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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Holzgerlingen nicht vorenthalten.

Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Besiedlung geht bis in neolithische Zeit zurück. Kelten siedelten zwischen 550 und 50 v. Chr. Gegen 100 n. Chr. ließen sich Römer im Raum Holzgerlingen nieder. Alamannen verdrängten die Römer gegen 300 n. Chr.

Die erste urkundliche Erwähnung Holzgerlingens erfolgte 1007 in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs II. an das Bistum Bamberg. Zwischen 1100 und 1400 war Holzgerlingen im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen. 1348 ging der Ort durch Verkauf an das Haus Württemberg über.

Der Bauernkrieg fand 1525 mit der Schlacht bei Böblingen in der Region sein blutiges Ende.
Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam es 1627 zur Einquartierung von Wallensteins Truppen. 1635 brach die Pest aus.

Holzgerlingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

In der Zeit, als in Europa der Polnische Erbfolgekrieg tobte, wurden in Holzgerlingen im Jahr 1735 gegen Frankreich marschierende russische Truppen einquartiert. Der Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges führte Trenck der Pandur und einige seiner Gesellen nach Holzgerlingen, wo sie 1743 übernachteten.

Im Jahre 1805 fielen napoleonische Truppen ein und zwangen Bewohner Holzgerlingens zu Gespanndiensten; sie konnten jedoch entkommen und zu ihren Familien heimkehren. Dagegen kehrten die fünfzehn Holzgerlinger, die 1812, genötigt durch das Bündnis König Friedrichs I. von Württemberg mit Napoleon I. an seinem Russlandfeldzug teilnahmen, nie mehr in ihre Heimat zurück.

1850 hatte Holzgerlingen 1824 evangelische und 14 katholische Einwohner, die in 359 Haupt- und 54 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[4] 1865 wurde im Ort die erste Poststelle eingerichtet. 1866 zogen Holzgerlinger Männer an der Seite Österreichs gegen Preußen ins Feld und gleich danach 1870/71 an der Seite des ehemaligen Feindes Preußen gegen Napoleon III. in den Krieg. Zwei der Männer ließen in den Schlachten ihr Leben.

20. Jahrhundert

Im Jahre 1907 erhielt Holzgerlingen Anschluss an das Stromnetz. Aus dem Ersten Weltkrieg, 1918, kehrten 106 Holzgerlinger nicht mehr zurück. 1943 fielen großflächig Bomben auf Holzgerlingen mit der Folge der Zerstörung von 64 Gebäuden und 1945, gegen Ende des Krieges, brannten französische Besatzungstruppen das alte Rathaus nieder. Der Zweite Weltkrieg kostete insgesamt 291 Holzgerlingern das Leben. Gleich nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1950 wurde das Rathaus wieder errichtet. Nicht zuletzt durch die Nähe zu Sindelfingen, Böblingen und Stuttgart konnte sich Holzgerlingen in den Folgejahren vom einstigen Handwerker- und Bauerndorf zu einem respektablen kulturellen Zentrum in der Schönbuchlichtung entwickeln. Am 1. April 1993 erhielt Holzgerlingen die Stadtrechte verliehen.

Domäne Schaichhof

Der Hof, dessen Besitzer im 16. Jahrhundert auch einmal der württembergische Reformator Johannes Brenz gewesen war, wurde im Jahr 1725 von einer Erbengemeinschaft Bücheli oder Büchelin um 4000 Gulden an den fürstlichen Kammerfaktor und Handelsmann Johann Heinrich Eysenbach verkauft. Eisenbach ließ auf den Hofgelände ein Gebäude erstellen. Im April 1824 kaufte die Hofdomänenkammer als private Vermögensverwaltung der königlichen Familie den Hof von Dr. Leopold Klotz aus Tübingen um 38.000 Gulden (Kaufvertrag vom 23. April 1824). Sie verpachtete den Hof an folgende Pächter:

Georg Diegel, Mähringen (1824–1842)
Johann Gottlieb und Christoph Friedrich Geyer, Oberesslingen (1842–1852)
Johann Gottlieb Geyer (1852–1860)
Zuckerfabrik Böblingen AG (1860–1908)
Wilhelm Treiber, Neunthausen Oberamt Sulz (1908–1945)
Max Treiber (1945–1959)
Adolf Weiland (1959–1982)
Hans Adolf Weiland (1982–1990)

Während der Pachtzeit der Zuckerfabrik Böblingen wurde die Domäne eher unzureichend bewirtschaftet. Erst die Familie Treiber verbesserte das Gut durch Entwässerungen und fortschrittlichen Anbau grundlegend. Trotz der hohen Lage wurde der Schaichhof als Musterbetrieb geführt. Im Frühjahr 1991 wurde auf dem Schaichhof ein Golfplatz eröffnet.[5]

Religionen

Die Reformation wurde in Holzgerlingen 1534 eingeführt. Seither ist der Ort evangelisch geprägt.
41,83 % der Bevölkerung sind evangelisch, 22,3 % katholisch und 1,4 % gehören einer sonstigen Religionsgemeinschaft an. Die restlichen 34,47 % der Einwohner sind beim Bürgeramt ohne Religionsangabe gemeldet.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Alle Zahlen, soweit nicht anders angegeben, wurden vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg übernommen.[6]

Jahr Einwohner
1850[4] 1838
1. Dezember 1871 * 1718
1. Dezember 1880 * 1785
1. Dezember 1890 * 1924
1. Dezember 1900 * 1907
1. Dezember 1910 * 1996
16. Juni 1925 * 2192
16. Juni 1933 * 2370
17. Mai 1939 * 2629
13. September 1950 * 3640
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 * 5290
27. Mai 1970 * 7173
31. Dezember 1975 8194
31. Dezember 1980 8510
27. Mai 1987 * 8918
31. Dezember 1990 9847
31. Dezember 1995 11.061
31. Dezember 2000 11.466
31. Dezember 2005 11.906
31. Dezember 2010 12.722
31. Dezember 2015 12.635

Bevölkerungsstruktur

Der Anteil der ausländischen Bürger an der Gesamteinwohnerzahl beträgt 10,45 Prozent.

Politik
Altes Rathaus Holzgerlingen
Gemeinderat

Der Gemeinderat in Holzgerlingen hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis [7]. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 52,38 %

 %403020100

37,57 %27,48 %19,50 %15,45 %

FWBNUCDUSPD
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   2   0  -2  -4

+1,01 %p
-1,42 %p+0,01 %p+0,44 %p
FWBNUCDUSPD

FW Freie Wählervereinigung Holzgerlingen e. V. 37,57 7 36,56 7
BNU Bürger für Natur und Umweltschutz 27,48 5 28,90 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 19,50 3 19,49 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,45 3 15,05 3
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 52,38 % 56,44 %

Bürgermeister
1904–1938: Robert Mosthaf
1938–1945: Otto Müller
1945–1948: Guido Eipperlein
1948–1964: Otto Rommel
1964–1983: Siegfried Gölz
1983–1985: Walter Mack
1986–heute: Wilfried Dölker

Dölker wurde zuletzt 2009 mit 75,7 % im Amt bestätigt.

Wappen

Blasonierung: In Rot eine silberne Lilie.

Partnerstädte

Die Partnerstädte von Holzgerlingen sind:

Neuenhof (Schweiz)
Niesky (Sachsen)
Jílové u Prahy (Tschechische Republik)
Crystal Lake, Illinois (USA)
Wirtschaft und Infrastruktur
Schönbuchbahn
Verkehr

1910 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1965 ist auf der Strecke der planmäßige Personenverkehr eingestellt worden.
Nach Jahren der Stilllegung wurde im Dezember 1996 die Schönbuchbahn wieder in Betrieb genommen. Drei Haltestellen in Holzgerlingen (Nord, Bahnhof und Buch) binden die Stadt über Böblingen an das Stuttgarter S-Bahn-Netz an.

Die Bundesstraße 464 (Renningen–Reutlingen) verbindet Holzgerlingen mit dem überregionalen Straßennetz. Bereits 1934 erhielt die Stadt eine Ortsumgehung. Dadurch blieb der Innenstadtbereich bis heute vom Durchgangsverkehr weitestgehend verschont. Die B 464 ist heute teilweise als vierspurige Schnellstraße ausgebaut.

Ansässige Unternehmen

Das älteste Unternehmen im Ort ist die seit 1798 ansässige Bandweberei Gottlieb Binder. Viele traditionsreiche mittelständische Unternehmen, wie z.B. die Elektro-Breitling GmbH, gehören wie der Hänssler Verlag und weitere kleinere Betriebe zu den Arbeitgebern am Ort. Derzeit größter Arbeitgeber ist der Anlagenhersteller Eisenmann.
Wegen der örtlichen Nähe zum Mercedes-Standort Sindelfingen haben sich Zulieferbetriebe mit Zweigstellen oder Vertriebsbüros angesiedelt.

Viele Holzgerlinger sind im nahe gelegenen Sindelfingen und Böblingen in namhaften und weltweit agierenden großen Unternehmen, wie Daimler, IBM, Philips, Hewlett-Packard oder Agilent beschäftigt.

Öffentliche Einrichtungen

Holzgerlingen besitzt eine Stadthalle mit 700 Sitzplätzen, eine Begegnungsstätte (Bürgertreff) und ein Altenzentrum mit angeschlossenem Pflegeheim.

Bildungseinrichtungen

Holzgerlingen verfügt über ein modernes Schulzentrum mit Grundschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium (Schönbuch-Gymnasium Holzgerlingen). Das Angebot komplettieren die ansässige Sonderschule (Heinrich-Harpprecht-Schule) sowie eine Volkshochschule. Darüber hinaus gibt es zwölf Kindergärten sowie eine Stadtbücherei mit öffentlichem Internetzugang.

Sporteinrichtungen

In Holzgerlingen gibt es unter anderem ein Stadion, vier Sporthallen, ein beheiztes Waldfreibad, Tennisplätze und Tennishalle, Reitgelände mit mehreren Hallen, einen Golfplatz (öffentlich und Club) und den Schützenbühl mit einer Moto-Cross-Rennstrecke.

Vereine
Sportvereinigung Holzgerlingen

Die Sportvereinigung Holzgerlingen e. V., abgekürzt „SpVgg Holzgerlingen“, wurde am 1. Juni 1946 als Nachfolger der bis dahin in Holzgerlingen bestehenden Sportvereine neu gegründet und setzt sich momentan aus 14 Abteilungen zusammen. Der Verein ist Mitglied des Württembergischen Landessportbundes (WLSB).

Das American Football Team der Stadt, die Holzgerlingen Twister, spielt 2010 in der GFL 2.

Kraftsportverein (KSV) Holzgerlingen

Im Jahre 1960 wurde der KSV Holzgerlingen als Schwerathletikverein gegründet; in den 1980er Jahren wurden mit Judo und Taekwondo weitere Kampfsportarten in das Angebot aufgenommen.

Die „KiSS Schönbuch“ wurde im Jahre 2003 in Kooperation mit der SpVgg Holzgerlingen gegründet und ist eine offiziell anerkannte Kindersportschule.
Die Kampfkunst Modern Arnis ergänzt seit 2006 das Sportangebot im KSV.

DPSG Holzgerlingen

Seit 1950 gibt es in Holzgerlingen einen Pfadfinderstamm der DPSG, der in den Räumen des katholischen Gemeindehauses (Bischof-Sproll-Haus) tätig ist. Zurzeit (Stand April 2008) hat der Stamm etwa 90 Mitglieder.

Weitere Vereine
CVJM Holzgerlingen
DLRG Holzgerlingen
Verein für Heimatgeschichte Holzgerlingen
Liederkranz Holzgerlingen
Gesangverein Frohsinn Holzgerlingen
Musikverein Stadtkapelle Holzgerlingen e.V.
Harmonika-Verein Holzgerlingen e.V.
NaturFreunde Holzgerlingen/Altdorf
Kunstwerkstatt Holzgerlingen
Fotoclub Blende96 Holzgerlingen
Kleintierzuchtverein Holzgerlingen Z79
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Mauritiuskirche Holzgerlingen
Burg Kalteneck
Theater

Das Amateurtheater Theater der Käsreiter tritt regelmäßig mit schwäbischen Mundartstücken im Hotel-Restaurant Waldhorn auf. Die im Rahmen der Lokalen Agenda 21 gegründeten Theater-Agend(t)en[8] haben sich zu einer festen Institution im Veranstaltungskalender der Stadt entwickelt.

Museen

Holzgerlingen verfügt über ein Heimatmuseum im alten Schulhaus.

Bauwerke
Die Mauritiuskirche, deren Wehrturm aus dem elften Jahrhundert stammt, steht unter Denkmalschutz.[9]
In der Burg Kalteneck, einem Wasserschloss mit Fundamenten aus dem 14. Jahrhundert, besteht die Möglichkeit, Veranstaltungen durchzuführen.[10]
Johanneskirche[11]
Johannes-Brenz-Haus, ein kirchliches Jugendzentrum[12]
Jugend

Mit dem Jugendkulturzentrum w3 (früher s’red) hat Holzgerlingen seit 1999 einen beliebten Treffpunkt für Jugendliche der Stadt.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Gottlob Binder (1885–1961), Politiker (SPD), Präsident des Landesarbeitsamts Hessen, Staatsminister für Wiederaufbau
Otto Albus (1911–2007), Graphiker, Lithograph und Maler
Hans Ulrich Eberle (1927–1988), Bibliothekar, Leiter der Stadtbibliothek Heilbronn
Volker Friebel (* 1956), Psychologe, Schriftsteller und Musiker
Hartmut Schmid (* 1956), Evangelischer Theologe
Ina Großmann (* 1990), Handballspielerin
Ehrenbürger
Pfarrer Karl Harpprecht (1838–1914), von 1878 bis 1908 Ortspfarrer
Robert Mosthaf (1876–1945), der letzte auf Lebenszeit gewählte Schultheiß in Holzgerlingen
Dr. med. Heinrich Harpprecht (1878–1966), Sohn von Pfarrer Karl Harpprecht und Ortsarzt
Otto Rommel (1901–1964), Bürgermeister von 1948 bis 1964
Siegfried Gölz (1917–2003), Bürgermeister von 1964 bis 1983
Sonstige Persönlichkeiten
Elfgard Schittenhelm (* 1947), deutsche Leichtathletin, deutsche Meisterin im 100-m- und 200-m-Lauf und Teilnehmerin der Olympischen Spiele 1972.
Stefan Jarosch (* 1984), deutscher Fußballprofi beim SSV Jahn Regensburg
Literatur
Sönke Lorenz: Holzgerlingen: von der Schönbuchsiedlung zur Stadt. WEGRAhistorik-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-929315-04-1. 
Arturo Rivas: Eulen und Raben im bunten Gefieder – Die StadtArt-Vögel von Holzgerlingen. Markstein-Verlag, Filderstadt 2007, ISBN 978-3-935129-41-1. 
Werner Lenz (Vorwort: Wilfried Dölker): Holzgerlingen: Die Stadt im Schönbuch. Geiger-Verlag, 1993, ISBN 978-3-89264-809-3. 
Weblinks
 Commons: Holzgerlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Holzgerlingen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850 – Quellen und Volltexte
Heimatmuseum Holzgerlingen
Schönbuch-Gymnasium Holzgerlingen