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Geschichte

Die Wasserburg Gehren wurde bereits 1118 als stabiler Verteidigungskomplex erwähnt. Im 14. Jahrhundert war sie im Besitz der Herren von Berlstedt und gelangte 1464 an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen.

Stadtrechts-Urkunde von 1855
Haus mit klassischer Schieferverkleidung, typisch für Gehren
Rathaus (vor der Sanierung)
Rathaus (nach der Sanierung)
Forstliches Bildungszentrum
Holzwerk (altes Fabrikgebäude)
Denkmal zu Ehren von Johann Michael Bach

Die erste urkundliche Erwähnung Gehrens stammt aus dem Jahr 1299.[2] Verschiedene Quellen sprechen auch von einer Ersterwähnung im Jahr 1105, auf deren Basis auch die im Jahr 1955 durchgeführte 750-Jahr-Feier beruhte.[3] Der Name leitet sich von Gern für dreieckiges Flurstück ab. Damit könnte das von Schobse und Wohlrose eingeschlossene Flurstück gemeint sein. Der Ort entwickelte sich rings um den Wartturm, der zur Bewachung einer Handelsstraße diente. Mit der Sicherung dieser Handelsstraße wurde die Familie von Bernstedt aus Jesuborn belehnt. Sie durfte Tribut kassieren und diesen behalten. Lehnsherren waren die Grafen von Gleichen. Später wurde aus dem Wartturm über mehrere Zwischenschritte das Gehrener Schloss, welches am 11. September 1933 abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. Seine Ruinen sind heute noch im Schlosspark zu sehen. Diese Ruinen lassen immer noch die alte Bebauung der Wasserburg erkennen.[4] 1399 erhielt Graf Günther XXVIII. von Schwarzburg das Amt Gehren als Lehen vom deutschen König Wenzel. Schließlich kauften die Schwarzburger das Amt Gehren im Jahr 1464 für 300 Rheinische Gulden von der Familie von Bernstedt. Bis zum Jahr 1599 folgten mehrere Verkäufe der Stadt. Seitdem war sie jedoch immer im Besitz der Schwarzburger. Im 15. Jahrhundert wurde die erste Eisenhütte Gehrens auf dem Günthersfeld errichtet, in der das in der Nähe geförderte Eisenerz verarbeitet wurde. Sie wurde im Laufe ihres Bestehens mehrfach vergrößert und diente zuletzt als Porzellanfabrik. Zu einem Aufstand der Gehrener Bauern kam es am 23. April 1525 im Rahmen des Bauernkrieges. Dabei waren sie u.a. auch an der Plünderung des Klosters Paulinzella und an der Belagerung Stadtilms beteiligt. Die Reformation wurde in Schwarzburg und damit auch in Gehren 1533 eingeführt. 1549 wird Gehren zum ersten Mal als Stadtflecken bezeichnet.

In den Jahren 1625 und 1635 wütete die Pest in Gehren und forderte insgesamt 318 Todesopfer. Zu Plünderungen kam es während des Dreißigjährigen Krieges im Mai 1640. Dabei wurden 34 Häuser niedergebrannt. Die Dorfbewohner flohen und lebten daraufhin für acht Wochen im Wald nahe der Stadt. Plünderungen – allerdings in geringerem Umfang – fanden auch 1756 während des Siebenjährigen Krieges statt.

Gehren war 1671–1698 von Hexenverfolgung betroffen. In neun Hexenprozessen wurden sechs Frauen verbrannt, zwei mit Landesverweis bestraft. Unbekannt ist das Schicksal der 53-jährigen Barbara, Frau des Zimmermanns Andreas Becker. Kurz vor Vollstreckung des Todesurteils 1676 widerrief sie ihr Geständnis: „sie habe aller nur unter der Marter gestanden“.[5]

Am 7. September 1749 wurden bei einem schweren Ortsbrand 90 Wohngebäude zerstört. Eine Seuchenepidemie kostete 1772 113 Bürger das Leben. Das Gehrener Schloss brannte 1796, jedoch hielten sich die Schäden im reparablen Bereich. Die klassizistische Kirche Gehrens wurde 1834 eingeweiht. Ihre Baukosten beliefen sich auf 18.000 Taler, ihr Turm ist 27 Meter hoch. Im selben Jahr wurde auch eine erste Zeitung für das Amt Gehren gegründet, das Gehrener Bezirksblatt.

