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Geschichte

Erstmals wurde die Gemeinde im Jahr 1248 urkundlich erwähnt. Zu früheren Zeiten trug der Ort den Namen Löwenförde, Leonis forda, Lauenfurth und wurde in späteren Zeiten, um eine Abgrenzung zum südniedersächsischen Flecken Lauenförde vorzunehmen, in Lemförde umbenannt.

Die erste Siedlung gehörte vermutlich zur Minden-Osnabrückschen Burg Sturenberg, die südlich des heutigen Lemförder Amtshofes gelegen haben soll. Im Zuge der Ausdehnung ihrer Herrschaft nach Süden, bauten die Grafen von Diepholz im Jahre 1316 hier eine gegen das Bistum Minden gerichtete neue Burg, mit der sie den Zugang zur Herrschaft Diepholz aus Richtung Osnabrück kontrollieren konnten. 2016 ließ sich ein Vorgängerbau der Burg archäologisch nachweisen. Dieser wurde noch Anfang des 14. Jahrhunderts nach Süden erweitert, wozu man den Graben verfüllte und bis zu 1,8 m Lehm aufbrachte; die Burg wurde von einer etwa 1,5 m dicken Mauer geschützt, die 2 m aufragte, was in dem ebenen Gelände offenbar genügte. 22 größere Eichenpfosten trugen wohl ein größeres Gebäude. Möglicherweise ist diese Burg die 1248 nur als „Stu…erg“ unvollständig überlieferte Burg.[2]

Während der dauernden Fehde zwischen dem Bistum Minden und der Herrschaft Diepholz im 15. bis 16. Jahrhundert unterstellt Diepholz seinen Besitz dem Kaiser und empfängt die Herrschaft als Lehen zurück. Mit dieser Reichsunmittelbarkeit beanspruchten die Diepholzer ab 1521 den Grafentitel – ab 1530 führten sie ihn. Ihr Amtssitz ist bereits ab 1529 die Burg Lemförde; das Amt Lemförde unterteilt sich in die Vogtei Marl und die Vogtei am Berge.

Um erreichten Besitz zu sichern, bedarf es guter Verkehrsverbindungen: So bauten die Edlen von Diepholz das Teilstück des Weges von Osnabrück nach Bremen von ihrer Sicherungsbastion Lemförde im Süden bis nach Diepholz aus: Es war der Vorläufer der heutigen B 51. Damit war außerdem noch eine weitere  Einnahmequelle verbunden, denn die Strecke über den Moorpass zwischen Stemweder Berg und Ochsenmoor war die kürzeste Verbindung von Osnabrück nach Bremen, und wer diese benutzen wollte, musste Wegegeld zahlen.

1629 wurde mit dem Vertrag von Nienburg der jahrhundertealte Streit zwischen dem Bistum Minden und der Grafschaft Diepholz um die Besitzansprüche am Stemweder Berg beendet: Auf dem Kamm des Stemweder Berges verlief fortan die Grenze zwischen diesen Herrschaftsgebieten – und diese Grenze hatte Bestand: Sie trennt heute den Landkreis Minden-Lübbecke vom Landkreis Diepholz und damit auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Nach dem Aussterben der Diepholzer Grafen fiel die Grafschaft Diepholz einschließlich Lemförde 1585 an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Vom Dreißigjährigen Krieg schwer gezeichnet – die Burg wurde 1642 endgültig zerstört[3] – legte eine Feuersbrunst am 15. März 1655 die Kirche, das Pfarrhaus und zahlreiche Bürgerhäuser in Asche.[4] Durch die Hilfe Herzog Christian-Ludwigs von Braunschweig sowie einiger Bürger und dem Landdrosten zu Diepholz Adolph Friedrich Wolzan wurde der neue Kirchenbau in den folgenden vier Jahren realisiert. Am Sonntag Reminiscere des Jahres 1659 konnte sie, durch Johann Niemann, Superintendent zu Diepholz, feierlich eingeweiht werden.

Diese Kirche wurde 1889 abgerissen. Die heutige Dritte im neoromanischen Stil errichtete wurde 1890 eingeweiht und 1986 saniert. Die heutige Ausmalung entspricht wieder der Gestaltung der Gründerzeit.

