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Geschichte
Giengen um 1897
Giengen

Giengen wurde zum ersten Mal im Jahr 1078 als Giengin in einer Chronik des Klosters Petershausen urkundlich erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert. Die Siedlung entwickelte sich um eine Burg, die im 14. Jahrhundert noch erwähnt war. Im 13. Jahrhundert war Giengen bereits als Stadt genannt. 1391 konnte sie ihre Reichsfreiheit erlangen. 1395 trat sie dem Schwäbischen Städtebund bei. Die Stadt konnte sich jedoch kein Herrschaftsgebiet erwerben. Sie führte die Reformation ein und trat 1608 der evangelischen Union bei. Als Freie Reichsstadt besaß sie das Recht der „Hohen Gerichtsbarkeit“, d. h., das Recht bei schweren Straftaten die Todesstrafe verhängen zu können. So wurde 1615 Apollonia Sailer („Sailer Apel“) als Hexe angeklagt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.[5]
Mit Württemberg gab es oft Streitigkeiten über die Obrigkeit. Am 5./15. September 1634 brannte die Stadt bis auf wenige Überreste vollständig ab; zum Gedenken an diesen Tag schuf der aus Giengen stammende Ulmer Stadtmaler Stötzlin das sogenannte „Brandbild“, das heute noch in der Stadtkirche besichtigt werden kann.

Durch die Mediatisierung in der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 kam die Stadt an das Königreich Württemberg und wurde 1806 Sitz eines Oberamtes, das jedoch 1809 bereits wieder aufgelöst wurde. Fortan gehörte die Stadt zum Oberamt Heidenheim, aus dem 1938 der Landkreis Heidenheim hervorging. 1972 erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung.

Die Einwohnerzahl der Stadt Giengen überschritt 1996 die 20.000-Einwohner-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die baden-württembergische Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. Januar 1999 beschloss.

Stadtteile

Die Burg im Stadtteil Burgberg wurde 1209 erstmals als Burg Berg, der zugehörige Weiler 1372 als Berg erstmals erwähnt. Von den Herren von Berg kam der Ort an verschiedene Geschlechter. Ein Teil kam 1328 schließlich an die Herren von Öttingen. Die andere Hälfte war im Besitz der Herren von Böbingen. Im 14. Jahrhundert waren die Herren von Stein Besitzer, und schließlich 1452 waren die Herren von Grafeneck, die den Ort bis 1728 beherrschten, die Ortsherren. Dann fiel der Ort wieder an die von Öttingen. Im Schloss und im Weiler stand die hohe Obrigkeit und teilweise auch die niedrige Obrigkeit der württembergischen Herrschaft Heidenheim zu, sonst den Schlossherren. 1806 fiel der Ort an Bayern, 1810 an Württemberg und gehörte zum Oberamt Heidenheim. Das Schloss wurde 1838 von den Öttingen an Freiherr von Linden verkauft. 1936 erwarb es die Gemeinde. Im Ort wurde im 18. Jahrhundert von der Ortsherrschaft Fahrendes Volk angesiedelt, das überwiegend der Volksgruppe der Jenischen angehörten.

Hohenmemmingen wurde 1250 erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zur Herrschaft Staufen, die den Ort 1353 an die Herren von Helfenstein verkauften. Somit gelangte der Ort an die Herrschaft Heidenheim und kam mit diesem 1504 an Württemberg. Es gehörte schon früh zum Oberamt Heidenheim.

Hürben wurde 1171 als Hurwin (Sumpf) erstmals erwähnt. Über mehrere Herrschaften kam auch Hürben an Heidenheim, wurde 1442 an Ulm verpfändet und 1448 jedoch wieder mit Heidenheim an Württemberg und gehörte zum Oberamt Heidenheim.

Sachsenhausen wurde 1143 als Sachsenhusen erstmals erwähnt. Auch dieser Ort kam über verschiedene Herrschaften an Heidenheim und damit 1448 an Württemberg und war dem Oberamt Heidenheim zugehörig.

