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Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert

Vermutlich gründete ein „Masso“ an der oberen Steinlach das allemannische Dorf Masginga, die ursprüngliche Siedlung befand sich auf der Gemarkung des heutigen Teilorts Belsen. Im Frühjahr 2017 wurde beim Ausheben einer Baugrube in der Nähe des Schulzentrums ein 4500 Jahre altes Grab gefunden. Es enthielt das bisher älteste geborgene komplette Menschenskelett der Region und lag am Rande eines frühalamannischen Friedhofes. Der datiert in das 6./7. Jahrhundert und umfasst vermutlich rund 50 Gräber. Es handelt sich um die Leiche eines etwa zehnjährigen Jungen. Außerdem wurde gleichzeitig das komplette Skelett eines enthaupteten Pferdes gefunden.[7]

In einer Urkunde des Klosters Lorsch („in pago alemannorum in Messinger marca“) aus dem Jahre 774 findet sich die erste urkundliche Erwähnung.

Bis ins frühe 15. Jahrhundert gehörte Mössingen den Grafen von Zollern. Nach einer Auseinandersetzung zwischen Graf Friedrich XII. (genannt der „Öttinger“) und den Herren von Ow wurde Mössingen Anfang des 15. Jahrhunderts geplündert und niedergebrannt. Infolgedessen befestigte man den Mössinger Friedhof mit einer hohen Mauer und einem Wehrturm. 1415 verpfändete Graf Friedrich von Zollern Mössingen an Graf Eberhard von Württemberg. Nach langwierigen Auseinandersetzungen mit den Grafen von Zollern kam Mössingen im Jahre 1441 endgültig an das Herzogtum Württemberg. Im Jahre 1534 führte Ulrich von Württemberg die Reformation durch. Infolge des Dreißigjährigen Kriegs, der Erbfolgekriege und Koalitionskriege nahm der Ort große wirtschaftliche Schäden. Eine Auswanderungswelle zu Ende des 18. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Polen, Siebenbürgen und Amerika schwächte den Ort weiter.

Die Gedenktafel zum Mössinger Generalstreik wurde im Jahr 2003 an der Außenmauer der Langgass-Turnhalle neben dem Haupteingang angebracht.
20. und 21. Jahrhundert

Größere Aufmerksamkeit erlangte Mössingen am 31. Januar 1933. Hier fand der einzige Arbeiteraufstand in Deutschland gegen die Machtergreifung Adolf Hitlers statt, der so genannte Mössinger Generalstreik.

Durch Bevölkerungsanstieg, Zuwanderungsgewinne durch Heimatvertriebene sowie ausländische Gastarbeiter und umgesiedelte Russlanddeutsche erreichte der wirtschaftliche Aufschwung ab 1950 auch die Region. Eine Trabantenstadt, Bästenhardt, wurde aufgebaut.

Am 1. Januar 1971 erfolgte die Eingliederung der Gemeinde Talheim. Öschingen wurde am 1. Dezember 1971 eingemeindet.[8] Am 1. Januar 1974 wurden die Stadtrechte verliehen. Infolge des weiteren Bevölkerungszuwachses wurde die Stadt weiter ausgebaut. In Öschingen, Belsen und an den Rändern der Kernstadt und von Bästenhardt entstanden große Wohngebiete. Industrie und Gewerbe siedelten sich vor allem am Nordrand und zwischen der Kernstadt und Bästenhardt/Belsen an. Das Rathaus wurde am Bahnhof neu gebaut, die alte Innenstadt wurde verkehrsberuhigt. Dazu trugen auch der verkehrsentlastende Nord- und Südring bei.

2008 stimmte die Landesregierung dem Antrag der Stadt zu, Mössingen zum 1. Januar 2009 zur Großen Kreisstadt zu erheben.[9]

Stadtteile

Die Mössinger Stadtteile haben eine wechselhafte und unterschiedliche Geschichte, obwohl alle einschließlich der Kernstadt bis 1403 zur Grafschaft Zollern gehörten und dann an Württemberg kamen. Hier gehörten sie zum Amt bzw. Oberamt und ab 1934 Kreis Rottenburg. Dieser ging später im Kreis Tübingen auf.

Die Geschichte der Stadtteile wird in den jeweiligen Artikeln beschrieben.

Religion

Seit der Reformation ist Mössingen evangelisch. Die aktuell bestehenden Kirchgemeinden Martin Luther, Johannes und Peter und Paul gehören der evangelisch-lutherischen Landeskirche an. Des Weiteren gibt es im Ort eine Gemeinschaft evangelischer Pietisten sowie die Evangelisch-methodistische Christuskirche.

Die römisch-katholische Kirche befindet sich in der Diaspora. Die Anzahl katholischer Christen vergrößerte sich mit dem Zuzug durch Heimatvertriebene und Gastarbeiter aus katholischen Regionen. Die Vergrößerung der katholischen Kirchgemeinde machte einen Kirchenneubau im neuen Stadtzentrum notwendig. Die alte Kirche Auf Dachtel wurde abgerissen.

Die Neuapostolische Kirche ist in Mössingen mit einer eigenen Kirche vertreten, eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) versammelt sich regelmäßig im Stadtteil Belsen, ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas befindet sich im Industriegebiet Schlattwiesen.
Muslime besuchen zum Freitagsgebet die Ensar-Camii-Moschee in der Karl-Jaggy-Straße.

Politik
Regionalverband und Verwaltungsgemeinschaft

Die Geschäftsstelle des Regionalverbands Neckar-Alb befindet sich seit dem 1. November 1992 in Mössingen, nachdem sie ihren Sitz zuvor in Tübingen hatte. Verbandsvorsitzender ist Eugen Höschele (Bürgermeister a. D.).

Es besteht eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Mössingen mit den Gemeinden Bodelshausen und Ofterdingen.

Unterzentrum

Im Regionalplan ist Mössingen als Unterzentrum ausgewiesen und gehört zum Mittelbereich Tübingen. Mössingen führt zusätzlich, wie die Stadt Pfullingen, Entlastungs- und Ergänzungsfunktionen auf der Stufe eines Mittelzentrums.

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[10]
Wahlbeteiligung: 45,67 % (2009: 46,83 %)

 %50403020100

41,7 %19,0 %17,2 %14,2 %8,0 %n. k.

FWSPDCDUGrüneUBeFWG
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12-14-16-18

+5,0 %p
+1,8 %p+1,3 %p± 0,0 %p+8,0 %p-16,1 %p
FWSPDCDUGrüneUBeFWGVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:e Unabhängige Bürger

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Der Gemeinderat wird für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 28 Sitze wie folgt auf die Parteien und Gruppierungen:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze G/V
CDU 17,15 % 5 − 1
SPD 18,94 % 5 ± 0
Grüne 14,22 % 4 ± 0
Freie Wählervereinigung 41,68 % 12 + 1
Unabhängige Bürger 08,01 % 2

Bürgermeister und Oberbürgermeister

Seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt (2009) trägt das Stadtoberhaupt (reguläre Wahlperiode: acht Jahre) die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister.

1893–1902: Schultheiß Bauer
1902–1933: Karl Jaggy
1933–1945: Gottlieb Rühle
1945: Jakob Stotz
1945–1962: Gottlieb Rühle
1962–1982: Erwin Kölle
1982–1998: Hans Auer
1998–2010: Werner Fifka
seit 1. Oktober 2010: Michael Bulander[11]
Wappen
Mössinger Wappen von 1952

Das Wappen wurde 1952 von der damaligen Gemeinde Mössingen eingeführt. Die Farben des Wappens schwarz-silber sollen auf die ehemalige Zugehörigkeit zur Grafschaft Zollern hinweisen. Das Wappen zeigt auf schwarzem Grund ein silbernes diagonal nach links oben verlaufendes Wellenband, welches den schwarzen Wappenschild in ein rechtes oberes und ein linkes unteres Feld unterteilt. Im rechten oberen Feld befinden sich drei kleine Wappenschilde. Das linke untere Feld zeigt einen silbernen Brunnen mit geteiltem Wasserstrahl. Das Wellenband stellt die Teilung des Ortes durch die Steinlach in einen nördlichen und südlichen Teil dar. Der Brunnen weist auf die Schwefelquellen des Stadtteils Bad Sebastiansweiler hin. Die drei Wappenschilde im rechten oberen Feld sollen an den Dreifürstenstein, den Hausberg von Mössingen, erinnern. Am Dreifürstenstein stießen die Grenzen der drei Territorien Württemberg, Hohenzollern und Fürstenberg aufeinander.[12]

Städtepartnerschaften
Saint-Julien-en-Genevois, Frankreich, seit dem 13. Januar 1990
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Musik

Aufführungsort der „Geistlichen Konzerte“ sind die drei evangelischen Kirchen in Mössingen und die katholische Marienkirche. Die Konzerte möchten das Evangelium in der ganzen Breite der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten vermitteln. So erklingt alte und neue Musik in großen und kleinen Besetzungen.
Die Peter- und Paulskirche bietet eine hervorragende Akustik und eine erweiterte Weimer-Orgel von 1820. Günstige Aufstellmöglichkeiten durch einen Bühnenaufbau bietet die in Mössingen an der Durchgangsstraße Reutlingen – Hechingen gelegene Martin-Luther-Kirche. Für kleinere Besetzungen eignet sich die Johanneskirche in Bästenhardt mit ihrer musikfreundlichen Akustik. Die moderne katholische Marienkirche besitzt eine zweimanualige Orgel von Fischer & Krämer Orgelbau.

Theater
Theatergruppe Schwobastroich
Kino

Die Lichtspiele Mössingen gelten als eines der schönsten Kinos im Südwesten Deutschlands. Es wird in der Regel am Wochenende, in der Wochenmitte und an Feiertagen ein Programm im nostalgischen Kinoambiente der 1950er Jahre geboten (Kinosaal von 1952). Mit den Programmreihen „Kino am Freitag“ und „Kino & Kirche“ (seit 1991) werden aktuelle Filme und Klassiker gezeigt, Das Kino hat hierfür schon mehrfach Auszeichnungen erhalten.[13]

Sehenswürdigkeiten
Für Mössingen typische Blumenrabatten an Straßen und Wegen
Vogelschutzzentrum

Mössingens besonderer Schmuck sind seit 1992 bunte Blumenwiesen, blühende Straßenrandstreifen und Kreisverkehre, welche die Stadt von Frühjahr bis Herbst aufblühen lassen. Die Jury des Bundeswettbewerbs der Entente Florale Deutschland verlieh der Stadt dafür im Oktober 2001 die Goldmedaille.

Der NABU unterhält in Mössingen bei der Ziegelhütte ein für Besucher zugängliches Vogelschutzzentrum. Hier werden jährlich mehr als 100[14] verletzte oder kranke (Jung)Vögel und Fledermäuse behandelt.

Museen
Holzschnitt-Museum Klaus Herzer im Öschinger Schultheißenhaus
Rechenmacherhaus Wagner in Mössingen
Raumfahrt-Museum Fritz in Talheim
Historische Messerschmiede in Mössingen, Hirschgasse 13
Kulturscheune in der Brunnenstraße mit wechselnden Ausstellungen
PAUSA-Museum (im Aufbau)
Gedenkstätten

Seit 1985 erinnert eine Gedenktafel auf dem Jakob-Stotz-Platz an den kommunistischen Hitler-Gegner Jakob Stotz,[15] der als maßgeblich Beteiligter den Mössinger Generalstreik vom 31. Januar 1933 anführte, einen der wenigen in Deutschland erfolgten Arbeiterproteste gegen die NS-Diktatur, wofür er zu mehrjähriger Haft verurteilt wurde, diese aber überlebte und nach 1945 am demokratischen Neuaufbau im Ort mitwirkte.[16]

Des Weiteren erinnert seit 2003 an der Langgaßturnhalle eine weitere Gedenktafel an den Mössinger Generalstreik.