1671 erfolgte der Umbau der 1642 zerstörten Burg zu einem Amtshof[5] des Königreiches Hannover; dem Massivbau wurde in der Zeit von 1779 bis 1783 der der vordere zweigeschossige Fachwerkbau angefügt. Aus der Landdrostei Lemförde wurde 1723 das kurfürstlich-hannoversche Amt Lemförde. 1859 wurde das Amt Lemförde aufgelöst und dem Amt Diepholz angegliedert.

Nach dem Untergang des Königreiches Hannover 1866 wechselte der Amtshof Lemförde mehrfach den Besitzer. 1937 wurde es vom Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend genutzt; nach Kriegsende bezogen Diakonissen aus Vandsburg in Westpreußen den mittlerweile heruntergekommenen Amtshof. 1968 sollte dieser abgerissen werden. Der Abbruch scheiterte wegen der dabei entstehenden Kosten.

Mit der beginnenden Ortskernsanierung des Fleckens Lemförde ab 1990 wurde auch der Amtshof restauriert. Ab 2016 wird das Gebäude durch den Rathausanbau erweitert, um alle Ämter der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ wieder in einem „Amtshof“ unterzubringen.

Seit 1945 entwickelte sich der Flecken Lemförde vor allem durch die Ansiedlung von Industrieunternehmen von einem damals vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Ort zu einer Industriegemeinde. Damit stieg auch die Bevölkerungszahl von 1.480 im Jahr 1945 (1937 waren es 857, der Anstieg war Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen zu verdanken) kontinuierlich auf nunmehr über 3.000 Einwohner.

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat von Lemförde setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen:

WfL (Zusammenschluss von CDU und FDP sowie freien Wählern) 10 Sitze
SPD 5 Sitze

(Stand: Kommunalwahl 2016)

Bürgermeister

Seit November 2013 ist Stephanie Budke-Stambusch Bürgermeisterin des Fleckens Lemförde.

Bisherige ehrenamtliche Bürgermeister:

2006–2013: Wilhelm Rümke (CDU)
seit 2013: Stephanie Budke-Stambusch
Wappen

Blasonierung: „In Rot ein auf grünem Boden schreitender, blau bewehrter, blau gezungter goldener Löwe.“ Als die Grafen von Diepholz 1316 im Ortsgebiet ihre Burg errichteten, wurde diese nach dem Löwen in ihrem Schildzeichen als Burg Leuenvorde benannt. Um ihre Residenz entwickelte sich in der Folgezeit ein Burgflecken, der später Amtssitz wurde. Da keine Ortssiegel aus älterer Zeit vorhanden sind, wird vermutet, dass die Siegelführung spätestens mit der Privilegienerteilung von 1611 vonstattenging.[6] Die Herkunft des Löwen verweist auf die Grafen von Diepholz, seine Tingierung entspricht jedoch dem Welfenlöwen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Amtshof mit österlich geschmücktem Brunnen
Amtshof, ehemaliger Verwaltungssitz der Grafen von Diepholz.[7] Der Rittersaal im Erdgeschoss wird heute für Veranstaltungen und für Eheschließungen genutzt; im Obergeschoss ist die Außenstelle der Samtgemeindeverwaltung mit Sozialamt, Ordnungsamt und Einwohnermeldeamt untergebracht. Im Keller ist ein Restaurantbetrieb. Der bestehende Amtshof wird seit 2016 durch einen Rathausanbau erweitert.
Ehemalige jüdische Synagoge: 1817 erwarb die relativ große jüdische Gemeinde in Lemförde (1821 waren es rund 50 Personen, der Flecken hatte insgesamt ca. 700 Einwohner) von dem Bürger Friedrich Kämper das Gebäude und richtete dort ihr Bethaus ein. Am 10. November 1938 drangen SA-Mitglieder in das Gebäude ein, warfen das Mobiliar auf die Straße und verbrannten es. Ab 1943 gab es offiziell keine jüdische Synagogengemeinschaft mehr in Lemförde. Das Haus wird heute von Privatpersonen bewohnt.
Ehemaliges Rathaus und Schule: 1818 erbaut, als Schule bis 1933 genutzt, heute Privatbesitz
Ehemaliges Offiziershaus aus der Franzosenbesetzung in der Hauptstraße, heute Ladengeschäft und Wohnung, Privatbesitz
Reste der mittelalterlichen Burgmauer mit Kerker
Gasthof „Zum deutschen Haus“, heute ein griechisches Restaurant, eines der ältesten noch bestehenden Gasthäuser in Lemförde, daneben das seit 300 Jahren bestehende Gebäude der alten Löwenapotheke
„Doktorhaus“ in der Doktorstraße – ursprünglich ein Haus aus dem 17. Jahrhundert mit aus dieser Zeit stammenden Tür im Stil des Barocks (Das haus wurde in den letzten Jahren abgerissen und wieder im vorherigen Stil aufgebaut.)
„Zollhaus“ an der Marler Pforte, heute Sitz einer Versicherung
Kunst im öffentlichen Raum

Im Lemförder Ortsbild gibt es zwei Kunstobjekte des Bildhauers Karl-Heinz Friedrich. Er hat sie in den 1980er-Jahren aus Bronze bzw. aus Bronze und Granit gestaltet:

vor der Sparkasse die Bronzeskulptur Haubentaucher (1981)
auf dem Raiffeisen-Parkplatz ein Brunnen aus Granit mit der Bronzeskulptur Silberreiher (1984)
Persönlichkeiten
Louis Kugelmann (* 19. Februar 1828 in Lemförde; † 9. Januar 1902 in Hannover), Arzt und Sozialdemokrat.
Wolfgang Rüther-Kindel (* 1956 in Lemförde), Flugmechaniker und Flugzeugkonstrukteur.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Westlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 51, (Bremen – Osnabrück).

Der Lemförder Bahnhof ⊙52.4602777777788.3619444444444 an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg liegt auf der Gemarkung von Stemshorn. Am 15. Mai 1873 wurde der Personen- und Kohlenverkehr aufgenommen, der Bahnhof entwickelte überörtliche Bedeutung im Personen- und Postverkehr, zusätzlich verfügten einige Firmen über ein eigenes Anschlussgleis. Am 9. Dezember 1983 wurde ein neues Empfangsgebäude eröffnet, der alte Bahnhof 1986 abgebrochen.[8] Heute verkehrt hier die Regionalexpress-Linie RE 9 (Osnabrück – Bremen – Bremerhaven).

Das Bahnhofsgebäude befindet sich seit 2016 im Besitz des Fleckens Lemförde.

Ansässige Unternehmen
Gelände der BASF Polyurethanes
BASF Polyurethanes GmbH, vormals Elastogran GmbH, BASF Gruppe: Weltmarktführer auf dem Gebiet der Polyurethane (Kunststoffe), Zulieferer für Automobilhersteller mit rund 1.400 Beschäftigten in Lemförde
Lemförder Orchideenzucht: Zucht und Verkauf von Orchideen an Privatkunden und Großmärkte
ZF Lemförder GmbH
Bildung

Am 4. November 2011 wurde durch den Kreistag des Landkreises Diepholz über die Namensgebung der Oberschule Lemförde entschieden. Sie trägt ab diesem Zeitpunkt in Erinnerung an Walter von Sanden-Guja und seiner Ehefrau Edith den Namen Von-Sanden-Oberschule Lemförde.[9]

Literatur
Ludger von Husen u. Horst Meyer (Hrsg.): Flecken Lemförde. Eine Gemeinde zwischen Dümmer und Stemweder Berg. 1248–1998. (Hrsg.: Flecken Lemförde), Diepholz 1998, 377 S. mit zahlr. Abb.
Nancy Kratochwill-Gertich u. Antje C. Naujoks: Lemförde. In: Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2 (1668 S.), Göttingen 2005, S. 973–981
Hans-Cord Sarnighausen: Zum Amtshaus von 1707 bis 1859 in Lemförde, in: Zwischen Hunte und Weser, Heft 63, Diepholz Nov. 2011, S. 8–9; ders.: Amtsjuristen von 1707 bis 1859 in Lemförde bei Diepholz, in: GENEALOGIE, Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, Verlag Degener & Co., Heft 4/2012, S. 326–344.
Becker, Gunter: Thematischer Tourismus, angewandt auf die Dümmerregion: Ein Konzept für die touristische Entwicklung ländlicher Räume, Berlin 2005, ISBN 3-86624-033-3
Weblinks
 Commons: Lemförde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Lewenfort in der Topographia Westphaliae (Matthäus Merian)
 Wikisource: Leuenfurt in der Topographia Braunschweig Lüneburg (Matthäus Merian)
Website der Samtgemeinde
Kurze Geschichte des Lemförder Schlosses
Rekonstruktionszeichnung der Lemförder Burg von Wolfgang Braun
Website der Dümmerregion
Geschichte und Geschichten vom Stemweder Berg und Dümmer See