlohisches Wappen am Backhaus in Forchtenberg
Blick auf Forchtenberg vom Ufer des Kochers

Mit dem Aussterben der Grafen von Dürn fielen Burg und Stadt im frühen 14. Jahrhundert an die Herren von Hohenlohe-Weikersheim. Die Burg wurde Residenz Ulrichs, des Sohnes Krafts III., der jedoch 1399 seinen Besitz verpfänden musste. Die Witwe Albrechts I. löste 1438 das Pfand aus und erhielt die Burg als Witwensitz. Später war die Burg Sitz eines hohenlohischen Amtmannes und wurde im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört.

Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses fielen die hohenlohischen Lande, die zwischen 1500 und 1806 zum Fränkischen Reichskreis gehörten, im Jahre 1806 an das Königreich Württemberg. Forchtenberg wurde dabei dem Oberamt Öhringen (ab 1938 Landkreis Öhringen) zugeordnet.

20. Jahrhundert

Am 22. Juni 1924 erhielt der Ort mit der Kochertalbahn einen Bahnanschluss nach Waldenburg, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte.

Im März 1945 sprengte ein Wehrmachtkommando trotz des Protestes der Einwohner sowohl die Kupfer- als auch die Kocherbrücke. Im April zerstörten in drei Tagen Artilleriebeschuss und Luftangriffe der Amerikaner wenigstens ein Drittel der Gebäude. Daraufhin zogen amerikanische Truppen gegen geringem Widerstand am 11. April 1945 durch Forchtenberg, wodurch der Zweite Weltkrieg in Forchtenberg zu Ende war. Ehemalige Zwangsarbeiter plünderten die Stadt in den darauffolgenden Tagen. Einer „stalinistischen Machtübernahme“ Ende April setzte am 5. Juni 1945 die amerikanische Militärregierung durch die Verhaftung der Verantwortlichen ein Ende.[4]

Mit der Kreisreform kam der Ort am 1. Januar 1973 zum neuen Hohenlohekreis. 1981 wurde der Personenverkehr auf der Kochertalbahn eingestellt.

Gemeindereform

Am 1. Dezember 1971 wurde Wohlmuthausen nach Forchtenberg eingemeindet. Am 1. Januar 1972 schlossen sich die Städte Forchtenberg und Sindringen mit den Gemeinden Ernsbach und Muthof zur neuen Stadt Forchtenberg zusammen.[5]

Wappen der früheren Gemeinden

Wohlmuthausen Sindringen Ernsbach

Politik
Das Forchtenberger Rathaus, Geburtshaus von Sophie Scholl
Bürgermeister
Um 1810 Schultheiß Haag
Um 1820–1837 von Olnhausen
1837–1847 Schall (Notar)
1847–1860 Ludwig Blanck
1860–1872 Walther (Notar)
1872–1876 Karl Krauß
1876–1892 Karl Böhringer
1892–1900 Paul Hüzel
1900–1906 Christian Wirth
1906–1919 Hermann Hörer
1919–1930 Robert Scholl
1930–1933 Friedrich Kramer
1933–1936 Eugen Maurer
1936–1945 Adolf Hebeiß (von 1942 bis 1945 wegen Kriegsdienst vertreten durch Amtsverweser Richard Leitlein)
1946–1948 Wilhelm Wolf
1948–1948 Friedrich Haag
1948–1966 Adolf Hebeiß
1966–2004 Martin Tuffentsammer
2004–2016 Uwe Gysin
ab Mai 2016: Michael Foss
Gemeinderat

In Forchtenberg wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Forchtenberg hat nach der letzten Wahl 19 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,18 %. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Unabhängige Wählervereinigung 51,62 % 10 Sitze
Freie Wählervereinigung 42,94 % 8 Sitze
Bürgerstimme 5,44 % 1 Sitz

Wappen und Flagge

Die Blasonierung des Forchtenberger Wappens lautet: In Rot der stehende, golden nimbierte und silbern gerüstete Erzengel Michael mit goldenem Kreuzspeer den Rachen des silbernen Lindwurms durchbohrend. Die Stadtflagge ist Weiß-Rot.

