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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Marktsteft nicht vorenthalten.

Geschichte
Marktsteft um 1845
Marktsteft
Ortsname

Der Ort hieß 1216 Stephe. In den Siedlungsnamen fand der Name des Kirchenpatrons Stephanus Eingang.
Spätere Namensformen waren:

1225 Stephe 1303/04 Steffe
1308–1310 Stef
1319/20 Stephe
1346 Stepf
1371
1391 Stefft
1485 Steft 1619–1625 Marktsteft

Die Ergänzung Markt bezeichnet den Rechtsstatus, Märkte abhalten zu dürfen.[3]

Ortsgeschichte

Die erste urkundliche Erwähnung einer Vogtei in Marktsteft erfolgte im Jahre 1197. Als Stephe wurde der Ort im Jahre 1216 und als „Stepfe das dorff“ 1371 im Besitz der Grafen von Hohenlohe-Brauneck bezeichnet. 1399 besaßen die Grafen zu Castell das Patronatsrecht über die „pfarre zu Stefft“.[4]:70

1448 erwarb Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach von den Vorbesitzern folgende „Maindörfer“: Obernbreit, Gnodstadt, Marktsteft, Sickershausen, Martinsheim und Oberickelsheim. Durch diesen Besitz erhielten die Markgrafen Zugang zum Main.[5]

In der Zeit von 1448 bis 1791 blieb Marktsteft unter dieser markgräflichen Herrschaft. Schon im Jahr 1532 besaß der Ort eine Kirchenburg, die in Kriegszeiten Zuflucht bot. Die Reformation wurde im Jahr 1534 eingeführt.[4]:70

Das Hochstift Würzburg löste 1629 die Stadt Kitzingen aus dem Besitz des Markgrafen wieder ab. Dadurch verlor der Markgraf den Brückenkopf und den Hafenplatz am Main, die er seit 1443 besaß. Das kleine Dorf Marktsteft am Main bot sich als Ersatz an.[6]:11

Zum Markt wurde Steft am 4. November 1729 durch Markgräfin Christina Charlotta erhoben. Die Markterhebungsurkunde verlieh einige Privilegien:

Zehnjährige Steuerbefreiung für sich ansiedelnde „Künstler“, Kauf-, Handels- und Handwerksleute
Fünfjährige Ermäßigung der Getränkesteuer der Gastwirte um die Hälfte
Zehnjährige Abgabenfreiheit für Erbauer von zweistöckigen Häusern
Fünfjährige Abgabenfreiheit für Erbauer von einstöckigen Häusern
Vier Jahre lang 50 % Zollnachlass für den Güterumschlag in Marktsteft
Fünf Jahre Steuer- und Zollfreiheit für dort hergestellte Waren
Einführung eines Wochenmarktes
Abhalten eines Jahrmarktes am Pfingstmontag und am Mattheitag
Fünfjährige Zollfreiheit für alle zu den Märkten angefahrenen Waren
Dreijährige Befreiung vom Leibzoll für Juden, welche die Jahrmärkte besuchen

Bereits am 30. November 1712 waren diese Marktprivilegien auf dem Rathaus eröffnet worden. Sie bildeten die Voraussetzung für zahlreiche weltweite Handelsbeziehungen.[6]:15–19 In Marktsteft entstanden mit ansbachischer Unterstützung 91 Neubauten. Durch gezielte Ansiedlung von Betrieben sowie durch den Ausbau des Hafens erlebte die Bevölkerung einen Wirtschaftsaufschwung. Unter preußischer Herrschaft verlor es zunehmend an Bedeutung.[4]:70–71

Marktsteft fiel im Vertrag von Paris (Februar 1806) mit dem 1792 preußisch gewordenen Fürstentum Ansbach durch Tausch an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Im Jahre 1819 wurde Marktsteft zur Stadt erhoben.

Hafen

Nach dem Verlust Kitzingens ließ der Markgraf von Ansbach durch den Ingenieur-Leutnant und Landfeldmesser Johann Georg Vetter einen Grundriss der geplanten neuen Hafenstadt am Main erstellen.[6]

Der natürliche Anlegeplatz am Mainarm wurde 1729 als Hafenanlage ausgebaut. Der Hafen lockte Unternehmer an wie die Strumpfwirker. Sie bauten ab 1731 dort ihre Werkstätten auf. Die Häuser standen in der Strumpfwirkergasse.[7] In den Jahren 1777 bis 1782 wurden dort über tausend Söldner des Ansbacher Markgrafen in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verschifft. Davon fielen beinahe 20 % im Kampf, ein Drittel verblieb als Einwanderer in den USA und etwas mehr als die Hälfte kam zurück. 1788 brachen vom Stefter Hafen erneut über 1400 vermietete Soldaten auf. Diesmal standen sie im Dienst der Holländer gegen die Truppen von Napoleon. Eine Schuld wurde dadurch nicht getilgt; Markgraf Karl Alexander trat daraufhin seine Markgrafschaft gegen Leibrente an Preußen ab und der Marktstefter Hafen war zum einzigen preußischen Hafen auf bayerischem Territorium geworden. Während des Napoleonischen Kriegs kamen Waren aus England, die für den Nahen und Fernen Osten bestimmt waren, über Rhein und Main zum Marktstefter Hafen. Von dort fand der Transport auf dem Landweg mit Pferdefuhrwerken über Nürnberg zur Donau statt. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie im Würzburger Land verlor der Stefter Hafen seine Bedeutung.

