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Geschichte
Mittelalter und Frühe Neuzeit

1072 übereignete der Kölner Erzbischof Kirche und Ort dem neu gegründeten Kloster Grafschaft.[13] Der Ort gehörte später zur Grafschaft Mark. Ungewöhnlich ist, dass die Grafen bereits vor dem 15. Jahrhundert das Jagdrecht in der Herscheider Mark verliehen. Der Hintergrund soll gewesen sein, dass die Bauern geholfen hatten, den im Ebbegebirge gefangenen Grafen Engelbert III. zu befreien.[14] Weitere Privilegien waren ein eigenes Richteramt, Holz- und Fischereirechte. Der Ort war im Spätmittelalter Sitz eines Freigerichtes. Erste Berichte setzen 1386/87 ein. Die Quellenbelege enden 1499/1512. Zumindest in einem Fall war das Gericht mit einem überregional bedeutsamen Verfahren befasst. Insgesamt war die Zahl der Fälle im Vergleich mit anderen Gerichten niedrig.[15] Im Dreißigjährigen Krieg und bei zwei großen Dorfbränden, 1686 und 1862, wurde die ältere Bausubstanz weitgehend vernichtet.[16] Teilweise verschont blieb lediglich die massive heutige Apostelkirche. Der Wiederaufbau nach 1862 erfolgte überwiegend in Massivbauweise.

Montangeschichte
Grube Silberblick am Grubenlehrpfad

Neben der Landwirtschaft in den zahlreichen Weilern hatten im Gemeindegebiet die Erzgewinnung und Metallverarbeitung von jeher Bedeutung. Davon zeugen etwa am Silberg alte Bergbaustollen. Am Silber reicht die schriftliche Überlieferung des Bergbaus bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert wurde der Betrieb sehr eingeschränkt fortgeführt. Im 19. Jahrhundert wurden zwar neue Gruben abgeteuft, aber diese wurden bald wieder aufgegeben. Daneben gab es zahlreiche weitere Gruben und Bergwerke. Insgesamt war die Fördermenge im Raum Herscheid begrenzt. An den Bergbau erinnert seit Ende der 1970er Jahre ein Lehrpfad.[17]

Das Ahe- und Elsetal waren traditionellen Gewerbestandorte in der Nachfolge vor- und frühindustrieller Produktionsstätten wie des Ahe-Hammers. Es existierten in der näheren Umgebung zahlreiche Rennfeuerhütten, seit dem 13. Jahrhundert leistungsfähigere Eisenschmieden und später ab dem 15. Jahrhundert auch wasserkraftgetriebene Anlagen zur Eisenerzeugung und -verarbeitung. Betrieben wurden die Anlagen meist Reidemeister genannten Unternehmer. Insbesondere die Osemundschmieden d.h. das Frischen des Roheisens zur Herstellung von schmiedbaren Materials waren von Bedeutung. Anfangs waren die Anlagen noch mit der Verhüttung verbunden, später wurde das Eisen meist aus dem Siegerland und im geringeren Maß auch aus dem Herzogtum Westfalen bezogen.[18][19]

19. und 20. Jahrhundert

Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden die Bürgermeistereien in den 1840er-Jahren in Ämter überführt.[20] Das Amt Herscheid gehörte seitdem mit sieben anderen Ämtern und insgesamt 19 Gemeinden zum Kreis Altena.[21]

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden 8 bis 10 traditioneller eisenverarbeitender Werke. Die Betriebe selbst benötigten nur wenige Arbeitskräfte. Aber indirekte Verdienstmöglichkeiten bestanden durch die Herstellung von Holzkohle oder für den Transport von Rohstoffen und den Export der Waren oft bis in das bergische Land. Mit dem Aufkommen der mit Steinkohle betriebenen Puddelwerke etwa seit den 1830er Jahren verschwanden die Osemundschmieden. Dies führte in Zusammenhang mit schlechten landwirtschaftlichen Verhältnissen in den 1840er Jahren zu einer wirtschaftlichen Krise, die schließlich durch die Konzentration auf die Landwirtschaft und die Ansiedlung einiger neuer gewerblicher Betrieben überwunden werden konnte.[22]

