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Geschichte
Frühgeschichte

Das Gebiet um die heutige Kernstadt Nauen war bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt.[7]

Mittelalter (500–1500)

Eine These hinsichtlich der Namensgebung Nauens besagt, eine Familie aus Nauen am Westharz habe sich hier angesiedelt und ihrer neuen Wohnstatt den Namen ihrer alten Heimat gegeben.[8] Nauen wurde 1186 erstmals als „Nowen“ in einer Urkunde von Bischof Baldram von Brandenburg erwähnt und nicht, wie früher angenommen, im Jahre 981.[9] Nauen erhielt 1292 das Stadtrecht, woraufhin die Bürger 1302 das erste Rathaus errichteten. 1317 wurde ihr durch den brandenburgischen Markgrafen Waldemar den Großen das Marktrecht verliehen. Bereits im Mittelalter siedelten Juden in der Stadt. Im Jahre 1414 verursachte ein Rachefeldzug des Raubritters Dietrich von Quitzow einen großen Stadtbrand.

Neuzeit (1500 bis ca. 1789)

Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten im Jahr 1631 die kaiserlichen Truppen Tillys einen Teil der Stadt. Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges fand am 27. Juni 1675 das „Gefecht bei Nauen“ zwischen schwedischen und brandenburgischen Truppen statt. Ab 1716 begann die Einquartierung von Militär. Im Jahre 1732 hielt sich Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II. von Preußen, für drei Monate als Kommandeur eines Bataillons in Nauen auf. Der Bau von zwei Kasernen erfolgte 1767 im Bereich des heutigen Landratsamtes.

Neueste Zeit (um 1790 bis zum 21. Jahrhundert)
Preußen

Im Jahr 1800 weihte die jüdische Gemeinde ihre Synagoge in der Goethestraße 11 ein.

Alte Brennerei am Gutshof Ribbeck
Deutscher Bund (1815–1866)

Im Jahre 1816 entstand der Landkreis Osthavelland. Die jüdische Gemeinde konnte 1819 außerhalb der Stadt Am Weinberg einen Friedhof anlegen. Nauen wurde 1826 Kreisstadt und blieb dies über alle folgenden Gesellschaftsformen hinweg bis zur Kreisreform 1993. Die Stadt erhielt 1846 einen Anschluss an die Berlin-Hamburger Bahn. Zwischen 1865 und 1930 wurden mehrere Großprojekte verwirklicht, darunter 1865 die städtische Gasanstalt.

Norddeutscher Bund (1867–1871)

Im Jahr 1869 erfolgte die Einweihung einer höheren Knabenschule.

Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
Gebäude des Landratsamtes aus der Kaiserzeit, gegenüber dem Rathaus.

Im Jahr 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1889 erfolgte der Bau der Zuckerfabrik Nauen. Das neue Rathaus der Stadt im Stil der norddeutschen Backsteingotik wurde zwischen 1888 und 1891 errichtet. Ein Orkan im Februar 1911 brachte dessen Turm zum Einsturz, welcher durch das Dach schlug, woraufhin die Turmspitze mitten in den Sitzungssaal ragte.[10] Mittels der Eisenbahn wurde 1890 der Vorortverkehr nach Berlin eröffnet. Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Nauen Endbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. 1906 entstand die nördlich vor Nauen liegende Funkstelle als Versuchsstation von Telefunken, deren Erweiterung zur Großfunkstelle Nauen im Jahr 1921 erfolgte. Sie ist damit die älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt. 1907 wurde das Kreiskrankenhaus errichtet. Im Jahr 1912 führte man die elektrische Beleuchtung ein. Der Bau des Gymnasiums in der Parkstraße erfolgte 1916.

Weimarer Republik (1918–1933)

1923 erfolgte die Eröffnung der städtischen Badeanstalt. 1930 wurde die Vollkanalisation der Innenstadt durchgeführt.

