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Geschichte
Jubiläumslogo „75 Jahre Kressbronn“
Logo für die Teilnahme am Wettbewerb Entente Florale Deutschland
Bis zum 19. Jahrhundert

Eine römische Besiedlung auf Gemeindegebiet ist durch eine Ausgrabung des Archäologen Gerhard Bersu nachgewiesen, der Anfang des 20. Jahrhunderts Reste eines römischen Thermengebäudes bei Betznau freilegte.

Die Alemannen vertrieben um das Jahr 350 n. Chr. die Römer mit Waffengewalt aus dem Land, zerstörten die römischen Besitzungen und gründeten eigene Siedlungen, bis sie um 550 von den Franken unterworfen wurden.

Auch der Name des benachbarten Weilers Kalkähren wird von einigen Forschern aus dem lateinischen „calcaria“ hergeleitet. Die früheste schriftliche Erwähnung mit dem Jahr 799 verzeichnet der Ortsteil Retterschen in einer Urkunde des Klosters St. Gallen. Hemigkofen wird 813 erwähnt.

Ab 1143 übernahmen die Pfalzgrafen von Tübingen, die sich später Montfort nannten, die Herrschaft im Argengau.

1616 kam es zu einer kirchlichen Flurbereinigung mit der Pfarrei Wasserburg; Nonnenhorn, das bis dahin zu Gattnau gehörte, wurde an Wasserburg abgegeben und Berg von Wasserburg nach Gattnau umgepfarrt.

Im Mittelalter gehörte das heutige Gemeindegebiet zum Herrschaftsbereich der Grafen von Montfort, bis diese ihre Güter im späten 18. Jahrhundert an Österreich abtreten mussten. Mit dem Frieden von Pressburg fielen sie 1806 an Bayern und unter Napoléon Bonaparte an Württemberg. 1810 kam Kressbronn mit dem Oberamt Tettnang an Württemberg.

20. und 21. Jahrhundert

Das heutige Kressbronn entstand 1934 mit der Vereinigung der Ämter Hemigkofen und Nonnenbach. Hemigkofen hatte seinen Mittelpunkt um das Gasthaus „Löwen“ und erstreckte sich nördlich der Verbindung Tettnanger Straße–Hauptstraße (bis zum Gasthof „Krone“) und des Nonnenbachs. Südlich davon, um den Gasthof „Engel“ herum, erstreckte sich die Gemeinde Nonnenbach mit ihren Teilorten Tunau, Retterschen, Gohren und Kreßbronn (ursprünglich eine Häusergruppe an der Schiffslände und Bodan-Werft).

Zwischen 1966 und 1969 lud der damalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger Mitglieder seines Kabinetts und der Fraktionen von CDU/CSU und SPD regelmäßig ins Haus „Am Egg“ ein, um aktuelle Fragen der Regierungspolitik zu erörtern. Privat verbrachte der Kanzler hier auch seinen Urlaub. Diese Gespräche bei Kiesinger wurden in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn unter der Bezeichnung „Kressbronner Kreis“ kolportiert.[7] Bei diesen Treffen sollen zum Beispiel die Notstandsgesetze erörtert wie auch die später von Willy Brandt betriebene Ostpolitik vorbereitet worden sein.

Im Jahr 1972 wurde das heutige Strandbad eröffnet, 2001 die neu gestaltete Ortsmitte mit Rathaus, Bücherei und Rathausbrunnen eingeweiht.[7]

2009 feierte die Gemeinde ihr 75-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurden das ganze Jahr über Veranstaltungen rund um das Jubiläum gefeiert. Unter anderem nahm Kressbronn mit dem Motto „Kressbronn blüht auf“ am Wettbewerb Entente Florale Deutschland teil. Die Teilnahme sollte die Bürger auch dazu anhalten, die Wohn- und Lebensqualität in der Seegemeinde zu erhöhen. Prämiert wurde der intensive Einsatz mit der Silbermedaille,[8] die von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner überreicht wurde.

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung

Seit 1871 liegen verlässliche Zahlen der Einwohnerentwicklung für die Gemeinde Kressbronn am Bodensee und ihre Ortsteile vor. Im nebenstehenden Diagramm wird die Gesamtbevölkerung in den Grenzen des heutigen Gemeindegebiets angegeben. Die Zahlen der Jahre 1871 bis 1961 beruhen auf den Ergebnissen der jeweils durchgeführten Volkszählung, ansonsten gelten die Zahlen immer für das Jahresende (Stichtag: 31. Dezember).

Jahr Einwohner
1871 1.749
1880 1.745
1890 1.663
1900 1.871
1910 2.060
1925 2.398
1939 2.943
1950 4.040
1961 5.020
1965 5.500
Datum Einwohner
1970 6.074
1975 6.406
1980 6.522
1985 6.424
1990 7.198
1995 7.105
1996 7.257
1997 7.213
1998 7.295
1999 7.349
Datum Einwohner
2000 7.362
2001 7.502
2002 7.827
2003 7.830
2004 7.935
2005 8.055
2006 8.133
2007 8.020
2008 8.084
2009 8.100
Datum Einwohner
2010 8.159
2011 8.275
2012 8.284
2013 8.305
2014 8.438
2015 8.538

Wie in vielen anderen deutschen Städten und Gemeinden ist der Anteil der weiblichen Bevölkerung seit 1950 infolge der Auswirkungen der beiden Weltkriege – Kressbronn verlor im Ersten Weltkrieg (1914–1918) 77, im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) 253 Männer, eine Frau und einen Jungen[9] – immer größer als derjenige der männlichen Bevölkerung. Diese Differenz ist vom Höchstwert 13,9 Prozent (1966) jedoch inzwischen auf 3,1 Prozent gesunken und damit fast schon wieder ausgeglichen.

Politik
Verwaltungsverband

Kressbronn hat sich mit den Gemeinden Eriskirch und Langenargen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 56,3 % (2009: 54,5 %) erbrachte für den Kressbronner Gemeinderat die folgende Sitzverteilung:[10]

Partei / Liste Stimmenanteil G/V Sitze G/V
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 35,8 % + 0,1 6 − 1
Bürgerliche Wählervereinigung (BWV) 25,6 % − 8,0 5 − 1
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 20,9 % + 2,7 4 + 1
Gemeinschaft Unabhängiger Bürgerinnen und Bürger (GUBB) 9,4 % + 4,5 2 + 1
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne) 8,3 % + 8,3 1 + 1

Bürgermeister

Daniel Enzensperger kam im ersten Wahlgang am 12. Oktober 2014 auf 52 Prozent der gültigen Stimmen. Er wurde mit 26 Jahren jüngster Bürgermeister im Bodenseekreis.

Liste der Amtsträger:

1934–1945: Karl Gotthardt
1945–1954: Egon Grall (1880–?);[11] war bereits von 1913 bis 1934 Bürgermeister von Hemigkofen[12]
1954–1974: Franz Frick (1910–2012)
1974–1990: Kurt Gröschl (* 1945)
1990–2014: Edwin Weiß (* 1949)
seit 2014: Daniel Enzensperger (* 1988 in Tettnang)
Gemeindefinanzen

Das Haushaltsvolumen der Gemeinde Kressbronn umfasste 2011 rund 19,7 Millionen Euro. Der Schuldenstand verringerte sich von 2,532 im Vorjahr auf 2,292 Millionen Euro (276,92 Euro je Einwohner).[13]

Wappen
Kressbronner Gemeindewappen

Das Wappen wurde der Gemeinde Kressbronn 1935 verliehen und zeigt in Silber (Weiß) über zwei schwarzen Kirschzweigen mit je drei schwarzen Kirschen eine dreilatzige rote Fahne mit goldenen (gelben) Fransen und drei goldenen (gelben) Trageringen. Die rote Fahne erinnert daran, dass Kressbronn bis 1780 zur Herrschaft der Grafen zu Montfort gehörte. Die Kirschen stehen stellvertretend für den Obstanbau in Kressbronn.

Siehe auch: Liste der Wappen mit dem Emblem der Pfalzgrafen von Tübingen
Partnerstädte und -gemeinden

Kressbronn pflegt eine Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Maîche im Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie entstand aus einer 1975 vereinbarten Schulpartnerschaft.

Im Juni 2010 wurde zudem eine Städtepartnerschaft mit Biograd na Moru in Kroatien geschlossen.

Seit der Seegfrörne 1963 bestehen Kontakte zur Schulgemeinde Rorschacherberg; diese werden sowohl von der Park-Realschule als auch von der Gemeinde Kressbronn gepflegt. Kressbronner Schülern steht unter anderem das Ferienheim der Rorschacher Schulgemeinde in Tarasp im Engadin für Schullandheimaufenthalte zur Verfügung. Alle fünf Jahre findet ein Gedächtnistreffen statt, abwechselnd in Kressbronn und in Rorschacherberg.

Schulpartnerschaften bestehen außerdem zwischen der Park-Realschule und der Alfred-Hayos-Schule in Budapest in Ungarn und der Diesterweg-Schule in Burgstädt in Sachsen (erste Kontakte unmittelbar nach der Wende).

Seit 1984 werden auch Kontakte nach Polen gepflegt, unter anderem Unterstützung beim Bau eines Gemeindezentrums in Poznan-Winogrady (seit 1984), zur „Bruder-Albert-Stiftung“ in Radwanowice bei Krakau (seit 1989) oder Hilfe in einer Sozialstation zur Betreuung kinderreicher Familien, Arbeitslosen und Rentnern in Krakau/Nowa-Huta (seit 1995).

1973 übernahm die Gemeinde Kressbronn die Patenschaft für das in Eckernförde stationierte U-Boot U 17 der Bundesmarine.

Wirtschaft und Infrastruktur
Werbeschild der ehemaligen „Genossenschaftsbank Hemigkofen-Nonnenbach“

Wichtigster Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft, vor allem Obst-, Wein- und Hopfenanbau. Kressbronn gehört als einzige Weinbaugemeinde am Bodensee dem Anbaugebiet Württembergischer Bodensee an.

Darüber hinaus gibt es einige kleine und mittelständische Betriebe, deren Bedeutung die Gemeinde durch Ausweisung von Gewerbeflächen zu stärken trachtet. Viele Kressbronner arbeiten jedoch in den benachbarten Städten Friedrichshafen, Lindau und Tettnang.

Die Energieversorgung erfolgt durch das Regionalwerk Bodensee.

Tabelle: Anzahl der Übernachtungen (2002–2011)[13]

Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Gästequartiere 142.000 134.000 133.000 133.000 127.000 124.000 130.268 132.511 138.276 142.775
Campingplätze 172.000 192.000 146.500 128.000 111.000 115.000 102.550 114.000 92.225 107.942

Verkehr
Straßenverkehr

Kressbronn liegt an den Bundesstraßen 31 (Freiburg im Breisgau–Sigmarszell) und 467 (Kressbronn-Ravensburg), an der Südroute der Oberschwäbischen Barockstraße und an der Württemberger Weinstraße.

Hauptartikel: Liste der Straßen in Kressbronn am Bodensee
Öffentlicher Nahverkehr

Die Gemeinde gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an und wird sowohl von den Zügen der Bodenseegürtelbahn (Radolfzell–Lindau) als auch den Ausflugsschiffen der Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft angefahren. Der Kressbronner Bahnhof (DB-Bahnhofsnummer: 3412) gehört der 5. Bahnhofskategorie an, das heißt, er ist ein „Nahverkehrssystemhalt“, der überwiegend von Pendlern genutzt wird.

Busverkehr besteht zwischen Kressbronn und Friedrichshafen (Linie 7587), Tettnang/Langenargen (Linie 224) und Hiltensweiler (Linie 235).

Radfahren und Wandern

Am Bahnhof beginnt der Jubiläumsweg Bodenseekreis, ein 111 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises eingerichtet wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Durch Kressbronn verläuft ab der Gießenbrücke ein Teil des Oberschwäbischen Jakobswegs. Von Brochenzell kommend führt er die Pilger über Tettnang, Atlashofen, Gattnau, Arensweiler, Selmnau und Hattnau zur St. Jakobus-Kapelle in Nonnenhorn.

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Kressbronn auch Station des Bodensee-Radwegs, des Radfernwegs D-Route 8 und des Bodensee-Rundwegs.

Bildungseinrichtungen
Parkschule

In Kressbronn gibt es zwei Schulen. Das Bildungszentrum Parkschule vereint eine Grund- und Hauptschule mit einer Realschule (seit 1971) und einer Förderschule. Die Nonnenbachschule ist eine reine Grundschule. Neben zwei kommunalen Kindergärten gibt es auch einen Kindergarten der katholischen Kirchengemeinde und einen Wald- und Naturkindergarten, der von einem privaten Verein betrieben wird. 2011 besuchten 394 Kinder die Kressbronner Kindergärten und 1277 Schüler die Kressbronner Schulen.

Nonnenbachschule

Die schulischen Verhältnisse zum Kriegsende verlangten Ende der 1940er Jahre die Planung und den Neubau eines Schulgebäudes in Kressbronn. Nach der Vergabe der zwei Bauabschnitte erfolgte am 2. November 1951 der erste Spatenstich und am 1. Mai 1953 die Einweihung und Inbetriebnahme der Nonnenbachschule. Die künstlerische Ausgestaltung der neuen Schule übernahm die Bildhauerin und Medailleurin Hilde Broër.[14]

Ihren Namen erhielt die Schule nach dem unterhalb von ihr vorbeifließenden Nonnenbach.

Tabelle: Anzahl der Kinder an Kressbronner Kindergärten und Schulen (1994–2011)[13]

Jahr 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Nonnenbachkindergarten 54 79 76 72 72 79 79 79 79 79 81 75 67 59 61 47 47 71
Parkkindergarten 84 83 107 87 98 85 104 104 119 137 116 108 109 105 94 110 122 134
Kindergarten St. Michael 83 81 81 81 81 81 81 81 81 81 78 78 76 78 78 65 64 69
Waldkindergarten 11 20 23 29 26 22 20 20 20
Nonnenbachschule 214 224 259 263 269 247 244 244 252 286 289 286 296 285 267 257 256 224
Grund-/Hauptschule 311 268 267 272 259 263 262 283 288 311 313 293 274 234 200 220 213 230
Park-Realschule 355 407 450 466 498 517 524 555 529 530 506 459 463 449 460 487 480 499
Förderschule 24 29 37 34 36 42 37 39 39 38 31 43 47 40 42 40 42 41
Jugendmusikschule 350 277 267 261 280 274 269 267 270 276 289 270 262 273 302 287 277 283

Gemeindebücherei

Kressbronn unterhält im Rathaus eine Bücherei, die Ende 2011 (zum Vergleich: 2005) über einen Bestand von 118.947 (15.541) Medieneinheiten verfügte. 35.260 Besucher machten 2011 in 70.450 (61.118) Ausleihen davon Gebrauch.[13]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kressbronn liegt an der Südroute der Oberschwäbischen Barockstraße und an der Württemberger Weinstraße.

Museen
Museum im Schlössle
Kressbronner „Schlössle“

Im idyllischen Schlösslepark mit altem Baumbestand und Konzertmuschel liegt das 1829 erbaute Schlössle. Hier können während der Sommermonate in den renovierten Räumen des Erdgeschosses die Schwimmenden Kunstwerke des einheimischen Bootsbauers und Künstlers Ivan Trtanj besichtigt werden. Ivan Trtanj hat in über dreißig Jahren original- und detailgetreue Prunkschiffe des 18. Jahrhunderts geschaffen. 15 Schiffsmodelle der Ausstellung wurden in mühevoller Detailarbeit nach Originalplänen, die zum Teil aus europäischen Museen und Archiven stammen, gefertigt. Lustschiffe und Prunkbarken der europäischen Königshäuser aus dem Barock und Rokoko zählen zu den Lieblingsmodellen des Künstlers. Neben der legendären Bounty gehören Modelle des Bodensee-Lastschiffs Segner und der Schebecke, einem Dreimastsegler aus dem Mittelmeerraum, zu den Schiffsmodellen. Alle Modelle bieten einen Einblick in das Leben der Schiffsbesatzung und der darauf beförderten Adeligen jener Zeiten.

Im Obergeschoss befindet sich seit Dezember 2006 der Kressbronner Familientreff. Die Gemeinde Kressbronn hat hier in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Bodenseekreises eine familiengerechte Begegnungsstätte geschaffen.

Lände

Im Haus des Gastes in der Lände befinden sich ein Museum, eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen und ein Café.

Ehemaliger Bauern- und Schultheißenhof Hofanlage Milz
Hofanlage Milz

Im Ortsteil Retterschen wird Einblick in Geschichte und Entwicklung der Landwirtschaft gewährt. Am originalen Standort ist hier ein typischer ehemaliger Bauernhof der Region in seltener Vollständigkeit und Ursprünglichkeit erhalten geblieben, welcher im Rahmen von Führungen oder Veranstaltungen des Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz e. V. besichtigt werden kann.

Die Geschichte der Hofanlage lässt sich bis zum Beginn der Gemeindegeschichte um das Jahr 800 zurückverfolgen: Seinerzeit erwarb das Kloster St. Gallen Besitz in Retterschen. Heute geben vier Gebäude aus drei Jahrhunderten eindrucksvoll Einblick in das Leben unserer Vorfahren: Haupthaus (1855/75) mit Wohnräumen und Stallungen, Scheuer (1717), Remise (1803) und Backhaus (1705). Die Wohnräume wurden 1855 vom Schultheißen der damaligen Gemeinde erbaut und mit einer Amtsstube ausgestattet, in der die Gemeindeverwaltung bis 1870 ihren Sitz hatte. Sie wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats September 2005“ ernannt.

Hauptartikel: Hofanlage Milz
Bauwerke
Kirchen und Kapellen

Die römisch-katholische Kirchengemeinde Maria Hilfe der Christen Kressbronn umfasst den Hauptort Kressbronn und die Teilorte Betznau, Tunau und Gohren. 1957 ist Kressbronn von Gattnau abgeteilt und eigenständige Gemeinde geworden. Zur römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Gallus Gattnau gehört der Rest des Gebiets der bürgerlichen Gemeinde Kressbronn mit den Teilorten Gattnau, Berg, Nitzenweiler, Schleinsee, Riedensweiler, Atlashofen, Hüttmannsberg, Poppis, Kümmertsweiler, Arensweiler und Retterschen. Außerdem ist in Kressbronn eine evangelische Kirchengemeinde vorhanden, zudem eine Neuapostolische Kirche.

Pfarrkirche Maria Hilfe der Christen Kressbronn

Die katholische Kirche steht im Zentrum des Ortes und wurde 1936–1937 nach einem Entwurf von Hans Herkommer erbaut.

Pfarrkirche St. Gallus

Diese Kirche wurde erstmals 1788 und in der heutigen Form 1792 im Kressbronner Ortsteil Gattnau erbaut. Die Benennung Gattnau wird von Gottes-Au hergeleitet.[2] Die Existenz einer Kirche ist bereits 1412 belegt. Der Kreuzweg sowie die Bleiglasfenster in der heutigen Kirche wurde im Jahre 1963 vom Vorarlberger Künstler und Restaurator Konrad Honold gestaltet.

Eligiuskapelle und Pfarrkirche

Pfarrkirche und links davor die Eligiuskapelle

St.-Gallus-Kirche in Gattnau

Mariä-Himmelfahrt-Kapelle mit ehemaliger Kaplanei in Schleinsee

Kapelle zum Hl. Sebastian in Betznau

St. Josefs-Kapelle in Tunau

Kapellen aus der Barockzeit
Eligiuskapelle am Rathausplatz

1663 musste die an der Kreuzung zwischen Nonnenbach und Hemigkofen erbaute Kapelle infolge des Dreißigjährigen Kriegs neu geweiht werden. Gegen 1710 konnte sie durch eine Stiftung des Grafen Anton von Montfort und seiner Frau erneuert werden, ehe sie 1748 ihre barocke Gestalt mit einem sechseckigen Zwiebelturm erhielt.
1871 wurde über der Eingangstür ein Säulendach angebaut und in den Jahren 1992–1995 die Bleiverglasung, das Dach und die Außenfassade mit 1780 aufgemalter Sonnenuhr renoviert; seitdem hat die Eligiuskapelle (Eligius, latein „der Auserwählte“, ist der Schutzpatron der Wagner, Schmiede, Metallarbeiter und auch der Pferde) ihr heutiges Aussehen. Seit Mitte der 1950er-Jahre dient die Kapelle als Gedenkstätte für gefallene Soldaten: Im Inneren sind vier Stelen den Opfern des Ersten Weltkriegs sowie zwölf Stelen den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet.

Gefallen an
der Ostfront
Verstorben
im Lazarett
(Ostfront)
Vermisst an
der Ostfront
Gefallen an
der Westfront
Verstorben
im Lazarett
(Westfront)
Vermisst an
der Westfront
Gefallen in
Deutschland
Verstorben
im Lazarett
(Deutschland)
Vermisst in
Deutschland
Verstorben in
Gefangenschaft
zusammen
Erster Weltkrieg – 1914 bis 1918
0 2 45 14 6 8 2 77
Zweiter Weltkrieg – 1939 bis 1945
113  ? 59 31*  ? 1 5  ? 6 19 255

Anmerkung:[15] * inkl. Italien, Afrika und hohe See

Mariä-Himmelfahrt-Kapelle im Ortsteil Schleinsee

Die Kapelle zur Hl. Maria wurde nach Grundsteinlegung am 18. Juli 1737 in nur 100 Tagen erbaut. Gestiftet wurde sie zusammen mit der Kaplanei von Johann Melchior Sauter (gebürtig aus Schleinsee), der damals 51-jährig in Wasserburg als Dekan des Landkapitels Lindau tätig war. Die endgültige Weihe erfolgte durch den Konstanzer Weihbischof Graf Fugger am 7. Juli 1746.
Die Architektur des Kapellengebäudes spiegelt die Formsprache und Thematik des Barock wider. Im Inneren zeigen die Altarbilder, umrahmt von Figuren der Heiligen Johannes von Nepomuk und Franz Xaver, eine Himmelfahrt im Chor und an den Seitenaltären die Anbetung der Könige sowie die Heilige Familie.
In den Blickpunkt gelangt die Kapelle alljährlich am 15. August: Dann wird dort zu Mariä Aufnahme in den Himmel das Patrozinium gefeiert.

Sebastianskapelle im Ortsteil Betznau

Die Sebastianskapelle wurde im Jahr 1600 vom Grafen Johann III. von Montfort gestiftet. An der alten Landstraße von Lindau nach Tettnang fand sie ihren Platz. Die über dem Eingangsportal angebrachte Jahreszahl 1696 weist auf eine Erweiterung (Turmanbau) und Renovierung hin.
Die Innenausstattung des einschiffigen Rechteckbaus mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor fällt eher schlicht aus; das mag damit zusammenhängen, dass die Kapelle immer wieder Ziel von Kunsträubern war. Ein Blickfang ist das Deckengemälde mit der heiligen Familie (H. Siebenrock, 1906) und das Glasfensterbild in der Chormitte.
Im Turm hängen zwei Glocken: Die Wetterglocke ist der Heiligen Dreifaltigkeit, die zweite, 1617 gegossene, den Heiligen Sebastian (= der Erhabene) und Philippus geweiht.
Großen Zulauf hat die heilige Messe am Sebastianstag (20. Januar).

St. Josefs-Kapelle im Ortsteil Tunau

Graf Hugo von Montfort war der Auftraggeber zum Bau der Tunauer Kapelle. Sie wurde zu Ehren an die Heiligen Josef und Joachim am 17. Oktober 1659 geweiht. Am 15. Dezember 1716 wurde die St.-Josephsbruderschaft errichtet und mit der Aufbewahrung des Allerheiligsten in dem Gotteshaus begonnen. Zwölf Jahre später kam als Stiftung der Gräfin Maria Anna Leopoldine von Montfort (geborene von Thun) ein Kaplaneihaus hinzu. An der Decke ist ein Gemälde, das den Tod des Heiligen Josef darstellt, zu bewundern. Lange Zeit waren Kapelle und Kaplanei zur Kirchengemeinde St. Martin in Langenargen gehörig, doch 1957 kamen sie zu der Kressbronner Kirchengemeinde St. Maria – Hilfe der Christen. 1974 wurde die Josefkapelle renoviert. Neben den Figuren des Patrons der Kapelle und einer Muttergottes-Figur kann man seitdem auch eine Marien- und eine Johannes-Figur sehen.

Kressbronner Kirchenweg

Der ungefähr 17,5 Kilometer lange Kressbronner Kirchenweg führt Wanderer und Radfahrer am Rathausplatz startend zu allen oben beschriebenen Kirchen und Kapellen. Ein Abstecher zur Antoniuskapelle, beim Wasserburger Ortsteil Selmnau gelegen, verlängert die Strecke um rund 2,3 Kilometer.

Kressbronner Bibelweg

Der im September 2010 eingeweihte „Kressbronner Bibelweg“ führt über zwölf Stationen hinaus in die Natur und lädt zu innerer Einkehr ein. Der zehn Kilometer lange Rundweg verläuft vom Ottenberg in das Nonnenbachtal bei der Obermühle, auf den Nunzenberg, an die Nonnenbachschule, die katholische Pfarrkirche, den Bahnhof, danach in den Schlösslepark, an das Seeufer, in das alte Gemeindebad, die Wegekreuzung am Grenzweg und über das Bahnwegle hinauf zur evangelischen Kirche.

Sonstiges
Bauernpfad

Zum zehnjährigen Jubiläum der Initiative Jahr des Bauern wurde der ehemalige Obst- und Weinlehrpfad am 16. Juni 2007 nach monatelanger Arbeit, Neukonzeption, Umgestaltung und Erweiterung zusammen mit den einheimischen Landwirten und Landfrauen von der Gemeinde als Bauernpfad eröffnet. Auf einem rund 2,5 Kilometer langen Rundweg zwischen den Ortsteilen Berg (dort Parkplatz) und Atlashofen erfährt der Besucher auf Informationstafeln viel Wissenswertes zu den Themen Landschaft, Wein, Obst, Hopfen, Wald sowie Milch- und Viehwirtschaft.

Abgerundet wird das Angebot durch Spielgeräte, eine Duftbox und einen Hopfen-Kletterturm für die jüngeren Besucher.

Burg Gießen

Das wehrhafte mittelalterliche Wasserschloss stammt in der heutigen Gestalt aus dem Jahr 1482. Die Burg liegt an der Argen nördlich von Kressbronn und ist in Privatbesitz.

Hauptartikel: Burg Gießen
Kabelhängebrücke

Diese Brücke überspannt die Argen zwischen Kressbronn und Langenargen.
Sie ist eine von 1896 bis 1897 unter König Wilhelm II. durch Karl von Leibbrand erbaute Kabelhängebrücke.

Hauptartikel: Hängebrücke über die Argen
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Kressbronn am Bodensee
Maislabyrinth

Von Ende Juli bis Ende September hat am Weg zwischen den Ortsteilen Atlashofen und Nitzenweiler das Maislabyrinth täglich geöffnet. Neben einem jährlich wechselnden Motiv innerhalb des Maisfeldes werden Erfrischungen, Biergarnituren und Grillmöglichkeiten angeboten; der Unterhaltung dienen Hüpfburg, Trampolin, Maisbadewanne, Wasserspritzen, Tretfahrzeuge, Rollenrutsche, Schaukel, Haustiergehege, Maistelefon und ein Karussell.

Zusätzlich werden mehrmals im Jahr „Mondschein- oder Neumondwanderungen“ durch das Maislabyrinth angeboten: Dann gilt es für die Besucher, die versteckten Stempel und vor allem den Ausgang im Schein von Fackel oder Taschenlampe zu finden.

Seegarten

Direkt am Landungssteg bei der Schiffsanlegestelle der Weißen Flotte liegt das als Treffpunkt mit Bademöglichkeit beliebte Areal Seegarten, das ehemalige Hotel-Schiff-Gelände, eine offene Grünanlage mit altem Baumbestand, die freien Blick erlaubt über die Kressbronner Bucht hinüber zum Säntis.

Yachthafen

In der Nähe des Ortsteils Gohren befindet sich die Marina Ultramarin, mit knapp 1500 Liegeplätzen Deutschlands zweitgrößter Yachthafen und der größte am Bodensee.

Bauernpfad

Burg Gießen

Kabelhängebrücke

Maislabyrinth

Seegarten

Yachthafen

Blick vom Bodensee auf Kressbronn

Sport

In Kressbronn gibt es für die sportliche Betätigung ein großes Angebot unterschiedlicher Vereine. Die größten sind der TV Kressbronn (unter anderem Volleyball, Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Rad- und Skisport) und der SV Kressbronn (Fußball). Das Angebot wird ergänzt durch den Angelsport-, den Tauchsport-, den Pferdesport- und den Schützenverein sowie den Tennisclub, die Segler und den Motor-Yacht-Club Obersee.

Zu den bekanntesten und größten Sportveranstaltungen in Kressbronn gehört der regelmäßig im September stattfindende internationale Bodensee-Marathon mit bis zu 1100 Teilnehmern.

Während der fünften Etappe der Deutschland Tour 2005 von Sölden im Ötztal nach Friedrichshafen war in Kressbronn eine Prämien-Sprintwertung ausgelobt.

Der Führende: Christian Moreni

Die Verfolger: Jens Voigt, Johann Tschopp, Alessandro Bertolini, Dario David Cioni und Carlos Barredo (von links)

Das Hauptfeld

Regelmäßige Veranstaltungen

In Kressbronn beginnt das Veranstaltungsjahr mit dem Neujahrstrunk, einem Empfang des Bürgermeisters im Rathaus im Laufe des Januars. Diesem folgen die Fasnetsfeierlichkeiten (unter anderem der Kinderball, der Huper- und Trommlerball und ein Narrenumzug durch die Gemeinde) der Kressbronner Narrenvereine, im Frühjahr werden Blüten- und Pfingstfest gefeiert. In den Sommermonaten finden die „Kinderspielstadt Bad Kresselnau“, das Strandbadfest „Platsch“ und die „Kressbronner Wandertage“ statt.

Mitte September, einen Tag nach dem Bodensee-Marathon, veranstaltet die Gemeinde den Kressbronner Herbst. Es folgen noch der Neubürger-Empfang und Ende November ein beschaulicher Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz.

Persönlichkeiten

Folgende Persönlichkeiten sind in Kressbronn geboren oder haben hier gelebt:

Andreas Brugger (1737–1812); Maler des Rokoko und Klassizismus; in Kressbronn geboren
Hans von und zu Aufseß (1801–1872); Altertumsforscher und Gründer des „Germanischen Museums“; wohnte in Kressbronn
Franz Innozenz Nachbaur (1830–1903); Hofkammersänger; in Kressbronn geboren
Gebhard Braun (1843–1911); Kaufmann und Mitglied des Deutschen Reichstags; in Retterschen geboren
Berthold Müller-Oerlinghausen (1893–1979); Bildhauer
Hilde Broër (1904–1987); Bildhauerin und Medailleurin; Namenspatronin des seit 2005 jährlich verliehenen „Hilde-Broër-Preises“
Marta Hoepffner (1912–2000); Fotografin; Namenspatronin des seit 2002 verliehenen „Marta Hoepffner Preises für Fotografie“; lebte seit 1971 in Kressbronn
Bruno Müller-Oerlinghausen (* 1936); Psychopharmakologe
Elmar Kuhn (* 1944); ehemaliger Kreisarchivar und Leiter des Kulturamtes im Landratsamt Bodenseekreis, ehemaliger Vorsitzender der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur
Ivan Trtanj (* 1945); Handwerker mit außerordentlichem kunsthandwerklichem Können; wohnt in Kressbronn
Nicolas Becker (* 1946); Jurist und Strafverteidiger; in Kressbronn geboren
Thomas Haffa (* 1952); Medienunternehmer; in Kressbronn geboren

Hans von Aufseß

Franz Innozenz Nachbaur

Ivan Trtanj

Thomas Haffa

Ehrenbürger
Emily Müller-Oerlinghausen (1901–1992); ausgezeichnet für ihre Verdienste um die Kressbronner Kulturarbeit
Otto Kempf (1907–1973)
Franz Frick (1910–2012);[16] ehemaliger Bürgermeister
Egon Grall (1880–?); ehemaliger Bürgermeister
Gerhard Schaugg (* 1936); ausgezeichnet am 23. Oktober 2009 für seine Verdienste um die Kressbronner Kulturarbeit
Peter Keller (* 1941); ausgezeichnet am 23. Oktober 2009 für seine Verdienste um die Kressbronner Kulturarbeit
Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
Arno Baur (1930–2008); ausgezeichnet für 16 Jahre Arbeit in der Polenhilfe (18. Juli 2000)
Ernst Bernhard (* 1934); ausgezeichnet für seine Verdienste in der Landwirtschaft (18. Februar 2008)
Willi Burth (1904–2001); Kinopionier; ausgezeichnet mit dem Oscar (1989), dem Bundesverdienstkreuz am Bande (10. September 1989) und der Goldenen Leinwand (1998) für seine Neuerungen in der Filmvorführtechnik
Georg Kreisle (1921–1999); ausgezeichnet für seine Verdienste um Volks- und Brauchtum (12. Juni 1986)
Manfred Kretschmer; ausgezeichnet für seine Forschung im Feld der Psychiatriegeschichte (April 2006)
Hans Lang (* 1930); ausgezeichnet am 19. November 2004
Josef Massag (1903–1990); ausgezeichnet für fast 70-jährigen „Einsatz zum Schutze des Lebens und der Umwelt“ (26. September 1989)
Friedrich Pohl (1916–2003); ausgezeichnet am 23. November 1983
Bernhard Schmidt (1933–1996); ausgezeichnet am 23. Mai 1989
Literatur
Willi Denner: Gedenkbuch. Gefallene und Vermißte beider Weltkriege. 1914–1918. 1939–1945. Gemeinde Kressbronn a. B. Hrsg.: Soldatenverein 1825 e. V. Kressbronn a. B. Kling Druck, Kressbronn am Bodensee 1987. 
Weblinks
 Commons: Kressbronn am Bodensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hemigkofen in der Beschreibung des Oberamts Tettnang von 1838 – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Nonnenbach in der Beschreibung des Oberamts Tettnang von 1838 – Quellen und Volltexte
Internetpräsenz der Gemeinde Kressbronn