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Geschichte

Das Gebiet an der Kieler Förde gehörte seit der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen zunächst zum Frankenreich und dann zu Holstein. Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Adolf IV. (Schauenburg und Holstein) gegründet, der erst kurz zuvor die Herrschaft über die zeitweilig an Dänemark verlorene Grafschaft zurückgewonnen hatte. Vermutlich gab es bereits längere Zeit vor 1233 eine Kaufmannssiedlung an dieser Stelle. Doch nur bei Kiel stieß das fränkisch-sächsische Territorium an die Ostsee – nördlich der Levensau lag Schleswig und damit dänisches Gebiet, östlich der Schwentine hinter dem Limes Saxoniae lag Wagrien und damit slawisches Gebiet, das zu dieser Zeit noch nicht fest in der Hand der holsteinischen Grafen war. Daher war diese Stelle an der Förde die einzige Möglichkeit für einen sächsischen bzw. holsteinischen Ostseehafen. Als solcher wurde Kiel als eine der nördlichsten Städte im Heiligen Römischen Reich planmäßig angelegt. Gleichzeitig stiftete Graf Adolf das Franziskanerkloster, in dem er seinen Lebensabend verbrachte. 1242 erhielt Kiel das Lübische Stadtrecht verliehen. Aus dieser Zeit stammen die ersten Stadtbücher, die sich zunächst im norddeutschen Raum verbreitet haben.

Name

Der ursprüngliche Stadtname lautete Holstenstadt tom Kyle (die Holstenstadt an der Förde). Das y im alten Namen ist ein langes i. Im Sprachgebrauch wurde der lange Name zu tom Kyle verkürzt und schließlich zu Kiel. Kiel (Niederdeutsch ≈ Keil) bedeutet hier im Speziellen höchstwahrscheinlich die Förde, eine Meeresbucht, die sich weit ins Land hineinschneidet. Auch ein nordischer Ursprung ist denkbar (altnordisch: Kíll ≈ schmale Bucht).[5]

Historisch wurde Kiel auch bei seinem lateinischen Namen genannt: Chilonium (Aussprache: „Kielonium“).[6]

Siehe auch: Liste lateinischer Ortsnamen
Handelsstadt und Mitglied der Hanse
Der Kieler Umschlag ist seit dem 15. Jahrhundert ein bedeutender Freimarkt mit Volksfest. Darstellung auf einem Notgeldschein von 1921.

Kiels Fernhandel blieb im Mittelalter weit hinter dem anderer Osteehäfen wie Lübeck, Flensburg, Stralsund, Rostock und Wismar zurück. Zwar trat die Stadt 1283/84 in die Hanse ein, beteiligte sich aber nur selten an gemeinsamen Aktivitäten und konnte auch die Handelsprivilegien kaum nutzen: Der landesherrliche Einfluss auf den Handel war hier stärker als in den freien Städten. Die Burg war 1465 bis 1469 an Hans Schackssohn von Rantzau verpfändet, Stadt und Burg waren 1469 bis 1496 an die Freie Hansestadt Lübeck verpfändet, das beschränkte die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Stadt. All diese Nachteile führten schließlich 1554 zum Ausschluss aus der Hanse, zumal Kiel vorgeworfen wurde, Piraten beherbergt zu haben.[7]

Ökonomisch für die Stadt bedeutender als die Mitgliedschaft in der Hanse war der Kieler Umschlag, der 1469 erstmals erwähnt wird, vermutlich jedoch bereits deutlich länger bestand. Eine Woche lang (vom 6. bis 14. Januar) wurden hier Geldgeschäfte insbesondere des Adels und der Kaufleute betrieben. Dafür reisten die Interessenten aus dem ganzen Land an. Anschließend wurde ein Volksfest gefeiert, das es seit 1975 wieder einmal im Jahr gibt.

Im Jahr 1301 war Kiel bereits befestigt. Die Landesherren, die Schauenburger Grafen von Holstein und Stormarn, hatten eine Burg angelegt. Ab 1329 war die Stadt von einer steinernen Stadtmauer umgeben. In dieser Zeit hatte Kiel neun Stadttore: Holstentor (Holsteintor), Kütertor (Küter=Innereienfleischer), Haßtor, Dänisches Tor, Kattentor, Fischertor, Flämisches Tor, Schumachertor und Pfaffentor. Bis ins späte 16. Jahrhundert blieb das besiedelte Gebiet weitgehend auf die kleine Altstadt beschränkt. Neben dem Franziskanerkloster gab es nur eine Kirche, die bereits um 1240 fertiggestellte Nikolaikirche.

Frühe Neuzeit
Historische Stadtansicht Kiels durch Georg Braun und Franz Hogenberg von 1588. Blickrichtung nach Norden zur Ostsee; links das Westufer, rechts das Ostufer der Kieler Förde.
Kieler Schloss und einstiger Schlossgarten, Darstellung um 1900

Seit 1460 wurde Kiel vom dänischen König in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein regiert (siehe Personalunion), blieb also staatsrechtlich weiter ein Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nicht Dänemarks. Die Reformation begann in Kiel 1526, als der Kieler Bürgersohn Marquard Schuldorp, der bei Martin Luther in Wittenberg studiert hatte, seinen Dienst als Vikar antrat. 1527 lud Friedrich I. Melchior Hofmann als Laienprediger nach Kiel ein. Hofmanns Lehre vom Abendmahl, der zufolge Brot und Wein nur Christi Leib bedeuten, widersprach der lutherischen Position, nach der Christus im Sakrament anwesend ist. Hofmann und Schuldorp sollen sich deshalb sogar auf der Kanzel geprügelt haben. 1529 wurden Hofmann und seine Anhänger nach einer Disputation vor Kronprinz Christian (III.) in Flensburg des Landes verwiesen. Kiel erhielt eine neue Kirchenordnung. Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst und das Gebäude der Stadt übereignet, die es als Schule und später als Hospital nutzte.

In den Hexenverfolgungen in der Stadt Kiel von 1530 bis 1676 waren 32 Menschen betroffen.[8] Mindestens 25 Personen wurden in Hexenprozessen hingerichtet, darunter Trinke Preetzen und ihr Vater Hinrich Busch.[9]

Seit der Aufteilung der Herzogtümer Schleswig und Holstein zwischen dem dänischen König Christian III. und seinen Brüdern, den Herzögen Adolf und Johann, im Jahr 1544 gehörte Kiel zum herzoglichen Anteil, dem Haus Schleswig-Holstein-Gottorf. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts und frühen 17. Jahrhunderts gelang es den Herzögen, die älteren Privilegien einiger Städte schrittweise abzubauen; so wurde Kiel gezwungen, beim Herrschaftsantritt von Herzog Friedrich III. einen speziellen Huldigungseid zu leisten, der die vormals „privilegierte Stadt“ auf den Status einer erbuntertänigen Körperschaft reduzierte.

1665 gründete Herzog Christian Albrecht von Gottorf die Christian-Albrechts-Universität, die nördlichste Universität im römisch-deutschen Reich, im Gebäude des ehemaligen Kieler Klosters. Die Universität hatte ursprünglich theologische, juristische, medizinische und philosophische Fakultäten und zog bald in eigene Gebäude um. Die Kieler Bürger waren anfänglich wenig begeistert, denn die Stadt hatte nicht nur die Gebäude zur Verfügung zu stellen, sondern die oft flegelhaften Studenten – schon 1700 waren es über 300 bei einer Einwohnerschaft von nur knapp 4000 Menschen – zu ertragen, die wie die übrigen Universitätsangehörigen nicht der städtischen Gerichtsbarkeit unterstanden. Zudem zahlten die Universitätsdozenten keine Steuern. Trotzdem profitierte Kiel wirtschaftlich von der Hochschule, an der schon bald bedeutende Gelehrte tätig waren.

Nachdem die Gottorfer Herzöge 1721 ihre Besitzungen in Schleswig verloren hatten, wurde Kiel für ein halbes Jahrhundert Hauptort und Residenz des verbliebenen Territoriums. 1728 wurde im Kieler Schloss der spätere russische Zar Peter III. als Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf geboren. Als Zar plante Peter einen Feldzug gegen Dänemark; nur sein früher Tod ersparte Kiel und den Elbherzogtümern einen erneuten Krieg.

Kiel als Teil des dänischen Gesamtstaats
Altes Rathaus von Kiel am Alten Markt. In dem 1943 zerstörten Gebäude wurde 1848 die revolutionäre Provisorische Regierung der Herzogtümer ausgerufen.
Kiel um 1855

Peters Witwe, die Zarin Katharina die Große, überließ 1773 die Reste der gottorfschen Anteile in Holstein und damit auch Kiel dem dänischen König. Dieser regierte die Stadt fortan wieder in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein; Kiel gehörte also staatsrechtlich weiterhin zu Deutschland, nicht zu Dänemark. Die Universität erlebte einen erheblichen Aufschwung; 1803 wurde der erste Botanische Garten Deutschlands in Kiel eröffnet.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 wurden Kiel und Holstein für neun Jahre staatsrechtlich Teil Dänemarks. Im Rahmen der Napoleonischen Kriege wurde Kiel im „Kosakenwinter“ 1813 von den Schweden eingenommen; 1814 wurde der Kieler Frieden geschlossen: Das Herzogtum Holstein wurde weiter vom dänischen König regiert, 1815 wurde es Mitglied des Deutschen Bundes. Damit gehörte Kiel formal wieder zu Deutschland. 1817 nahmen so Kieler Studenten am Wartburgfest teil. Die Kieler Universität wurde in den folgenden Jahren zu einem Zentrum der Burschenschaftsbewegung. Nicht ohne Grund wählte der Urburschenschafter und Absolvent der Kieler Universität Uwe Jens Lornsen deshalb 1830 Kiel als den Ort, wo er Über das Verfassungswerk in Schleswigholstein veröffentlichte, eine der einflussreichsten Streitschriften des Vormärz. Er wurde von Franz Hermann Hegewisch unterstützt, der später einer der wichtigsten Propagatoren der Eisenbahnverbindung mit Altona war.

1838 erfolgte die Gründung der Maschinenbauanstalt Schweffel und Howaldt; dies war Kiels erster großer Industriebetrieb, aus dem später die heutige Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft hervorging. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie nach Altona (König-Christian VIII.-Ostseebahn) wurde der Ostseehafen Kiel bereits 1844 mit Elbe und Nordsee verbunden. Mit dem Brandtaucher wurde 1850 in Kiel das erste Unterseeboot der Welt gebaut.

In Kiel konstituierte sich 1848 eine provisorische schleswig-holsteinische Regierung. Der Versuch, sich von der dänischen Krone zu lösen und souveränes Mitglied im Deutschen Bund zu werden, scheiterte.

Siehe auch: Schleswig-Holsteinische Erhebung und Schleswig-Holsteinische Armee
Marinehafen Kiel
Historische Karte (um 1888)
1910: U-Boot-Hafen Kiel mit Booten des Typs Zweihüllen-Hochsee-Boot
1921: Germaniawerft
Hauptartikel: Bundesexekution gegen die Herzogtümer Holstein und Lauenburg von 1863 und Deutsch-Dänischer Krieg

Doch 1864 kam es zur Eroberung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg; Kiel wurde zunächst von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet. 1865 ordnete der preußische König die Verlegung der Ostsee-Marinestation von Danzig nach Kiel an. In der Gasteiner Konvention wurde im selben Jahr zwischen Österreich und Preußen vereinbart, eine Bundesflotte aufzubauen und Kiel zum Bundeshafen zu machen. Dieser Plan kam wegen des Deutschen Krieges 1866 nicht zur Geltung; trotzdem entwickelte sich Kiel von diesem Zeitpunkt an rasch zur Großstadt.

1867 wurde Kiel Teil der Provinz Schleswig-Holstein im Königreich Preußen und Kriegshafen in der von Preußen majorisierten Marine des Norddeutschen Bundes. Das Artilleriedepot (ab 1891 Kaiserliche Torpedowerkstatt) wurde in Friedrichsort eingerichtet; hier wurden unter anderem Über- und Unterseewaffen entwickelt. Im selben Jahr entstand mit der Norddeutschen Schiffbaugesellschaft (ab 1882 Germaniawerft) nach Schweffel & Howaldt der zweite große Schiffbaubetrieb in Kiel. Die Stadt wurde Sitz des aus den Ämtern Bordesholm, Kronshagen, Kiel und Neumünster gebildeten Kreises Kiel.

Mit der Deutschen Reichsgründung wurde Kiel wie Wilhelmshaven Reichskriegshafen. Das seit 1865 bestehende preußische Marinedepot wurde zur Kaiserlichen Werft Kiel, die wiederum nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 in Kaiserliche Werft umbenannt wurde. Die Kieler Werftarbeiter begannen sich 1873 zu organisieren; es kam zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer-Vereins.

Die erste Kieler Woche fand 1882 statt; seit 1885 wurde sie als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet und sollte sich im Laufe der Zeit zu einem weltweit bekannten Segelsportereignis und neben dem Oktoberfest und dem Cannstatter Volksfest zu einem der größten Volksfeste Deutschlands entwickeln. Kaiser Wilhelm II. war ein regelmäßiger Gast der Veranstaltung.

1883 schied Kiel aus dem gleichnamigen Kreis aus und wurde kreisfreie Stadt; neuer Sitz des Kreises Kiel wurde Bordesholm. In den 1880er Jahren setzte durch den Anstieg des Schiffbaus ein schnelles Bevölkerungswachstum ein. Deren Beschäftigte organisierten sich rasch: Das Kieler Gewerkschaftskartell wurde 1893 gegründet und hatte zu Anfang 2.900 Mitglieder.

vergrößern und Informationen zum Bild anzeigenPanorama von Kiel, um 1902

1895 erfolgte die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal), der bald die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt wurde. In der Folge wurde Kiel zum Haupthafen der deutschen Kriegsflotte. Mitten im Ersten Weltkrieg wurde Kiel 1917 Amtssitz des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein und somit Provinzialhauptstadt. Vorher saß das Oberpräsidium in Schleswig.

Notgeld der Stadthauptkasse Kiel aus den 1920er Jahren

Mit dem Kieler Matrosenaufstand begann 1918 eine Revolution, die maßgeblich zum Ende des Ersten Weltkriegs beitrug. Am 3. November 1918 erhoben sich dort die Matrosen, gründeten nach einem spontanen Gefecht mit regierungstreuen Truppen am 4. November den ersten Arbeiter- und Soldatenrat Deutschlands und begannen somit die Novemberrevolution, die innerhalb weniger Tage ganz Deutschland erfasste und den Grundstein für die Weimarer Republik legte.

Der Zivilflughafen Kiel-Holtenau wurde 1928 in Betrieb genommen.

Kiel im Nationalsozialismus

In Kiel erstarkten (wie in der übrigen preußischen Provinz Schleswig-Holstein auch) gegen Ende der Weimarer Republik republikfeindliche Kräfte und hier vor allem die Nationalsozialisten. Kiel war Hauptort des NS-Gaus Schleswig-Holstein. Besonders nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 kam es dabei zu Übergriffen der Nationalsozialisten. Am meisten davon betroffen waren deutsche Bürger jüdischen Glaubens oder einfach nur jüdischer Herkunft. Daneben wurden vor allem kommunistische und sozialdemokratische Arbeiterführer sowie Personen verfolgt, die als Demokraten die Existenz der Weimarer Republik öffentlich befürwortet hatten. Nachdem das Kieler Rathaus am 11. März 1933 unrechtmäßig von Nationalsozialisten besetzt worden war, wurde in der folgenden Nacht der bekannte republiktreue Rechtsanwalt Wilhelm Spiegel von mehreren Nationalsozialisten (Männern in SA- und SS-Uniform) in seinem Haus ermordet. Die anschließenden Ermittlungen dienten als Vorwand, um den mächtigen Kieler SPD-Ortsverein rasch zu zerschlagen und viele Sozialdemokraten und Kommunisten ins KZ zu schaffen.

Ermordung Friedrich Schumms

Bei dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April wurde der Rechtsanwalt Friedrich Schumm am 1. April 1933 in einer Zelle des Polizeigefängnisses in der Gartenstraße in Kiel von einer Meute aus SA- und SS-Leuten ermordet. Schumm war am Vormittag des Tages gegen 11 Uhr während des Nazi-Boykotts gegen Geschäfte von Juden vor dem Möbelgeschäft seines Vaters Georg Schumm in der Kehdenstraße von mehreren dort stehenden SS- und SA-Leuten geschlagen worden, die ihn daran hindern wollten, das Geschäft seines Vaters zu betreten. Dagegen hatte er sich in Notwehr mit einer Pistole verteidigt. Es fielen Schüsse auch von den SS-Leuten. Dabei war ein SS-Mann mit Namen Asthalter, auch er ein Schütze bei dem Zwischenfall, verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Asthalter wurde wegen eines Lebersteckschusses operiert und war bald außer Lebensgefahr. Nach dem Zwischenfall hatte Schumm sich selbst zum Polizeirevier II. begeben und dort seine Waffe abgegeben. Er wurde gegen 12:30 Uhr ins Polizeigefängnis verbracht. Zur gleichen Zeit hatte ein SS-Kommando das Möbelgeschäft seines Vaters Georg Schumm restlos verwüstet. Dabei entstand ein Sachschaden von 25.000 Reichsmark. Schumms Vater und seine Schwester wurden festgenommen. Danach begaben sich der SS-Trupp, weitere SA-Einheiten und Personen in Zivil zum Polizeigefängnis und verschafften sich dort mit Hilfe des NSDAP-Kreisleiters Behrens und unter Beteiligung des NSDAP-Gauleiters Hinrich Lohse bei dem antidemokratisch und antisemitisch gesinnten Polizeipräsidenten Otto zu Rantzau den Eintritt ins Gefängnis. SS-Leute erhielten den Zellenschlüssel, überfielen den wehrlosen Friedrich Schumm in seiner Zelle und töteten ihn mit etwa 30 Schüssen.[10][11] Einige Zeit später erpresste der angeschossene Asthalter von Georg Schumm in einem Zivilprozess die hohe Summe von 25.000 RM als Schmerzensgeld – sie entsprach dem sieben- bis zehnfachen des Jahreseinkommens von Asthalter. Bei dem Gerichtsverfahren am 5. Mai 1934 waren im Gerichtssaal zahlreiche SS-Leute anwesend gewesen, vor denen nicht nur Georg Schumm „berechtigte Angst zeigte“. Der Befehlshaber dieser Schlägertruppe hatte sich gegenüber dem Gericht verpflichtet, es zu „keinen Störungen“ der Verhandlung kommen zu lassen. Unter den SS-Leuten hatten „vielleicht“ auch die Mörder von Friedrich Schumm gesessen.[12] Ein von einem Oberstaatsanwalt eröffnetes Ermittlungsverfahren wurde auf Geheiß des preußischen Justizministeriums am 7. Juli 1933 eingestellt. Für die Mordtat gab es nach dem Ende des Nationalsozialismus weder eine gerichtliche Strafe noch eine Entschädigung. Es gelang der Kieler Staatsanwaltschaft nach 1945 nicht, die „Kumpanei und das Schweigen der überlebenden Tatzeugen und Mörder zu durchbrechen.“ Nur drei untergeordneten SS-Männern konnte ein Fehlverhalten in einer Nebensache nachgewiesen werden. Sie hätten aus „rassischen Gründen einen Juden verfolgt und die Polizei gezwungen, ihn der SS herauszugeben.“ Zwei hatten zudem bei der Zerstörung des Geschäftes des Georg Schumm Geld gestohlen. Sie wurden zu Freiheitsstrafen von zwölf bzw. zweimal 20 Monaten verurteilt.[13]

Universität

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, unter deren Studierenden die NSDAP schon länger besonders populär war, wurde nach der Machtübernahme 1933 schnell gleichgeschaltet. Bei den Juristen entwickelte sich mit der Kieler Schule eine strikt regimetreue und antisemitische Rechtslehre, die die Stellen der zuvor rechtswidrig entlassenen bedeutenden jüdischen oder liberalen Kieler Professoren vereinnahmte. Im philosophischen Seminar wurden so die liberalen Dozenten Julius Stenzel und Richard Kroner rasch durch die aktiven Nationalsozialisten Kurt Hildebrandt und Ferdinand Weinhandl ersetzt. Weinhandl war im Mai 1933 Hauptredner bei der Kundgebung zur Bücherverbrennung auf dem Kieler Wilhelmplatz.[14]

Repressionen gegen Juden

Als Kiel 1936 zum Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe wurde, bemühten sich die Behörden und das NS-Regime, ihre antisemitischen Maßnahmen wie auch im übrigen Reich im Verborgenen zu halten, um die Weltöffentlichkeit nicht negativ gegen Deutschland zu stimmen. Danach gingen die antijüdischen Maßnahmen weiter. Jüdischen Unternehmern wurden auf diverse Weise ihre Geschäfte geraubt, ein Vorgang, den die Nazis Arisierung nannten. Juden wurden in jeder Weise im öffentlichen Leben benachteiligt. Bei der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zerstörten Nazieinheiten aus SA und SS die große Kieler Synagoge am Schrevenpark. Später wurde auch das jüdische Privateigentum geraubt. Die Verfolgung der Juden gipfelte schließlich in ihrer Ermordung: Viele der über 600 im Jahr 1933 in Kiel ansässigen Bürger jüdischen Glaubens wurden Opfer der Deportation von Juden aus Deutschland und später in den Vernichtungslagern ermordet. Nur wenigen gelang die Flucht ins Exil, nachdem sie von deutschen Behörden so ausgeraubt worden waren, dass sie im Exilland mittellos waren.

Zwangsarbeit

Im Juni 1944 wurde überwiegend zur Unterbringung sowjetischer und polnischer Zwangsarbeiter das Arbeitserziehungslager Nordmark errichtet, in dem bis Anfang 1945 über 600 Menschen umkamen.

Kriegsschäden

Zwischen 1939 und 1945 wurde die Stadt, wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort von drei Großwerften, durch alliierte Luftangriffe auf Kiel zu weit über 80 Prozent zerstört. Mit 350 versenkten Schiffen war die Kieler Förde der wohl größte Schiffsfriedhof der damaligen Zeit.[15]

Kriegsende
Zerstörter Kreuzer „Admiral Hipper“ im Trockendock, 1945

Am 2. Mai 1945 um 21.30 Uhr verkündete das Marineoberkommando Ostsee, dass Kiel nicht verteidigt werden sollte. Am nachfolgenden Tag wurde vorhandenes Kriegsmaterial und Munition vernichtet, was zu zahlreichen Detonationen und Schüssen führte, die überall in der Stadt zu hören waren.[16] Noch am 3. Mai wurde die Stadt zur „Offenen Stadt“ erklärt.[17][18] In der darauffolgenden Nacht vom 3. auf den 4. Mai erfolgte schließlich der letzte Luftangriff auf Kiel. Am 4. Mai unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich zuvor mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte, bei Lüneburg, die Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark.[19] Am selben Tag erreichte der erste britische Panzerwagen die Stadt. Am Nachmittag betrat eine kleine britische Abordnung das Kieler Rathaus und übergab dem Oberbürgermeister Behrens Anordnungen für das Verhalten der Bevölkerung. Die alliierte Kontrolle über Kiel hatte begonnen. In den folgenden Tagen wurde die Stadt schrittweise, kampflos besetzt. Auch der Rest Schleswig-Holsteins wurde in den Folgetagen vollständig besetzt, mit Ausnahme des Sonderbereichs Mürwik, der erst am 23. Mai besetzt wurde und mit anschließenden Verhaftungen der letzte Reichsregierung endete.[20][21]

Kiel als Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins
Schüler forsten Trümmerflächen mit Bäumen auf, Oktober 1948
Landtag und Landesregierung Schleswig-Holsteins am Westufer der Kieler Förde
Der Plenarsaal des Schleswig-Holsteinischen Landtages unmittelbar an der Kieler Förde, die durch die rechts liegenden Türverglasungen zu erkennen ist

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Kiel ab 1945 zur Britischen Besatzungszone. Die britische Militärverwaltung richtete im Stadtgebiet ein DP-Lager zur Unterbringung von Displaced Persons ein. Die Mehrzahl von ihnen waren ehemalige NS-Zwangsarbeiter aus Polen und dem Baltikum.

Mit der Verordnung Nr. 46 der Britischen Militärregierung wurde am 23. August 1946 die Provinz Schleswig-Holstein aus dem Land Preußen herausgelöst und das neue Land Schleswig-Holstein gegründet; der Freistaat Preußen selbst wurde am 25. Februar 1947 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 aufgelöst. Kiel war Hauptstadt Schleswig-Holsteins, das 1949 zum Bundesland der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland wurde.

Bereits ab Ende 1944 kamen viele Flüchtlinge aus Ostpreußen, Westpreußen und Pommern nach Schleswig-Holstein. Noch lange nach Kriegsende mussten in der stark zerstörten Stadt Vertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches untergebracht werden. In den Nachkriegsjahren wurde Kiel unter „modernistischen“ Gesichtspunkten wiederaufgebaut.[22] Es entwickelte sich bald wieder zum wirtschaftlichen, politischen und geistigen Zentrum Schleswig-Holsteins.

Siehe auch: Flüchtlinge in Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg und Wellingdorf#Ostpreußische Fischer

36 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1936 war Kiel wieder Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1972, diesmal im neuen Olympiazentrum Schilksee. 1975 wurde der Kieler Umschlag als modernes Volksfest wiederbelebt. 1985 wurde der Betrieb der Straßenbahn Kiel eingestellt, eine Entscheidung, die heute vielfach bedauert wird. 1992 beging die Stadt ihre 750-Jahr-Feier und 1994 wurde die 100. Kieler Woche veranstaltet. Durch die beiden Weltkriege fand von 1915 bis 1919 und von 1940 bis 1946 keine Kieler Woche statt.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Eingemeindungen

1850 umfasste das Stadtgebiet von Kiel inklusive Hammer eine Fläche von insgesamt 1277 Hektar.

Ab 1869 wurden folgende Gemeinden und Gemarkungen in die Stadt Kiel eingegliedert.[23]

Jahr Orte Landesteil Zuwachs in ha Einwohner (2008)
1869 Brunswik Holstein 277 6.036
1893 Wik Holstein 560 17.715
1901 Gaarden-Ost Holstein 311 16.287
1909 Projensdorf Holstein 229 siehe Wik
1910 Gaarden-Süd Holstein 618 10.356
1910 Hassee Holstein 369 11.897
1910 Ellerbek Holstein 89 5.780
1910 Wellingdorf Holstein 420 7.877
1910 Hasseldieksdamm Holstein 293 2.843
1922 Holtenau Schleswig 512 5.239
1922 Pries Schleswig 336 7.278
1922 Friedrichsort Schleswig 132 2.373
1923 Kronsburg Holstein 69 siehe Gaarden-Süd
1924 Neumühlen-Dietrichsdorf Holstein 401 11.729
1939 Elmschenhagen/Kroog Holstein 655 17.209
1958 Suchsdorf Holstein 760 9.098
1959 Schilksee Schleswig 608 5.158
1963 Mettenhof Holstein 158 18.865
1970 Russee Holstein 398 7.342
1970 Meimersdorf Holstein 766 2.252
1970 Moorsee Holstein 557 1.622
1970 Wellsee Holstein 501 5.059
1970 Rönne Holstein 479 422

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung von 1300 bis 2015
Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Kiel

1885 hatte Kiel mehr als 50.000 Einwohner. 1900 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1910 verdoppelte sich diese Zahl auf 211.000. Im Dezember 1942 erreichte die Bevölkerungszahl der Stadt wegen der Hochrüstung im Zweiten Weltkrieg (Kriegshafen, Werften) mit 306.000 ihren historischen Höchststand. Am 31. Dezember 2014 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Kiel nach Fortschreibung des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 243.148 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Religionen
Statistik
Die St.-Nikolaikirche am Alten Markt ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt.
Die St.-Nikolauskirche an der Rathausstrasse

Derzeitig (Stand: 31. Dezember 2016) sind von der Bevölkerung Kiels 36,7 % evangelisch und 7,1 % katholisch. 56,1 % gehören einer anderen Konfession oder Religion an oder sind konfessionslos.[24] 2014 (Stand: 31. Dezember 2014) waren von der Bevölkerung Kiels etwa 94.165 oder 39 % evangelisch und 18.060 oder 7 % katholisch. Mit 130.155 Einwohnern waren 54 % konfessionslos oder hatten eine andere Religion oder Konfession.[25] Insgesamt gibt es 23 evangelische Gemeinden und vier katholische Pfarreien.

Christentum
Geschichte

Die Bevölkerung der Stadt Kiel gehörte anfangs zum Erzbistum Bremen und dessen Suffraganbistum Schleswig. Ab 1526 wurde durch den Landesherrn die Reformation eingeführt. 1534 mussten die Katholiken auf die einzige Pfarrkirche der Stadt (daneben gab es noch eine weitere Kirche) verzichten. Bereits vier Jahre zuvor war das Franziskanerkloster in Kiel geschlossen worden. Danach war Kiel über eine lange Zeit eine überwiegend protestantische Stadt, die zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins gehörte. Heute gehören die lutherischen Kirchengemeinden der Stadt – sofern sie nicht Mitglied der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche oder der Dänischen Kirche in Südschleswig (in Kiel-Holtenau) sind – zum Kirchenkreis Altholstein innerhalb des Sprengels Schleswig und Holstein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschlands.

Im Jahre 1891 wurde die erste katholische Pfarrkirche seit der Reformation erbaut. Die Gemeindeglieder Kiels gehörten zum damals bestehenden „Apostolischen Vikariat der Nordischen Missionen“. Die katholischen Gemeinden in Kiel und Umgebung gehören zum Dekanat Kiel des Erzbistum Hamburg.

Von den evangelischen Freikirchen sind in Kiel die Baptisten (seit 1872), die Evangelisch-methodistische Kirche, die Freie evangelische Gemeinde, die Siebenten-Tags-Adventisten und mehrere Pfingstgemeinden vertreten.

Sonstige in Kiel vertretene christliche Gemeinden und Kirchengemeinschaften sind die Apostolische Gemeinschaft, Zeugen Jehovas, die Neuapostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) und die von der Anthroposophie inspirierte Christengemeinschaft.

Judentum

Die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Mittelalter und früher Neuzeit ist nicht belegt. Die Geschichte der Juden in Kiel beginnt daher vermutlich erst relativ spät, Ende des 17. Jahrhunderts. Es ist der Politik König Christians VII. zu verdanken, dass sich der Kieler Magistrat mit seiner zunächst judenfeindlichen Haltung nicht durchsetzte und Juden sich in Kiel ansiedeln konnten. 1782 wurde das ehemalige Kaffeehaus der Universität in der Kehdenstraße 12 in das erste jüdische Bethaus der Stadt umgewandelt (das Gebäude existiert nicht mehr), bis die Gemeinde 1869 in die größere, dreistöckige Synagoge in der Haßstraße umzog (ein Teil des Erdgeschosses ist als Ruine bis heute erhalten). Diese Synagoge wurde bald zu klein, so dass die Gemeinde 1910 in einen großen Neubau beim Schrevenpark, an der Ecke Humboldtstraße/Goethestraße, umzog.

1933 hatte die Gemeinde etwa 600 Mitglieder. Diese letzte Synagoge wurde in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstört. Wegen des Nationalsozialismus verließ der größte Teil der Kieler Juden die Stadt und ging ins Exil oder wurde in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Aufgrund der geringen Anzahl der Juden nach Ende der NS-Herrschaft wurde die Verwaltung der jüdischen Belange für Schleswig-Holstein 1968 an die Jüdische Gemeinde in Hamburg übertragen.

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der darauffolgenden Einwanderung osteuropäischer Juden nach Deutschland änderte sich die Situation der jüdischen Gemeinden deutschlandweit grundlegend. 1995 wurde in Kiel das „Jüdische Bildungs-, Kultur- und Sozialwerk“ gegründet, und 1997 lud der von Hamburg neu berufene Kantor Daniel Katz die etwa 250 Juden in Kiel zum ersten jüdischen Gottesdienst nach der Zerstörung des letzten Betsaals der Jüdischen Gemeinde (bis 1941 im Feuergang, heute Europaplatz).

Die gegenwärtig etwa 550 Juden in der Stadt sowie die regelmäßig stattfindenden Gottesdienste führten Anfang 2004 zur Neugründung einer eigenständigen Jüdischen Gemeinde Kiel, welche dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein angehört. Im Oktober 2004 gründeten Mitglieder des bisherigen Hamburger Gemeindezentrums in Kiel eine zweite Gemeinde und – zusammen mit dem ehemaligen Hamburger Gemeindezentrum Flensburg und der Jüdischen Gemeinde Lübeck – einen zweiten, separaten Dachverband (Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein). Beide Kieler Gemeinden sind seit 2005 Mitglieder im Zentralrat der Juden in Deutschland. Das Gemeindezentrum und der Sitz der Jüdischen Gemeinschaft befinden sich in der Wikingerstraße. Die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Kiel steht in der Jahnstraße am Schrevenpark. Der alte jüdische Friedhof befindet sich in der Michelsenstraße. Zwei neue jüdische Friedhöfe wurden auf städtischem Gelände am Eichhof eingerichtet.

Islam

Die Zahl der muslimischen Gemeinden ist seit Gründung der ersten Gemeinde 1978 auf zehn angestiegen. Im Sommer 2004 wurde mit der Habib-Moschee (Moschee des Freundes) in der Flintbeker Straße die erste Moschee, die nach außen als Sakralbau zu erkennen ist, fertiggestellt. Der Großteil der Moscheen befindet sich in Gaarden, wo der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund mit 43,6 %[26] (insbesondere aus der Türkei und arabisch geprägten Staaten) überdurchschnittlich hoch ist. Weitere Moscheen gibt es in Friedrichsort, Dietrichsdorf und im Königsweg im Innenstadtbereich.

Politik
Kommunalpolitik
Ratsversammlung

Wahl zur Ratsversammlung 2013
Wahlbeteiligung: 37,2 %

 %403020100

35,729,717,63,93,53,43,02,21,1

SPDCDUGrüneFDPLinkeSSWPiratenWIRhSonst.i
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2008
 %p   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8

+4,4
+1,1+1,0-4,2-7,6+1,7+3,0+2,2-3,4
SPDCDUGrüneFDPLinkeSSWPiratenWIRhSonst.iVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:h WIR in Kieli Entfällt 2013 ausschließlich auf die Wahlalternative Kieler Bürger (WaKB)

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%
Sitzverteilung in der Ratsversammlung

         

Insgesamt 53 Sitze SPD: 19 CDU: 15 Grüne: 8 FDP: 2 Linke: 2 SSW: 3 Piraten: 2 WIR: 1 WaKB: 1

Die Ratsversammlung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Kiel. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 26. Mai 2013 statt.

Siehe auch: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Kiel
Stadtoberhaupt

An der Spitze der Stadt Kiel stand ursprünglich ein Vogt, der vom Landesherrn eingesetzt wurde. Neben dem Vogt gab es schon sehr früh einen Rat, der nach 1315 immer mehr die tatsächliche Macht in der Stadt ausübte. Der Gemeinderat in Kiel wird heute als Ratsversammlung bezeichnet. Vorsitzender des Rates war der Bürgermeister. Später gab es mehrere Bürgermeister. Nach dem Übergang an Preußen wurde in ganz Schleswig-Holstein 1867 die preußische Städteordnung eingeführt. An der Spitze der Stadt stand ein Oberbürgermeister.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein Teil der Britischen Besatzungszone. Die Militärregierung führte 1946 eine zweigleisige Verwaltungsspitze ein. Danach gab es zunächst einen Oberbürgermeister als Vorsitzenden des Rates und daneben einen Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung. Die schleswig-holsteinische Gemeindeordnung von 1950 übertrug dem Leiter der Verwaltung jedoch wieder den traditionellen Titel Bürgermeister oder Oberbürgermeister und führte für den Vorsitzenden des Rates bei größeren Städten – so in Kiel – die neue Bezeichnung Stadtpräsident ein.

Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1997 der Oberbürgermeister (Norbert Gansel, SPD) direkt gewählt; 2003 folgte ihm Angelika Volquartz (CDU) als Kiels erste Oberbürgermeisterin. Torsten Albig (SPD) wurde 2009 für eine Amtszeit von sechs Jahren direkt gewählt, schied aber 2012 nach seiner Wahl in den schleswig-holsteinischen Landtag aus. Bis zur Neuwahl eines Oberbürgermeisters nahm Bürgermeister Peter Todeskino von den Grünen stellvertretend die Aufgaben des Oberbürgermeisters wahr, und am 11. November 2012 wurde die SPD-Kandidatin Susanne Gaschke zur neuen Kieler Oberbürgermeisterin gewählt. Am 28. Oktober 2013 trat Susanne Gaschke wegen des sogenannten Kieler Steuer-Deals mit sofortiger Wirkung zurück, und Todeskino übernahm bis zur fälligen Neuwahl wieder die Amtsgeschäfte. Bei der Neuwahl des Oberbürgermeisters am 23. März 2014 gewann Ulf Kämpfer (SPD) mit 63,1 % die Wahl zum Amt des Stadtoberhauptes.[2]

Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister seit 2014
Kieler Innenförde, Blickrichtung Nordosten; links Westufer mit Stadtkern, rechts Ostufer mit HDW (Werft); Luftaufnahme 2003
Bild-Ecke rechts unten: Hauptbahnhof mit Bahnhofsvorplatz, links gegenüber der ZOB mit aufgesatteltem Parkdeck. Auf der linken Bildhälfte das grüne Kupferdach der Nikolaikirche – Zentrum des Stadtkernes am Alten Markt.