Drittes Reich (1933–1945)

Bereits in den ersten Wochen nach der Machtergreifung der NSDAP kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf Mitglieder der Arbeiterbewegung, im August 1933 etwa wurde der Arbeitersportler Karl Thon von Angehörigen der Nauener SA verschleppt und erschlagen.[11] Zudem wurde im Jahre 1933 in einer Zementfabrik im heutigen Ortsteil Börnicke durch die SA-Standarte 224 das KZ Börnicke als Teillager des frühen KZ Oranienburg eingerichtet. Zwischen 150 und 500 politische Gefangene – überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Landkreis Osthavelland – wurden hier in Schutzhaft genommen, wobei mindestens zehn von ihnen ermordet wurden und weitere an den Haftfolgen starben. Nach der Auflösung des KZ Börnicke im Juli 1933 wurde das Lager als KZ-Außenlager des KZ Oranienburg weitergeführt.

Die Nauener Synagoge wurde 1938 während der Novemberpogrome stark beschädigt.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte am 20. April 1945 bei Tag[12] ein US-amerikanischer Luftangriff, bei dem etwa 60 Menschen starben. Der Bahnhof und die umliegenden Stadtgebiete erlitten schwere Zerstörungen.

Am 23. April 1945 rückten unter dem Oberbefehl von Marschall Schukow Bodentruppen der 1. Weißrussischen Front der Roten Armee, in deren Reihen auch Truppen der 1. Polnischen Armee kämpften,[13] im Zuge ihrer Umfassung der Reichshauptstadt in Vorbereitung der Schlacht um Berlin gegen Nauen vor und nahmen die Stadt innerhalb von 24 Stunden ein.[14]

Sowjetische Besatzungszone (1945–1949)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Nauen zur Sowjetischen Besatzungszone.

Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)

Nauen war seit 1952 Kreisstadt des Kreises Nauen im Bezirk Potsdam.

Im heutigen Nauener Ortsteil Groß Behnitz befand sich vom 7. Oktober 1969 bis zum 7. Oktober 1986 die NVA-Kaserne der Raketenabteilung 1 (Abk.: RA-1).[15][16] Diese Kaserne trug den Ehrennamen Rudi Arndt und den Tarnnamen Ogarok (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Огарок = „Kerzenstummel“).[15] Die Raketenabteilung 1 unterstand der 1. Mot.-Schützendivision (Abk.: 1. MSD) in Potsdam-Eiche, welche den Tarnnamen Morena (deutsche Schreibweise des russischen Wortes Морена = „Moräne“) trug.[16][17]

Bundesrepublik Deutschland (seit 1990)
Ausgebrannte Flüchtlingsunterkunft im August 2015

Die Zuckerfabrik Nauen wurde 1993 aufgelöst.

Aufgrund von Hetzbriefen gegen Flüchtlinge, gefolgt von einem in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2015 verübten Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft für ca. 100 Menschen sowie der Angriffe auf das Büro der Partei Die Linke wurde Nauen im Jahr 2016 in den Medien als „Zentrum der rechtsextremen Szene in Brandenburg“ bezeichnet.[18][19]

Mit dem „Toleranzfest Nauen“ halten mehr als 30 Organisationen und die Stadtverwaltung gegen diese Entwicklung. Das Ziel besteht darin, auf friedliche Weise zu signalisieren, dass eine große Gruppe von Menschen dieser Stadt sich offen für ein tolerantes, demokratisches und solidarisches Miteinander – gerade im Hinblick auf geflüchtete, asylsuchende, ältere und homosexuelle Menschen – zeigen. 700 Teilnehmer gaben im Jahr 2016 ein Beispiel für ein buntes Nauen. Man wolle sich den Ruf der Stadt nicht durch die Taten einer sehr kleinen Gruppe von Rechtsextremen zunichte machen lassen.[20]

Eingemeindungen

Zur Stadt Nauen gehörten vor dem Jahr 2003 die drei Ortsteile Neukammer, Schwanebeck sowie die Waldsiedlung (Am Weinberg). Im Jahr 2003 beschloss der Brandenburgische Landtag am 24. März eine Gemeindegebietsreform. Diese Reform betraf im Landkreis Havelland auch das Amt Nauen-Land, welches sich bis dahin aus 14 Gemeinden zusammengesetzt hatte. Von diesen 14 Gemeinden wurden mit Wirkung zum 26. Oktober 2003[21] insgesamt 11 Gemeinden Ortsteile der Stadt Nauen. Dies sind die neuen Ortsteile Berge, Bergerdamm, Börnicke, Groß Behnitz, Kienberg, Klein Behnitz, Lietzow, Markee, Ribbeck, Tietzow und Wachow.

