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Geschichte
Die Bahnhofstraße im Zentrum von Gauting
Ehem. Benefiziatenhaus, Alte Schule, Altes Rathaus, Umbau durch Jahn 1914
Neues Rathaus, geplant von Goebl, Grass, Rosner und Scholz, 1973–75
Katholische Pfarrkirche St. Benedikt
Frauenkirche
Bis 1930

Das Gebiet der Gemeinde Gauting gehört zu den am frühesten besiedelten Bereichen in Oberbayern. Belege dafür sind z. B. die südlich von Gauting und beim Ortsteil Stockdorf gelegenen Grabhügel, die aus der Bronzezeit stammen. Im Ortsteil Buchendorf befindet sich zudem eine gut erhaltene Keltenschanze, die der Eisenzeit zugeordnet wird. Damit dürfte die Gautinger Mark eine der frühesten Lichtungen mit Ackerland im Münchener Waldgebiet sein.

In der römischen Kaiserzeit befand sich in Gauting ein Übergang einer Römerstraße von Partenkirchen nach Norden über die Würm sowie um ein zugehöriges Lager der Besatzungstruppen. Die Identifizierung mit der römischen Straßenstation Bratananium an der Hauptverbindung zwischen Salzburg und Augsburg wurde in einem umstrittenen neueren[3] Forschungsbeitrag als unwahrscheinlich bezeichnet.[4][5] Die Zeit der römischen Besiedelung ist jedoch vielfach archäologisch belegt. Der spektakulärste Fund ist ein römisches Tonkruglager, in dem 1930 etwa 40 ganze und 200 zerbrochene Krüge aufgedeckt wurden. Später wurden ein Badehaus, Werkstätten, Wohnhäuser und Urnengräber mit zahlreichen römischen Beifunden ausgegraben.

Nach dem Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert und der Neubesiedelung der Feldmark durch die Bajuwaren lässt sich eine erste eindeutig dem heutigen Gauting zuordenbare urkundliche Erwähnung ab dem 8. Jahrhundert nachweisen. Ein wichtigster Zeuge dieser Zeit ist ein Reihenfriedhof, der mehrere hundert Gräber umfasste. Der Ortsname, der in etwa „bei Cotto/Godo/Gozzo und seiner Sippe“ bedeutet, variiert in den Urkunden noch bis ins 18. Jahrhundert, obwohl die heutige Schreibweise bereits im Hochmittelalter auftaucht: 753 Goutingen, 776 Cotingas, 778 Goddinga, 800 Cuittinga, 809 Cotingas, 822 Cotingun, 856 Gotinga, 948 Gotzingun, 957 Kotingun, 1048 Gutingen, 1098 Cotzingen, 1150 Gutingin, 1130 Gutingen, 1164 Guttingen, 1296 Gautingen, 1342 Gauttingen, 1312, 1368 und 1372 Gauting, 1409 und 1465 Gautting (nach Dr. Wolfgang Krämer). Das Dörfchen dürfte zur bajuwarischen Zeit jedoch kaum mehr als 30 bis 40 Menschen gezählt haben.[6]

Auf Gautinger Gemeindegrund befand sich erstmals 934 urkundlich nachweisbar die Hofmark Königswiesen. Derselben Zeit wird auch die Entstehung der zweiten Hofmark Schloss Fußberg zugeordnet, die ca. 2 km würmabwärts liegt.

Einer Legende zufolge wurde Karl der Große in der Gautinger Reismühle geboren, daher auch die Kaiserkrone im Gautinger Wappen.[7]

Mit der Eröffnung der von Ulrich Himbsel erbauten Eisenbahnstrecke von München nach Starnberg im Jahr 1854 und der damit schnelleren Anbindung an die Landeshauptstadt begann auch der Aufstieg Gautings als Villenort. 1902 wurde die Villenkolonie gegründet.

Seitdem erfreut sich Gauting eines regen Zustroms an Ruhe und Wohnraum suchenden Pendlern.

Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Kommunistische Partei verboten und der Gautinger Gemeinderat nach den Reichstagswahlergebnissen neu zusammengestellt (NSDAP 7 Sitze, Bayerische Volkspartei 3 Sitze, SPD 4 Sitze, Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot 1 Sitz). Außerdem wurden gleich in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Wahl Adolf Hitler, Paul von Hindenburg und der in Gauting lebende Gauleiter, Minister und SA-Obergruppenführer Adolf Wagner zu Ehrenbürgern ernannt. Wenig später mussten alle Gemeinderatsmitglieder der NSDAP beitreten. Von 1935 bis 1944 war Hermann Nafziger Bürgermeister in Gauting.

Von 1936 bis 1939 wirkte der von Karl Barth und der Bekennenden Kirche geprägte evangelische Theologe Walter Hildmann in Gauting. Er baute die evangelische Gemeinde des Ortes auf. In seinen Predigten und im Religionsunterricht kritisierte Hildmann immer wieder den NS-Staat. Er wurde mehrfach denunziert und nach einer Flugblattaktion zur Verhaftung und Verschleppung von Martin Niemöller ins Konzentrationslager wurde er von seinen Tätigkeiten suspendiert. Nach der Verurteilung zu vier Monaten Haft wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam in Frankreich ums Leben. Das evangelische Gemeindehaus wurde nach Hildmann benannt.

1938–1939 wurde nach einem Entwurf des Luftwaffenbauamts zusammen mit dem Architekten Würsbach an der Unterbrunner Straße eine Flak-Kaserne errichtet, die 1943–1945 in ein Lazarett für an Tuberkulose erkrankte Luftwaffensoldaten umgebaut wurde. Nach Kriegsende wurde die Lungenklinik von der US-Armee für die Behandlung TBC-kranker Displaced Persons und KZ-Insassen genutzt. Heute wird das Areal unter anderem als Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie genutzt.[8]

Während des Zweiten Weltkrieges litt die Gautinger Bevölkerung unter der Lebensmittelrationierung. Außerdem wurde der Gautinger Gemeindebereich bald zur Unterbringung von fast 3.200 Flüchtlingen aus dem Deutschen Reich genutzt. Besonders die Bombardierungen am 21. Juli 1944 waren verheerend. 35 Menschen starben, 14 Häuser sowie die Rüstungsfabrik Rößler wurden zerstört. Als das Kriegsende unmittelbar bevorstand, wurden die überlebenden 6.887 Häftlinge, bewacht von 600 SS-Leuten des Konzentrationslagers Dachau auf Befehl des SS-Reichsführers Heinrich Himmler auf den Todesmarsch von Dachau über Pasing, Gräfelfing, Gauting, Starnberg und Wolfratshausen bis nach Tegernsee geschickt. Eines der ab 1989 errichteten Mahnmale erinnert in Gauting an diesen Elendszug.[9]

Gerade einen Tag vor Einmarsch der alliierten Truppen sollte ein Sprengkommando am 29. April 1945 die Gautinger Würmbrücke zerstören, um den Vormarsch der Amerikaner zu behindern. Am folgenden Tag übergab Hans Penzl, Gautinger Sprecher der Freiheitsaktion Bayern den Ort.[10]

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1978 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Buchendorf, Oberbrunn und Unterbrunn eingegliedert.[11]

Einwohnerentwicklung

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[12]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2015
Einwohner 1.204 1.995 5.333 9.644 12.264 15.153 17.561 18.159 18.652 19.382 20.005 20.268

Politik
Bürgermeister

Die Erste Bürgermeisterin ist Brigitte Kössinger (CSU). Sie wurde im Jahr 2014 Nachfolgerin von Brigitte Servatius (SPD). Frau Servatius war von 2002 bis 2014 die Bürgermeisterin. Das Amt des Zweiten Bürgermeisters bekleidet Jürgen Sklarek (SPD).[13]

Gemeinderat

Die Sitzverteilung im Gemeinderat.

Jahr CSU SPD Grüne FDP UBG FBG BiG Piraten ÖDP Parteilos gesamt Wahlbeteiligung (in %)
2014 9 3 4 2 1 1(3)1) 1 0(1)2) 3(0) 24 59,1
2008 8 6 3 2 1 1 3 24 60,0
2002 9 6 2 3 2 2 0 24 61,8

BiG = Bürger in Gauting
FBG = Freie Bürgergemeinschaft Gauting
UBG = Unabhängige Bürger Gauting
1) = Zwei Austritte, seitdem parteilos
2) = Parteiaustritt, seitdem parteilos

Städtepartnerschaften
Clermont-l’Hérault in der französischen Provinz Languedoc
Patchway in South Gloucestershire (England)
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 64, im produzierenden Gewerbe 1674 und im Bereich Handel und Verkehr 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 3145 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 5620. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 21 Betriebe, im Bauhauptgewerbe 27 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 51 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1556 ha, davon waren 1117 ha Ackerfläche und 430 ha Dauergrünfläche. Ein Teil des im Entstehen begriffenen Gewerbegebietes am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen liegt auf Gautinger Gebiet. Trotz ansonsten geringer Neuausweisung von Gewerbeflächen verfügt die Gemeinde über zwei gute Gewerbesteuerzahler: den Stockdorfer Automobilzulieferer Webasto und den Zulieferer für die Luftfahrtindustrie Apparatebau Gauting. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug 2005 410 Euro.

Behörden

Im Ortsteil Stockdorf befindet sich die Zentrale der Abteilung 2 des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die Abteilung 2 betreibt elektronische Aufklärung (Abhören von elektronischer Kommunikation). Die Abteilung 2 betreibt im gesamten Bundesgebiet verteilte Dienststellen. Sie ist getarnt als „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“.

Verkehr

Der Bahnhof Gauting liegt an der Bahnstrecke München–Starnberg–Garmisch-Partenkirchen. Der Personenverkehr zwischen München und Gauting wurde am 16. Juli 1854 aufgenommen, im November desselben Jahres erreichte man bereits Starnberg, und 1889 war die Strecke bis Garmisch fertig. Bereits 1902 wurde die Strecke München–Gauting auf vier Gleise ausgebaut und zusätzlich mit Vorortzügen bedient; dabei entstand in Stockdorf ein zweiter Haltepunkt im Gemeindegebiet.

1972 wurden die Vorortzüge von der neu eingeführten S-Bahn München abgelöst und diese über Gauting hinaus bis Tutzing geführt. Gleichzeitig wurden die Regionalzughalte in Gauting immer weiter ausgedünnt und 1984 schließlich ganz aufgegeben. Der Regional-Bahnsteig ist inzwischen nicht mehr zugänglich und fast vollkommen verwittert. Die Strecke wird von Güterzügen nicht mehr regelmäßig benutzt. Im Fernverkehr verkehren an den Wochenenden planmäßig mehrere ICE-Zugpaare nach Garmisch-Partenkirchen, ohne Halt in Gauting.

Insgesamt zehn regionale Omnibuslinien verbinden Gauting (mit dem Bahnhof als zentralem Knotenpunkt) mit seinen Nachbarorten, einschließlich einer Anbindung an das südwestliche Ende der U-Bahn München in Fürstenried West. Vor allem morgens und mittags bedienen die Linien vornehmlich den Schülerverkehr und werden zum Teil auf abweichenden Routen über die örtlichen Schulen geführt. Darüber hinaus betreibt die Gemeinde einen Bürgerbus-Service auf vier innerörtlichen Routen.

Durch das Zentrum von Gauting führt die mit 20.000 Kraftfahrzeugen pro Tag stark frequentierte Staatsstraße 2063. Die dazugehörende Brücke im Ortskern ist auf viele Kilometer die einzige Möglichkeit, die Würm zu queren. 1997 wurde in einem Bürgerentscheid der Plan, im Grubmühlerfeld eine Umgehungsstraße und damit eine zweite Würmbrücke zu errichten, mit großer Mehrheit abgelehnt. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist diese Trasse aber noch vorgesehen. An der alten 1938/39 errichteten Brücke wurden 1996 erhebliche Schäden festgestellt. Bald darauf begannen die Planungen zu einem Neubau, der ab 2006 realisiert wurde. Die neue, nunmehr dreispurige Brücke wurde am 15. September 2007 eingeweiht und nach der französischen Partnerstadt Clermont-l’Hérault-Brücke genannt.

Am 27. Oktober 2012 wurde die Umfahrung von Ober- und Unterbrunn (Staatsstraße 2069) freigegeben, mit deren Bau 2010 begonnen worden war.[14][15]

Immer wieder wird der Münchner Autobahn-Südring der A 99 ins Gespräch gebracht, also die Verbindung zwischen der Lindauer Autobahn A 96 und der Garmischer Autobahn A 95, und weiter bis zum Autobahnkreuz München-Süd. Dessen alte Planungstrasse führte durch das Landschaftsschutzgebiet Grubmühlerfeld, wogegen sich Gemeinde, Einwohner und verschiedene Bürgerinitiativen vehement wehrten. In der 2006 vom Bayerischen Landtag beschlossenen Machbarkeitsstudie werden nun mehrere Trassenmöglichkeiten geprüft, die Finanzierung des Südringes scheint aber momentan ohnehin nicht möglich zu sein. Deshalb wurde er im März 2013 durch die bayerische Landesregierung von der Liste der bayerischen Projekte zum Bundesverkehrswegeplan gestrichen, so dass dessen Realisierung derzeit ausgeschlossen ist. Die Diskussion hält dennoch weiter an.

Krankenhäuser

In Gauting gibt es ein bekanntes Krankenhaus für Lungenerkrankungen, die Asklepios Fachkliniken München-Gauting, Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie.
Auf dem Gelände befindet sich auch die Psychiatrische Klinik Gauting, Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Die Aktion Knochenmarkspende Bayern mit der Bayerischen Stammzellbank hat hier ebenfalls ihren Sitz.

Schulen

Fünf staatliche Schulen befinden sich im Gemeindegebiet. Eine von Elterninitiativen immer wieder gewünschte Waldorfschule kommt wegen zu geringer Anmeldezahlen seit Jahren nicht über das Planungsstadium hinaus.

Josef-Dosch-Volksschule

Mit rund 700 Schülern ist dies die größte Grundschule Bayerns. Das denkmalgeschützte Haupthaus[16] wurde 1898 als Hotel in unmittelbarer Bahnhofsnähe errichtet, und nach einigen Umnutzungen in den 1950er Jahren zum Schulgebäude umgebaut. Hinzu kommen ein ehemaliges Wohnhaus als Verwaltungstrakt, ein großzügiges Erweiterungsgebäude aus den 1960er Jahren sowie eine eigene Turnhalle aus dem Jahr 1998, zeitgleich wurde der Erweiterungsbau aufgestockt. 2012 wurde ein weiteres Zusatzgebäude auf dem Schulgelände errichtet, hierzu musste ein Sportfeld geopfert werden.

Im März 2010 stürzte während eines Wochenendes ein Teil der Deckenkonstruktion im Hauptgebäude ein, dieses musste umgehend vollständig gesperrt werden. Nach einigen Zwischenlösungen im Bezug auf Räumlichkeiten, in denen die dritten und vierten Klassen vorübergehend unterrichtet werden konnten, bis das weitere Vorgehen klar war, wurde für diese ein Containergebäude weitab vom eigentlichen Schulgelände auf einer freien Wiese errichtet. Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurden die Klassen neu aufgeteilt, und eine „Sprengel-Lösung“ angewendet. Sämtliche bestehende Klassen wurden so auf die beiden Standorte aufgeteilt, dass die überwiegende Zahl der Kinder einen möglichst kurzen Weg zur Schule hat. Die ersten Klassen wurden von vornherein wohnortnah an beiden Standorten gebildet. Faktisch operiert seither der ausgelagerte Teil damit wie eine unabhängige zweite Grundschule. Zum Schuljahr 2014/2015 zog die Containerschule in das aufwendig renovierte und modernisierte Volkschulhaus in der Schulstraße um, gilt aber – entgegen früheren Planungen – nicht als eigene Schule, sondern weiterhin lediglich als Zweigstelle.

Das Containergebäude wurde von der Gemeinde gekauft, und an den Verein Lebenshilfe Starnberg verpachtet, welcher dort eine Kinderkrippe mit integrierten Kindergarten und Hort betreibt. Das ehemalige Haupthaus wurde vom Denkmalschutz entbunden, und im Spätsommer 2017 abgerissen. Der Neubau wird Wohnungen und Geschäfte beherbergen, und dem Schulbetrieb nicht mehr zur Verfügung stehen.

Volksschule an der Würm (Stockdorf)

Stockdorf besitzt seit 1910 seine eigene Grundschule, auch ein Teil der Kinder aus Buchendorf wird hier unterrichtet. Auch die Stockdorfer Schule wurde mehrfach vergrößert. 1954 zog die Schule in die Zugspitzstraße, 1968 kam ein Erweiterungsbau hinzu. 1991 wurde der ältere Gebäudeteil abgerissen und durch einen wesentlich vergrößerten Neubau ersetzt. Planungen sehen nun vor, den Erweiterungsbau ebenfalls abzureißen, um ihn durch ein deutlich größeres Bauwerk zu ersetzen.

Paul-Hey-Mittelschule (bis 2012 Paul-Hey-Hauptschule)

Die Paul-Hey-Mittelschule entstand 1985, als man wegen Platzmangel aus dem Haupthaus der Volksschule auszog und in ein neues Areal am Ortsrand, in direkter Nachbarschaft zum Gymnasium, zog. Mit dem Umzug wurden die Hauptschulklassen aus der Josef-Dosch-Volksschule ausgegliedert und in die neugegründete Hauptschule überführt.

Gymnasium

Das Otto-von-Taube-Gymnasium wurde 1967 gegründet. Anfangs wurden dafür Räume sowohl in der Volks- als auch in der Realschule genutzt, am 18. November 1971 fand der Umzug in einen Neubau in einem Waldgebiet am Ortsrand von Gauting statt. 1974 wurden erstmals 1000 Schüler unterrichtet, 1975 ein Erweiterungsbau bezogen. Seit 2003 besteht ein Förderzweig für Hochbegabte in Zusammenarbeit mit der TU München. Seit 2012/13 gibt es einen gemeinsamen Schulhof mit dem Neubau der Realschule auf dem ehemaligen Sportplatz des Gymnasiums, im Gegenzug stehen die zusätzlichen Sportanlagen der Realschule auch dem Gymnasium zur Verfügung.

Staatliche Realschule Gauting

Die staatliche Realschule wird von einem Zweckverband getragen, dem sieben umliegende Gemeinden sowie die Landkreise Starnberg und München angehören. 1955 bezog die Volksschule ihr neues Haupthaus direkt am Bahnhof, und die neu gegründete Realschule übernahm das 1912 erbaute Volksschulhaus in der Schulstraße. Während die Volksschule am neuen Ort über zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten verfügte, musste die Realschule mit dem auf zwölf Klassen ausgerichteten, und nicht weiter erweiterungsfähigen Bau auskommen. Mit stetig steigenden Schülerzahlen mussten zahlreiche Räume im nahen Rathaus sowie leerstehende Geschäftsräume in flussläufiger Umgebung angemietet, und als Schulraum genutzt werden. Im Schuljahr 2011/12, dem letzten im Ortskern, wurden 24 Klassen unterrichtet. Zum Schuljahr 2012/13 starteten bereits 26 Klassen in dem auf 28 Klassen ausgelegten Neubau der Realschule auf dem nun offiziell „Campus“ genannten gemeinsamen Areal von Mittelschule, Realschule und Gymnasium. Das Volksschulhaus wird seit 2014 – nach aufwendiger Renovierung und Modernisierung – wieder von der Josef-Dosch-Schule genutzt.

Vereine

Im Mai 2005 ging der 1901 gegründete Sportverein TSV Gauting mit 540.000 Euro Schulden in die Insolvenz. Daraufhin wurde der Gautinger SC als Nachfolgeverein gegründet. Außerdem machten sich einige Abteilungen selbstständig, beispielsweise die Handballer als HC Gauting, und zunächst auch Fußballer und Tennisspieler.
Überregional bekannt ist die Gautinger Baseball-Mannschaft Gauting Indians, die aus einem Schulprojekt des örtlichen Otto-von-Taube-Gymnasiums hervorging und 2010 in der 1. Baseball-Bundesliga spielt.

Größter nicht sportlich geprägter Verein der Gemeinde ist der Gartenbauverein Gauting. Über Jahre in der Grundschule Gauting untergebracht hat er aktuell – Mitte 2010 – kein Quartier, da das Hauptgebäude der Grundschule wegen Baumängeln geschlossen werden musste.

Ein kulturell geprägter Verein ist der Verein Remise Schloss Fußberg e. V., der sich das Ziel gesetzt hat die alte Wagenremise neben dem Schloss Fußberg zu einem Veranstaltungssaal für Konzerte und Bürger umzubauen. Seit 2009 findet alljährlich das „Kleine Sommerfestival“ mit vielen Veranstaltungen statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Seit 2005 besteht das Bürger- und Kulturhaus Bosco. In zwei Sälen finden Theater- und Musikveranstaltungen sowie Lesungen statt. Außerdem können Räume für kommerzielle und private Veranstaltungen gemietet werden.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Gauting
Bauwerke
Schloss Fußberg ⊙48.0698911.387756
Villa Junkers
Schloss Fußberg: im östlichen Teil der Gemeinde, an einer Würmschleife gelegen, erstmals erwähnt im 12. Jahrhundert, umgebaut 1721 und 1894–1897.
Katholische Filialkirche Unsere Liebe Frau aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, erweitert im 18. Jahrhundert.
Katholische Pfarrkirche St. Benedikt, schon 800 als Schenkung an das Kloster Benediktbeuern erstmals erwähnt. Von dem spätgotischen Bau aus dem 15. Jahrhundert ist nur noch der Turm in Teilen erhalten. Der gegenwärtige Bau wurde 1934–1935 von Georg Buchner errichtet. In der Kirche finden sich acht kleine Glasgemälde, gestiftet von den Hofmarksherren Pütrich (1500), Ligsalz (1510) und Weiler (1551), die wertvollsten von Jakob Kistenfeger.
Christuskirche, 1928 eingeweihte evangelische Kirche.
Haus Zerboni, eine malerische historisierende Villa, erbaut um 1905.
Villa Junkers, eine repräsentative Villa, erbaut 1923 von Bernhard Borst im modern-historisierenden Stil für Oberregierungsrat Jucht, später bewohnt von Hugo Junkers.
Altes Rathaus (jetzt Jugendzentrum): Das Haus ist im Kern sehr alt und gehörte zur Dichtl’schen Kirchenstiftung (Benefiziatenhaus). Es war 1804 teilweise eingestürzt und wurde saniert für die Verwendung als Schule von 1805/06 bis 1914. 1878 übernahm die Gemeinde das Gebäude, ließ es um eine Etage aufstocken und einen Anbau daransetzen. 1914 wurde die heutige Realschule als Volksschule gebaut, der Schulbetrieb zog dorthin um und die ehemalige Schule wurde für die Verwaltung umgebaut. Beim Neubau des Rathauses wurde das Gebäude 1975 zum Jugendzentrum umgebaut.
Ehemaliges Direktionsgebäude der Austria Zigarettenfabrik in modern-historisierender Form, um 1925.
Das in zahlreichen Erzählungen und Filmen von Herbert Achternbusch vorkommende Gasthaus Würmbad wurde 1976 abgerissen und durch einen Neubau eines Laden- und Wohngebäudes ersetzt.
Denkmale
Seit 1989 erinnert eine Bronze-Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim am Friedhof in der Planegger Straße an den von der SS überwachten Todesmarsch Tausender Häftlinge aus dem KZ Dachau vom April 1945. Identische Plastiken stehen weiterhin an der Marschroute, unter anderem in Fürstenfeldbruck, München-Allach, München-Pasing, Gräfelfing, Planegg, Krailling, Grünwald, Berg (Starnberger See)-Aufkirchen und Wolfratshausen. Eine Kopie des Denkmals steht seit 1992 als Geschenk der Gemeinde in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
Mahnmal auf dem Jüdischen Friedhof Gauting
Auf dem Jüdischen Friedhof Gauting erinnern Grabstätten an 143 KZ-Opfer, die teilweise noch nach ihrer Befreiung an den Folgen der Haft starben.[17] Darüber hinaus erinnert das Mahnmal auf dem Friedhof an die sechs Millionen Opfer des Holocaust.
Günther-Klinge-Preis

Seit dem 15. April 1980 verleiht die Gemeinde Gauting den mit 3000 Euro dotierten Günther-Klinge-Preis für besondere Leistungen in der bildenden Kunst, Architektur, Literatur, Schrifttum, Musik, Theater, Film, ausübender und darstellender Kunst. Benannt ist er nach dem Unternehmer und Gautinger Ehrenbürger Günther Klinge, der 2009 im Alter von 99 Jahren verstorben ist.[18] Bisherige Preisträger waren:

1980: Hans Olde der Jüngere (Kunstmaler), Susanne Forster / Stefan Fichert („London Puppet Players“)
1981: Ludwig Kusche (Pianist und Musikwissenschaftler), Orchestervereinigung Gauting
1982: Ernst Haider (Kunstmaler), Winfried Bauer (Gymnasiallehrer)
1983: Michael Schmaus (Religionsphilosoph), Wolfgang Leibnitz (Pianist)
1984: Ruth von Zerboni (Schauspiellehrerin), Felix Jacob (Kunstmaler)
1986: Friedrich Hirsch (Bildhauer)
1988: Gudrun Haag (Harfenistin), Mechthild Lobisch (Kunsthandwerk)
1989: Francis Dubois (Pädagogik), Johannes Schachtner (Musik), Revuegruppe des Gymnasiums (Musiktheater)
1990: Barbara von Wulffen (Literatur), Karin Beck (Malerei)
1991: Kulturspektakel Gauting e. V. (Veranstalter Familien- und Musikfestival), Gerhard Schober (Kulturgeschichte)
1992: Alfred Zacharias (Malerei), Hagen und Gesa Wangenheim (Musik)
1993: Stefan Britt (Malerei), Irene Jäger (Musik)
1994: Julia Fischer (Musik), Jakob Fichert (Musik)
1995: Heinrich Klug (Musik), Hans-Georg Krause (Pädagogik)
1996: Wulf von Lochner (Malerei), Stockdorfer Viergesang (Volksmusik)
1997: Rosemarie Zacher (Bildende Künstlerin), Eckhard Bruchner (Film)
1998: Theaterclub Gauting e. V.
1999: Wolf Euba (Theater), Ingolf Turban (Musik)
2000: Lena Neudauer (Violinistin), Sarah Mücke (Musik), Kunstverein Gauting e.V. (Kulturorganisation)
2001: Irina Korschunow (Literatur), Jugendchor St. Benedikt
2002: Ottilie Kasper (Malerei/Bildhauerei), Stub‘nmusi Schönauer-Soffel (Volksmusik)
2003: Halina Bertram (Pianistin), Thomas Heyl (Malerei)
2004: Fridolin Schley (Schriftsteller), Veronika Zacharias (Grafikerin)
2005: Max von Mosch (Saxophonist) und Gerd Holzheimer (Literatur)
2006: Jane Höchstetter&Stefan Berchtold, Kulturveranstaltungen, Schloßcafé Fußberg, Weder, Ulrich, Musiker
2007: Luitgard Kirchheim (Buchhändlerin), Männergesangsverein Unterbrunn-Oberbrunn; Sonderpreis Kulturspektakel Gauting e. V.
2008: Sabine Zaplin (Autorin), Gesellschaft für Archäologie und Geschichte Oberes Würmtal e. V.
2009: Johannes X. Schachtner (Musiker und Komponist), Zebra Stelzentheater unter Leitung von Rolf Kassalicky (Theater)
2010: Florian Prey (Musik), Elisabeth Schaffer (Angewandte Kunst)
2011: Gudrun Rimscha (Angewandte Kunst), Matthias Friedrich (Theater), Streichquartett der Geschwister Sendtner (Musik)
2012: Ulrich Schweiger (Bildhauerei), Sebastian Hofmüller (Theater), Rupert Wierer & die Bigband des Otto-von-Taube-Gymnasiums (Musik)
2013: Gisela Auspurg (Musik), Ludwig Seuß (Musik), Theatergruppe der Grundschule an der Würm
2014: Else Streifer-Schröck (Malerei), Johannes Volkmann (Theater)
2015: Simon Schachtner (Cellist), Erika Pusch (Kunstmalerin), Theatergruppe des Otto-von-Taube-Gymnasiums (Theater)
Persönlichkeiten

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Einer Legende zufolge wurde Karl der Große in der Gautinger Reismühle geboren, daher auch die Kaiserkrone im Gautinger Wappen.
Ignaz Schmid (1747–1821), Schriftsteller und Bibliothekar der königlichen Hof- und Staatsbibliothek München, der 1780 als des Illuminatismus verdächtig des Landes verwiesen wurde, wurde am 8. Januar 1747 in Gauting geboren.
Eremit von Gauting nannte man Theodor von Hallberg-Broich (1768–1862), Schriftsteller und Gründer der Kolonie Hallbergmoos, der 1819 bis 1826 Schloss Fußberg bewohnte.
Eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte der katholischen Arbeiterbewegung und des Lehrlingsschutzes ist der am 15. April 1853 in Gauting geborene Monsignore Johann Nepomuk Werner. Er gründete 1890 das Wochenblatt Der Arbeiter.
Der deutschnationale Dichter und Redakteur der Jugend Franz Langheinrich lebte in Gauting.
Die Ufa-Schauspielerin Friedl Haerlin wurde am 29. Dezember 1901 in Gauting geboren.
Der Kanute Ernst Krebs wurde am 4. November 1906 in Gauting geboren. Er holte bei den Olympischen Sommerspielen 1936 die Goldmedaille im Kajak-Einer über 10.000 m.
Bernhard Rüdiger Ritter von Reichert (1917–2007) war Generalleutnant und stellvertretender Generalinspekteur der Bundeswehr und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik. Er lebte und starb in Gauting.
Der Künstler Leo Putz lebte in den 1920er Jahren in Gauting, wo er auch beerdigt wurde.
Der Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers verstarb am 3. Februar 1935 in Gauting.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der aus Estland stammende Dichter Otto von Taube (1879–1973) in Gauting. Nach ihm wurden das örtliche Gymnasium und eine kleine Straße benannt.
Der Industrielle Ernst Zimmermann wurde am 1. Februar 1985 in seiner Wohnung in Gauting von der RAF ermordet.
Herbert Ohly, Jurist und zeitweise Bürgermeister von Erlangen starb 1972 in Gauting.
Der Kunsthistoriker Ludwig Grote lebte zuletzt in Gauting, wo er 1974 starb.
In Gauting lebten zahlreiche Künstler, zu nennen sind insbesondere Jochen Bartsch, Kirsten Behrsing, Ludwig Maria Beck, Karl Berberich, Frieda Blell, Ludwig Braunbeck, August Bresgen, Nick Eggenhofer, Ferdinand Filler, Laura Haerlin, Paul Hey, Julius Himpel, Felix Jacob, Hanna Koschinsky, Heinrich Kropp, Alfred Leithäuser, Carl Eduard von Liphart, Thomy Niederreuther, Hans Olde, Leo Putz, Friedrich Hirsch, Hans Schellinger, Erich Schilling und Edmund Wagner.
Auch die Malerin und Opernsängerin Minna Frieda Helene Beckmann, die Ehefrau von Max Beckmann, lebte in Gauting, wo sie 1964 verstarb.
In den 1960er Jahren lebte Loriot einige Jahre im Leo-Putz-Haus, bevor er an den Starnberger See zog.
Der katholische Dogmatiker Michael Schmaus verstarb 1993 in Gauting.
In der Gegenwart leben zum Beispiel der Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer, und der Schriftsteller Paul K. Kurz dort.
Von den ansässigen Musikern sei der Bariton Florian Prey, die Pianistin Halina Bertram der Altsaxofonist Michael Hornstein, der Komponist Dieter Dolezel sowie die Geigerinnen Julia Fischer und Lena Neudauer und der Geiger Ingolf Turban erwähnt.
Hans-Werner Sinn ist Ökonom und war 1999–2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.
Der Preisträger des Kurzfilm-Oscars 2001 (Quiero ser), Florian Gallenberger, stammt aus dem Ortsteil Stockdorf.
Der Schriftsteller Fridolin Schley lebte ab 1987 in Gauting und machte dort 1996 das Abitur am Otto-von Taube-Gymnasium.[19]
Der Journalist und Krimiautor Harry Luck lebte von 2002 bis 2009 in Gauting.
Martin Zeil war für die FDP Mitglied des Bayerischen Landtages. 2008 bis 2013 war er Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Seehofer.
Der Schauspieler und Anwalt Michael Wolf lebt und praktiziert in Gauting.
Peter Rubin (bürgerlich: Peter Kohlhuber), Sänger, Moderator und Gitarrist, lebt in Stockdorf.
Der Fußballspieler Rudolf Nafziger wurde 1945 in Gauting geboren und starb 2008 hier.
Der Mitbegründer des Sachverständigenrats Erich Preiser lebte in Gauting.
Der Medien-Unternehmer und Buchautor Michel Montecrossa (Michel Klostermann) lebt in Gauting. Er startete dort das Projekt Miravillage.
Der Zithervirtuose Rudi Knabl lebte in Gauting und starb dort 2001.
Der Maler und Bühnenbildner Hans Heinrich Palitzsch (1912–2005) verbrachte seine letzten Lebensjahre in Gauting.
Werner Schmidt-Boelcke (1903–1985), Dirigent, musikalischer Leiter des Berliner Metropoltheaters und Gründungsleiter des Münchner Rundfunkorchesters, starb hier.
Werner Loibl (1943–2014), Erforscher der Glashütten und Spiegelmanufakturen des Barock in Deutschland, lebte und arbeitete von 1995 bis 2014 in Gauting.
Veranstaltungen
„Kleines Sommerfestival“ in der Remise Schloss Fußberg von Mai bis Juli
Musikfestival Kulturspektakel (Ende Juli)[20]
Waldfest am Münchner Berg
Gautinger Drei-Königs-Turnier der örtlichen Handballspieler (Anfang Januar)
Literatur
Heike Werner: Architektur-Ausflüge ab München: Würmtal & Umgebung, München, 2011, ISBN 978-3-9809471-4-5.
Weblinks
 Commons: Gauting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Linkkatalog zum Thema Gauting bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Eintrag zum Wappen von Gauting in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Gauting: Amtliche Statistik des LfStat
Homepage der Gemeinde Gauting
Tourismus, Kleinanzeigen und Veranstaltungen aus Gauting
Nachrichten und Informationen aus Gauting