Im frühen 19. Jahrhundert herrschte in Gehren wirtschaftliche Not, was dazu führte, dass allein 1852 über 130 Menschen in die USA auswanderten. Der Ort bekam 1855 die Stadtrechte verliehen. Nachdem die Stadt 1881 einen Bahnanschluss nach Ilmenau erhielt, setzte rasch ein starkes Wachstum der Industrie ein. Im Jahr 1883 kaufte der Eisenacher Theodor Degenring das unrentabel gewordene Hüttenwerk auf dem Günthersfeld auf und baute es zu einer Porzellanfabrik um, in welcher zeitweise über 400 Mitarbeiter beschäftigt waren. 1885 wurde das Sägewerk gegründet. Dem bisher letzte Großbrand in der Geschichte der Stadt im Jahr 1899 fielen 22 Häuser zum Opfer. Gehren gehörte bis 1920 zur Oberherrschaft im Fürstentum bzw. Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, in dem es Amtssitz war. Zum Amt Gehren gehörten außer der Stadt noch die Orte Angstedt, Wümbach, Langewiesen, Oehrenstock, Jesuborn, Pennewitz, Willmersdorf, Gillersdorf, Großbreitenbach, Masserberg, Oelze, Altenfeld, Möhrenbach sowie die nördlich des Rennsteigs gelegenen Teile von Neustadt. 1922 wurde der Landkreis Arnstadt gegründet, zu dem das gesamte Amtsgebiet mit Ausnahme Katzhüttes gehörte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 200 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten: im Sägewerk Th. Kirsch & Söhne, in der Porzellanfabrik Günthersfeld, in der Firma Vorbrüggen & Co., in der Lack- und Farbenfabrik Wiesel und im Glashüttenwerk Wiegand & Schmidt.[6]

1952 wurde aus dem südlichen Teil des Kreises Arnstadt, zu dem Gehren dann gehörte, der Kreis Ilmenau gebildet. 1953 war Gehren der erste Ort des Kreises Ilmenau, in dem eine LPG gegründet wurde. 1994 ging der Kreis Ilmenau im Ilm-Kreis auf. Im selben Jahr wurde die Verwaltungsgemeinschaft Langer Berg gegründet, die ihren Sitz in Gehren hat.

Seit 1950 gehört das ein Kilometer östlich gelegene Dorf Jesuborn zur Stadt Gehren.

Am 31. Dezember 2013 wurde die Nachbargemeinde Möhrenbach eingemeindet und somit die Landgemeinde Gehren gebildet.[7]

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1730 1.024
1758 1.090
1790 1.104
1810 1.205
1816 1.355
1841 1.725
1845 1.820
1850 1.813
1870 2.140
1895 2.384
Jahr Einwohner
1900 2.300
1910 2.917
1912 2.950
1920 3.040
1925 3.146
1930 3.380
1935 3.506
1940 3.637
1945 4.519
1950 4.700
Jahr Einwohner
1955 5.260
1970 4.928
1977 4.756
1987 4.500
1989 4.235
1994 4.049
1995 4.127
1996 4.173
1997 4.091
1998 4.070
Jahr Einwohner
1999 3.962
2000 3.858
2001 3.892
2002 3.837
2003 3.770
2004 3.727
2005 3.641
2006 3.523
2007 3.482
2008 3.465
Jahr Einwohner
2009 3.453
2010 3.466
2011 3.309
2012 3.285
2013 3.897
2014 3.859

Politik

Kommunalwahl 2014[8][9]
Wahlbeteiligung: 56,5 % (2004: 57,7 %)

 %50403020100

41,8 %24,3 %22,6 %11,4 %

FBGCDULinkeSPD
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   6   4   2   0  -2  -4

-3,9 %p
-1,3 %p+1,0 %p+4,3 %p
FBGCDULinkeSPDVorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang
Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 brachten folgendes Ergebnis:

Freie Bürgergemeinschaft: 7 Sitze (± 0)
CDU: 4 Sitze (± 0)
LINKE: 3 Sitze (− 1)
SPD: 2 Sitze (+ 1)
Bürgermeister

Der ehrenamtliche Bürgermeister ist Ronny Bössel (FBG). Am 11. Juni 2017 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 23,8  % mit 93,0 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Wappen

Blasonierung: „In Gold auf grünem Boden ein Wilder Mann mit Laubkrone und Laubschurz, in der linken Hand eine bewurzelte Fichte haltend.“

Der Wilde Mann dürfte die Abwandlung einer ursprünglich anderen Wappenfigur sein, denn das erste Siegel aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen von rechts nach links schreitenden Mann mit hohem Hut und langem Rock, der einen Stab, wahrscheinlich den Schulzenstab, in der Hand hält. Die Wappenänderung erfolgte offenbar, um dem schwarzburgischen Fürstenhaus, das einen Wilden Mann als Schildhalter führte, für die Stadtrechtsverleihung 1855 Dankbarkeit zu bekunden.[10] Die Fichte steht für den Holzreichtum der Umgebung und die einst bedeutende Holzindustrie Gehrens.

Städtepartnerschaften

Mit Nidderau in Hessen besteht seit dem 1. September 1990 eine Städtepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Im Stadtkern hat sich das typische Ortsbild des Thüringer Waldes erhalten: rechts und links von schmalen Straßen stehen verschieferte Häuser eng aneinander.

Stadtkirche
Stadtkirche von Gehren

Im Stadtzentrum liegt der Marktplatz. An seiner Nordseite steht die Stadtkirche, die dem heiligen Michael geweiht ist. Es handelt sich um eine große, klassizistische Emporenhalle mit flachen Decken in der Formensprache Karl Friedrich Schinkels. Errichtet wurde die Kirche zwischen 1830 und 1834 anstelle eines Vorgängerbaus aus dem Jahr 1521. Der Kanzelaltar der Kirche stammt von 1895, ebenso wie die Sauer-Orgel mit 23 Registern, die ein Instrument aus der Bach-Zeit ersetzte. Im Erdgeschoss des Turms liegt das Grab des Jesuborner Ritters Volkmar von Bernstedt aus dem Jahr 1597. Die drei bronzenen Kirchenglocken (darunter eine aus dem Jahr 1476) wurden 1917 eingeschmolzen und 1918 durch drei gusseiserne Glocken, die bis heute vorhanden sind, ersetzt. Als Gehren im 18. Jahrhundert anwuchs, wurde die Vorgängerkirche zu klein und es entstand bis 1729 eine neue Kirche in der Oberen Marktstraße westlich der alten. Diese neue Kirche wurde allerdings schon 1749 bei einem Brand zerstört, sodass nun wieder die alte Kirche am Markt genutzt wurde. Diese war jedoch noch immer zu klein, sodass 1830 mit dem Neubau der heutigen Kirche begonnen wurde. Am 4. November 1834 fand schließlich der Einweihungsgottesdienst statt. Der Turm hatte zunächst noch ein flaches Dach schinkelscher Formensprache, das 1868 durch die jetzige Turmspitze ersetzt wurde. Die Pfarrgemeinde von Gehren ist bereits seit der Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert evangelisch. Zur Kirchgemeinde gehören neben der Stadtkirche auch die Dorfkirchen von Jesuborn und Möhrenbach.

Schloss
Schlossruine

Erste Gebäude (etwa in Form eines Wartturms) entstanden hier wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert an einer Handelsstraße von Erfurt nach Nürnberg. 1308 errichteten die Herren von Berlstedt hier einige weitere Gebäude (Nordflügel), die 1464 in den Besitz der Grafen von Schwarzburg übergingen. Sie errichteten in dieser Zeit den Südflügel. Ab 1574 wurde das Schloss im Stil der Renaissance ausgebaut und der Nord- mit dem Südflügel zu einem Baukörper vereinigt. Dazu wurden zum Teil Sandsteinquader aus dem aufgelassenen Kloster Paulinzella verwendet. Die Schlosskapelle entstand 1666. In der Folgezeit diente das Schloss als Jagd- und Sommerresidenz der Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, Fürst Günther I. nutzte es sogar zwischen 1720 und 1740 als Residenz. 1918 ging es in Besitz des Landes Thüringen über und wurde überwiegend als Wohnhaus genutzt. Bei einem Brand am 11. September 1933 wurde das Schloss zerstört und in den Folgejahren größtenteils abgerissen, sodass nur noch Reste einiger Umfassungsmauern übrig sind. Zwischen 1997 und 2001 wurde die Ruine gesichert, teilweise restauriert und zugänglich gemacht. Umgeben ist sie vom weitläufigen Schlosspark im Stil eines englischen Gartens.

