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Geschichte
Ausschnitt aus einer von dem Kartografen Johann Georg Vetter angefertigten Karte (1741)
Dorfplan aus dem Jahr 1835
Die Diakonissenanstalt im Jahr 1869
Neuendettelsau in den 1970er Jahren
Frühgeschichte

In Neuendettelsau wurden Funde aus dem Paläolithikum gemacht. Nördlich des Ortes fand man neolithische Silexartefakten und Scherben aus der Urnenfelderzeit. Bei Mausendorf ist aus jüngerer Zeit eine mesolithische Fundstelle bekannt. Ab dem 5. Jahrtausend vor Christus weisen archäologische Funde auf eine gewisse Siedlungskontinuität hin.[5] (Neuen)Dettelsau lag an einem alten Handelsweg, der in Süd-Nord-Richtung verlaufenden „Hochstraße“; auch die Flur „Weinstraße“ verweist auf eine früher bedeutende Fernverbindung.[6]

Mittelalter und Neuzeit

Der erste Beleg, der sich eindeutig auf Neuendettelsau bezieht, findet sich 1298 in einer Urkunde des Heilsbronner Zisterzienserklosters. Hier wird ein castrum Tetelsau erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem gleichnamigen Flurnamen ab. Das Grundwort ist mhd. ouwe, owe (=„von Wasser umflossenes Land, wasserreiches Wiesenland“), das Bestimmungswort ist der Personenname Tatili, Detel.[7] Als Erklärung ergibt sich somit „Zu den Auen des Tatili“.[8]

Die Erwähnung in einer päpstlichen Bestätigungsbulle vom 16. März 1141, in der dem Heilsbronner Kloster durch Papst Innozenz II. Besitzungen unter anderem Tetelesouue garantiert werden[9], lässt sich sowohl Neuen- als auch Altendettelsau zuordnen. Manfred Keßler hat jedenfalls in seinem Aufsatz „Auf der Suche nach den Urhöfen in Neuendettelsau“ nachweisen können, dass es in Neuendettelsau bereits im 12. Jahrhundert mehrere Höfe gegeben haben muss.[10] 1168 wird erstmals eine Kapelle/Kirche in Dettelsau erwähnt[11], wobei hier Neuendettelsau gemeint sein muss, da es keine Belege für eine Kapelle in Altendettelsau gibt.

Im 13. Jahrhundert wurde das Dorf in Heilsbronner Waldgebiete hinein planmäßig erweitert. Von „Nuwentetelsauwe“ ist erstmals in einem Lehenbuch des Würzburger Bischofs von ca. 1317–1322 die Rede.[12][13] Als Würzburger Lehen besaßen die Herren von Heideck zu Vestenberg Vogteirechte in (Alten-)Dettelsau.[14] Weitere Würzburger Lehen in Dettelsau besaß im 14. Jahrhundert die Adelsfamilie Pfinzing.[13] Diese verkaufte ihren Dettelsauer Besitz 1370 an die Adelsfamilie Gralant/Grolant.[15] Erstmals am Ende des 13. Jahrhunderts ist erwähnt, dass – wahrscheinlich als Heidecker Lehensnehmer – die Herren von Vestenberg auf der Burg Dettelsau saßen. So ist 1295 ein Hermann von Vestenberg zu Dettelsau genannt, und auf der Burg Dettelsau stellte 1298 eine Gattin eines Vestenbergers eine Urkunde aus.[16] Laut einer Urkunde von 1334 besaßen die Vestenberger den Neuendettelsauer Wald „Zuckenreisich“.[17]

1356 ging die Burg durch Belehnung der Heidecker auf die Herren von Seckendorff über, die als burggräfliche Richter in Windsbach saßen.[15] 1398 verliehen die Burggrafen von Nürnberg die Burg Detteslau an Hipolt von Seckendorff; wie die Burggrafen in deren Besitz kamen, ist unklar. Um 1506/10 verkauften die Seckendorffs Neuendettelsau an ihren Verwandten Fritz von Lidwach, der bis 1517 als Besitzer erscheint. Das an die Markgrafen heimgefallene Lehen kaufte 1518 Sebastian von Eyb und wurde von diesen mit dem Rittergut belehnt; schon zuvor (1464 oder früher) besaß die Familie von Eyb zwei Höfe in Altendettelsau als Lehen der Bischöfe von Eichstätt, die sie 1668 an Brandenburg-Ansbach veräußerten. In Neuendettelsau selbst hatten die Herren von Eyb einen Amtsvogt sitzen.[18]

