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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Kaufering nicht vorenthalten.

Geschichte
Gründung

Die ältesten Quellen von Kaufering reichen in das 6. Jahrhundert zurück. Damals drangen germanische Stämme in den Süden Deutschlands vor und gründeten den Ort am Lech. Der damalige Sippenälteste hieß vermutlich Kufo, die Endung -ing des heutigen Namens deutet auf den germanischen Ursprung hin. Im Laufe der Zeit ergaben sich dann die Ortsnamen Kiviringin, Kiviringen, Chuferingen, Kuferingen und Kufringen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Kaufering stammt aus dem Jahr 1033. Damals erwarb das Kloster Benediktbeuern unter dem Abt Gothelm ein Gut im Ort.

Mittelalter
Ansicht des Altortes von Nordwesten

Zu Zeiten des Mittelalters war Kaufering im Besitz der Welfen, deren bedeutendster Vertreter Heinrich der Löwe war. Dieser ließ den Verlauf der Salzstraße von Kaufering ein paar Kilometer weiter flussaufwärts verlegen, wodurch es dort zur Entstehung der benachbarten Stadt Landsberg am Lech kam. Dadurch verlor die Burg Kaufering ihre Bedeutung, worauf sie bald verfiel. Auch wurde die gesamte Entwicklung des Ortes durch die Verlegung der Salzstraße gebremst.

19. Jahrhundert

Erst der Bau der Eisenbahn im Jahr 1872 brachte einen Aufschwung in die Entwicklung der Gemeinde. Aus technischen Gründen konnte die Bahnlinie nicht über die benachbarte Kreisstadt führen, wodurch Kaufering ein wichtiger Bahnhof wurde. Es kreuzen dort die Linien München – Buchloe und Augsburg – Landsberg am Lech (auch Lechfeldbahn genannt).

20. Jahrhundert

1944 wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs um Landsberg und Kaufering mit 14 KZ-Außenkommandos der größte Konzentrationslagerkomplex des Deutschen Reiches errichtet. Sämtliche KZ-Kommandos trugen den Namen „Kaufering“. Am 18. Juni 1944 traf der erste Transport mit 1000 Häftlingen aus Auschwitz in Kaufering ein. Sie sollten im Rahmen des Rüstungsprojekts „Ringeltaube“ drei gigantische unterirdische Bunker zur Produktion des Düsenstrahljägers Messerschmitt Me 262 bauen. In den Außenkommandos registrierte der luxemburgische KZ-Priester Jules Jost bis zum 9. März 1945 28.838 jüdische KZ-Häftlinge. Wegen der menschenunwürdigen Unterbringung, aufgrund von Hunger, Kälte, Krankheiten wie Typhus und der Ausbeutung der Arbeitskraft bis zur Vernichtung, bezeichneten die Häftlinge die 14 KZ-Lager von Kaufering als „Kalte Krematorien“. Bis Ende Oktober 1944 wurde, wer nicht mehr arbeiten konnte, zurück nach Auschwitz in die Gaskammern geschickt. Ab November 1944 wurden die Häftlinge vom KZ-Kommando Kaufering/Landsberg nicht mehr deportiert, sondern starben im Lager. Die Leichen wurden in der Umgebung in Massengräbern vergraben. Nur etwa 15.000 Häftlinge überlebten in diesen Lagern die letzte Phase der Judenvernichtung und erlebten die Befreiung durch die amerikanische Armee am 27. April 1945. Die erhaltenen Erdhütten und Baracken mit Tonröhrengewölben des Lagers Kaufering VII stehen unter Denkmalschutz.[2]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bildete sich ein großes Flüchtlingslager zwischen dem Bahnhof und dem alten Ortskern. Ab Ende der 1940er Jahre wurde dort eine Siedlung erbaut, aus der das heutige Neukaufering (auch Kaufering-West genannt) entstand.

21. Jahrhundert
Bahnhof Kaufering

Das Lechtalbad in Kaufering wechselte 2004 den Besitzer und gehört jetzt wieder dem Landkreis Landsberg.
Außerdem wurde das Freibad zu einem selbstreinigenden Naturbad umgebaut. Ende der 1960er Jahre gebaut, wurde es lange Zeit als Landkreisbad betrieben. Beliebt waren die großzügige Freibadanlage, das Hallenbad und der Saunabereich. 1990 wurde der renovierte Umbau des Hallenbads und des Saunabereichs in Betrieb genommen. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten entschied der Landkreis, das Bad einem privaten Investor zu übereignen, der es jedoch nach kurzer Zeit wieder desinvestierte.

