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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Grafling nicht vorenthalten.

Geschichte
Bis zur Gemeindegründung

Grafling gehörte zum Rentamt Straubing und zum Landgericht Deggendorf des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Die Besiedelung des Graflinger Tales erfolgte vom Kloster Metten aus, das 790 n. Chr. mit der Kolonisation des Bayerischen Waldes betraut wurde. Im Jahr 805 wurde das Graflinger Tal erstmals geschichtlich erwähnt. In der Folgezeit erschlossen die bayerischen Herzöge das Tal. 1253 fiel das Gebiet unter die Herrschaft der Wittelsbacher. Im dreißigjährigen Krieg wurde die Region und auch Grafling mehrfach überfallen und geplündert. Zahlreiche Brandschatzungen fanden in dieser Zeit statt.

Eingemeindungen

Die ehemaligen Gemeinden Alberting (1970: 346 Einwohner) und Hirschberg (1970: 480 Einwohner) wurden am 1. Januar 1972 eingegliedert.[3] Bergern (1970: 461 Einwohner) folgte am 1. Mai 1978.[4]

Einwohnerentwicklung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1900 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner 1809 2142 2413 2524 2759 2781 2790 2785 2728 2749

Bevölkerungsstruktur

Im Jahre 2014 betrug der Anteil der Senioren über 65 Lebensjahren annähernd 17 %, der Anteil der Minderjährigen lag knapp über 17 %. 51 % der Bevölkerung waren weiblich. Nahezu 94 % der Einwohner waren mit Erstwohnsitz in Grafling gemeldet.[5]

Politik
Gemeinderat

CSU SPD Freie Wähler Grafling FWG Bergern FWG Alberting Junge Liste Gesamt
2002 4 2 4 2 2 14
2008 4 3 3 2 1 1 14
2014 5 1 3 2 2 1 14

(Bei den Kommunalwahlen 2008 und 2014 sind die Freien Wähler, FWG Bergern und FWG Alberting eine Listenverbindung eingegangen; ebenso ist die CSU und die Junge Liste eine Listenverbindung eingegangen.)

Gemeinderäte 2014–2020:

CSU 31,78 %, 5 Mandate: Martin Gürster, Anton Stettmer, Karl Schauer, Josef Ebner jun., Robert Kraus
FWG Grafling 22,71 %, 3 Mandate: Josef Schwarzbauer, Markus Haftner, Christian Gürster
FWG Bergern 13,58 %, 2 Mandate: Stephan Karl, Gerhard Robold
FWG Wähler Alberting 11,56 %, 2 Mandate: Johann Knogl, Günter Brem
SPD 10,40 %, 1 Mandat: Alfred Trumm
Junge Liste 9,96 %, 1 Mandat: Hans Günther Knogl
Rathaus von Grafling
Bürgermeister

1. Bürgermeister ist Willibald Zißlsberger (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Hans Bügler (FWG), der aufgrund seines Ruhestandsalters nach zwölf Amtsjahren nicht mehr kandidierte. Im März 2008 wurde Zißlsberger ohne Gegenkandidat wiedergewählt, ebenso am 16. März 2014.
Die ersten elf Dienstjahre war Zißlsberger als SPD-Bürgermeister tätig, im Mai 2013 wechselte er zur CSU.[6]

Anton Stettmer und Markus Haftner wurden in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates im Mai 2014 zu Zißlsbergers Stellvertretern gewählt.

Finanzen 2013 und 2014

Der Verwaltungshaushalt betrug laut Plan 3,38 Millionen €, der Vermögenshaushalt 1,78 Millionen €. Die Verschuldung blieb 2013 im Vergleich zu 2012 bei 1,49 Millionen € konstant, dementsprechend 543 € je Einwohner.[7] 2014 konnten die Schulden auf 1,12 Millionen € gesenkt werden, entsprechend 404 € je Einwohner.[8]

Wappen

Blasonierung: „Unter dem grünen Schildhaupt, darin ein durchgehendes silbernes Andreaskreuz, gespalten von Blau und Silber, belegt mit einem gemauerten goldenen Balken.“[9]
Wappenbegründung: Das Wappen wurde am 15. Mai 1981 von der Regierung von Niederbayern genehmigt. Für die Geschichte des Gemeindegebiets waren vor allem die bayerischen Landesherren und als Grundbesitzer auch das Kloster Gotteszell bedeutsam. Die Spaltung mit dem aufgelegten gemauerten Balken entspricht dem Wappen von Gotteszell, wobei das ursprünglich rote vordere Feld durch ein blaues Feld ersetzt wurde, um auf die vom Kastenamt Deggendorf aus verwaltete landesherrliche Grundherrschaft im Gemeindegebiet hinzuweisen. Das Andreaskreuz im Schildhaupt steht für die Pfarrkirche von Grafling, die dem hl. Andreas geweiht ist. Die Tingierung Grün symbolisiert die geographische Lage der Gemeinde im Bayerischen Wald.[10]

Gemeindepartnerschaften
Polen Polen: Grafling unterhält seit 2000 eine Partnerschaft mit der Kleinstadt Pelplin.
Tschechien Tschechien: Grafling ist mit Dolany im Jahr 2010 eine Partnerschaft eingegangen.[11]
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 76 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 44 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 977. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 108 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1010 ha, davon waren 134 ha Ackerfläche und 875 ha Dauergrünfläche.

Am 18. Juni 2008 wies die Betriebedatenbank des Landkreises Deggendorf für Grafling 81 Betriebe aus, die überwiegend im handwerklichen, forstwirtschaftlichen und gastronomischen bzw. Herbergsbereich tätig waren.[12]

Verkehr
Straße

Grafling wird durch die Bundesstraße 11 (Europastraße 53) von Deggendorf nach Bayerisch Eisenstein durchquert. Für den Abschnitt Deggendorf-Grafling ist auf 4,5 km Länge eine Trassenverlegung und ein dreistreifiger Ausbau in Planung; die Verkehrsprognose für 2020 beträgt 12.600 Kfz pro Tag.[13] Entgegen bisheriger Absichten des staatlichen Bauamtes, den Abschnitt der B11 zwischen den Ortsteilen Datting und Hochbühl ebenfalls dreistreifig auszubauen, erfolgt dieser Ausbau nun aus naturschutzrechtlichen Gründen nur noch zweistreifig.[8]

Die Gemeinde ist durch Buslinien der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Deggendorf an die Nachbarkommunen angeschlossen.

Schiene

Seit 1877 durchquert die Bahnstrecke Plattling–Bayerisch Eisenstein das Gemeindegebiet. Dabei überwindet sie mittels einer doppelten Kehrschleife, der Ulrichsberger Doppelschleife, auf dem höchsten Naturbahndamms Deutschlands und in zwei Tunnel ungefähr 250 Höhenmeter.

Das Gemeindegebiet wurde ursprünglich durch den Bahnhof Grafling erschlossen. Nachdem der Bahnhof im Lauf der Zeit seine Aufgabe als Ausweichstelle verlor, wurde der Halt 1990 aufgegeben und das Bahnhofsgebäude später privatisiert. Mit der Einführung des Taktverkehrs Ende 2003 wurde ein Betriebsbahnhof ohne Bahnsteige auf dem Gemeindegebiet, abseits der Besiedelung errichtet. Da nach Aufgabe des Bahnhofs Grafling zwischen den nächstgelegenen Bahnhöfen Deggendorf Hbf und Gotteszell auf 23 km Streckenlänge kein Zustieg möglich war, bemühte sich die Gemeinde jahrelang, wieder eine Haltestelle zu erhalten. Erst durch die Beschleunigung der Bahnstrecke wurde es möglich, einen zusätzlichen Halt zu errichten. Am 15. Dezember 2013 erhielt die Gemeinde im Ortsteil Arzting einen neugebauten Haltepunkt unterhalb der B 11-Straßenbrücke über die Bahnstrecke. Er wird durch einen von der Gemeinde errichteten P + R-Parkplatz erschlossen und ist mit einem Fußweg an die Gemeinde angebunden.

Der Haltepunkt Grafling-Arzting wird von der Regentalbahn mit ihrer Marke Waldbahn im Stundentakt bedient.

Besonderen Ärger bereiten der Gemeinde Grafling die sieben Bahnbrücken, die 1993 Kraft Gesetzes in den Besitz der Gemeinde übergingen. Diese Brücken (meist unter Denkmalschutz stehend und deshalb trotz fehlender Nutzung ohne Abrissmöglichkeit) erfordern von der Gemeinde in der Sanierung und dem baulichen Unterhalt finanzielle Aufwendungen, die die Gemeinde gerne anderweitig und aus Sicht der Gemeinde sinnvoller einsetzen würde.[14]

Bildung

Es gibt folgende Einrichtungen:

Kindergarten: kath. Kindergarten St. Andreas Grafling (4 Gruppen)[8]
Schule: ein-/zweizügige Grundschule (bis 2004 Teilhauptschule)
Sendeanlagen
Hauptartikel: Sender Deggendorf/Hochoberndorf
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Grafling, Pfarrhaus, Pfarrkirche St. Andreas mit Kapelle, Kindergarten (v. l.)

Grafling bietet neben der Andreaskapelle (erbaut 1475) in der Pfarrkirche Grafling die St. Florianskapelle in Wühn und die Kirche St. Ulrich (erbaut 1751) am Ulrichsberg.

Sehenswert ist für Eisenbahnliebhaber der höchste Naturbahndamm Deutschlands, auf dem die Waldbahn das Tal durchquert und die beiden Kehrschleifen miteinander verbindet. Der sogenannte Kohlbachdamm ist 390 m lang, 44 m hoch und 178 m breit, bei seinem Bau am Ende des 19. Jahrhunderts mussten 524.000 m³ Massen bewegt werden. Der Bahndamm ist heute ein durch die Denkmalpflege geschütztes Baudenkmal. Zweimal jährlich werden mit historischen Dampflokomotiven Sonderfahrten auf der Strecke durchgeführt.

Weitere Baudenkmäler und zusätzliche Beschreibungen der Vorgenannten sind in der Liste der Baudenkmäler in Grafling zusammengestellt.

Die vielen Forstwege im großenteils bewaldeten Tal und an den Hängen der umgebenden Berge erlauben auch im Hochsommer schattige Wanderungen. 14 Wanderwege mit insgesamt 100 km sind derzeit beschildert. Zwischen Grafling und Eidsberg befindet sich ein etwa zwei Kilometer langer Naturlehrpfad mit 15 Stationen.

Fünf Mountainbike-Strecken führen durch das Graflinger Gebiet.

Ehrenbürger

Die Gemeinde Grafling hat folgende Ehrenbürger ernannt. Die Auflistung erfolgt chronologisch nach Datum der Ernennung:

Josef Fischer (am 22. April 1997)
Rudi Schaft (am 13. März 2002)
Josef Ebner sen. (am 28. Januar 2003)
Siegfried Seitz (am 22. Februar 2004)
Josef Gürster (am 5. Februar 2014)
Hans Bügler (am 15. April 2014)
Vereine

In Grafling sind 28 Vereine gemeldet (Stand Januar 2015). Dabei handelt es sich unter anderem um vier Sportvereine, vier Schützenvereine, vier kirchliche Vereine und um vier Freiwillige Feuerwehren. Die Freiwilligen Feuerwehren befinden sich in Grafling und in den bei der Gebietsreform eingemeindeten Ortsteilen Alberting, Bergern und Hirschberg.

Literatur
Betty Oberhofer: Das Graflinger Tal im Bayrischen Wald. Landschaft zwischen Deggendorf und Vogelsang.
Albert Wilhelm: Die Schnapphähne lassen grüßen. Ein Geschichts- und Geschichtenbuch aus und um Grafling.
Kirchenverwaltung Grafling: Kirchen und Kapellen der Pfarrei St. Andreas Grafling.
Brigitte Spies-Kimmig: Weihnachtsgebäck aus dem Graflinger Tal.

(Alle Bücher sind im Eigenverlag der Gemeindeverwaltung Grafling erschienen.)

Weblinks
 Commons: Grafling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gemeinde Grafling
Eintrag zum Wappen von Grafling in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Grafling: Amtliche Statistik des LfStat