In einem Bericht von 1608 des brandenburg-ansbachischen Amtes Windsbach, dem die Fraisch oblag, heißt es, dass Neuendettelsau aus 53 „Mannschaften“ von zwölf Höfen und 41 Sölden besteht, die alle von Eybscher Besitz waren.[19] Der Ort litt stark unter dem Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Krieg siedelten sich evangelische Exulanten aus Oberösterreich an, die wesentlich zum Wiederaufstieg beitrugen.[20] Schließlich bestand das von Eybsche Rittergut Neuendettelsau aus 70 Anwesen im Ort (1 Hof, 5 Halbhöfe, 13 Viertelhöfe, 28 Güter, 16 Gütlein, 1 Tafernwirtschaft, 1 Gut mit Backrecht, 1 Schmiedgütlein, 3 Leerhäuser, 1 Pfarrwiddum-Gut der Pfarrei Neuendettelsau).[21] 1796 wurde das von Eybsche Rittergut von Preußen mediatisiert und kam 1806 mit dem 1792 an Preußen gefallenen Fürstentum Ansbach an das neue Königreich Bayern. Ab 1796 bestand ein preußisches Patrimonialgericht derer von Eyb in Neuendettelsau. 1819 bis 1848 hatten sie eine Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse für ihr Gut Neuendettelsau inne, dem 81 Familien angehörten.[22] Die gerichtliche Zuständigkeit ging 1848 an das Landgericht Heilsbronn über.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 das Steuerdistrikt Neuendettelsau gebildet. Die Ruralgemeinde Neuendettelsau wurde im Jahr 1810 gegründet[23] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1862 bis 1879 wurde Neuendettelsau von dem Bezirksamt Heilsbronn verwaltet, seit 1880 von dem Bezirksamt Ansbach (ab 1938: Landkreis Ansbach) und dem Rentamt Heilsbronn (1920–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Heilsbronn, 1880–1956 Amtsgericht Heilsbronn, seit 1956 Amtsgericht Ansbach.[24]

Nationalsozialismus in Neuendettelsau
Verlegung von Behinderten im Rahmen der Euthanasie-„Aktion T 4“ aus der Pflegeanstalt „Schloß“ Bruckberg der Diakonissenanstalt Neuendettelsau in staatliche Heil- und Pflegeanstalten (Frühling 1941)
Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Muna
Mahnmal für die Euthanasieopfer

Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 erhielt der rechtsextreme Völkische Block in Neuendettelsau 264 Stimmen und damit einen Anteil von 28,0 %, womit das Wahlergebnis für Franken mit 20,7 % deutlich übertroffen wurde. Dieses überdurchschnittliche Ergebnis dürfte wahrscheinlich in Zusammenhang mit einer Wahlempfehlung von Hans Lauerer, dem damaligen Rektor der Diakonissenanstalt, stehen, der die Diakonissen, die die größte Wählergruppe in Neuendettelsau stellten, nachgekommen sind.[25]

Nach der Wiedergründung der NSDAP im Jahr 1925 gab es in Neuendettelsau nur einzelne Parteimitglieder, die zunächst zur Ortsgruppe Ansbach gehörten. Am 29. September 1927 wurde unter Hans Fronmüller die NS-Ortsgruppe Neuendettelsau gegründet, die aber bis 1930 trotz unermüdlicher Parteiarbeit nur ca. 20 Mitglieder zählte und zeitweise an die Ortsgruppe Windsbach angegliedert wurde.[26] Bei der Reichstagswahl 1930 erzielte die NSDAP in Neuendettelsau mit 348 Stimmen einen Anteil von 32 %, womit wiederum das Ergebnis für Franken deutlich übertroffen wurde. Noch extremer fiel das Ergebnis der Reichstagswahl Juli 1932 aus: Hier erhielt sie 700 Stimmen und damit einen Anteil von 66,6 %, während in Franken der Anteil mit 39,8 % ungefähr dem Reichsdurchschnitt von 37,3 % entsprach.[27]

