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Geschichte
Aktie über 500 Gulden der AG Baumwoll-Spinnerei Kolbermoor vom 1. Januar 1862 [3]
Schornstein des ehemaligen Kesselhauses, dort angrenzend sind heute ein Café und eine Kulturhalle untergebracht

Kolbermoor ist eine junge Stadt. Der Ort entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge des Eisenbahnbaues und der daraus folgenden Industrialisierung rund um die Baumwollspinnerei Kolbermoor sowie einem Tonwerk und den industriellen Torfstich. Industrie und Gewerbe prägen die Entwicklung der Stadt bis heute.

Gründung und Entwicklung bis 1945

Die Erschließung des Mangfalltals durch die Eisenbahn war Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt. Am 31. Oktober 1857 wurde die Bahnlinie München – Holzkirchen – Rosenheim – Salzburg als Teil der Maximiliansbahn eröffnet. Sie machte den Weg frei für die Industrialisierung des an Torf und Holz reichen Gebiets, die Mangfall lieferte die nötige Wasserkraft. Am 1. September 1859 wurde der Haltepunkt Kolbermoor eingerichtet; bis dahin fuhren die Züge von Bad Aibling ohne Halt nach Rosenheim durch. 1862 wurde das Bahnhofsgebäude errichtet, das 1899 um zwei Seitenflügel erweitert wurde[4].

Im Jahr 1860 gründete der Ingenieur Theodor Hassler an der Mangfall eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Baumwollspinnerei Kolbermoor“, die im Januar 1863 die Produktion aufnahm. Die neue Industrieansiedlung lockte viele Arbeiter nach Kolbermoor und legte den Grundstein für die Stadtentwicklung.

Ab 27. August 1863 wurde Kolbermoor aus der damaligen Landgemeinde Mietraching ausgegliedert[5] und ein selbständiger Ort mit etwa 400 Einwohnern. Mehrere Vereine musischer, gesellschaftlicher und sportlicher Art entstanden. 1864 gründete die Spinnerei die erste Kolbermoorer Schule. Zur Spinnerei gesellte sich 1875 das Tonwerk nördlich der Bahnlinie. (damals: Presstorfwerk). 1887 wurde Kolbermoor selbständige (katholische) Pfarrei.

Gewaltige Hochwasser der Mangfall richteten 1890, 1899 und 1940 schwere Schäden an Häusern, Brücken und Straßen an.

Während der Novemberrevolution 1919 war Kolbermoor eine starke Bastion der kommunistischen Räterepublik. Als Reichswehr und Freikorps Ende April 1919 wieder auf München vorrückten, mussten die meisten Außenposten der Roten rasch geräumt werden. Dachau wurde am 30. April aufgegeben. Kolbermoor kapitulierte hingegen erst am 3. Mai 1919. Bei den Kämpfen um Kolbermoor kamen auch Geschütze zum Einsatz. Der damalige Bürgermeister der Räte-Regierung von Kolbermoor, Georg Schuhmann, wurde durch Freikorps (Originalzitat eines Zeitzeugen: „dahergelaufene Bauernbuben“) ermordet, obwohl er zur Waffenniederlegung aufgerufen hatte.[6]

Nach Beendigung der Rätezeit war Carl Unsin (SPD) bis 1928 Bürgermeister. Abgelöst wurde er dann von Josef Fleischmann, der als hauptberuflicher Bürgermeister von der konservativen Mehrheit im Gemeinderat gewählt wurde. Fleischmann wurde von der NSDAP als Bürgermeister akzeptiert und konnte bis 1945 im Amt bleiben. Am 19. Februar 1936 wurde Kolbermoor mit damals rund 6000 Einwohnern zum Markt erhoben. Ab 1943 wurden in Kolbermoor ca. 1000 Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Handschuhfabrik Roeckl aus München und die Auer AG stellten Gasmasken her; russische Offiziere mussten für ein BMW-Außenwerk arbeiten. Im Rahmen der Entnazifizierung wurden mehrere Hundert Kolbermoorer vor Spruchkammern belastet. Einer der wenigen überlebenden Juden in Deutschland war Alexander Lion, der sich mehrere Jahre in Kolbermoor versteckt hielt. Lion war Gründer der Pfadfinder in Deutschland und später Ehrenpräsident des Weltpfadfinderverbands.

Nachkriegsgeschichte

Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl Kolbermoors durch die Ansiedlung von Flüchtlingen nochmals sprunghaft an. Kultureinrichtungen und Vereine wurden unter Bürgermeister Staudter neu aufgebaut. Er verstand es, die christlichen und sozialdemokratisch-kommunistischen Parteien zur gemeinsamen Wiederaufbauarbeit in der Gemeinde anzuregen. Die Struktur der Stadt hat sich in den Jahrzehnten geändert. Am 1. Oktober 1951 wurde die bisher zur Gemeinde Pang gehörende Ortschaft „Grubholz“ eingemeindet. Am 1. April 1958 fand das bisher auf Rosenheimer Gebiet liegende Siedlungsgelände „Am Gangsteig“ Anschluss an Kolbermoor.

Besonders zu erwähnen ist die Geschichte von Schlarbhofen, einer Streusiedlung am südwestlichen Stadtrand, benannt nach der Sippe der Schlarb. Sie waren um 1800 aus der Pfalz in die Batschka ausgewandert, flüchteten 1945 auf Umwegen in die damalige Gemeinde Pang. Dort machten sie um 1950 die so genannten „Panger Filze“ urbar.

Am 26. Juni 1963, hundert Jahre nach der Gründung Kolbermoors, konnte die Stadterhebung mit ca. 9.000 Einwohnern gefeiert werden.

Mit der Auflösung des Landkreises Bad Aibling, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, wurde der Ort dem Landkreis Rosenheim zugeschlagen. Durch die Gemeindegebietsreform wurden die Siedlungen Mitterhart, Oberhart und Schlarbhofen der ehemaligen Gemeinde Pang und das Dorf Lohholz der Gemeinde Mietraching am 1. Mai 1978 nach Kolbermoor eingemeindet. Damit wuchs Kolbermoor auf mehr als 10.000 Einwohner.[7]

Bundesweit Schlagzeilen machte Kolbermoor bei der Europawahl 1989, als die rechtspopulistische Partei Die Republikaner 29,1 Prozent der Stimmen erreichte – das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei.

Niedergang der Industrie und Entwicklung bis heute

Die Strumpffabrik Kolbermoor Herbert Meier, die zu Spitzenzeiten 400 Mitarbeiter beschäftigte, stellte 1974 den Betrieb ein.

Das Tonwerk Kolbermoor (Ziegelei, später Betondachplattenwerk und dann Wellplattenfabrikation) schloss 2005 seine Pforten. An gleicher Stelle produziert eine österreichische Firma nun faser-zementgebundene Fassadenplatten, mit denen z.B. das Stadion in Johannesburg (Südafrika) für die Fußball-WM 2010 verkleidet wurde.

1993 stellte die Baumwollspinnerei ihren Betrieb ein. Bis 2006 war das Gelände weitgehend dem Verfall preisgegeben. Inzwischen sind dort Gewerbeflächen mit zahlreichen Geschäften und Einkaufsmärkten sowie Wohngebiete am Fluss entstanden. Einige Gebäude der alten Spinnerei wurden renoviert und erhalten.

Seit 1998 dokumentiert ein Heimatmuseum die Geschichte der Stadt. Die Geschichtswerkstatt Kolbermoor arbeitet die Ortsgeschichte auf wissenschaftlicher Grundlage auf.