Die Landwirtschaft war auf Grund der Höhenlage und der teilweise kargen Böden wenig ergiebig. Hinzu kam auch noch die kleinbetriebliche Struktur. Neben wenigen Vollbauern gab zahlreiche Kleinbauern, die einige Kühe halten konnten und ein Zugtier besaßen. Hinzu kamen als Kleinstbetriebe die Kötter. Deren Besitz reichte höchstens zur Selbstversorgung aus und der Hauptverdienst stammte aus gewerblicher Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die meisten Klein- und Kleinstbetriebe auf, so dass nur wenig größere und leistungsfähigere Höfe zurückblieben.[23]

Der erste Zug von Herscheid nach Plettenberg

Am 8. Juli 1915 wurde die Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid eröffnet, nachdem zuvor die letzte Postkutsche Plettenberg von Herscheid her erreicht hatte.
Nach der Revolution von 1918/19 nahm die Zahl der sozialdemokratischen Anhänger in Herscheid zu, ohne das ein eigener Ortsverein entstanden wäre. Auch die bürgerlichen Parteien wie die DVP und die DNVP waren im Ort aktiv. Für die letztere rechtsgerichtete Partei trat der örtliche Pfarrer offen ein. Daneben entstanden Ortsgruppen des Stahlhelm und des Jungdeutschen Ordens. Zu Beginn der 1930er Jahre begann auch die NSDAP Fuß zu fassen. Auch die KPD war in dieser Zeit in Herscheid aktiv.

Bei der Reichstagswahl im November 1932 kam die NSDAP bereits auf etwa 45,51 %. Dies war deutlich mehr als im Reichsdurchschnitt (33,1 %). Die SPD (19,72 %) und die KPD (19,58 %) waren etwa gleich stark. Ohne eine nennenswerte katholische Bevölkerung spielte das Zentrum (0,95 %) keine Rolle. Die DNVP kam auf 9,28 %. Alle übrigen Parteien waren bereits marginalisiert (DVP 1,39 %, ev. Volksdienst 1,61 %, Deutsche Staatspartei 1,97 %). Bei den Reichstagswahlen vom März 1933 dominierte die NSDAP mit 66,24 % eindeutig das politische Leben. Auch bei dieser Wahl war die Partei in Herscheid deutlich stärker als auf Reichsebene (43,9 %). Die SPD hatte sich mit 16,36 % annähernd halten können, während die KPD (5,79 %) den stärksten Einbruch hinnehmen musste. Die DNVP, die sich nun Kampffront Schwarz-Weiß-Rot nannte kam auf 7,56 %. Die übrigen Parteien spielten weiter keine Rolle mehr (Zentrum 0,46 %, DVP 0,91 %, Ev. Volksdienst 1,32 %, Dt. Staatspartei 1,37 %)

Nach dem Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden das politische und gesellschaftliche Leben, wie überall in Deutschland, gleich geschaltet und die politischen Gegner ausgeschaltet. Da es keine jüdischen Einwohner gab, spiegelt sich die Judenverfolgung in Herscheid nicht direkt wider. Erhebliche Auseinandersetzungen gab es in der evangelischen Kirchengemeinde zwischen den regimetreuen Deutschen Christen um den amtierenden Pfarrer und der Frauenhilfe, die der bekennenden Kirche nahe stand.[24]

Die Gemeinde wurde vom Bombenkrieg lange Zeit verschont. Lediglich ein paar Notabwürfe richteten Schaden an. Im Frühjahr 1945 erreichte der Zweite Weltkrieg auch Herscheid. Im Zusammenhang mit der Ruhrkesselschlacht wurde eine Armeewaffenschule nach Herscheid verlegt. Daneben wurden Verteidigungsvorbereitungen getroffen. Mit der näher rückenden Front nahmen die Tieffliegerangriffe zu. Etwa ab dem 11. April kam es zu Gefechten zwischen deutschen und amerikanischen Einheiten. Am Morgen des 13. April rückten die Amerikaner in Herscheid ein. Die deutschen Truppen beschossen die Gegner von der Herscheider Mühle aus. Bei den Kämpfen wurden verschiedene Gebäude beschädigt. Zivilisten und Soldaten wurden während der Kämpfe verwundet und getötet. Auch der Chor der Apostelkirche wurde getroffen und der Barockaltar zerstört.[25]

Herscheider Ortskern

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen vor allem die Siedlungsschwerpunkte Herscheid-Dorf und Hüinghausen stark. Für das Wachstum des Ortes spielte auch die Aufnahme von Vertriebenen und Flüchtlingen eine Rolle. In der unmittelbaren Nachkriegszeit kamen so insgesamt über 850 Menschen nach Herscheid. Dies entspricht etwa 18 % der Bevölkerung.[26] Größere Einfamilienhausgebiete entstanden, und durch einen verbesserten Straßenausbau wurde Herscheid auch für in Lüdenscheid oder Plettenberg tätige Berufspendler als Wohnort interessant.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1969 wurden Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Lüdenscheid-Land eingegliedert.[27] Herscheid kam zum neuen Kreis Lüdenscheid und 1975 zum Märkischer Kreis.

Evangelische Apostelkirche
Religionen

Das südliche märkische Sauerland wurde spätestens im 9. Jahrhundert christianisiert. Im Jahr 1072 überwies Erzbischof Anno II. von Köln dem Kloster Grafschaft unter anderem die Kirche in Hertsceido. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts war Herscheid vermutlich eine selbstständige Kirchengemeinde. 1552 wurde die Gemeinde evangelisch. Sie steht in der presbyteral-synodalen Tradition der Kirche in der Grafschaft Mark.[28] Die Zahl der katholischen Einwohner blieb bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gering. Erst als mit großen Arbeitsdienstlagern in den 1930er Jahren sich eine nennenswerte Zahl von Katholiken in der Gemeinde aufhielt, wurden auch wieder katholische Gottesdienste abgehalten. In der Folge entwickelte sich eine Gemeinde, die in den 1960er Jahren eine eigene Kirche baute.[29]

Im Jahr 2011 waren 50,6 % (3.725 Einwohner) der Bevölkerung evangelisch und 19,1 % (1.404 Einwohner) katholisch. 2.234 Einwohner (30,3 %) hatten einen anderen Glauben oder waren religionslos.[30]

Einwohnerentwicklung
Luftaufnahme

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand (von 1722 bis 2010).[31]

Jahr Einwohner
1722 1.309
1810 1.336
1910 3.054
1950 4.534
1970 5.480
1990 7.141
2000 7.574
2010 7.216

Politik
Rathaus Herscheid
Bürgermeister ab 1945

In der Zeit vom 6. Juni 1945 bis zum 25. Oktober 1945 war Hermann Alberts kommissarischer Bürgermeister. Anschließend war vom 26. Oktober 1945 bis zum 4. April 1946 Gustav Potthoff hauptamtlicher Bürgermeister. Danach war Potthoff Gemeindedirektor.

Ehrenamtliche Bürgermeister:

1946–1948 Albrecht Heesemann
1948–1961 Alfred Herfel (SPD)
1961–1979 Erwin Schöttler (FWV/UWG)
1979–1994 Wolfgang Weyland (CDU)
1994–1999 Wolfgang Vöpel (SPD)

Hauptamtliche Bürgermeister:

1999–2004 Karl Peter Heinz (parteilos), zuvor seit dem 17. April 1990 Gemeindedirektor
2004–2009 Lothar Schütz (parteilos)
seit dem 21. Oktober 2009 Uwe Schmalenbach (parteilos)[32]
Gemeinderat

Aktuell sind im Gemeinderat vier Parteien und eine Wählergruppe vertreten. Bei den Kommunalwahlen errangen die Parteien und die Gruppierung folgende Stimmanteile und Anzahl von Sitzen im Gemeinderat.[33]

Stimmenanteile
Jahr CDU SPD UWG Grüne FDP
1948 36,2 49,2 5,2 0 0
1952 31,6 50,5 0 0 16,5
1956 26,3 54,4 0 0 19,3
1961 22,9 29,6 18,5 0 29
1964 23,1 30,0 24,1 0 20,3
1969 23,6 34,8 31,2 0 10,4
1975 29,8 40,1 24,9 0 5,2
1979 32,4 42,4 18,9 0 6,3
1984 36,5 41,2 17,9 0 4,4
1989 31,3 36,7 20,3 8,5 3,2
1994 33,3 35,3 25,6 5,8 0
2004 40,4 31,0 15,6 4,9 8,0
2009 36,7 32,7 15,5 5,0 10,1
2014 41,03 34,71 12,79 6,73 4,74
Sitzverteilung
Jahr CDU SPD UWG Grüne FDP
1948 4 6 1 0 0
1952 6 9 0 0 3
1956 5 10 0 0 3
1961 4 6 3 0 5
1964 4 6 5 0 4
1969 4 7 6 0 2
1975 8 11 7 0 1
1979 9 11 5 0 2
1984 10 12 5 0 0
1989 9 10 6 2 0
1994 9 10 7 1 0
2004 9 7 3 1 2
2009 8 7 4 1 2
2014 9 8 3 1 1

Die Wahlbeteiligung lag im Jahr 2004 bei 58,8 %, im Jahr 2009 bei 55,4 % und im Jahr 2014 bei 52,98 %.

Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahlen

Bei der letzten Landtags- und Bundestagswahl erhielten die Parteien in Herscheid folgende Stimmenanteile:

Partei Landtagswahl 2012
(Zweitstimmen)[34]
Bundestagswahl 2013
(Zweitstimmen)[35]
CDU 26,40 % 40,41 %
SPD 43,42 % 32,49 %
FDP 7,37 % 4,89 %
Die Grünen 8,07 % 6,22 %
Die Linke 1,78 % 5,36 %
PIRATEN 8,32 %
AfD 5,01 %
Sonstige 4,65 % 5,60 %

Wappen

Blasonierung
Das Wappen zeigt in Gold den von Rot und Silber in drei Zeilen geschachten Balken des Grafen von der Mark, aus dem ein wachsender roter Hirsch aufsteigt.[36]

Beschreibung
Das Wappen der Gemeinde Herscheid zeigt das Schachbrettmuster der Grafschaft Mark. Darüber ist ein Hirsch abgebildet, der ebenso wie der Jäger im Wappen der ehemaligen Gemeinde Valbert die Jagdprivilegien symbolisiert, die den Gemeinden von Herzog Johann III. von Kleve verliehen wurden. Daneben verweist er auch auf eine Interpretation des Ortsnamens, der auf „Hirsch“ zurückgehen soll. Das Wappen wurde der Gemeinde 1935 verliehen und geht auf einen Entwurf von Professor O. Schupp zurück.[37]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Für kulturelle Veranstaltungen steht im Zentrum von Herscheid die Schützenhalle/Gemeindehalle zur Verfügung. Im Ortsteil Hüinghausen gibt es mit der Ramberghalle einen zweiten größeren Veranstaltungsort. Der MGV Constantia Herscheid nutzt für seine Matinee-Konzerte den Bürgersaal des Rathauses. Hier finden unter anderem auch Kleinkunstveranstaltungen statt. Eine Theaterbühne hat Herscheid nicht. Die nächstgelegene größere Theaterbühne befindet sich in Hagen.[38]

Museen

Vom Ortsteil Hüinghausen aus verkehrt die Märkische Museums-Eisenbahn nach Plettenberg-Köbbinghauser Hammer. Der Spieker ist im Jahre 2005 in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Er wird vom Geschichts- und Heimatverein betreut. Die dort eingerichtete Heimatstube kann man in regelmäßigen Abständen an Wochenenden oder auf Anfrage besichtigen.

Bauwerke
Hauptartikel: Liste der Baudenkmäler in Herscheid
Spieker
Robert-Kolb-Turm
Apostelkirche: Die Anfänge des heutigen Kirchenbaues fallen in die Zeit des 11. Jahrhunderts. Die Kirche wurde erstmals 1072 erwähnt, als Erzbischof Anno II. von Köln sie dem neu gegründeten Kloster Grafschaft schenkte. Die romanische Kirche stellt eine dreischiffige Hallenkirche mit einem angedeuteten Querschiff, einem spätgotischen Chor und einem Westturm dar. Der ehemalige spätgotische Altar vom Ende des 15. bzw. Beginn des 16. Jahrhunderts befindet sich seit 1881 nicht mehr in der Kirche und steht jetzt im Burgmuseum Altena. Seit 1971 trägt die Kirche den Namen „Apostelkirche“. Anlass für diese Benennung waren die das Innere der Kirche schmückenden Kunstwerke: Zum einen das die Apostel der Kirche darstellende Fresko an der nördlichen Chorraumwand; zum anderen die Figuren in den Nischen rechts und links des Chorraumes sowie an der Turmwand; zum dritten die heute die Wände der Kirche schmückenden Apostelbilder aus der Barockzeit. Ohne Zweifel das wertvollste Stück dürfte das Chorgestühl aus dem Jahre 1548 sein.
Spieker: Ein Wahrzeichen für die Ebbegemeinde ist der 300 Jahre alte Spieker. Das Fachwerkgebäude diente dazu, die Naturalien aufzunehmen, die an die Kirche abgeführt werden mussten. Der bauliche Ursprung datiert wahrscheinlich in das 17. Jahrhundert. Das eigentliche Hauptgebäude ist um 1800 in seiner jetzigen Form entstanden.
Ahe-Hammer: Der Hammer wurde bereits 1562 erstgenannt. Bis zum Jahr 1942 wurde er von der Familie Brünninghaus betrieben. Hier wurde das Osemundeisen hergestellt, aus dem anschließend der Draht gezogen wurde. Die beiden Hämmer werden direkt über ein eigenes Wasserrad angetrieben, ein zweites Wasserrad dient für die Winderzeugung an den beiden Schmiedefeuern. Die gesamte Anlage kann heute noch betrieben werden. 1950 ist sie bereits als museales Schaustück eingerichtet worden.
Robert-Kolb-Turm: Der Turm steht auf der 663,3 Meter hohen Nordhelle. Am 21. September 1913 wurde nach einjähriger Bauzeit der heute noch stehende 18 Meter hohe Robert-Kolb-Turm eingeweiht.
Schutzgebiete für die Natur

Das gesamte Gemeindegebiet ist seit 2015 Teil des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge. Von 1964 bis 2015 gehörte die Gemeinde zum Naturpark Ebbegebirge. Ein Großteil des Gemeindegebiets war 1964, mit der Gründung des Naturparks, als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden. Vom 1. Februar 1985 an, gab es den Landschaftsplan Plettenberg-Herscheid-Neuenrade.[39] Seit dem 23. Oktober 1998 gibt es den Landschaftsplan Herscheid für das Gemeindegebiet, welches beim Landschaftsplan Plettenberg-Herscheid-Neuenrade nicht mit erfasst wurde. Im Landschaftsplangebiet sind die Flächen von Herscheid außerhalb der bebauten Ortsteile und des Geltungsbereichs eines Bebauungsplans als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, sofern kein höherer Schutzstatus, wie beispielsweise Naturschutzgebiet (NSG), besteht.[40] Eine 1. Änderung dieses Landschaftsplanes ist seit dem 4. November 2005 in Kraft.[41]

Im Gemeindegebiet Herscheid gibt es 15 Naturschutzgebiete (NSG). Als eines der ersten Naturschutzgebiete im Sauerland wurde bereits 1930 das Naturschutzgebiet Wolfsbruch mit einer Größe von 3,1 ha ausgewiesen. 2012 wurde das NSG Wolfsbruch auf 16,9 ha vergrößert.[42] Die anderen 14 NSG’s wurden mit dem Landschaftsplan Herscheid 1998 ausgewiesen. Dabei handelt es sich um die Naturschutzgebiete Brauke (9,5 ha), Kammoor (2,7 ha), Buschhauser Siepen (1,5 ha), Herveler Bruch (13,5 ha), Sonnenhohl (9,5 ha), Auf der Gasmert (5,2 ha), Bulmecke (0,4 ha), Auf dem Roten Schlote (5,4 ha), Im Wiebruch (3 ha), Nümmert (0,9 ha), Oberes Elsetal (5,3 ha), Herveler Bachtal (3,6 ha[43]), Katerlöh (2,8 ha) und Hochsteiner Moor (2,6 ha). Sechs Naturschutzgebiete im Gemeindegebiet wurden auch als Teilflächen der Ebbemoore mit der Nummer DE 4812-301 als Europäisches Schutzgebiet (FFH-Gebiete) ausgewiesen. Teile dieses FFH-Gebietes liegen auch im Stadtgebiet von Meinerzhagen.

Mit den beiden Landschaftsplänen im Gemeindegebiet wurden 34 Naturdenkmäler ausgewiesen. Dabei handelt es sich in 27 Fällen um Einzelbäume oder Baumgruppen und in sieben Fällen um flächige Naturdenkmäler wie Höhlen, Felsen usw. Das Naturdenkmal Schönebecker Höhle ist gleichzeitig auch als FFH-Gebiet Schönebecker Höhle DE-4711-302 ausgewiesen. Die 118 m lange Schönebecker Höhle ist zum Fledermausschutz für den Publikumsverkehr mit einem Gitter verschlossen wurde. Im Gemeindegebiet befinden sich auch 86 geschützte Landschaftsbestandteile. Im Gemeindegebiet gibt es zahlreiche gesetzlich geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG, die gleichzeitig in Flächen anderer Schutzkategorien liegen.

Neben anderen Vogelarten kommen in Herscheid die Großvogelarten Schwarzstorch und Rotmilan vor.[44]

Naturdenkmäler

Eiche bei Hüinghausen mit einem Brusthöhenumfang von 7,85 m (2015).[45]

Sport
Herscheider Freibad

In Herscheid sind diverse Sportvereine gemeldet, die unter anderem Budosportarten, Flugsport, Laufen, Leichtathletik, Minigolf, Radsport, Tennis und Turnen anbieten.[46] Durch die bergige Landschaftsform ist an der Nordhelle, an der bei entsprechender Schneelage ein Lift betrieben wird, auch alpiner Wintersport möglich. Hier befindet sich auch die 12 km lange Ebbekammloipe. Im Sommer laden die nahe gelegenen Talsperren zum Inline-Skaten, Radfahren und Spazierengehen ein. Im Warmwasserfreibad kann Schwimmsport betrieben werden. Der Richard-Schirrmann-Weg führt von Werdohl über Herscheid nach Siegburg.

Regelmäßige Veranstaltungen

Mitte des Jahres veranstaltet der Schützenverein Herscheid 1950 sein alljährliches Schützenfest. Seit 1984 werden zudem vom Schützenverein Gemeindemeisterschaften im Luftgewehrschießen durchgeführt.[47] Seit 1990 gibt es am zweiten Adventswochenende in Herscheid einen Weihnachtsmarkt.

Am zweiten Augustwochenende findet seit mehreren Jahren im Herscheider Ortsteil Rärin das sogenannte Räriner Bergfest statt.[48] Seit 2001 gibt es, immer am 3. Oktober, das alljährliche Kürbisfest in Rärin.[49]

Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen
Werksgebäude der Fa. Gustav Alberts und Kober

Die Herscheider Industrie ist vornehmlich durch Zulieferbetriebe für die Automobilbranche geprägt. Mit der Gustav Alberts GmbH (GAH) ist ferner ein führender Hersteller für Haus- und Gartenprodukte in der Gemeinde ansässig.[50]

Am Markt
Verkehr

Herscheid liegt seit jeher abseits großer Verkehrswege. 1832 wurde eine regelmäßige Postkutschenverbindung mit Lüdenscheid und Plettenberg hergestellt. 1846/1847 wurde eine Straße zwischen beiden Nachbarstädten über Herscheid als Chaussee ausgebaut.[51]

Öffentlicher Personennahverkehr
Bahnhof Hüinghausen

Seit der Stilllegung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid im Jahr 1965 (für den Güterverkehr 1969) ist Herscheid im öffentlichen Nahverkehr nur noch per Bus erreichbar. Die Anbindung erfolgt heute überwiegend durch die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) und durch den Bürgerbus Herscheid. Mit den Buslinien 54 (Regionalbuslinie), 254 (Schulbuslinie) und N7 (Nachtbuslinie) sind die Nachbarstädte Plettenberg und Lüdenscheid sowie die Bahnhöfe in Plettenberg und Lüdenscheid in jeweils zirka 20 bis 30 Minuten erreichbar.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Planungen, die Volmetalbahn (Hagen–Dieringhausen) über eine Strecke im Stadtgebiet von Lüdenscheid und Herscheid mit der Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid zu verknüpfen und so eine Verbindung zwischen Volme- und Lennetal zu schaffen. Diese scheiterten jedoch an den hohen Baukosten. Die Frequentierung des fertiggestellten Teilstückes blieb bis zur Stilllegung 1965 für den Personenverkehr gering.

Der Streckenabschnitt hätte rund 33,9 Kilometer umfasst. Aufgrund der gebirgigen Topographie im Sauerland sah die Planung mächtige Tunnelbauten, Brückenbauwerke oder Unterführungen vor, wie etwa auf dem Höhenrücken zwischen dem Verse- und dem Ahetal, wo ein Tunnel von 650 Metern Länge geplant war. Ein weiterer Tunnel wäre in Herscheid von der Helle bis unterhalb der Schützenhalle verlaufen, mit einer Länge von ca. 300 Metern. Insgesamt sollten vier Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2175 Metern entstehen. Die veranschlagten Kosten hierfür beliefen sich auf 1,84 Millionen Mark. Die Gesamtkosten für die Bahnstrecke bezifferte die Königliche Eisenbahndirektion auf insgesamt 9,8 Millionen Mark, pro Eisenbahnkilometer wären das 289.100 Mark gewesen.[52]

Straßenverkehr

Die nächstgelegene Autobahnabfahrt mit einer Ausschilderung Herscheids ist Lüdenscheid Süd an der A 45. Herscheid erreicht man nach rund 6 Kilometer über die L 561. Die B 229 verläuft im Versetal in unmittelbarer Nähe des Gemeindegebietes.

Flugverkehr
Flugplatz Plettenberg-Hüinghausen

Der als Sonderlandeplatz klassifizierte Flugplatz Plettenberg-Hüinghausen befindet sich im Ortsteil Hüinghausen. Nächstgelegen für internationale Flüge sind die Flughäfen Dortmund in etwa 60 km sowie Köln/Bonn in rund 75 km und Düsseldorf in etwa 110 km Entfernung.

Medien

Regionale Tageszeitung ist das Süderländer Tageblatt. Der lokale Hörfunk für NRW erfolgt in Herscheid durch Radio MK, dem durch die Landesanstalt für Medien der Sendestandort Nr. 73 Frequenz 100,2 zugewiesen ist. Herscheid ist Bestandteil des Redaktionsgebietes des Studios Siegen, eines Lokalsenders des WDR.

Bildung

In Herscheid gibt es zwei Grundschulen. Die Rahlenbergschule (eine Hauptschule) wurde 1964 erbaut und aufgrund mangelnder Schülerzahlen am 4. Juli 2014 geschlossen.[53] Die Volkshochschule Volmetal bietet in Herscheid eine große Anzahl Kurse in den Räumen der ehemaligen Hauptschule an.

Persönlichkeiten
Kriegerdenkmal
Söhne und Töchter der Gemeinde
Wilhelm Ackermann (1896–1962), Mathematiker
Alfred Fernholz (1904–1993), Psychiater und Mitorganisator der nationalsozialistischen Krankenmorde in Sachsen
Peter Dietrich Grothe (1806–1887), Ingenieur, Schulleiter und Hochschullehrer
Ernst Hüsmert (1928–2017), Ingenieur und Lyriker
Theodor Schmalenbach (1831–1901), evangelischer deutscher Theologe und Superintendent
Heinz Wever (1890–1966), Zeichner, Maler und Schriftsteller
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Paul Gerhard Prolingheuer, Rektor von 1959 bis 1988, Begründer der VHS Herscheid (Altenkreis, Wein und Kultur)
Literatur
Sauerland-Verlag Iserlohn (Hrsg.): Naturpark Ebbegebirge – Das Ausflugs- und Naherholungsziel vor der Haustür (mit 52 Fotos, 11 Zeichnungen und 6 Karten), herausgegeben zu zehnjährigen Bestehen des Naturparks Ebbegebirge, Iserlohn 1974, ISBN 3-87695-109-7
Heimatbund Märkischer Kreis: Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis. Bearbeitet von Ulrich Barth, Ehnar Hartmann, August Kracht. 1. Auflage, Balve 1983, S. 206 ff (Geschichte), ISBN 3-89053-000-1
Märkischer Kreis: Landschaftsplan Nr. 1 Plettenberg-Herscheid-Neuenrade, Lüdenscheid 1985.
Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde, Zimmermann Druck, Altena 1998
Gemeinde Herscheid, Geschichts- und Heimatverein Herscheid e. V.: 125 Jahre Rathaus Herscheid – Von der preußischen Amtsstube zum modernen Dienstleister (1888–2013), Seltmann, 2013, ISBN 978-3-942831-85-7
Weblinks
 Commons: Herscheid – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Website der Gemeinde Herscheid
Herscheid im Kulturatlas Westfalen
Herscheid Lexikon