Die Machtergreifung Hitlers am 28. Februar 1933 wurde auch von der Kirche begrüßt. Zum 44. Geburtstag Adolf Hitlers am 20. April 1933 wurde vom Neuendettelsauer Missionar Christian Keyßer ein Hitler-Lied gedichtet.[28] Am 7. Mai 1933 wurde eine „Hitler-Eiche“ auf einem Grundstück der Diakonissenanstalt feierlich gepflanzt. Die Feier selbst wurde von den Schülerinnen der Anstalt ausgestaltet.[29] Von Dr. Friedrich Eppelein, dem Leiter der Missionsanstalt, und von Pfarrer Helmut Kern wurden bereits seit 1930 Volksmissionsveranstaltungen zugunsten der NSDAP durchgeführt.[30] Das wohlwollende Verhalten der Kirche, die sich auf den Artikel 24 des NS-Parteiprogramms („positives Christentum“) beriefen, wurde vom Neuendettelsauer NS-Regime nicht erwidert. 1935 wurde Missionsdirektor Eppelein von der NSDAP ausgeschlossen, 1936 wurde Seminardirektor Dr. Adolf Burkert von der SA ausgeschlossen, 1936 wurden Hans Lauerer und Eppelein von der Reichspressekammer ausgeschlossen, wodurch ihnen das Publizieren verboten war.[31] Von besonderer Naivität zeugten die Anstrengungen von Burkert und Eppelein, ihren jeweiligen Ausschluss rückgängig zu machen in der Meinung, den Nationalsozialismus von innen im christlichen Geist beeinflussen zu können.[32] Dass die Kirche keinen Sonderstatus mehr im Nationalsozialismus hatte, zeigte sich auch in den Beschlagnahmungen verschiedener Einrichtungen der Diakonissenanstalt (Lehrerinnenseminar, Kapitelsaal, Gemeindehaus, Friedenshort, Schulgebäude) und der Gesellschaft für Mission, um diese für eigene Zwecke zu gebrauchen.[33]

Bereits am 1. August 1933 wurden durch Gemeinderatsbeschluss drei Ortsstraßen umbenannt: Die Hauptstraße wurde zur Adolf-Hitler-Straße, die Blumenstraße zur Hermann-Göring-Straße und die Rosenstraße zur Julius-Streicher-Straße.[34]

Von 1935 bis 1945 befand sich im Neuendettelsauer Wald eine Munitionsanstalt, in der seit Kriegsbeginn zahlreiche Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion arbeiten mussten.[35]

In Einzelfällen erwiesen die Bürger Neuendettelsaus Zivilcourage, in dem sie den Zwangsarbeitern der Muna – trotz Androhung von Strafe – Lebensmittel zukommen ließen, oder in dem sie Behinderte durch Entlassung oder Verlegung vor dem Abtransport zur NS-Tötungsanstalt Hartheim bewahrten, die im Rahmen der „Aktion T4“ (Ausrottung lebensunwerten Lebens) 1940/41 umgesetzt wurde.[36][37] Ansonsten gab es in Neuendettelsau keinen nennenswerten Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Als Mahnmal der Euthanasieopfer weist heute der gute Hirte bei der St. Laurentiuskirche hin.

Eingemeindungen

Die Eingemeindungen im Zuge der Gebietsreform fanden an den Stichtagen 1. Juli 1971 und 1. Januar 1972 statt.[38]

Gemeinde Einwohner
(1970)
Eingemeindungs-
datum
Bemerkungen
Aich 343 1. Januar 1972 mit Birkenhof, Geichsenhof, Geichsenmühle, Hammerschmiede, Mausendorf und Mausenmühle
Altendettelsau 172 1. Januar 1972 Eingliederung von Froschmühle (5 der 172 Einwohner), Umgliederung der anderen Orte (Altendettelsau und Ziegendorf) nach Petersaurach
Bechhofen bei Windsbach 128 1. Juli 1971
Haag 225 1. Januar 1972 mit Jakobsruh, Reuth, Steinhof und Steinmühle
Wernsbach bei Windsbach 372 1. Januar 1972 Eingliederung des Ortes Wernsbach (134 der 372 Einwohner), Umgliederung der anderen Orte (Neuses und Wernsmühle) nach Windsbach
Wollersdorf 181 1. Januar 1972 mit Watzendorf

Einwohnerentwicklung

Bis zur Gebietsreform (1972) war Neuendettelsau die größte Gemeinde im Landkreis Ansbach, 2016 mit 7674 Einwohnern die sechstgrößte.[39] Neuendettelsau selbst ist der viertgrößte Ort im Landkreis Ansbach.

Gemeinde Neuendettelsau

Jahr 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Einwohner 6448 7090 7583 7669 7853 7766 7435 7407 7535 7585 7674
Häuser 1192 1621 1632 1644 1660
Quelle [40] [41] [41] [41] [41] [41] [41]

Ortsteil Neuendettelsau

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2013
Einwohner 403 427 454 610 594 751 785 857 959 1106 1260 1367 1451 1695 1934 2152 2284 2568 2930 4063 4491 4702 5268 5509 5513 6725
Häuser[42] 81 86 108 123 158 229 303 461 976
Quelle [43] [44] [45] [45] [46] [45] [47] [45] [48] [49] [48] [48] [50] [48] [48] [48] [51] [48] [48] [48] [52] [48] [53] [54] [40] [55]

Einwohnerzahl der Ortsteile (Stand: 31. Dezember 2013)[55]

Ortsteil Einwohner
Aich 180
Bechhofen 110
Birkenhof 25
Froschmühle 5
Geichsenhof 47
Geichsenmühle 4
Gewerbegebiet 10
Haag 156
Hammerschmiede 6
Jakobsruh 17
Mausendorf 76
Mausenmühle 1
Reuth 78
Steinhof 11
Steinmühle 9
Watzendorf 52
Wernsbach 116
Wollersdorf 163

Religion

1397/1403 erfolgte die Abtrennung der Filialkirche St. Nikolaus in Neuendettelsau von der Pfarrei St. Peter in Petersaurach;[56] die Erhebung zur Pfarrkirche erfolgte am 2. Oktober 1402 durch Bischof Johann von Würzburg. Das Patronatsrecht hatte das St. Gumbertus-Stift in Ansbach, von 1518 bis 1724 die Herrschaft von Eyb, dann Brandenburg-Ansbach inne. Im Mittelalter hatte Altendettelsau eine Filiation in Wernsbach bei Windsbach.[57] 1810 wurde St. Laurentius (Wernsbach) zur Filiale von Neuendettelsau. 1848 wurde St. Kunigund (Reuth), eine Filiation von Weißenbronn, von dort abgetrennt und der Pfarrei Neuendettelsau zugeordnet.[58] 1899 wurde die alte, ursprünglich katholische Dorfkirche von Neuendettelsau abgerissen und eine größere evangelisch-lutherische Kirche im neuromanischen Stil errichtet, die am 17. Juli 1901 geweiht wurde.

1837 kam Wilhelm Löhe (1808–1872) als Dorfpfarrer nach Neuendettelsau. 1849 gründete er die Gesellschaft für Innere und Äußere Mission und im Mai 1854 die Bildungsanstalt des weiblichen Geschlechts zum Dienste der Unmündigen und Leidenden, die heutige Diakonie Neuendettelsau. 1930 umfasste die Neuendettelsauer Diakonissenanstalt folgende Einrichtungen: „Mutterhaus für die Diakonissen mit Diakonissenschule, Industrieschule mit Pensionat für konfirmierte Mädchen, die in Haus- und Handarbeiten unterwiesen werden, dann Höhere Töchterschule, Lehrerinnenseminar, Kindergärtnerinnenseminar, Feierabendhaus für dienstunfähige Schwestern; Blödenanstalt, psychopathisches Asyl für schwer erziehbare Kinder, Rettungshaus für verwahrloste Mädchen (Magdalenium) mit Staatserziehungsanstalt, Missionsanstalt, Brüderhaus, Alter Dorfkirchhof mit Löhes Ruhestätte; vor dem Mutterhause steht seine Marmorbüste; Hostienbäckerei.“[59]

In Neuendettelsau gab es seit der Reformation nur vereinzelt Katholiken. Diese wurden 1913 der Pfarrei St. Vitus (Veitsaurach) zugewiesen.[60] Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Zahl der Katholiken durch Kriegsflüchtlinge allein in Neuendettelsau auf 1000 an. Deswegen wurde die Kuratie Neuendettelsau-Petersaurach gebildet, die zur Pfarrei Unsere Liebe Frau (Heilsbronn) gehörte. 1961/62 wurde die Franziskuskirche errichtet. Seit dem 25. Januar 1976 ist St. Franziskus eine eigenständige Pfarrgemeinde im Bistum Eichstätt.

Politik
Bürgermeister

Name Anmerkung Partei Amtszeit
Johann Martin Ordner um 1846
Konrad Wörrlein um 1856
Andreas Vollet (1842–1893) Landwirt 1880–1893
Johann Koch (1857–1925) Schreinermeister 1894–1911
Johann Kolb (1870–1944) Posthalter und Kaufmann Christlicher Volksdienst 1912–1933
Hans Loscher (1885–1940) Zimmermeister NSDAP 1933–1940
Adolf Traunfelder (1899–1975) Lehrer NSDAP 1940–1945
Hans Högner (1888–1946)1 Baumeister 1945
Michael Errerd (1898–1978) Landwirt CSU 1945–1956
Alfred Kolb (1909–1998) Landwirt CSU 1956–1972
Hermann Schreiber (* 1938) Regierungsrat CSU 1972–1990
Klaus Klenner Jurist CSU 1990–1996
Hans-Werner Landshuter (1944–2017) Reg.-Amtsrat, Dipl.-Verw.-Wirt (FH) SPD 1996–2008
Gerhard Korn (* 1961) Bauingenieur, Diplom-Ing. (FH) CSU seit 2008

¹ von der US-Militärregierung zum Bürgermeister bestellt

Rathaus
Gemeinderat

Der Gemeinderat hat (einschl. des 1. Bürgermeisters) 21 Mitglieder:

Wahltag CSU SPD FW Grüne FDP Gesamt Listenverbindungen
16. März 2014 08 5 3 4 1 21
02. März 2008 10 7 1 2 1 21 CSU & FDP
03. März 2002 07 8 3 2 1 21 SPD & Grüne

Wappen

Die Gemeinde Neuendettelsau führt seit 1960 ein eigenes Wappen. Die Wappenbeschreibung lautet: Über silbernem Schildfuß, darin eine rote Muschel, in Blau die mit goldenem Ring umgebene silberne Lutherrose mit herzförmigem rotem Butzen, darin ein schwarzes Kreuz.

Die Muschel im Schildfuß ist dem Familienwappen der Freiherren von Eyb entnommen, die seit dem 16. Jahrhundert in Neuendettelsau ansässig ist. Die Lutherrose wurde gewählt, weil die Ortsgeschichte seit Wilhelm Löhe stark von dem kirchlichen Leben der evangelisch-lutherischen Kirche geprägt wird.

Gemeindepartnerschaft
Frankreich Treignac (Frankreich), seit 1996
Sonstiges

Von 2004 bis 2016 war Neuendettelsau Teil der Kommunalen Allianz (Komm,A) zu der auch die politischen Gemeinden Bruckberg, Dietenhofen, Heilsbronn, Petersaurach und Windsbach gehörten. Seit 2016 ist die Gemeinde Teil der Allianz Kernfranken[61], die aus dem Zusammenschluss von Komm,A und LiSa (Lichtenau, Sachsen b. Ansbach) entstand. Seit 2016 bilden die Gemeinden Neuendettelsau und Heilsbronn ein sogenanntes Mittelzentrum.

Kirchtürme von St. Laurentius 1977
St. Nikolai (Südseite) in den 1970er Jahren
Löhehaus
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
St.-Laurentius-Kirche (ev.-luth.)
St.-Nikolai-Kirche (ev.-luth.)
St.-Franziskus-Kirche, (röm.-kath.)
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Neuendettelsau
Das 2002 eingeweihte neue Feuerwehrhaus
Ehemalige Poststelle
Infrastruktur und Wirtschaft
Straßenverkehr

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Autobahn A 6, die über die Staatsstraße 2410 erreicht werden kann. Diese führt von Windsbach kommend durch Reuth, an Geichsenhof vorbei nach Aich und weiter nach Heilsbronn. Die St 2223 verläuft von Windsbach kommend an Bechhofen vorbei nach Ansbach. Die Kreisstraße AN 14 führt von Schlauersbach durch Neuendettelsau zur St 2410, die AN 19 von Petersaurach durch Neuendettelsau nach Reuth. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Bechhofen, Wernsbach, Haag, Birkenhof und zur Froschmühle.

