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Geschichte
Der Menhir von Langenstein

Bereits zu prähistorischer Zeit durchliefen das heutige Stadtgebiet Kirchhains viele Fern- und Verbindungswege. Schon seit der frühen Jungsteinzeit lassen sich dort fast kontinuierlich verschiedene Siedlungsepochen nachweisen. Der eponyme Menhir von Langenstein ist das herausragende Zeugnis dieser Epoche. Der Höhepunkt des Siedlungsausbaues lag in der jüngeren Eisenzeit (5. Jahrhundert v. Chr.).

Erste territoriale Bildungen entstanden jedoch erst im 12. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 1146 wird die Siedlung erstmals urkundlich unter dem Namen „Werphloh“ erwähnt. Die Region gehörte seinerzeit zur Landgrafschaft Thüringen bzw. ab 1247 Hessen, während die benachbarte Amöneburg und weite Teile des Umlandes im Besitz der Erzbischöfe von Mainz waren. Immer wieder kam es seit dieser Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den Mainzern und Hessen um die Landeshoheit. Ab dem 13. Jahrhundert förderten daraufhin die Landgrafen von Hessen den Ausbau Kirchhains als hessisches Bollwerk gegen das mainzische Amöneburg, um die Region kontrollieren zu können. Kirchhain entwickelte sich fortan zum wirtschaftlichen Zentrum des Amöneburger Beckens. Die Stadtrechte erhielt Kirchhain vermutlich vor 1348, als offizielles Stadtgründungsjahr wird jedoch mangels früherer urkundlicher Nachweise erst das Jahr 1352 angesehen.

Kirchhain – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Seit dem 15. Jahrhundert bildeten die wichtigen Handelsstraßen „Lange Hessen“ und Köln-Leipziger-Handelsstraße in Kirchhain einen Straßenknoten und begünstigten damit die weitere wirtschaftliche Erschließung der Stadt. Die gute Verkehrsanbindung führte jedoch im Dreißigjährigen Krieg dazu, dass Kirchhain einige Male besetzt wurde, zeitweilig Hauptquartier verschiedener Armeen war, und damit unter der häufigen Einquartierung von Truppen zu leiden hatte. 1636 waren in und um die Stadt etwa 12.000–14.000 Soldaten untergebracht. Für die damalige Stadtbevölkerung von ca. 1.000 Einwohnern war dies eine enorme Belastung. Über den Krieg in und um Kirchhain berichtet auch Caspar Preis in seiner Stausebacher Ortschronik.

Ebenfalls unter den Kriegswirren zu leiden hatte Kirchhain im Siebenjährigen Krieg, auch hier führte die gute Verkehrslage die Truppen immer wieder in die Stadt.

Von 1807 bis 1813 war Kirchhain Verwaltungssitz des Kantons Kirchhain im Königreich Westphalen. Am 18. August 1807 bildet Kaiser Napoleon I. das Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel. Es umfasst Hessen-Kassel, Braunschweig und Hannover sowie preußische Gebiete westlich der Elbe.[2] Zum Königreich Westphalen gehört somit auch die Stadt Kirchhain. Folgende Beschreibung wird hierzu gegeben: Kirchhain, Stadt und Kantonshauptort, am dem Einflusse der Wohra in die Ohm. Sie zählt 1 Burgsitz, 1 lutherische und 1 reformierte Kirche, mit 403 Häusern und 1.977 Menschen.[3]

Von 1821 an war Kirchhain Kreisstadt des neu geschaffenen Verwaltungskreises Kirchhain, bis dieser 1932 mit dem Kreis Marburg zusammengelegt wurde.

Von der jüdischen Bevölkerung Kirchhains, welche vom Ende des 16. Jahrhunderts in Kirchhain ansässig war, ist Elchanan Henle Kirchhain, der bekannteste. Sein Grabstein ist auf dem jüdischen Friedhof Kirchhains erhalten.

Stolpersteine

Ab dem Jahr 2015/16 sollen die ersten Stolpersteine im Stadtgebiet als Erinnerung an die jüdische Bevölkerung bzw. die Opfer des Holocaust gesetzt werden. Dies ist vor allem dem Engagement einiger Schüler und Lehrer der Alfred-Wegener Schule aus Kirchhain zu verdanken.

Eingemeindungen

Am 1. Februar 1971 wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Anzefahr, Betziesdorf, Burgholz, Himmelsberg, Kleinseelheim, Niederwald und Schönbach eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Langenstein, Sindersfeld und Stausebach hinzu. Emsdorf und Großseelheim folgten am 1. Juli 1974.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Kirchhain im Überblick:[5][6]

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Marburg, Gericht Kirchhain (Gericht Kirchhain bestand aus den Orten: Kirchhain, Langenstein und Niederwald)[7]
ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg, Gericht Kirchhain
ab 1592: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Kirchhain
1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Kirchhain
ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain
ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Amt Kirchhain[8]
ab 1806: Kurfürstentum Hessen, Amt Kirchhain
1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain
ab 1815: Deutscher Bund, Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Kirchhain
ab 1821: Deutscher Bund, Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain (Trennung von Justiz (Justizamt Kirchhain) und Verwaltung)[9]
ab 1848: Deutscher Bund, Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
ab 1851: Deutscher Bund, Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
ab 1866: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg
ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Gerichte seit 1821

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Im Kirchhain wurde der Kreis Kirchhain für die Verwaltung eingerichtet und das Justizamt Kirchhain war als Gericht für Kirchhain zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für das Justizamt Kirchhain.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Kirchhain.
Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.
In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Politik
Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[13] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[14][15]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016

     

Insgesamt 37 Sitze Linke: 2 SPD: 17 Grüne: 3 FDP: 2 CDU: 13

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,2 13 39,9 15 40,6 15 39,3 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 46,1 17 38,8 14 40,3 15 47,1 17
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,7 3 14,6 5 9,6 4 7,4 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,1 2 3,8 2 5,7 2
DIE LINKE Die Linke 4,9 2 2,8 1
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 3,9 1 6,2 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 57,7 50,5 53,6 60,5

Rathaus
Flagge Kirchhains
Bürgermeister

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Kirchhain neben dem Bürgermeister acht ehrenamtliche Stadträte angehören. Bürgermeister ist ab 1. August 2016 Olaf Hausmann (SPD).[16][17] Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren

2004 bis 2016 Jochen Kirchner
1998 bis 2004 Klaus Hesse (SPD)
Wappen

Am 11. November 1986 erteilte das Hessische Ministerium des Innern der Stadt die Genehmigung, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen.

Blasonierung: „In Rot ein silberner Spangenhelm mit goldenen Helmdecken und zwei silbernen Büffelhörnern als Helmzier, die außen mit je sechs silbernen Lindenzweigen besteckt sind, zwischen den Büffelhörnern ein goldenes ‚K‘.“

Das Stadtwappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt aus Bad Nauheim entworfen.

Städtepartnerschaften
Plomelin, Frankreich, Bretagne (seit 1966, gegründet und gelebt im jetzigen Stadtteil Betziesdorf)
Doberlug-Kirchhain, Brandenburg (seit 1989)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Parks und Grünanlagen
Ehrenmal im Annapark

Am nordwestlichen Rand der Kirchhainer Altstadt befindet sich der Annapark, ein ehemaliger (1828 bis 1899) Friedhof, der vom Marburger Brauereibesitzer Bopp als Park hergerichtet und nach seiner Frau benannt wurde. Neben der Skulptur „Die Wartende“ (von Hermann Pohl, Kassel)[18] befindet sich dort seit Juni 2015 die Bronzeskulptur Lesendes Mädchen (Spitzname „Anneliese“) des Münsterländer Bildhauers Bernhard Kleinhans. Dessen Witwe, eine gebürtige Kirchhainerin, hatte sie der Stadt gestiftet.[19]

Natur

In der Nähe der Kernstadt Kirchhains befindet sich das Naturerlebnisgebiet Erlensee. Einige Bereiche davon gehören zum Naturschutzgebiet Brießelserlen. Dieses ist ein beliebter Rückzugsort für Vögel. Darüber hinaus bietet der Erlensee auch für Spaziergänger und Naturliebhaber einige Attraktionen. So gibt es hier eine Info- und Akustikstation in der Tierstimmen und Klangbilder anzuhören sind, einen Baum-des-Jahres-Pfad, wo alle seit 1989 gekürten Bäume des Jahres als gepflanzte Exemplare zu bewundern sind, eine Beobachtungsplattform und einen Jahreszeitenpfad an dem zur jeweiligen Jahreszeit passend Schautafeln mit Informationen zum Erlensee und der heimischen Flora und Fauna aufgehängt sind. Des Weiteren versteht sich der Erlensee als außerschulischer Lernort an dem ganzjährig auf Wunsch Führungen angeboten werden. Für Blinde wurde ein Leit- und Führsystem rund um den See erbaut.