Karlheinz Schreiber, deutscher Waffenhändler, wohnte bis zu seinem Umzug nach Kanada in seiner Kauferinger Villa, welche im Rahmen der Ermittlungsverfahren auch durchsucht wurde, und wohnt nach seinem Gerichtsverfahren in Augsburg im Jahre 2014 wieder in Kaufering.[3]

Kaufering mit seinem zentral gelegenen Bahnhof ist ein Anziehungspunkt für Pendler nach München, sodass eine Erweiterung des MVV-Tarifgebietes (Münchner Verkehrs- und Tarifverbund) in Betracht käme. Die Endhaltestelle der S-Bahn-Linie S4 (Ebersberg–Geltendorf) bleibt jedoch weiterhin Geltendorf.

Ende Oktober 2007 entschied der Kreistag des Landkreises Landsberg am Lech, eine Realschule in Kaufering zu bauen. Diese wurde Anfang September 2010 fertiggestellt und zu Schulbeginn in Betrieb genommen.

Anlässlich der 975-Jahr-Feier wurde Kaufering am 11. September 2008 von der bayerischen Staatsregierung zum Markt erhoben.[4][5]

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat von Kaufering setzt sich aus 24 Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister zusammen.
Die Gemeinderatswahl am 16. März 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 49,6 % zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU / Bürgerblock 26,6 % 6
SPD 13,1 % 3
Grüne / Alternative Liste 19,9 % 5
Kauferinger Mitte 16,6 % 4
Unabhängige Bürgervereinigung 16,3 % 4
Freie Wähler 7,4 % 2
Gesamt 100 % 24

Bürgermeister

Erster Bürgermeister ist seit April 2012 Erich Püttner. Er wurde im März 2012 mit 59,8  % der gültigen Stimmen in dieses Amt gewählt. Im November 2011 war Klaus Bühler nach 25 Amtsjahren vom Amt des Bürgermeister zurückgetreten.[7]

Städtepartnerschaft
Island Island: Seit 2013 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Kaufering und der Stadt Ísafjörður.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Wallfahrtskirche St. Leonhard
Gebäude und Naturdenkmale
Ruine Burg Haltenberg, auch Haldenberg genannt (1260–1802), hoch am Lechsteilufer zwischen Kaufering und Scheuring gelegene, einzige Burgruine am Lechrain mit begehbarem Bergfried
Kirche St. Johannes Baptist in Altkaufering
Leonhardikirche in Altkaufering, mit jährlichem Leonhardiritt
Hurlacher Heide, Lechtalheiden am Lechstausee
Historische Eisenbahnbrücke über den Lech (1873), von der Nürnberger Brückenbauanstalt Späth erbaut
Das mystische Westerholz am nordöstlichen Steilufer des Lechs mit seinen Hügelgräbern aus der Hallstattzeit (750 bis 450 v. Chr) und seiner ehemaligen römischen Badeanlage nahe der Oskar-Weinert-Hütte (von Mai bis Oktober am Wochenende bewirtschaftet) und der Burg Haltenberg.

Schloss Kaufering, dessen Besitzer um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert der Freiherr Albrecht Sigmund von Donnersberg († nach 1717) war,[8] existiert heute nicht mehr.

Das heute nicht mehr vorhandene Schloss Kaufering gegen Ende des 17. Jahrhunderts, nach einem Kupferstich von Michael Wening[8]
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kaufering
Gedenkstätten
Denkmal für KZ-Opfer am Bahnhofsplatz, errichtet 2010Der KZ-Friedhof Kaufering-Nord an der Lechstaustufe 18 erinnert mit seiner Gräberanlage und einem Gedenkstein an 48 unbekannte zumeist jüdische KZ-Opfer der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg
Am KZ-Friedhof Kaufering-Süd sind 500 Opfer begraben, derer mit einem Gedenkstein gedacht wird;
Der KZ-Friedhof des Außenlagers Kaufering IV birgt 360 jüdische Häftlinge, die auf Befehl des Lagerarztes Max Blancke kurz vor Kriegsende ermordet wurden;
In einer Kleingartenanlage, dem früheren Gelände des KZ Kaufering III, steht seit 1984 ein Gedenkstein mit mahnender Inschrift angesichts aller KZ-Opfer[9];
Am Bahnhof steht ein Denkmal für alle KZ-Opfer, bei dessen Einweihung 2010 auch Überlebende der KZ-Außenlager Kaufering anwesend waren.[10]
Wirtschaft und Infrastruktur

Wegen der guten Verkehrsanbindung nach München und Augsburg hat sich Kaufering zu einem starken Pendler-Wohnort entwickelt. In geringerem Umfang ist der Markt aber auch Ziel von Einpendlern, hauptsächlich Mitarbeitern des größten Arbeitgebers und Gewerbesteuerzahlers, der Deutschlandzentrale der Hilti AG. Daneben ist Kaufering Sitz einiger mittelständischer Maschinen- und Apparatebauunternehmen.

