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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Jestetten nicht vorenthalten.

Geschichte
Katholische Kirche St. Benedikt

Die geschützte Terrasse an der großen Rheinschleife um das Kloster Rheinau unterhalb des Rheinfalls war schon sehr früh ein bevorzugter Siedlungsplatz. Die Siedlungsspuren reichen bis in die mittlere Steinzeit zurück. Eine befestigte keltische Siedlung, das Oppidum Altenburg-Rheinau, wurde durch Ausgrabungen nachgewiesen.

Altenburg wird erstmals erwähnt 871 als pago Chlegouwe in villa Altunbourch, nach einer Kopie von 1126 im Cartular von Rheinau. Es folgen weitere Nennungen in den Jahren 871, 892, 1049, und 1241 (Altinburch)[3]

Die erste urkundliche Erwähnung[4] von Jestetten datiert auf das Jahr 871 als „villa que vocatur Jesteten“ (Dorf welches Jesteten genannt wird), es gehörte zur Landgrafschaft Klettgau. Im Schloss Jestetten residierten einst die Grafen von Sulz.

Von 1774 bis 1806 lebten auf dem Schloss verschiedene Ordensgemeinschaften.

Mit der Landgrafschaft Klettgau kam der Ort 1806 an Baden. Dies bedeutete auch das Ende des Klosterlebens im Schloss.

Lage des Zollausschlussgebiets

Wegen des komplizierten Grenzverlaufs in dieser Region wurde das Gebiet des Jestetter Zipfels 1840 zum Zollausschlussgebiet erklärt, was die zu überwachende Grenze von 55 km auf 6 km verkürzte. Diese Regelung, die bis 1935 währte, bescherte den Bewohnern des Gebiets einen bescheidenen Wohlstand, konnten sie ihre Produkte doch in Baden bzw. Deutschland und der Schweiz zollfrei anbieten. Der zeitweise aufkommende Schmuggel war in der Hauptsache durch Notzeiten bedingt.

Das Schloss diente ab 1830 als Sitz des Bezirksamtes Jestetten, danach als Amtsgericht und Amtsgerichtsgefängnis und ab 1878 als Kreispflegeanstalt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 200 Bewohner der Kreispflegeanstalt im Rahmen der Aktion T4 ermordet.

Kriegsende und Nachkriegszeit

Nach der Besetzung Südbadens am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet auch das Zollausschlussgebiet in die Hand der Französischen Besatzungsmacht. Dem Kommandanten der 1. Armee, Jean de Lattre de Tassigny, war der Bereich in der Grenzziehung zu unübersichtlich. Er ließ ihn räumen. Am 14. Mai 1945 wurde die Bevölkerung zum Abmarsch aufgerufen und am Tag darauf waren die Bewohner von Jestetten, Altenburg und Lottstetten auf dem Weg über Grießen in den Schwarzwald. Die Franzosen handelten aus militärischer Sicht. Es sollen sich noch versprengte deutsche Soldaten in den Wäldern an der Schweizer Grenze befunden haben und auch Gerüchte um einen Gebietstausch mit der Schweiz waren im Umlauf. Der Zweite Weltkrieg war erst vor kurzer Zeit zu Ende gegangen und auch die regulären deutschen Truppen hatten aus militärischen Zwecken Umsiedlungen vorgenommen. Ebenso war es in der französischen Armee üblich gewesen, Ortschaften von der Zivilbevölkerung zu räumen. Somit erregte das Vorgehen international und auch in der Schweiz kein besonderes Aufsehen.

Zudem hatte die Alliierte Militärregierung im Gesetz Nr. 161 ein 5 Kilometer breites „Sperr-Grenzgebiet“ an den deutschen Grenzen angeordnet und damit waren auch viele Ortschaften entlang des Rheins und um den Kanton Schaffhausen in ihrer Existenz bedroht. Nicht zuletzt weil die durchziehenden Jestetter das eigene Schicksal vorführten, regte sich im Klettgau jedoch organisierter Widerstand: Über Verbindungen mit der Schweiz konnte die Angelegenheit über den apostolischen Nuntius Roncalli, den späteren Papst Johannes XXIII., geregelt werden: Per Bescheid des Militärgouverneurs am 3. Juni 1945 wurden alle Ortschaften südlich des Wutachtals von der Anordnung verschont. 140 Bürger hatten in Erzingen vor dem Entscheid ein Gelübde zum Bau einer Kapelle gezeichnet.

Die Bevölkerung des Zollausschlussgebiets fand den Sommer 1945 über Unterkunft in verschiedenen Schwarzwalddörfern. Bis zum Herbst des Jahres 1945 waren die Einwohner der drei Ortschaften wieder in ihrer Heimat.

Am 1. Januar 1973 wurde Altenburg eingemeindet.[5]

Die Gedenkfeier in Jestetten am 15. Mai 1995 zum 50. Jahrestag der Evakuierung wurde vom Lokalsender TV Eichberg dokumentiert.[6][7]

Politik
Verwaltungsverband

Die Gemeinde ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Jestetten, dem auch die Gemeinden Dettighofen und Lottstetten angehören.

Gemeinderat

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 neben der Bürgermeisterin als Vorsitzender 18 Mitglieder an.

CDU: 35,6 %, 6 Sitze (2009: 34,3 %, 6 Sitze)
FWV: 25,9 %, 5 Sitze (2009: 28,2 %, 5 Sitze)
SPD: 24,3 %, 4 Sitze (2009: 25,4 %, 5 Sitze)
Die Grünen: 14,2 %, 3 Sitze (2009: 12,1 %, 2 Sitze)

Bürgermeisterin

Seit dem 29. November 2005 ist Ira Sattler Bürgermeisterin. Sie setzte sich im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber mit einem Stimmenanteil von 71,8 % durch. Am 22. September 2013 wurde sie im ersten Wahlgang mit 77,5 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.

Kirchen
Evangelische Markusgemeinde

2015 feierte die evangelische Gemeinde das 50-jährige Jubiläum der Markuskirche, deren Einweihungsfeier am 20. Juni 1965 stattgefunden hatte.

Chronik
Die Wurzeln der Gemeinde reichen ins Jahr 1897 zurück, als für die 33 Evangelischen in Jestetten und Umfeld „alle vier bis sechs Wochen im Ratssaal des alten Schulhauses“ mit Pfarrverweser Karl Horn aus Büsingen ein Gottesdienst stattfand. […] Ab 1926 wurden 12 bis 14 Gottesdienste jährlich im Bürgersaal gefeiert.“ Bis 1943 war der Büsinger Pfarrer Emil Heckel zuständig, der von Pfarrer Waßmer aus Singen abgelöst wurde. Nach dem Krieg wuchs durch die großen Flüchtlingsströme die evangelische Bevölkerung sprunghaft an. Nachdem der Anteil der Protestanten im Zollausschlußgebiet auf 16 Prozent gestiegen war, wurde am 1. November 1948 eine selbstständige Diasporapfarrei geschaffen. Erster Pfarrer war Harald Porsch. 1955 wurde die Pfarrei zur Kirchengemeinde erhoben und Paul Marquart zum Pfarrer gewählt. Am 31. Mai 1959 wurde das neue Gemeindehaus, das den Namen des Apostels Markus erhielt, eingeweiht und „am 25. Oktober 1964 fand die Grundsteinlegung“ für den Kirchenbau statt.[8]

Blick in das Innere der evangelischen Markuskirche in Jestetten mit einem Altarkreuz von Siegfried Fricker und der Kanzel von Gerhart Rieber

Ausstattung der Kirche
Die Kirche ist ausgestattet mit zwei Kreuzen des Bildhauers Siegfried Fricker sowie Reliefs auf Taufstein und auf dem Vorplatz (2009) von Radegund Fricker. Die Holzkanzel stammt vom Holzbildhauer Gerhart Rieber; Eberhard Rieber schuf Krippenstelen (2012).

Jestetter Pfarrer
Außer den unter Chronik genannten Pfarrern amtierte nach P. Marquart ab 1. Mai 1965 als Pfarrverwalter und ab 1. August 1965 als Pfarrer, Rüdiger Beile, der – zuständig auch für die Klettgau-Gemeinden Erzingen und Grießen – sich mit der Begründung von Jugendarbeit und dem ersten ökumenischen Gottesdienst in der Region noch im August 1965 zusammen mit dem altkatholischen Pfarrer Bürke aus Dettighofen einen Namen machte.[9] Damit begründete er eine Tradition, die später auch zusammen mit der katholischen Gemeinde fortgesetzt wurde. Rüdiger Beile verblieb bis Februar 1971, gefolgt von den Pfarrern:

Karl-Heinz Beer (August 1971 – August 1976)
Uwe Lindemann (August 1977 – Januar 1992)
Peter Sebeties (Januar 1993 – Oktober 1999)
Pfarrerin Sibylle Krause (seit September 2000)
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Durch Jestetten führen die Bundesstraße 27 und die Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Die B 27 geht an den Grenzübergängen Neuhausen am Rheinfall und Rafz in die Schweizer Hauptstrasse 4 über und verbindet so Jestetten im Norden mit Schaffhausen und im Süden mit Zürich.

Die Bahnstrecke durch Jestetten hat keine Verbindung zum übrigen deutschen Eisenbahnnetz. Sie wird von den SBB nach Schweizer Vorschriften betrieben; es gilt der Tarif der SBB. Der Bahnhof Jestetten ist neben dem Bahnhof von Lottstetten einer von zwei SBB-Bahnhöfen auf deutschem Staatsgebiet, nachdem der Bahnhof Altenburg-Rheinau von den SBB zu Gunsten eines Halts am Rheinfall geschlossen wurde. Die auf dieser Bahnstrecke verkehrende S22 der S-Bahn Zürich verbindet Jestetten über Schaffhausen mit Singen; die S9 der S-Bahn Zürich verbindet Schaffhausen über Jestetten mit Eglisau, Bülach und Zürich.

Ansässige Unternehmen

Die von Karl Altenburger gegründete Altenburger KG war ein Pionierbetrieb im Fahrradteilezubehör.

Medien

In Jestetten ist die Zeitung Südkurier mit ihrem Ableger Alb-Bote vertreten. Dazu kommt das Anzeigenblatt „Anzeiger Hochrhein“. Online berichtet Hierzuland.info über die Gemeinde und die umliegenden Orte.

Die Gemeinde Jestetten ist Herausgeber des Mitteilungsblattes „Jestetter Info“, welches alle 14 Tage erscheint.

Schulen
Grund- und Hauptschule Jestetten (Schule an der Rheinschleife)

Sie besteht aus der Außenstelle Altenburg und dem Hauptsitz in Jestetten. Unterrichtet werden etwa 320 Schüler, von denen einige aus der benachbarten Schweiz kommen.

Vorhanden ist noch das historische „Alte Schulhaus“, das heute als kultureller Begegnungsort der Gemeinde genutzt wird. Auf Grund der bei Visitationen der Schulbehörde über Jahrzehnte hinweg immer wieder beanstandeten Mängel in Bezug auf Ausbildung der Lehrer und die räumlichen Zustände beschloss die Gemeinde Jestetten schließlich, ein neues Schulgebäude mit Lehrerwohnungen und Räumlichkeiten für die Gemeindeverwaltung zu errichten. Die Einweihung fand am 26. Dezember 1910 statt.

Aktuell erstreckt sich die Schulnutzung auch auf den Westflügel, der Ostflügel wird nur zum Teil zu Wohnzwecken genutzt. Die Räume dienen der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule als Unterrichts- und Fachräume, als Besprechungszimmer, Lehrerzimmer und Aufenthaltsraum.

Die Einweihung des Schulgebäudes in Altenburg fand am 23. September 1956 statt. Bis 1966/67 wurden hier acht Volksschulklassen unterrichtet. Ab 1978 wurde die Schule im Rahmen der Eingemeindung verwaltungsmäßig als offizielle Außenstelle der Grund- und Hauptschule Jestetten zugeordnet. In diesem Jahr erhielt das Gebäude als Ergänzung eine Mehrzweckhalle, die für den Sportunterricht mitbenutzt werden konnte.

Schulleiter der Schule an der Rheinschleife ist Hans-Dieter Strittmatter, Stellvertreterin Irmgard Bäumle.

Frontansicht der heutigen Grund- und Hauptschule in Jestetten
Realschule Jestetten

Die Realschule Jestetten wurde am 6. April 1959 erstmals von 22 Schülern des neuen Mittelschulzugs der Volksschule Jestetten besucht. Die Unterrichtsräume befanden sich am Anfang im Gebäude der Grund- und Hauptschule. Ihren offiziellen Namen erhielt sie 1966.[10]

Der Grundstein für das eigenständige Schulhaus am heutigen Standort wurde erst zehn Jahre später, 1969, gelegt. Durch den stetigen Schülerzuwachs war eine Erweiterung notwendig, deren Bau 1997 begann. Heute verfügt sie über 17 Klassenräume sowie mehrere Fach- und Werkräume. Im Schuljahr 2015/16 wurden 465 Schüler von 31 Lehrkräften in 16 Klassen unterrichtet.
Ein Angebot ist der bilinguale Unterricht in englischer Sprache. Dieser findet durchgängig von der 5. bis zur 10. Klasse zumindest in einem Zusatzfach statt.

Schulleiter der Realschule ist Peter Haußmann, Stellvertreterin Wiebke Pankratz.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Markus Beile (* 1964), evangelischer Pfarrer, Theologe und Autor
Alfons Brohammer (* 1943), Ehrenbürger und Bürgermeister
Siegfried Fricker (1907–1976), Bildhauer
Albert Fritz (* 1947), Radsportler
Karl-Hellmuth Jahnke (* 1932), Ehrenbürger, langjähriges Gemeinde- und Kreisratsmitglied
Kolibri (* 1951), Maler, Grafiker, Karikaturist und Illustrator
Konrad III., Mayer, von Jestetten, Abt des Klosters Rheinau 1380–1404
Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen
Hl. Hixta (um 830), eine ihr geweihte Kapelle bestand bis 1833, nach der Legende eine Tochter der Notburga von Bühl
Johann Josef Auer (1666–1734), Bildhauer
Klemens Maria Hofbauer (1751–1820), Priester und Heiliger, war hier von 1802 bis 1805 tätig
Wilhelm Hug (1880–1966), Forstmann und NSDAP-Politiker, leitete von 1923 bis 1932 das Forstamt Jestetten und war Mitglied des Bürgerausschusses von Jestetten
Werner Steinberg (1908–1989), Ehrenbürger (Verdienstmedaille BW)
Rainer Offergeld (* 1937), Bundestagsabgeordneter, Entwicklungsminister, Oberbürgermeister von Lörrach und Sprecher von Thermoselect Südwest GmbH, war in der Gemeinde Jestetten von 1968 bis 1969 als Gemeinderat (SPD) tätig
Gerhart Rieber (1939–2005), Bildhauer und Drechsler
Karin Rehbock-Zureich (* 1946), Politikerin der SPD
Literatur
Karl-Hellmuth Jahnke, Erich Danner (Hrsg.): Das Jestetter Dorfbuch. Altenburg und Jestetten in Geschichte und Gegenwart. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2001, ISBN 3-89870-039-9.
Berthold Danner: Ein Blick nach Gestern. Historische Fotografien aus Jestetten und Altenburg. Eigenverlag, 1992.
Gemeinde Altenburg (Hrsg.): Altenburg 871–1971, Beiträge zur Ortsgeschichte. 1971.
Bürgermeisteramt Jestetten (Hrsg.): Jestetten 1100 Jahre. Festschrift zur 1100-Jahr-Feier der Gemeinde Jestetten vom 11.–20. September 1971. 1971.
Georg Jäger: Jestetten und seine Umgebung. Ein Heimatbuch für das badische Zollausschlussgebiet. Carinthiadruck, Klagenfurt 1930.
Eine weitere wichtige Quelle ist die jährlich erscheinende Jestetter Chronik.

Informationen zum Dialekt Jestettens finden sich in:

Rudolf Ernst Keller: Jestetten, Kreis Waldshut. Niemeyer, Tübingen 1970 (Phonai, Deutsche Reihe, Band 7), S. 11–89.