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Geschichte
Laichingen um 1900
Laichingen, Luftbild, Sept. 2002

Der Name Laichingen soll auf den Alemannenhäuptling Laicho zurückgehen, der hier im 5. Jahrhundert nach Christus eine Siedlung gründete. 1364 bot Kaiser Karl IV. den Einwohnern das Stadtrecht an, diese lehnten jedoch ab, angeblich da sie keine Stadtmauer bauen wollten.

Bis ins Mittelalter reicht die Tradition der Laichinger Leinenweberei zurück. Die kargen Böden auf der Alb gaben nicht mehr her, und so verlegten sich die Bewohner auf den Flachsanbau und auf den Broterwerb durch Handel mit der etwa 25 km entfernten Stadt Ulm. Eines der um 1677 errichtete Weberhäuser stand bis 2002 in Laichingen. Es wurde abgebaut und ist jetzt neu aufgebaut im Freilichtmuseum Beuren zu besichtigen. Noch heute sind viele, jetzt industriell fertigende, Webereibetriebe in Laichingen ansässig.

Früher war im Stadtzentrum Laichingens eine so genannte Hüle. Hülen bestanden aus verwittertem Vulkantuff. In ihnen sammelte sich Wasser und sie bildeten die Grundlage für viele Siedlungen auf der Schwäbischen Alb.
Die Hüle diente als Viehtränke und zu Feuerlöschzwecken. Das Trinkwasser wurde mühsam aus den Tälern herangeschafft. Ab 1871 wurde die Albwasserversorgung geplant und gebaut, an die auch Laichingen angeschlossen wurde. In den 1950er Jahren wurde die Hüle dann zugeschüttet und wich dem heutigen Marktplatz.

Im Jahr 1950 erhielt Laichingen erneut das Stadtrecht.

In den 1970er Jahren wurden einige umliegende Orte eingemeindet. Sie bilden heute die Stadtteile Laichingens.

1987 wurde die so genannte Laichinger Hungerchronik als antijüdische Fälschung entlarvt.

Einwohnerentwicklung

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[2] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 4.571
1. Dezember 1880 ¹ 4.897
1. Dezember 1890 ¹ 4.910
1. Dezember 1900 ¹ 4.822
1. Dezember 1910 ¹ 5.225
16. Juni 1925 ¹ 5.163
16. Juni 1933 ¹ 5.237
17. Mai 1939 ¹ 5.216
13. September 1950 ¹ 6.435
6. Juni 1961 ¹ 7.108
Jahr Einwohner
27. Mai 1970 ¹ 8.057
31. Dezember 1980 8.419
27. Mai 1987 ¹ 8.714
31. Dezember 1990 9.219
31. Dezember 1995 10.083
31. Dezember 2000 10.787
31. Dezember 2005 10.990
31. Dezember 2010 10.867
31. Dezember 2015 11.175

Konfessionen

Laichingen ist überwiegend protestantisch. Neben einer evangelischen Kirche gibt es in Laichingen eine katholische, evangelisch-methodistische und eine neuapostolische Kirche und einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas.

Eingemeindungen
Blick auf Feldstetten.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1972 Suppingen sowie am 1. Januar 1975 Feldstetten und Machtolsheim nach Laichingen eingemeindet.[3]

Historische Wappen der ehemaligen Gemeinden

Feldstetten

Machtolsheim

Suppingen

Politik
Marktplatz in Laichingen

Laichingen ist größte Gemeinde im Gemeindeverwaltungsverband Laichinger Alb mit Merklingen, Nellingen und Westerheim und Heroldstatt, wo auch dessen Sitz ist.

Bürgermeister
1980 bis 1996: Andreas Raab, parteilos bis 1984 danach CDU,
1996 bis 2012: Friedhelm Werner, FWV
seit Dezember 2012: Klaus Kaufmann, parteilos[4]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die erste Amtszeit von Friedhelm Werner endete am 18. Dezember 2004. Am 10. Oktober 2004 wurde er mit 68 % der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Gemeinderat

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 50,5 % (− 4,4) zu folgendem Ergebnis:[5]

Liste Sitze + / −
Bürgerliche Wählervereinigung (BWV) 10 (± 0)
Laichinger Allgemeine Bürgerliste (LAB) 7 (+ 1)
Initiative Gemeinsam Engagiert für Laichingen (IGEL) 5 (± 0)
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 5 (+ 1)

Wegen Überhangmandaten hat der Gemeinderat nach der Wahl 27 Mitglieder (zuvor 25).

Wappen

Das Laichinger Wappen reicht bis ins Jahr 1570 zurück und zeigt ein blaues Schild mit einer gelben Egge.

Städtepartnerschaften
Seit 1986 besteht eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Canton de Ducey.
Seit 1990 werden freundschaftliche Beziehungen zur „Töpferstadt“ Kohren-Sahlis in Sachsen gepflegt.
Seit 1993 bestehen freundschaftliche Beziehungen mit und humanitäre Hilfe für Nesvish in Weißrussland.
Wirtschaft und Infrastruktur

Traditionell sind in Laichingen Weberbetriebe ansässig. Auch die Eisenverarbeitung, insbesondere der Werkzeugbau blühte im 20. Jahrhundert in Laichingen auf.

Die zum Stada-Konzern gehörende Aliud Pharma GmbH hat ihren Sitz in Laichingen.

Laichingen beheimatet das Interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Laichinger Alb (IIG) des Zweckverbandes mit Heroldstatt, Merklingen, Nellingen und Westerheim.

Laichinger Textilindustrie

Die Leinenweberei war ein bedeutender Wirtschaftszweig.[6]
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Folgen des Kriegs in der kleinen Stadt Laichingen, an der Grenze der amerikanischen Besatzungszone, noch sehr zu spüren. Viele der Laichinger Firmen wurden während des Krieges zur Herstellung von kriegsnotwendigen Materialien, wie Fallschirme benutzt oder sogar ganz ausgeräumt um für die Metallindustrie genutzt zu werden.
Doch nach Kriegsende bekamen sechs Laichinger Firmen eine Genehmigung der amerikanischen Militärregierung ihre Produktion wieder aufnehmen zu dürfen.

So wurden viele Webstühle wieder aufgebaut und in Gang gesetzt. Als Laichingen in die Französische Besatzungszone überging, mussten die Textilbetriebe viele ihrer Waren als Reparationszahlungen an die französische Besatzungsregierung abgeben. Mit der Währungsreform füllten sich die Schaufenster und auch Laichinger Textilindustrie konnte davon profitieren. Die Nachfrage an Textilien stieg nach dem Krieg enorm an und vor allem Bettwäsche der Laichinger Leinenweber war nun gefragt. Dies führte zu einem regelrechten Aufschwung dieses Industriezweigs. Im Jahre 1948 waren alle Betriebe in Laichingen vollbeschäftigt und daraufhin folgte 1950 bis 1960 eine Welle von Unternehmensgründungen, da jeder an dem Aufschwung teilhaben wollte. In den nächsten 10 Jahren wurden viele Textilwaren in Laichingen hergestellt. Es kristallisierten sich große und namhafte Firmen, wie etwa Pichler Textilien und Wäschekrone Laichingen heraus.

Verkehr
Bis 1985 hatte Laichingen einen Bahnanschluss

Der ÖPNV wird durch den Donau-Iller-Nahverkehrsverbund gewährleistet. Von 1901 bis 1985 war Laichingen über die Bahnstrecke Amstetten–Laichingen der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) an das Schienennetz angeschlossen. Im Rahmen der im Bau befindlichen Neubaustrecke Wendlingen–Ulm wird die Einrichtung des Bahnhofs Merklingen (Schwäbische Alb) erwogen, an dessen Kosten sich Laichingen finanziell beteiligt.

Laichingen verfügt über einen eigenen Flugplatz, der seit 1964 durch den Flugsportverein Laichingen e. V. betrieben wird.

Der Alb-Neckar-Radweg erreicht Laichingen als Fernradweg. Er führt von Ulm nach Heilbronn.

Von Norden nach Süden durchläuft der Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg als Hauptwanderweg 7 die Ortsmitte von Laichingen. Dieser Fernwanderweg führt vom Remstal zum Bodensee und wird vom Schwäbischen Albverein betreut.

Tourismus

Auf der Gemarkung des Teilortes Machtolsheim befindet sich der Campingplatz Heidehof, der mit 1050 Stellplätzen auf einer Fläche von 25 ha zu den größten Deutschlands zählt.

Medien

In Laichingen befindet sich eine Lokalredaktion der Schwäbischen Zeitung.

Bildung

In Laichingen, Feldstetten und Machtolsheim gibt es Grundschulen. Der Hauptort Laichingen ist zudem Schulzentrum mit folgenden Schulen:

Erich-Kästner-Schule, Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule
Anne-Frank-Realschule
Albert-Schweitzer-Gymnasium
Martinschule (Förderschule)
Außenstelle der Kaufmännischen Schule Ehingen
Außenstelle der Gewerblichen Schule Ehingen

Die Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen e. V. hat ihren Sitz in Laichingen.

Energie
400 kV/110 kV-Umspannwerk Laichingen

Laichingen ist Standort eines 400 kV/110 kV-Umspannwerks, welches in kompakter SF6-Technologie ausgeführt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Laichinger Tiefenhöhle

Bekannt ist Laichingen auch durch die Laichinger Tiefenhöhle, die einzige zur Schauhöhle ausgebaute Schachthöhle in Deutschland, die eine begehbare Tiefe von 55 m aufweist. Die Höhle liegt etwa 1 km südlich von Laichingen. Sie wurde 1892 von dem Sandgräber Johann Georg Mack zufällig entdeckt.

Museen
Heimat- und Webereimuseum Laichingen[7] (in einem Gebäude der Kirchenburg)
Höhlenkundliches Museum (bei der Tiefenhöhle)
Bauwerke
St.-Albans-Kirche (Kirchenburg)
Liebfrauenkirche Machtolsheim, in ihrer heutigen Gestalt 1488 erbaut und im 18. Jahrhundert barockisiert
Wasserturm Machtolsheim
Im historischen Alten Rathaus in der Stadtmitte finden Trauungen, kulturelle Veranstaltungen und Sitzungen des Gemeinderates statt.
Die ehemalige Mühle auf dem Bleichberg war von 1902 bis 1972 in Betrieb. Ursprünglich sollte die auf der 774 Meter über dem Meeresspiegel an exponierter Stelle gebaute Anlage als Windmühle laufen und zusätzlich Strom erzeugen. Norddeutsche Ingenieure hatten ein Windrad mit 82 Schaufeln und 12 Meter Durchmesser konstruiert. Das Windrad wurde in Holstein gebaut und war einige Zeit in Laichingen hinter dem markanten Backsteingebäude in Betrieb. Allerdings brachte es nicht immer die geforderten 12 PS, daher wurde bald ein Gasmotor zur Unterstützung eingesetzt. Ein starker Sturm beschädigte das Windrad, es wurde abgebaut.

St. Albans-Kirche (Kirchenburg) in Laichingen

Machtolsheimer Wasserturm

Das Alte Rathaus in Laichingen

Ehemalige Windmühle auf dem Bleichberg

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Jean-Pierre Tizon (1920–2012), französischer Politiker
Söhne und Töchter der Stadt
Heinrich Lang (1858–1919), Hochschullehrer, deutscher Organist, Chorleiter und Komponist
Eugen Eisele (1871–1940), Landtagsabgeordneter von 1906 bis 1918
August Enderle (1887–1959), Politiker, Gewerkschafter und Journalist
Karl Baur (1911–1963), Pilot
Helmut Kreuzer (1927–2004), Germanist und Medienwissenschaftler
Peter Schwenkmezger (* 1946), Präsident der Universität Trier
Werner Strohm (1934–2001), Bauunternehmer, erstellte eine Vielzahl von Gebäuden und prägte das Stadtbild
Jan Plamper (* 1970), deutscher Osteuropahistoriker an der Universität London
Alina Reh (* 1997), Mittel- und Langstreckenläuferin, mehrfache Europameisterin im Nachwuchsbereich
Matea Bošnjak (* 1997), kroatische Fußballnationalspielerin
Regelmäßige Veranstaltungen

Laichingen ist ein so genannter Marktflecken und hatte schon früh das Marktrecht. Die Gemeinde hatte durch ihre zentrale Lage und ihre Bedeutung auf der mittleren Alb das Stadtrecht verliehen bekommen, konnte dieses jedoch nicht annehmen. Das Stadtrecht wäre mit der Pflicht eine Stadtmauer zu bauen verbunden gewesen, und dies war für die arme Albgemeinde nicht machbar. Allerdings erhielten sie dennoch das Marktrecht. Der Pfingstmarkt ist z. B. seit 1788 verbürgt.

Noch heute finden jedes Jahr Märkte statt, die Tausende von Besuchern anlocken. An diesen Tagen ist die Innenstadt von Laichingen vollständig gesperrt und die Straßen mit Marktständen vollgestellt, die typische Marktprodukte verkaufen. Früher war dies eine Gelegenheit alle die Dinge zu kaufen, die nicht selbst produziert werden konnten, und so gibt es Kurzwaren und Messer, Töpfe, Keramik und Gläser, Arbeitskleidung, Unterwäsche, Hüte und Hemden zu kaufen. Für das leibliche Wohl gibt es Magenbrot und gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, türkischer Honig und natürlich gebratene Würste. Daneben gibt es Spielwarenstände, Blumenstände, Obst und Gemüse, seit einigen Jahren auch CDs, indische Tücher oder andere Modeartikel.

Eine traditionelle Marktspeise in Laichingen sind Kutteln. Es gibt sie vorwiegend an Ständen von lokalen Wirtschaften und Metzgereien zu kaufen.

Die Termine sind meist an kirchliche Feiertage gebunden, ändern sich also jährlich. Der Markt beginnt gegen 8 Uhr und endet meist um 17 Uhr. Früher begann der Markt bereits um 5 Uhr mit einem Viehmarkt, doch durch BSE, Schweinepest und andere Krankheiten wurden diese Viehmärkte wiederholt über Jahre ausgesetzt und sind deshalb inzwischen nur noch als Kleintiermärkte erhalten.

Jedes Jahr finden folgende Märkte statt:

Ostermarkt, Ostermontag
Pfingstmarkt, Pfingstmontag
Kirchweihmarkt, Montag nach Kirchweih, dritter Sonntag im Oktober
Andreasmarkt, am Andreastag, dem 30. November. Fällt dieser auf einen Sonntag, dann ist der Markt am Tag darauf, dem 1. Dezember.
Weihnachtsmarkt, Mitte Dezember
Literatur
Hans Medick: Weben und Überleben in Laichingen 1650–1900. Lokalgeschichte als allgemeine Geschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, ISBN 3-525-35443-6.
Weblinks
 Commons: Laichingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Laichingen in der Beschreibung des Oberamts Münsingen von 1825 – Quellen und Volltexte
Internetpräsenz der Stadt Laichingen
Anmerkungen

↑ Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).

↑ Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012

↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 530 und 543. 

↑ http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/Klaus-Kaufmann-Buergermeister-in-Laichingen;art4299,1688649

↑ Südwestpresse online vom 17. September 2014 abgerufen am 13. März 2015

↑ Hans Medick: Weben und Überleben in Laichingen 1650 – 1900: Lokalgeschichte als allgemeine Geschichte, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1996.
Geschichtsverein Laichinger Alb e. V.: Der Leineweber im Blauhemd – Das Laichinger Wirtschaftswunder, Werner Mangold, Geiger-Verlag, 2010.

↑ Weberei- und Heimatmuseum Laichingen

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Diese Seite wurde zuletzt am 17. Dezember 2017 um 11:29 Uhr bearbeitet.
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