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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Milower Land nicht vorenthalten.

Geschichte
Ortsname

Der Ortsname ist von Mil’ov- bzw. Milov = Ort eines Mil abgeleitet.
Mil ist entweder ein Zuname oder Kosename für einen Vornamen wie Milobrat, zum Adj. mil- lieb, wert.[4]

Vorgeschichte
Jungsteinzeitliche Schale (Schönfelder Kultur), Fundort Milow, Kreismuseum Jerichower Land

Das Gebiet der Gemeinde Milower Land war nachweislich bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. So liegen beispielsweise Funde aus der Jungsteinzeit aus der Gemarkung Milow vor. Im Kreismuseum Jerichower Land in Genthin befindet sich eine Schale, die der Schönfelder Kultur zugeschrieben wurde. Weiterhin existieren bronzezeitliche Funde in Form von Steinäxten aus Milow und Knoblauch. Bei Nitzahn wurden mehrere Urnengräberfelder der Bronze-, der Eisen- und der römischen Kaiserzeit entdeckt. Diese liegen im Bereich des Dorfausgangs direkt nebeneinander. In den etwa 60 Gräbern, die der römischen Kaiserzeit zugeordnet werden konnten, fanden sich beispielsweise Fibeln, Messer, Nadeln, Schnallen und Riemenzungen.[5]

In das 5. Jahrhundert konnten nordwestlich der Halbinsel Lutze gefundene Urnengräber datiert werden. Es handelt sich um Schalengefäße ohne Beigaben und um seltene Grabfunde der Völkerwanderungszeit aus dem Gebiet. Weiterhin wurden Scherben, die sich in die frühmittelalterliche Slawenzeit datieren ließen und ein um das Jahr 800 gefertigtes Schwert bei Möthlitz entdeckt.[6] Weitere slawische Siedlungsnachweise existieren aus der Gemarkung Jerchel (7. bis ins 10. Jahrhundert). Nordöstlich des Dorfes existierte ein slawischer Burgwall, der anhand ebenfalls von Scherbenfunden mindestens dem 9. bis 10. Jahrhundert zugeordnet werden konnte.[7]

Mittelalter

Der Ortsteil Milow wurde erstmals im Jahr 1144 in einer Schenkungsurkunde von Hartwig, Graf von Stade, Dompropst von Bremen und Domherr von Magdeburg, an das Erzstift Magdeburg genannt. Der Gemeindeteil Marquede wurde in einer Urkunde des Brandenburger Bischofs Balduin schriftlich erwähnt, als der Ritter Daniel von Mukede („Daniel, miles de Mukethe“) am 24. September 1215 dem Domkapitel Brandenburg sechs Hufen Land im Dorf Marzahne „zur Unterhaltung eines ewigen Lichts“ im Dom zu seinem und seiner Frau „Berechthe“ Gedächtnis vermachte.[8][9] Zehn Jahre später, am 4. April 1225 wurde in einer bischöflichen Urkunde ein Pfarrer Johann von Mothennyz als Zeuge genannt. Dabei könnte es sich um die erste schriftliche Erwähnung von Möthlitz handeln, was jedoch angezweifelt wird.[6] Ein in derselben Urkunde genannter Pfarrer Johann von Banthyz wird dem Dorf Bahnitz zugeschrieben.[10] Erstmals urkundlich erwähnt wurde Jerchel in der Mitte des 14. Jahrhunderts als „Gerchel“ in den Lehnbüchern der Erzbischöfe von Magdeburg. Besitzer des Dorfes war die Familie von Werder.[7] In diesen Lehnsbüchern fand auch die erste zweifelsfreie Erwähnung von Möthlitz als „Motelitze“ statt. Auch das Dorf gehörte der Familie von Werder.[6] Bahnitz („Bantz“) gehörte der Familie von Byern.[10] Die bekannte Ersterwähnung des Ortsteils Buckow stammt aus dem Jahr 1335 und die Großwudickes aus dem Jahr 1397 im Lehnbuch des Erzbischofs Albrecht IV. von Magdeburg. Von 1390 bis 1754 war das Rittergut Milow mit den Nebengütern Bützer, Jerchel und Marquede im Besitz der Familie von Tresckow (Treskow), die 1695 auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus die noch heute bestehende Fachwerkkirche errichten liess. Bauherren waren Johann Sigismund v. Tresckow (1660–1718) und seine Ehefrau Anna Elisabeth, geb. v. Katte.

Neuzeit

Moritz von Anhalt-Dessau erwarb 1754 Milow als Domgut. Im selben Jahr gründete er südlich davon den Ort Leopoldsburg und ein Jahr später die heutigen Gemeindeteile Neu-Dessau und Wilhelminenthal.[11]
Die Kolonisten in diesen Orten waren mehrheitlich Calvinisten und für sie wurde eigens 1770 die Leopoldsburger Kirche eingeweiht, in der sich heute die Sparkasse befindet.[12]

Carl Bolle (1832–1910), Gründer und Besitzer der traditionsreichen Meierei C. Bolle in Berlin, baute in Milow eine Villa, die er später seinen Mitarbeitern zur Erholung überließ. Heute befindet sich in diesem Gebäude die Jugendherberge Carl Bolle (grundrenoviert 2010).

Am 1. April 1914 wurden die Landgemeinden Altmilow, Neumilow und Leopoldsburg zu einer Landgemeinde mit dem Namen „Milow“ vereinigt.[13] Am 30. September 1928 wurden der Gutsbezirk Wendeberg mit den Landgemeinden Wendeberg und Knoblauch zu einer Landgemeinde Wendeberg zusammengelegt.[14]
Am 12. Februar 1929 wurde der Name der Landgemeinde „Wendeberg“ im Landkreis Jerichow II in „Knoblauch“ umgeändert.[15] Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Knoblauch (mit den Ortsteilen Knoblauch und Wendeberg) in Nitzahn eingemeindet.[16]

Am Ende des Zweiten Weltkrieges erwarben sich drei Milower Bürger, der Studienrat Pritzkow, der Bauer Fritz Ohm und der Pfarrer Paul Büchtemann, große Verdienste um den Ort, als sie in unerschrockener Konfrontation gegenüber dem SS-Kommandanten das Hissen weißer Fahnen organisierten und so dem Ort seine gewaltsame Zerstörung durch die Rote Armee ersparten.[17]

Im Zuge der Ämterbildung 1992 in Brandenburg schlossen sich folgende acht Gemeinden aus dem damaligen Kreis Rathenow zu einem Verwaltungsverbund, Amt Milow genannt, zusammen: Großwudicke, Milow, Nitzahn, Vieritz, Jerchel, Möthlitz, Bützer und Zollchow. Am 3. Juli 1992 erteilte der Minister des Innern seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Milow für dessen Zustandekommen der 16. Juli 1992 festgelegt wurde.[18] Sitz der Amtsverwaltung war die Gemeinde Milow. Erster Amtsdirektor wurde Günter Geib.[19]

Die Gemeinde Milower Land entstand im Vorfeld der geplanten brandenburgischen Gemeindegebietsreform 2003 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Bützer, Großwudicke, Jerchel, Milow, Möthlitz, Vieritz und Zollchow und der Eingliederung Nitzahns. In einer Bekanntmachung vom 30. April 2002 genehmigte das Ministerium des Innern die Bildung einer neuen Gemeinde Milower Land. Der Zusammenschluss wurde allerdings erst zum 26. Oktober 2003 rechtswirksam[20]. Die Gemeinde Milower Land entspricht dem von 1992 bis 2003 existierenden Amt Milow. Ortsteile wurden auch Schmetzdorf, das Ortsteil von Zollchow war, und Bahnitz, das ein Ortsteil von Möthlitz war.[21]

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
2003 4 994
2004 4 977
2005 4 938
2006 4 839
2007 4 756
Jahr Einwohner
2008 4 687
2009 4 599
2010 4 601
2011 4 403
2012 4 352
Jahr Einwohner
2013 4 325
2014 4 314
2015 4 333

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[22][23] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 52.3 %

 %50403020100

44,8 %26,6 %26,6 %2,0 %

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Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[24]

CDU: 7 Sitze
Wählergemeinschaft Milower Land: 4 Sitze
SPD: 4 Sitze
FDP: 1 Sitz
Bürgermeister

Felix Menzel (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl vom 25. September 2011 mit 54,2 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 62,6 %).[25]

Wappen

Die neugegründete Gemeinde nahm das amtliche Wappen des aufgelösten Amtes Milow an, dieses wurde am 17. Oktober 2003 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber über einem roten Dreiberg ein blauer, von zwei einander zugewandten schwarzen Kiefern begleiteter Göpel.“[26]

Das Wappen wurde 1993 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und ins Genehmigungsverfahren geführt.

Wappen der Ortsteile

Bahnitz

Bützer

Großwudicke

Jerchel

Milow

Möthlitz

Nitzahn

Schmetzdorf

Vieritz

Zollchow

Auf Initiative des Kulturvereins Milower Land e.V. und des Bürgermeisters der Gemeinde wurden in Absprache mit der Bevölkerung die obigen Ortswappen gestiftet, die vom HEROLD beurkundet und in die Deutsche Ortswappenrolle aufgenommen wurden. Diese Wappen werden nach einer vom Stifter erteilten Verfügungsberechtigung von den Ortsvorstehern, von Vereinen, Verbänden u.a.m. als Symbole der örtlichen Identität außerhalb von Amtshandlungen geführt. Gestalter der Wappen ist der Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch, der sie zur Beurkundung führte.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten in Milower Land sind:

Besucherzentrum Naturpark Westhavelland auf dem ehemaligen Rittergutshof
Historischer Ortskern Milow mit der barocken Patronatskirche Leopoldsburg (heute Sparkasse) und der evangelischen Dorfkirche Milow
Villa Bolle (heute Jugendherberge „Carl-Bolle“)
Schlosskapelle aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts und Schlossparkanlage mit Schlossteich in Großwudicke
Dorfkirche Schmetzdorf mit Orgel aus dem Jahr 1764
Dorfkirche Zollchow aus dem 13. Jahrhundert mit Orgel von Gottlieb Scholtze aus dem Jahr 1764
Spätromanische Dorfkirche Bützer
Dorfkirche Möthlitz
Dorfkirche Nitzahn
Kirche von 1303 im Nitzahner Gemeindeteil Knoblauch
Vieritzer Berg mit Naturlehrpfad
Vieritzer Wohnplatz Kater mit Wildgehege und Waldlehrpfad
Schleuse Bahnitz mit Wehrschuppen und Schleusenhaus
Kahnschleuse Bahnitz (2,7 × 12 Meter) am Schlauchwehr (ehemaliges Nadelwehr)
Bronzene Nixe Bahnitz an der Schiffsanlegestelle
Gutshaus Jerchel
Gutshaus Möthlitz
Gutshaus Milow
Fachwerkhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nitzahn

In der Liste der Baudenkmale in Milower Land stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

1967 wurde ein 5300 Jahre altes Skelett, genannt Der Mann von Milow, bei Schachtarbeiten in Milow gefunden. Der Fund ist im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel ausgestellt. Eine Nachbildung befindet sich seit 2014 im Besucherzentrum Naturpark Westhavelland in Milow.[27]

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Die Gemeinde liegt an der Landesstraße L 96 zwischen Rathenow und Brandenburg an der Havel. Die B 188 führt zwischen Stendal und Rathenow durch den Norden des Gemeindegebietes.

Die Bahnstrecke Berlin-Stendal-Hannover durchquert den Norden der Gemeinde. Der Haltepunkt Großwudicke wird von der Regionalbahnlinie RB 34 Stendal–Rathenow bedient. Der nächste Bahnanschluss an der Strecke Brandenburg-Rathenow befindet sich im Nachbarort Premnitz (Regionalbahn RB 51).

An der Havel befindet sich ein Wasserwanderrastplatz.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[28] 2 617 2 619 2 647 2 667 2 692 2 679 2 663 2 666 2 674
PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 550 559 576 580 611 616 616 618 617
Vergleichswert Land Brandenburg 510 514 521 528 542 546 548 551 551

Schaltwerk

Westlich des Ortsteiles Nitzahn bei den Koordinaten 52° 27′ 35″ N, 12° 20′ 45″ O52.45972212.345833 befindet sich ein Schaltwerk der Deutschen Bahn AG. Diese Anlage ist neben den Bahnstromschaltwerken Neckarwestheim und Nenndorf die einzige Schaltanlage der Deutschen Bahn AG, die nicht an einer Eisenbahnlinie oder auf dem Areal eines Kraftwerks liegt.

Persönlichkeiten
Daniel von Mukede († zwischen 1230 und 1234), Ritter und Domherr zu Brandenburg, geboren in Mukede (Marquede)
Gottfried von Katte (1789–1866), preußischer Generalleutnant, geboren in Zollchow
Ferdinand Lucke (1802–nach 1870), Reichstagsabgeordneter, geboren in Milow
Carl Bolle (1832–1910), Gründer und Besitzer der traditionsreichen Meierei C. Bolle in Berlin, geboren in Milow
Ernst Altenkirch (1903–1980), SED-Funktionär in Brandenburg an der Havel und Ost-Berlin, geboren in Bahnitz
Gerhard Göschel (* 1940), bildender Künstler, lebt seit 2000 in Zollchow
Literatur
Gaubatz, Petra: Chronik der Gemeinde Möthlitz. Möthlitz, Dezember 1996
Weblinks
 Commons: Milower Land – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Naturpark Westhavelland
Großwudicke
Jerchel in der RBB-Sendung Landschleicher vom 4. Januar 2009