Im Kirchhainer Ortsteil Himmelsberg befindet sich eine einst als Tanzlinde fungierende alte Sommerlinde, die sogenannte Linde zu Himmelsberg. Sie wird auch als 1000-jährige Linde bezeichnet und ist seit 1971 Naturdenkmal. 2001 erschien ihr Motiv auf einer Sondermarke der Deutschen Post.

Museen

Das Kleine Dachmuseum in den Vereinsräumen der Kurhessischen Bürgergarde Kirchhain e.V. (Bahnhofstraße) beherbergt eine heimat- und militärgeschichtliche Sammlung zur Geschichte Kirchhains.[20]

Die Geschichte Großseelheims wird im Heimatmuseum Großseelheim präsentiert. In dem Museum können unter anderem eine komplett eingerichtete Schmiede und eine Schusterwerkstatt besichtigt werden.[21]

Historische Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
Kernstadt

In der Kernstadt Kirchhains befindet sich ein sogenannter Altstadtbereich bzw. historischer Stadtkern mit einigen sehenswerten erhalten geblieben Bauwerken[22][23]. Dazu zählen unter anderem das um 1450 in Fachwerk erbaute Rathaus und das 1612 erbaute Haus „Zum blauen Löwen“. Ersteres gilt als das Wahrzeichen der Stadt Kirchhain und liegt am Rande des Marktplatzes. Bei Zweitem handelt es sich um das Geburtshaus des Dichters Eberhard Werner Happel. Darüber hinaus sind in der Altstadt noch die Stadtmauerreste mit dem Hexenturm, wo früher Frauen als „Hexen“ inhaftiert wurden bevor sie zur Aburteilung nach Marburg kamen und das heutzutage in den Bau eines Alten- und Pflegeheims integrierte Burgtor als Rest der ehemaligen Stadtburg sehenswert. Des Weiteren lohnt in der Kernstadt auch noch ein Besuch der Evangelischen Stadtkirche St. Michael aus dem 15. Jahrhundert und des Torsos der ehemaligen Synagoge.

Skulptur La Goutte von Luigi Colani am Skulpturenpfad Kirchhain

Seit 2006 existiert der Skulpturenpfad, der die Verbindung der Menschen mit der Natur als zentrales Thema aufgreift. Er erstreckt sich über ca. zwei Kilometer und verläuft vom Erlensee über den Annapark bis zum Bahnhof. Seit seiner Einweihung im Rahmen des Kulturherbstes der Region Burgwald wurde der Pfad um weitere Exponate ergänzt. Die „Freilichtsammlung“ umfasst mittlerweile Skulpturen und Plastiken heimischer sowie international renommierter Künstler. Darunter z. B. die Skulpturen Geloest (von Ortrud Sturm), Jede Menge Grazien (von Werner Berges) oder die Großplastik La Goutte (von Luigi Colani).[18][24]

Anzefahr

In Anzefahr zählen das Semmekreuz, die barocke katholische Pfarrkirche St. Michael und die Gebäude der Ordensmühle an der Ohm zu den historisch bedeutendsten Zeugnissen. Darüber hinaus erinnert ein Gedenkstein an die Ausgrabungen im oberen Teil des Kiefernweges. Bei den Ausgrabungen wurden mehrere Urnengräber freigelegt. Sie sind heutzutage jedoch nicht mehr zu sehen.[25]

Betziesdorf

Als Wahrzeichen des Ortsteils gilt die 1789 erbaute spätbarocke Pfarrkirche.

Burgholz

Westlich des Ortsteils sind einige Reste der Hunburg zu sehen. Sie wurden 1936 bei Ausgrabungen freigelegt. Darüber hinaus ist auch noch der Katharinenbrunnen erhalten. Er versorgte zunächst die Burg mit Wasser und dann später die Burgholzer Bürger. Als Kleinod in Burgholz gilt das restaurierte Spritzenhaus.[26]

Emsdorf

Die katholische Kirche Mariae Himmelfahrt in Emsdorf wurde im barocken Stil erbaut und zählt zu den schönsten Barockkirchen Oberhessens. Besonders sehenswert sind ihre Altäre sowie ihr Deckengemälde.[27]

Langenstein

Langenstein besitzt mit der evangelischen St.-Jakobi-Kirche eine von zwei Kirchen in Deutschland, die ein sogenanntes doppeltes freischwebendes sechseckiges wabenförmiges Netzgewölbe haben. Sie ist somit ein herausragendes Kulturdenkmal. Des Weiteren ist der Lange Stein sehenswert. Er zählt zu den bedeutendsten Menhiren Hessens, wenn nicht sogar Deutschlands.

Sindersfeld

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortsteils zählen die Kirche St. Matthäus und das Sühnekreuz. Die Kirche ist eine der wenigen Jugendstilkirchen der Region.

Stausebach

Größte Sehenswürdigkeit des Ortsteils ist die spätgotischen Kirche St. Mariae Himmelfahrt. Um die Kirche herum sind einige alte Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert und jünger platziert. Des Weiteren befinden sich nördlich von Stausebach einige teilweise rekonstruierte bronzezeitliche Hügelgräber.

vergrößern und Informationen zum Bild anzeigenPanorama der Stadt Kirchhain. Blick nach Süden Richtung Amöneburg

Die St.-Elisabeth-Kirche

Der „Blaue Löwe“

Stadtkirche St. Michael und Gillhof

Hexenturm mit Teil der Stadtmauer

vergrößern und Informationen zum Bild anzeigenVon links nach rechts sind die Ortsteile Kleinseelheim, Bauerbach (zu Marburg), Großseelheim, Schönbach, Niederwald, Anzefahr, Betziesdorf (im Hintergrund), Stausebach und Kirchhain sowie Himmelsberg (links dahinter) zu erkennen

Stadtbild
Stadtaufbau
Der Bahnhof in Kirchhain nach der Renovierung

Im Zentrum der Stadt Kirchhain befindet sich der Bahnhof Kirchhain. Vom Bahnhofsvorplatz aus verläuft, in Richtung Süden bis zum Marktplatz, die Kirchhainer Fußgängerzone, eine Einkaufsstraße, die über zahlreiche Einzelhandelsläden verfügt, darunter Warenhäuser, Boutiquen, Elektronikgeschäfte und Gastronomiebetriebe. Richtung Emsdorf gibt es ein großes Neubaugebiet, welches in den letzten Jahren ständig erweitert worden ist. Dort befindet sich außer einer großen Anzahl neu gebauter Ein- und Mehrfamilienhäuser auch ein Neubau des Altenhilfezentrums und die Heilpädagogische Gemeinschaft.

Bildung

Die Alfred-Wegener-Schule ist mit über 1000 Schülern die größte Schule im Stadtgebiet und liegt nordwestlich des Stadtzentrums. Zu ihr gehören zwei Schulsporthallen und ein Stadion. Direkt angrenzend befinden sich die beruflichen Schulen sowie eine Großsporthalle (Heinrich-Weber-Halle), die vom Landkreis Marburg-Biedenkopf betrieben wird. Darüber hinaus gibt es eine Grundschule in der Kernstadt sowie in den meisten Stadtteilen.

Wirtschaft

Die Gebiete am östlichen und westlichen Ende des Stadtgebietes sind als Industriegebiete ausgewiesen, wobei der Industriepark Kirchhain das größere von beiden ist. Die beiden größten herstellenden Betriebe sind die Marburger Tapetenfabrik und der Solaranlagenhersteller Wagner & Co, der im Jahr 2008 in Kirchhain die erste energieneutrale Fabrik zur weitgehend automatisierten Produktion von Solarkollektoren eröffnete.

Verkehr
Straße

Kirchhain ist über die Anschlussstellen Kirchhain-West, Kirchhain-Mitte und Kirchhain-Ost an die Schnellstraße B 62 und an die B 454 angebunden und somit ans Bundesfernstraßennetz.

Bahnhof

Eisenbahnverbindungen bestehen ab dem Bahnhof Kirchhain über die Main-Weser-Bahn Richtung Frankfurt und Kassel. In Kirchhain halten der Main-Weser-Express, Main-Sieg-Express und der Mittelhessen-Express.

Busverkehr

Ab dem Busbahnhof am Bahnhof Kirchhain gibt es zahlreiche Busverbindungen innerhalb Kirchhains, in alle Stadtteile, sowie zu vielen umliegenden Städten, wie zum Beispiel Marburg.

Weiteres
Öffentliche Einrichtungen

Das Amtsgericht Kirchhain hat seinen Sitz in der Stadt.

Märkte

Begünstigt durch die Lage an den alten Handelsrouten ist Kirchhain eine traditionelle Marktstadt. Bis heute werden viele Märkte in Kirchhain gehalten. Die größten Märkte mit mehreren zehntausend Besuchern sind der Ostermarkt am Wochenende vor Ostern und der Martinsmarkt, der am letzten Oktoberwochenende abgehalten wird. Am ersten Adventswochenende findet gemeinsam mit dem Weihnachtsmarkt der Kirchhainer Kunstmarkt statt; der Neujahrsmarkt wird am letzten Werktag vor Silvester veranstaltet.[28]

Persönlichkeiten
In Kirchhain geborene Persönlichkeiten
Heinrich Scheffer
Heinrich von Langenstein (1325–1397), Theologe, Kirchenpolitiker und Astronom
Heinrich Kornmann (1570–1627), Jurist, kurmainzischer Rat und Chronist[29]
Katharina Lips (*um 1625-unbekannt), 1672 in einem Hexenprozess als angebliche Hexe hingerichtet
Eberhard Werner Happel (1657–1690), Dichter
Hennoch Wolf alias Elchanan Henle Kirchhain (1666–1757), Rabbiner und Autor des jiddischen Moralbuches Simchat ha-Nefesch
Johann Heinrich Fenner von Fenneberg (1774–1849), Mediziner und Dichter
Heinrich Joseph Wetzer (1801–1853), Orientalist
Heinrich Scheffer (1808–1846), Schriftsteller, Bürgermeister von Kirchhain
Benedict Stilling (1810–1879), Mediziner und Anatom
Ludwig Happich (1858-nach 1929), Reichsgerichtsrat
Paul Heinrich Römer (1876–1916), Hygieniker, einziger Schüler Emil von Behrings, Ordinarius in Greifswald und Halle
Moritz Rülf (1888-vermutlich 1942), Lehrer und jüdischer Prediger
Lisa de Boor geb. Hüttel, (1894–1957), Lyrikerin, Schriftstellerin[30]
Albert Henze (1894–1979), Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg
Leo Strauss (1899–1973), Philosoph
Otto Schweinsberger (1904–?), Jurist
Ursula de Boor (1915–2001), Mitglied der Weißen Rose Hamburg, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus
Fritz Cron (1925–2017), Motorradgespannrennfahrer, Weltmeister 1954 und 1956
Wilhelm Noll (1926–2017), Motorradgespannrennfahrer, Weltmeister 1954 und 1956
Persönlichkeiten, die in Kirchhain gelebt oder gewirkt haben
Heinrich Horch (1652–1729), separatistischer Mystiker innerhalb des radikalen Pietismus, wohnhaft in Kirchhain von 1708 bis zu seinem Tod[29]
Friedrich Cranz (1792–1840), Verwaltungsbeamter und ehemaliger Landrat im Kreis Kirchhain, verstorben in Kirchhain
Ludwig Vogel (1920–2014), römisch-katholischer Priester, Kaplan in Kirchhain-Anzefahr
Mathias Schröder (* 1941), Arzt, Schriftsteller und Drehbuchautor, aufgewachsen in Kirchhain
Friedrich Bohl (* 1945), Politiker (CDU), von 1991 bis 1998 Bundesminister für besondere Aufgaben Chef des Bundeskanzleramts, wohnhaft in Kirchhain[31]
Werner Meuser (* 1952), Weltmeister im Segelfliegen, wohnhaft in Kirchhain[29]
Reiner Cunz (* 1958), Historiker und Numismatiker, aufgewachsen in Kirchhain
Andreas Blank (1961–2001), Romanist und Sprachwissenschaftler, verstorben in Kirchhain
Gabriela Lesch (* 1964), Mittelstreckenläuferin, wohnhaft in Kirchhain
Literatur
Hermann Dippel, Paul Koch: Kirchhain einst und jetzt. Marburg 2001, ISBN 3-89445-282-X.
Heinrich Grün: Chronik der Stadt Kirchhain. Kirchhain 1952.
W.G. Soldan, H. Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Band 2, hg. von Max Bauer, Hanau/Main, Nachdruck der 3. Auflage von 1911, S. 96–98.
Georg Hassel, Geographisch statistischer Abriss des Königreich Holland, im Verlage des Landes, Weimar 1809, S. 491
Brigitte Beier, Neue Chronik der Weltgeschichte, Chronik Verlag 2007, S. 483
Literatur über Kirchhain in der Hessischen Bibliographie
Weblinks
 Commons: Kirchhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kirchhain – Reiseführer
 Wikisource: Kirchhain in Merians Topographia Hassiae – Quellen und Volltexte
Kirchhain, Stadtgemeinde, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Kirchhain, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Illustration von Daniel Meisner von 1626: Kirchain. Gedrückt, aber nicht erdrückt. (Digitalisat)