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Geschichte
Urgeschichte

Die Gemarkung von Messel wurde schon vor der Jungsteinzeit von Menschen aufgesucht und ab dem Neolithikum auch dauerhaft besiedelt. Archäologische Funde belegen das, etwa ein Glockenbecher, der an der Moret-Schneise gefunden wurde.

In der Eisenzeit siedelten Kelten auch im Raum Messel. Auch sie haben zahlreiche Spuren hinterlassen. Stark geprägt wurde Südhessen durch die römische Besetzung, das benachbarte Dieburg entwickelte sich zu einem Wirtschaftszentrum. Tonwaren, Münzen und Kunsthandwerk aus dieser Zeit sind erhalten. Eine umfassende Veränderung trat mit dem Beginn der germanischen Völkerwanderung ein. 260 n. Chr. durchbrachen die Alamannen den Limes. Das Römische Reich gab seine rechtsrheinischen Gebiete auf.

Territorialgeschichte

Mit dem Beginn des Frühmittelalters geriet Südhessen zunehmend unter fränkischen Einfluss. Mit der Christianisierung und dem Aufbau der Kirche erhielt das Gebiet – auch um Messel – eine neue Struktur. Das Kloster Lorsch, von den karolingischen Herrschern stark gefördert, bildete das regionale Macht- und Kulturzentrum. So stammt die älteste Erwähnung von Messel aus dem Jahr 800 aus einem Eintrag im Lorscher Codex.[2]

Am Nordwestrand des Ortes im Bereich des heutigen Sportplatzes in der Flur „Ringelwoog“ wurde eine Wasserburg errichtet. Sie datiert in die Zeit um 1100. Es liegt ein Hinweis auf den Bau unter Abt Anselm von Lorsch vor. Von der Burg sind obertägig keine Reste mehr erhalten. Der fast eingeebnete Burghügel und ein Rest des umlaufenden Wassergrabens sind noch erhalten und befinden sich nahe dem Kneipp-Becken der Quelle Trinkborn.

Nach der Aufhebung des Klosters Lorsch 1232 fiel dessen gesamter Besitz an das Erzbistum Mainz. 1303 gehörte das Dorf zur Röder Mark. 1403 erhielt Henne Groschlag die Vogtei über den Ort von den Grafen von Katzenelnbogen zu Lehen. 1455 erlaubte Kaiser Friedrich III. dem Erzbischof von Mainz die Erhöhung des Landzolls zu Messel und Hessen. 1490 belehnte Landgraf Wilhelm II. von Hessen Ludwig Groschlag mit Gütern in Messel. 1495 gehörte Oswalt Groschlag ein Teich in Messel. Die Herren von Groschlag kumulierten so eine Reihe von Rechten in Messel und wurden damit bis 1799 Ortsherren, dem Jahr, in dem das letzte männliche Mitglied dieser Familie starb.

Nun wurde Messel als Lehen an den Kurmainzischen Staatsminister Franz Joseph Martin von Albini (1748–1816) vergeben. Den wollten die Messeler als Ortsherren aber nicht anerkennen, sondern sie huldigten am 31. Mai 1799 den Töchtern des letzten aus der Familie Groschlag. Albini erzwang seine Anerkennung allerdings durch die Besetzung des Ortes mit 50 Mainzer Husaren. Allerdings blieb Albini nur bis 1806 Ortsherr, dann fiel der Ort an das Großherzogtum Hessen. Die Albinis waren allerdings bis 1821 Patrimonial- und damit auch Gerichtsherren des Ortes. Ab dem 15. Mai 1822 wurden die Polizeirechte und Rechtsprechung in der ersten Instanz durch den Staat im Namen der Freifrau Albini zu Dieburg ausgeübt.[3] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[4]

Seit den Zeiten des Großherzogtums gehörte Messel zu folgenden Verwaltungseinheiten:[2]

ab 1821: Landratsbezirk Langen in der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen;
ab 1832: Kreis Groß-Gerau mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen;
ab 1848: Regierungsbezirk Darmstadt, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke;
ab 1852: Kreis Darmstadt, mit der Aufhebung der Regierungsbezirke bis zum Ende der Provinz Starkenburg;
ab 1938: Landkreis Darmstadt, als im Zuge der Gebietsreform 1938 die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst werden,
ab 1977: Kreis Darmstadt-Dieburg, in dem der Kreis Darmstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

Bis 1838 hatte die Pfarrei Ober-Roden den kleinen Zehnten in Messel inne.[2] Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung erheblich zu. Nach mehreren Missernten und Hungersnöten verließen nahezu 10 % der Einwohner ihren Heimatort und wanderten nach Amerika aus.

Eine weitere große Veränderung brachte die Entdeckung der Ölschiefervorkommen, die seit den 1870er Jahren von der Gewerkschaft Messel in der Grube Messel ausgebeutet wurden. Im Anschluss daran entstanden verarbeitende Industrieanlagen, die zusammen mit dem Bergwerk für fast ein Jahrhundert der Hauptarbeitgeber in der Gemeinde wurden.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde das Gemeindegebiet am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt nach Süden erheblich erweitert. Bis dahin folgte die südliche Gemeindegrenze im Ostteil der nach Südosten gerichteten Zeilharder Grenzschneise durch die Waldungen der Dieburger Mark und im Westteil dem Vorfluter, der den Waldrand nach Südwesten begleitete, rund Hundert Meter südlich des Bahnhofs Messel die Roßdörfer Straße unterquerte und wenige Hundert Meter weiter von rechts in den Sülzbach oder Silzbach mündete, der nach Westen in Richtung Wixhausen fließt. Durch das Gesetz wurden die Gemarkung Zeilharder Wald, in die sich in etwa gleich breiten Streifen von Nord nach Süd die früher selbstständigen Gemeinden Zeilhard, Georgenhausen und Klein-Zimmern teilten, sowie die südlich davon anschließende Gemarkung Spachbrücker Wald, die den Gemeindewald von Spachbrücken bildete, in die Gemeinde Messel eingegliedert.[5] Der knapp 500 Meter breite Waldstreifen der Gemeinde Klein-Zimmern nördlich der Spachbrücker und Klein-Zimmerer Grenzschneise umfasste namentlich das Zentrum der Fossilien-Fundstätte der Grube Messel und die Wohnsiedlung südlich des Bahnhofs Messel an der Roßdörfer Straße mit damals etwa 300 Einwohnern.[6][7]

Historische Ortsnamen

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte mit wechselnden Ortsnamen belegt:[2]

Massila (800)
Massilia (813)
Stehelin Mesela (1105)
Messela (1303)
Messele (1308)
Messel (1358)
Messeln (1438)
Messel (1454)
Meschell (1688)
Mesßel (1688)
Mescheln (1722)
Einwohnerentwicklung

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[8]

1829: 652 Einwohner
1939: 1.178 Einwohner
1961: 1.932 Einwohner
1970: 2.613 Einwohner
2015: 3.972 Einwohner
Messel: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834    665
1840    679
1846    707
1852    666
1858    653
1864    689
1871    707
1875    708
1885    728
1895    854
1905    1.011
1910    1.044
1925    1.129
1939    1.178
1946    1.610
1950    1.710
1956    1.779
1961    1.932
1967    2.224
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Religionsgeschichte

Wann erstmals eine Kirche in Messel errichtet wurde, ist nicht bekannt. Der Kirchturm der heutige evangelischen Kirche stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Kirche stand unter dem Patronat des Apostels Bartholomäus. Sie war zunächst eine Filialkirche von Ober-Roden. Noch vor 1550 wurde Messel zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Kirchliche Mittelbehörde war in der Frühen Neuzeit das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

Mit der Reformation trat die Messeler Kirchengemeinde zum lutherischen Glauben über, der ebenfalls lutherische Graf von Hanau-Lichtenberg besaß das Präsentationsrecht für den Pfarrer. 1560 wurde Klein-Zimmern – vielleicht deshalb – vom Mainzer Erzbischof aus dem Pfarrverband gelöst.

Eine jüdische Gemeinde gab es in Messel wohl schon seit dem 15. Jahrhundert. Der jüdische Bevölkerungsanteil in Messel schwankte zwischen 10 und 20 %. Die Synagoge von Messel war eine der ältesten im Gebiet des Großherzogtums. 1830 wurde sie durch einen Neubau in der Holzhäusergasse 20 ersetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus profaniert und privatisiert, wurde das Gebäude, ein Fachwerkhaus, in den 1970er Jahren abgerissen.[9]

Als römisch-katholische Kirche diente zunächst die 1945 eingeweihte Antonius-Kapelle im Ortsteil Grube Messel. 1957 wurde die St.-Bonifatius-Kirche in Messel eingeweiht.