Die Stadt Forchtenberg griff nach ihrer Neubildung 1972 im Wesentlichen das alte Forchtenberger Wappen auf, das in Siegeln seit 1516 nachzuweisen ist. Der Speer des Erzengels Michael wurde in Erinnerung an das goldene Kreuz im ehemaligen Wappen des Stadtteils Sindringen in einen goldenen Kreuzspeer verändert. Die Farben Rot und Weiß sind Wappenfarben sowohl von Hohenlohe als auch von Weinsberg und Schöntal und haben damit einen Bezug zu allen ehemaligen, in der Stadt Forchtenberg aufgegangen Gemeinde. Wappen und Flagge wurden der Stadt am 7. Juni 1978 vom Landratsamt des Hohenlohekreises verliehen.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Forchtenberg, „Neues Tor“ oder auch „Rappentor“
Forchtenberg, Hafenmarktgasse Nr. 29, Geburtshaus Leonhard Kerns
Würzburger Tor, nördlicher Zugang zur Altstadt

Forchtenbergs mittelalterliche Altstadt verfügt über zahlreiche Fachwerkbauten sowie eine teilweise erhaltene oder wiederaufgebaute Stadtmauer mit Wehrgang und mehreren Türmen oder Torbauten, darunter der zur Stadt hin offene Bürgerturm und das Würzburger Tor im Norden sowie der Diebsturm, ein Turm der Stadtbefestigung im Süden.[7] Im historischen Stadtkern, der als Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht,[8] befinden sich u. a. die um 1300 erbaute und 1587 erneuerte Stadtkirche, das Rathaus (Geburtshaus von Sophie Scholl), das Backhaus mit der Turmuhr Forchtenberg und das um 1470 erbaute Kernhaus, das Wohnhaus der 1691 ausgestorbenen Künstlerfamilie Kern. Unter dem Stadtkern befindet sich das ehemalige Gipsbergwerk.

Hohenlohe-Wappen am Würzburger Tor

Bürgerturm

Stadtmauer mit Diebsturm

Backhaus

Stadtbrunnen

Ruine Forchtenberg

Oberhalb der Altstadt erhebt sich die Ruine Forchtenberg. Die einstige Burg wurde bis 1234 unter Konrad von Dürn errichtet, war dann Residenz und Witwensitz der Herren von Hohenlohe-Weikersheim und später Sitz hohenlohischer Amtmänner. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört, der erhalten gebliebene große Gewölbekeller wurde jedoch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert und weiterhin zur Einlagerung des Weinzehnten genutzt. Die Anlage war dann ab 1850 in Privatbesitz und verkam. Nach ersten privaten Erhaltungsbestrebungen ab den 1930er Jahren erwarb die Stadt Forchtenberg 1989 die Anlage, führt dort seitdem Erhaltungsmaßnahmen durch und nutzt das Gelände für Veranstaltungen.

Nordwestlich von Forchtenberg, auf der gegenüberliegenden Seite des Kochers, befindet sich im Friedhof die historische Michaelskirche, die einst die Kirche des abgegangenen Ortes Wülfingen und Urkirche für das umliegende Kochertal war. Ein Vorgängerbauwerk der heutigen Friedhofskirche, die in ihrem Inneren Fresken des 14. Jahrhunderts enthält, bestand möglicherweise schon lange vor ersten Erwähnung Wülfingens im Jahr 779. Am nördlichen Kocherufer liegt außerdem das barocke Teehaus.

Die gesamte Altstadt, die Ruine und die Friedhofskirche sind unter Denkmalschutz gestellt worden. Der Hans-und-Sophie-Scholl-Pfad führt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Plätzen, die mit den Geschwistern Scholl in Verbindung stehen.

Ruine Forchtenberg, Turm

Ruine Forchtenberg, Keller

Friedhofskirche Wülfingen

Gedenkstätten

Am Rathaus Hauptstraße 14 erinnert seit 1969 eine Gedenktafel an die christlichen Kämpfer gegen die NS-Diktatur Hans und Sophie Scholl, die als Mitglieder der „Weißen Rose“ 1943 in München ermordet wurden.[9]

Regelmäßige Veranstaltungen
Wehr des Kochers mit der Mühle und dem Wasserwerk Leitlein im Hintergrund

Jeden Mai findet im Stadtteil Sindringen ein großer Töpfermarkt mit Anbietern aus ganz Europa statt. Die Forchtenberger Schlossruine wird jährlich Mitte Juli für das christliche Open-Air-Festival Rock in the Ruins genutzt. Seit 2005 findet hier auch jedes Jahr Ende Juli/Anfang August ein Open-Air-Kino statt, das der im Januar 2005 gegründete Verein FoKus (Forchtenberger Kulturszene) zusammen mit einem Künzelsauer Kinobetreiber veranstaltet. Jedes Jahr am ersten Adventswochenende findet zudem in der mittelalterlichen Forchtenberger Altstadt ein Weihnachtsmarkt statt.

Das 1948 gegründete Volksbildungswerk der Stadt Forchtenberg bietet in jedem Jahr etwa zehn Veranstaltungen mit großer Bandbreite; neben Musikkonzerten und Diavorträgen gibt es auch Beiträge über Geschichte, Gesundheit, Literatur und Wissenswertes aus aller Welt. Die Kulturinitiative Sindringen (KIS) veranstaltet Jazz- und Bluesabende, Kabarett sowie jährlich einen Irischen Abend.

Wirtschaft und Infrastruktur

Forchtenberg ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Großlage Kocherberg im Bereich Kocher-Jagst-Tauber gehören.

Verkehr
Der inzwischen stillgelegte Bahnhof der von 1924 bis 1981 im Personenverkehr betriebenen Kochertalbahn

Als wichtigste Verkehrsverbindung wird Forchtenberg in Ost-West-Richtung von der Kochertalstraße (L 1045) erschlossen. Des Weiteren gibt es Straßenverbindungen zwischen den Ortsteilen und zu den Nachbargemeinden.
Die Stadt ist über einige Buslinien des Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) mit den Mittelzentren Öhringen und Künzelsau sowie den Nachbarorten verbunden.

Bildungseinrichtungen

Forchtenberg verfügt über eine Grund- und Hauptschule. Im Ortsteil Ernsbach besteht eine eigenständige Grundschule für die Orte Ernsbach und Sindringen.

Kindergärten bestehen im Hauptort Forchtenberg sowie in den Ortsteilen Sindringen und Ernsbach.

Freizeit- und Sportanlagen

In Forchtenberg, Ernsbach und in Sindringen (Limeshalle) gibt es städtische Sport- und Mehrzweckhallen. Darüber hinaus werden die alten Turnhallen von Forchtenberg und Sindringen von Vereinen getragen und dienen regelmäßig sportlichen und kulturellen Veranstaltungen. Darüber hinaus finden auch in der städtisch getragenen Ernsbacher Pachthofscheuer kulturelle Aktivitäten statt. Die Ernsbacher Pachthofscheuer hat weitestgehend auch die Funktion einer kleinen Stadthalle übernommen.

Postleitzahlen und Telefonvorwahlen

In Forchtenberg gilt die Postleitzahl 74670. Abweichend hiervon haben der Trautenhof die 74249, der Haberhof und der Orbachshof die 74632 sowie der Schießhof die 74639.

Die Stadt hat die Vorwahl 07947. Abweichende Vorwahlen haben Sindringen (07948), Haberhof (07942) und Holzweilerhof (07943).

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
1580, Michael Kern, † 31. August 1649 in Forchtenberg, deutscher Bildhauer
1583, 28. Februar, Georg Kern, † vor 1643, Baumeister und Bildhauer
1588, 22. November, Leonhard Kern, † 4. April 1662 in Schwäbisch Hall, deutscher Bildhauer.
1594, 26. September, Peter Kern, † 1638 in Koblenz, deutscher Bildhauer
1793, 26. September, Friedrich Mugler, † 6. April 1869 in Stuttgart, geboren in Sindringen, württembergischer Oberamtmann
1796, 24. Mai, Georg Conrad Weitbrecht, † 15. Juli 1836 in Stuttgart; Bildhauer des Frühklassizismus und Kunstprofessor
1825, 19. Februar, Wilhelm Schall, † 15. Januar 1886 in Stuttgart, Jurist und Landtagsabgeordneter
1892, Hans Gradmann, † 1983 in Tübingen, deutscher Botaniker.
1921, 9. Mai, Sophie Scholl, † 22. Februar 1943 in München, deutsche Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.[10]
Sonstige Persönlichkeiten
1891, 13. April, Robert Scholl, geboren in Steinbrück, Gemeinde Geißelhardt (heute zu Mainhardt), † 25. Oktober 1973 in Stuttgart, württembergischer Politiker, Bürgermeister in Forchtenberg und Vater von Hans und Sophie Scholl
1918, 22. September, Hans Scholl, † 22. Februar 1943 in München, deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, in Forchtenberg aufgewachsen.