Bevölkerungsentwicklung
Einwohnerentwicklung von Nauen von 1875 bis 2015 nach nebenstehender Tabelle

Bevölkerungsentwicklung Nauens von 1700 bis 2015 (Angaben auf Grundlage des jeweiligen Gebietsstandes)

Jahr Einwohner
1875 6 929
1890 8 120
1910 9 176
1925 9 625
1933 10 659
1939 11 907
1946 13 106
1950 13 521
1964 12 090
1971 11 828
Jahr Einwohner
1981 11 787
1985 11 543
1989 11 215
1990 10 965
1991 10 769
1992 10 680
1993 10 594
1994 10 445
1995 10 355
1996 10 951
Jahr Einwohner
1997 10 918
1998 10 858
1999 10 736
2000 10 807
2001 10 987
2002 11 024
2003 16 774
2004 16 555
2005 16 649
2006 16 674
Jahr Einwohner
2007 16 675
2008 16 626
2009 16 523
2010 16 684
2011 16 475
2012 16 491
2013 16 616
2014 16 761
2015 16 943

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[22][23] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 34.9 %

 %403020100

33,0 %21,4 %15,1 %13,0 %8,7 %5,4 %3,4 %

SPDLWNLinkeCDUFW/PWGBNPD
Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nauen besteht aus 28 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister bei folgender Sitzverteilung:

SPD: 9 Sitze
Ländliche Wählergemeinschaft Nauen (LWN): 6 Sitze
Die Linke: 4 Sitze
CDU: 4 Sitze
Frischer Wind für Nauen und Ortsteile/Piratenpartei: 2 Sitze
Wählergruppe Bauern: 2 Sitze
NPD: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[24]

Bürgermeister

Detlef Fleischmann (SPD) war von 2001 bis 2017 Bürgermeister.[25] Manuel Meger (Ländliche Wählergemeinschaft Nauen) wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 mit 50,6 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren zu seinem Nachfolger gewählt.[26]

Wappen und Flagge
Stadtwappen Nauens

Das Wappen wurde am 7. Januar 1994 genehmigt. Blasonierung: „In Silber ein schrägrechtsgestellter blauer Karpfen.“[27]
Die Farben der Flagge sind Blau – Silber (Weiß). Der Tuchuntergrund wird im Verhältnis 1:1 längs geteilt. Das amtliche Wappen kann in der oberen Hälfte der Flagge eingebracht werden.

Städtepartnerschaften
Deutschland Berlin-Spandau, Deutschland, seit 1988
Deutschland Kreuztal, Deutschland, seit 1991

Übersicht:

388 km bis zur Stadt Kreuztal in Nordrhein-Westfalen 24 km bis zum Bezirk Spandau von Berlin

Sehenswürdigkeiten und Kultur
Sehenswürdigkeiten
Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Nauen
St. Jacobi

Die Kirche St. Jacobi geht auf das Spätmittelalter zurück. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts, genauer um 1400, ließen die Nauener die Kirche erbauen, die architektonisch der Backsteingotik zuzurechnen ist. Erst ein halbes Jahrhundert später, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, war der Chor mit dem Altar fertiggestellt. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche im 16. Jahrhundert evangelisch. Ende des 17. Jahrhunderts zerstörte ein Brand das Gebäude, woraufhin die Gemeinde das Gotteshaus im Jahr 1695 wieder errichten ließ. Zwölf Jahre später, im Jahr 1707, wurde der 55 m hohe Turm mit seiner barocken Haube auf den ursprünglichen Unterbau aufgesetzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine 1874 gebaute Orgel aus der Werkstatt Heerwagen.

Weitere Kirchen
Die Fachwerkkirche in Markee entstand 1697 als Ersatz für den hinfälligen Vorgängerbau. Sie enthält vorreformatorische Apostelfiguren, ein Bild aus der Cranach-Schule, eine Altarkanzel und eine Empore aus der Zeit um 1700 sowie Art déco-Ausmalungen aus den 1930er Jahren.
Von 1905 bis 1906 wurde die Katholische Kirche St. Peter und Paul im Stil einer neuromanischen Backsteinbasilika erbaut.
Historische Altstadt

In der historischen Altstadt befinden sich einige Gebäude, die im Zeitraum zwischen dem 17. Jahrhundert und dem 20. Jahrhundert entstanden. Dazu gehören der zwischen 1888 und 1891 fertiggestellte Rathausplatz mit dem Rathaus als neugotischem Backsteinbau sowie das Sittelsche Haus. Der Wasserturm an der Ecke Mauerstraße/Goethestraße wurde 1898 erbaut und 2006 renoviert; er beinhaltet jetzt Nauens höchste Wohnung. Zwischen 1999 und 2002 sanierte man in der Innenstadt das im Jugendstil errichtete „Voßsche Haus“ (Mittelstraße 33) sowie das „Barzsche Haus“ (Mittelstraße 12—16) und schließlich das „Rumpffsche Haus“.

Gedenkstätten
Gedenkstein für die KZ-Opfer von Börnicke auf dem Gelände der einstigen Fabrik aus dem Jahr 1975
Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge in der Goethestraße Nr. 11 aus dem Jahr 1988. Im gleichen Jahr stellte man auf dem jüdischen Friedhof Am Weinberg eine Skulptur des Künstlers Ingo Wellmann zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger auf.
Sowjetischer Ehrenfriedhof: Er erinnert an die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges getöteten sowjetischen Soldaten der Roten Armee sowie zusätzlich an die während des Zweiten Weltkrieges in Nauen umgekommenen Zwangsarbeiter anderer Nationen. Der Friedhof befand sich ehemals an der Berliner Straße, wurde aber nach der Wiedervereinigung auf den Städtischen Friedhof verlegt.

Wasserturm Nauen

Schmales Fachwerkhaus in der Altstadt von Nauen (Goethestraße)

Evangelische Kirche St. Jacobi

Hochaltar von St. Jacobi

Katholische Kirche St. Peter und Paul

Christuskirche in Markee

Filmproduktionen

Nauen diente als Kulisse für die Produktion von 16 Filmen.[28] So wurden Teile des DEFA-Spielfilms „Solo Sunny“, der im Jahr 1980 erschien, in der Marktstraße in Nauen gedreht.[29]

Wirtschaft und Infrastruktur

Bezüglich seiner infrastrukturellen und wirtschaftsgeografischen Bedeutung bildet Nauen[30] neben Falkensee[31] und Rathenow[32] eines von drei Mittelzentren im Landkreis Havelland.

Wirtschaft
Funksendeanlagen
Drehstandantenne beim Ortsteil Waldsiedlung
Windkraftanlagen auf der „Nauener Platte“ beim Ortsteil Groß Behnitz

Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde in der Großfunkstelle Nauen bedeutende Pionierarbeit in der Funktechnik geleistet. Diese Leistungen trugen der Stadt den Beinamen „Funkstadt“ ein.[33]

Nauen ist seit dem 19. August 1906, als die Großfunkstelle für drahtlose Telegraphie in Betrieb genommen wurde, Standort bedeutender Sendeanlagen (52° 8′ 51″ N, 12° 54′ 31″ O52.147512.908611111111). Anfangs diente die Anlage dazu, Telegramme über weite Strecken auch ohne Kabel zu übertragen mit dem Fernziel Funkkontakt zu den deutschen Kolonien in Afrika und Asien. Bis 1945 befand sich in Nauen ein großes Sendezentrum für Lang- und Kurzwelle, dessen Drahtantenne eine Fläche überspannte, die größer als das Fürstentum Monaco war. Die Tragmasten, die bis zu 260 Meter hoch waren, gehörten zu den höchsten Bauwerken Europas. 1913 wurden bereits Reichweiten bis 6.400 Kilometer erreicht. Klar verständlich telefonierte man von hier nach Wien. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam der Funkstelle auch militärische Bedeutung zu. Weil die Entente das Deutsche Überseekabel gekappt hatte, wurde die Anlage nun das Tor zur Welt. Von hier aus lenkte das Reich seine U-Boot-Flotte, hier hielt es den Kontakt in die Kolonien. 1918 übernahm die von Telefunken betriebene Gesellschaft Transradio die Funkstation. Die Technik wurde schrittweise weiterentwickelt und ermöglichte bald Reichweiten bis zu 20.000 Kilometer. Nauen wurde durch diese Anlagen weltbekannt („Nauen kennt die Welt und die Welt kennt Nauen“).

Bis 1925 lag der Muthesiusbau, das Sendergebäude des Senders Nauen, fast direkt an der damaligen Fernverkehrsstraße 273. Infolge einer späteren Geländeerweiterung der Sendeanlagen umgeht die Straße seither das weiträumige Areal der Sendeanlage in großem Bogen ostwärts. 1945 wurden die Anlagen demontiert und der Muthesiusbau zeitweise als Kartoffellager genutzt.

Ab 1954, in der DDR-Zeit wurden neue Sendeanlagen aufgebaut, insbesondere für Rundfunk und andere Funkdienste im Kurzwellenbereich. Beim Ausbau des Kurzwellenzentrums Nauen entstand 1976 eine 70 Meter hohe Drehstandantenne, die im 21. Jahrhundert unter Denkmalschutz steht. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden einige Teile der Sendeeinrichtungen aus der DDR-Zeit demontiert. Allerdings wurden zwischen 1995 und 1997 in Nauen auch vier neue drehbare Antennen, die ALISS-Antennen, errichtet. Sie sind 80,5 Meter hoch, wiegen 280 Tonnen und haben eine Spannweite von 87 Metern. Hauptsächlich werden Programme der Deutschen Welle auf Kurzwelle ausgestrahlt (Stand im Jahr 2015).

Windkraftanlagen

Die „Nauener Platte“ ist heute ein ausgewiesenes Windnutzungsgebiet, welches durch eine hohe Anzahl und Dichte von Windkraftanlagen charakterisiert wird.

Verkehr
Individualverkehr

Nauen liegt an der Bundesstraße B 5, die Hamburg mit Berlin verbindet. Die Entfernung nach Hamburg beträgt 247 km, bis zum Berliner Bezirk Spandau beträgt sie 24 km. Auf dem Weg in die Bundeshauptstadt ist Nauen über die B 5 an den westlichen Berliner Ring (A 10) angeschlossen (Anschlussstelle Berlin-Spandau). Von Nauen führt die Bundesstraße B 273 über die Anschlussstelle Kremmen der A 24 nach Kremmen.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene Pkw (zum 1.1.)[34] 8.321 8.323 8.367 8.499 8.616 8.651 8.737
Pkw je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 499 501 506 509 523 525 526

Nauen liegt am Havelland-Radweg, der von Berlin in den Naturpark Westhavelland führt.

Öffentlicher Personennah- und Fernverkehr
Die Berlin-Hamburger Bahn führt über Nauen.

Nauen war Endbahnhof der 1963 eingestellten Osthavelländischen Kreisbahnen Nauen-Ketzin sowie Nauen-Velten.