Politik
Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[10] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[11][12]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016

   

Insgesamt 19 Sitze SPD: 8 FDP: 2 CDU: 9

Parteien und Wählergemeinschaften  %
2016
Sitze
2016
 %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,6 8 54,8 10 35,5 7 42,4 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 45,9 9 37,0 7 54,4 10 49,1 9
FDP Freie Demokratische Partei 12,5 2 8,2 2 5,9 1 8,6 2
FLoM Freie Liste offenes Messel 4,2 1
gesamt 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 19
Wahlbeteiligung in % 60,1 60,1 59,9 67,6

Bürgermeister

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Messel neben dem Bürgermeister fünf ehrenamtliche Beigeordnete angehören. Bürgermeister ist seit 13. Dezember 2010 Andreas Larem (SPD).[13][14][15] Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren

2000 bis 2010 Udo Henke (CDU)
1994 bis 2000 Reiner Fäth (SPD)[16]
Wappen und Flagge

Banner, Wappen und Hissflagge
Blasonierung: „In geteiltem Schild oben in Blau drei von Rot und Silber geschachte Schrägrechtsbalken, unten in Gold ein blaues Hufeisen.“[17]

Das Wappen wurde 1960 von Hauptlehrer Bezzenberger gestaltet.Die Schrägbalken sollten ursprünglich von recht nach links und das Hufeisen schwarz tigiert sein.
Die drei rot-weiß geschachtelten schrägbalken auf blauem Feld stammen aus dem Wappen der Groschlag von Dieburg, die früher Ortsherren von Messel waren. Das Hufeisen findet sich bereits auf einem Siegel aus dem 18.Jhd und symbolisiert den bäuerlichen Charakter von Messel, mit den Reichsfarben Schwarz und Gold sollte es Bezug auf die Schenkung an das Reichskloster Lorsch und, dass Messel im Gebiet des kaiserlichen Wildbannes Dreieich lag nehmen.
Das Wappen wurde 13.03.1961 vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt.[18]

Ursprünglicher Wappenvorschlag von 1960

Flaggen Beschreibung: „Im weißen Feld einer rot-weiß-rot gestreiften Fahne ist das neue Ortswappen zu sehen“

Die Farben rot-weiß-rot sind der großherzöglisch-hessischen Flagge und der Herren von Katzenelnbogen entlehnt.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Grube Messel

Bekannt ist Messel vor allem durch die Fossilienfundstätte Grube Messel, die von der UNESCO 1995 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Seit 2010 gibt es am Eingang der Grube ein Besucher-Informationszentrum.

Das Fossilien- und Heimatmuseum Messel zeigt eine Ausstellung zu Fossilienfunden, der Bergbau-, Industrie- und Ortsgeschichte von Messel. Das Museum befindet sich im ältesten bekannten Schulhaus der Gemeinde, einem Gebäude, das 1785 errichtet wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen
August: Kerb[19]
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Der Bahnhof Messel liegt im Ortsteil Grube Messel, an der Main-Rhein-Bahn, zwischen Aschaffenburg und Wiesbaden über Darmstadt und Mainz. Der Bahnanschluss besteht seit 1858. Der Bahnhof ist von Messel aus über einen kombinierten Fuß- und Radfahrweg zu erreichen. Vor Ort bestehen Park + Ride-Parkplätze. Außerdem wird der Bahnhof von Linienbussen nach Darmstadt-Kranichstein (dort Anschluss an die Straßenbahn Darmstadt), Darmstadt-Oberwaldhaus und nach Rödermark angefahren. An den Wochenenden bestehen einzelne Busverbindungen nach Heusenstamm über Dreieich-Offenthal.

Telefonvorwahl

Messel liefert der 3 km westlich im benachbarten Darmstadt gelegenen Großforschungseinrichtung GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung den Telefonanschluss, da nur im Ortsnetz Messel noch eine zweistellige Teilnehmernummer verfügbar war, um samt 4-stelliger Durchwahl im GSI die im frühen internationalen Selbstwählfernverkehr limitierte Länge der Gesamtnummer nicht zu überschreiten. In einer ähnlichen Situation wurde für die Linzer Stahlwerke VOEST – mit 3-stelliger Teilnehmernummer – temporär eine zweite, kürzere, 2- statt 3-stellige Ortsvorwahl für Linz angelegt.

Fossilien- und Heimatmuseum Messel

Grube Messel, Eingang des Besucher- und Informationszentrums

Grube Messel,
August 2010

Darwinius masillae

Bahnhof Messel,
vor 1907

Bahnhof Messel und Paraffin- und Mineralölwerk Messel,
um 1950

Literatur
Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 132.
Siegfried RCT Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen – Landkreis Darmstadt-Dieburg. Braunschweig 1988, S. 300ff.
Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940.
Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 526ff.
Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 458f.
Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 143.
Literatur über Messel in der Hessischen Bibliographie
Weblinks
 Commons: Messel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Webseite der Gemeinde Messel
Messel auf den Webseiten des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Messel, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Linkkatalog zum Thema Messel bei curlie.org (ehemals DMOZ)