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Geschichte

Die Besiedlung des Gebietes um Märkisch Buchholz ist schon seit der Steinzeit belegt. Es wurden verschiedene Siedlungsplätze im Bereich des Dahmetals, bei Köthen und im weiteren Umfeld gefunden. Bei weiteren Ausgrabungen konnten Urnen, Äxte und Schmuck in die Bronzezeit datiert werden.[4] Die Slawen hinterließen im Bereich des Dorfes Köthen eine Siedlungsstätte. Im Mittelalter siedelten hier überwiegend Wenden (Sorben).

Die Besiedlung der Stadt aus deutscher Sichtweise wird in das 12. und 13. Jahrhundert gelegt. Dabei finden die ersten urkundlichen Nennungen im Konflikt der Markgrafen von Meißen mit dem Markgrafen aus askanischem Hause statt. Es wird vermutet, dass der Ort damals als Burgbefestigung mit einer angeschlossenen Siedlung angelegt war. Diese Vermutung wird durch die erste urkundliche Nennung belegt, welche die Gegend am 3. August 1301 als castrum et oppidum Bucholt beschreibt.

Der Ort lag in einer sehr konfliktreichen Gegend und wurde bis ins Jahr 1443 mehrmals verkauft, verschenkt, eingenommen oder als Lehen weitergegeben. Auslöser für diese Unruhen dürfte das Aussterben der brandenburgischen Askanier im Jahre 1319 gewesen sein.
Erst im Jahre 1443 kam der Ort endgültig zu den Besitzungen des Markgrafen von Brandenburg. Es folgten Jahre relativer Ruhe. Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Ort umfangreiche Verwüstungen. Am Ende des Krieges waren von der Bausubstanz nur ärmliche Hütten geblieben. Über 65 % der Bevölkerung waren ausgelöscht worden.

Kirche

Nach dem Krieg konnte sich allmählich ein Bürgertum etablieren, und es wurde mehr und mehr Gewerbe angesiedelt. Durch den Stadtbrand im Jahr 1752 wurde die seit mindestens 1346 bestehende Kirche so stark beschädigt, dass sie als Kronenkirche erneuert wurde. Die Stadt wuchs bis zum Jahr 1905 auf 1205 Einwohner an und erlangte eine regionale Bedeutung. Durch die ansässige Poststation war zudem auch eine direkte Verbindung nach Prag und Berlin möglich. Im Südosten der Stadt, wo vom 15. bis 17. Jahrhundert ist der Anbau von Hopfen belegt ist, wurden schon seit dem 16. Jahrhundert mehrere Bürgergärten angelegt.[5] Um 1716 befand sich in Märkisch Buchholz eine Wassermühle. An sie erinnert heute ein 21 cm starker, im Durchmesser 90 cm großer Mahlstein am Überfallwehr.

Im Zuge von Straßenbauarbeiten wurden Frühjahr 2006 archäologische Untersuchungen im Stadtkern Durchgeführt. Nordwestlich der Kirche wurden dabei in größerem Umfang menschliche Bestattungen entdeckt. Dieses Areal gehört zu einer frühneuzeitlichen Erweiterung des Friedhofs, dessen historische Grenzen nicht genau bekannt sind. Die 87 Skelette wurden von der Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht.[6][7] Der durch die Freilegung erfasste Ausschnitt der Bevölkerung ist zufällig und darum nicht repräsentativ. Der Sterbegipfel dieses Populationsausschnittes liegt im reiferen Alter. Kinder befanden sich kaum darunter. Das Geschlechterverhältnis ist annähernd ausgewogen. Auffallend ist die recht hohe Krankheitsbelastung. Degenerative Erkrankungen sind häufig, teilweise äußerst stark entwickelt. Der Anteil von Zahnkaries war mäßig hoch, es kann auf eine eher auf Getreide ausgerichtete Mischkost geschlossen werden. Es wurden zwei Fälle von Syphilis nachgewiesen.

