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Geschichte

Hille ist bis in die heutige Zeit hinein geprägt durch seine landwirtschaftliche Struktur. Neben den großen Bauernhöfen, die bedingt durch den fruchtbaren Lößboden vor allem auf der Hartumer Lößplatte entstanden, gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein vielen kleine Heuerlingsstätten, deren Inhaber ein Zubrot durch handwerkliche Arbeiten wie zum Beispiel die Leinenweberei und die Zigarrenmacherei verdienten, die im 19. Jahrhundert in Hille aufkam. Besonders im 19. Jahrhundert wanderten aber auch viele Menschen aus den heutigen Hiller Gemeindeteilen in die USA aus. Ziel war dabei oft New York und hier in der weiteren Umgebung Schenectady. Andere Hiller gingen als sogenannte Hollandgänger zu Fuß bis in die Niederlande, um dort Gras zu mähen. Auch dort blieben einige Hiller für immer.

Grab von Carl von Schlotheim am Pass von Bergkirchen, Straßenbauer

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Infrastruktur durch ein großes Straßenbauprogramm des Mindener Landrates Carl von Schlotheim ausgebaut. Dieses war auch als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu betrachten, die dem Kreis zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf.

Im frühen 20. Jahrhundert erreichte die Eisenbahn diese ländliche Region. 1903 eröffneten die Mindener Kreisbahnen eine Schmalspurstrecke von Minden bis Eickhorst. 1907 wurde diese Kleinbahn bis Lübbecke verlängert. Die Bahn wurde später auf Normalspur umgestellt. Aufgabe dieser preußischen Nebenbahn als Meliorationsbahn war es, die landwirtschaftlich geprägten Gebiete zu erschließen: Anlieferung von Kunstdünger, Abtransport von landwirtschaftlichen Produkten in die Kreisstädte Minden und Lübbecke und von hier über die dort vorhandenen Staatsbahnen in weitere Städte. Der Bau der Mindener Kreisbahnen war zudem eine gut organisierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, tausende Arbeiter erhielten beim Streckenbau Lohn und Brot. Der Abschnitt Lübbecke–Hille wurde 1967 stillgelegt und anschließend abgebaut. Zwischen Hille (Hafen) und Minden findet noch heute Güterverkehr statt. Auch Oberlübbe hatte von 1897 bis 1937 einen Anschluss an eine Kleinbahn. Der „Wallücker Willem“ verband den Steinbruch bei Wallücke im Wiehengebirge nach Süden mit Löhne und Kirchlengern und beförderte neben Eisenerz auch Personen.

Lange Zeit wurde von fast allen Hillern Platt gesprochen, das von Gemeindeteil zu Gemeindeteil durchaus größere Unterschiede aufweisen kann. Heutzutage ist der Gebrauch dieser Sprache stark rückläufig.

Religionen
Altes Pfarrhaus in Hille-Dorf

Alle Dörfer der Gemeinde Hille sind wie die Stadt Minden 1550 mit der Einführung der Reformation evangelisch-lutherisch geworden. Entsprechend sind die Kirchengemeinden bis heute angelegt. Als das Gebiet an Preußen fiel, wurde die Landeskirche zur Evangelischen Kirche von Westfalen zusammengefasst, die sich später zur unierten Kirchen entwickelte, also die lutherische und reformierte Glaubensrichtung vereint. Die Kirchengemeinden sind inzwischen teilweise fusioniert, eine Gemeinde umfasst das Gebiet mehrerer Dörfer. Ein Teil der alten Kirchengebäude ist abgegeben und durch Neubauten ersetzt worden, z.B. das Alte Pfarrhaus in Hille.

Durch die Aufnahme der Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs wurden katholische Kirchengemeinden gegründet, die die Glaubenslandschaft langsam in Richtung Mehrgläubigkeit veränderten. Die einzige katholische Kirche der Gemeinde liegt im Ortskern (Brennhorster Straße) und gehört heute zum Pastoralverbund Mindener Land.

Eingemeindungen
Kurpark in Rothenuffeln

Die Großgemeinde Hille wurde zum 1. Januar 1973 im Zuge der Umsetzung des Bielefeld-Gesetzes im Rahmen der nordrhein-westfälischen Kommunalreform geschaffen. Dabei wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Eickhorst, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern und Südhemmern aus dem Amt Hartum sowie Oberlübbe, Rothenuffeln und Unterlübbe aus dem Amt Dützen im Altkreis Minden zusammengeschlossen. In den östlichen Randbereichen wurden Teile der Gemeinden Hartum und Holzhausen II an die Stadt Minden abgegeben, im Gegenzug wurden einige Flurstücke der Gemeinde Hahlen in die Gemeinde Hille eingegliedert.[7] Die Ämter Hartum und Dützen wurden aufgelöst; die Gemeinde Hille ist Rechtsnachfolgerin des Amtes Hartum. Als Rathaus wurde das alte Amtshaus Hartum bestimmt, das sehr dezentral in der neu gebildeten Gemeinde liegt.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Gemeinde Hille nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um Volkszählungsergebnisse[8][9][10] und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes.[11] Die Zahlen für 1975, 1980 und 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich bis 1985 auf die Wohnbevölkerung und ab 1987 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung.

Hille nach dem damaligen Gebietsstand

Jahr Einwohner
1961 (6. Juni) 3.755
1970 (27. Mai) 3.815
1972 (31. Dez.) 3.767

Hille nach dem heutigen Gebietsstand

Jahr Einwohner
1950 (13. Sep.) 15.734
1961 (6. Juni) 14.520
1970 (27. Mai) 14.777
1972 (31. Dez.) 14.811
1974 (30. Juni) 14.640
1975 (31. Dez.) 14.499
Jahr Einwohner
1980 (31. Dez.) 14.136
1985 (31. Dez.) 13.964
1987 (25. Mai) 14.256
1990 (31. Dez.) 14.727
1995 (31. Dez.) 15.857
2000 (31. Dez.) 16.571
Jahr Einwohner
2005 (31. Dez.) 16.554
2006 (31. Dez.) 16.443
2012 (31. Dez.) 15.900

Politik

Gemeinderatswahl 2014
in Prozent

 %50403020100

39,240,14,87,09,0

CDUSPDFWGGrüneFDP
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   4   2   0  -2  -4

-0,5
+3,3-1,0+2,1-3,9
CDUSPDFWGGrüneFDP

Sitzverteilung im
Hiller Gemeinderat 2014

     

Insgesamt 32 Sitze SPD: 13 Grüne: 2 FWG: 2 FDP: 3 CDU: 12

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Gemeinde Hille umfasst seit der Kommunalwahl 1999 32 Sitze plus den des Bürgermeisters.

Die Mitglieder des Rates werden für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Bis zur Kommunalwahl 1999 war der Bürgermeister ehrenamtlich tätig und Mitglied des Gemeinderates, die Gemeindeverwaltung wurde von einem Gemeindedirektor geleitet.

Die Ergebnisse der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 können den nebenstehenden Diagrammen entnommen werden.

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975:

[12][13][14] 2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  %
CDU 12 39,2 12 39,76 15 45,14 14 44,74 12 37,81 11 32,35 14 41,10 14 42,01 14 41,03
SPD 13 40,1 12 36,73 11 35,15 12 35,81 14 41,85 16 44,63 13 39,27 13 38,83 13 39,83
FDP 3 9,0 4 12,89 3 10,52 3 10,19 3 8,41 3 9,80 3 10,99 5 17,17 6 19,13
FWG1 2 4,8 2 5,87 2 4,74 2 5,18 2 5,85 3 8,50
Grüne 2 7,0 2 4,84 1 4,45 1 4,08 2 6,08 0 4,72 2 6,54
Einzelbewerber 0 2,09 1 1,99
Gesamt2 32 100 32 100 32 100 32 100 33 100 33 100 32 100 33 100 33 100
Wahlbeteiligung 58,6 67,15 68,44 66,36 85,13 75,56 78,73 82,65 88,84

1Freie Wählergemeinschaft
2ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen

Das Rathaus der Gemeinde Hille in Hartum
Bürgermeister

1973–1979 Walter Rohde (FDP)
1979–1989 Kurt Riechmann (CDU / heute FWG)
1989–1999 Günter Grannemann (SPD)
1999–2008 Reinhard Jasper (CDU)
2009– Michael Schweiß (SPD)

Bei der Kommunalwahl von 1999 wurde der damalige Gemeindedirektor Reinhard Jasper (CDU) mit 52,44 % der Stimmen in einer Stichwahl gegen Friedrich Meyer (SPD) zum Bürgermeister gewählt. Er trat die Nachfolge des ehrenamtlichen Bürgermeisters Günter Grannemann (SPD) an. Bei der Kommunalwahl 2004 wurde Jasper im ersten Wahlgang gegen den damaligen Ersten Beigeordneten der Gemeinde Klaus-Hermann Pörtner (SPD) mit 53,88 % der Stimmen erneut für fünf Jahre gewählt.

Am 30. September 2008 schied Reinhard Jasper aus dem Beamtenverhältnis als Bürgermeister der Gemeinde Hille aus. Seither führte der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters Helmut Spilker die Amtsgeschäfte in der Verwaltung.

Am 30. August 2009 wurde Michael Schweiß (SPD) mit 33,14 % zum neuen Bürgermeister gewählt.

Gemeindedirektoren

Bis 1999 wurde die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Hille von einem hauptamtlichen Gemeindedirektor geleitet, der vom Gemeinderat gewählt wurde. Im Jahr 1973 wurde der Amtsdirektor des aufgelösten Amtes Hartum Wilhelm Grote zum ersten Gemeindedirektor gewählt, er führte dieses Amt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1987 aus. 1987 konnte sich Reinhard Jasper bei der Wahl zum Gemeindedirektor nicht gegen seinen Gegenkandidaten durchsetzen, gewann aber den anschließenden Losentscheid.

1973–1987 Wilhelm Grote
1987–1999 Reinhard Jasper (CDU)

Wappen, Flagge, Banner und Siegel

Banner, Wappen und Hissflagge

Beschreibung des Wappens: In Silber (Weiß) aus einem roten Wellenschildfuß wachsend drei rote Moorkolben mit schwarzen Kolben, darüber rote schräg gestellte Windmühlenflügel.[6]

Die Windmühlenflügel stammen aus dem Wappen des ehemaligen Amtes Hartum, auf dessen Gebiet es zahlreiche Windmühlen gab und noch heute gibt. Die Moorkolben stammen aus dem Wappen der Ortschaft Hille, in deren Gebiet sich das Hiller Moor befindet; die Nutzung dieses Moores durch den Torfstich war früher für das Wirtschaftsleben der Gemeinde von Bedeutung. Die Verbindung von Rot und Silber will an die jahrhundertealte Zugehörigkeit des Gebietes zum Fürstbistum Minden erinnern.[15]

Der Gemeinde Hille ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Detmold vom 17. November 1981 das Recht zur Führung eines Wappens, einer Flagge und eines Siegels verliehen worden. (Hauptsatzung § 2)[6]

Beschreibung der Flagge:
Von Weiß und Rot längs gestreift mit dem von der Mitte zur Stange verschobenen Gemeindewappen.

Beschreibung des Banners:
Von Weiß und Rot längs gestreift mit dem Gemeindewappen oberhalb der Mitte.

Beschreibung des Siegels:
Umschrift oben: GEMEINDE HILLE. Umschrift unten: KREIS MINDEN-LÜBBECKE. Siegelbild: Wappenschild, in dem der Inhalt des Gemeindewappens in Umrissen wiedergegeben ist.

Gemeindepartnerschaften

Die Gemeinde Hille pflegt keine eigenen Gemeindepartnerschaften, sondern beteiligt sich an den Partnerschaftsprogrammen des Kreises Minden-Lübbecke.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Windmühlen

Hille ist ein wichtiger Teil der Westfälischen Mühlenstraße im Mühlenkreis Minden-Lübbecke.[16] Fünf Exemplare der so genannten Holländerwindmühle stehen in der Gemeinde. Die Hartumer Windmühle ist entkernt und zu einem Ferienhaus umgebaut worden. Die noch stehenden Windmühlen in Hille und in Nordhemmern sind funktionsuntüchtig, sie werden teilweise als zentraler Veranstaltungsort von Vereinen genutzt. Die Bockwindmühle im Westerfeld, „Kreugers Müoln“, wurde nach Sturmschaden in den 1940er Jahren abgerissen. An ihrem Standort, an der Mühlenstraße, findet sich der einzige, modern produzierende Mühlenbetrieb der Gemeinde Hille, das seit 1897 dort geführte mittelständische Futtermittelunternehmen Heinrich Meier GmbH & Co. KG.
Die Windmühle Eickhorst, bekannt als Storck’s Mühle, wird von einer Mühlengruppe betrieben und ist in der Saison jeden dritten oder vierten Samstag geöffnet. Weiterhin befindet sich in Eickhorst eine Wassermühle, deren Wasserrad noch funktionstüchtig ist. Das dazugehörige Gebäude wurde in ein Wohnhaus umgebaut. Die Windmühle Südhemmern ist als Mühlenensemble mit Müllerhaus und Dorfgemeinschaftshaus ausgebaut worden. Die Mühle ist jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat geöffnet; da dort jedoch kein Müller mehr vorhanden ist, darf die Mühle nicht mehr betrieben werden. Die Mindener Schifffahrtsgesellschaft bieten ein Kombiticket mit Schiff auf dem Mittellandkanal und der Museumseisenbahn zur Südhemmeraner Windmühle an.

Theater

In der ländlichen Region gibt es kein eigenes Theatergebäude, jedoch werden unregelmäßig Theaterstücke in der Aula der Verbundschule Hille aufgeführt. Die nächsten größeren Theater befinden sich in Minden, Lübbecke und Espelkamp. Am Wiehengebirge haben sich in der Nachbarschaft der Gemeinde zwei Laienspielbühnen etabliert, die Freilichtbühne Nettelstedt und die Freilichtbühne Porta.

Museen

Das Heimathaus Hartum zeigt in einem Fachwerkhaus von 1872 das Leben und die Arbeit in der „guten alten Zeit“. In Hartum steht auch das alte, ehemalige Amtsgefängnis. Bemerkenswert an diesem Gebäude ist, dass es immer schon eine doppelte Funktion hatte: Ein Teil des Gebäudes wurde als Feuerwehrhaus eingerichtet. In Holzhausen II findet sich neben der historischen Dorfschmiede ein Handwerksmuseum. Weiterhin befindet sich in Eickhorst die Moorgalerie, in der eine Fotoausstellung zum Großen Torfmoor zu finden ist.
Im Ortsteil Hille wurde in der ehemaligen Kornbrennerei Christian Meyer (gegründet 1721) bis 1990 Alkohol hergestellt. Das alte Brennereigebäude mit Kesselhaus und Kamin steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Seit 2002 betreibt der Heimat- und Gartenbauverein Hille e.V. in dem Industriedenkmal ein Brennereimuseum. Der Produktionsablauf kann vom Kornboden bis zum Zollkeller nachvollzogen werden, da fast alle Apparaturen noch vorhanden sind; besonders erwähnenswert ist der Rohbrandturm von 1880 und die Dampfmaschine von 1895. Heute wird das Kesselhaus auch als Kulturstätte für Lesungen und Vorführungen genutzt. Auf dem Kornboden ist ein kleines Heimatmuseum mit alten hauswirtschaftlichen Geräten eingerichtet. Auf dem 22 Meter hohen Kamin befindet sich ein Storchennest. Weißstörche brüten hier regelmäßig seit 2003.

Bauwerke
Reimlers Hof

Neben den Windmühlen in einigen Ortsteilen gibt es in jedem Dorf eine Dorfkirche, die im Stil der Gegend aus Feldsteinen, gebrannten Ziegeln und Holzkonstruktionen erbaut ist.

In der Ortschaft Hille steht die alte Brennerei Meyer, eine ehemalige Kornbrennerei. Auf ihrem Schornstein wurde ein Storchennest eingerichtet. Ebenfalls in Hille steht der alte von Oeynhausen’sche Adelssitz, heute besser als Reimlers Hof bekannt.

Die Hiller Kirche stammt aus dem Jahr 1523 und wurde in der Reformation zur evangelisch-lutherischen Kirche. Im Laufe der Zeit wurde sie vergrößert und umgebaut. Der Altar, der im Westen statt wie sonst üblich im Osten der Kirche steht, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts vom Ehepaar von Oeynhausen/Pohlmann gestiftet. Bei der Renovierung im Jahr 1954/1955 wurden alte Deckengemälde aus dem Jahr 1523 freigelegt. Rund um die Kirche sind einige Grabsteine des ehemaligen Friedhofes erhalten. An der Außenmauer der Kirche selber wurde ein Grabstein aus dem 16. Jahrhundert aufgestellt, der den Mindener Domherren Conrad von Aswede zeigt. Ebenfalls sehenswert ist die 600-jährige Linde neben der Kirche.[17]

Für weitere Bauwerke siehe → Liste der Baudenkmäler in Hille

Parks und Naturdenkmäler

Mit dem Naturschutzgebiet Großes Torfmoor, dem Naturschutzgebiet Bastauwiesen und dem Naherholungsgebiet Mindener Wald besitzt Hille einige schützenswerte Naturräume.

Am Nordhang des Wiehengebirges hat sich das alte Bauernbad Rothenuffeln mit seinen schwefelhaltigen Quellen etabliert. Hier findet sich ein alter Kurpark, der zum Wandeln der Kurgäste einlädt.[18]

Sport

Hille und Umgebung ist ein Schwerpunkt der deutschen Handballszene. Die benachbarten Vereine TuS Nettelstedt-Lübbecke und Grün-Weiß Dankersen Minden spielen in der Handball-Bundesliga. Die Handballnationalspieler Dieter Waltke und Frank von Behren kommen aus Hille. Jeder der örtlichen Sportvereine hat eine eigene Handballabteilung. Der TV Sachsenroß Hille spielte vier Jahre in der Regionalliga West und nahm einmal am DHB-Pokal teil. Die Frauenmannschaft von Eintracht Oberlübbe spielte drei Jahre in der Regionalliga und nahm einmal am DHB-Pokal teil.

Regelmäßige Veranstaltungen

Seit 1564 wird jedes Jahr im April und September der Hiller Markt begangen. Im großen Kurpark in Rothenuffeln wird vom Jugendblasorchester Rothenuffeln alle zwei Jahre am ersten Wochenende nach den Schulferien die Große Parkbeleuchtung inszeniert.[19]

Kulinarische Spezialitäten

In der Region wird viel Getreide angebaut. Ein Teil davon wird traditionell in Brennereien zu Korn und Moorbrand gebrannt. So gibt es noch eine alte Brennerei in Hille.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Alter Hiller Bahnhof
Kleinbahn bei Hartum
Mittellandkanal nahe Minden

Die Infrastruktur der Gemeinde Hille wird durch den von Osten nach Westen verlaufenden Hauptkamm des Wiehengebirges und den in gleicher Richtung verlaufenden Mittellandkanal geprägt.

Durch das Gemeindegebiet verläuft die B 65 von Hannover nach Osnabrück. Diese überregionale Straßenverbindung hatte früher größere Bedeutung; ein Teil ihrer Aufgaben wurde durch den Bau der A 30 auf die Südseite des Wiehengebirges verschoben.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind Minden und Bad Oeynhausen (Hauptstrecke Bielefeld–Hannover beziehungsweise Osnabrück–Hannover) sowie Lübbecke an der Ravensberger Bahn. Außerdem verkehren auf der Strecke der Mindener Kreisbahnen Güterzüge und eine Museumsbahn ( Museums-Eisenbahn Minden (MEM)) vom Bahnhof Hille über Hartum bis Minden-Oberstadt.

Hille und seine einzelnen Gemeindeteile können mit Regional- und Anrufbussen von Minden, Lübbecke, Espelkamp, Rahden oder Bad Oeynhausen erreicht werden. Seit August 2010 fährt ein Bürgerbus ab Holzhausen über Hille nach Hartum.[20] Hille gehört zum Tarifverbund „Der Sechser“ (OWL Verkehr GmbH).

Als wichtiger Verkehrsweg durchquert die bis 1915 gebaute heutige Bundeswasserstraße Mittellandkanal die Gemeinde. An dieser befindet sich der Hafen Hille, der mit den Mindener Kreisbahnen vernetzt ist. Dessen Umschlagszahlen haben sich im Jahr 2006 gegenüber 2005 gesteigert.[21]

Die Radfernwege Bremen–Bad Oeynhausen, Mühlenroute und Wellness-Radroute durchqueren das Gemeindegebiet.

Ansässige Unternehmen

Das Gebiet der Gemeinde Hille war und ist stark landwirtschaftlich geprägt. Neben Höfen auf guten Lößböden gab es viele Regionen mit schlechten Böden und kargen Einkommen. Viele Bewohner waren deshalb gezwungen sich anderweitig nach Arbeit umzusehen. So erstarkte im 18. Jahrhundert die Leinenindustrie und im 19. Jahrhundert die Zigarrenindustrie. Beide waren stark geprägt von häuslicher Manufaktur und Heimarbeit. Darüber hinaus bot der Wald die Grundlage für die hier weit verbreitete Möbelindustrie, die sich hier jedoch nicht so stark spezialisierte wie die Küchenmöbelindustrie im südlich gelegenen Ravensberger Land.

Beispiel dafür ist die Friedrich Priess GmbH & Co KG, eine seit 1931 bestehende Möbelfabrik in Hille. Die Prieß, Horstmann & Co. Maschinenbau GmbH & Co. KG in Unterlübbe ist als Maschinenbauunternehmen in der Möbelzulieferung tätig.

Da viele Arbeitnehmer nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der schlechten Wirtschaftslage gezwungen waren, sich außerhalb der Region eine Arbeit zu suchen, pendelten viele zum Volkswagenwerk Hannover. Damals konnten Arbeiter bei Volkswagen so genannte Jahreswagen kaufen und verkaufen, in der Gegend gab es deshalb einen regen Gebrauchtwagenhandel.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Hille liegt heute die vom Kreis betriebene Abfalldeponie Pohlsche Heide, die Aufgaben im Rahmen des Abfallentsorgungskonzeptes weit über den Kreis hinaus wahrnimmt.

Die R. Bücker EDV-Beratung Datentechnik GmbH ist ein mittelständisches IT-Unternehmen, die UPHOFF Schlosserei GmbH ein Stahlbau- und Schlossereibetrieb mit 20 Mitarbeitern. Weiterhin gibt es die im Fensterbau tätige dtH Tiemann GmbH. In Unterlübbe findet sich die ESKATE Rohrverbindungstechnik GmbH, ein Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie mit Spezialisierung auf die Herstellung von Flansch- und Spannringverbindungen sowie Sonderbiegeteilen. Im Hafen Hille am Mittellandkanal ist eine Niederlassung des Logistikunternehmens Rhenus GmbH zu finden.

In der Ortschaft Unterlübbe liegt die Wiehengebirgsmolkerei.

Medien

Die öffentliche Presse wird im Gebiet der Gemeinde Hille traditionell aus dem Mittelzentrum Minden wahrgenommen. So ist hier das Verbreitungsgebiet des Mindener Tageblatts, das ständig eine Regionalseite Hille hat. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird vom Westdeutschen Rundfunk als Landesrundfunkanstalt wahrgenommen. Der regionale Rundfunk mit Schwerpunkt Ostwestfalen wird aus dem Studio Bielefeld des WDR für Radio und Fernsehen produziert. Als private Konkurrenz tritt Radio Westfalica aus Minden auf, dessen lokales Fenster gerade verstärkt wird.

Öffentliche Einrichtungen

Die Freiwillige Feuerwehr Hille besteht aus neun selbständigen Löschgruppen, die jeweils in einem der Dörfer der Gemeinde stationiert sind.[22]

Die Krankenversorgung ist auf Kreisebene organisiert, die nächsten Krankenhäuser befinden sich in Minden, Lübbecke und Rahden. Das Gemeindegebiet gehört zum Einzugsbereich des 2008 in Minden neu gebauten Johannes-Wesling-Klinikums.

Weiterhin ist das Deutsche Rote Kreuz Ortsverein Hille e.V. in der Gemeinde vertreten und der DRK-Einsatzeinheit Minden-Lübbecke 02 unterstellt.[23], im Rahmen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, mit der Einsatzeinheit Mitte im Katastrophenschutz tätig.

Der Abfall der Gemeinde Hille wird gemäß Abfallgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Entsorgungszentrum Pohlsche Heide entsorgt.

Bildung

Lange gab es in den zur Gemeinde gehörenden Dörfern eigene Schulen, in denen jahrgangsübergreifend unterrichtet wurde. Nach dem Anwachsen der Bevölkerung in der Nachkriegszeit wurden dort Jahrgangsklassen eingeführt. Diese konnten durch den später einsetzenden Geburtenrückgang nicht mehr alle gehalten werden und wurden zusammengefasst. Infolgedessen haben einzelne Ortschaften keine eigene Grundschule mehr, für die Schüler ist ein Schulbusverkehr eingerichtet. Heute haben nur noch Hille, Nordhemmern, Oberlübbe und Rothenuffeln eine eigene Grundschule.

Für die Großgemeinde Hille stellte sich die Aufgabe, im Gemeindegebiet weiterführende Schulen anzubieten, während es früher üblich war, zum Besuch einer höheren Schule in die Kreisstädte Minden oder Lübbecke zu fahren. In der Ortschaft Hille wurde in den 1990er Jahren die Hauptschule zu einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe umgewandelt, 2006 wurde ein gymnasialer Zweig genehmigt und die Gesamtschule Hille zur Verbundschule Hille umbenannt.

Weiterhin sind in der Gemeinde die Schulen für Erziehungshilfe des Kreises Minden-Lübbecke und die Schule für Sprachbehinderte des Kreises Minden-Lübbecke angesiedelt.

Die Gemeinde Hille gehört dem Zweckverband der Volkshochschule Minden an, die auch im Gemeindegebiet Lehrveranstaltungen anbietet.

Persönlichkeiten
In Hille geboren
1796: Johann Heinrich Volkening, Theologe
1830: Abraham Jacobi, Begründer der Kinderheilkunde in den USA
1898: Christian Weber, Politiker (CDU), Mitglied des Landtages
1919: Helmut Koch, Wirtschaftswissenschaftler
1921: Friedrich Schonhofen, Politiker (SPD), Landrat des Kreises Minden von 1964 bis 1966 und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1965 bis 1976 (WK Minden-Lübbecke)
1943: Joachim Radkau, Historiker
1946: Karl-Heinz Haseloh, Politiker (SPD), Mitglied des Landtags
1952: Wolfgang Freitag, Mitglied der Mindener Stichlinge
1952: Thomas Krämer, Musiktheoretiker, Komponist und Dirigent
1952: Wolfgang Tiemann, Künstler
1954: Dieter Waltke, genannt Jimmy, Handballspieler und Mitglied der deutschen Handballnationalmannschaft bei der Handball-Weltmeisterschaft 1978
1958: Martina Tegtmeier, Politikerin der SPD, Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern
1964: Dorothea Frederking, Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt
1976: Frank von Behren, ehemaliger Kapitän der deutschen Handballnationalmannschaft

Die aus Deutschland ausgewanderten Vorfahren des US-Astronauten William Cameron McCool stammten aus Hille.

Mit Hille verbunden
Andrea Gerecke (* 1957 in Berlin), Krimiautorin, lebt im Ortsteil Unterlübbe.
Ehrenbürger

Die Gemeinde verzeichnet keine Ehrenbürger.

Literatur
Gerhard Finke: Gemeinde Hille – unsere Heimat. Band 1: 700 Jahre Mühlengeschichte in den Dörfern Eickhorst, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, Oberlübbe, Rothenuffeln, Südhemmern und Unterlübbe. Gemeinde Hille, Hille 1993.
Gemeinde Hille: 1973–1998, 25 Jahre Gemeinde Hille.
Sofie Meisel: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Geographische Landesaufnahme 1:200000, Naturräumliche Gliederung Deutschlands. Remagen 1959
Heinrich Wesemann: Politische Willensentscheidungen im dörflichen Raum. Wahlen und Wahlergebnisse der Gemeinde Hille von 1919 bis 1933. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 47 (1975), S. 7–61.
Weblinks
 Commons: Hille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Website der Gemeinde Hille
Hille im Kulturatlas Westfalen