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung in Kolbermoor seit 1840

Die Einwohnerzahlen gelten für die Gemeinde in den heutigen Grenzen.[8]

Jahr Einwohner
1840 234
1871 2.061
1900 3.266
1925 5.247
1939 6.295
1950 8.700
1961 9.199
1970 10.662
1980 12.748
1987 13.835
Jahr Einwohner
1990 14.742
1995 16.412
2000 17.301
2001 17.497
2002 17.828
2003 17.878
2004 17.950
2005 17.920
2006 17.802
2007 17.859
Jahr Einwohner
2008 17.868
2009 17.792
2010 17.942
2011 17.799
2012 17.844
2013 18.065
2014 18.187
2015 18.252
2016 18.866

Mit 18.866 Einwohnern (♂:9.312 ♀:9.544, Stand: 1. Januar 2016[9]) ist Kolbermoor genauso groß wie der historisch größere Nachbar Bad Aibling. Die beiden Städte sind die größten im Landkreis Rosenheim. Der Ausländeranteil liegt konstant bei 11,4 %.[10][11] Das für das Alpenvorland sehr milde Klima im Rosenheimer Becken, die Nähe der Berge und die Seen der Region, die Lage am Fluss und die vielen Naherholungsgebiete in der Umgebung dürften den Ausschlag für das Bevölkerungswachstum gegeben haben.

Politik
Stadtrat

Kommunalwahl 2014[12]
Wahlbeteiligung: 40,6 %

 %403020100

33,1 %27,6 %17,9 %16,5 %4,9 %

CSUSPDPWcGrüneREPVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:c Parteifreie Wählervereinigung e.V.

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24 ehrenamtliche Stadträte bilden zusammen mit dem hauptamtlichen Bürgermeister den Stadtrat von Kolbermoor. Nach der Kommunalwahl vom 16. März 2014 setzt er sich folgendermaßen zusammen:[13]

Partei Sitze
CSU 8
SPD 7
Parteifreie Kolbermoor 4
Grüne Liste 4
REP 1

Das neue Rathaus
Bürgermeister

1. Bürgermeister: Peter Kloo, SPD
2. Bürgermeister: Dieter Kannengießer, Parteifreie Kolbermoor
3. Bürgermeisterin: Dagmar Levin-Feltz, SPD

Chronik Bürgermeister

1863–1869: Johann Ritsch
1870–1881: Mathias Stadler
1881–1899: Eduard Angerbauer
1900–1919: Edmund Bergmann
1919–1919: Georg Schumann
1919–1928: Karl Unsin
1928–1945: Josef Fleischmann
1945–1950: Karl Staudter
1950–1960: August Sperber
1960–1978: Adolf Rasp
1978–1984: Erwin Huber (CSU)
1984–1996: Peter Kloo, senior (SPD)
1996–2002: Ludwig Reimeier (CSU)
2002–heute: Peter Kloo, junior (2008 und 2014 wiedergewählt) (SPD)

Wappen

Mit der Entschließung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 16. September 1934 wurde der damaligen Gemeinde Kolbermoor ein Wappen verliehen. Die Beschreibung des Wappens lautet: „In Silber aus einem von zwei schmalen silbernen Querbächen durchzogenen, schwarzen Boden aufwachsend drei grünbeblättert, grüne Schilfrohre mit schwarzen Kolben.“

Städtische Bauprojekte
Renovierung der ehemaligen Baumwollspinnerei
Das renovierte Kesselhaus mit der neuen Zeltdach-Konstruktion neben dem lieblichen Rosengarten
Das renovierte Hauptgebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei Kolbermoor, Frontansicht von Osten
Hauptartikel: Baumwollspinnerei Kolbermoor

Wichtigstes Projekt in Kolbermoor war und ist die Nutzung des ehemaligen Spinnereigeländes westlich der Innenstadt. Das Gelände wurde 2005 von der Firma Quest erworben. Erhaltenswerte Teile der ehemaligen Baumwollspinnerei wurden renoviert, andere abgerissen. Ziel der Neuplanung ist es, ein attraktives Gewerbe- und Wohnzentrum zu entwickeln, das die alte Innenstadt als neuen Mittelpunkt erweitern soll. Ein Bürgerbegehren vom 2. Oktober 2005, das den Erhalt eines Waldstücks hinter dem Gelände gefordert hatte, ist gescheitert.