Durch die Lage an der Dahme und am Unterspreewald wurde der Ort bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort für die Berliner. So entstanden für einen Ort dieser Größe zahlreiche Restaurants und Hotels.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wies der Ort mit 3 % einen für die Gegend ungewöhnlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil auf. Die Juden errichteten 1840 einen Friedhof an der Birkenstraße, auf dem bis 1917 bestattet wurde.[8] 1876 betrieb die Firma Schulze & Schramm in der Stadt ein Hobelwerk sowie eine Ölmühle. In den Jahren 1908–1910 entstand der Dahme-Umflutkanal, der zum Bau des Überfallwehrs an der Schützenstraße führte. 1929 übernahm der Schmiedemeister Friedrich Glomb das Mühlwerk. Er importierte Weizen aus Kanada und lieferte die Mahlerzeugnisse bis nach Berlin. 1935 errichtete er ein 35 m hohes Silo mit einem Fassungsvermögen von 600 Tonnen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Geflügel zu verbessern, baute die Stadt 1936 im Osten der Stadt eine Hühnerfarm, in der unter anderem das Weiße Leghorn gezüchtet wurde. 1937 wurde die Stadt entsprechend der nationalsozialistischen Politik, die sorbische Geschichte und Kultur Ostdeutschlands zu tilgen, von Wendisch Buchholz in Märkisch Buchholz umbenannt. Nationalsozialisten zerstörten weitgehend den Friedhof der Jüdischen Gemeinde.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt aufgrund ihrer Lage am Rand des Kessels von Halbe stark in Mitleidenschaft gezogen, mehr als 70 % der Bausubstanz wurden innerhalb einer Woche vernichtet. Dabei wurde auch die Mühle zerstört; das Silo blieb jedoch erhalten. Zu DDR-Zeiten errichteten und unterhielten die Grenztruppen der DDR das Pionier-Ferienlager „Egon Schultz“.

1990 musste die Hühnerzucht geschlossen werden. 1994 entstand nordwestlich des Stadtzentrums ein Tierheim, das Platz für bis zu 120 Tiere bietet. In den Jahren 1999 bis 2002 sanierte die Stadt das Überfallwehr.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 1 227
1890 1 308
1910 1 188
1925 1 010
1933 1 060
1939 1 081
1946 1 027
1950 1 015
1964 915
1971 878
Jahr Einwohner
1981 941
1985 944
1989 888
1990 884
1991 861
1992 864
1993 868
1994 861
1995 862
1996 832
Jahr Einwohner
1997 847
1998 881
1999 871
2000 874
2001 872
2002 836
2003 842
2004 840
2005 833
2006 810
Jahr Einwohner
2007 818
2008 805
2009 793
2010 780
2011 759
2012 771
2013 769
2014 740
2015 773

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[9][10] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik
Fühmann-Begegnungsstätte, ehemalige Schule
Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung besteht neben der ehrenamtlichen Bürgermeisterin aus 10 Stadtverordneten. Nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 79,2 % setzt sie sich wie folgt zusammen:[11]

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil
Buchholz: Offen und bunt 2 19,5 %
Heimatverein Märkisch Buchholz e.V. 2 18,8 %
Feuerwehrverein Märkisch Buchholz 1 14,2 %
Einzelbewerber Klaus-Dieter Schwarz 1 13,3 %
Bund der Gewerbetreibenden Märkisch Buchholz 1 12,6 %
Einzelbewerber Ingo König 1 8,1 %
NPD 1 7,3 %
SPD 1 5,6 %
Gesamt 10

Bürgermeisterin

Bianca Urban (Buchholz: Offen und bunt) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 70,6 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[12] gewählt.[13]

Wappen

Das Wappen wurde am 20. August 1999 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber neben einer rechten blauen Flanke, belegt mit einem aufgerichteten, linksgewendeten silbernen Hecht und überhöht von einer aufgerichteten fünfendigen goldenen Hirschstange, eine bewurzelte grüne Buche.“[14]