Eingemeindungen

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Michelfeld in die Stadt Marktsteft eingegliedert.[8]

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1834[9] 1865[10] 1868[11] 1900 1925 1950 1961 1970 1991 1995 2005 2010 2015
Einwohner 1215 1172 1215 1309 1243 1805 1561 1597 1659 1658 1764 1787 1939

Quelle der Zahlen ohne Einzelnachweis: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung[12]

Politik
Stadtrat

Der Stadtrat hat zwölf Mitglieder. Er setzt sich seit der Kommunalwahl vom 16. März 2014 wie folgt zusammen:

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil
CSU 3 22,0 %
FWG 4 36,9 %
Freie Wählergruppe Michelfeld 2 18,6 %
Sozialer Bürgerblock 3 22,5 %

Wappen
Blasonierung

„In Gold der silbern nimbierte heilige Stephan wachsend in blauem Gewand, die grüne Märtyrerpalme in der rechten Hand, im mit der linken Hand gerafften Überwurf drei goldene Steine.“

Wappengeschichte

Der Ortsname weist auf den heiligen Stephanus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Museum für Stadt- und Familiengeschichte
Bauwerke
Baudenkmäler
Hauptartikel: Liste der Baudenkmäler in Marktsteft

Historische Hafenanlage

Keerlhaus mit Risalit und Balkon

Rotes Keerlhaus

Arkadengang mit freistehender Kanzel

Die Friedhofskanzel des Marktstefter Friedhofs

Historische Hafenanlage

Die historische Hafenanlage ist die älteste in ihrer ursprünglichen Form erhaltene in Bayern und wird heute vom Hafen- und Kulturverein gepflegt. Spuren des 1764 errichteten Krans sind noch zu erkennen.[7]

Keerlhäuser

1688 wurde die ursprünglich einzige Gastwirtschaft Zu den drei goldenen Kronen im Maindorf Steft durch Sebastian Keerl neu gebaut. Der Markgraf fand dort mit Gefolge Quartier.[6]:63 Der Reichtum der Kaufmannsfamilie Keerl ist bis heute sichtbar: Er zeigt sich im Keerlhaus von 1774, einem zweigeschossigen Wohnhausbau mit Mansarddach. Die Rokokofassade ist in der Mitte unterbrochen durch einen Risalit mit schmiedeeisernem Balkon und Volutengiebel. Gegenüber liegt das Rote Keerlhaus mit einem Rokokopavillon im Garten.

Kirchenburg mit St. Stephan
Hauptartikel: St. Stephan (Marktsteft) und Kirchenburg Marktsteft

In der Zeit der Christianisierung schuf der Grundherr Siedlungen und gründete Kirchen wie St. Stephan in Marktsteft. Sie gehörte zu den Eigenkirchen der Casteller Grafen. Als Lehensherren statteten sie ihre Eigenkirchen aus, sorgten für deren Erhalt und bestimmten die Geistlichen. Sie schützten, überwachten und ordneten den Dienst der eingesetzten Pfarrer.[13]:7 Den Mittelpunkt der Eigenkirche bildete der im Boden verankerte Steinaltar mit den Reliquien. Das Kirchengrundstück umgab der Kirchhof mit den Grabstätten. Weiterhin gehörten dazu der „Pfarrhof mit Wirtschaftsgebäuden und Grundstücken, Gemeinde- und Hutrecht, Pfarr- und Gotteshauseinkommen, Zehnten und Stolgebühren“.[13]:7 Den heutigen Kirchenbau umgeben noch Reste der ehemaligen Kirchenburg. Im Torturm und im angrenzenden Gebäude befindet sich das Rathaus.[13]:15 Der älteste Teil von St. Stephan ist der viergeschossige Turm. Er wurde 1608 fertiggestellt. Von einem Vorgängerbau berichten die Quellen von 1565 im Zusammenhang mit dem Wetterläuten und einer Hosianna-Glocke.[13]:15 Das Kirchenschiff wurde in den Jahren 1623–1624 errichtet. Am Chorbogen ist die erste Jahreszahl festgehalten und am nördlichen Eingang die zweite. Der Bau wurde durch zahlreiche Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten in den Jahren 1737, 1797 und 1868 mehrmals stark verändert.[13]:16, 17 Kaufmann Johann Dietrich und Büttnermeister Johann Matthäus Full stifteten 1737 einen neuen Altar und eine neue Kanzel. Das Altarbild mit der Kreuzigungsgruppe von Christoph Pitsch aus dieser Zeit befindet sich wieder im Altarblatt. Man hatte es 1868 herausgenommen und durch ein Christusbild von Kunstmaler Weigand aus Nürnberg ersetzt.[13]:18 Pfarrer Merk bemühte sich darum, dass am 22. März 1626 ein neuer Taufstein in der Kirche aufgestellt wurde. Kantor Christoph Scherzer kam 1738 für die Kosten einer Zinnüberlegung durch Nikolaus Lender aus Marktbreit auf. Bis 1868 stand er vor dem Altar. Danach wurde er seitlich platziert.[13]:19

Die Sitzplätze im Gotteshaus von Marktsteft waren sehr begehrt. Um Streitigkeiten vorzubeugen, wurden die Sitzplätze durch eine Kirchenstuhlordnung vom 8. September 1625 festgelegt. Für das Kirchengestühl mussten Kirchenstandsgebühren am 11. Februar und 28. Juli bezahlt werden. Die Höhe richtete sich nach der Art und Lage des Platzes. Im Kirchenschiff standen anfangs auf der Kanzelseite zwölf und auf der Gegenseite sieben Bänke. 1678 gab es 107 Frauenplätze im Kirchenschiff und 44 Männerplätze auf der Empore. Im Jahre 1708 wuchs die Bevölkerung Marktstefts so an, dass eine neue Empore eingebaut wurde. Dies wiederholte sich 1737. Bevorzugte Plätze mit Gittern gab es bis 1868. Unter Pfarrer Michahelles verschwanden die Gitterstände.[13]:19, 20 Pfarrer Berger begann 1934 die Brüstung der Empore mit Bildern aus dem Leben Jesu auszugestalten.[13]:19

Torturm der ehemaligen Kirchenburg

Blick zum Torturm in der Kirchenburg

Innenanlage der Kirchenburg

Friedhof

Der denkmalgeschützte Friedhof wurde 1584 mit einer freistehenden Kanzel angelegt. Sie stammt von 1603. Unter den Arkaden befinden sich zahlreiche schöne und gut erhaltene Grabsteine aus den vergangenen Jahrhunderten. Besonders die Handels- und Schifferfamilien des 18. Jahrhunderts verewigten sich in den Epitaphien.[14]:95

St. Michael
Hauptartikel: St. Michael (Michelfeld)

Die evangelische Pfarrkirche St. Michael befindet sich im Stadtteil Michelfeld.

Musik

Marktsteft hat einen evangelischen Posaunenchor und einen Männergesangverein. Leiter ist Walter Dienesch.
Des Weiteren gibt es seit 2003 die Kesselring-Musikanten unter Leitung von Jochen Münz

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr finden in Marktsteft das Hafenfest, die Kirchweih, das Sonnwendfeuer und der Bürgerball statt.

Öffentliche Einrichtungen

Marktsteft hat eine Bibliothek und ein Museum.

Bildung

Marktsteft besitzt eine Grundschule und einen evangelischen Kindergarten.

Persönlichkeiten
Jörg Geuder (1861–1935), Gartenschriftsteller, Dichter und Sprachpfleger, besuchte zur Ausbildung als Lehrer ab 1874 die Präparandenschule Marktsteft
Albert Kesselring (1885–1960), deutscher Generalfeldmarschall und Luftwaffenoffizier
Wirtschaft und Infrastruktur
Weinbau

Marktsteft ist im Landkreis Kitzingen für seine Heckenwirtschaften mit regionalen Spezialitäten (z. B. Blaue Zipfel) bekannt.

Wirtschaft

Ein Gewerbegebiet liegt direkt neben dem neuen Wohngebiet. Es ist an die Ortsumgehung in Richtung Marktbreit angeschlossen.

Verkehr

Marktsteft liegt nahe der Autobahn A 7 (Anschlussstelle 104, Marktbreit). Der Ort hat eine Ortsumgehung.

Literatur
Johann Kaspar Bundschuh: Steft. In: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 5: S–U. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1802, DNB 790364328, OCLC 833753112, Sp. 415–417 (Digitalisat). 
Landkreis Kitzingen (Hrsg.): Kunst- und Kulturführer durch den Landkreis Kitzingen. 2. Auflage. Farbendruck Brühl, Marktbreit 1993. 
Georg Lill, Friedrich Karl Weysser: Die Kunstdenkmäler von Unterfranken & Aschaffenburg. II Stadt und Bezirksamt Kitzingen. Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (= Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Band 3). R. Oldenbourg Verlag, München 1983. 
Wolf–Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0. 
Gottfried Stieber: Stefft. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 777–783 (Digitalisat). 
Weblinks
 Commons: Marktsteft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Internetseite der Stadt Marktsteft
Eintrag zum Wappen von Marktsteft in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Marktsteft: Amtliche Statistik des LfStat
Marktsteft: Blick auf Kirchenburg und Torturm – Interaktives Panorama