Hochwasserschutz

Ein weiteres wichtiges Thema in Kolbermoor ist der Hochwasserschutz. Kolbermoor liegt großteils im Hochwassergebiet der Mangfall. Ein Jahrhunderthochwasser würde fast das gesamte Stadtgebiet südlich des Bahndamms überfluten. Am 23. August 2005 blieb das Mangfallgebiet nur knapp von einem größeren Hochwasser verschont. Von daher werden große Anstrengungen unternommen, die Deiche zu ertüchtigen. Die Arbeiten sollten 2012 beendet sein. Die Arbeiten westlich der Stadt im Bereich Aiblingerau wurden 2010 abgeschlossen.

Das Hochwasser der Mangfall im Juni 2013 überschwemmte weite Teile von Kolbermoor Süd-Ost bis nach Rosenheim-Schwaig und Oberwöhr und verursachte schwere Schäden in den bewohnten Gebieten. Daraufhin wurde die oben genannte Deichertüchtigung mit Sondermitteln des Freistaats sofort erheblich verstärkt durch beidseitigen Einbau mehrerer Kilometer Spundwände und durch einen Deichneubau, der 2014 abgeschlossen sein soll. Im Zuge dessen sollen zwei Fußgängerbrücken über die Mangfall und eine Fußgängerbrücke über den Kanal entstehen.

Rathausneubau

Der Stadtrat von Kolbermoor beschloss 2009 den Neubau eines Rathauses mit Stadtbücherei, Bürgerbüro, Volkshochschule, Büroräume, einem Sitzungssaal, einem Trauraum und weiteren Ausstellungsflächen. Der Realisierungswettbewerb, an dem 27 Architekturbüros teilgenommen haben, wurde Mitte Februar 2010 entschieden. Das Preisgericht prämierte das Architekturbüro Behnisch Architekten und beauftragte es mit dem Neubau des Rathauses, das 2013 fertiggestellt und eingeweiht wurde.

Städtepartnerschaft

Seit 2009 besteht eine Städtepartnerschaft mit Stia in Italien.

Sehenswürdigkeiten
Alter Rathausplatz, Marktplatz in der Stadtmitte
Neues Rathaus / Am Rathausplatz 1 / mit Bücherei, Bürgerbüro und Volkshochschule
Altes Rathaus / Marktplatz / Stadtmitte Kolbermoor
Ehemalige Baumwollspinnerei mit Arbeitersiedlung
Katholische Pfarrkirche Heilig Dreifaltigkeit
Schloss Pullach
Kesselhaus und Turbinenhaus im Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei Kolbermoor
Friedrich-Ebert-Straße am Kanal von Kolbermoor / Villen im barockisierenden Heimatstil
König Ludwig Denkmal in der Hasslerstraße
Brunnen am Edmund-Bergmann-Platz
Tonwerkweiher
Spinnereiweiher
Spinnereipark
Arbeitersiedlung in der Carl-Jordan-Straße / Hundertmeterbau
Rosengarten am Kesselhaus
Baudenkmäler

In der Liste der Baudenkmäler in Kolbermoor sind die Baudenkmäler der oberbayerischen Stadt Kolbermoor und ihrer Ortsteile aufgelistet.

Hauptartikel: Liste der Baudenkmäler in Kolbermoor
Baumwollspinnerei Kolbermoor

Die Baumwollspinnerei Kolbermoor war ein Industrieunternehmen des Ortes Kolbermoor in Bayern.

Hauptartikel: Baumwollspinnerei Kolbermoor
Altes Rathaus Kolbermoor

Das alte Rathaus der Stadt Kolbermoor in der Rosenheimer Straße 1 wurde 1873 durch den Bader und Chirurg Eduard Angerbauer erbaut, im Volksmund hieß es von Beginn an das „Angerbauerhaus“.

Hauptartikel: Altes Rathaus Kolbermoor
Fotos

Die Kolbermoorer Stadtsingschule im Alten Rathaus, Stadtmitte

Café in der ehemaligen Baumwollspinnerei Kolbermoor im Kesselhaus

Renovierte historische Fassade in der alten Baumwollspinnerei

Edmund-Bergmann-Platz in der Stadtmitte

Rosenheimer Straße (Aufnahme aus dem Jahr 1951)

Der Rohbau des Hundertmeterbaus in der Carl-Jordan-Straße (erbaut 1919 bis 1922)

Kirche Heilig Dreifaltigkeit – im Hintergrund der Wendelstein

Blick von Kolbermoor Süd auf den Wendelstein

Das renovierte Hauptgebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei mit Kesselhaus

Werkskanal der ehemaligen Baumwollspinnerei, in Richtung Osten

Rosengarten in der ehemaligen Baumwollspinnerei mit Zeltüberdachung

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2009 umgerechnet 13.315.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 3.979.000 €. Nach der amtlichen Statistik aus dem Jahr 2009 gab es im Sektor Land- und Forstwirtschaft 21, im produzierenden Gewerbe 1092, bei Handel, Verkehr und Gastgewerbe 1692, bei Unternehmensdienstleistungen 363 und im Bereich öffentliche und private Dienstleister 890 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 6192. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 7, im Bauhauptgewerbe 20 Betriebe im Jahr 2009. Zudem bestanden 2007 27 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 622 ha.

Gewerbegebiete

Kolbermoor bezeichnet sich selbst als „Einkaufsstadt“. Heute prägen neben den Industriebauten zahlreiche Einkaufsmärkte das Stadtbild. Wegen der Renovierung der alten Spinnereigebäude ist inzwischen ein vielseitiges Angebot von Gewerbebetrieben und Geschäften im Zentrum entstanden. Im Osten ist Kolbermoor inzwischen mit Rosenheim fast zusammengewachsen. Das Industriegelände „Aicherpark“, ein ehemals holzverarbeitendes Gewerbegebiet, verbindet die beiden Städte. Entlang der Staatsstraße, die Kolbermoor und Rosenheim südlich der Mangfall verbindet, werden immer mehr Gewerbeflächen ausgewiesen. Die noch bestehenden Baulücken dürften sich bald schließen. Ein neues Gewerbegebiet östlich des Stadtteils Mitterhart wurde 2007 eröffnet. Auch im Westen von Kolbermoor, Richtung Bad Aibling, haben sich bereits einige Gewerbetreibende und Geschäfte angesiedelt.

Ansässige Unternehmen
Bayernwerk AG Netzcenter Kolbermoor
Lotec GmbH
BayWa AG
Rofa AG, Rosenheimer Förderanlagen
Deutsche Post AG, Briefzentrum 83
R & F Richter und Frenzel
Verkehr
Straßenverkehr
A 8, Ausfahrt 100 Bad Aibling
A 8, Ausfahrt 100b Rosenheim-West
Staatsstraße 2078 A 8 AS München-Perlach – Höhenkirchen – Feldkirchen – (Bad Aibling) – Pang – B 15 (Pfraundorf)

Die Staatsstraße 2078 München – Rosenheim schneidet durch den Süden der Stadt, nördlich der Mangfall fließt der Verkehrsstrom von Rosenheim kommend durch den „Aicherpark“ und den Stadtkern in Richtung Bad Aibling. Mit der im Mai 2007 fertiggestellten Verbindung Panorama-Schwaig besitzt Kolbermoor eine bessere Verbindung zur Anschlussstelle Rosenheim an der Bundesautobahn 8 (A 8), die jedoch auch über die Anschlussstelle Bad Aibling erreichbar ist. Seit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Westtangente Rosenheim im Oktober 2015 ist Kolbermoor nahezu direkt an die A 8 und die A 93 (Inntalautobahn) angebunden. Erst mit der Fertigstellung der Westtangente (erwartet für 2020Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren) wird ein direkter Anschluss zur Bundesstraße 15 in Richtung Wasserburg am Inn hergestellt werden.

Schienenverkehr
Bahnstrecke (München) – Holzkirchen – Rosenheim (Mangfalltalbahn)

Die Stadt Kolbermoor besitzt seit 1859 einen Bahnhof an der Bahnstrecke München – Holzkirchen – Rosenheim. Der Anschluss an die damalige Bayerische Maximiliansbahn brachte für Kolbermoor einen erheblichen Aufschwung. Heute nutzen zahlreiche Pendler und Reisende den Bahnhof. Seit einigen Jahren gibt es Planungen, dass Kolbermoor noch zwei weitere Haltepunkte bekommt, einen im Stadtteil Lohholz, den anderen im Aicherpark an der Grenze zu Rosenheim.

Öffentlicher Personennahverkehr

Die Stadt Kolbermoor wird von vier Buslinien angefahren, die sie mit Rosenheim, Großkarolinenfeld und Bad Aibling im öffentlichen Personennahverkehr verbinden. Seit Mai 2013 ist eine innerstädtische Buslinie in Betrieb, die den Norden und Süden mit der Stadtmitte und den am Stadtrand von Kolbermoor gelegenen Gewerbegebieten verbindet.

Bildung

Die Schulen, insbesondere die Handelsschule Alpenland (seit 1974 in Bad Aibling als Wirtschaftsschule Alpenland), waren für Kolbermoors soziale und kulturelle Entwicklung bedeutend.[14] Dass die zweitgrößte Stadt des Landkreises Rosenheim dennoch weder eine Realschule noch ein Gymnasium hat, ist historisch durch ihre späte Gründung und die konfliktträchtige Ortsgeschichte erklärbar. Kolbermoor galt lange Zeit nicht als attraktiver Schulort. Politiker aller Parteien machen sich deshalb seit Jahren dafür stark, dass Kolbermoor eine überregionale Schule erhält.

Museum

Die Stadt Kolbermoor kaufte 1996 das sanierungsbedürftige ehemalige Postgebäude neben dem Kolbermoorer Bahnhof und beschloss im Februar 1997, das Gebäude im Rahmen der Städtebauförderung zu sanieren und dem Förderverein Heimatmuseum Kolbermoor e. V. für den Betrieb eines Heimatmuseums zu übergeben. Für die Ausstattung des Hauses war der Verein selbst verantwortlich. Nach der Renovierung des Gebäudes wurde das Haus am 10. Oktober 1998 eröffnet. Durch Spenden, Vereinsbeiträge und die Mitwirkung von Vereinen konnten zahlreiche Ausstellungen wie z. B. Tiere im Moor und Torf, Torfgeräte, Baumwollspinnerei Kolbermoor, Tonwerke Kolbermoor und Mitterhart, die Entstehungsgeschichte Kolbermoors und auch eine Gedenkausstellung für König Ludwig II. geschaffen werden.

Das Heimat- und Industriemuseum wurde von dem Gründer und Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Heimatmuseum Kolbermoor e. V., Horst Rivier, geschaffen. Seit der Vereinsgründung am 1. April 1987 wurden mit viel Liebe zum Detail Exponate angesammelt. Mit Hilfe von Zeitzeugen konnten geschichtliche Einzelheiten dokumentiert werden. Der Kulturpreisträger Horst Rivier hat in vier Heimatbüchern die kurze, ereignisreiche Geschichte der Stadt Kolbermoor festgehalten.

Weitere Einrichtungen
Kindergärten: 550 Kindergartenplätze (Stand Feb. 2012)
Grundschulen: Mangfallschule Kolbermoor (Rainerstraße) und Adolf-Rasp-Schule
Pauline-Thoma-Mittelschule; 2004 mit Ganztagesbereich als Modellschule in Bayern und eine der größten und teuersten Hauptschulen des Landes fertiggestellt;
Volkshochschule Kolbermoor (seit 2012 im neuen Rathaus)[15]
Akademie der Bildenden Künste an der Alten Spinnerei
Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor[16]
Sport

Der SV DJK Kolbermoor spielt in der 1. Tischtennis Bundesliga der Damen.

Öffentliche Einrichtungen
Rathaus mit Stadtbücherei am Rathausplatz 1
Freibad an der Obere Mangfallstrasse 10a
Jugendtreff Kolbermoor in der Friedrich-Ebert-Str. 14a
Bürgertreff in der Carl-Jordan-Str. 6b
Freiwillige Feuerwehr Kolbermoor e.V. in der Hasslerstraße 4 und Freiwillige Feuerwehr Pullach in der Pullacher Au 1
Besondere Ereignisse und Begebenheiten
Schmiedestadt

Kolbermoor ist Mitglied im Ring der Europäischen Schmiedestädte, der sich zum Ziel gesetzt hat, die regionale Vielfalt des Schmiedehandwerks und der Metallgestaltung in der globalen Einheit Europas auf allen Ebenen zu fördern.

Alle zwei Jahre findet in Kolbermoor ein Treffen (Biennale) der Schmiede und Metallgestalter statt.

Bayerischer Gemeindetag

Am 25. Februar 1912 wurde in Kolbermoor der Verband der Landgemeinden des Königreichs Bayern gegründet, aus dem der heutige Bayerische Gemeindetag hervorgegangen ist. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Kolbermoor, Edmund Bergmann, versammelten sich die Vertreter der 56 Gemeinden im Sieber’sche Gasthaus (heute Stadlerbräu).[17]

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Kolbermoor
Söhne und Töchter der Stadt
Josef Straßberger (1894–1950), Gewichtheber, Olympiasieger 1928, Europameister
Ewald Thunig (1897–1991), Häftling im KZ Dachau, Staatssekretär im Bayer. Landwirtschaftsministerium im Kabinett Hoegner
Helmut Dirnaichner (* 1942), Maler und bildender Künstler, zahlreiche Preise und Auszeichnungen; lebt heute in München, Mailand und Apulien
Dieter Hoffmann (* 1944), Theologe, Religionspsychologe, Tersteegen-kenner und Pflege-Ethik-Forscher, Dozent; wohnhaft in Schweden
Erich Doll (* 1948), Musiker und Gründungsmitglied der Musikgruppe Truck Stop
Paul Breitner (* 1951), Fußballnationalspieler
Andreas Legath (* 1961), Maler und Bühnenbildner
Max Rauffer (* 1972), Skirennfahrer
Manuel Kofler (* 1980), Eishockeyspieler
Hansi Seestaller (* 1982), Squashspieler
Bastian Schweinsteiger (* 1984), Fußballweltmeister und ehemaliger Nationalspieler
Weitere Persönlichkeiten
Karl Gilg (1901–1981), internationaler Schachmeister (FIDE); starb in Kolbermoor
Hans Ernst (1904–1984), Heimatschriftsteller, Ehrenbürger; wirkte und starb in Kolbermoor
Johannes Beyreuther (1921–2010), Musiklehrer und Erfinder; betrieb in Kolbermoor eine Musikschule
Rupert Fegg (* 1948), Direktor der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor
Daniela Ludwig, geb. Raab (* 1975), Politikerin (CSU), MdB;[18] wuchs in Kolbermoor auf und lebt heute dort
Literatur
Jahrbücher zur Geschichte Kolbermoors. Band 1 (2002), Band 2 (2004) und Band 3 (2008).
Veronika Diem: Fremdarbeit in Oberbayern. Studien zur Geschichte der Zwangsarbeit am Beispiel Kolbermoor und Rosenheim. 1939 bis 1945. 2005, DNB 995434751.
Klaus Weber: Kolbermoor – Geschichte und Bilder einer Stadt. 2007, DNB 1002055857.
Klaus Weber (Hrsg.): Neue Wasserkraftanlage Kolbermoor 1904/1905. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Herausgeber aller 6 Bücher: Geschichtswerkstatt Kolbermoor
Horst Rivier (Hrsg.): Heimat Kolbermoor. Band 1 bis 4, Verlag A. Erdl, Trostberg/Alz.
Christa Landgrebe: Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im südostbayerischen Raum. Eine Fallstudie am Beispiel Kolbermoor. C.H. Beck Verlag, München 1980, ISBN 3-406-10813-X.
Karl Staudter: Bewegte Jahre. Erinnerungen an meine Zeit als Bürgermeister von Kolbermoor. 2 Bände, 1997.
Weblinks
 Commons: Kolbermoor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Heimatmuseum der Stadt Kolbermoor
Zur Geschichte Kolbermoors und der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit auf erzbistum-muenchen.de
Eintrag zum Wappen von Kolbermoor in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Kolbermoor: Amtliche Statistik des LfStat