Schienengebundener Verkehr

Neuendettelsau ist seit 1894 durch die Bahnstrecke Wicklesgreuth–Windsbach an die Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim angebunden. Dort verkehrt (2012) ein Triebzug der Baureihe 642.

Öffentlicher Nahverkehr

Neuendettelsau kann auch durch den Busverkehr der OVF erreicht werden, der vor allem für die Schüler eingerichtet wurde.

Ansässige Unternehmen

Der größte Arbeitgeber ist das Diakoniewerk Neuendettelsau, das eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen betreibt. Der Gewerbeverband Neuendettelsau gehört mit seinen über 100 Mitgliedern zu den größten in Mittelfranken.

Laurentius-Schulzentrum, Neubau
Bildung und Kultur
Schulen

Es gibt folgende Bildungseinrichtungen:

Grund- und Mittelschule
Löhe-Campus (bestehend aus Gymnasium, Realschule, Fachoberschule, Berufsbildungszentrum Neuendettelsau, Fachschule für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe)
Förderschule St. Martin und das Förderzentrum St. Laurentius
Augustana-Hochschule, theologische Hochschule der evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns
Berufsfachschule für Krankenpflege
Berufsfachschule für Altenpflege
Volkshochschule

Viele dieser Einrichtungen gingen aus der Diakonie Neuendettelsau hervor oder wurden zumindest auf deren Initiative gegründet.

Neuendettelsau ist Standort der Mission EineWelt, eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Darüber hinaus befindet sich in Neuendettelsau eine der zwei deutschen Zollhundeschulen (der andere Standort ist Bleckede in Niedersachsen). Der Zoll teilt sich die Liegenschaften und Gebäude mit der ebenfalls dort ansässigen Hundeschule der Bundespolizei.

Museen
EMMA-Museum Watzendorf zur Geschichte des Ortes, mit originalen Gerätschaften aus der Zeit vor dem elektrischen Strom
Löhe-Zeit-Museum (seit 1998)[62]; zeigt das Leben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Missionsausstellung einBlick
Freizeit- und Sportanlagen

Der TSC Neuendettelsau e. V. hat neun Abteilungen (Badminton, Fußball, Handicap, Herzsport, Karate, Leichtathletik, Tennis, Tischtennis, Turnen) mit insgesamt über 1500 Mitgliedern (Stand 2005). Die Turnabteilung hat durch ihre acht gewonnenen deutschen Meisterschaften (2002–2009) überregionale Bekanntheit erlangt. Das Dojo Gomekan (Karateabteilung, Stilrichtung Shotokan) war bislang drei Mal Austräger des sog. bayerischen Breitensportweekend (2001, 2003, 2005), an denen Lehrgänge mit international bekannten Sensei stattfanden.

Das Jugendzentrum Neuendettelsau bietet Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges Freizeitangebot. Gerne genutzt wird auch das Freizeitbad Novamare.

Wilhelm Löhe, Gründer der Diakonie Neuendettelsau

Der Schießsportverein SV Edelweiß 1922 e. V. Neuendettelsau bietet Luftgewehr- Böller- und Bogenschießen an.

Friedrich Bauer, Gründer der Neuendettelsauer Missionsarbeit
Telefonvorwahlen

In Neuendettelsau gilt größtenteils die Vorwahl 09874. Abweichend davon muss man nach Wernsbach die 09871 sowie nach Aich, Hammerschmiede, Mausendorf und Mausenmühle die 09872 vorwählen.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Rudolf Arlt (* 1931), Unternehmer, CSU-Politiker, Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, seit 2011 Ehrenbürger[63]
Hermann von Bezzel (1861–1917), Rektor der Diakonie Neuendettelsau und Oberkonsistorialpräsident der Ev.-Luth. Kirche in Bayern, seit 1909 Ehrenbürger
Eduard Sabel (1856–1928), Pfarrer der St. Nikolaigemeinde, seit 1909 Obmann der Gesellschaft für innere Mission, seit 1913 Ehrenbürger
Söhne und Töchter der Gemeinde

nach Geburtsjahr sortiert

Walter Burkert (1931–2015), Professor für Altphilologie
Hans Maurer (* 1933), Politiker (CSU), ehemaliger Bayerischer Staatsminister für Landwirtschaft
Hildebrecht Braun (* 1944), Politiker (FDP), ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages
Karl-Friedrich Beringer (* 1948), ehemaliger Chorleiter des Windsbacher Knabenchors
Matthias Rosenbauer (* 1970), Jazzmusiker
Thomas Fleischmann (* 1981), Sportjournalist und Fernsehmoderator
Dominik Stolz (* 1990), Fußballspieler
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Friedrich Bauer (1812–1874), Gründer und erster Inspektor der Neuendettelsauer Missionsanstalt
Hermann Dietzfelbinger (1908–1984) Rektor der Diakonie Neuendettelsau und Landesbischof der Ev.-Luth. Kirche in Bayern
Johann Flierl (1858–1947), Gründer der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea
Wilhelm Löhe (1808–1872), Gründer und erster Rektor der Diakonie Neuendettelsau
Georg Merz (1892–1959), Mitbegründer und erster Rektor der Augustana-Hochschule
Theodor Schober (1918–2010), Pfarrer und Rektor der Diakonie Neuendettelsau
Hans Rößler, Heimatgeschichtler und Gründer des Löhe-Zeit-Museums, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
Hermann Schoenauer (* 1950), Pfarrer und Rektor der Diakonie Neuendettelsau
Mathias Hartmann (* 1966), Pfarrer und Rektor der Diakonie Neuendettelsau (seit 2015)

siehe auch: Kategorie:Person (Neuendettelsau)

Sonstiges

Im Jahre 2002 erschütterte ein Umweltskandal die Gemeinde. Ein Landwirt aus dem Ortsteil Reuth hatte unter anderem von den Unternehmen Ford und Agfa Giftmüll angenommen, um diesen in seiner Biogasanlage zu vergären. Die Reste der Vergärung brachte er auf seine Felder aus, was eine Verseuchung des Bodens zur Folge hatte.[64][65] Das zuständige Landratsamt Ansbach hatte die Entsorgung des Giftmülls in der Biogasanlage teilweise genehmigt.

Literatur
Monographien
Matthias Honold; Hans Rößler (Hrsg.): 700 Jahre Neuendettelsau: Festschrift zur 700-Jahr-Feier 1298/1998; historische Beiträge zur Ortsgeschichte und Häuserchronik von Neuendettelsau. Neuendettelsau 1998, ISBN 3-00-002564-2. 
Manfred Keßler: Der Rittersitz zu Dettelsau im hohen und späten Mittelalter. (Dissertation). Erlangen 2009, DNB 998940933 (PDF; 11,1 MB). 
Hans Rößler (Hrsg.): Unter Stroh- und Ziegeldächern. Aus der Neuendettelsauer Geschichte. Freimund, Neuendettelsau 1982, ISBN 3-7726-0110-3. 
Hans Rößler: Nationalsozialismus in der fränkischen Provinz. Neuendettelsau unterm Hakenkreuz. Neuendettelsau 2017, ISBN 978-3-9809431-9-2. 
Adam Schuster: Aus tausend Jahren Neuendettelsauer Geschichte. Brügel, Ansbach 1963, DNB 994601611. 
Wolfgang Steinbauer: Die ortsgeschichtliche Entwicklung von Neuendettelsau. 1962. 
Annerose Tietze: Flurnamen von Neuendettelsau als Spiegel der Ortsnatur und Ortsgeschichte. Erlangen 1967. 
Aufsätze und Artikel
Johann Kaspar Bundschuh: Neuendettelsau. In: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 738 (Digitalisat). 
Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, S. 138. 
Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 128–129. 
Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8. 
Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 157. 
Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, DNB 450093387, S. 175–177. 
Weblinks
 Commons: Neuendettelsau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Neuendettelsau – Quellen und Volltexte
Karte der Gemeinde Neuendettelsau auf dem BayernAtlas
Eintrag zum Wappen von Neuendettelsau in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Webseite der Gemeinde Neuendettelsau
Virtuelles Museum Neuendettelsau
Neuendettelsau in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg
Neuendettelsau: Amtliche Statistik des LfStat