Stadtoberhäupter 1867–1946

1867–1888: Heinrich Mölling, Oberbürgermeister
1888–1912: Paul Fuß, Oberbürgermeister
1912–1919: Paul Lindemann, Oberbürgermeister
1920–1933: Emil Lueken, Oberbürgermeister
1933–1945: Walter Behrens (NSDAP), Oberbürgermeister
1945–1946: Max Emcke (CDU), Oberbürgermeister

Vorsitzende des Rates seit 1946

1946: Otto Tschadek (SPD), kommissarischer Oberbürgermeister
1946: Willi Koch (CDU), Oberbürgermeister
1946–1950: Andreas Gayk, (SPD), Oberbürgermeister
1950–1951: Peter Jeschke, Stadtpräsident
1951–1955: Max Schmidt (SPD), Stadtpräsident
1955–1959: Wilhelm Sievers (CDU), Stadtpräsident
1959: Hans-Carl Rüdel (CDU), Stadtpräsident
1959–1970: Hermann Köster (SPD), Stadtpräsident
1970–1974: Ida Hinz (SPD), Stadtpräsidentin
1974–1978: Eckhard Sauerbaum (CDU), Stadtpräsident
1978–1982: Rolf Johanning (SPD), Stadtpräsident
1982–1985: Eckhard Sauerbaum (CDU), Stadtpräsident
1985–1986: Günther Schmidt-Brodersen, Stadtpräsident
1986–1998: Silke Reyer (SPD), Stadtpräsidentin
1998–2003: Cathy Kietzer (SPD), Stadtpräsidentin
2003–2005: Arne Wulff (CDU), Stadtpräsident
2005–2008: Rainer Tschorn (CDU), Stadtpräsident
2008–2013: Cathy Kietzer (SPD), Stadtpräsidentin
seit 2013: Hans-Werner Tovar (SPD), Stadtpräsident

Leiter der Verwaltung seit 1946

1946–1950: Walther Lehmkuhl (SPD), Oberstadtdirektor
1950–1954: Andreas Gayk (SPD), Oberbürgermeister
1954–1965: Hans Müthling (SPD), Oberbürgermeister
1965–1980: Günther Bantzer (SPD), Oberbürgermeister
1980–1992: Karl Heinz Luckhardt (SPD), Oberbürgermeister
1992–1996: Otto Kelling (SPD), Oberbürgermeister
1996–1997: Karl-Heinz Zimmer (CDU), Bürgermeister als Stellvertreter des Oberbürgermeisters
1997–2003: Norbert Gansel (SPD), Oberbürgermeister
2003–2009: Angelika Volquartz (CDU), Oberbürgermeisterin
2009–2012: Torsten Albig (SPD), Oberbürgermeister
2012: Peter Todeskino (Bündnis 90/Die Grünen), Bürgermeister als Stellvertreter des Oberbürgermeisters
2012–2013: Susanne Gaschke (SPD), Oberbürgermeisterin
2013–2014: Peter Todeskino (Bündnis 90/Die Grünen), Bürgermeister als Stellvertreter der Oberbürgermeisterin
seit 2014: Ulf Kämpfer (SPD), Oberbürgermeister
Vertretung Kiels im Landtag von Schleswig-Holstein

Die Stadt Kiel ist landespolitisch in drei Wahlkreise aufgeteilt. Es gibt den Landtagswahlkreis Kiel-Nord (13), den Landtagswahlkreis Kiel-West (14) und den Landtagswahlkreis Kiel-Ost (15). Bei der Landtagswahl 2012 wurden für den Wahlkreis 13 Rolf Fischer (SPD), für den Wahlkreis 14 Jürgen Weber (SPD) und für den Wahlkreis 15 Bernd Heinemann (SPD) in den Schleswig-Holsteinischen Landtag gewählt.[27] Über die Landesliste ihrer Partei zogen Torsten Albig (SPD), Heiner Garg (FDP) und Ekkehard Klug (FDP) in den Landtag ein.[28]

Vertretung Kiels im Bundestag

Der Bundestagswahlkreis Kiel (5) umfasst auch Kronshagen und Altenholz im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Bürger dieses Wahlkreises wählten bei der Bundestagswahl 2017 mit 31 % der Erststimmen Mathias Stein (SPD) direkt in den Bundestag.[29]

Wappen und Flagge

Hauptartikel: Kieler Wappen

Blasonierung: In Rot das silberne holsteinische Nesselblatt, belegt mit einem gemauerten schwarzen Boot.[30] Das silberne Nesselblatt auf rotem Grund ist das Wappen der Schauenburger. Das gemauerte Boot symbolisiert die Stadtrechte (durch die Stadtmauer) sowie die Lage als Hafenstadt.

Städtepartnerschaften

Die Städtepartnerschaften von Kiel:[31][32]

Brest (Frankreich), seit 1964
Coventry (Vereinigtes Königreich), seit 1967
Vaasa (Finnland), seit 1967
Gdingen (Polen), seit 1985
Tallinn (Estland), seit 1986
Stralsund (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern), seit 1987
Kaliningrad (Königsberg; Oblast Kaliningrad, Russland), seit 1992
Sowjetsk (Tilsit; Oblast Kaliningrad, Russland), seit 1953/1992
Samsun (Türkei), seit 2012
Antakya (Türkei), Schwesterstadt-Vertrag seit 2012
Moshi Rural (Tansania), seit 2013
San Francisco (USA), seit 2017[33]
Wirtschaft und Infrastruktur
vergrößern und Informationen zum Bild anzeigenDie Hörn (rechts) bildet den südlichen Abschluss der Kieler Innenförde; links der Hauptbahnhof Kiel mit dem östlichen Seitenzugang, von dort ist für Fußgänger über die nach rechts führende Hörnbrücke der Norwegenkai, das Hochhauscenter am Germaniahafen und der sich dahinter auf dem Ostufer erstreckende Stadtteil Gaarden unmittelbar erreichbar. Panorama-Aufnahme 2006, vom CAP aus über 180° ostseitig von Norden bis Süden fotografiert
vergrößern und Informationen zum Bild anzeigenEin ähnliches Panorama, aufgenommen im Januar 2012. Es zeigt u. a. die inzwischen fertiggestellten Gebäude des Atlantic Hotels (gegenüber dem Bahnhof) sowie des neuen Stena Line-Terminals (mittig halb hinter dem Schiff der Stena Line).
Zahlen

Kiel ist ein Dienstleistungsstandort. In diesem Sektor sind 78,5 % aller Bediensteten in Kiel beschäftigt, 21,4 % sind im produzierenden Gewerbe (sekundärer Sektor) beschäftigt und 0,2 % in der Landwirtschaft (primärer Sektor). Kiel ist ein Standort wichtiger Werften. Ansonsten befinden sich in Kiel Maschinenfabriken und weitere Industrie, wie EDV-/Büromaschinenfertigung. Eine wirtschaftlich bedeutende Rolle spielt der Hafen, insbesondere die Fähr- und Kreuzfahrtschifffahrt.

Die Arbeitslosenquote in der Stadt Kiel lag im März 2013 bei 10,1 %.[34] Im Jahr 2006 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner mit rund 36.500 Euro über dem Schnitt Deutschlands.[35] In jüngster Zeit hat sich die wirtschaftliche Situation der Stadt entspannt. Überdies war auch ein Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, so dass Kiel nun wieder über 240.000 Einwohner zählt.

2005 EUROSTAT[36] BIP pro Einwohner
Kiel 35,618 € / ~$ 49,866
Schleswig-Holstein 24,250 € / ~$ 33,950
Deutschland 27,219 € / ~$ 38,107
Europäische Union 22,400 € / ~$ 31,360

Ansässige Unternehmen und Institutionen
Autokraft (ÖPNV / größtes Omnibus-Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein)
HDW-Gelände, heute TKMS
U-Boot im HDW-Dock
Caterpillar, Schiffdieselmotorenhersteller (ehem. MaK)
Color Line GmbH, deutsche Niederlassung der norwegischen Reederei (Tägliche Schiffsverbindungen zwischen Kiel und Oslo)
coop eG, Deutschlands größte Konsumgenossenschaft
Citti Handelsgesellschaft mbH & Co. KG (Einzelhandel, Großhandel, Einkaufszentren, Großküchen)
Deutsche Post AG, Briefzentrum
DFDS Seaways, deutsche Niederlassung der litauischen Reederei (Schiffsverbindungen zwischen Kiel und Klaipėda)
Elac (Lautsprecher)
Hauptgenossenschaft Nord (Agrarhandel)
Hell Gravure Systems GmbH & Co. KG (Graviermaschinen für Tiefdruckzylinder, ehemals Teil der Heidelberger Druckmaschinen AG, ehemals Linotype-Hell AG, ehemals Rudolf Hell GmbH)
Heidelberger Druckmaschinen AG (Software für Druckerei-Workflow), ehemals Linotype-Hell AG, ehemals Rudolf Hell GmbH
HSH Nordbank (entstanden aus der Fusion der Landesbank Schleswig-Holstein und der Hamburgischen Landesbank)
LaserSoft Imaging AG (Hersteller von Scanner- und Digitalkamera-Software)
Lindenau-Werft (Schiffbau)
PAYONE (Zahlungsdienstleister)
Provinzial NordWest (Versicherungsgruppe)
Raytheon Anschütz (Seeschifffahrtsausrüstung)
Rheinmetall Landsysteme GmbH (Rüstungskonzern)
Schenker AG (Logistik)
Stena Line, deutsche Niederlassung der schwedischen Reederei (tägliche Schiffsverbindungen zwischen Kiel und Göteborg)
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS, bis Ende 2012 HDW), größte deutsche Werft
Voith GmbH Voith Turbo Lokomotivtechnik GmbH & Co. KG
Vossloh Locomotives (Maschinenbau, ehemals Teil von MaK)
WOGE Wohnungs-Genossenschaft Kiel, bewirtschaftet über 2200 Wohnungen in Schleswig-Holstein

Kiel ist mit der Förde Sparkasse, Kieler Volksbank eG, der HSH Nordbank, der Evangelischen Bank eG mit einem Vorstandssitz und der Provinzial NordWest Versicherungsgruppe Banken- und Versicherungsstandort.

Die noch immer bekannten Betriebe MaK (Maschinenbau) und Hagenuk (Telekommunikation) existieren nicht mehr.

Es gibt auch eine aktive Startup-Kultur in Kiel, vertreten durch das Gründerzentrum StarterKitchen und Startups wie die SciEngines GmbH, Real-Eyes, myBoo, SealMedia, Cliplister, Druckpreis.DE, promotionbasis.de, Yoosello, GetAnEdge, Flowy Apps, fraguru, lokalportal, PianoMotion and ubique art.[37][38][39][40][41][42][43][44][45]

Medien
Das Landesfunkhaus Schleswig-Holstein des NDR
In Kiel befinden sich das Landesfunkhaus Schleswig-Holstein des Norddeutschen Rundfunks mit der Produktion des Schleswig-Holstein Magazins und des Hörfunkprogramms NDR 1 Welle Nord und das Landesstudio und Auslandstudio Nordeuropa des ZDF.
Die drei landesweiten privaten Radiosender R.SH (Radio Schleswig-Holstein, der erste sendende Privatsender Deutschlands), Radio NORA (Nord-Ostsee-Radio) und Delta radio sind alle in Kiel im Funkhaus Wittland oder auch Radiozentrum Kiel ansässig.
Der Bürgerfunk ist durch den Offenen Kanal Kiel mit dem Fernsehsender „Kiel TV“ und dem Radiosender KielFM vertreten. Gesendet wird aus dem Hause des Offenen Kanals Schleswig-Holstein in der Hamburger Chaussee.
In Kiel-Nord strahlt die britische Armee den Armeesender BFBS mit sehr geringer Reichweite über UKW aus.
RTL und Sat.1 haben je ein Regionalstudio in Kiel.
Als Tageszeitung erscheinen die Kieler Nachrichten, die von der Kieler Zeitung Verlags- und Druckerei KG GmbH & Co herausgegeben werden, die wiederum eng mit der SPD-nahen[46] Verlagsgesellschaft Madsack verbunden ist.
In Kiel gibt es ein recht großes Angebot an monatlich erscheinenden, kostenlosen Stadtmagazinen, die alle eine Mischung aus den Themen Musik, Kultur, Kino, Veranstaltungen, Terminen, lokalen Werbeanzeigen, Kleinanzeigen, Sport und Partyleben zum Inhalt haben: diva, KIELSIDE, Kiel Magazin, KIELerLEBEN, Station, Tango und Ultimo.
Über Kiel berichten zwei regelmäßige Podcasts: Der Nordcast und der KielPod (auch auf KielFM, s.o.).
Das größte Online-Magazin über Kiel ist der Fördeflüsterer. Daneben gibt es den redaktionellen Online-Gastronomieführer kielometer.
In Kiel spielen seit 2003 die Folgen der ARD-Krimireihe Tatort mit dem von Axel Milberg gespielten Kommissar Klaus Borowski. Sie werden für den NDR produziert.
Öffentliche Einrichtungen
Landeshaus in Kiel (2017)
Die Gorch Fock in ihrem Heimathafen Kiel während der Kieler Woche 2004

Kiel ist Sitz folgender Einrichtungen und Institutionen, GmbHs und Körperschaften des öffentlichen Rechts in vorwiegender Zuordnung/Zuständigkeit:

Stadt

Stadtverwaltung
Städtisches Krankenhaus Kiel GmbH

Land

Landesregierung des Landes Schleswig-Holstein
Landtag Schleswig-Holstein
Industrie- und Handelskammer
Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Landeskirchenamt)
Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Versorgungsausgleichskasse der Kommunalverbände in Schleswig-Holstein
Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein (Hauptsitz in Kiel)
Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Standort Kiel (Sitz in Hamburg)

Bund

Hauptzollamt
Oberfinanzdirektion des Bundes
Außenstelle Nord der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (ehemalige Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord)
Außenstelle mit Schwerpunktaufgaben des Bundesamtes für Güterverkehr
Kreiswehrersatzamt Kiel (2012 aufgelöst)
Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (ehemaliges Landesarbeitsamt Nord)
Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), Geschäftsstelle Kiel.
Segelschulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine mit dem Heimathafen Kiel; untersteht der Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik.
THW Landesverband Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein
Gerichte

Kiel ist Sitz mehrerer Gerichte. Das Amtsgericht Kiel und das Landgericht Kiel sind Gerichte Ordentlicher Gerichtsbarkeit. Das Arbeitsgericht Kiel und das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein sind Gerichte deutscher Arbeitsgerichtsbarkeit. Zuständig für die Finanzgerichtsbarkeit ist das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht. Das Gericht der Sozialgerichtsbarkeit ist das Sozialgericht Kiel.

Militär
Landeskommando Schleswig-Holstein
Amphibische Gruppe (1978–1993)
Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Kiel (seit 1955)[47]
Bundeswehrkrankenhaus in Kronshagen (1961–1996)
Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters (seit 2009)
Einsatzflottille 1 (seit 2006)
Garnisonfriedhof, siehe Nordfriedhof (Kiel)
Garnisonkirche, siehe Petruskirche (Kiel)
Kaiserliche Werft Kiel (1867–1920)
Katholische Garnisonkirche St. Heinrich
Landeskommando Schleswig-Holstein
MAD-Stelle 1 (seit 2010/2011)
Marineabschnittskommando Ostsee (1956–1967) überführt in Marinedivision Ostsee (1967–1975) überführt in Marineabschnittskommando Nord (1975–2001)
Marineakademie und -schule (Kiel) (1866–1993), Vorgänger der Marineschule Mürwik in Flensburg
Marinefliegergeschwader 4 (1963–1968)
Marinefliegergeschwader 5 (seit 1958)
Marinesignalstelle (bis in die 1990er)
Marinestützpunkt Kiel (seit dem 19. Jahrhundert)
Marinestützpunktkommando Kiel (seit 2001)
Schiffahrtmedizinisches Institut der Marine in Kronshagen (seit 1961)
Technische Marineschule (Kiel) (1911–2002)
Territorialkommando Schleswig-Holstein (1969–1994)
1. Versorgungsgeschwader (1967–1997)
Wehrbereichskommando I – Küste (mittlerweile aufgelöst)
1. Zerstörergeschwader (1958–2003)
Bildung und Forschung
CAU zu Kiel

Die 1665 von Herzog Christian Albrecht gegründete Christian-Albrechts-Universität ist mit fast 25.000 Studenten die einzige Volluniversität des Landes Schleswig-Holstein. Unabhängig, jedoch teilweise mit der Universität Kiel verbunden sind weitere Forschungseinrichtungen wie die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW), das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (GEOMAR) und die Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik. Daneben gibt es mit der Fachhochschule Kiel (gegründet 1969) und der Muthesius Kunsthochschule Kiel (gegründet 1907) weitere tertiäre Bildungseinrichtungen in der Stadt. Die Projekte Murmann School of Global Management and Economics und Multimedia Campus Kiel waren letztendlich nicht erfolgreich. Die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein bietet neben Weiterbildungen an der Berufsakademie ein duales Studium zum Betriebswirt, Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatiker an.

Erwähnenswert als Ressortforschungseinrichtung ist die Bundesanstalt für Milchforschung, die jedoch 2004 mit anderen Einrichtungen zum Max Rubner-Institut zusammengeschlossen wurde. Die Landeshauptstadt Kiel ist „Korporativ Förderndes Mitglied“ der Max-Planck-Gesellschaft.[48]

Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. hat als dienstälteste Bauforschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland ihren Sitz in Kiel.

In Kiel gibt es zwölf Gymnasien, von denen die bereits 1320 gegründete Kieler Gelehrtenschule als humanistisches Gymnasium die älteste Schule der Stadt ist. Weitere Gymnasien sind unter anderem das Gymnasium Elmschenhagen und die Max-Planck-Schule mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften und die Ricarda-Huch-Schule mit dem Schwerpunkt Sprachen. Zudem gibt es zahlreiche über das Stadtgebiet verteilte Gemeinschaftsschulen – teilweise mit gymnasialer Oberstufe – sowie Schulen in privater Trägerschaft.

Verkehr
Der Schwedenkai und der Sartorikai fußläufig zum Kieler Stadtzentrum; der Norwegenkai auf der unteren Bildhälfte; Blickrichtung Westen; Aufnahme 2005
Die Queen Elizabeth machte 2012 erstmals am Ostseekai fest.
Die natürlichen Gegebenheiten der Kieler Förde gestatten auch Kreuzfahrtschiffen und (Auto)-Fähren die Zufahrt bis an den südlichen Abschluss der Förde unweit des Kieler Hauptbahnhofes.
Schiff

Mit 1,6 Millionen Passagieren[49] war der Kieler Hafen nach dem Puttgardener und Rostocker Hafen bereits 2007 der drittgrößte Passagierhafen Deutschlands. Seitdem ist das Passagieraufkommen weiter gestiegen; es wird insbesondere aus den Fährlinien nach Göteborg und Oslo, aber auch aus dem Kreuzfahrtgeschäft generiert. 2015 wurden im Passagierverkehr von und nach Kiel insgesamt 2,1 Mio. Reisende (2014: 1,98 Mio., 2013: 1,94 Mio.) auf Fähr- und Kreuzfahrtschiffen gezählt. Bei den Kreuzfahrten gab es im Jahr 2017 143 Anläufe (2016: 147, 2015: 133, 2014: 127, 2013: 128) von 29 (2016: 26, 2015+2014: je 25, 2013: 22) verschiedenen Kreuzfahrtschiffen; da die Schiffe immer größer werden, wurden im Jahr 2017 513.500 (2016: 485.500[50], 2015: 458.771[51]) Passagiere gezählt.[52]

Der reine Güterumschlag, der zum großen Teil im Kieler Ostuferhafen stattfindet, spielt dagegen deutschlandweit eine eher untergeordnete Rolle. Im Jahr 2010 wurden in den Kieler Häfen 5,8 Millionen t Güter umgeschlagen, 2011 lag der Wert mit 6,29 Mio. t um 8,5 % höher[53], 2012 wurden mehr als 6,3 Mio. t Güter umgeschlagen, die Hälfte davon am Ostuferhafen.[54] Auch 2013 lag der Jahresumschlag bei 6,32 Mio. t, wobei 5,1 Mio. t dem Fährverkehr zuzuordnen sind.[55] Der Güterumschlag lag im Jahr 2014 mit 6,43 Mio. t um 1,6 % höher als 2013.[56] Im Jahr 2015 wurden mit 6,2 Mio. t 4,2 % weniger Güter umgeschlagen als im Vorjahr, besonders deutlich war der Rückgang beim Umschlag von Massengütern (−9,4 %) wie Kohle und Getreide.[57] Im Jahr 2016 vergrößerte sich die Zahl des Güterumschlags im Hafen um 5,3 % auf 6,5 Mio. t.[58][59] Zuständig für den Hafen in Kiel ist die Seehafen Kiel GmbH & Co. KG.

Kombinierte Passagier-/Frachtfähren verkehren nach

Schweden Göteborg (Stena Line: Stena Germanica und Stena Scandinavica, Abfahrt täglich 18:45 Uhr, Fahrzeit etwa 14 h)
Norwegen Oslo (Color Line: Color Fantasy und Color Magic, Abfahrt täglich 14 Uhr, Fahrzeit etwa 20 h)
Litauen Klaipėda (Memel) (DFDS Seaways: Victoria Seaways und Regina Seaways, 6 × wöchentlich, Fahrzeit etwa 21 h)

Eine Frachtfähre verkehrt nach

Russland Sankt Petersburg (DFDS Seaways: Tor Botnia, 1 × wöchentlich)

Ein Container-/Stückgutschiff verkehrt nach

Russland Kaliningrad (Transmarine Line: TBN, 1 × wöchentlich)

In Kiel-Holtenau befindet sich das östliche Ende des Nord-Ostsee-Kanals, der weltweit als Kiel Canal bekannt ist. Durch die Kieler Förde sind Ost- und Westteil der Stadt zum größten Teil (keilförmig) getrennt. Die Fördeschiffe der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs ermöglichen das Überqueren der Förde.

Straße
Verkehrskarte Kiel
Siehe auch: Liste der Straßen und Plätze in Kiel

Von Kiel führen die beiden Bundesautobahnen 210 und 215 auf die A 7 Hamburg–Flensburg zum Autobahnkreuz Rendsburg und zum Autobahndreieck Bordesholm. Ferner führen die Bundesstraßen B 76 und B 202 durch das Stadtgebiet und bilden so eine wichtige und vielbefahrene Stadtautobahn. Ab dem Kreuz Kiel-Mitte ist die B 76 als autobahnähnliche Straße ausgebaut. Weiterhin beginnen/enden die Bundesstraßen B 404 (wird zur A 21 ausgebaut), B 502 und B 503 auf dem Kieler Stadtgebiet. Kiel war einer der beiden Endpunkte der B 4 (der andere ist Nürnberg), bis der Abschnitt Kiel–Quickborn wegen der parallel verlaufenden A 7 zur Landesstraße herabgestuft wurde.

Kiel ist Ausgangs- und Endpunkt einer im Mai 2004 eröffneten neuen touristischen Ferienstraße: Die Deutsche Fährstraße von Kiel bis Bremervörde verbindet rund 50 verschiedene Fähren, Brücken, Schleusen, Sperrwerke und maritime Museen; Wahrzeichen sind die Schwebefähren in Rendsburg und an der Oste.

Fahrradverkehr

Die Kieler legen 17 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurück.[60] Mit Projekten zum Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer wie dem Bau von Radschnellwegen und Velorouten versucht die Stadt diesen Anforderungen gerecht zu werden.[61]

Kiel ist auch an zahlreiche nationale und internationale Radwanderwege angeschlossen: unter anderem an den Ostseeküsten-Radweg (verläuft innerhalb des europäischen EuroVelo-Netzes als EV 10 um die ganze Ostsee und verbindet Kiel so mit Städten wie Stralsund, Kopenhagen, Stockholm, Sankt Petersburg, Danzig und Riga)[62].

Fähre Schilksee auf der Förde
Öffentlicher Nahverkehr

Den städtischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen Stadtbusse der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) und die Fähren der SFK, die die Kieler Förde vom Westufer (Strande) über die Innenstadt bis Laboe befahren. Den Regionalbusverkehr betreiben die Autokraft und die Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP).

Stadtregionalbahn Kiel (SRB)

Seit längerem gab es Pläne, eine StadtRegionalBahn Kiel (SRB) zu bauen. Doch obwohl eine Studie den Bau ausdrücklich empfohlen hat, kam das Projekt wegen der ungeklärten Finanzierung nur langsam voran. Die schwarz-grüne Koalition in Kiel hatte sich in den Haushaltsberatungen im Gegensatz zur damals oppositionellen SPD ausdrücklich zu dem Projekt bekannt: Der im Januar 2008 veröffentlichte Entwurf des neuen Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) der Stadt Kiel enthielt die SRB als Maßnahmenvorschlag.

Im Januar 2013 machte das Online-Portal nahverkehrhamburg.de bekannt, dass die Landesbehörde LVS nun die Ausschreibung einer Entwurfsplanung vorbereiten soll. Dies vereinbarten die Städte Kiel und Neumünster, die von der Stadtbahn betroffenen Kreise und das Land bei einem gemeinsamen Spitzentreffen zur Stadtregionalbahn in Kiel. Bei dem Treffen einigten sich die Teilnehmer dazu auf ein Eckpunktepapier. Die Vorbereitungen für die Ausschreibung sollten bis Juni 2013 abgeschlossen sein, dann sollte eine weitere Sitzung dazu stattfinden. Außerdem wurde in dem Eckpunktepapier eine Imagekampagne für die Stadtregionalbahn vereinbart. Damit sollten den Menschen die Vorzüge einer SRB noch näher gebracht werden, als es bisher der Fall war. Wie viel die Kampagne kosten sollte und wann die dafür nötigen Gelder in der Kieler Ratsversammlung beantragt werden, stand zunächst noch nicht fest.

Insgesamt sollte die Einrichtung der Bahn, mit der Kiel und die angrenzenden Kreise zudem an das Hamburger S-Bahn-Netz angebunden werden könnten, nach bisheriger Schätzung rund 380 Millionen Euro kosten, wovon ggf. mindestens 60 % aus Fördertöpfen des Bundes bezahlt werden könnten. Dazu hätten die Projektbeteiligten pro Jahr insgesamt 14,6 Millionen Euro Betriebskosten zahlen müssen. Das Land hatte bereits die Übernahme von 6,1 Millionen Euro zugesagt, was einem Anteil von rund 40 % entsprochen hätte. Nach Informationen der Kieler Nachrichten hätte die Stadt Kiel jährlich rund 4,7 Millionen Euro zahlen müssen, Neumünster 300.000 Euro. Auf den Kreis Plön wären 1,2 Millionen Euro Betriebskosten zugekommen und auf den Kreis Rendsburg-Eckernförde 1,6 Millionen Euro.[63]

Anfang November 2014 wurde bekannt, dass das Projekt „StadtRegionalBahn Kiel“ trotz großer Kritik von mehreren Seiten nun doch teilweise umgesetzt werden sollte. Zunächst wollte man mit dem Bau einer Stadtbahnlinie von Kiel ins Umland beginnen. Vor dem Bau sollten die Bürger von Kiel verbindlich über den Bau der neuen Stadtbahnlinie abstimmen. Erst nach dem Bau der ersten Linie sollten auch die Bürger der umliegenden Kreise über den Bau weiterer Stadtbahnlinien befragt werden. Dies sollte voraussichtlich nach 2020 stattfinden. Den größten Anteil der Planungskosten von insgesamt 7,5 Millionen Euro hätte die Stadt Kiel mit weiterhin 5,25 Millionen Euro übernommen. Der Anteil der beiden beteiligten Kreise (Plön und Rendsburg-Eckernförde) wäre auf insgesamt 375.000 Euro gesunken. Das Land Schleswig-Holstein hätte 25 % zu der Projektplanung beigesteuert. Statt einer eigenen Gesellschaft sollte die bestehende Landesverkehrsservicegesellschaft (LVS) die Planung des Projektes übernehmen. Somit wäre laut den Vertretern zwischen den beteiligten Kreisen und der Stadt Kiel bei den Kosten ein Kompromiss gefunden worden.[64][65]

Im Mai 2015 wurde das vorläufige Aus für das Projekt „StadtRegionalBahn Kiel“ vom Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bekanntgegeben. Da sich die umliegenden Kreise (außer dem Kreis Plön) nicht mit der Idee der „StadtRegionalBahn Kiel“ anfreunden konnten, wird sich Kiel nun nur noch auf eine Straßenbahn innerhalb des Stadtgebietes konzentrieren. Diese könne bei Bedarf aber immer noch über die Stadtgrenzen hinaus erweitert werden. Bei diesen Plänen soll auch die „Hein-Schönberg-Bahn“ eine Rolle spielen. Mittlerweile schätzt die Stadt Kiel, dass die Zahl der Ein- und Auspendler auf mehr als 100.000 Menschen angestiegen ist. Viele von ihnen müssten bei der An- oder Abfahrt nach Kiel einen zeitraubenden Umstieg am Kieler Hauptbahnhof in Kauf nehmen. Dieser Zustand soll durch eine moderne Straßenbahn und die „Hein-Schönberg-Bahn“ in Kiel wesentlich verbessert werden.[66]

Kieler Hauptbahnhof (Innenansicht als Panoramabild)
Kiel Hauptbahnhof; Ostausgang mit der Kaisertreppe
Die Hörnbrücke „in Aktion“; unmittelbar neben der Ostseite des Hauptbahnhofes gestattet diese Fußgängerbrücke über das südliche Hafenbecken (= Hörn = Spitze) den Zugang zum Ostufer der Kieler Förde mit dem Norwegenkai und dem Stadtteil Gaarden
Eisenbahn und Bahnhöfe

Seit 1844 ist Kiel an das Schienennetz angebunden. Der Kieler Hauptbahnhof ist der zweitgrößte Bahnhof Schleswig-Holsteins und einer der größeren Kopfbahnhöfe Deutschlands. Die fünf kleinen Bahnhöfe oder Haltepunkte Kiel-Russee, Kiel-Schulen am Langsee, Kiel-Suchsdorf, Kiel-Hassee CITTI-Park und Kiel-Elmschenhagen spielen nur für den Regionalverkehr eine Rolle. Durchgehend elektrifiziert ist seit 1995 die von Kiel in Richtung Neumünster–Hamburg führende Strecke. Seitdem ist Kiel ein Endpunkt des ICE-Netzes der Deutschen Bahn. Es bestehen insgesamt sechs tägliche Verbindungen in Richtung Köln, Frankfurt und Berlin, die zudem nach München oder in die Schweiz durchgebunden werden.

Im Regionalverkehr besteht ein stündlicher Taktverkehr nach Hamburg, von wo aus stündliche direkte Anschlüsse nach Berlin, München und Köln bestehen, sowie nach Lübeck, Flensburg und Husum. In der Region um Kiel wird auf diesen Regionalstrecken durch zusätzliche Fahrten nach Neumünster, Eckernförde und Lübeck das Angebot zu einem Halbstundentakt verdichtet. Alle Strecken werden von der DB betrieben. Von der Bahnstrecke Kiel–Flensburg zweigt in Suchsdorf ein Gleis für den Güterverkehr zum Kieler Hafen im Stadtteil Wik ab. Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der KSE-Bahnstrecke nach Schönberg in Zusammenhang mit der Einführung einer Stadtbahn in Kiel wird seit 2009 diskutiert.

Luftverkehr

Nördlich des Nord-Ostsee-Kanals befindet sich der Verkehrslandeplatz Kiel-Holtenau, dessen Erweiterung lange diskutiert und mittlerweile verworfen wurde. Seit November 2006 findet aufgrund mangelnder Auslastung bis auf weiteres kein Linienflugverkehr ab Kiel mehr statt. Weitere Flughäfen, die in etwas über einer Stunde erreicht werden können, sind der internationale Flughafen Hamburg sowie der Flughafen Lübeck, der jedoch wiederholt mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte und nach dem Ende der Ryanair-Flüge (damals vermarktet als „Hamburg-Lübeck“) inzwischen keine Verbindungen mehr anbietet.

Sonstiges
In Kiel gab es von 1974 bis 1989 eine Seilbahn, die über den Alten Bootshafen hinweg die beiden Teile des ehemaligen Weipert-Kaufhauses miteinander verband. Die Seilbahn wurde automatisch führerlos betrieben und konnte kostenlos benutzt werden.
Die Postkutsche als wichtiges Reise- und Transportmittel wurde erst im Jahr 1957 endgültig von der Post außer Dienst gestellt. Bis dahin war Kiel neben Wuppertal die letzte deutsche Stadt, in der noch Pferdegespanne für die Postzustellung eingesetzt wurden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Stadtjubiläum 750 Jahre Kiel,
Ost-Ansicht des Stadtzentrums vom Hafen aus:
v.l.n.r.: Segelschulschiff Gorch Fock im Heimathafen Kiel, Rathaus mit Rathausturm, Schifffahrtsmuseum, dahinter Dach des Opernhauses, rechts davon die Nikolaikirche, Konzertsaal und Kieler Schloss;
Deutsche Bundespost 1992
Stadtjubiläum 750 Jahre Kiel, Ersttagsbrief zu obiger Marke
„Kleiner Kiel“ – im Hintergrund das Opernhaus und der Rathausturm
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Kiel
Stadtbild
Die Holstenstraße, Haupteinkaufsstraße und Fußgängerzone im Bereich Berliner Platz in der Innenstadt. Blick nach Norden Richtung ‚Nikolaikirche‘ am ‚Alten Markt‘. Aufnahme 2009.
Segelschiffe im Hafen während der Kieler Woche

Kiel ist geprägt von der Nähe zum Meer und verfügt über einige Strände (Falckenstein, Friedrichsort, Schilksee). Die erste städtische Siedlung entstand auf der Halbinsel zwischen Förde und Kleinem Kiel. Der nördliche Landzugang wurde durch die Burg gesichert. Die Stadt wurde sehr regelmäßig angelegt, mit einem Marktplatz im Zentrum, von dessen Ecken acht Straßen im rechten Winkel zueinander abgingen. Ausgehend von diesen, führten einige kleine Nebenstraßen zum alten Mauerring und weiter zum Wasser. Hauptstraße der Stadt war die Nord-Süd-Achse Dänische Straße–Holstenstraße, die diagonal über den Marktplatz führte.

Über Jahrhunderte stand Kiel, eine der größeren Städte Holsteins, im Schatten anderer Ostseestädte (vor allem Flensburgs und Lübecks), obwohl es lange Zeit (unbedeutendes) Mitglied der Hanse war. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Stadt, sich über ihre Halbinsel hinaus nach Süden auszudehnen. In Verlängerung der Holstenstraße entstand die Vorstadt, welche sich schließlich bis zur St.-Jürgen-Kapelle (sie lag neben dem heutigen Hauptbahnhof) ausdehnte, deren Friedhof im 19. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt wurde. Auch in der Vorstadt entstanden einige bemerkenswerte Bürgerbauten. Der größte Teil war ein Handwerker- und Kleinbürgerquartier. Insgesamt galt die kleine Universitätsstadt als ein hübscher Ort und wurde von Dichtern wie Theodor Storm, der in Kiel studierte, wegen ihrer Schönheit gepriesen.

Als Kiel 1864 vom dänischen Gesamtstaat getrennt und wenig später preußischer Kriegshafen wurde, wandelte sich das Stadtbild grundlegend. Nur wenige Städte des Deutschen Reichs wuchsen so rasant wie Kiel. Die Stadt änderte ihren Charakter und dehnte sich nach allen Himmelsrichtungen aus. Villenviertel entstanden vor allem im Norden (Düsternbrook) und teilweise im Westen, während in der Nähe der Innenstadt zahlreiche Mietskasernenviertel gebaut wurden. Am Ostufer der Förde in Kiel-Gaarden, Kiel-Ellerbek und Wellingdorf entstanden die größten Werften Europas und weitere Arbeiterviertel. Alt- und Vorstadt wurden zusehends mit überdimensionierten zeittypischen Bauten überformt. Unter anderem entstanden neue Universitätsgebäude in der Nähe des Schlosses am Fördeufer. Auch die Verbindung zwischen Kleinem Kiel und Förde wurde immer mehr überbaut. Westlich der Vorstadt entstand mit dem zum Kleinen Kiel hin offenen Neuen Markt mit Rathaus und Stadttheater ein bedeutendes städtebauliches Ensemble.

Die verwinkelte Enge der Innenstadt erregte bereits in den 1920er Jahren die Aufmerksamkeit der Städteplaner. In der NS-Zeit wurden Pläne zur großzügigen Umgestaltung der Innenstadt konkretisiert. Auch der 1940 eingesetzte Stadtbaurat Herbert Jensen setzte sich für einen Umbau ein, der aus der Altstadt das Zentrum einer „deutschen Stadt“ machen sollte.

Nach den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs lagen die östlichen Stadtteile und die gründerzeitlichen Vorstädte zum Großteil, Alt- und Vorstadt sogar fast vollständig in Trümmern. Beim Wiederaufbau, den der im Amt verbliebene Jensen leitete, sollte die Stadt nun im Stil der Zeit moderner, offener und großzügiger gestaltet werden. Man wollte die Verbindung der Stadt mit dem Wasser und den schön gelegenen Stadtkern wieder stärker in den Blickpunkt rücken. Auf die Rekonstruktion der im Krieg zerstörten historischen Bauten verzichtete man – anders als in Städten wie Lübeck oder Münster – dagegen vollständig; stattdessen wurden selbst Bauten wie das durch Feuer beschädigte Hauptgebäude der Universität abgerissen.

Während der Wiederaufbau Kiels in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch als vorbildlich gelobt wurde, sieht man das Ergebnis inzwischen deutlich kritischer. Zwar ist die Altstadthalbinsel als solche aus der Luft noch zu erkennen. Doch massive Eingriffe in das historische Straßennetz der Altstadt (Aufhebung der meisten kleineren Nebenstraßen, Überbauung der Haßstraße am Markt, Verkehrsschneise Eggerstedtstraße längs durch die östliche Altstadt, Überbauung des alten Marktplatzes mit Geschäftsbauten, Ersatz der alten Gebäude), die Errichtung zahlreicher überdimensionierter Kauf-, Park- und Bürohausbauten und die ohnehin wenig einfallsreiche Architektur der 1950er, 1960er und 1970er Jahre lassen nur mehr wenig urbanes Flair oder Charme aufkommen.

Gewissermaßen hat Kiel heute daher zwar eine Innen-, aber keine Altstadt mehr. Heute gilt ausgerechnet die Dänische Straße mit den recht vielen erhaltenen Gründerzeitbauten als „Gute Stube“ der Altstadt. Die Vorstadt wurde sehr großzügig wiederaufgebaut. Die enge Bebauung der gründerzeitlichen Stadtteile wurde beim Wiederaufbau aufgelockert und durchgrünt. Vielfach wird das heutige Kieler Stadtbild als geradezu typisch für eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Großstadt gesehen und gilt daher allgemein als wenig ansprechend.

Seit der Jahrtausendwende wird der Stadtkern allerdings optisch permanent aufgewertet (Umbau des Hörngeländes am Hauptbahnhof; vollständige Sanierung des Hauptbahnhofes unter Berücksichtigung baulich-historischer Aspekte, die bei der Wiederherstellung nach den Kriegsschäden nicht beachtet wurden; Neugestaltung des Bootshafens etc.). Gleichzeitig soll durch einen Rückbau der Eggerstedtstraße und die Umgestaltung des Alten Marktes ein Teil des alten Stadtkerns rekonstruiert werden. Flankiert wird dies durch Ausgrabungen auf dem ehemaligen Parkplatz zwischen Schloßgarten und Universitätsklinik, auf dem sich einst das Hauptgebäude der Universität befand. Es wird vermutet, dass hier nach dem Zweiten Weltkrieg viel historische Bausubstanz vergraben wurde.

Einige Sehenswürdigkeiten (Bauwerke siehe unten)
Kiellinie (Ufer zur Kieler Förde)
Der Alte Botanische Garten
Fichtestraße 28 im Marineviertel
Die Kiellinie, vormals Hindenburgufer (Fördepromenade auf dem Westufer)
Der Kleine Kiel
Die renovierte Hörn mit der Hörnbrücke, einer Dreifeldzugklappbrücke
Der Hafen per Hafenrundfahrt
Der Norwegenkai mit Fährverkehr nach Oslo, Schwedenkai und Ostseekai (der ehemalige Oslo-Kai)
Marineehrenmal und U 995 in Laboe (vor den Toren Kiels), eins von fünf übrig gebliebenen deutschen Unterseebooten aus dem Zweiten Weltkrieg
U-Boot-Ehrenmal Möltenort
Das olympische Dorf in Kiel-Schilksee
Die malerische Steilküste bei Friedrichsort, dazu zahlreiche Strände auf Stadtgebiet
Die Schleusenanlagen des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau
Der Kieler Marinehafen
Das Kieler Marineviertel
Der Alte Botanische Garten
Die Holstenstraße (eine der ältesten Fußgängerzonen in Deutschland)
Die Sparkassen-Arena (Großveranstaltungsort, ehem. Ostseehalle)
Das Schifffahrtsmuseum Kiel am Sartorikai
Die Forstbaumschule
Der Botanische Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Theater, Musik und Film
Opernhaus

Das Theater Kiel mit Schauspielhaus, Opernhaus und Theater am Werftpark ist die größte Kultureinrichtung der Stadt. Daneben gibt es zahlreiche weitere Initiativen wie die Niederdeutsche Bühne Kiel, das Polnische Theater und studentisches Theater. Klassische Konzerte des Philharmonischen Orchesters Kiel, die zahlreichen Konzerte des alljährlichen Schleswig-Holstein Musik Festivals und die besonders während der Kieler Woche stattfindenden Konzerte internationaler Popstars in der Sparkassen-Arena (frühere Bezeichnung: Ostseehalle), in der Halle400 oder im Kieler Schloss sorgen für ein abwechslungsreiches Angebot. Es gibt einen Kieler Knabenchor.

In Kiel gibt es mehrere Kinos, unter anderem ein Cinemaxx-Multiplexkino am Hauptbahnhof, ein Kommunales Kino in der Pumpe, das „Traum-Kino“, das „STUDIO – Filmtheater am Dreiecksplatz“, das Metro-Kino und den Mediendom der Fachhochschule Kiel. Die Kinos „Neues Studio“ und „Die Brücke“ wurden wegen Insolvenz der Betreibergesellschaft am 31. August 2009 vorübergehend geschlossen. Das „Neue Studio“ wurde am 23. Dezember 2009 unter dem Namen Studio Filmtheater wiedereröffnet, die Räume der „Brücke“ blieben dagegen dauerhaft geschlossen.

Museen
Stadtmuseum im Warleberger Hof
Schifffahrtsmuseum
Alter Botanischer Garten mit altem Baumbestand
Botanischer Garten mit Gewächshäusern verschiedener Klimazonen, Arboreten und Alpinum
Computermuseum der Fachhochschule Kiel
Geologisches und Mineralogisches Museum
Kunsthalle (mit Antikensammlung)
Landesgeschichtliche Sammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek
Maschinenmuseum Kiel-Wik
Medizin- und Pharmaziehistorisches Museum
Schifffahrtsmuseum Kiel mit Museumshafen
Stadtgalerie
Stadtmuseum im Warleberger Hof
Völkerkundemuseum
Zoologisches Museum
Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei
Außerhalb Kiels in Molfsee liegt das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum, das das größte seiner Art in Norddeutschland ist.
Bauwerke
Leuchtturm in Kiel-Holtenau
Wasserturm in Kiel-Ravensberg
Hörn-Campus am Südende der Kieler Förde
Flandernbunker in Kiel-Wik
Das Rathaus (Hermann Billing 1907–1911), dessen Turm als Wahrzeichen der Stadt gilt (dem Campanile in Venedig nachempfunden); das Jugendstildach des Hauptgebäudes wurde 1945 zerstört und später durch ein einfaches Walmdach ersetzt.
Opernhaus Kiel, ehemaliges Stadttheater (Heinrich Seeling 1905–1907) neben dem Rathaus, ursprünglich wie dieses Jugendstil, vereinfacht wiederaufgebaut
St.-Nikolai-Kirche (evang.), gotisch, bis 1875 einzige Pfarrkirche der Stadt, 1876–1879 stark verändert, nach schweren Kriegszerstörungen ab 1949 vereinfacht wiederaufgebaut, historische Ausstattung zum großen Teil erhalten; von besonderer Bedeutung das bronzene Tauffass in der Pommernkapelle
Petruskirche 1905–1909 (ehemalige Marine-Garnisonskirche) in Kiel-Wik
Kieler Schloss der Schauenburger Grafen, später der Holstein-Gottorfer Herzöge (1721–1773): Westflügel erhalten, Hauptbau nach schweren Kriegszerstörungen 1959 gesprengt und durch modernen Neubau ersetzt, der kulturellen Zwecken dient.
Warleberger Hof (Stadtmuseum), einziger noch erhaltener Adelshof aus dem Jahre 1616, überhaupt der einzige erhaltene Privatbau von vor 1864 in der Kieler Altstadt und das älteste Haus in Kiel
Lutherkirche (Kiel) (evang.), Nachfolgebau von 1958 der am 4. April 1945 zerstörten Lutherkirche am Schrevenpark
Pumpe, ehemaliges Maschinenhaus für die Stadtentwässerung (1929), heute Kommunikations- und Kulturzentrum
Kreuzgang des ehemaligen Heiliggeistklosters, ältestes Bauwerk der Stadt (Ausstellungen)
Justizministerium (1892–1894) am Kleinen Kiel
Landeshaus, ehemalige Marineakademie und heute Sitz des Landtags, direkt an der Förde
Hörn Campus, bestechend durch extravagante Architektur mit einer in Wellenform geschwungenen und gleichzeitig geneigten Glasfront
Fernmeldeturm (nicht für die Öffentlichkeit zugänglich)
Luftschutzbunker in Kiel
Die Alte Metallgießerei der „Kieler Schiffswerft“ von Georg Howaldt, 1884 an der Schwentine-Mündung von Architekt Heinrich Moldenschardt erbaut, ist das älteste erhaltene Belegstück für die Werftindustrieentwicklung am Ostufer der Kieler Förde. Sie ist 2006 restauriert und im Mai 2007 als Museum eröffnet worden.
Levensauer Hochbrücken über den Nord-Ostsee-Kanal
Humboldt-Schule zwischen Knooper Weg, Stadtwerken und Schrevenpark, 1876/77 vom damaligen Kieler Stadtbaumeister Friedrich Wilhelm Schweitzer erbaut
Universitätskirche (Kiel), 1965 von Eiermannschüler Erhart Kettner und Hermann Weidling erbaut
Wasserturm Ravensberg
Kieler Hauptbahnhof
ehemaliges Arbeitsamt auf dem Wilhelmplatz, 1930 von Willy Hahn und Rudolf Schroeder; wegen der Architektur unter Einfluss des Bauhauses galt es als ein modernes Arbeitsamt seiner Zeit.
Die Leuchttürme Holtenau und Friedrichsort befinden sich am Westufer an der Förde, der Leuchtturm Kiel steht vor der Küste in der zentralen Kieler Bucht.
Die Vicelin-Kirche wurde als Notkirche errichtet.
Verlorene Bauwerke
Heiliggeistkirche, 14. Jahrhundert, Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut, am 13. Dezember 1943 bei Luftangriff bis auf den Kreuzgang zerstört
Altes Rathaus, im Kern 14. Jahrhundert, auf dem Marktplatz, am 13. Dezember 1943 bis auf Gewölbereste vernichtet
Persianische Häuser, Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert vor der Nikolaikirche, am 22. Mai 1944 zerstört
Schloss, Mittelbau und Ostflügel, Geburtsort des russischen Zaren Peter III., Ruine 1959 gesprengt
Telemannsches Haus, Haßstraße 1, außergewöhnlich reich verzierter Fachwerkbau des 16. Jahrhunderts, in der Nacht vom 7./8. Mai 1941 zerstört. Reste der geschnitzten Balken befinden sich im Landesmuseum in Schleswig.
Thaulow-Museum, nach Kriegszerstörungen im Mai 1948 abgerissen
St.-Jürgen-Kapelle, südlich der Vorstadt, 13. Jahrhundert,[67] 1902 abgerissen und durch die St.-Jürgen-Kirche von 1902 bis 1904 ersetzt. Die im Krieg schwer beschädigte St.-Jürgen-Kirche wurde im Sommer 1954 gesprengt und abgetragen, der zugehörige Friedhof eingeebnet. Die Glocke der St.-Jürgen-Kapelle von 1530 befindet sich im neuen Stadtkloster in der Harmsstraße.
Alte Universität, Kattenstraße, Bau von Ernst Georg Sonnin, später Museum, 1944 zerstört
Neue Universität, Schlossgarten, Bau von Martin Gropius, Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen; nur Teile der Uniklinik sind erhalten.
Buchwaldscher Hof, größter Kieler Adelshof, Dänische Straße, nach Kriegszerstörung abgerissen
Marientempel (von 1808) im Düsternbrooker Gehölz, 1944 durch eine Sprengbombe teilweise zerstört und 1948 abgetragen
Geburtshaus des Dichters Detlev von Liliencron, Herzog-Friedrich-Straße, 1964 dem Bau des Kaufhauses Hertie geopfert; eine Gedenktafel im Übergang zur Shoppingmeile Sophienhof erinnert noch daran.
Zahlreiche bemerkenswerte Bürgerhäuser des 15.–19. Jahrhunderts wurden bereits während des rasanten Wachstums der Stadt in der Kaiserzeit durch zeittypische Neubauten ersetzt, fast alle übrigen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
U-Boot-Bunker Kilian, 2001 beim Bau des Ostuferhafens überbaut
Holsatiamühle an der Schwentinemündung, 2008 abgerissen
Bedeutende Denkmäler und Plastiken
Kriegerdenkmal im Schlossgarten, eingeweiht 1879, entworfen von Heinrich Moldenschardt, versehen mit einem Figurenfries des Berliner Bildhauers Rudolf Siemering
Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. 1896 im Schlossgarten von Adolf Brütt
Schwerttänzerin 1896 im Rathaus, obere Rotunde von Adolf Brütt
Bronzestatue Bismarck 1897 im Hiroshima-Park von Harro Magnussen
Geistkämpfer an der Nikolaikirche von Ernst Barlach (1928)
Schwertträger 1912 von Adolf Brütt am Rathausplatz
Bronzeplastik des Stadtgründers Adolf IV. von Schauenburg und Holstein im Klostergarten von Karl-Henning Seemann (2005)
Gedenkstein an das Arbeitserziehungslager Nordmark
Plastik im Ratsdienergarten, erinnert an den Kieler Matrosenaufstand, 1982 von Hans-Jürgen Breuste
Edelstahlskulptur Seewind, Kaistraße am Neuen Rathaus, von Denninghoff und Matschinsky, 1989
Skulptur Adam und Eva am Germaniahafen, Bjørn Nørgaard
Statue „Zeitungsjunge“ der Kieler Nachrichten
Plastik Asmus Bremer auf dem gleichnamigen Platz im Stadtzentrum
Skulptur Der Segler am Ostseekai, Karlsheinz Goedtke (1962)
Skulptur Hafen 77 gegenüber der Tirpitzmole, Felix Fehlmann
Skulptur Fünf Erdteile am Stresemannplatz, Bernhard Heiliger (1961)
In Kiel gibt es 223 Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus, siehe Liste der Stolpersteine in Kiel.

Bronzeplastik Kilia, Stadtgöttin, (E. Lürssen, 1889)

Reiterdenkmal für Wilhelm I. im Schlossgarten (Adolf Brütt, Enthüllung 1896)

Bismarck-Denkmal im Hiroshima-Park 1897 von Harro Magnussen

Bronzeplastik Schwertträger auf dem Rathausplatz, (Adolf Brütt, Enthüllung 1912)

Bronzeplastik Geistkämpfer an der Nikolaikirche,
(Ernst Barlach, 1928)

Teil der Berliner Mauer vor dem Landeshaus (1961)

Edelstahlskulptur Seewind, Kaistraße am Neuen Rathaus, von Denninghoff und Matschinsky, 1989

Adam und Eva, Germaniahafen

Zeitungsjunge der Kieler Nachrichten

Asmus-Bremer-Plastik auf dem gleichnamigen Platz

Skulptur Der Segler (Karlheinz Goedtke, 1962)

Skulptur Fünf Erdteile (Bernhard Heiliger, 1961)

Skulptur Hafen 77 (Felix Fehlmann)

Sport
Handball
Die Sparkassen-Arena ist die Heimspielstätte des THW Kiel
Der THW Kiel bei der Siegerehrung der EHF Champions League 2011/12

Kiel ist eine Hochburg des Profi-Handballs. Bekanntestes sportliches Aushängeschild der Stadt ist der deutsche Rekordmeister THW Kiel, der eine Reihe von nationalen und internationalen Meistertiteln vorweisen kann: Bis 2015 hatte man 20 deutsche Meistertitel, neun Pokalsiege und drei Siege in der EHF Champions League errungen.
Die Heimspielstätte des THW Kiels ist seit Jahrzehnten die Sparkassen-Arena (ehemals Ostseehalle), eine der größten Veranstaltungshallen Deutschlands.

Fußball

Der bekannteste und erfolgreichste Kieler Fußballverein ist Holstein Kiel. Der Traditionsverein, der 1912 als erster norddeutscher Verein die deutsche Meisterschaft gewann, trägt seit 1911 seine Begegnungen im Holstein-Stadion aus. Die Spielstätte ist somit eine der ältesten und traditionsreichsten Spielstätten in Deutschland. Nach insgesamt 60 Jahren in der Erstklassigkeit, 14 Jahren in der Zweitklassigkeit, 28 Jahren in der Drittklassigkeit und acht Jahren in der Viertklassigkeit spielt der Verein, der im Volksmund die Störche genannt wird, momentan nach dem Aufstieg 2017 nach 36 Jahren wieder in der 2. Fußball-Bundesliga. Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte war der Einzug ins Viertelfinale um den DFB-Pokal 2011/12, in dem man vor heimischem Publikum am späteren Pokalsieger Borussia Dortmund scheiterte. Weitere Kieler Fußballvereine, die in der Vergangenheit höherklassig gespielt haben, sind der SC Comet Kiel, der FC Kilia Kiel, der VfB Kiel, der SV Friedrichsort sowie der TSV Schilksee.

Wassersport
Windjammerparade auf der Kieler Woche 2009

Kiel ist ein wichtiger Schauplatz für den Segelsport. In Kiel fanden 1936 und 1972 die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele statt. Eine erneute Bewerbung für die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele im Jahr 2024 scheiterte aufgrund eines Referendums in Hamburg. In Kiel stimmten im Gegensatz zu Hamburg 65,6 % der Abstimmenden für eine Bewerbung.[68] Das Olympiazentrum Schilksee von 1972 in Kiel-Schilksee ist seither ein wichtiger Hafen für Segelwettbewerbe. Der alte Olympiahafen von 1936 liegt am Hindenburgufer. Die Kieler Woche ist die größte Segelsportveranstaltung der Welt, noch vor der Travemünder Woche, der Hanse Sail und den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele. An ihr nehmen jährlich viele Segler mit Tausenden von Booten (fast) aller Klassen aus allen Kontinenten in Kiel-Schilksee teil. Während der restlichen Saison findet darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Regatten statt. Träger dieser Aktivitäten sind vor allem mehrere Segelklubs, die ihren Sitz rund um die Kieler Förde haben, mit dem Kieler Yacht-Club (KYC, ehemals: „Kaiserlicher Yacht Club“) als dem größten und sportlich aktivsten Verein. Im Jahre 2002 war Kiel der Zielhafen des Volvo Ocean Race. Weitere Regattaveranstaltungen sind zum Beispiel das Inshore Race Weekend des Akademischen Seglervereins.

Neben dem Segeln dominiert in Kiel der Rudersport. Der Erste Kieler Ruder-Club von 1862 e. V. stellt den ältesten Ruderverein im Kieler Raum und den drittältesten Ruderverein der Bundesrepublik dar. Seine rund 280 Mitglieder verbuchten viele Weltmeisterschaften und deutsche Meisterschaften für sich, insgesamt verzeichneten die Mitglieder des Clubs im Laufe der 150-jährigen Geschichte etwa 2000 Regattasiege. Neben dem Ersten Kieler Ruder-Club gibt es in Kiel die Rudergesellschaft Germania Kiel, die Ruderriege der ATV Ditmarsia, den Akademischen Ruderverein, die Rudervereinigung der CAU und außerdem viele Schülerruderriegen.

American Football

Die Kiel Baltic Hurricanes sind der erfolgreichste American-Football-Verein in Schleswig-Holstein und spielen in der German Football League. 2010 wurden sie Deutscher Meister, nachdem sie in den Jahren 2008 und 2009 bereits die Vizemeisterschaft erringen konnten.

Rugby

Die Herren-Mannschaft der FT Adler Kiel spielt seit der Saison 2015/16 in der 2. Rugby-Bundesliga. In der Gruppe Nord ist sie derzeit Vize-Meister.

Softball

Die Damenmannschaft der Kiel Seahawks spielten 2008[69] und wieder seit 2012 in der Softball-Bundesliga.[70]

Volleyball / Beachvolleyball

Die Volleyball-Männer der KMTV Eagles spielen in der Dritten Liga Nord. Kiel war darüber hinaus bis 2016 Bundesstützpunkt im Beachvolleyball.

Weitere Sportarten
Tischtennis: Der Verein Kieler TTK Grün-Weiß gehörte lange Zeit zur deutschen Spitze im Tischtennis und ist der älteste in Deutschland.
Kegeln: Die SG ETV/Phönix Kiel wurde 2009, 2011 und 2012 Deutscher Meister im Sportkegeln.
Poolbillard: Die Kieler Billard Union wurde 1997 und 1998 Deutscher Poolbillardmeister.
Tanzsport und Rollstuhltanz: Tanzen in Kiel, seit 2010 beim PTSK e. V. hat seit Mai 2014 auch eine Gruppe Rollstuhltanz.[71]
Seit 1988 wird der Halbmarathon Kiellauf ausgetragen.
Kulinarische Spezialitäten
Kieler Sprotten (zumeist in der Eckernförder Bucht gefangen und in Eckernförde für Verkauf und Versand in kleinen Holzschachteln verpackt.)
Fliederbeersuppe Kieler Art
Schutzgebiete

Im Stadtgebiet befinden sich drei ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Kiel
Persönlichkeiten
Hauptartikel: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Kiel

Siehe auch: Personen aus Kiel (Kategorie), Bekannte Gelehrte an der Kieler Universität und Liste der Ehrenbürger von Kiel

Literatur

Lexika

Doris Tillmann, Johannes Rosenplänter (Hrsg.): Kiel Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2010, ISBN 978-3-529-02556-3.
Hans-G. Hilscher, Dietrich Bleihöfer: Kieler Straßenlexikon. Fortgeführt seit 2005 durch das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Februar 2017 (Online aufrufbar auf www.kiel.de).

Stadtführer

Karl Baedeker, Otto Brandt: Baedekers Kiel. 5. Auflage. Ostfildern-Kemnat/ München 1990.
Sarah Nadine Habeck, Jacqueline Melzer, Anne Reddehase, Imke Schröder: Endlich Kiel! Dein Stadtführer. rap Verlag, Freiburg i. Br. 2012, ISBN 978-3-942733-05-2.
Burkhard Hackländer: Kiel. Reisehandbuch. 4. überarb. Auflage. Conrad Stein Verlag, Welver 2010, ISBN 978-3-86686-960-8.

Historischer Abriss

Jürgen Jensen, Peter Wulf (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kiel. Kiel, 1242–1992, 750 Jahre Stadt. Wachholtz, Neumünster 1991, ISBN 3-529-02718-9.
Werner Paravicini (Hrsg.), Uwe Albrecht, Annette Henning: Begegnungen mit Kiel. Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Wachholtz, Neumünster 1992, ISBN 3-529-02722-7.
Annerose Sieck: Kiel. Eine kleine Stadtgeschichte. Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-86680-052-5.

Historische Stadtbilder

Jürgen Jensen: Kiel im Zeitalter der Weltkriege. Fotografierte Stadtgeschichte von 1914 bis 1955. Husum 2017, ISBN 978-3-89876-874-0.
Jürgen Jensen: Historischer Stadtbildatlas Kiel. Eine Dokumentation zu den Anfängen der Ortsbild- und Denkmalpflege um 1900. Wachholtz, Neumünster 1986, ISBN 3-529-02678-6.
Jürgen Jensen: Kieler Bilderschatz – Wirklichkeit und Wahrnehmung der Stadt auf alten Photographien. Boyens Buchverlag, Heide 2012, ISBN 978-3-8042-1358-6.
Jürgen Jensen: Kriegsschauplatz Kiel – Luftbilder der Stadtzerstörung 1944/45. 2., erweiterte Auflage. Wachholtz, Neumünster 1997, ISBN 3-529-02697-2.
Hedwig Sievert: Kiel einst und jetzt – Die Altstadt. 2. Auflage. Verlag Walter G. Mühlau, Kiel 1963.

Spezialthemen

Dieter-J. Mehlhorn: Architekturführer Kiel. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01165-3.
Jens Rönnau: Open-Air-Galerie Kiel: Kunst und Denkmäler. Wachholtz, Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-05433-4.
Rudolf Jaworski, Witold Molik (Hrsg.): Denkmäler in Kiel und Posen: Parallelen und Kontraste. Ludwig, Kiel 2002, ISBN 3-933598-41-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Annegret Bergmann (Hrsg.): Geht nicht gibt’s nicht … 24 Portraits herausragender Frauen aus der Kieler Stadtgeschichte. Kiel 2007, OCLC 255464970.

Bildbände

Marco Knopp: Hundertsechs Meter Kiel: Ein unterhaltsamer Bildband mit besonderen Geschichten über 17 Orte in Kiel. Kronshagener Agentur & Haase Verlag, Kiel 2014, ISBN 978-3-9816327-5-0.
Jan Köhler-Kaeß (Fotos), Boris Geißler: Kiels schönste Seiten • Kiel’s Most Beautiful Sides. Medien-Verlag Schubert, Hamburg 2009, ISBN 978-3-937843-06-3.
Tom Körber: kiel. landeshauptstadt an der förde / capital at the Fjord: panorama-photographien. Körber Photographie & Verlag, Kiel 2009, ISBN 978-3-00-028534-9.
Katrin Kroll: Kieler Woche. Wachholtz, Neumünster 2007, ISBN 978-3-529-02555-6.
Peter Schuster: Kiel und die Kieler Förde – Deutschlands schönste Seestadt. 2. Auflage. Boyens Buchverlag, Heide 2012, ISBN 978-3-8042-1258-9.

Luftaufnahmen

Jürgen Jensen: Kriegsschauplatz Kiel – Luftbilder der Stadtzerstörung 1944/45. 2., erweiterte Auflage. Wachholtz, Neumünster 1997, ISBN 3-529-02697-2.
Jan Köhler-Kaeß: Kiel von oben • Bilder von der Landeshauptstadt aus der Vogelperspektive. Conrad Stein Verlag, Welver 1998, ISBN 3-89392-263-6.
Weblinks
 Commons: Kiel – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Kiel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Themenportal Kiel – in den Nachrichten
 Wikisource: Kiel – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Kiel – Reiseführer
Offizielle Seite der Stadt Kiel
Kiel – Stadt des Segelns
Stadtwiki Kiel
Kiel einst und jetzt – Historische und aktuelle Ansichten
Kiel-Panorama – Kiel in 360°-Einzelpanoramen
Kieler Stadtentwicklung – Graphische Morphologie seit den Anfängen mit vielen Detail-Karten
Linkkatalog zum Thema Kiel bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Literatur zu Kiel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Stadtansichten von Kiel im 16. u. 17. Jhd. Franz Obermeier; abgerufen am 7. Mai 2011 (PDF). 
Kieler-Rundschau.de Online-Archiv historischer Bilder aus Kiel
Fotoarchiv Online mit mehr als 15.000 historischen Fotos aus Beständen des Kieler Stadtarchivs