Bauwerke
Peter und Pauls-Kirche (1977)
Martin-Luther-Kirche
Belsener Kapelle
Martin-Luther-Kirche
Evangelische Peter-und-Paulskirche (erbaut 1517, Weimer-Orgel von 1820)
Restaurierte Fachwerkhäuser im alten Zentrum, darunter auch das alte Rathaus und die Gipsmühle.
Quenstedt-Gymnasium im Bildungszentrum am Südende der Kernstadt
Denkmalgeschützte Industriearchitektur von 1928 und 1951: Teile der Textilfabrik Pausa[17] wurden von dem Architekten Manfred Lehmbruck entworfen und 2004–2011 durch das Büro Baldauf Architekten[18] denkmalgerecht saniert und umgenutzt. Das Projekt erhielt 2011 die Auszeichnung für beispielhaftes Bauen der Architektenkammer Baden-Württemberg.[19]
Naherholungsziele
Olgahöhe: 602 Meter hoher Vorberg des Farrenbergs mit Waldspielplatz und Grillhütte. Von dort ergeben sich Ausblicke auf Stadt Mössingen und Landkreis Tübingen sowie auf einen Ausschnitt des Albtraufs und die vorgelagerten Streuobstwiesen. Austragungsort des Sonnwendfeuers, einer sommerlichen Veranstaltung des Schwäbischen Albvereins.
Kurpark und Schwefelquelle Bad Sebastiansweiler
Dreifürstenstein: 853,5 Meter hoher Berggipfel südlich des Stadtteils Belsen, der über einen Pfad vom Wanderparkplatz Alter Morgen erreicht werden kann. Von dort oben ergeben sich Fernblicke bis zu den Gipfeln des Schwarzwalds. Am Dreifürstenstein kamen die Grenzen dreier Fürstentümer zusammen.
Farrenberg: 820 Meter hoher Hausberg Mössingens mit Motor- und Segelflugplatz sowie verschiedenen Aussichtspunkten auf das Albvorland.
Regelmäßige Veranstaltungen
Maskenabstaubede des Steinlachtaler Fasnachtsvereins auf dem Mössinger Rathausplatz am 6. Januar (Heilige Drei Könige)
Fasnetsverbrennung auf dem Mössinger Rathausplatz am Fasnetsdienstag
Maibaumfeste in Mössingen und seinen Stadtteilen am 30. April (Walpurgisnacht)
Bergfeuer auf der Olgahöhe zur Sommersonnenwende am 21. Juni
Straßengalerie auf dem Mössinger Rathausplatz am 2. Sonntag im Juli
Flugschau des Motor- und Segelsportvereins auf dem Farrenberg
Umsonst & Draußen-Festival Mössingen
Rosen- und Kunstmarkt
Mössinger Stadtlauf (jährlich, seit 2004)
Für Kinder (5–11 Jahre) findet in der ersten und zweiten Sommerferienwoche das Spatzennest statt, das vom Jugendforum Oberes Steinlachtal e.V. veranstaltet wird.
Alle zwei Jahre findet im Gebiet Schulzentrum / Jakob-Stotz-Platz, das Stadtfest (ehm. Bürgertreff) statt.
Alle zwei Jahre veranstaltet der Mössinger Fasnetsverein eine Zeltfasnet
eintägiger Weihnachtsmarkt Anfang Dezember in der Falltorstraße und rund um die Peter- und Paulskirche
Das Apfelfest jeweils am ersten Oktoberwochenende. In der Woche davor veranstaltet das Netzwerk Streuobst die „Mössinger Apfelwoche“.
Sport
Der Flugplatz auf dem Farrenberg bei Mössingen

Hauptträger des Sportsgeists in Mössingen ist die Sportvereinigung (SpVgg) Mössingen (rund 2.000 Mitglieder) mit zwei Sportplätzen und Vereinsheim in der Langestraße/Lichtensteinstraße. Weitere Sportplätze befinden sich in den Ernwiesen südöstlich von Bästenhardt, auf Talheimer Gebiet im Holderbachtal im Osten von Öschingen. Im Ernwiesen-Stadion werden alljährlich auch die sommerlichen Bundesjugendspiele der Mössinger Schulen ausgetragen. Tennisanlagen des Mössinger Tennis-Clubs befinden sich am Freibad auf dem Hegwiesengelände. Im Gewerbegebiet Lange Hirschen befindet sich eine Tennishalle. Auch die Schulsporthallen und die Steinlachhalle stehen für Vereins- und Freizeitsportveranstaltungen verschiedener Art zur Verfügung. Flugsport kann vom Flugplatz auf dem Segelfluggelände Farrenberg aus betrieben werden. Schießanlagen befinden sich bei der Olgahöhe und in Öschingen. Boule, der französische Volkssport, kann auf zwei Plätzen in der Grünanlage an der Steinlach gespielt werden.

Kulinarische Spezialitäten
Maultaschen, die echten Messenger Strudle, werden von einheimischen Metzgern und Gastronomen noch selbst hergestellt, aber auch auf manchem Fest angeboten, in Brühe oder in der Pfanne gebraten.
Mössinger Bier: Die Mössinger Bierbrauerei ist als einzige von ehemals sieben übrig geblieben und braut in den Produktionsanlagen Auf der Lehr alle üblichen Biersorten vom Pils bis zum hellen Hefeweizen.
Charakteristisch für die Gemeinden im Streuobstgebiet am Albtrauf sind Edelbrände, so auch für Mössingen und seine Teilorte. Es sind mehrere Brennereien vorhanden, die im Lohnbetrieb arbeiten und auch von geringen Mengen Brände erzeugen. Bekannt ist der „Belsemer Kirsch“ aus dem Ortsteil Belsen.
Mössinger Kaffee: Die Mössinger Kaffeerösterei „Spezialitäten Compagnie“.
Wirtschaft und Infrastruktur
Land- und Forstwirtschaft

Die Wälder auf Mössinger Gemarkung werden fast ausnahmslos intensiv forstlich genutzt. Mössingen war bis 1995 auch Sitz eines Forstamtes.
Die Landwirtschaft ist bäuerlich geprägt. Neben- und Zuerwerbsbetriebe sind noch verbreitet. Einen hohen Stellenwert nimmt der Streuobstbau ein. In Belsen ist auch ein Schäfer ansässig, dessen Herde die Unterhänge der Albberge beweidet.

Gewerbe

Motor der Wirtschaft war lange Zeit die Textilindustrie. Ausschlaggebend war die Lage an der Steinlach als Vorfluter und für die Stromgewinnung. Einer der Hauptarbeitgeber war die PAUSA AG, eine Stoffdruckerei, die 1871 als „Mechanische Buntweberei Hummel“ gegründet, 1919 in PAUSA AG umbenannt und 2004 stillgelegt wurde.
An zweiter Stelle stehen Holz und Metall verarbeitende Industrie. Eine Maschinenfabrik hat sich bereits Ende der 1960er-Jahre im Westen der Stadt angesiedelt. Am Bahnhof befinden sich ein Sägewerk, das jedoch inzwischen stillgelegt wurde und eine Nudelfabrik. In Mössingen gibt es vorrangig Klein- und Mittelstandsbetriebe.
Mössingen bildet einen Teil des Gewerbestandorts Steinlachtal. Ausgedehnte Gewerbegebiete befinden sich im Südwesten und Norden (Schlattwiesen) der Kernstadt.
Der aktuelle wirtschaftliche Schwerpunkt liegt im Bereich Handel und Dienstleistungen. Am Rand der Kernstadt haben sich zahlreiche Großmärkte angesiedelt. Aber auch der Einzelhandel hat eine große Bedeutung. Hauptgeschäftsstraßen sind Bahnhofstraße und in der Verlängerung dazu die Falltorstraße, die die Stadt in West-Ost-Richtung durchziehen. Dort reihen sich Geschäfte für den speziellen Bedarf wie Juwelier, Optiker und Spielwarenhandel, aber auch Dienstleistungsbetriebe wie Sparkassen, Versicherungen und Arztpraxen, aneinander.

Medien

Als örtliche Tageszeitungen mit entsprechendem Lokalteil sind das Schwäbische Tagblatt und der Reutlinger General-Anzeiger (GEA) erhältlich.
Der regionale TV-Sender RTF.1 ist in Mössingen per Kabel verfügbar. Einmal wöchentlich erscheint das Amtsblatt der Stadt Mössingen.

Bergbau

In einem Steinbruch am westlichen Rand der Gemarkung wurden lange Jahre die Tonschiefer des Schwarzen Jura abgebaut. Aus dem bitumenhaltigen Gestein wurde Petroleum gewonnen. Die Tonschiefer dienten auch zur Herstellung von Ziegelsteinen. Der Steinbruch wurde mit Erdmaterialien wieder aufgefüllt. Weitere Steinbrüche befanden sich unterhalb des Hirschkopfs. Dort wurde zur Gewinnung von Wegeschotter Weißjurakalk gebrochen. In der Gipsmühle wurde Gips verarbeitet.

Fremdenverkehr

Trotz der Lage Mössingens am Albtrauf, des Vorhandenseins von Heilquellen und der vielfältigen Naturausstattung, hat der Fremdenverkehr noch keinen hohen Stellenwert erlangt. Beherbergungs- und Bewirtungsbetriebe sind unterrepräsentiert. Im Ortsteil Bad Sebastiansweiler hat sich eine Kurklinik angesiedelt. Eine Touristenattraktion ist das Mössinger Bergrutschgebiet, zu dem mittlerweile Hinweisschilder führen und das durch einen Wanderpfad und Informationstafeln erschlossen ist. Regelmäßig finden dorthin Naturführungen statt.

Bildung

Mössingen ist ein wichtiger regionaler Bildungsstandort. Bereits 1957 wurde südwestlich der Mössinger Altstadt die Gottlieb-Rühle-Hauptschule fertig gestellt. Es folgten 1967 die Friedrich-List-Realschule und 1973 das Quenstedt-Gymnasium sowie die Flattich-Förderschule.
Die Jahn-Turnhalle komplettierte das Bildungszentrum. Im südlichen Anschluss entstand nur 2 Jahre später die Körperbehindertenschule (KBS) als Bestandteil des Körperbehindertenzentrums Neckar-Alb.
Weitere Grund- und Hauptschulen befinden sich in den Ortsteilen Bästenhardt und Talheim.
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg erbaute 1962 bis 1965 am Firstwald nordöstlich Mössingens ein Aufbaugymnasium mit Internat, heute Evangelische Schulen am Firstwald. Die städtische Volkshochschule Tübingen unterhält eine Außenstelle in Mössingen.

Verkehr

Die Bundesstraße 27, die ehemalige Schweizer Straße, verbindet die Stadt nach Norden mit Tübingen und Stuttgart und nach Süden mit Hechingen. Sie tangiert das Stadtgebiet im Westen. Vom Stadtteil Talheim führt die L 385 als Passstraße (Talheimer Steige) auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb nach Melchingen. Die L 384 verbindet Mössingen mit der im Nordosten liegenden Großstadt Reutlingen und dem Nachbarort Nehren. Eine Umgehungsstraße, der Nordring, führt den Durchgangsverkehr im Norden um Mössingen herum. Er wurde nach fast 30-jähriger Planungszeit am 12. Januar 2007 dem Verkehr übergeben. Das zur Zeit seiner Entstehung größte Verkehrsprojekt des Landkreises Tübingen wurde in 16 Monaten für 5,061 Millionen Euro gebaut. 1973 wurde zum Stadtteil Bästenhardt eine neue Verbindungsstraße mit 100 Meter langem Tunnel unter der Bahnstrecke gebaut.

Mössingen wurde mit Einweihung des Bahnhofs am 24. Juli 1869 an das Bahnnetz angebunden und ist aktuell Regionalexpress-Halt auf der Strecke Tübingen-Aulendorf, der sogenannten Zollernalbbahn. Auch der Stadtteil Belsen besitzt hier einen Regionalbahn-Haltepunkt namens Bad Sebastiansweiler-Belsen.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Wabe 113.

Ein Segelflugplatz befindet sich auf dem Farrenberg im Süden der Stadt.

Wasserversorgung

Das Trinkwasser kommt über Fernleitungen aus dem Bodensee. Durch das Stadtgebiet verläuft der Albstollen, der Bodenseewasser auch in den Mittleren Neckarraum leitet. Bei Talheim sorgt ein Pumpwerk für die Steigerung des Wasserdruckes. Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung hat seinen Sitz in Stuttgart. Der Wasserbehälter für die Mössinger Trinkwasserversorgung liegt auf dem fast 600 Meter hohen Schlossbuckel.
Das Abwasser wird in die an der Steinlach bei Tübingen gelegene zentrale Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Steinlach-Wiesaz geleitet.

Öffentliche Einrichtungen

Mössingen beherbergt ein Notariat. Ferner ist Mössingen Sitz der Stiftung KBF gGmbH, Mössingens größtem Arbeitgeber und Deutschlands ehemals größter Zivildienststelle.

Persönlichkeiten
Mit Mössingen verbunden
Johannes von Schlayer (1792–1860), württembergischer Staatsminister, erhielt hier seine Ausbildung zum Schreiber
Dieter Schneider (* 1954), wuchs in Mössingen auf und ist der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg
Rainer Tempel (* 1971), Jazzpianist, wuchs in Mössingen auf und gründete hier auch Rockbands
Tedros Teclebrhan (* 1983), Comedian und Schauspieler, verbrachte seine Kindheit hier
Giuseppe Pellegrino (* 1983), deutsch-italienischer Musiker, wuchs hier auf
Adrian Coriolan Gaspar (* 1987), rumänisch-österreichischer Komponist, verbrachte seine Kindheit in der Stadt und lebt heute in Wien
Ehrenbürger
Erwin Canz (* 29. Juni 1853; † 16. September 1937), Oberbaurat
Richard Burkhardt (* 12. März 1877; † 5. Mai 1958), Fabrikant
Otto Merz sen. (* 5. September 1886; † 19. Oktober 1964), Fabrikant
Erwin Kölle (* 20. November 1920; † 10. Februar 2005), Bürgermeister
Hans Auer (* 6. Juli 1939), Bürgermeister
Willy Häussler († 1986), Direktor der ehemaligen Firma Pausa
Söhne und Töchter der Stadt
Julius Speer (1905–1984), geboren im Stadtteil Talheim, Forstwissenschaftler
Andreas Felger (* 1935), Maler, Bildhauer und Glaskünstler
Willi Rudolf (* 1944 in Öschingen), Unternehmer, Kreisbehindertenbeauftragter
Michael Lang (* 1965), Oberbürgermeister von Wangen im Allgäu
Angelo Vaccaro (* 1981), italienisch-deutscher Fußballspieler
Sonstiges
Das Orkantief Lothar wütete am 26. Dezember 1999 auch über Mössingen und führte zu starken Schäden in mehreren Wäldern. Der Bästenhardter Wald im Westen der Stadt wurde fast vollständig vernichtet, ein damals hiebreifer Tannenwald.