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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Gaildorf nicht vorenthalten.

Geschichte
Das Alte Schloss
Chronik

Gaildorf wurde 1255 zum ersten Mal erwähnt. Als Zeuge ist Rabenoldus de Geilendorff in einer Urkunde des Schenken Walter zu finden. Rabenoldus erscheint 1280 als Lehnsmann und verbürgt sich für den Schenk Walter.[6]

Bereits im Jahre 1286 ist von einer Burg der Ritter „de Geilendorff“ die Rede. Nach ihrem Aussterben ging die Burg vermutlich in Besitz der Limpurger über. [7]

1404 erhielt die Stadt- und Marktrechte von König Ruprecht. Es war Residenz einer der beiden Hauptlinien der Schenken von Limpurg, später der Grafen von Waldeck-Limpurg. Im Jahr 1404 erhält Gaildorf von König Ruprecht das Recht eine Stadtmauer zu errichten. Außerdem bekommt Gaildorf das Asylrecht.[8]

13 Jahre später stiften die Schenken der Stadt Gaildorf eine Kapelle, die der Mutterkirche in Münster untergeordnet wird.[9]

Im Jahre 1434 erhält die Stadt Gaildorf das noch heute gültige Wappen, auf dem ein Floß mit darüber gekreuzten Flößerhaken zu sehen sind. Bereits im Jahre 1399 wurde in einem Vertrag mit Hall die Holzflößerei auf dem Kocher erwähnt.

1482 ist der Bau eines Schlosses abgeschlossen. Für die nächsten 250 Jahre wird Gaildorf Residenz der Schenken. Ab 1500 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis.

Im Jahre 1521 wird nach 3-jährigem Bau die neue Stadtkirche als Hofkirche der Schenken in Gaildorf eingeweiht.[10]

Siehe auch: Burg Ottendorf

1778, nachdem das Geschlecht der Schenken bereits 88 Jahre ausgestorben ist, beginnen die Grafen von Pückler-Limpurg mit dem Bau eines neuen Schlosses.

Seit 1806 gehörte es zu Württemberg und wurde dort Oberamtsstadt und Sitz des Oberamts Gaildorf.

1868 kommt es zu einem großen Stadtbrand, bei dem 46 Gebäude, die Kirche und das Schloss zerstört werden.[11]

Mit der Reichsgründung im Jahre 1871 entstand ein wirtschaftlicher Aufschwung in Württemberg. So entstand in Gaildorf wenige Jahre später eine Bahnlinie nach Hessental und Murrhardt. Allerdings waren zu dieser Zeit in Württemberg die Verkehrsnetze schon beinahe vollständig entstanden, sodass der wirtschaftliche Nutzen auf dem Weg zur Industrialisierung für Gaildorf beinahe ganz ausblieb.[12]

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, wurde Gaildorf 1938 dem Landkreis Backnang zugeordnet und somit das Oberamt aufgelöst.

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadtkirche, sowie das Pücklersche Schloss erneut zerstört, dieses Mal allerdings durch versehentlichen Artilleriebeschuss der Deutschen.

Gaildorf gehörte ehemals dem Landkreis Backnang an und wurde im Zuge der Kreisreform im Jahr 1973 in den Landkreis Schwäbisch Hall eingegliedert.

In den Jahren 1971 bis 1974 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Eutendorf, Unterrot und Ottendorf im Zuge der Kreisreform nach Gaildorf eingegliedert. Gleichzeitig wurde der Landkreis Backnang aufgelöst und Gaildorf dem Landkreis Schwäbisch Hall zugeordnet.

Eingemeindungen
1. Juli 1971: Ottendorf[13]
1. Januar 1972: Unterrot[13]
1. Januar 1974: Eutendorf[14]
Einwohnerentwicklung

Obwohl Gaildorf seit 1404 eine Stadt ist, prägten dennoch ländliche Nutzung das Leben in Gaildorf. So zählte die Bevölkerung noch 1871 gerade einmal 4381 Bewohner und Bewohnerinnen. Erst im und nach dem 2.Weltkrieg kam es zu einem starken Bevölkerungswachstum. Bei der Volkszählung 1933 wurden 4499 Bürgerinnen und Bürger erfasst. 1950 stieg die Zahl der Einwohner bereits auf 7199 Bürger und Bürgerinnen. Grund hierfür waren zum einen Flüchtlinge aus dem Osten und zum anderen die Erweiterung der Industrie in Gaildorf, so beschäftigte beispielsweise die 1949 gegründeten ARWA-Strumpfwerke in Unterrot in ihrer Glanzzeit bis zu 1600 Arbeiter.
1969 wurde dann die Einwohnermarke von 10 000 übersprungen und genau 10 118 Bürger lebten in der Stadt. Seitdem wächst die Stadt nicht sonderlich schnell, dennoch ist auffällig, dass im Jahr 1979 noch 190 landwirtschaftliche Betriebe existierten. Davon sind im Jahre 2003 gerade mal 83 Betriebe übrig geblieben. Dennoch stieg die Bevölkerung bis heute auf ca. 12 500 Einwohner an. Die meisten Arbeitnehmer müssen nach Schwäbisch Hall oder in den Stuttgarter Raum zur Arbeit pendeln.[15]

Konfessionen

Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche sind in Gaildorf folgende Gemeinschaften vertreten: die Türkisch-Islamische Religions- & Kulturunion (Unterrot), die Neuapostolische Kirche, eine orthodoxe Gemeinde (Ottendorf), die Siebenten-Tags-Adventisten, die Jehovas Zeugen, der Süddeutsche Gemeinschaftsverband sowie eine Gemeinde vom Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.

Politik
Gemeinderat

Bei der Wahl 2014 gab es folgende Sitzverteilung:

FWV 7 Sitze
CDU 6 Sitze
SPD/aktive Bürger 6 Sitze
Offene Liste 3 Sitze
Bürgermeister

Frank Zimmermann wurde im Juli 2014 im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt.
Der Amtsvorgänger war Ulrich Bartenbach, der das Amt im März 2012 angetreten hatte; er verstarb im September 2015.[16]

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Rot zwei schräg gekreuzte silberne Flößerhaken, überdeckt von einem silbernen Floß.“

Das Wappen soll an die lange Gaildorfer Flößertradition erinnern, deshalb die Flößerhaken und das Floß (Früher wurden nämlich aus den Wäldern um Gaildorf jährlich bis zu 130.000 Kubikmeter Holz auf dem Kocher nach Hall geflößt. Dort wurde dieses zur Salzgewinnung als Brennstoff für die Saline verwendet).

Städtepartnerschaft

Gaildorf unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Budajenö in Ungarn, etwa 20 Kilometer westlich von Budapest. Diese Partnerschaft besteht seit 1993. Die Feierlichkeiten zur 20-jährigen Partnerschaft fanden 2013 in Budajenö statt.[17]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Links das Alte Schloss, rechts das sogenannte Kaffeehaus, in der Mitte der Turm der ev. Stadtkirche

Im Zentrum von Gaildorf befinden sich das Alte Schloss, das den Schenken von Limpurg und den Grafen von Waldeck-Limpurg als Residenz diente, das heute als Rathaus genutzte und von der Gräfin Amalie von Waldeck-Limpurg errichtete Neue Schloss, die evangelische Stadtkirche sowie Reste der ehemaligen Stadtmauer.

Parks

Am Rathaus befindet sich der Schlosspark. An der Einmündung der B 298 in die B 19 liegt der Schillerpark.

Kino

Das Gaildorfer Sonnenlichtspielhaus wird von einem gemeinnützigen Verein geführt.

Freizeit und Sport

Der TSV Gaildorf mit etwa 1500 Mitgliedern bietet in sieben Abteilungen Sportarten wie Aerobic, Schwimmen, Fußball, Tischtennis und Turnen an.[18] Das Gaildorfer Mineralfreibad auf dem Kieselberg liegt auf einem fast sieben Hektar großen Areal mit ausgedehnten Liegewiesen.

Regelmäßige Veranstaltungen
Start des Motocross-Rennens 1999
Moto-Cross: Sehr bekannt sind die nationalen und internationalen Motocross-Rennen „auf der Wacht“. Hier finden z.B. die ADAC MX Masters (die Int. Deutsche Motocross Meisterschaft) statt.
Blues-Fest: Das Gaildorfer Blues-Fest findet alle zwei Jahre immer am ersten Juli-Wochenende statt.
Jugend-Euro-Cup: Internationales Hallenfußballturnier von U17-Mannschaften in der Gaildorfer Sporthalle.
Pferdemarkt: Jeweils am zweiten Montag im Monat Februar treffen sich in Gaildorf die Freunde von Pferden, Kutschen und Gespannen. Der Gaildorfer Pferdemarkt ist das größte und älteste Traditionsfest im Limpurger Land mit jährlich 20.000 bis 30.000 Besuchern.
Floßfest: Das Floßfest findet alle zwei Jahre, im Wechsel mit dem Bluesfest, statt. Es soll an die Flößertradition der Stadt erinnern. Zwischen den beiden Festplätzen am Kocher, einer direkt in Gaildorfs Innenstadt auf der Kocherwiesen gelegen und einer in Gaildorfs Teilort Münster, verkehrt ein Floß.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Bahnhof Gaildorf West

Gaildorf wird von der Bundesstraße 19 durchquert, in diese mündet dort auch die Bundesstraße 298.
Der Bahnhof Gaildorf West liegt an der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental, hier zweigte auch die Obere Kochertalbahn ab. Deren Haltepunkt Gaildorf Stadt lag näher zur Stadtmitte, der Betrieb auf der Strecke wurde Ende 2005 eingestellt und die Gleisanlagen 2009 größtenteils entfernt.

Die Buslinie 16 verbindet die Stadt mit Schwäbisch Hall; es gibt auch andere lokale und regionale Buslinien. Die Stadt gehört dem Verkehrsverbund KreisVerkehr Schwäbisch Hall an.

Ansässige Unternehmen

Das holzverarbeitende Unternehmen Rettenmeier betrieb hier bis zum 1. Januar 2013 ein Werk. Dieses wurde vom auf Konstruktionsvollholz spezialisierten Unternehmen Junginger Naturholz GmbH samt Kraftwerk übernommen.[19]

Medien

Die Ausgabe Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote der Südwest Presse erscheint täglich mit einer Auflage von ca. 5300 Exemplaren.[20]

Einrichtungen

Gaildorf ist Sitz des Kirchenbezirks Gaildorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die Stadt verfügte auch über ein kleines Krankenhaus mit den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie und Gynäkologie, das seit dem 1. Januar 2009 zum Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall gehörte,[21] jedoch zum 1. Juli 2012 geschlossen wurde.[22]

Außerdem gibt es in Gaildorf eine Freiwillige Feuerwehr. Es gibt folgende Abteilungen mit Magazinen in den jeweiligen Teilorten:[23]

Gaildorf
Unterrot
Eutendorf
Ottendorf

In Gaildorf besteht außerdem eine Jugendfeuerwehr.

Die Polizei verfügt in Gaildorf über einen Polizeiposten.[24] Dieser ist dem Polizeipräsidium Aalen untergeordnet.

Schulen

Gaildorf verfügt über mehrere Schulen. Im Ort selbst bilden die Parkschule (Grund- und Hauptschule), die Schloss-Realschule und das Schenk-von-Limpurg-Gymnasium ein Schulzentrum. Im Teilort Eutendorf gibt es eine Grundschule sowie die Peter-Härtling-Schule (Förderschule), in Ottendorf und Unterrot jeweils eine Grundschule.

Energie

Bei Gaildorf wird ein Pumpspeicherkraftwerk (16 MW, 70 MWh) mit vier Windkraftanlagen gebaut. Beim Naturstromspeicher Gaildorf soll das Wasser nicht wie sonst in einem Oberbecken, sondern in und an den Türmen der Windkraftanlagen gespeichert werden.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Philipp Heinrich Hasenmeyer (1700–1783), Orgelbauer
Friedrich Kausler (1806–1883), württembergischer Landtagsabgeordneter
Emil Walther (1807–1857), württembergischer Oberamtmann
Theobald Kerner (1817–1907), Arzt und Dichter (Sohn Justinus Kerners)
Karl Reibel (1824–1895), Kaufmann und Landtagsabgeordneter
Wilhelm August von Breitling (1835–1914), württembergischer Ministerpräsident
Karl Nicolai (1839–1892), Schultheiß und Politiker
Julius Grill (1840–1930), evangelischer Theologe und Indologe
Richard Blezinger (1847–1928), Apotheker und Fossiliensammler in Crailsheim
Georg Schuster (1896–1973), Landwirt und Politiker (FDP/DVP), Landtagsabgeordneter
Max Schulze (1900–1934), SA-Führer und eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches
Reinhold Kißling (* 1926), Diplomlandwirt
Horst Hübner (1936–2009), Autor von Heftromanen, Journalist, Übersetzer und Lektor
Ulrich Süße (* 1944), Komponist
Stefan Heucke (* 1959), Komponist
Hartmut Holzwarth (* 1969), Politiker (CDU)
Funda Vanroy (* 1977), Fernsehmoderatorin und -reporterin
Weitere Persönlichkeiten
Philipp Christoph Hartung (1706–1776), ab 1739 Diakon und Präzeptor in Gaildorf, ab 1764 Pfarrer in Eutendorf, als „P. C. Humano“ Verfasser der bedeutenden musiktheoretischen und klavierpädagogischen Schrift Musicus theoretico-practicus (Nürnberg 1749)
Georg Friedrich Karl (Waldeck-Limpurg) (1785–1826), Graf von Waldeck-Limpurg, Landvogt von Heilbronn und von Stuttgart, Wortführer der Standesherren während des württembergischen Verfassungskampfes 1815–1819
Amalie Wirths (1785–1852), Gräfin von Waldeck-Limpurg, Erbauerin des Neuen Schlosses
Justinus Kerner (1786–1862), Schriftsteller
Carl Heinrich Rösch (1807–1866), Arzt und Sozialreformer, war von 1850 bis 1853 Oberamtsarzt in Gaildorf (zwangsversetzt wegen „revolutionärer Umtriebe“), zuvor im Jahr 1847 Gründer der Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg (heute Mariaberg e.V.)[25]
Gottlieb Rau (1816–1854), Unternehmer und Revolutionär
Hermann Frasch (1851–1914), deutsch/US-amerikanischer Erdölchemiker, geboren in Oberrot bei Gaildorf, Sohn des Gaildorfer Bürgermeisters Johann Frasch
Eugen Heller (1862–1939), Unternehmer und Stifter des Heller-Preises
Hans Thierfelder (1913–1987), Strumpfwarenfabrikant
Literatur
Hans König: Das neue Schloss. Einst Villa – dann Schloss – heute Rathaus. Ein Bericht zur Geschichte des neuen Schlosses. Selbstverlag, Gaildorf 1996.
Steffen Hinderer: Arbeit und Leben in Gaildorf. Sutton, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-496-8.
Burkhart Oertel: Familienbuch der Oberamtsstadt Gaildorf in Württemberg 1610–1870. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 1981 (= Württembergische Ortssippenbücher 4)
Burkhart Oertel: Familienbuch Münster, Unterrot mit Bröckingen, Kieselberg, Keippersberg und Schönberg, Kreis Schwäbisch Hall in Württemberg, 1610–1920. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 1986 (= Württembergische Ortssippenbücher 14)
Burkhart Oertel: Familienbuch Eutendorf mit Großaltdorf, Kleinaltdorf, Winzenweiler (evangelischer Teil) und allen zugehörigen Wohnplätzen, Ortsteile der Stadt Gaildorf, Kreis Schwäbisch Hall in Württemberg, 1596–1920. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 2009 (= Württembergische Ortssippenbücher 91)
Burkhart Oertel: Familienbuch Ottendorf mit Hägenau, Niederndorf, Spöck, Erlenhof (nur soweit in Ottendorf verzeichnet) und allen zugehörigen Wohnplätzen, Ortsteile der Stadt Gaildorf, Kreis Schwäbisch Hall in Württemberg, 1645–1925. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 2010 (= Württembergische Ortssippenbücher 95)