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Wir lieben Statistiken und Daten…

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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Morgenröthe-Rautenkranz nicht vorenthalten.

Geschichte

Die beiden Ortsteile Morgenröthe und Rautenkranz gingen aus Hammerwerken hervor. Der Schichtmeister Elias Steiniger ließ 1679 ein Hammerwerk errichten, das er nach dem Rautenkranz im sächsischen Wappen benannt haben soll[8].

Ende Dezember 1990 gab der Geschäftsführer der Geophysik GmbH Leipzig, Ulrich Stötzner, der Tageszeitung Die Welt die bislang geheimgehaltene Information, dass Morgenröthe-Rautenkranz bis in den Ortskern radioaktiv verseucht sei.[9]

Am 1. Oktober 2009 schlossen sich Morgenröthe-Rautenkranz sowie die Nachbarorte Hammerbrücke und Tannenbergsthal zur neuen Einheitsgemeinde Muldenhammer zusammen.[10]

Morgenröthe
Eisenhüttenwerk Morgenröthe um 1840
Historischer Hochofen von Morgenröthe
Morgenröthe in der Karte von 1791

Der Ortsteil Morgenröthe (ca. 660 m ü. NN) ist der ältere Teil der früheren Doppelgemeinde am Lauf der Großen Pyra. Urkundlich wurde die Siedlung erstmals am 8. April 1618 als Zinnbergwerk „Die Morgenröthe“ erwähnt. Noch 1791 wurde in den Sächsischen Meilenblättern der Bereich unterhalb der Mündung des Steinbächels als „die Zinn Wiese“ bezeichnet.[11] In diesem Jahr erhielt der Besitzer der Bergwerks Georg Pflugk der Ältere, Herr auf Posterstein, das landesherrliche Privileg zur Anlegung neuer Bergwerks- und Arbeiterwohngebäude. Dies stellte die Gründungssituation des Dorfes dar. Der Ort gehörte zum Amt Voigtsberg.[12] 1652 erwarb Hans Hutschenreuter, zu dieser Zeit Besitzer des Zinnbergwerkes, von Kurfürst Johann Georg I. das Privileg für die Errichtung eines Hammerwerkes. Im Jahre 1658 ging das Werk an Caspar Wittig aus Wittigsthal. Insgesamt wechselte es bis 1798 zehnmal den Besitzer. In diesem Jahr ging es an Gottlob Emanuel Lattermann, einen Handelsmann aus Leipzig, der seinen 22-jährigen Sohn, Heinrich Ludwig Lattermann, mit der Führung des Morgenröther Hammerwerkes betraute.

Ende des 18. Jahrhunderts wurden Morgenröthes Ortsteile als Unter- und Ober-Morgenröthe bezeichnet.[11]

Bereits im Jahr 1810 ging das Rautenkranzer Hammerwerk und einige Jahre später, 1835, das Tannenbergsthaler Hammerwerk in den Besitz der Lattermanns über.

1799 wurde ein neuer Hochofen in Morgenröthe gebaut, der im Juni 1799 angeblasen wurde und der bis 1820 seinen Dienst versah. Am 30. April 1819 erhielten die Besitzer die Konzession „zum Bau eines Hochofens und zur Anlegung eines Blechwalzwerkes und zur Errichtung anderer Eisenhüttenanlagen“. Dieser 1820 gebaute und bis 1874 in Betrieb befindliche Ofen ist noch in Morgenröthe zu besichtigen und zählte damals zu den größten seiner Art in Sachsen. Er gehört zu den wenigen erhaltenen historischen Hochöfen im Gebiet der neuen Bundesländer. Vergleichbare Anlagen sind nur noch in Schmalzgrube (erhaltener Hochofen von 1659), Brausenstein (erhaltener Hochofen von 1693), Peitz (erhaltener Hochofen von 1809) und Schmalkalden (Neue Hütte) (erhaltener Hochofen von 1835) vorhanden.

Zu den bekanntesten heute noch erhaltenen Produkten des Eisenwerkes zählt das 1831 gefertigte Schwarzenberg-Gebläse, ein in neugotischer Industrieform gestaltetes wasserradgetriebenes Hochofengebläse für die Antonshütte.

Am 24. Juli 1879 wurde ein Großteil des Werkes bei einem Feuer zerstört, danach wiedererrichtet. Ab dieser Zeit arbeitete man jedoch mit einem Kupolofen, in dem Grau- bzw. Glockenguss gegossen wurde. Morgenröthe war bekannt durch seine Pressenfabrikation (Spindel- und Exzenterpressen, auch Stanzautomaten), und durch seine Glocken, die seit einem halben Jahrhundert in diesem stillen Seitental der Zwickauer Mulde gegossen wurden. Eine Apoldaer Firma lieferte dazu die Berechnungen und der Guss wurde in einer besonderen Legierung (Klanghartguss – Klanghalbstahl) in der alten Gießhalle ausgeführt. Die größten in Morgenröthe hergestellten Glocken befinden sich im Dom zu Riga und in der Allerheiligenkirche. Sie wurden 1926/1927 gefertigt, wiegen jeweils 8,5 Tonnen, haben einen Durchmesser von 2,50 m und eine Höhe von 3,00 m.

Die Lattermanns wurden 1946 enteignet. Bis zur Zerstörung des Betriebes durch ein Feuer am 30. November 1968 wurde weiterproduziert, danach das Werk jedoch nicht wiedererrichtet.

