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Geschichte
Lassan
Lassan 1761
Name

Der Name der Landschaft –terra Lesane– wurde 1136 in einer Urkunde Kaiser Lothars genannt. Der Name veränderte sich 1168 in Lessan, 1177 in Lessaz und 1295 in Lassan. Das altpolabische Lěšane bedeutet möglicherweise „Bewohner aus dem Wald“.[2] Ähnlich deutet auch Niemeyer: „Waldbewohner“, auch „Waldland“.[3]

Mittelalter

Die ursprüngliche slawische Fischersiedlung mit einer Burg war Mittelpunkt der Landschaft Lesane. Der Ort mit einer Burg wurde 1136 erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1200 legten die Herzöge von Pommern den Ort planmäßig an. Er erhielt zwischen 1264 und 1278 das Stadtrecht und wurde 1291 als civitas und 1299 als oppidum genannt. Durch die günstige Lage am Peenestrom gewannen der Hafen und die Stadt an Bedeutung. Um 1291 wurde auch die Hallenkirche St. Johannis gebaut.

Neuere Geschichte

1664 zerstört ein Stadtbrand den Ort bis auf die Grundmauern. Im Herbst 1837 erkrankten 124 der rund 1400 Bewohner an Cholera; 65 Erkrankte starben während dieser Infektionswelle.[4]

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist in Lassan eine jüdische Gemeinde mit einem Jüdischen Friedhof bekannt. Deren Geschichte endet in den 1940er Jahren, der Friedhof wurde abgeräumt. Seine Fläche ist zwar eingeschränkt erhalten, ist aber von der Stadt weder gekennzeichnet noch wird er überhaupt beachtet.

1896 wurde die Anklam-Lassaner Kleinbahn in Betrieb genommen. Lassan erhielt dadurch eine bessere Anbindung an das Umland.

1929 erhielt der Ort ein Strandbad.

Die Innenstadt mit Kirche, Stadtmauer und Rathaus wurde im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert. 1996 entstand der Wasserwanderrastplatz. Danach wurde der Hafenplatz ausgebaut. Am 7. Juni 2009 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Pulow nach Lassan eingemeindet.

Marktplatz in Lassan 1908 (Zeppelin einmontiert)
Geschichte der Ortsteile
Rathaus von Lassan

Klein Jasedow wurde 1547 erstmals als Jasdow und 1859 mit dem aktuellen Namen Klein Jasedow urkundlich erwähnt. Die Bedeutung der slawischen Ortsgründung ist noch nicht aufgezeigt.[3] Klein Jasedow ist ein Vorwerk zum Gut „Vorwerk“ nördlich von Lassan. Es war ein typisches Gutsdorf, das nur aus dem Gut mit Verwalterhaus und 2 Landarbeiterkaten bestand. Nach 1945 wurde es ein Haufendorf mit Neubauernhöfen und Wohngebäuden.

Papendorf wurde erstmals 1547 genannt,[3] als Jacob von Zitzewitz hier eine Schäferei anlegen ließ. Der Name leitet sich von Pape = Pastor/Priester ab. Da die nächste Kirche in Lassan ist, kann diese Namensdeutung fraglich sein.
Papendorf wurde ein Gutsdorf mit dem Gut und der Landarbeiterkatenzeile. Besitzer waren u.a. Familien von Krassow (ab 1669), von Buggenhagen (nach 1784) und die Barone von Le Fort (Lefort) und Erben (1833–1945). Papendorf war deren Stammgut mit den Pertinenzen (Nebengütern) Pulow und Klein Jasedow.
Seit 1897 hatte Papendorf einen eigenen Anschluss an die Anklam-Lassaner Kleinbahn (ALKB), der wie alle anderen Strecken 1945 als Reparation demontiert wurde.

Pulow wurde erstmals 1291 als Pulowe urkundlich genannt. Es ist eine slawische Gründung ohne Namensdeutung.[3] Der Turmhügel stammt von nach 1230. Das Gut Pulow wechselte mehrfach den Besitzer und war seit 1875 ein Nebengut der Familie der Barone von Le Fort. Das neobarocke Gutshaus entstand um 1900.

→ Siehe auch Hauptartikel: Pulow

Vorwerk wurde 1328 erstmals urkundlich genannt. Es liegt nördlich an Lassan und diente mit den Liegenschaften zur Unterhaltung der Burg Lassan (castrum lesane). Gutsherren waren u.a. die Familien Ramel (13. Jh.), von Köller, von Zitzewitz, von Weißenstein, von Quistorp und von Buggenhagen (1845–1945). Das ruinöse Gutshaus stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Waschow wurde 1320 erstmals als Warsekow und 1658 als Waschow genannt. Der Name wird als Ableitung aus einem Personennamen gedeutet.[3] Bei Waschow befinden sich drei Großsteingräber aus dem Neolithikum (5500 bis 1800 vdZ). Sie gehören aber eigentlich zur Gemarkung Wehrland-Bauer. Das belegt eine frühe Besiedlung des Gebietes.

Waschow war ein Gutsdorf mit dem Gut und der Landarbeiterkatenzeile an der Straße nach Lassan. Von diesem Gut blieb nur ein stillos verändertes Gutshaus übrig.[5] Am Gutshaus ist noch das Wappen des Erbauers sichtbar, es ist das Wappen der Familie von Hackewitz. Der ehemalige Gutspark ist nur noch teilweise vorhanden und verwildert. Das Dorf entwickelte sich nach 1945 zu einem langgestreckten Straßendorf.

Warnekow wurde 1432 erstmals urkundlich genannt. Der slawische Gründungsname ist nicht gedeutet.[3] Es war eine alte Ortschaft und bestand nur aus einigen kleinen landwirtschaftlichen Gehöften. Auf Grund der Abgelegenheit und der schlechten Verkehrsanbindung wurde der Wohnplatz in der Neuzeit aufgegeben. Der Ort war bis in die 1970er Jahre noch bewohnt. Jetzt erinnern nur noch der unbefestigte Weg mit der Baumpflanzung und die völlig verbuschten Obstgärten an den Ort.

Kultur
Stadtkirche St. Johannis zu Lassan
Wassermühle Lassan 1908
Wassermühle Lassan – jetzt Museum

→ Siehe: Liste der Baudenkmale in Lassan

Sehenswürdigkeiten
Die langgestreckte Altstadt von Lassan mit ihrem kleinstädtischen Flair, die landschaftliche Lage am Wasser und die Wälder in der Umgebung sind Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr.
Die gotische Backstein-Stadtkirche St. Johannis aus dem 13./14. Jahrhundert: Im Inneren befinden sich ein Altar und eine Kanzel aus dem 18. Jahrhundert, beide aus der Werkstatt von Elias Keßler. Die Orgel wurde 1832 von Carl August Buchholz gebaut.
Reste der mittelalterlichen Stadtmauer von Lassan
Hölzerne Haustüren in Lassan zeigen eine bemerkenswerte Vielfalt.[6]
Restaurierte Fachwerkhäuser, u. a. Wendenstraße 32, 59, 76 und das Pfarrhaus in Lassan
Die Lassaner Mühle, teilweise aus dem 15. Jahrhundert, sowie die Friedrich-von-Lösewitz-Halle sind museale Einrichtungen, die von der Interessengemeinschaft Heimatgeschichte Lassan e.V. betreut und bewirtschaftet werden. Neben der alten Mühlentechnik werden stadtgeschichtliche Exponate und historische landwirtschaftliche Geräte und Maschinen gezeigt.
Ab 1962 wurden in Lassan gewerblich Pommersche Fischerteppiche geknüpft. Die zuständige PGH Volkskunst an der Ostsee hatte in der Langen Straße ihr Lager sowie ihre Werkstatt und Färberei. Insgesamt waren rund 20 Frauen bis zum Konkurs der PGH 1992 beschäftigt.
Turmhügel Pulow
neobarockes Gutshaus in Pulow um 1900
Pulower See, ein eiszeitlich geprägter Rinnensee mit historischem Grabstein (Baron Körting)
Handweberei, zu besichtigen in der Landwerkstatt Pulow
Duft- und Tastgarten für Sehbehinderte und Blinde, Papendorf
Papendorfer Seen
Gutshaus Papendorf
Gutshaus und Gutspark Waschow
Gutshaus Klein Jasedow (Fachwerkbau)
Klanghaus am See, Klein Jasedow
Moränenlandschaft mit vielen Seen (Toteisstaulandschaft)
Vogelparadies Polder Waschow
in Lassan gedrehte Filme
2004: Die Siedler. Am Arsch der Welt („Ein dokumentarischer Western im Osten“ von Claus Strigel)
2008: Rosenstolz: Gib mir Sonne (Musikvideo)
2010: Pfarrer Braun: Schwein gehabt (Regie: Wolfgang F. Henschel, mit Ottfried Fischer, Sonja Kirchberger, Udo Schenk etc.)
2010: Pfarrer Braun: Kur mit Schatten (Regie: Wolfgang F. Henschel, mit Eleonore Weisgerber, Nicki von Tempelhoff etc.)
2017: Teufelsmoor (Regie: Brigitte Maria Bertele, NORDFILM im Auftrag von NDR und ARD Degeto)
Lassan in der Musik

Der deutsche Liedermacher Wolf Biermann besaß am gegenüberliegenden Ufer ein Sommerhaus und kam gelegentlich nach Lassan. Er komponierte zu Ehren der Stadt das Lied: Die alte Stadt Lassan.[7]

Politik
Bürgermeister und Stadtvertretung

Fred Gransow (CDU) ist der amtierende Bürgermeister der Stadt Lassan.

Wahl zur Stadtvertretung 2014[8][9]
Wahlbeteiligung: 62,5 % (2009: 62,5 %)

 %50403020100

47,5 %15,8 %13,3 %12,1 %6,6 %4,6 %

CDULinkeNPDBLWSPDSonst.
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12-14

+1,2 %p
-13,9 %p+6,1 %p+1,7 %p+0,2 %p+4,6 %p
CDULinkeNPDBLWSPDSonst.Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu langVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Fehler in der Farbeingabe – Dunkel

Die aus formal 12 Abgeordneten bestehende Stadtvertretung setzt sich seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 folgendermaßen zusammen:[10][11]

CDU: 6 Sitze (+1)
LINKE: 2 Sitze (−4)
NPD: 2 Sitze (+1) (Sitz Nr. 2 unbesetzt)
SPD: 1 Sitz (±0)
BLW: 1 Sitz (±0)
Rechtsextremismus

Die Stadt gilt, wie relativ viele Gemeinden im östlichen Vorpommern,[12] als eine Hochburg von Rechtsextremisten und Neonazis.[13][14] So erzielte in Lassan die rechtsradikale NPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2006 einen Zweitstimmenanteil von 21,1 Prozent[15] und bei der Landtagswahl vom September 2011 von 24,6 Prozent[16].
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 erreichte die NPD mit einem Zweitstimmenanteil von 23,1 Prozent in Lassan ihr zweithöchstes Ergebnis im gesamten Bundesland bei dieser Wahl.[17][18][19][20] Die rechtspopulistische AfD kam auf einen Zweitstimmenanteil von 24,0 Prozent.[17][18][19]

Wappen

Das Wappen wurde unter der Nr. 112 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Blau ein silberner Fisch, kreisförmig begleitet oben von drei und unten von vier sechsstrahligen goldenen Sternen.“

Das Wappen wurde 1972 von dem Lassaner Albert Püschel gestaltet und 1996 vom Designbüro Schönherr & Maciejewski aus Anklam neu gezeichnet.

Das historische Wappen ist fassbar im Wappenfries der 24 Gutsherren und 3 Städte des ständischen Kreistages des Landkreises Greifswald im Kreishaus am Markt 10/11.

Wappen der Stadt Lassan im Kreishaus Greifswald
Wirtschaft und Verkehr
Hafen von Lassan 1908
Hafen und Marina Lassan

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war der Fischfang eine wesentliche Einnahmequelle des Ortes. Auf Karten aus dieser Zeit findet sich darum die inzwischen ungebräuchliche Bezeichnung Lassansche Wasser für das Achterwasser. Damals hatte Lassan – einzige Stadt unmittelbar am Achterwasser – die Fischereigerechtigkeit für diese Gewässer inne.[21]

Ein Kleinbahnanschluss von 1896 über die Anklam-Lassaner Kleinbahn, durch den Lassan mit Anklam und Buddenhagen verbunden war, wurde 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs abgebaut.[22] Das ortsansässige Unternehmen Omnibus Pasternak betreibt zwei Regionalbuslinien, die Lassan mit Anklam und Wolgast verbinden. Lassan ist mit Bussen oder mit dem Auto erreichbar.

Der Lassaner Hafen hat für die Stadt eine große Bedeutung. Der Wasserwanderrastplatz hat 42 Liegeplätze. Angrenzend liegt der kleine Fischereihafen.
Neben der Lassaner Bäckerei & Konditorei e.G. und der Mosterei Nowack besitzt die Kleinstadt einige kleinere Handwerksbetriebe und Verkaufseinrichtungen sowie zwei Campingplätze.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Bernt Notke (~1435–~1509), spätgotischer Bildhauer, der in Lübeck, Stockholm und Tallinn wirkte
Alexander Caroc (1643–1711), Rechtsgelehrter, Landsyndikus von Schwedisch-Pommern
Balzer Peter Vahl (1718–1792), Kaufmann, Bürgermeister von Greifswald
Ernst von Quistorp (1784–1831), preußischer Offizier
August von Quistorp (1786–1849), preußischer Offizier
Johann Dettloff Prochnow (1814–1888), Pfarrer und Missionar der Goßner-Mission
Wernher von Quistorp (1856–1908), Gutsbesitzer und preußischer Politiker
Theodor Bartus (1858–1941), Seemann, Museumstechniker und Asienforscher
Alfred Roloff (1879–1951), Maler, Grafiker und Illustrator
Otto Roloff (1882–1972), Maler, Bruder von Alfred Roloff
Persönlichkeiten, die hier wirkten
Johann Joachim Spalding (1714–1804), Pastor in Lassan von 1749 bis 1757
Zitate
„In Lassan werden die Tore mit einer Rübe statt mit einem Schlosse zugemacht.“ [23]
„An der Peene liebem Rande, / auf bekannter Jugendbahn / folgt‘ ich fort und fort dem Strande, / und so kam ich nach Lassan.“ (1. Strophe des Gedichts von Karl Lappe: An Lassan, 1838)
„Am Peenestrom, am Peenestrom / Da liegt ein Wrack aus Holz und Stein / Seit fünf mal hundert gleichen Jahrn / die alte Stadt Lassan.“ (Wolf Biermann: Ballade von der alten Stadt Lassan, 1974)
Literatur
Albert Georg von Schwarz: Diplomatische Geschichte der Pommersch-Rügischen Städte Schwedischer Hoheit. Kapitel: Vom Ursprung der Stadt Lassahn. Hieronymus Johann Struck, Greifswald 1755, S. 445–451. (Volltext online)
Die Cholera des Herbstes 1837 in Lassan. Aus einem amtlichen Berichte von Dr. Anderssen, praktischem Arzte daselbst, in: Dr. Johann Nep. Rust (Hg.): Magazin für die gesammte Heilkunde mit besonderer Rücksicht auf das allgemeine Sanitäts-Wesen im Königl. Preuss. Staate, Drittes Heft, Kapitel XIII, Verlag G. Reimer, Berlin 1839, S. 499–521. (Volltext online)
Karl Viohl: Geschichte der Stadt Lassan von ihren ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den Werken pommerscher Geschichtsschreiber und den städtischen Akten, Berlin 1862, 152 Seiten. (Bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinausreichende Stadtchronik mit Quellenangaben.) (Volltext online)
Die Stadt Lassan. in: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen (bearbeitet von Heinrich Berghaus), IV. Teils Band II, Anklam 1868, S. 858–931. (Stadtchronik mit statistischen Angaben aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit einem Urkunden-Anhang.) (Volltext online)
Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden, Berlin 1965, S. 243–246. (Volltext online)
Interessengemeinschaft im Kulturbund: „Kurze Heimatgeschichte Lassan“, 1983.
Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, S. 79, 101, 139, 141; ISBN 3-86006-149-6.
Weblinks
 Commons: Lassan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Lassan in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Literatur über Lassan in der Landesbibliographie MV
Lassan — Stadt am Peenestrom: www.lassan.eu
Lassaner-Winkel: www.lassaner-winkel.de
Lassaner Winkel: www.lassaner-winkel.info
Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Lassan im SIS-Online. Statistisches Informationssystem.