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmale in Märkisch Buchholz und in der Liste der Bodendenkmale in Märkisch Buchholz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Dorfkirche, Sakralbau aus dem Jahr 1753, der auf einen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht. Er wurde von August Wilhelm von Preußen, dem jüngeren Bruder von Friedrich II., finanziert. Das Bauwerk konnte in den 2000er Jahren sukzessive saniert werden. Im Innern befinden sich eine denkmalgeschützte Taufschale sowie eine Turmspitze mit den Initialen AW des Kirchenpatrons. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von der Turmspitze geschossen.
Überreste des Jüdischen Friedhofs von 1840 an der Birkenstraße
Dahmeblick nordwestlich des Stadtkerns, ermöglicht einen Ausblick auf den Zusammenfluss der Dahme mit dem Spree-Dahme-Umflutkanal.[8]
Überfallwehr, denkmalgeschützt, überbrückt einen Höhenunterschied von 5,5 Metern zwischen Ober- und Unterwasser. Die Wehröffnung hat eine Breite von 12 Metern, das Doppelschütz von 2 Metern. Die maximal zulässige Wasserabführung beträgt 35 m³/s. Um Aalen ein Passieren des Wehrs zu ermöglichen, baute die Stadt einen Aalleiter als Aufstieg sowie ein Aalrohr als Abstieg. Zur Förderung des Tourismus entstand weiterhin eine elektrische Bootsschleppe.[15]
Gedenkstein für den Schriftsteller Franz Fühmann, der ab 1959 in der Stadt arbeitete, an der Leibscher Chaussee. Ihm zu Ehren ist auch die ehemalige Schule benannt, die seit 2012 als Begegnungsstätte dient.
Lesefährten Waldweisen, rund 20 km langer touristischer Lehrpfad, der größtenteils entlang der Dahme führt. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg hat entlang des Weges gemeinsam mit dem österreichischen Künstler Wolfgang Georgsdorf insgesamt 50 Tafeln mit literarischen Texten aufgestellt, die alle das Thema Wald aufgreifen, darunter Texte von Goethe, Canetti, Matthias Claudius, Shakespeare und Alexander von Humboldt.
Wanderweg durch Wälder und Äcker um den Ort herum, 7,5 km lang. An der Begegnungsstätte kann ein Abstecher zum jüdischen Friedhof vorgenommen werden. Der Weg ist mit einem rechteckigen, grünen Balken auf weißem Grund markiert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft

Die ansässigen Unternehmen dienen vor allem der Versorgung der Bevölkerung und der Touristen. Daneben gibt es einige Kleinbetriebe im Bereich der Renovierung/Modernisierung und des Neubaus von Häusern. Im primären Sektor gibt es noch die Fischerei in Köthen und einige kleine Holzfirmen.

Verkehr

Märkisch Buchholz ist durch die B 179 über Königs Wusterhausen an Berlin angeschlossen. Die Landesstraße L 74 verbindet die Stadt mit der Anschlussstelle Teupitz an der A 13.

Der direkte Wasserweg nach Berlin führt über die Dahme. Eine Schiffsverbindung wurde bis Ende der 1990er Jahre von der Stern und Kreisschiffahrt aus Berlin angeboten.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[16] 474 466 469 474 470 479 494

Sport und Vereinswesen
SV Grün-Weiß Märkisch Buchholz e. V., 1899 als Radfahrverein gegründet, bietet im Jahr 2016 ein breites Sportangebot, darunter Tischtennis, Badminton, Volleyball, Kegeln, Seniorengymnastik, Aerobic, Gesundheitssport und Seniorentanz.
Freiwillige Feuerwehr Märkisch Buchholz mit dem Feuerwehrverein Märkisch Buchholz 1900 e. V.
Wasserwanderrastplatz mit Kanustation entlang der Dahme
Persönlichkeiten
Franz Fühmann (1922–1984), Schriftsteller, lebte und arbeitete in Märkisch Buchholz
Gerd Modrow (* 1938), Bahnradsportler, lebt in Märkisch Buchholz
Weblinks
 Commons: Märkisch Buchholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Amt Schenkenländchen
Stadtseite des Fremdenverkehrsvereins
Märkisch Buchholz in der RBB-Sendung Landschleicher vom 8. Juni 2014