Weitere Bauwerke

An der Südseite des Marktplatzes liegt das Rathaus, ein schlichter Barockbau, der im Jahr 2008 umfassend saniert wurde.

Auf dem Friedhof im Süden der Stadt steht eine Trauerhalle. Sie wurde zwischen 1897 und 1900 im neugotischen Stil durch den Gehrener Baumeister Domhardt errichtet. Sie stellt ein eindrucksvolles Zeugnis des Historismus dar, wobei die Innenraum-Ausmalung aus den Jahren 1921/22 stammt. Die Bleiglasfenster wurden allerdings 1945 durch US-amerikanischen Artilleriebeschuss bis auf eine Ausnahme zerstört. 2003 wurde die Trauerhalle restauriert.

Wirtschaft und Verkehr
Plüschfabrik

Gehren war einst bedeutender Industrieort. Im Norden der Stadt befindet sich das Industriegebiet. Früher gab es in Gehren Glas-, Porzellan- und Holzindustrie. Das Gehrener Sägewerk war das größte der DDR. Gegründet wurde es jedoch schon um die Jahrhundertwende, damals unter dem Namen Kirsch mit zeitweise über 800 Mitarbeitern. Heute gibt es in Gehren verschiedene mittelständische Unternehmen, die sich im Gewerbegebiet im Norden der Stadt angesiedelt haben.

Bekannt wurde Gehren durch die Fabrikation von Plüschtieren. Die Plüschtierfabrik produziert auch heute noch. Seit 1990 konnte sie sich, im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben, auf dem freien Markt behaupten. Allerdings wurde die langjährige Verkaufsstelle Ende 2011 geschlossen und Bestellungen sind gegenwärtig nur noch übers Internet möglich.

Größtes Unternehmen der Stadt ist heute die SZW Prophet GmbH, ein Automobilzulieferer mit 100 Mitarbeitern.

Verkehr
ehemaliger Bahnhof Gehren (Thür)

Gehren liegt an der B 88 Ilmenau–Rudolstadt, für die im Bundesverkehrswegeplan 2030 eine Ortsumgehung im weiteren Bedarf vorgesehen ist. In Gehren wird sie von der Landesstraße 1047 Gräfinau-Angstedt–Großbreitenbach gekreuzt. Die Stadt ist in hohem Maße vom Durchgangsverkehr von der A 71 (Anschlussstelle Ilmenau-Ost) ins Schiefergebirge belastet, dabei ist die Ortsdurchfahrt von engen Straßen und Kreuzungen geprägt. Von 1881 bis 1997 hatte Gehren einen Eisenbahnanschluss über die Bahnstrecke Ilmenau–Großbreitenbach. Auf dem Stadtgebiet lagen der Haltepunkt Gehren (Thür) Stadt im Westen und der Bahnhof Gehren (Thür) im Osten.

Öffentliche Einrichtungen

Gehren ist Standort der Thüringer Landeswaldarbeiterschule, in der alle Förster des Landes ausgebildet werden.

Persönlichkeiten
Johann Michael Bach (1648–1694), Komponist; war Stadtschreiber in Gehren
Maria Barbara Bach (1684–1720), Tochter von Johann Michael Bach und erste Frau von Johann Sebastian Bach
Udo Kier (* 1944), Schauspieler; kaufte 2008 das Schulhaus in Gehren
Heinrich Balthasar Roth (1639–1689), Rechtswissenschaftler
Literatur
Heinrich Pausch: Stadt Gehren – 850 jähriges Ortsbestehen. Rat der Stadt Gehren, Gehren 1955.
Stadt Gehren, Festausschuss für Festschrift und Öffentlichkeitsarbeit [Hrsg.]: Gehren und seine Geschichte : 150 Jahre Stadtrecht ; 1855–2005. RhinoVerlag, Ilmenau und Weimar, 2005. ISBN 3-86636-901-8
Olaf Batke: Das Gehrener Schloß. Stadtverwaltung Gehren, Gehren, 1993.
Weblinks
 Commons: Gehren – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Website der Stadt