Zur Zeit der DDR gab es in Morgenröthe ein Ferienheim der Deutschen Reichsbahn.

Rautenkranz
Kirche in Rautenkranz
Rautenkranz
Winterimpressionen
Rautenkranz mit Hammerwerk und Walzwerk an der Großen Pyra bei der Einmündung in die Zwickauer Mulde (Karte von 1791)

Rautenkranz wurde im Jahre 1679 erstmals urkundlich erwähnt. Jedoch muss es schon Jahrzehnte früher als kleine Bergbau- und Hammerwerkssiedlung bestanden haben. Den Namen hat der Gründer des Ortes, Elias Steiniger, dem Rautenkranz im kursächsischen Wappen entliehen. Fälschlicherweise wird der Name mit der rings um den Ort hin und wieder zu findenden Akeleiwiesenraute in Beziehung gebracht. Der Ort gehörte wie Morgenröthe zum Amt Voigtsberg.[13]

In seinen Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Rautenkranz beschreibt der in diesem Ort geborene Alwin Gerisch, der nach 1890 Vorsitzender der SPD in Deutschland wurde, das Leben der kleinen Leute im Gebirge in der Zeit von etwa 1865 an.[14] An Alwin Gerisch erinnert die Alwin-Gerisch-Straße im Ortsteil Rautenkranz.[15]

Eingemeindungen

Morgenröthe und Rautenkranz wurden 1852 zu einer Gemeinde vereinigt. 1939 wurden Hohehaus, Sackhaus, Muldenhammer und Sachsengrund eingemeindet.

SAPD-Hochburg in der Weimarer Republik

Morgenröthe-Rautenkranz war der einzige Ort in Deutschland, in welchem die 1931 gegründete, linkssozialistische Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) eine absolute Mehrheit erreichen konnte; bei den Kommunalwahlen am 13. November 1932 erhielt sie 8 von 13 Mandaten.[16]

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1971 31. Dezember):

1834: 1015
1871: 1299
1890: 1510
1910: 1453
1925: 1435
1939: 1365
1946: 1484
1964: 1420
1971: 1349
1998: 966
1999: 951
2000: 936
2001: 914
2002: 895
2003: 894
2004: 881
2005: 871
2006: 855
2007: 826

Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen
Infrastruktur

Durch Rautenkranz führt die Bundesstraße 283.

Die durch Rautenkranz führende Bahnstrecke Chemnitz–Adorf (CA-Linie) wurde 1875 eröffnet. Mit dem Bau der Talsperre Eibenstock wurde diese Strecke unterbrochen und der durchgehende Verkehr am 27. September 1975 eingestellt. Im verbliebenen Abschnitt Muldenberg–Schönheide Süd (Wilzschhaus)–Schönheide Ost der CA-Linie wurde der Personenverkehr in Abschnitten zwischen 1979 und 1982 eingestellt und seitdem verkehrten nur noch Güterzüge, bis auch der Güterverkehr 1996 eingestellt wurde. Nach dem Ausbau einer Weichenverbindung in Muldenberg Ende der 1990er Jahre hat die Strecke keine Verbindung mehr zum übrigen Netz der DB und ist gleichsam eine Inselstrecke. Seit 2008 betreibt ein Förderverein einen Touristik- und Ausflugsverkehr mit einer Motordraisine zwischen Schönheide Süd und Hammerbrücke.

Der Ort liegt auf dem Radfernweg Euregio Egrensis und dem Fernwanderweg Eisenach–Budapest.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gebäude der Deutschen Raumfahrtausstellung
MiG-21, mit der Sigmund Jähn flog.
Deutsche Raumfahrtausstellung mit einer originalen MiG-21
4,5 m hohe Stele zur Erinnerung an den 1978 erfolgten Raumflug des ersten deutschen Kosmonauten, den in Rautenkranz geborenen Siegmund Jähn
Heimatstube
klassizistische Pfarrkirche, 1838–1842 errichtet
Hochofen der ehemaligen Eisengießerei
Persönlichkeiten
Morgenröthe
Heinrich Ludwig Lattermann (1776–1839), Hammerherr und Politiker
Hermann Lattermann (1809–1867), Hammerherr und Politiker
Carl Friedrich Zimmermann (1817–1898), Erfinder der deutschen Konzertina
Gottfried Lattermann (1879–1950), Hammerherr und Mundartdichter
Rautenkranz
Alwin Gerisch (1857–1922), Vorsitzender der SPD und Weggefährte von August Bebel.
Sigmund Jähn (* 1937), Kosmonaut, erster Deutscher im Weltraum.
Literatur
Margarete Schattner, Karlheinz Paul, Konrad Stahl: Festschrift zum 350-jährigen Ortsjubiläum der Gemeinde Morgenröthe-Rautenkranz. Gemeindeverwaltung: Morgenröthe-Rautenkranz, 2002.
Morgenröthe. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 6. Band. Schumann, Zwickau 1819, S. 557 f.
Morgenröthe. In: Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 153–155.
Rautenkranz. In: Das östliche Vogtland (= Werte der deutschen Heimat. Band 59). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0938-1, S. 190–193.
Weblinks
 Commons: Morgenröthe-Rautenkranz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Morgenröthe-Rautenkranz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
Morgenröthe im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
Rautenkranz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen