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Geschichte
Geschichte der Gemeinde Königheim
Mittelalter

Königheim wurde 1149 erstmals urkundlich erwähnt. Während der Ära der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken. 1422 erhielt die Gemeinde das Marktrecht.

Neuzeit

Bis 1585 gehörte Königheim zum Hochstift Würzburg, das es in diesem Jahr an Kurmainz übertrug. Im Rahmen der Säkularisation aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses fiel der Ort zunächst 1803 an das Fürstentum Leiningen und dann durch die Rheinbundakte 1806 an das Großherzogtum Baden. Dort gehörte Königheim zunächst zum Bezirksamt Tauberbischofsheim, aus dem 1938 der gleichnamige Landkreis entstand. Als dieser 1973 aufgelöst wurde, fiel Königheim an den neugebildeten Tauberkreis, der ein Jahr später in Main-Tauber-Kreis umbenannt wurde.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde von SA-Männern geschändet; die Kultgegenstände wurden auf dem Sternplatz öffentlich verbrannt. Eine Gedenktafel am Postgebäude in der Münzgasse 2 erinnert an dieses Geschehen.[8]

Fronleichnamsflut: Am 21. Juni 1984 wurde Königheim nach schweren Regenfällen, die die Brehmbach zum Überlaufen brachten, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Regen setzte gegen Nachmittag ein; bereits eine halbe Stunde später lief das Rückhaltebecken Gissigheim mit etwa 54 m³/s über. Das Hochwasser erreichte gegen 17 Uhr mit einem Durchfluss von etwa 100 bis 120 m³/s seinen Höchststand; daraufhin wurde vom Landratsamt Katastrophenalarm ausgelöst. Im Einsatz waren Bundeswehr, DLRG, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk. Die Überschwemmung verursachte Schäden in Höhe von rund 39 Mio. Euro; es gab neun Verletzte, 30 zerstörte und 130 beschädigte Gebäude sowie 80 beschädigte Fahrzeuge. 55 Stück Großvieh sowie 700 Schweine verendeten.

Königheim im Sommer 2005
Eingemeindungen
1. Januar 1972: Gissigheim, Brehmen[9]
31. Dezember 1973: Pülfringen[10]
Königheims Ortsteile und ihre Geschichte
Brehmen

Hauptartikel: Brehmen

Brehmen wurde erstmals 1239 urkundlich erwähnt. Es gehörte zunächst zu Boxberg. Über die Herren von Rosenberg und die Grafen von Hatzfeld kam der Ort 1730 zur Grafschaft Löwenstein-Wertheim, der es bis 1806 zugehörte. Die Bestimmungen der Rheinbundakte führten dann zur Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden.

Gissigheim

Hauptartikel: Gissigheim

Die erste urkundliche Erwähnung fand Gissigheim 1013 in einer Urkunde des Klosters Amorbach. Eine Keltenschanze im Grenzbereich der Ortsteile Brehmen und Gissigheim weist jedoch auf eine Besiedelung bereits in vorchristlicher Zeit hin. Nach verschiedenen anderen Grundherren gehörte der Ort im 18. Jahrhundert den Reichsfreiherren von Bettendorff, bevor er 1806 an das Großherzogtum Baden fiel.

Pülfringen

Hauptartikel: Pülfringen

Bereits 788 wurde Pülfringen im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt.[11] Es ist damit der älteste der heutigen Teilorte. Ab etwa 1050 unterstand es dem Ortsadel der Ritter von Bilversheim bzw. Pülfringen,[12] über die es an das Hochstift Würzburg kam. Eine bemerkenswerte Karriere für dieses Ministerialengeschlecht gelang Heinrich I. von Bilversheim durch die Wahl zum Bischof von Bamberg (1242–1257). Von 1287 bis 1597 unterstand Pülfringen den Grafen von Wertheim und fiel danach an Würzburg zurück. Im Rahmen der Säkularisation kam der Ort 1803 an das Fürstentum Leiningen und schließlich 1806 an das Großherzogtum Baden.

Weikerstetten
Hauptartikel: Weikerstetten

Die zu Königheim gehörende Kleinsiedlung Weikerstetten, an der B 27 gelegen, hat etwa 50 Einwohner, von denen ein Großteil Landwirtschaft betreibt. In der Mitte der Wohnsiedlung befindet sich eine kleine Kapelle, in der regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden.

Einwohnerentwicklung

Jahr Gesamt
1961 3586
1970 3043
1991 3438
1995 3466
2000 3362
2005 3290
2010 3153
2015 3035

Religionen
Christentum

Die Einwohner des Ortsteils Königheim sind überwiegend, die der Ortsteile Gissigheim und Pülfringen fast ausschließlich römisch-katholisch, während die Brehmer überwiegend evangelisch sind. Da es in der Gemeinde Königheim keine evangelische Kirche gibt, besuchen die evangelischen Gottesdienstteilnehmer die evangelische Christuskirche in Tauberbischofsheim.

Judentum
Pläne der ehemaligen Synagoge Königheim (Außenansicht)
Jüdische Gemeinde Gissigheim

In Gissigheim bestand eine jüdische Gemeinde vom 16./17. Jahrhundert bis 1894.[13]

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Gissigheim
Jüdische Gemeinde Königheim

Die jüdische Gemeinde Königheim bestand ab dem Mittelalter bis 1940.[14]

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Königheim
Politik
Bürgermeister

Bis 1806 standen an der Spitze der Gemeinde Königheim jeweils ein Rats- und ein gemeiner Bürgermeister (im 15. Jahrhundert auch als Heimburgen bezeichnet) sowie ein Schultheiß. Im Großherzogtum Baden führten die Gemeindeoberhäupter zunächst den Titel Vogt und ab 1831 Bürgermeister.

1420: Heinz Treu / Hans Beuschel, erste urkundlich bezeugte Heimburgen
1329: Heinrich Bock, erster urkundlich bezeugter Schultheiß
1551–1567: Hanns Meder, Schultheiß
1810–1818: Anton Scherer
1819–1830: Franz Nikolaus Weirich,
1830–1832: (Jos. Anton?) Faulhaber
1832–1835: Georg Anton Ebert
1835–1836: Zugelder
1836–1846: Franz Anton Geier
1846–1848: Michel Joseph Metzger
1848–1849: Philipp Jakob Bechtold
1849–1852: Franz Anton Geier
1852–1861: Johann Adam Zimmermann
1861–1876: Eduard Väth
1876–1895: Josef Anton Zimmermann
1896–1914: Josef Seitz
1914–1921: Anton Heß
1921–1921: Julius Bertold
1921–1923: Andreas Glock
1923–1933: Josef Kappler
1933–1945: Burkard Josef Bartholme
1945–1948: Karl Josef Trabold
1948–1972: Josef Honikel
1972–1992: Josef Steffan
1992–2016: Ewald Wolpert
Seit 2016: Ludger Krug

Krug wurde am 25. September 2016 mit 66,8 % der Stimmen gewählt.

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Königheim hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,2 % (2009: 66,3 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Bürgerliste 66,7 % 12 Sitze 2009: 60,6 %, 11 Sitze
CDU 33,3 % 6 Sitze 2009: 39,4 %, 07 Sitze

Wappen

Das Wappen der Gemeinde Königheim zeigt eine goldene Kanne auf rotem Grund, die auf „Kannenheim“ als früheren Namen Königheims zurückgeht. Das Wappen des Ortsteils Gissigheim zeigt einen silbernen Ring auf rotem Grund.

Gemeindepartnerschaften

Seit 1971 verbindet Königheim eine Gemeindepartnerschaft mit den Gemeinden Scheifling und Sankt Lorenzen in der Steiermark.

Verwaltungsgemeinschaft

Die Gemeinde Königheim bildet mit der Stadt Tauberbischofsheim, sowie den Gemeinden Großrinderfeld und Werbach zur gemeinsamen Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Tauberbischofsheim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Pfarrkirche St. Martin Königheim
Barockkirche St. Martin

In der Ortsmitte von Königheim steht die Barockkirche St. Martin.[15]

Hauptartikel: St. Martin (Königheim)
Pfarrkirche St. Peter und Paul Gissigheim

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1842 befindet sich in der Gissigheimer Ortsmitte.[16]

Hauptartikel: St. Peter und Paul (Gissigheim)
Kilianskirchen in Pülfringen und Brehmen

In der Ortsmitte von Pülfringen befindet sich die im Jahre 1846 erstmals erwähnte römisch-katholische Pfarrkirche St. Kilian.[17]

Hauptartikel: St. Kilian (Pülfringen)

Die Kirche St. Kilian in Brehmen war seit 1756 eine Filiale der gleichnamigen Kilianskirche in Pülfringen.[18] Heute ist sie eine Filiale der Königheimer Martinskirche.[19]

Kreuzweg am Kachelberg
Kreuzweg am Königheimer Kachelberg

Auf den Königheimer Kachelberg führt ein Kreuzweg mit vierzehn Stationen.

Bettendorfsches Schloss

Das Bettendorfsche Schloss ist ein im 16. Jahrhundert in Gissigheim erbautes Barockschloss.[20]

Hauptartikel: Bettendorfsches Schloss (Gissigheim)
Haigerkapelle

Die 1740 erbaute Haigerkapelle befindet sich in Königheim, am Anfang des Haigertals.

Hauptartikel: Haigerkapelle (Königheim)
Josefskapelle

Die 1888 erbaute Josefskapelle befindet sich am Rande des Landschaftsschutzgebietes Königheim im Haigergrund.

Hauptartikel: Josefskapelle (Königheim)
Schutzengelkapelle

Mit der Schutzengelkapelle steht eine 1712 erbaute barocke Kapelle in Gissigheim.[15]

Hauptartikel: Schutzengelkapelle (Gissigheim)
Fachwerkhäuser
Fachwerkhäuser in Königheim (2008)

Im Ortskern von Königheim befinden sich mehrere historische Fachwerkhäuser.

Bildstöcke und Steinkreuze

Auf der Gemarkung finden sich viele Steinkreuze und Bildstöcke, viele davon aus dem Barock.

Friedhöfe

Der Friedhof von Gissigheim ist von einer Mauer aus der Barockzeit umfasst. In Gissigheim sowie in Königheim befindet sich jeweils ein jüdischer Friedhof.

Hauptartikel: Jüdischer Friedhof Gissigheim
Hauptartikel: Jüdischer Friedhof Königheim
Wirtschaft und Infrastruktur

Königheim ist ein Weinbauort mit ca. 100 Hektar Rebfläche.

Verkehr
Bahn

Seit 1914 war Königheim durch eine Bahnstrecke nach Tauberbischofsheim an das überregionale Schienennetz angebunden. Die Strecke wurde 1968 stillgelegt. Ein geplanter Anschluss von Königheim bis zur Bahnstrecke Walldürn–Hardheim wurde nie fertiggestellt.[21]

Rad- und Wanderwege

Der etwa 180 km lange Jakobsweg Main-Taubertal führt durch Königheim.

Der in Tauberbischofsheim beginnende Odenwald-Madonnen-Weg führt über Königheim, Hardheim, Walldürn, Eberbach und Heidelberg bis nach Speyer.[22]

Bildung

Mit der Kirchbergschule im Hauptort verfügt Königheim über eine Grund- und Hauptschule. Es gibt einen gemeindlichen und drei römisch-katholische Kindergärten.

Energie
Windpark Pülfringen mit 7 Windkraftanlagen vom Typ AN Bonus 1,3 MW / 62 mit 80 m Nabenhöhe, 62 m Rotordurchmesser und 1,3 MW-Leistung (Inbetriebnahme: 2002) [23]
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Wilhelm Weigand (* 1862 in Gissigheim; † 1949), Dichter und Schriftsteller (verliehen 1932 durch die damals noch selbstständige Gemeinde Gissigheim).
Franz Gehrig (* 1915; † 2012 in Königheim), katholischer Priester und Heimatforscher (verliehen 1985).
Söhne und Töchter der Gemeinde
Lorenz Kap(p)ler (* 1765 in Königheim), Pädagogikprofessor an den Universitäten Ingolstadt und Landshut.
Carl Höfer (* 1819 in Brehmen; † 1849), führender Mitkämpfer von Friedrich Hecker in der badischen Revolution 1848/49. Hingerichtet am 16. August 1849.
Gottfried Bauer (* in Gissigheim; † 1849), badischer Revolutionär, am 4. Oktober 1849 in Rastatt erschossen.
Albert Schmitt SJ (* 1871 in Gissigheim; † 1948), Theologieprofessor in Innsbruck.
Johannes Künzig (* 1897 in Pülfringen), Volkskundler und Begründer des Johannes-Künzig-Instituts für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg.
Literatur
Franz Gehrig, Helmut Kappler: Königheim – Alter Marktflecken und Weinort. Eigenverlag der Gemeinde Königheim, (1985).
Franz Gehrig: Gissigheim im Badischen Frankenland. Eigenverlag der Gemeinde Gissigheim, 1969.
Königheim und Filiale Dienstadt Geschichte und kirchliche Bauten. Rita-Verlag und Druckerei, Würzburg (1938).
Franz Gehrig, Otto Haberkorn: 1200 Jahre Pülfringen 788–1988. Eigenverlag der Gemeinde Königheim, (1988)
Doris Bauch: Der Architekt Michael Anton Müller (1689–1722) und die Pfarrkirche in Königheim. Magisterarbeit in Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg (1994).