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Geschichte
Fronteingang der Gemeindeverwaltung

Die von Alfred Tode ausgegrabene, stark zerstörte „Kammer vom mitteldeutschen Typ“ von Liebenburg liegt nur wenige Kilometer nordöstlich des Galeriegrabes von Bredelem.

Die Gründung des Ortes Liebenburg geht auf Ansiedlungen von Bauarbeitern, Tagelöhnern und Handwerkern zurück, die sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unterhalb der um 1292 entstandenen und verfallenen Burg Liebenburg ansiedelten.[3] Der entstehende Ort wurde „Burgfreiheit Liebenburg“ genannt. Der Amtshof, die heutige Domäne, war der einzige landwirtschaftliche Betrieb.

Die Einwohner Liebenburgs waren überwiegend katholischen Glaubens. Der Landesherr, der Bischof von Hildesheim, hat die Ansiedlung katholischer Familien gefördert. Seit 1666 gibt es eine katholische Pfarrgemeinde mit eigenem Friedhof. Bis 1807 wurden hier auch die evangelisch-lutherischen Einwohner Liebenburgs bestattet.

Noch heute wird die Ortsentwicklung durch die 1882 gegründete private Nerven- und Pflegeklinik Dr. Fontheim geprägt, die mit ihren verschiedenen offenen und geschlossenen psychiatrischen Stationen einen Teil der Ortsfläche einnimmt, sowie durch die 1937 durchgeführte Vereinigung mit dem Dorf Lewe.

Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte seit dem 19. Jahrhundert zum Königreich Hannover bzw. zur preußischen Provinz Hannover. Als einzige Ausnahme bildete der Ort Ostharingen eine braunschweigische Exklave. 1941 wurden die hannoverschen Orte mit dem gesamten Landkreis Goslar dem Land Braunschweig eingegliedert[4], das 1946 in Niedersachsen aufging.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Dörnten, Groß Döhren, Heißum, Klein Döhren, Klein Mahner, Neuenkirchen, Ostharingen, Othfresen und Upen eingegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1821 4464
1848 5710
1871 5737
1885 5727
1905 6535
1925 6375
Jahr Einwohner
1933 6167
1939 8206
1946 13.208
1950 13.700
1956 12.279
1961 11.687
Jahr Einwohner
1968 11.143
1970 10.982
1975 10.405
1980 9851
1985 9502
1990 9655
Jahr Einwohner
1995 9803
2000 9693
2005 9431
2010 8777
2011 8620
2013 8274

(ab 1968 Stand jeweils zum 31. Dezember)[6]

Religion

Liebenburg ist Sitz der katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Verkündigung, sie gehört zum Pastoralen Raum Goslar im Dekanat Goslar-Salzgitter. Die Gottesdienste finden in der Schlosskirche Mariä Verkündigung statt.

Das St. Theresienstift am Burgberg war ein katholisches Altenpflegeheim in Trägerschaft der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen) in Hildesheim. An der Ostseite des Heimes befindet sich eine Kapelle. 2013 verließen wegen Nachwuchsmangels die letzten Ordensschwestern Liebenburg[7], das Theresienstift ist aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen worden.[8]

Die evangelisch-lutherische St.-Trinitatis-Kirche, zwischen Martin-Luther-Straße und Lewer Straße gelegen, gehört zur Propstei Goslar. Zur Kirchengemeinde gehört auch der Kindergarten an der Schäferwiese und der Friedhof am östlichen Ortsrand.

Politik

Gemeinderatswahl 2016[9]
Wahlbeteiligung: 57,58 % (2011: 57,04 %)

 %50403020100

44,98 %32,09 %9,44 %4,35 %3,79 %3,20 %2,11 %n. k.n. k.