Religionen

Die Bevölkerung von Giengen an der Brenz gehörte ursprünglich zum Bistum Augsburg und war dem Archidiakonat Ries unterstellt. 1528 wurde die erste evangelische Predigt gehalten. Auf Bitten der Bürger wurde 1531 der erste evangelische Prediger angestellt. Es gab jedoch weiterhin katholische Gottesdienste. 1537 wurde die württembergische Kirchenordnung eingeführt, und 1556 wurde endgültig die Reformation besiegelt. Katholische Gottesdienste wurden eingestellt. Danach war Giengen über Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Als Freie Reichsstadt konnte sie ihre kirchlichen Angelegenheiten selbst regeln. Bürgermeister Jörg Vetter (1512–1589) unterzeichnete für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577[6].

Nach dem Übergang an Württemberg wurde die Kirchengemeinde Giengen dem Dekanat bzw. Kirchenbezirk Heidenheim zugeordnet. Neben der Stadtkirche gibt es noch die Spitalkirche, die aber seit 1967 der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Gottesdienstraum dient.

In den Stadtteilen Hohenmemmingen, Hürben und Sachsenhausen wurde infolge der frühen Zugehörigkeit zu Württemberg ebenfalls die Reformation eingeführt. Daher gibt es in diesen Orten jeweils eine evangelische Kirchengemeinde und eine Kirche. Die Protestanten von Burgberg gehören zur Nachbarkirchengemeinde Hermaringen. Burgberg ist sonst überwiegend katholisch. Alle evangelischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet Giengens gehören zum Dekanat Heidenheim innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Katholiken gibt es in Giengen erst wieder seit dem späten 19. Jahrhundert. Für sie wurde 1909 eine eigene Kirche St. Maria gebaut. Doch wurde erst 1936 ein Expositurvikariat eingerichtet, das 1950 zur Pfarrverweserei und 1954 zur Pfarrei erhoben wurde. 1962 wurde die heutige Pfarreikirche Heilig Geist erbaut. Zur Kirchengemeinde Heilig Geist Giengen gehören auch die Stadtteile Hohenmemmingen und Sachsenhausen. Burgberg hat eine eigene Kirchengemeinde St. Vitus, zu der Hürben gehört. Beide Gemeinden gehören zur Seelsorgeeinheit 6 im Dekanat Heidenheim des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Auch die Neuapostolische Kirche ist in Giengen vertreten.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1634 ca. 36 Familien
1810 1.578
1823 1.792
1834 2.107
1843 2.143
1861 2.412
1. Dezember 1871 2.560
1. Dezember 18801 2.926
1. Dezember 18901 3.176
1. Dezember 19001 3.112
1. Dezember 19101 3.459
16. Juni 19251 3.409
16. Juni 19331 3.615
17. Mai 19391 3.900
Jahr Einwohner
1946 5.615
13. September 19501 6.627
6. Juni 19611 10.825
27. Mai 19701 14.440
31. Dezember 1975 18.939
31. Dezember 1980 18.643
25. Mai 19871 18.378
31. Dezember 1990 18.836
31. Dezember 1995 19.842
31. Dezember 2000 20.318
31. Dezember 2005 20.151
31. Dezember 2010 19.434
31. Dezember 2015 19.342

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden wurden nach Giengen an der Brenz eingegliedert:

1. Januar 1972: Hürben und Sachsenhausen[7]
15. März 1972: Hohenmemmingen[8]
1. April 1972: Burgberg[8]

Wappen der eingemeindeten Gemeinden

Hürben Sachsenhausen Hohenmemmingen Burgberg

Politik
Verwaltungsgemeinschaft

Mit der Gemeinde Hermaringen ist die Stadt Giengen an der Brenz eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Bürgermeister

An der Spitze der Stadt Giengen an der Brenz stand in kaiserlicher Zeit der Vogt als Vorsitzender des Gerichts. Später leitete der Stadtamtmann als Vertreter des Kaisers das Gericht in der Stadt. Daneben hatte Giengen einen Rat, der aus einem Bürgermeister und 11 bis 15 Ratsherren bestand. Von 1552 bis 1565 gab es vorübergehend drei Bürgermeister. Die Amtszeit des Bürgermeisters dauerte ein Jahr, doch waren sie danach dem neuen Bürgermeister noch zur Seite gestellt. Der amtierende Bürgermeister, seine zwei Vorgänger und 2 Ratsmitglieder bildeten die „Fünf Geheimen“. Die Verfassung der Stadt wurde mehrmals geändert. Nach dem Übergang an Württemberg wurde der Bürgermeister auf Lebenszeit gewählt. Ab 1819 trug er die Bezeichnung Stadtschultheiß seit 1933 Bürgermeister und mit der Erhebung zur Großen Kreisstadt am 1. Januar 1999 lautet die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Dieser wird von den Wahlberechtigten auf acht Jahre direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Sein allgemeiner Stellvertreter ist der 1. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.

Zwischen 1798 und 1819 amtierten Johann Eßlinger, Johann Michael Heinzelmann, Georg Schnapper, Johannes Nüsseler und Johann Jakob Hastermann teilweise mehrmals, jeweils für ein Jahr, als Bürgermeister.[9]

1819–1826: Johannes Oswald
1826–1848: Martin
1848–1851: Lorenz David Wencher
1851–1860: Anton Fink
1860–1891: Lorenz David Wencher, 2. Amtszeit
1891–1929: Julius Brezger
1929–1945: Christian Ehrlinger
1945–1948: Adolf Kolb
1948–1977: Walter Schmid
1977–2001: Siegfried Rieg
2001–2009: Clemens Stahl
2009–2017: Gerrit Elser
Ab Oktober 2017: Dieter Henle. Er wurde im Juli 2017 im zweiten Wahlgang gewählt.[10]
Gemeinderat

Fraktion Sitze 2014 Sitze 2009 Sitze 2004 Sitze 1999
CDU 13 13 15 14
SPD 11 11 10 10
Unabhängige und Grüne 5 3 3 2
Sitze insgesamt 29 27 28 26

In Giengen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Giengen hat nach der letzten Wahl 29 Mitglieder (vorher 27). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009

Kommunalwahl 2014

 %50403020100

44,1 %37,5 %18,4 %

CDUSPDGrüne
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   8   6   4   2   0  -2  -4

-3,6 %p
-3,4 %p+7,0 %p
CDUSPDGrüne

CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands-Wählerblock Giengen 44,1 13 47,7 13
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 37,5 11 40,9 11
Grüne Unabhängige und Grüne 18,4 5 11,4 3
gesamt 100,0 29 100,0 27
Wahlbeteiligung 37,2 % 42,4 %

Wappen

Das Wappen der Stadt Giengen an der Brenz zeigt in Blau ein aufgerichtetes goldenes Einhorn. Die Stadtflagge ist blau-gelb.

Schon ein Siegel von 1293 zeigt das Einhorn als Wappenfigur, ebenso wie die Freie Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Doch haben beide Städte eine andere Blasonierung. Im 14. Jahrhundert tauchte in den Siegeln Giengens auch der Reichsadler auf. Im 19. Jahrhundert wurden Einhorn und die württembergischen Hirschstangen auf gespaltenem Schild dargestellt. Seit 1890 ist das Einhorn wieder das alleinige Wappensymbol. Die Flagge ist erstmals seit 1546 nachweisbar.

Städtepartnerschaften

Giengen unterhält Städtepartnerschaften mit:

Osterreich Köflach, Österreich (seit 1962)
Frankreich Le Pré-Saint-Gervais bei Paris in Frankreich (seit 1970) [11]
Deutschland dem thüringischen Zeulenroda-Triebes (seit 1990)
Wirtschaft und Infrastruktur
Walter-Schmid-Halle
Verkehr

Giengen besitzt einen Sportflugplatz und liegt verkehrsgünstig an der Bundesautobahn 7 (Flensburg–Füssen). Die Stadt ist über die Anschlussstelle Giengen/Herbrechtingen zu erreichen. Die B 19 führt über Herbrechtingen nach Heidenheim.

Die Stadt liegt an der Brenzbahn (Aalen–Heidenheim–Ulm) und gehört dem Heidenheimer Tarifverbund an. Im Stundentakt verbinden Regional-Express-Züge (RE) Giengen mit Ulm und Aalen bzw. Ellwangen, im Zweistundentakt verkehren zusätzlich Interregio-Express-Züge (IRE) nach Ulm und Aalen mit Anschluss an die Intercity-Züge (IC) in Aalen.
Im Stadtgebiet versorgen fünf Buslinien den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Medien

Über das Lokalgeschehen in Giengen berichtet die Heidenheimer Zeitung, bis zur Einstellung im November 2012 erschien noch zusätzlich der Brenztal-Bote (eine Ausgabe der Heidenheimer Zeitung) der Nachfolger der früheren „Giengener Zeitung“.