Schienenverkehr
Bahnhofsgebäude von Kaufering
Hauptartikel: Bahnhof Kaufering

Durch den Markt Kaufering führt die zweigleisige Allgäubahn, die von München nach Lindau führt, und die eingleisige Lechfeldbahn, die von Bobingen über Kaufering nach Landsberg am Lech verläuft. Die beiden Bahnstrecken kreuzen sich an dem einzigen im Gemeindegebiet liegenden Bahnhof Kaufering.

Der Bahnhof Kaufering wurde 1872 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Durchgangsbahnhof an der Bahnstrecke Buchloe–Kaufering–Landsberg eröffnet. Ein Jahr später wurde die Gesamtstrecke München–Kaufering–Buchloe in Betrieb genommen, sodass der Bahnhof zum Trennungsbahnhof wurde und somit direkte Zugverbindungen nach München möglich waren. Der Bahnhof Kaufering erhielt ein dreistöckiges Empfangsgebäude mit Walmdach, welches bis heute von einem Fahrdienstleiter besetzt ist. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke nach Bobingen 1877 wurde der Bahnhof zum Kreuzungsbahnhof. Es konnten direkte Bahnverbindungen nach Augsburg angeboten werden. Aufgrund der Munitionsfabrik DAG und des KZ-Außenlagers Kaufering erweiterte die Deutsche Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg den Bahnhof um sechs Gleise. Ende der 1980er und in den 1990er Jahren wurde das Bahnhofsgebäude modernisiert und die Gleisanlagen teilweise zurückgebaut. Auf der ehemaligen Fläche der Gleise für die DAG ist heute ein Park-and-Ride-Parkplatz entstanden.[11][12]

Als Kreuzungsbahnhof zwischen der Allgäu- und der Lechfeldbahn verfügt der Bahnhof heute über fünf Bahnsteiggleise an zwei Mittelbahnsteigen und einem Hausbahnsteig, die mit einer Fußgängerunterführung miteinander verbunden sind. Die Bahnsteige sind überdacht und mit einem digitalen Zugzielanzeiger ausgestattet. Allerdings sind die beiden Mittelbahnsteige nicht barrierefrei erreichbar. Im Empfangsgebäude gibt es einen öffentlich zugänglichen Warteraum. Von Kaufering aus gibt es mit den Regional-Express-Zügen nach München, Memmingen, Füssen und Kempten und dem alex nach München, Lindau und Oberstdorf im Halbstundentakt Verbindungen nach München und Buchloe. Landsberg am Lech ist mit Regionalbahnen auch im Halbstundentakt erreichbar, nach Augsburg über Bobingen verkehren die Züge nur im Stundentakt. Die Landeshauptstadt München und die Stadt Augsburg sind mit dem Zug in circa 40 Minuten erreichbar.

Ansässige Unternehmen
Hilti Werk Kaufering mit circa 500 Beschäftigten
Persönlichkeiten
Welf II., Herzog von Bayern, verstarb 1120 auf Burg Kaufering.
Literatur
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Von Hitlers Festungshaft zum Kriegsverbrecher-Gefängnis N° 1: Die Landsberger Haftanstalt im Spiegel der Geschichte ISBN 3-9803775-0-4.
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Todesmarsch und Befreiung – Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern ISBN 3-9803775-1-2.
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Der nationalsozialistische Wallfahrtsort“ Landsberg: 1933–1937: Die „Hitlerstadt“ wird zur „Stadt der Jugend“ ISBN 3-9803775-2-0.
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Das KZ-Kommando Kaufering 1944/45: Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“ ISBN 3-9803775-3-9.
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Das SS-Arbeitslager Landsberg 1944/45: Französische Widerstandskämpfer im deutschen KZ ISBN 3-9803775-4-7.
Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Landsberg 1945–1950: Der jüdische Neubeginn nach der Shoa – Vom DP-Lager Landsberg ging die Zukunft aus ISBN 3-9803775-5-5.
Peter Johann Gardosch (Pseudonym: Peter Herzog): Die Wiedergutmachung. Trafo-Verlag Berlin, ISBN 3-89626-506-7.