SPDCDUAfDGrüneFDPLinkeRehberggBLNPD
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2011
 %p 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6

-3,57 %p
-3,16 %p+9,44 %p-2,59 %p+3,79 %p+0,06 %p+2,11 %p-4,47 %p-1,62 %p
SPDCDUAfDGrüneFDPLinkeRehberggBLNPDVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:g Einzelbewerber Rehberg

Sitzverteilung im Gemeinderat

      

Insgesamt 22 Sitze Linke: 1 SPD: 10 Grüne: 1 FDP: 1 CDU: 7 AfD: 2

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Gemeinde Liebenburg besteht aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8.001 und 9.000 Einwohnern.[10] Die 22 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit beginnt am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Alf Hesse (SPD).

Der Gemeinderat setzt sich nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 wie folgt zusammen:

SPD: 10 Sitze (−1)
CDU: 7 Sitze (−1)
AfD: 2 Sitze (+2)
Grüne: 1 Sitz (±0)
FDP: 1 Sitz (+1)
Linke: 1 Sitz (±0)
Bürgerliste: 0 Sitze (−1)
Bürgermeister

Seit dem 1. Oktober 2013 ist Alf Hesse (SPD) hauptamtlicher Bürgermeister. Bei der Wahl am 22. September 2013 erhielt er 57,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er folgt damit auf Hubert Spaniol (SPD), der seit 1996 im Amt war.

Ortsrat

Ortsratswahl 2016[11]
Wahlbeteiligung: 51,86 %

 %6050403020100

55,34 %32,09 %12,55 %

SPDCDUFDPVorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang

Neben einem Gemeinderat existiert auch ein Ortsrat, der nur für den Ortsteil Liebenburg in der gleichnamigen Gemeinde zuständig ist. Er setzt sich nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen (Veränderungen zu 2011).

SPD: 4 Sitze (±0)
CDU: 2 Sitze (−1)
FDP: 1 Sitz (+1)
Ortsbürgermeisterin

Ortsbürgermeisterin für den Ortsteil Liebenburg ist Lieselotte Holzhauer (SPD).[12]

Wappen

Wappen der Gemeinde Liebenburg (ab 1974)

Wappen des Ortsteils Liebenburg (1960–1974)

Wappen der Gemeinde Liebenburg

Das Wappen wurde am 31. Mai 1974 genehmigt. Das Wappen wurde vom Grafiker und Heraldiker Philipp Schmidt aus Vienenburg gestaltet.

Mit der Zehnpassrosette sollen anhand einer Zahlensymbolik alle zusammengeschlossenen Orte gleichberechtigt repräsentiert werden. Die straff stilisierte Burg stellt die Liebenburg dar, die um 1292 vom Bischof Siegfried II. von Hildesheim als Bollwerk gegen die braunschweigischen Herzöge errichtet worden war. Die Liebenburg hat sowohl dem eigentlichen Ort als auch der heutigen Großgemeinde den Namen gegeben.

Wappen des Ortsteils Liebenburg

Das ehemalige Ortsteilwappen wurde am 17. Oktober 1960 genehmigt. Das Wappen wurde vom Grafiker und Heraldiker Philipp Schmidt aus Vienenburg gestaltet.

Die Burgsilhouette mit den drei Seerosenblättern erinnert an das seit 1131 bekannte Dorf Lievethe, später Lewe genannt – eine noch ältere Siedlung, die ihrerseits der Burg den Namen gegeben hatte. Neben der um die Burg herum gewachsenen Ansiedlung bestand der Ort Lewe weiter und wurde erst 1937 mit Liebenburg vereinigt.

Städtepartnerschaften

Liebenburg pflegt Partnerschaften zu Saint-Aubin-sur-Mer (Calvados) in der Normandie (Frankreich) und Friedrichsbrunn (Stadt Thale) in Sachsen-Anhalt.[13]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Skulptur im Skulpturenpark auf dem Burgberg

In den terrassenförmigen Anlagen des Schlossparks auf dem Burgberg befindet sich ein Skulpturenpark, für dessen Entstehung sich der in Liebenburg lebende Künstler Gerd Winner engagierte. Die Skulpturen sind aus Salzgitter-Stahl gefertigt.

Der ehrenamtlich tätige Kulturverein Lewer Däle Liebenburg e.V. organisiert Musik-, Kunst-, Theater- und Kleinkunst-Veranstaltungen, die vorwiegend in der Begegnungsstätte „Lewer Däle“, einem Pfarrhof aus dem 19. Jahrhundert, stattfinden. Jährlich im April wird dort auch das Kirschblütenfest ausgerichtet.

Liebenburg ist in der Geschichte des künstlerischen Puppenspiels von einiger Bedeutung. Nach dem Krieg gründete der Schriftsteller Rudolf Otto Wiemer hier die Liebenburger Puppenspiele. Wiemers Liebenburger Krippenspiel war vor allem in Laienspielkreisen ein begehrter Spielstoff.

In den Ortschaften Groß Döhren, Neuenkirchen und Othfresen gibt es Heimatmuseen, die nach Vereinbarung besichtigt werden können.

Südlich von Klein Mahner auf einem markanten Hügel befindet sich die (stark gestörte) Megalithanlage auf dem Hillah (Mitteldeutsche Kammer von Liebenburg).

Das Mineralwasser-Freibad verfügt über ein 50-m-Sportbecken, ein Nichtschwimmerbecken, ein Planschbecken, eine Sprungturmanlage bis 5 m Höhe mit Springerbecken, eine Minigolf-Anlage und eine Beachvolleyball-Anlage. Ein Teil des Golfplatzes Salzgitter befindet sich im Norden auf Liebenburger Gemeindegebiet.

Der Museumsverein Dampflok-Gemeinschaft 41 096 e.V. im Ortsteil Klein Mahner führt regelmäßig Fahrten mit einer Dampflokomotive sowie Draisinen-Aktionstage auf der Warnetalbahn durch.

Der Schroederstollen, ein ehemaliger Bergwerksstollen nahe Klein Döhren, wird seit 2006 von einer Arbeitsgemeinschaft freigelegt und wiederhergestellt. Zusammen mit einem wiederaufgebauten Abschnitt der Schmalspurbahn soll aus dieser Anlage ein Museum entstehen.

Bauwerke
Flankierungsturm der Burg Liebenburg
Schloss Liebenburg mit Schlosskirche
Evangelisch-lutherische Kirche St. Trinitatis
Bockwindmühle Liebenburg 2012 vor dem Brand
Burg Liebenburg
Hauptartikel: Liebenburg (Liebenburg)

Die Liebenburg war eine um 1292 entstandene mittelalterliche Burganlage. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zu großen Zerstörungen. Im Laufe der Zeit hatte sich die Bausubstanz der Burg enorm verschlechtert, so dass nach 1750 große Teile der Burg abgebrochen wurden. Von der Anlage ist nur der Hausmannsturm auf der nördlichen Höhe erhalten geblieben, sowie Reste von zwei weiteren Mauertürmen der Vorburg und einige Abschnitte der Ringmauer. Der Hausmannsturm wurde im Oktober 1991 nach einer Teilsanierung wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Schloss Liebenburg

Das heute in Privatbesitz befindliche Barockschloss mit der katholischen Schlosskirche Mariä Verkündigung wurde von Fürstbischof Clemens August, einem bayerischen Prinzen, errichtet. Dazu brach man 1750 bis 1754 die Reste der noch vorhandenen Ruine der Liebenburg fast vollständig ab. Aus Geldmangel – der Siebenjährige Krieg war ausgebrochen – konnte bis 1760 unter Fürstbischof Clemens August nur der Westteil des Lust- und Jagdschlosses mit der Schlosskapelle fertiggestellt werden. 1766 wurde die erst nach 1650 wiederhergestellte und ab 1710 erneuerte Burgkirche abgetragen, und die Schlosskapelle zugleich katholische Pfarrkirche.

Seit der Errichtung der Burg 1292 durch Bischof Siegfried II. von Hildesheim befand sich am Siedlungsort Liebenburg der Sitz der Verwaltung und ab 1381 der Sitz des Gerichts. Die Bediensteten des Amts und des Gerichts waren auf der Burg, zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf der Domäne und danach im Ostflügel des 1815 fertiggestellten Liebenburger Schlosses untergebracht. 1885 wurde das Amt Liebenburg aufgelöst, das Gericht 1959 nach Salzgitter verlegt. Es gab ursprünglich zwei Forstämter, von denen eines erhalten blieb.

Kirche St. Trinitatis

Im alten Lewe, am östlichen Rand des heutigen Ortes, steht die 1863 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase aus Backsteinen im neugotischen Stil erbaute Kirche St. Trinitatis; der wehrhafte Kirchturm stammt noch aus dem Jahr 1518. Der Pfarrhof der Kirche wurde im Jahr 1846 errichtet. Auf dem angrenzenden Friedhof steht eine 1935 erbaute Kapelle.

Ehemalige Bockwindmühle

Die historische Bockwindmühle Liebenburg aus dem 19. Jahrhundert, einst ein Wahrzeichen der Gemeinde, wurde im Mai 2012 durch einen Brand zerstört.

Sport

In Liebenburg gibt es mehrere Sportvereine, die sich überwiegend dem Breitensport widmen. Es werden u. a. die klassischen Feld- und Hallensportarten angeboten. Großer Sportverein ist der „TSV Liebenburg“.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Durch das westliche Gemeindegebiet verläuft die B 6 zwischen Hildesheim und Goslar. Die Ortschaften der Gemeinde werden durch die L 500 und L 510 erschlossen. Östlich befindet sich die Autobahnanschlussstelle Schladen-Nord an der A 395 in unmittelbarer Nähe.

Die Gemeinde verfügt über keinen Bahnanschluss. Die nächsten Regionalbahnhöfe liegen in Salzgitter-Bad, Salzgitter-Ringelheim, Schladen, Vienenburg und Goslar. Die ehemaligen Bahnhöfe Othfresen und Dörnten auf Liebenburger Gemeindegebiet an der Bahnstrecke Hildesheim–Goslar werden nicht mehr bedient, jedoch gibt es seit vielen Jahren Überlegungen, in Othfresen erneut einen Haltepunkt einzurichten. Auf der nördlich verlaufenden Strecke Börßum–Salzgitter-Bad (Warnetalbahn) findet nur noch gelegentlicher Museumsverkehr statt, der Bahnhof Klein Mahner wird dementsprechend ebenfalls nicht mehr im Personenverkehr bedient.

Die Ortschaften von Liebenburg, sowie die benachbarten Städte Salzgitter und Goslar sind im Stundentakt mit den Bussen der Regionalbus Braunschweig GmbH zu erreichen.

Bildung

Liebenburg verfügt über zwei Grundschulen:

Grundschule Liebenburg
Grundschule Othfresen

Als weiterführende, allgemeinbildende Schule ist im Schulzentrum Liebenburg eine Oberschule, die Schule am Schloss, untergebracht.

Persönlichkeiten
Persönlichkeiten, die in der Gemeinde gewirkt haben
Heinrich Meyer-Benfey (1869–1945), geboren in Liebenburg; Literaturhistoriker
Clemens August Carl Klenze (1795–1838), geboren in Heissum; Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer und Kommunalpolitiker in Berlin
Gerd Winner (* 1936), Maler und Grafiker
Persönlichkeiten, die in der Gemeinde geboren wurden
Theodor Schliephake (1808–1871), deutscher Philosoph, Geschichtsschreiber und Hochschullehrer
Otto Hesse (Landrat) (1821-1904), preußischer Landrat
Eduard Wendebourg (1857-1940), Architekt des Historismus
Literatur
Matthias Blazek: Ahnenforschung auf Dörfern im nördlichen Vorharz – Catharine Marie Busch und Johann Heinrich Struve verlobten sich am 22. September 1757, in: Unser Harz – Zeitschrift für Heimatgeschichte, Brauchtum und Natur, 6/2010, S. 115 ff.
Weblinks
 Commons: Liebenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Website
Heimatmuseum Döhren
Geschichte von Schloss und Schlosskirche Liebenburg
Liebenburg – im Braunschweiger Land
Linkkatalog zum Thema Liebenburg bei curlie.org (ehemals DMOZ)