Der Südwestrundfunk betreibt auf dem Bruckersberg einen Füllsender, den Sender Giengen, von dem die Hörfunkprogramme SWR1 Baden-Württemberg (89,9 MHz), SWR2 (87,8 MHz), SWR3 (93,6 MHz) und SWR4 Schwaben Radio (97,7 MHz) abgestrahlt werden. Die regionalen privaten Hörfunkprogramme sind Radio 7 (103,7 MHz; Sender Aalen) und Radio Ton (107,1 MHz; Sender Aalen).

Sport

In Giengen gibt es mehrere Sportvereine, darunter die TSG Giengen, den SC Giengen, den Schachverein Giengen, den TC Giengen, die Sportfreunde Südhang und den TKSV Giengen. Ältester Verein Ist die Schützengesellschaft Giengen 1830 e. V., deren Schützenhaus sich am Rande des Schießbergs im Hölltal befindet.

Auf dem Schießberg liegt die Spielstätte der TSG Giengen, das Schießbergstadion.
Nicht weit entfernt befindet sich das Bergbad, das Freibad der Stadt Giengen, das auch das DLRG Heim der Ortsgruppe Giengen beherbergt.

Öffentliche Einrichtungen

Giengen an der Brenz verfügt über ein Notariat.

Bäder:

Auf dem Schießberg befindet sich ein Freibad, das sogenannte Bergbad, das von Anfang Mai bis Ende September geöffnet ist.[12]
Schwimmerbecken (50 Meter, 6 Bahnen wettkampfgerecht) und Nichtschwimmerbecken (50 Meter) sind in Edelstahl ausgeführt, ebenso wie der Kinderplanschbereich mit Minirutsche und Babywickelraum. Eine Attraktion ist die Riesenrutsche mit 60 m Länge.
Neben einem Spielbereich für Kleinkinder stehen Flächen für Spiel und Sport zur Verfügung, wie Beach-Volleyball-Feld, Tischtennis, Minigolf und Spielplätze.
Auf der zentralen Terrasse findet man Freiluftschach oder hat einen Ausblick auf das Bad und die umliegende parkartige Landschaft.

Im unteren Teil der Walter Schmid Halle befindet sich ein Hallenbad, das von Anfang Oktober bis Ende Mai geöffnet ist.
Es hat ein 20 m Schwimmerbecken mit vier Bahnen und einen Nichtschwimmerbereich.

Spiel und Sport:

Am Brunnenfeld (Ortsausgang Giengen Richtung Oggenhausen) starten drei unterschiedlich lange Nordic Walking Strecken bzw. ein Trimdichpfad. Die Wege sind ausgeschildert. Auf jeder Tour gibt es Stationen zum Pulsmessen und Kräftigen. Die leichte Tour ist 4 Kilometer lang, die mittelschwere Tour 5,9 Kilometer, die schwierige Tour insgesamt 10,5 Kilometer.[13]

Des Weiteren steht ein kompletter Betonskatepark von Bowl Construction im Wohngebiet Schwage zur Verfügung. Er ist kostenlos zu befahren. Es ist ein reiner Streetpark mit gut ausgedachten Elementen u. a. mit Rainbow-Rail, London-Gap, mit einer Wave und einer Transition-Auffahrt im Center-Element.[14]

In unmittelbarer Nähe zum Skaterpark gibt es einen angelegten Eisweiher, der in den Wintermonaten öffentlich mit Schlittschuhen befahren werden kann. Jedoch ist dieser durch Vegetation und Vandalismus kaum noch nutzbar.

Naherholung und Freizeitanlagen:

Direkt am nördlichen Dorfeingang von Burgberg befindet sich in idyllischer Naturlandschaft eine reizvolle Naherholungs- und Freizeitanlage. In parkähnlicher Umgebung vor der Kulisse des Stettbergs und am glitzernden Hürbebach gelegen, hat sich dieses Kleinod zu einem wahren „Herzstück“ entwickelt. Allein schon die traumhafte Lage inmitten des Naturschutzgebietes des Lone- und Hürbetals, mit direktem Anschluss an den Ort und hervorragender Anbindung an die umliegenden Rad- und Wanderwege, machen die Anlage einzigartig. Wassertreten, Weidenzelt, Rutsche, Bienenhotel, Nistkästen, aber auch Fauna und Flora tun ihr Übriges, so dass sich die Anlage nicht nur bei Familien mit Kindern großer Beliebtheit erfreut.[15]

Wohl einmalig ist das ,,Jakobswegle“ im Stadtteil Hürben. Es stellt die Strecke von Giengen nach Santiago de Compostela im Maßstab 1:1000 auf 2,5 Kilometern dar und wurde 2009 eröffnet.
Der gesamte Rundweg um den Kagberg misst 4,2 km. Anfang und Ende des Jakobswegles werden durch eine 1,7 km lange Wegstrecke abgerundet, die auf dem Original-Jakobsweg liegt. Die Strecke informiert den Wanderer oder Pilger über die Person des Heiligen Jakobus und die Geschichte des Jakobswegs.[16]
Das ,,Wegle“ liegt unmittelbar in der Nähe der Höhlenerlebnis Welt, sowie der Charlottenhöhle und der Kaltenburg.

Ansässige Unternehmen
Logistikzentrum und Werk der BSH Hausgeräte

Weltbekannt ist die seit 1880 bestehende Stofftierfirma Steiff, die am Stammsitz in Giengen rund 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Entwicklungs- und Produktionsstätte für Kühlgeräte der BSH Hausgeräte ist mit etwa 2500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber Giengens, gefolgt von der 1890 gegründeten Feuerwehrgerätefabrik Ziegler mit rund 480 Mitarbeitern. Bis 2013 gab es mit der Armaturenfabrik AWG neben Ziegler einen weiteren international tätigen Feuerwehrausstatter in der Stadt. Ein weiteres traditionsreiches Unternehmen in Giengen sind die Vereinigten Filzfabriken (VFG), welche bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden und den Ausgangsstoff für die ersten Produkte von Margarete Steiff lieferten. Die Orgelbau-Werkstatt Link ist seit dem 19. Jahrhundert ein traditionsreicher Hersteller hochwertiger Orgeln. Seit 1903 besteht die traditionsreiche Druckerei Schmid.

Seit 2002 gibt es den Industriepark A 7, ein gemeinsames Projekt mit der Nachbarstadt Herbrechtingen an der Bundesautobahn 7, der von den Logistikzentren der Speditionen Kentner und Honold dominiert wird.

Bildungseinrichtungen

In Giengen an der Brenz gibt es ein Gymnasium (Margarete-Steiff-Gymnasium), eine Realschule (Robert-Bosch-Realschule), eine Förderschule (Jakob-Herbrandt-Schule), eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (Bühlschule), sowie drei selbständige Grundschulen (Lina Hähnle Schule mit Bergschule, Grundschule Burgberg, Grundschule Hohenmemmingen und Grundschule Hürben).
Neben den Schulen befinden sich auch 9 Kindergärten verteilt in der Kernstadt und 3 weitere in den Teilorten.

Giengen verfügt ebenfalls über eine Bibliothek, die sich in der alten ,,Grabenschule“ befindet unweit der Stadtkirche. In zwei Räumen finden man auf ca. 150 m² ca. 17.000 Medien, 20 aktuelle Zeitschriften, eine Tages- und eine Wochenzeitung sowie ein vielfältiges Angebot von neuen Medien. Für die Medien-Recherche intern steht der Bibliothekskatalog an einem OPAC-PC zur Verfügung. Außerdem findet man aktuelle Musik-CDs, DVD-Spielfilme, PC Lern- und Freizeitspiele, Hörbücher für Kinder und Erwachsene, sowie digitale Medien wie E-Books, E-Audios, E-Magazines und E-Papers zum Ausleihe.[17]

Zu erwähnen ist, dass sich neben der Bibliothek auch das Stadtarchiv in der Grabenschule befindet. Es verwahrt die schriftlich dokumentierte Überlieferung vom 14. Jahrhundert bis etwa 1972. Weite Felder forschender Aktivitäten sind in den Bereichen Orts-, Heimat-, Familien-, Politik-, Rechts-, Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte möglich.
Der reichsstädtische Bestand enthält Schriftgut vom 14. bis 19. Jahrhundert. Es schließt sich zeitlich die sogenannte „Altregistratur“ an, deren Schriftgut bis zum Beginn der 1930er Jahre reicht. Verwahrt werden zudem die Archive der Teilorte Burgberg, Hohenmemmingen, Hürben und Sachsenhausen. Verschiedene Sammlungen wie Zeitungen, Zeitungsausschnitte, Karten, Pläne, Zeichnungen, Plakate, Prospekte, Broschüren, Filme, Tonträger, Fotosammlungen, Siegelsammlung und andere Sammlungen privater Herkunft stehen zur Verfügung.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke und Museen
Stadtkirche 2006

Sehenswert ist die Altstadt. Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Evangelische Stadtkirche mit ihren beiden ungleichen Türmen. Das Bauwerk aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde um 1400 gotisch erweitert. Die Zerstörungen des Stadtbrands waren 1655 wieder behoben. Die Renovierung von 1906 brachte Jugendstilelemente und die berühmte Orgel der Gebrüder Link (sehr bedeutendes spätromantisches Orgelwerk, weitgehend original erhalten) in die Kirche. Weitere Bauwerke sind die gotische Spitalkirche zum Heiligen Geist (heute griechisch-orthodoxe Kirche), das Rathaus von 1667/71, das ehemalige Kornhaus aus dem 15. Jahrhundert und Reste der ehemaligen Stadtbefestigung. Die katholische Heilig-Geist-Kirche wurde 1962 erbaut.

Evangelische Dorfkirche in Sachsenhausen

Sehenswürdigkeiten in den Stadtteilen sind: Das Stadtmuseum im alten Rathaus des Stadtteils Hürben; die Charlottenhöhle, mit 587 Metern Gesamtlänge eine der längsten Schauhöhlen Süddeutschlands, sowie die Burg Kaltenburg bei Hürben im Lonetal; die Alte Mahlmühle von 1344 und das Schloss im Stadtteil Burgberg. Hinzu kommen die evangelischen Kirchen in Hohenmemmingen (romanisch mit mehreren Veränderungen), Hürben (spätbarocker Bau von Christoph Friedrich Weyhing) und Sachsenhausen (nach Brand neu erbaut 1681). Die katholische Kirche Burgberg wurde 1966 anstelle der 1853 erbauten Kirche erstellt. Die Hohenmemminger katholische Kirche wurde 1958 erbaut.

Von besonderer Bedeutung im Kontext moderner Architektur – und als reizvoller Kontrast zum mittelalterlichen Charme der Altstadt fungierend – ist das Fabrikgelände der Spielwarenfabrik Steiff. Die Gebäude sind hervorragend erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Mit ihrer im Industriebau weltweit vermutlich ersten Vorhangfassade (1903) und der eigentümlichen Verbindung aus Funktionalität und Ästhetik stellt die Spielwarenfabrik ein Monument modernen Bauens dar, dem erst in jüngerer Zeit die gebührende Würdigung zuteil wird. Die Spielwarenfabrik Steiff gilt als Vorreiter der Neuen Sachlichkeit.[19] Die im Juni 2005 neu eröffnete Welt von Steiff zeigt die Geschichte des Unternehmens und dessen weltbekannte Produkte.

Im August 2005 wurde bei der Charlottenhöhle in Hürben ein Höhlenhaus eröffnet. Dort wird Zeitgeschichtliches zum Thema Höhlen visuell dargestellt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich am Dienstag nach Pfingsten findet seit über 300 Jahren das Kinderfest auf dem Schießberg statt, für das im Voraus die Straßen der Stadt mit Fähnchen geschmückt werden und nach frühmorgendlichen Böllerschüssen vom Bruckersberg aus Musikkapellen von allen Ecken der Stadt losziehend die Giengener zu ihrem Fest einladen. Eine besondere Tradition sind auch die sogenannten „Jahrgangsfeiern“. Beginnend mit dem „40er-Fest“ treffen sich die Angehörigen eines „runden“ Jahrgangs jährlich zu Pfingsten am Kinderfest zu meist mehrtägigen Festivitäten.[2] Daneben gibt es jährlich das dreitägige Stadtfest. Zudem richten die zu Giengen gehörenden Gemeinden jährliche Dorffeste aus. Einzig Hohenmemmingen und Sachsenhausen vollziehen diese Dorffeste im Wechsel.
Jährlich wird (außer 2015) eine Musiknacht veranstaltet, in der mehrere Bands an den verschiedensten Orten in der Stadt ihre Musik vorstellten.
Seit 2015 findet in den Sommermonaten „Halb8“ statt. Hierbei treten unterschiedliche Bands umsonst und draußen an mehreren Tagen um 19:30 Uhr (daher ,,Halb8″) vor dem Rathaus auf.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger

Die Stadt Giengen an der Brenz hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:[9]

1875 Johann Voetsch, Schulmeister (* 1824 in Ostdorf; † 1897 in Ulm)
1894 Josef Stöcker, Stadtförster (* 1822 in Bühlertann; † 1895 in Giengen)
1902 Christian Baumann, Oberlehrer (* 1830 in Giengen; † 1913 in Giengen)
1906 Karl Rau, Stadtbaumeister (* 1830 in Giengen; † 1913 in Giengen)
1908 Hans Haehnle, Kommerzienrat, MdR (* 1839 in Giengen; † 1909 in Winnental)
1909 August Dieterlen, Professor (* 1847 in Gönningen; † 1923 in Stuttgart)
1920 Georg Käumle, Rektor (* 1853 in Gärtringen; † 1936 in Stuttgart)
1921 Dr. Paul Wörnle, Oberforstrat (* 1869 in Stuttgart; † 1937 in Stuttgart)
1929 Julius Brezger, Stadtschultheiß (* 1861 in Giengen; † 1930 in Göppingen)
1930 Lina Hähnle, Gründerin und Vorsitzende des Bundes für Vogelschutz (* 1851 in Sulz a. N.; † 1941 in Giengen)
1977 Walter Schmid, Bürgermeister (* 1910; † 1994 in Giengen)
1988 Hans Otto Steiff, Fabrikant (* 1919 in Giengen; † 1994 in Giengen)
2001 Siegfried Rieg, Oberbürgermeister
Söhne und Töchter der Stadt
Jacob Heerbrand (* 12. August 1521; † 22. Mai 1600 in Tübingen), Professor der Theologie, Kanzler und Propst in Tübingen
Georg Hitzler (* 18. September 1528; † 22. April 1591 in Tübingen), Professor in Straßburg und Tübingen
Hans Haehnle (* 29. Juli 1838; † 5. Juli 1909 in Winnental), Begründer der Filzfabrik, Landtags- und Reichstagsabgeordneter
Margarete Steiff (* 24. Juli 1847; † 9. Mai 1909), Begründerin der Spielwarenfabrik Steiff
Max von Zabern (* 3. Juni 1903; † 12. Juni 1991 in Mannheim), Landrat und Bankier
Karl Gerold (* 29. August 1906; † 28. Februar 1973 in Frankfurt am Main), Journalist, Mitherausgeber der Frankfurter Rundschau
Erich Ehrlinger (* 14. Oktober 1910; † 31. Juli 2004 in Karlsruhe), Massenmörder, SS-Brigadeführer und Befehlshaber der Sicherheitspolizei Russland-Mitte.
Ursula Späth (* 9. November 1937), Witwe von Lothar Späth, Schirmherrin des Landesverbandes „Aktion Multiple Sklerose Erkrankter“ (AMSEL)
Jörg Knoblauch (* 1949), Unternehmer
Dieter Renner (* 18. Dezember 1949; † 28. Mai 1998 in Ruit auf den Fildern), Fußballspieler und -trainer
Jochen Klein (* 1967; † 28. Juli 1997 in München), Künstler
Frank Zeller (* 23. April 1969 in Burgberg), Schachspieler, -autor und -trainer
Franz Garlik, Musiker und Schauspieler
Bernd Maier (* 30. November 1974), Fußballspieler
Literatur
Württembergisches Städtebuch; Band IV Teilband Baden-Württemberg Band 2 aus „Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte“ – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1961
900 Jahre Giengen an der Brenz. Beiträge zur Stadtgeschichte. Hrsg. vom Arbeitskreis für Stadtgeschichte Giengen an der Brenz, 2. Auflage, Selbstverlag, Giengen an der Brenz 1978 (ohne ISBN)
Weblinks
 Commons: Giengen an der Brenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Giengen – in der Beschreibung des Oberamts Heidenheim von 1844
 Wikivoyage: Giengen an der Brenz – Reiseführer
Internetpräsenz der Stadt Giengen
Inoffizielle Internetpräsentation Giengen/Brenz