Der Bahnhof Nauen ist Endhaltepunkt der Regionalbahnlinie RB 10 des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), betrieben von der Deutschen Bahn AG (DB AG). Für die die Züge der VBB-Regionalexpress-Linie RE2 (Wismar – Cottbus), welche hier auf der Bahnstrecke Ludwigslust–Berlin verkehren und von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) gefahren werden, dient er als Durchgangsbahnhof.[35][36]

Die Züge der Linie RB14 halten auf Gleis 6, wo bahnsteiggleicher Anschluss an den RE Richtung Wismar vom Gleis 5 besteht. An Gleis 2 hält die Linie 10 und die RE der Gegenrichtung; es besteht Anschluss an die RB14 Richtung Spandau am Gleis 5.

Die Gleise 1 und 4 sind reine Durchfahrtgleise mit Linienzugbeeinflussung (LZB) für den schnellen Personenverkehr. Gleise 2 und 5 sind ebenfalls mit LZB ausgestattet. Die Gleise 7 und 8 sind für den Güterverkehr vorgesehen. Gleis 3 am südlichen Bahnsteig hat eine Nummer, aber keine Schienen. Beide Bahnsteige sind auch über einen Aufzug erreichbar.[37]

Die Bus-Linien der Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH verbinden Nauen mit dem Umland.

Bildung
Goethe-Gymnasium
Käthe-Kollwitz-Grundschule

In Nauen gibt es vier Grundschulen. Neben den drei in städtischer Trägerschaft befindlichen Grundschulen, der Käthe-Kollwitz-Grundschule, der Grundschule am Lindenplatz und der Graf-von-Arco-Oberschule mit Grundschulteil wird in privater Trägerschaft die Kreativitäts- und Ganztagsgrundschule des Leonardo-da-Vinci-Campus betrieben.[38] Hinzu kommen zwei Förderschulen in Trägerschaft des Landkreises Havelland, nämlich die Havellandschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowie die Regenbogenschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen.[39]

Die zwei Oberschulen sind die städtische Dr. Georg Graf von Arco-Oberschule mit Grundschulteil sowie die Kreativitäts- und Ganztagsoberschule des Leonardo-da-Vinci-Campus in privater Trägerschaft.[40]

Nauen bietet drei Berufsbildende Schulen: die Berufliche Schule für Wirtschaft Nauen in freier Trägerschaft, das Jugendaufbauwerk Nauen e. V. und das Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landkreises Havelland.[41]

Drei Gymnasien bieten die Möglichkeit, das Abitur abzulegen; das städtische Goethe-Gymnasium, das privat betriebene Internationale Ganztagsgymnasium des Leonardo-da-Vinci-Campus sowie das Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landkreises Havelland.[42]

Als Volkshochschule steht den Nauenern die Musik-, Kunst- und Volkshochschule des Landkreises Havelland offen.[43]

Öffentliche Einrichtungen

In Nauen befindet sich ein Schwimmbad, betrieben als Stadtbad.[44]

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Hans Werner Salomon (1926–2014), Politiker (SPD), Ehrenbürger seit 1996, von 1979 bis 1992 Bürgermeister des Berliner Bezirks Spandau, von 1995[45] bis 2014 Vorstandsvorsitzender des Ortsverbandes Nauen e.V.[46] des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland
Söhne und Töchter der Stadt
Heinrich Friedrich August Graf von Itzenplitz
Georg Graf von Arco (1931)
Friedrich Karl Ludwig von Below (1750–1814), Landstallmeister im Hauptgestüt Trakehnen
Karl August von Brandenstein (1792–1863), Generalleutnant
Heinrich Friedrich August Graf von Itzenplitz (1799–1883), geboren in Groß Behnitz, preußischer Minister
Walter Pott (1878–1960), erster frei gewählter Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg in Hohen Neuendorf
Hermann Schmidt (1880–1945), Politiker (Zentrum), 1927 bis 1932 preußischer Staatsminister der Justiz
Heinrich Wilkens (1881–1948), Politiker (Zentrum)
Ernst Kienast (1882–1945), Direktor beim Reichstag
Hans Ney (* 1924), geboren im Börnicker Wohnplatz Ebereschenhof, Heimatforscher
Friedrich Zunkel (1925–2010), Wirtschafts- und Sozialhistoriker
Arnold Zarft (1930–2009), geboren in Bergerdamm, Pastor, Ehrenbürger von Neustrelitz
Heinz Klingenberg (* 1934), Mediävist und Runologe, Professor für Skandinavistik der Universität Freiburg
Helmut Kliem (1939–1970), geboren im Börnicker Wohnplatz Ebereschenhof, Todesopfer an der Berliner Mauer
Michael Werner (* 1939), Kunsthändler
Wilfried Mommert (* 1944), Journalist
Martin Posth (1944–2017), geboren in Berge, Industriemanager
Jürgen Drews (* 1945), Schlagersänger
Eugen Gliege (* 1949), Presse- und Comiczeichner
Thomas Plenert (* 1951), Kameramann
Irene Diekmann (* 1952), Historikerin
Udo Schnelle (* 1952), Theologe, Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Jochen Kowalski (* 1954), geboren in Wachow, Opernsänger, Countertenor
Klaus-Dieter Kurrat (* 1955), Leichtathlet, Medaillengewinner der Olympischen Sommerspiele 1976
Udo Folgart (* 1956), Politiker (SPD), seit 2004 Mitglied des Landtages Brandenburg
Christoph D. Minke (* 1965), Kirchenmusiker
Nancy Grimm (* 1979), Amerikanistin
Sabrina Schepmann (* 1981), Fotomodell, Fotografin
Claudia Grunwald (* 1982), Leichtathletin
Mit Nauen verbundene Persönlichkeiten
Georg Graf von Arco (1869–1940), Elektroingenieur, Verantwortlicher für den Ausbau der Großfunkstelle Nauen
Siehe auch
Ackerbürgerstadt
Literatur
Gerd Alpermann: Die Einwohnerschaft der Stadt Nauen und ihrer Garnison bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (Schriftenreihe der Stiftung Stoye der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung e.V., Bände 20 und 21), Neustadt an der Aisch 1991, ISBN 3-7686-4127-9.
Ernst Georg Bardey: Geschichte von Nauen und Osthavelland. Rathenow 1892.
Michael Bollé: Die Grossfunkstation Nauen und ihre Bauten von Hermann Muthesius. Mit einem Beitrag von Georg Frank. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1996, ISBN 3-922912-37-0.
Martina al Diban: In Nauen durch die Jahrhunderte. Geschichte und Geschichten. Verlag Uwe Grötschel, Falkensee 1995, ISBN 3-00-000108-5.
Christian Hopfe: Nauen in alten Ansichten (Archivbilder), Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-161-5.
Dieter Kristke: 100 Jahre Nauen in Worten und Bildern. Eine Wanderung durch die Straßen und Gassen der Altstadt. Ketzin 1992.
Dieter Kristke: Stadtbilder aus Nauen. 1292–1992. Stadt-Bild-Verlag, Leipzig 1992, ISBN 3-928741-08-X.
Dieter Kristke: Nauen in alten Ansichten (Die damals Reihe), Europäische Bibliothek Verlag, Zaltbommel/Niederlande 1995, ISBN 90-288-6048-7.
Arndt Riefling: Nauen. Als die Schornsteine noch rauchten. Fotodokumente zwischen 1945 und 1989. (Edition Damals in unserer Stadt), Leipziger Verlagsgesellschaft, Verlag für Kulturgeschichte und Kunst, Leipzig 2007, ISBN 3-910143-84-9.
Dorit Schneider: Soldaten in der Stadt. Militär und Gesellschaft in Nauen 1763–1806 (magi-e – forum historicum, Band 4), Schwarten Verlag, Aichach 2003, ISBN 3-929303-23-X.
Werner Vogel: Nauen. In: Gerd Heinrich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 10: Berlin und Brandenburg. 2. verbesserte und erweiterte Auflage (Kröners Taschenausgabe, Band 311), Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1985, S. 286–287, ISBN 3-520-31102-X.
Weblinks
 Commons: Nauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien