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Geschichte
Mittelalter

Das Augustiner-Stift Neumünster wurde im Jahre 1127 von dem Missionar und späteren Bischof von Oldenburg und Heiligen Vizelin (auch Vicelin) gegründet, urkundlich erwähnt unter dem Namen Wippenthorp im Gau Faldera. Der heutige Name ist auf das von Vizelin erbaute Kloster Novum Monasterium (das „Neue Münster“) zurückzuführen, dessen Name erstmals 1136 urkundlich erwähnt ist.[8] Das Kloster wurde um 1330 nach Bordesholm verlegt.

Neumünster lag am östlichen Ast des Ochsenwegs, der die Kimbrische Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzog. Ferner durchquerte der Handelsweg Lübsche Trade in Ost-West-Richtung das Gebiet Neumünsters.

1498 gründeten Augustiner-Nonnen ein Kloster auf der so genannten Klosterinsel, einer ehemaligen Flussinsel der Schwale, die heute im Stadtzentrum liegt. Dieses wurde 1566 nach der Reformation aufgelöst.

Frühe Neuzeit

Für die Fischzucht und den Betrieb von Mühlen wurde etwa 1503 durch Mönche erstmals die Schwale angestaut. Dabei entstand der Mühlenteich in der heutigen Innenstadt. Ein Jahr darauf brannte der Flecken, heute Kleinflecken, ab.

1637 kam es in Neumünster zu einem Großbrand unbekannter Ursache, bei dem der Großteil der Häuser vernichtet wurde. Die große Zeit Neumünsters als Tuchmacherstadt wurde 1760 mit Gründung der „Privilegierten Wollzeugfabrique“ auf der Klosterinsel eingeleitet. Es war die erste Fabrik, die in Neumünster entstand.

Der Großflecken löste 1769 den Kleinflecken gänzlich als Marktplatz ab. Bis 1948 fanden hier nun alle Märkte statt. Darunter war ein seit 1764 einmal in der Woche genehmigter Markt, der zuvor nur einmal jährlich am Todestag Johannes des Täufers stattfand.

1780 kam es zu einem weiteren Großbrand, der alle Häuser an der Plöner Straße und einen Teil der Häuser am Großflecken (insgesamt 46 Häuser) vernichtete.

19. Jahrhundert
Stadtbild Ende des 19. Jahrhunderts
Park in Neumünster um 1895
Schlussstein an der Kieler Brücke mit dem Monogramm Friedrichs VI. von Dänemark

Im Jahre 1808 nahmen spanisch-französische Truppen Napoleons Quartier in Neumünster. Durch ihre hohen Ansprüche belasteten sie die Stadt stark.

Die Schulpflicht gibt es in Neumünster seit 1813. Zunächst wurden zwei „Vorbereitungsschulen“ eingerichtet.

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und den Napoleonischen Kriegen wurde Holstein 1815 Teil des Deutschen Bundes, wurde aber weiterhin in Personalunion vom dänischen König regiert.

Die Post, die ein großer Wirtschaftsfaktor der Stadt war, beschloss 1816, in Neumünster eine „Extrapoststation“ und Anschlussstellen an die schnellen Postkutschen unter anderem nach Kiel und Altona einzurichten. Kurz darauf wurde ein täglicher Postverkehr eingeführt. Reiter und Kutscher lieferten jeden Tag bis zu fünf Zustellungen.

1817 fielen einem Brand, der am Großflecken entstand, einige Häuser zwischen Teich und Lütjenstraße zum Opfer.

In Neumünster begann das Industriezeitalter 1824, als die Tuchfabrik Renck eine Dampfmaschine aus England importierte. Drei Jahre später wurde die Fabrik jedoch von einem Feuer vernichtet, woraufhin 150 Menschen ihre Arbeit verloren. Die Fabrik wurde aber wieder aufgebaut und war bis 1884 in Betrieb. Der Tuchmacher Hans Lorenz Renck (1840–1893) baute später die erste vollstufige Tuchfabrik auf und vereinigte damit alle Produktionsschritte in einem Haus.

Der Grundstein für die Vicelinkirche am Kleinflecken wurde 1828 gelegt. Am 11. Mai 1834 wurde die Vicelinkirche eingeweiht. Der Baumeister war Christian Frederik Hansen. Gleichzeitig wurde eine Armenschule für Kinder sozial schwacher Eltern eingerichtet. Es gab auch eine „Fabrikschule“ für Kinder, die Kinderarbeit verrichten mussten, diese wurde jedoch 1893 geschlossen, da die Arbeit von schulpflichtigen Kindern verboten wurde.

Durch den Ort führte ab 1832 die Altona-Kieler Chaussee. Diese rund 94 Kilometer lange Landstraße ließ der damalige Landesherr, König Friedrich VI. von Dänemark, zwischen 1830 und 1832 erbauen. Die offizielle Einweihung erfolgte 1834 (siehe Schlussstein der Kieler Brücke). Die alte Bundesstraße 4 folgte im Neumünsteraner Gebiet der Chaussee. Meilensteine sind in Einfeld, in Tungendorf, an der Altonaer Straße vor der Holstenschule und zwischen Wittorf und Brokenlande vorhanden.[9]

Der Industrielle Renck setzte sich sehr für eine Eisenbahnverbindung zwischen Neumünster und Rendsburg ein. Nach fünfjährigen Bemühungen ging 1845 die Strecke in Betrieb, nachdem bereits 1844 die erste Neumünsteraner Eisenbahn auf der Strecke Kiel–Neumünster–Altona eröffnet worden war.

Nachdem am 20. Juli 1846 einige Kieler Professoren auf dem Großflecken die Bevölkerung dazu aufgerufen hatten, sich gegen die dänische Obrigkeit aufzulehnen, entstand bis 1848 nach und nach das sogenannte vaterländische Aufbegehren gegen die dänische Herrschaft. Nach anfänglicher Unterstützung schloss Preußen jedoch 1850 einen Sonderfrieden mit Dänemark, so dass Holstein und Schleswig auf sich allein gestellt waren. Die Truppen der beiden Herzogtümer unterlagen 1851 endgültig dem dänischen Heer.

1852 beendete die erste Wasserleitung wenigstens teilweise den Zustand, dass Wasser aus Brunnen oder Flüssen geholt werden musste.

1857 wurde der Rencks Park am südöstlichen Rand der Klosterinsel angelegt.[10]

1860 wurden in Neumünster Hausnummern eingeführt. Ein Jahr darauf wurde ein Eisenbahnausbesserungswerk eingerichtet, das sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der größten Arbeitgeber in der Stadt entwickelte.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Krieg 1866 wurde Neumünster 1867 wie ganz Holstein Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

Im Jahre 1870 erhielt Neumünster das Stadtrecht. Die Entwicklung der Stadt im zweiten Teil des 19. Jahrhunderts wurde wesentlich geprägt durch die weiter aufstrebende Textilindustrie und den Ausbau zu einem Eisenbahnknotenpunkt im Zentrum Holsteins. Durch die gute Eisenbahnanbindung an den Hamburger Hafen, über den sowohl Rohhäute wie auch Gerbstoffe in großen Mengen importiert wurden, sowie durch das Fehlen einer restriktiven Wassergesetzgebung in Schleswig-Holstein bis 1913 konnte sich eine bedeutende Lederindustrie entwickeln.[11]

Zur Silhouette Neumünsters gehörten bis in die 1970er Jahre zahlreiche Fabrikschornsteine. Das Stadtwappen zeigt dies bis heute.

Kaserne des Regiments (sog. Neue Kaserne) in Neumünster 1906

1871 wurde die Holstenschule als Privatschule für Jungen aus dem höheren Bürgerstand gegründet. Auch die Gründung der Privaten Höheren Mädchenschule, die heute Klaus-Groth-Schule Neumünster heißt und seit 1925 staatlich ist, fiel in diese Zeit.

1872 wurde die erste ständige Garnison nach Neumünster verlegt. Nach dem Abzug im Jahre 1897 wurde schließlich das Infanterie-Regiment Nr. 163, es bildete zusammen mit seinem Schwesterregiment Lübeck die 81. Infanterie-Brigade der 17. Division des IX. Armee-Korps – während des Ersten Weltkriegs 17. Reserve-Division der Nordarmee – in einer eigens hierfür errichteten Kaserne (die spätere Sick-Kaserne) stationiert, wo es bis zur Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg verblieb.

Das erste große Warenhaus, eine Filiale der heutigen Karstadt AG, wurde um 1891 eröffnet, jedoch 1944 komplett zerstört und erst 1964 an anderer Stelle neu errichtet.

Anfang des 20. Jahrhunderts

1901 wurde Neumünster kreisfreie Stadt. 1903 wurden die Volksbank eG Neumünster und 1910 die Badeanstalt in der Klosterstraße eröffnet.
Im Ersten Weltkrieg war Neumünster wegen seiner Tuch-, Leder- und auch Metallindustrie von strategischer Bedeutung. Im Steckrübenwinter 1917 verhungerten dennoch viele Menschen.

Zwischen 1913 und Mitte der 1920er Jahre stieg die Zahl der Arbeitskräfte von knapp 5.200 auf über 10.100. Der Anteil der Arbeitskräfte in der Tuchindustrie fiel gleichzeitig von 45,8 auf 35,4 %, der Anteil der Beschäftigten in der Lederindustrie stieg von 32,7 auf 45,3 %.[12]

Nachdem Tuchfabrikant Hans Lorenz Renck Rencks Park 1870 der Stadt Neumünster gestiftet hatte, wurde dieser 1921 allen Bürgern geöffnet.[13]

Zeit des Nationalsozialismus

In Neumünster wurde am 1. März 1925 die schleswig-holsteinische NSDAP unter dem späteren Gauleiter Hinrich Lohse gegründet. Die Partei hatte in der überwiegend nationalkonservativ ausgerichteten Bevölkerung Schleswig-Holsteins und Neumünsters viel Erfolg. Auch in Neumünster kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Die mächtigste Person in Neumünster war der NSDAP-Kreisleiter Hans Christian Hingst, der 1941 von seinem NSDAP-Gauleiter Lohse ins Reichskommissariat Ostland berufen wurde. Hingst zur Seite stand der SS-Hauptsturmführer Hinrich Möller als Polizeidirektor. Mit der Übernahme der Polizei durch einen SS-Funktionär war der Rechtsstaat in Neumünster vollständig beseitigt worden. Alle demokratisch oder auch nur rechtsstaatlich gesinnten Beamten und Funktionäre der Stadt wurden abgesetzt. Kommunisten und andere als Staatsfeinde angesehene Personen kamen zur angeblichen Schutzhaft in ein Konzentrationslager, in Neumünster diente dazu das Polizeigefängnis. Schon bald verübten einige der neuen Machthaber die ersten Morde. Unter Beteiligung Möllers wurden Anfang 1934 im Polizeigefängnis die beiden im Gefängnis einsitzenden Kommunisten Christian Heuck und Rudolf Timm ermordet.

Auch in Neumünster verfolgten NS-Funktionäre und -Aktivisten Juden. 1930 hatten etwa 30 Einwohner jüdischen Glauben. Gemäß den Rassegesetzen (erlassen September 1935) galten für das Jahr 1933 etwa 70 Menschen als Juden.[14] Beim Judenboykott (1. April 1933) kam es zu gewalttätigen Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, gleichzeitig wurden jüdische Beamte entlassen oder in den Ruhestand versetzt (siehe Arierparagraf). Die meisten jüdischen Rechtsanwälte mussten ihren Beruf aufgeben. Schon 1933 kam es unter der zunehmenden Gewalt gegen Juden zu Übernahmen von Geschäften, die Juden gehörten (siehe auch Arisierung).[15] 1935 kam es wieder zu größeren anti-jüdischen Gewaltaktionen.[16]

Auch in Neumünster wurden während der Reichspogromnacht in der Nacht zwischen dem 9. und 10. November 1938 die jüdischen Einwohner durch SA- und SS-Leute in ihrem Schlaf überfallen. Ihre Geschäfte wurden zerstört. Die SA- und SS-Leute drangen mit Gewalt und Gebrüll in die Wohnungen der Juden – Kinder, Frauen und Männer – ein und schlugen das Inventar kurz und klein und/oder warfen es auf die Straße. Zusätzlich wurden die Betten aufgeschnitten und die Federn ausgeschüttet. Fensterscheiben wurden zerschlagen. Häufig kam es zu Misshandlungen der Opfer. Alle jüdischen Männer wurden bei dieser Aktion festgenommen. Die SA führte die verhafteten „Aktionsjuden“ tagsüber in einem Prangerumzug durch die Stadt. Die Frau des 1942 im KZ Wewelsburg ermordeten Heinz Baronowitz berichtete, dass ihr Mann dabei ein um den Hals gehängtes Plakat mit dem Text tragen musste: Ich habe von [sic] Rath ermordet.[17] Die Männer wurden einige Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Zum Ende 1939 hatten bis auf ein knappes Dutzend alle jüdischen Einwohner Neumünster verlassen müssen.[14]

Ein bedeutendes Unternehmen der deutschen Lederindustrie, die Adler & Oppenheimer AG, wurde 1940/41 „arisiert“, d. h. den jüdischen Inhabern abgenommen, und in Norddeutsche Lederwerke AG umbenannt. Die in Neumünster und anderen Orten Schleswig-Holsteins verbliebenen jüdischen Einwohner wurden im Spätherbst 1941 nach Riga in das Hinrich Lohse unterstehende Reichskommissariat Ostland deportiert, das als deutsches Herrschaftsgebiet eingerichtet worden war, nachdem Deutschland am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfallen hatte. Dort wurden diese Menschen unter widrigen Lebensumständen im Ghetto Riga oder im Lager Jungfernhof untergebracht und später ermordet.[18]

Das NS-Regime begann bald nach der Machtübernahme die Aufrüstung der Wehrmacht. 1934 wurde Neumünster erneut Garnisonsstadt. Das Infanterie-Regiment Nr. 46 und ein Teil des Artillerie-Regiments Nr. 66 bezogen die alte Sick- und die neue Hindenburg-Kaserne (die später die 6. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr aufnahm) sowie die ebenfalls neu errichtete Scholtz-Kaserne (benannt nach dem Artilleriegeneral Friedrich von Scholtz).

Zwischen 1935 und 1938 wurde im Westen der Stadt der 240 Hektar große Flugplatz Neumünster gebaut. Die Holstenhallen (heute eine moderne Mehrzweckhalle, in der unter anderem die jährliche Baumesse NordBau stattfindet) wurde 1939 als Viehversteigerungshalle gebaut und dann ab August 1939 als Flugzeugmontagehalle genutzt.[19]

Einen ersten Flugzeugangriff der Alliierten gab es in Neumünster 1941.
Bis zum 25. April 1945 folgten sieben weitere Luftangriffe, der schwerste davon am 13. April 1945.[20]

Neumünster unmittelbar nach dem Kriegsende

Deutschland verlor den Zweiten Krieg und musste am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulieren. Neumünster wurde zum Kriegsende zur „Offenen Stadt“[21] und die Stadt wurde kampflos britischen Truppen übergeben. Anschließend gehörte sie zur britischen Besatzungszone.

Da „die Alliierten bei Kriegsende nicht wussten, ob die deutsche Bevölkerung auch total kapitulieren“[22] würde, errichteten die britischen Besatzer für ihre Zone 1945 in Neumünster-Gadeland in der Lederfabrik Emil Köster KG das Civil Internment Camp No. 1. Interniert wurden dort alle Personen, bei denen man vermutete, dass sie wichtige Funktionäre der NSDAP gewesen waren.[22] Im Herbst 1945 saßen dort 11.000 Menschen ein. Unter ihnen „befand sich ein vergleichsweiser hoher Anteil mutmaßlicher Kriegsverbrecher, nach denen der britische Geheimdienst – meist erfolgreich – suchte“.[23] Von den anderen wurden viele schon bald wieder freigelassen, da den Briten nicht genug Unterlagen über die vielen Belasteten zur Verfügung standen. Das Lager wurde im Herbst 1946 aufgelöst, die restlichen 6.000 Insassen wurden in das Internierungslager Eselheide bei Paderborn verlegt.

Zur gleichen Zeit erlebte Neumünster eine Flüchtlingswelle. 1947 hatte Neumünster 66.945 Einwohner; davon waren 16.375 Vertriebene oder Flüchtlinge, also fast jeder Vierte. Um dem daraus resultierenden Wohnraummangel zu begegnen, wurde ab 1950 ein Großteil des Militärflugplatzgeländes in eine Neubausiedlung, den neuen Stadtteil Böcklersiedlung, umgewandelt. Diese wurde nach Hans Böckler benannt, dem ersten DGB-Vorsitzenden, der zum Baubeginn persönlich den Grundstein setzte.

Während der Zeit von 1933 bis 1945 waren manche Straßen nach nationalsozialistischen Größen und sogenannten „Märtyrern“ umbenannt worden. Letzteres waren Mitglieder meistens von SA- und SS-Gruppen, die während der Weimarer Republik in der Phase der Erlangung der Macht vor 1933 bei meistens selbst angezettelten gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Angehörigen demokratischer Parteien oder Kommunisten ums Leben gekommen waren.

Martin Martens, SS-Mann aus Wattenbek, der 1931 bei einer Schießerei mit KPD-Leuten und Reichsbannerleuten auf dem Gänsemarkt ums Leben kam.
Adolf Hitler, „Führer“ des Deutschen Reichs von 1933 bis 1945.
Dietrich Eckart (1868–1923), Chefredakteur des Völkischen Beobachters und früher Vertrauter Hitlers.
Wilhelm Gustloff (1895–1936), Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz, 1936 von einem jüdischstämmigen deutschsprachigen jugoslawischen Studenten erschossen, der ein Zeichen gegen die Diskriminierung der „Juden“ in Deutschland setzen wollte.
Hans Schemm (1891–1935), Kultusminister in Bayern, Gauleiter der bayerischen Ostmark und Leiter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds, starb bei einem Flugzeugabsturz.

Durch die britischen Besatzungsmächte wurden in der Zeit von 1945 bis 1947 einige Straßennamen nach den lokal eingesetzten Militärpersonen benannt. Einige dieser Personen konnten identifiziert werden:[24]

Colonel Combe, Mitglied der Militärregierung in Neumünster.
Colonel Crompton, Kommandant des Militärgouvernements Neumünster.
Major Norton, erster britischer Stadtkommandant.
Pat Wilson, amerikanischer Luftwaffen- und Verwaltungsoffizier.
Tremsletts kann wohl als eine fiktive Person angesehen werden, denn die Gartenallee hatte zuvor keinen anstößigen Namen. Es stand aber hier ein Verhörzentrum der Briten. In einer Laune gaben die Offiziere dieser Straße den Namen, der als „Allee der Zitternden“ gedeutet werden kann.

Neumünsters Straßennamen während des Nationalsozialismus (1937/1940), Zeit der britischen Besatzung (1947) und Zeit der Bundesrepublik im Überblick

1937 1940 1947 heute
Martin-Martens-Platz Martin-Martens-Platz Gänsemarkt Gänsemarkt
Adolf-Hitler-Platz Adolf-Hitler-Platz Burt-Platz Jugendspielplatz
Kuhberg Adolf-Hitler-Straße Campbell-Straße Kuhberg
Großflecken Adolf-Hitler-Straße [Ost], Großflecken [West] Crompton-Straße Großflecken
Plöner Straße Plöner Straße Combe-Straße Plöner Straße
Carlstraße Straße der S.A. Norton-Straße Carlstraße
Feldstraße Dietrich-Eckart-Straße Pat-Wilson-Straße Feldstraße
Ringstraße Wilhelm-Gustloff-Straße Sage-Straße Ringstraße
Schulstraße Hans-Schemm-Straße Schulstraße Schulstraße
163er Straße[25] 163er Straße Hewitt-Straße Wippendorfstraße
Gartenallee Gartenallee Tremsletts-Alley[26] Gartenallee

Nach Gründung der Bundesrepublik

Im Mai 1962 begannen die Arbeiter der vier großen Neumünsteraner Betriebe der Lederindustrie Streiks für die erstmalige Einführung der 40-Stunden-Woche. Nach dem erfolgreichen Streik setzte sich in der Branche die 40-Stunden-Woche in der Bundesrepublik Deutschland durch.[27] Der industrielle Strukturwandel in der Tuch- und Lederindustrie erreichte Neumünster indes ebenfalls bereits in den 1960er Jahren. Die Lederproduktion geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und in der allgemeinen Wirtschaftskrise von 1966 stellte die Norddeutsche Lederwerke AG die Produktion ein.

Nach den Eingemeindungen von 1970 erreichte die Einwohnerzahl mit rund 87.000 ihren bisherigen Höchststand. Die Stadtfläche verdoppelte sich auf 71,57 km².

Der wirtschaftliche Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg äußerte sich im Niedergang der Leder- und Tuchindustrie, die bis Ende der 1960er Jahre (Leder) bzw. 1992 (Tuch) vollständig aus dem städtischen Wirtschaftsleben verschwanden.

Mit der Räumung der drei im Stadtgebiet befindlichen Kasernen zwischen 1994 und 2003 endete die Geschichte Neumünsters als Garnisonsstadt.

Um die Folgen des Wandels kompensieren zu können, bemüht sich die Stadt Neumünster seit Jahren um eine Anbindung an eine der Hochschulen des Landes. Dieses Ansinnen findet allerdings bislang von Seiten des Landes Schleswig-Holstein noch keine Unterstützung.

Eingemeindungen
1. April 1938: Brachenfeld, Wittorf, Teile von Gadeland und Tungendorf (Tungendorf Stadt)
26. April 1970: Einfeld, Gadeland und Tungendorf (Tungendorf Dorf)
Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung von Neumünster von 1803 bis 2015

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Neumünster nur wenige hundert Einwohner. Die Bevölkerung wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte auch immer wieder zurück. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung der Stadt sehr schnell. Lebten 1803 erst 2.600 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 27.000.
Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl – auch durch die Eingemeindung mehrerer Orte am 1. April 1938 – auf 54.000.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg führten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten innerhalb eines Jahres zu einem Anstieg der Einwohnerzahl um rund 10.000 Personen auf 66.000 im Oktober 1946. Auch danach wuchs die Bevölkerung der Stadt weiter. Im Jahre 1972 erreichte die Bevölkerungszahl auf Grund der 1970 erfolgten Eingliederung von Einfeld, Gadeland und Tungendorf mit 86.745 ihren historischen Höchststand. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Neumünster nach Fortschreibung des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 78.333 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die Einwohnerzahl per 31. Dezember 2012 betrug laut Angaben des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 76.951.
Eine aktuelle Übersicht der einzelnen Stadtteile per 2012 ist zurzeit nicht möglich.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
13. Februar 1803 ¹ 2.588
1. Februar 1835 ¹ 3.732
1. Dezember 1871 ¹ 8.628
1. Dezember 1875 ¹ 10.100
1. Dezember 1880 ¹ 11.600
1. Dezember 1885 ¹ 13.659
1. Dezember 1890 ¹ 17.539
2. Dezember 1895 ¹ 22.489
1. Dezember 1900 ¹ 27.335
1. Dezember 1905 ¹ 31.439
1. Dezember 1910 ¹ 34.555
Jahr Einwohner
1. Dezember 1916 ¹ 31.658
5. Dezember 1917 ¹ 31.034
8. Oktober 1919 ¹ 36.173
16. Juni 1925 ¹ 39.844
16. Juni 1933 ¹ 40.332
17. Mai 1939 ¹ 54.094
31. Dezember 1945 57.473
29. Oktober 1946 ¹ 66.185
13. September 1950 ¹ 73.481
25. September 1956 ¹ 72.134
6. Juni 1961 ¹ 75.045
Jahr Einwohner
31. Dezember 1965 74.542
27. Mai 1970 ¹ 86.013
31. Dezember 1975 84.777
31. Dezember 1980 80.145
31. Dezember 1985 78.280
25. Mai 1987 ¹ 79.771
31. Dezember 1990 80.743
31. Dezember 1995 82.028
31. Dezember 2000 79.831
30. Juni 2005 78.333
31. Dezember 2010 76.830
Jahr Einwohner
1. Februar 2011 ¹ 78.786
31. Dezember 2011 76.939
31. Dezember 2012 76.951
31. Dezember 2013 77.058
31. Dezember 2014 77.588
31. Dezember 2015 79.197
¹ Volkszählungsergebnis

Politik
Ratsversammlung

Wahl zur Ratsversammlung 2013
Wahlbeteiligung: 39,8 %

 %403020100

36,534,012,56,14,23,02,11,6

CDUSPDGrüneBfBdFDPLinkePiratenNPD
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2008
 %p   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12

+2,2
+0,1+3,6+6,1-5,4-10,2+2,1+1,6
CDUSPDGrüneBfBdFDPLinkePiratenNPDVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:d Bündnis für Bürger

Sitzverteilung in der Ratsversammlung

        

Insgesamt 43 Sitze Linke: 1 SPD: 14 Grüne: 5 Piraten: 1 BfB: 3 FDP: 2 CDU: 16 NPD: 1

Die Ratsversammlung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Neumünster. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 26. Mai 2013 statt.

Partei Prozent 2003 Prozent 2008 Mandate 2008 Prozent 2013 Mandate 2013
CDU 45,3 % 34,3 % 15 36,5 % 16
SPD 41,4 % 33,9 % 15 34,0 % 14
Grüne 8,1 % 8,9 % 4 12,5 % 5
FDP 5,2 % 9,6 % 4 4,2 % 2
Linke 13,2 % 5 3,0 % 1
Bündnis für Bürger (BFB) 6,1 % 3
Piraten 2,1 % 1
NPD 1,6 % 1
Gesamt[28][29] 100 100 43 100 43
Wahlbeteiligung k.A. 41,9 % 39,8 %

Siehe auch: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Neumünster
Bürgermeister
Die Bürgermeister und Oberbürgermeister

1870 wurden Neumünster die Stadtrechte verliehen. Der erste Bürgermeister war 1870 Eduard Schlichting, gefolgt von Max Röer. Ihm wurde im Jahre 1904 der Titel Oberbürgermeister und am 27. Juni 1913 die goldene Amtskette überreicht. Die Bürgermeister und Oberbürgermeister seit 1870:[30]

1870–1894: Eduard Schlichting
1894–1919: Max Röer
1919–1933: Detlef Schmidt
1933–1945: Max Stahmer (NSDAP)
1945–1946: Gustav Bärwald (Oberstadtdirektor)
1946–1948: Ludolf Behnke (CDU)
1948–1950: Hugo Voß (SPD)
1950–1970: Walther Lehmkuhl (SPD)
1970–1988: Uwe Harder (SPD)
1988–1991: Franz-Josef Pröpper (SPD)
1991–2009: Hartmut Unterlehberg (SPD)
seit 1. September 2009: Olaf Tauras (parteilos)
Die Stadtpräsidenten

Seit dem 4. Mai 1950 gibt es in Neumünster einen Stadtpräsidenten. Er wird von der stärksten Fraktion in der Ratsversammlung vorgeschlagen, führt den Vorsitz in der Ratsversammlung und ist deren Repräsentant. Die Stadtpräsidenten seit 1950:[31]

12. Mai 1950 bis 11. Juli 1952: Paul Lohmann (SPD)
11. Juli 1952 bis 25. Mai 1955: Max Johannsen (SPD)
25. Mai 1955 bis 24. Mai 1956: Karl Rahe (CDU)
24. Mai 1956 bis 24. Mai 1957: Max Johannsen (SPD)
24. Mai 1957 bis 5. November 1957: Karl Rahe (CDU)
5. November 1957 bis 18. Februar 1969: Max Johannsen (SPD)
18. Februar 1969 bis 23. April 1974: Walter Jansen (SPD)
23. April 1974 bis 14. April 1978: Alexandrine von dem Hagen (CDU)
14. April 1978 bis 1. April 1982: Herbert Winkler (SPD)
1. April 1982 bis 22. April 1986: Christian-Friedrich Peter (CDU)
22. April 1986 bis 10. Mai 2002: Helmut Loose (SPD)
10. Mai 2002 bis 15. April 2003: Helga Hein (SPD)
15. April 2003 bis 17. Juni 2008: Hatto Klamt (CDU)
17. Juni 2008 bis 12. Februar 2015: Friedrich-Wilhelm Strohdiek (CDU)
Friedrich-Wilhelm Strohdiek ist der erste Stadtpräsident von Neumünster der während seiner Amtszeit verstorben ist.
31. März 2015 – im Amt: Anna-Katharina Schättiger (CDU)
Flagge

Blasonierung: „Die Stadtflagge zeigt die Farben weiß-rot mit dem Stadtwappen.“[32]

Die Stadtflagge Neumünsters ist nicht in der Kommunalen Wappenrolle Schleswig-Holstein eingetragen.

Wappen

Blasonierung: „In Rot eine silberne Fabrikanlage mit fünf Schloten, darunter ein silberner Schwan mit goldener Halskrone; über ihm schwebend ein silbernes Nesselblatt.“[33]

Verwaltungsgemeinschaften

Neumünster führt im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft seit dem 15. Juni 2008 die Verwaltungsgeschäfte von Wasbek und seit dem 5. August 2009 auch die von Bönebüttel.

Patenkreis
Stadtwappen am Ortseingang mit Hinweis auf Kreisgemeinschaft Lötzen

Patenkreis der kreisfreien Stadt Neumünster ist:

Kreisgemeinschaft Lötzen (Polen, heute Giżycko, früher Ostpreußen) seit 1954[34]
Städtepartnerschaften

Partnerstädte Neumünsters sind[35]:

Gravesham (Vereinigtes Königreich) seit 1980
Koszalin (Köslin, Polen) seit 1990
Parchim (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern) seit 1990
Giżycko (Lötzen, Polen) seit 2000
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Denkmäler und Skulpturen

In Neumünster gibt es zahlreiche Denkmäler und Kunstwerke im öffentlichen Raum. Am Zugang zur Klosterinsel steht die Skulptur Hirtengott Pan, geschaffen im Jahr 1902 von Hans Bauer (1888–1925). Einige Schritte weiter liegt ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rencks Park befindet sich ein Gedenkstein für die 25-jährige Partnerschaft mit Gravesham. Die Plastik Wellen von Ernst Reiter liegt in der Mitte der Klosterinsel, der zugehörige Springbrunnen wurde wegen Vandalismus zugeschüttet. Im Designer Outlet Center befindet sich eine Skulptur, die einen überdimensionalen Pferdekopf darstellt. Neumünster ist durch zahlreiche Veranstaltungen rund das Pferd auch als Pferdestadt bekannt.[36]

Siehe auch: Liste der Naturdenkmale in der Stadt Neumünster

Hirtengott Pan

Gedenkstein der NS-Opfer

Die Gänseliesel vor der Holsten Galerie

Partnerstadt Gravesham

Die Plastik Wellen

Skulptur Pferdekopf im Designer Outlet Center (DOC)

Bauwerke
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Neumünster
Rathaus von 1900, neugotisch
Vicelinkirche von 1834 (Architekt Christian Frederik Hansen, siehe auch Marienkirche (Husum)), evangelisch, klassizistisch
Anscharkirche von 1912, evangelisch, mit Jugendstilornamenten
St.-Maria-St.-Vicelin-Kirche, erbaut 1893, katholisch, mit bemalter Holzkassettendecke im Jugendstil. Am Haupteingang befindet sich eine Gedenkplatte an Eduard Müller.
Villa Köster, denkmalgeschütztes Wohnhaus am Rencks Park
Das Caspar von Saldern Haus ist das älteste Baudenkmal in Neumünster; hier finden kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen statt.
Die Papierfabrik und die Alte Holsten-Brauerei sind heute Dienstleistungs- und Kulturzentren.
Wasserturm von 1900
Das Kösterhaus gegenüber dem Rathaus wurde 1894 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Von 2009 bis 2011 ließ die VR-Bank das Gebäude umbauen und renovieren. Die Backsteinfassade blieb erhalten. Die Kosten des Umbaues wurden 10,7 Millionen Euro angegeben. Die offizielle Einweihung nach dem Umbau fand am 3. Mai 2012 statt.
Haus Westphalen ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, aufgestockt 1814 und 2004 renoviert.[37]
Das Hinselmannhaus wurde 1788 erstmals erwähnt und 1896 von dem Brauereibesitzer Detlev Hinselmann erweitert. Im Jahr 1901 erfolgte eine Umgestaltung durch den Architekten Hans Roß im Jugendstil an der Fassade und im Innenbereich. Im Zuge eines Neubaus der Volks- und Raiffeisenbank wurde das Haus komplett abgetragen und an anderer Stelle wieder original aufgebaut.[37]
Das Café Oldehus wurde 1781 nach dem Großbrand am Großflecken aus den Trümmern der verbrannten Häuser errichtet. Um 1900 zog eine Bäckerei in das Gebäude, das sich seitdem in Familienbesitz befindet.[37]

Rathaus

Vicelinkirche

Anscharkirche

St.-Maria-St.-Vicelin-Kirche

Wasserturm

Fürsthof Nr. 9 ist das älteste Gebäude

Museen und Künstlerhaus

Das Museum Tuch + Technik wurde im Oktober 2007 mit neuer Ausstellung in einem neuen Gebäude eröffnet. Es zeigt die Geschichte der Textilindustrie in Neumünster im Kontext der Stadtgeschichte.

Im Stadtteil Brachenfeld befindet sich die Villa Wachholtz mit einem Museum mit wechselnden Kunstausstellungen und dem Gerisch-Skulpturenpark.

Seit 1987 erhalten junge, internationale Keramikkünstler im Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster Wohn- und Arbeitsstipendien. Dort finden regelmäßige Ausstellungen statt. Für die zehn Stipendienplätze des Artist-in-Residence-Programms bewerben sich jedes Jahr Künstler aus der ganzen Welt. Das Atelier der wechselnden Gastkünstler steht für Besucher offen.

Nach langen Auseinandersetzungen zwischen dem Trägerverein und der Deutschen Bahn (DB), in der die Stadt erfolglos zu vermitteln versuchte, ist das bislang in Neumünster befindliche Eisenbahnmuseum, eine frühere Außenstelle des DB-Museums, inzwischen nach dem Abzug des der DB gehörenden Fahrzeugmaterials faktisch aufgelöst worden.[38]

Eisenbahnmuseum – Im Lokschuppen

Theater mit Museum Tuch & Technik

Stadttöpferei im Fürsthof

Theater und Musik

Das Theater in der Stadthalle bietet 570 Besuchern Platz. Das Programm umfasst neben Schauspiel, Musiktheater, Konzerten und Ballett Kabarettveranstaltungen und Kinovorführungen. Es ist Spielstätte des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters.[39] Schulklassen erhalten kostenfrei Führungen hinter die Kulissen, und im Rahmen der Schulkooperation „Theaterstürmer“ können Schüler aus Neumünster das Theater zu einem vergünstigten Preis besuchen. Außerdem veranstaltet das Kulturbüro Neumünster im Theater in der Stadthalle Workshops für Jugendliche und jährlich ein großes Schultheaterfestival. Bekannt geworden sind die 1923 gegründete Niederdeutsche Bühne Neumünster (NBN)[40] und das statt-theater neumünster, gegründet 1961, in dem 25 Kinder, Jugendliche und Erwachsenen ihre Stücke selbst schreiben und aufführen.[41] Des Weiteren treten in der Stadthalle Künstler und Gruppen aus Neumünster und anderen Orten auf.

Der Mädchen-Musikzug Neumünster ist das bisher einzige deutsche Mädchen-Blasorchester mit internationalen Auftritten.[42]

Kulturfestival

Das städtische Kulturfestival Kunstflecken findet jährlich im September statt. Das Festival dauert drei Wochen und findet in der Innenstadt statt, unter anderem in historischen Industrieräumen, Geschäftsräumen, Ateliers und der Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster. Das Festival besteht aus Konzerten, Lesungen, Kabarett- und Filmvorführungen, Ausstellungen sowie Poetry Slam.

Stolpersteine
Stolperstein für Ernst Stichert in der Bahnhofstraße

In Neumünster gibt es 27 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.[43]

Hans-Fallada-Preis

Seit 1981 vergibt die Stadt alle zwei Jahre den Hans-Fallada-Preis. Er ist nach dem Schriftsteller Hans Fallada benannt, der einige Jahre in Neumünster – zeitweise als Strafgefangener – lebte.
Fallada war von 1928 bis 1929 als Lokaljournalist für den General-Anzeiger tätig.[44] Auf seinen Erfahrungen in Neumünster beruhen seine Romane Bauern, Bonzen und Bomben, der 1973 in Neumünster verfilmt wurde, und Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, der durch seinen Gefängnisaufenthalt in Neumünster inspiriert wurde.

Rencks Park
Parks
Alte Obstwiese an der Kieler Straße 515

Zentral in der Stadt liegen der Rencks Park mit der Klosterinsel, der Selcks Park und der Simons’sche Park. Im Westen liegt der Neumünster Stadtwald in dem sich auch der Tierpark Neumünster befindet. Etwas außerhalb am östlichen Stadtrand befindet sich das Brachenfelder Gehölz. An der Kieler Straße 515 befindet sich eine frei zugängliche, fast 100 Jahre alte Obstwiese mit etwa 200 alten Obstbäumen. Die Wiese ist im Besitz der Stadt und Teil der städtischen Biotopverbundachse.[45] Weitere öffentliche Grünanlagen befinden sich am Ufer der Schwale und der Stör sowie am Einfelder See.

Naturschutzgebiete
Dosenmoor – 521 Hektar großes Hochmoor, bei Einfeld
Westufer Einfelder See – 13 Hektar großer Uferbereich mit Röhricht und Bruchwald
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Neumünster
Archäologische Denkmäler
Wittorfer Burg – Reste einer Wallburg aus dem 9. Jahrhundert am Zusammenfluss von Stör und Schwale
Margarethenschanze – Reste einer Wallburg aus dem 9. Jahrhundert am Einfelder See
Zoologischer Garten
Hauptartikel: Tierpark Neumünster

Der westlich der Stadt gelegene Tierpark Neumünster wurde 1951 als Heimattiergarten Neumünster gegründet. Er hat sich durch eine konsequente Beschränkung auf Tierarten, die in Mitteleuropa heimisch sind oder waren, ein eigenständiges Profil erarbeitet.

Sport

Der erste „Männerturnverein“ wurde 1859 gegründet. Nach der Zusammenlegung mit dem SC Olympia von 1909 entstand 1936 der heutige MTV Olympia.
Sport spielt in Neumünster eine große Rolle. Dies zeigt sich nicht nur bei den vielen Veranstaltungen, Wettkämpfen und Turnieren, sondern auch beim jährlichen Ball des Sports, der im Januar stets über 2500 Besucher in die Holstenhallen lockt.[46] 58 Sportvereine und -verbände gibt es in der Stadt. Die größten und bekanntesten Sportvereine sind der VfR Neumünster, der SV Tungendorf, THC Neumünster, MTV Olympia Neumünster, PSV Union Neumünster, Gut-Heil Neumünster, Turn- und Sportverein Einfeld und Blau-Weiß Wittorf, dessen Handballabteilung zusammen mit den Handballern der Freien Turnerschaft Neumünster (FTN) die Spielgemeinschaft (SG) WiFT Neumünster bilden. Der Volleyball Club Neumünster (VCN) ist eine Spielgemeinschaft von fünf Neumünsteraner Sportvereinen und dem SV Wasbek. Einer der mitgliederstärksten Vereine Neumünsters ist die Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG Neumünster). Des Weiteren findet jedes Jahr in den Holstenhallen das Reitturnier CSI Neumünster und die VR-Classics[47] als internationales Reitturnier statt. Außerdem wird die Wrestling Legends Tour 2012 hier ausgetragen.

Eine Liste aller Sportvereine findet sich auf der Website der Stadt Neumünster:[48]

Holstenköste 2009
Adventsmarkt auf dem Großflecken und Heiligabend Turmkonzert aus den Gebäuden an der Holstenstraße
Stadtfeste

Seit 1974 wird an den vier Tagen, die dem ersten Donnerstag im Juni folgen, in Neumünster die Holstenköste gefeiert. Dieses Stadtfest, das zwei Wochen vor der Kieler Woche stattfindet, lockt jährlich über 200.000 Besucher in die Innenstadt. Neben Jahrmarktatmosphäre gibt es Musikdarbietungen unterschiedlicher Stilrichtungen rund um den Großflecken und den Kuhberg. Während des Open-Air-Festivals und des „Koeste-Rocks“ auf der Klosterinsel traten bis 2011 einheimische und internationale Bands auf. Am jeweiligen Samstag der Holstenköste findet eine Kindermeile im Rencks Park und am jeweiligen Sonntag findet neben dem stets gut besuchten Gottesdienst am Riesenrad auf dem Großflecken auch ein Flohmarkt in der gesamten Innenstadt statt.

Seit 1999 findet im September das Kulturfestival Kunstflecken mit vielen Konzerten und Ausstellungen statt.

Anfang September wird die Weinköste am Teichufer gefeiert.

Vom 11. bis 13. Juli 2008 fand in Neumünster der Schleswig-Holstein Tag statt. Er wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, eröffnet und stand unter dem Motto „So bunt wie das Land“. Der Schleswig-Holstein-Tag steht im Zeichen der Vereine und des Ehrenamtes und über 220 Organisationen, Vereine, Verbände und Initiativen präsentieren sich der breiten Öffentlichkeit.

Seit 2009 findet jährlich das „BaDaBoom“-Straßenmusikfest mit rund 350 Bands und 1000 Musikern statt, das über 10.000 Besucher anlockt.

Am 24. August 2012 wurde erstmals die „Naschköste“ auf dem Kleinflecken eröffnet. Hier werden den Besuchern während eines Wochenendes nationale und internationale Spezialitäten angeboten; dazu gibt es Musikvorführungen und umfangreiche Aktionen.[49]

In der Adventszeit befindet sich ein Adventsmarkt auf dem Großflecken. Während dieser Zeit wird dort zentral auch eine portable Schlittschuhbahn aufgebaut. Traditionell wird Heiligabend um 12 Uhr ein Open-Air Turmkonzert aus den beiden Häusern an der Holstenstraße gegeben, zu dem sich jährlich etwa 4000 Besucher einfinden.[50]

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft

Hauptbranchen sind Maschinen- und Apparatebau, Kommunikationselektronik, Elektrotechnik, EDV und Softwareentwicklung, Chemiefaser- und Druckindustrie, Stahl- und Leichtmetallbau, Feuerverzinkerei und Metallveredelung, Eisenguss, Kunststoff- und Teppichindustrie, Recycling, Transportwesen und Logistik, Groß- und Versandhandel sowie großflächiger (Fach-)Einzelhandel.

Darüber hinaus gibt es das Frachtpostzentrum im Industriegebiet Süd, wo die Deutsche Post AG eines ihrer bundesweit 22 Frachtpostzentren unterhält. Das Eisenbahnausbesserungswerk Neumünster der Deutsche Bahn AG (DBAG) ist mit 800 Beschäftigten und 60 Ausbildungsplätzen der größte DBAG-Standort in Schleswig-Holstein. Mit einer Investition von vier Millionen Euro wurde für die Instandhaltung und Überholung der 830 IC-Reisewagen eine neue Halle erbaut und 2012 eröffnet.[51]
Am 25. und 26. April 2012 fand in Neumünster erstmals die wirtschaftNORDGATE statt,[52] eine Messe für kleine und mittlere Unternehmen in Schleswig-Holstein.
Am 15. Oktober 2015 wurde als Einkaufszentrum die Holsten Galerie mit einer Verkaufsfläche von 22.800 m² und 90 Fachgeschäften, Cafés, Restaurants und Dienstleistungsbetrieben eröffnet.

Seit dem 1. Mai 2012 ist Neumünster Mitglied der Metropolregion Hamburg.[53]

Beschäftigungsstruktur/Arbeitsplatzzahlen:

Versicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer 33.131 (Stand 31. Dezember 2011)
davon im Wirtschaftsabschnitt:
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei: 321
Produzierendes Gewerbe: 7.045
Verarbeitendes Gewerbe: 4.453
Baugewerbe: 1.907
Dienstleistungsgewerbe: 25.749
Handel, Verkehr und Gastgewerbe: 11.007

(alle Zahlen lt. Statist. Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein)[54]

Verkehr
Bahnhof Neumünster

Als einzige der vier kreisfreien Städte Schleswig-Holsteins hat Neumünster keinen Zugang zum Meer. Dafür ist die Stadt ein wichtiger Verkehrsknoten: Sie liegt an der Bundesautobahn 7 am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 205 und 430. Die Bundesstraße 4 führte früher – in Nachfolge der Altona-Kieler Chaussee, der ersten Kunststraße Schleswig-Holsteins – durch Neumünster, sie wurde aber von Bad Bramstedt nach Norden – ebenso wie die Fortführung der B 205 nach Rendsburg – zur Landesstraße zurückgestuft. Ebenfalls liegt Neumünster an den Eisenbahnstrecken von Hamburg nach Kiel und Flensburg, die von hier abzweigen, und damit an zwei der Hauptverkehrsadern nach Skandinavien. Neumünster ist neben Lübeck die Stadt in Schleswig-Holstein mit den meisten, nämlich sechs, Eisenbahnstrecken.

Im Neumünsteraner Stadtgebiet liegen vier Eisenbahn-Stationen:

Bahnhof Neumünster (ICE, EC, IC und sowie Halt regionaler Züge – zudem war der Bahnhof früher Halt für den CNL)
Neumünster Süd (Betrieb durch AKN und Nordbahn)
Neumünster Stadtwald (Betrieb durch Nordbahn)
Neumünster-Einfeld (Betrieb durch DB Regio AG)

Die Regionalbahn Schleswig-Holstein fährt Neumünster aus Kiel oder Hamburg mit Regionalexpress- und Regionalbahnzügen halbstündlich, stündlich oder zweistündlich an.

Die AKN Eisenbahn fährt montags bis samstags stündlich und sonn- und feiertags zweistündlich (einige Zusatzzüge) mit ihren Triebwagen von Neumünster aus über Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg nach Hamburg-Eidelstedt und zeitweise weiter nach Hamburg Hbf mit der HVV-Linienbezeichnung A 1.

Seit dem 15. Dezember 2002 fährt die Nordbahn zwischen Neumünster, Bad Segeberg und Bad Oldesloe im Stundentakt. Die Bahnstrecke Neumünster – Bad Segeberg war nach 18 Jahren Betriebsruhe im Dezember 2002 wiedereröffnet worden. Die Nordbahn ist eine Tochtergesellschaft der AKN. Seit dem 11. Dezember 2011 bedient die Nordbahn im Zwei-Stunden-Takt (Neumünster–Hohenwestedt im Stundentakt) eine weitere Bahnstrecke von Neumünster über Hohenwestedt, Albersdorf und Heide (Holstein) nach Büsum.

Bis Dezember 2005 betrieb die Nord-Ostsee-Bahn den 2002 eingeführten und bis 2003 von der dann in Insolvenz gegangenen Flex Verkehrs-AG den Flensburg-Express (FLEX) von Padborg in Dänemark nach Hamburg Hbf mit Halten in Flensburg, Tarp, Schleswig, Rendsburg, Nortorf, Neumünster und Elmshorn. Seit Dezember 2005 wird der Regionalverkehr auf dieser Strecke jedoch nur noch ab Flensburg von der Regionalbahn Schleswig-Holstein als Schleswig-Holstein-Express bedient.

Seit September 1985 liegt die Bahnstrecke von Neumünster nach Ascheberg bei Plön für den Personenverkehr still. Ein Abzweig der Strecke diente zur Versorgung der drei größten Betriebe in Tungendorf (Nordfaser GmbH., Neumag GmbH. und NWBM). Im November 1995 wurde der Güterverkehr auf dieser Strecke offiziell eingestellt. Über das Schicksal dieser Strecke ist noch nicht abschließend befunden worden. Sie ist in ein Sicherungsprogramm des Landes aufgenommen worden, um eine eventuelle Wiederinbetriebnahme in der Zukunft zu ermöglichen. Auf einem Abschnitt der Strecke findet durch private Initiative ein touristischer Draisinenverkehr statt.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet wird mit Omnibussen betrieben. 1956 übernahmen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) den Omnibusbetrieb in Neumünster von der Firma Glau und Habild. 1981 gingen die Konzessionen für den Stadtbusverkehr auf die Stadtwerke Neumünster (SWN) über, die VHH fuhr seitdem im Auftrag der SWN. Die neu angeschafften Busse gehörten nun den Stadtwerken. Seitdem sind sie helltürkis/weiß lackiert. 2007 wurde der Stadtlinienverkehr europaweit ausgeschrieben. Im Mai 2007 wurde mit der VHH als Gewinner der Ausschreibung ein Vertrag geschlossen, der bis Ende 2014 galt. Diese führte vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2014 den Stadtbusverkehr im Auftrag der SWN wieder in eigener Regie durch. Die vorhandenen Busse, davon 22 Erdgasbusse des Typs MAN Lion’s City CNG, gingen in das Eigentum der VHH über. Die zehn ältesten der MAN-Erdgasbusse wurden Ende 2014 verkauft und durch Dieselbusse des Typs Mercedes-Benz Citaro ersetzt. Am 1. Januar 2015 übernahm das neue SWN-Tochterunternehmen SWN Verkehr GmbH den Neumünsteraner Stadtbusverkehr mit dem Betriebshof an der Rendsburger Straße einschließlich der Beschäftigten und dem Fahrzeugpark von der VHH.

Die Deutsche-Bahn-Tochter Autokraft bietet mit dem Kielius eine stündliche Bus-Direktverbindung zum Flughafen Hamburg und Kiel an.

Am westlichen Stadtrand liegt der Flugplatz Neumünster.

Das ehemalige Holsteinischer Courier-Haus am Gänsemarkt
Medien

In Neumünster erscheint die Tageszeitung Holsteinischer Courier in einer Auflage von etwa 16.000 Stück. Diese Zeitung wurde 1872 gegründet und blieb bis 2001 selbstständig. Danach wurde sie vom sh:z-Verlag übernommen. Die Kieler Nachrichten bieten mit der täglichen Beilage Holsteiner Zeitung ebenfalls eine Regionalausgabe für Neumünster und das Umland. Darüber hinaus erscheinen verschiedene wöchentliche Anzeigenblätter wie der Wochenanzeiger, die Prima Sonntag, hallo Neumünster und monatliche Veranstaltungsmagazine wie After Dark und Treffpunkt. Der Wachholtz Verlag, in dem vor allem Sachbücher erschienen, wurde 1925 gegründet. Im August 2012 wurde er an den Murmann Verlag Hamburg verkauft.

In der Nähe von Neumünster, in Ehndorf, betrieb die Deutsche Telekom AG einen Mittelwellensender für den Deutschlandfunk. Obwohl die Anlage sich auf dem Gebiet der Gemeinde Ehndorf befand, wird dieser Sender oft als „Sender Neumünster“ bezeichnet.

Amtsgericht Neumünster an der Boostedter Straße
Gerichte

In Neumünster befinden sich zwei Gerichte, das Amtsgericht Neumünster und das Arbeitsgericht Neumünster.

Gefahrenabwehrzentrum Neumünster

Seit Mai 2009 befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburgkaserne das Gefahrenabwehrzentrum Neumünster. Hier werden die Kräfte des Katastrophenschutz an einem Ort der Stadt gebündelt.

Religionen
Christentum
Wichernkirche

Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland gehören in Neumünster die Andreaskirche im Norden von Tungendorf, die Anscharkirche, die Bugenhagenkirche in der Böcklersiedlung, die Christuskirche in Einfeld, die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, die Erlöserkirche in Gadeland, die Johanneskirche in Wittorf, die Lutherkirche im Süden von Tungendorf, die Versöhnungskirche im Stadtteil Gartenstadt, die Vicelinkirche und die Wichernkirche in Faldera.

Neumünster ist Sitz eines gleichnamigen römisch-katholischen Dekanates und gehört zum Erzbistum Hamburg. Ferner ist Neumünster Sitz der Pfarrei St. Maria–St. Vicelin, die zum Pastoralen Raum Bad Bramstedt – Bad Segeberg – Neumünster gehört. Zu ihr gehören in Neumünster die 1893 erbaute St.-Maria-St.-Vicelin-Kirche sowie die katholischen Kirchen in Bordesholm, Flintbek und Nortorf. Die drei Filialkirchen in Neumünster, St.Josef in Einfeld, St. Bartholomäus in Faldera und Heilig Kreuz in Tungendorf, wurden profaniert. Die St.-Bartholomäus-Kirche ist zu einer Kindertagesstätte umgebaut worden.[55] In der Jonakapelle des Friedrich-Ebert-Krankenhauses finden ökumenische Gottesdienste statt.

Weitere in Neumünster vertretene Religionsgemeinschaften sind die Baptisten mit der Kreuzkirche,[56] die Neuapostolische Kirche,[57] die Pfingstbewegung mit dem Christus-Centrum Neumünster,[58] die Siebenten-Tags-Adventisten,[59] die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) mit Pfahlzentrum,[60] die Zeugen Jehovas.

Islam

Anfang der 1990er-Jahre gründeten rund ein Dutzend Aleviten die Alevitischen Gemeinde Neumünster. Nach Hamburg war es die zweite Alevitische Gemeinde in Norddeutschland. Die Gemeinde mit Vereinsräumen in der Wasbeker Straße hat heute rund 150 Mitglieder (Stand 2016).[61] DITIB – Türkisch Islamische Gemeinde zu Neumünster e.V. wiederum ist ein Moscheeverein der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Die Gemeinde (Neumünster Ulu Camii) ist in der Kieler Straße ansässig.[62]

Die rund 270 Mitglieder der Islamischen Gemeinde Neumünster trafen sich bis 2016 in der ältesten der drei großen Neumünsteraner Moscheen, in der Friedrichsstraße. Die Gemeinde beherbergt seit dem Auszug eine neue Fatih-Moschee in der ehemaligen Druckerei Liekfeldt an der Mittelstraße im Bahnhofsviertel.[63] Des Weiteren unterhält der Bildungs- und Kulturverein in Neumünster e.V eine Moschee (Merkezefendi Moschee) in der Christianstraße.[64]

Sonstiges

Die Stadt Neumünster gewann für ihre besonderen Leistungen im umweltorientierten Städte- und Wohnungsbau den Landeswettbewerb 1986/87 der Stadterneuerung „Bürger, es geht um Deine Gemeinde“.[65]

Öffentlicher Trinkbrunnen

Am 14. Mai 2013 wurde der erste öffentliche Trinkbrunnen der Stadt durch die Stadtwerke Neumünster in Betrieb genommen. Er ist direkt an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.[66]

Die Bewohner Neumünsters werden „Neumünsteraner“ genannt.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Nikolaus Bustorp (vor 1470 – 1540), Theologe
Joachim Oporin (1695–1753), evangelischer Theologe
Johann Georg Fock (1757–1835), evangelisch-lutherischer Theologe
Adolf Wallichs (1869–1959), erster Leiter des Werkzeugmaschinenlabors und Rektor der RWTH Aachen
Marie Schmelzkopf (1887–1966), Politikerin (SPD)
Walter Bartram (1893–1971), Politiker (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein 1950–1951, MdB 1952–1957
Hans Schnoor (1893–1976), Musikwissenschaftler und Musikkritiker
Hans Blöcker (1898–1988), Politiker (CDU), MdB, MdL (Schleswig-Holstein)
Walter Asmus (1903–1996), Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer
Alfred Gleiss (1904–1997), Jurist und Buchautor
Helmut Johannsen (1908–?), Zahnarzt sowie SS-Obersturmbannführer und Chefzahnarzt im Konzentrationslager Buchenwald
Willi Ferdinand Fischer (1910–1981), Dichter und Schriftsteller
Eduard Müller (1911–1943), katholischer Priester, Märtyrer
Annemarie Auer (1913–2002), Schriftstellerin
Gerhard Wessel (1913–2002), Berufssoldat, Präsident des Bundesnachrichtendienstes 1968–1978
Herbert Martin Hagen (1913–1999), SS-Sturmbannführer und Leiter des Judenreferates
Jens Rohwer (1914–1994), Komponist und Musikwissenschaftler
Horst Mittelstaedt (1923–2016), Biologe Kybernetiker und Hochschullehrer
Christa Meves (* 1925), Schriftstellerin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin
Kurt Hamer (1926–1991), Politiker (SPD), 1975–1987 Vizepräsident des Landtages, danach Grenzlandbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein
Uwe Bangert (1927–2017), Maler und Graphiker
Uwe M. Schneede (* 1939), Kunsthistoriker und langjähriger Direktor der Hamburger Kunsthalle und des Kunstvereins in Hamburg
Horst Beyer (1940–2017), Leichtathlet (Zehnkämpfer)
Hans-Christian Siebke (* 1940), Politiker (CDU)
Detlev Blanke (1941–2016) Hochschullehrer für Interlinguistik an der Humboldt-Universität Berlin
Edit Buchholz (* 1941), Sportlerin (Tischtennis), dreifache deutsche Meisterin und zweifache Mannschafts-Europameisterin
Peter Köll (1941–2008), Chemiker, Professor an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Volker Storch (* 1943), Zoologe, Professor an der Universität Heidelberg
Jens Johler, (* 1944), Schriftsteller
Eckhard Cordes (* 1950), Manager
Klaus-Dieter Müller (* 1951), Medien- und Politikwissenschaftler sowie Politiker (SPD)
Bernd Rohwer (* 1951), Politiker (SPD), Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein (2000–2005)
Karsten Podlesch (* 1955), Radsportler
Werner Barg (* 1957), Autor und Filmproduzent
Michael Simon (* 1958), Theaterregisseur
Ulf Erdmann Ziegler (* 1959), Schriftsteller
Heinrich Detering (* 1959), Literaturwissenschaftler und Lyriker
Sabine Kaack (* 1959), Schauspielerin
Meike Winnemuth (* 1960), Journalistin, Autorin
Thomas Mohr (* 1961), Opern- und Konzertsänger, Gesangsprofessor
Bernd Schütt (* 1961), General der Bundeswehr
Christine Haderthauer (* 1962), Juristin und Politikerin, frühere CSU-Generalsekretärin und ehemalige Staatsministerin
Torsten Geerdts (* 1963), Politiker (CDU), von 2009 bis 2012 Landtagspräsident des Landtages von Schleswig-Holstein
Lutz Mathesdorf (* 1963), Comiczeichner, Kinderbuchautor, Chefzeichner von Fix und Foxi
Matthias Meyer-Göllner (* 1963), Musikpädagoge, Komponist und Kinderliedermacher
Heiko Buhr (* 1964), Schriftsteller
Ulf Kaack (* 1964), Schriftsteller und Journalist
Hauke Göttsch (* 1965), Landtagsabgeordneter (CDU)
Wolf Rüdiger Fehrs (* 1966), Politiker (CDU)
Birgit Bockmann (* 1966), Schauspielerin und Theaterregisseurin
Barbara Goldstein (1966–2014), Schriftstellerin
Svenja Schlicht (* 1967), Schwimmerin
Jens Schwedler (* 1968), Radsportler
Tommy Dunker (* 1969), Speedway- und Langbahn-Rennfahrer
Stefan Schnoor (* 1971), Fußballspieler
Axel Bernstein (1974–2017), Politiker (CDU)
Ramona Dempsey (* 1983), Schauspielerin
An Lin (* 1984), Schriftstellerin
Tim Siedschlag (* 1987), Fußballspieler
Jessica Rusch (* 1992), Schauspielerin
Weitere Persönlichkeiten
Vizelin (* um 1090–1154), Bischof von Oldenburg, Missionar der Slawen, gründete das namengebende Augustiner-Chorherrenstift und starb dort
Joachim Beccau (1690–1754), Dichter und Opernlibrettist, Rektor in Neumünster
Caspar von Saldern (1711–1786), Politiker aus Holstein, lebte und starb in Neumünster
Friedrich Franz Hasselmann (1713–1784), seit 1736 Pastor in Neumünster, ab 1766 Generalsuperintendent des herzoglichen Anteils von Holstein
Hans Fallada (1893–1947), Reporter und Schriftsteller, lebte um 1930 in Neumünster
Georg Fuhg (1898–1976), Bildhauer und Töpfer, lebte und starb in Neumünster
Herbert Gerisch (1922–2016), Politiker (CDU), Ratsmitglied in Neumünster und Landtagsabgeordneter; Unternehmer und Kunstmäzen in Neumünster
Jürgen Oldenburg (1926–1991), Politiker (SPD), Mitglied des Stadtrats und Landtagsabgeordneter
Klaus Murmann (1932–2014), Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (1986–1996), Unternehmer in Neumünster
Rudolf Johna (1933–2014), SPD-Landtagsabgeordneter, Ratsmitglied in Neumünster und stellvertretender Stadtpräsident (1975–1979)
Ludwig Haas (* 1933), Schauspieler, lebt in Neumünster
Gerd Helbig (* 1939), ehemaliger ZDF-Journalist, langjähriger Moderator des auslandsjournals und Leiter der ZDF-Studios in Washington und Brüssel, besuchte die Holstenschule
Kajo Schommer (1940–2007), Politiker (CDU), ehemaliger Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Liegenschaften der Stadt Neumünster, später sächsischer Wirtschaftsminister (1990–2002)
Dirk Sager (1940–2014), Fernsehjournalist, besuchte die Holstenschule
Uwe Döring (* 1946), Politiker (SPD), ehemaliger Minister für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein (2005–2009), lebt in Neumünster
Jörg Ziercke (* 1947), Präsident des Bundeskriminalamtes, 1979–1981 Leiter der Kripo Neumünster
Kurt Schulzke (1950–2017), Maler und Musiker, lebte zuletzt in Neumünster
Angelika Beer (* 1957), Politikerin (ehemals Bündnis 90/Die Grünen, seit 2012 Piratenpartei), lebt in Neumünster
Kirsten Eickhoff-Weber (* 1960), Politikerin (SPD), Landtagsabgeordnete, lebt in Neumünster
Ingbert Liebing (* 1963), Politiker (CDU), Bundestagsabgeordneter, von November 2014 bis Oktober 2016 Landesvorsitzender der CDU in Schleswig-Holstein
Kirsten Bruhn (* 1969), Schwimmerin, lebte in Neumünster, zehnmalige Sportlerin des Jahres
Eike Duckwitz (* 1980), Hockeyspieler, Hockey-Weltmeister 2006, begann seine Karriere beim THC Neumünster
Mona Barthel (* 1990), WTA-Tennisspielerin, lebt in Neumünster
Amtmänner zu Neumünster
Tideke von Wittorf (1451–1464)
Detlev von Wittorf (1464–1495)
Joachim von Wittorf (1495–1532)
Jasper von Wittorf (1532–1564)
Caspar von Saldern (1744)
Peter von Sievers (1792–1839)
Josias Friedrich Ernst von Heintze-Weissenrode (1846–1848)
Graf Cay Lorenz von Brockdorff (1848–1852)
Literatur
Marianne Dwars, Alfred Heggen: Stadtgeschichte Neumünster. Neumünster 2012, ISBN 3-529-01716-7
Antje Erdmann-Degenhardt, Reinhold Möller (Hrsg.): Neumünster – ein Lesebuch. Husum-Verlag, Husum 1988, ISBN 3-88042-433-0.
Alfred Heggen, Hartmut Kunkel (Bearb.): Neumünster im Zeichen des Hakenkreuzes – Eine Dokumentation der Jahre 1933/1934. Hrsg. Arbeitskreis „Machtergreifung“ an der Volkshochschule Neumünster, Neumünster 1983.
Reinhold Möller: Neumünster. Die 50er und 60er Jahre. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-956-6. 
Helmut Müller (Text), Walter Erben (Bilddoku): Als unser Leben Kleinholz war. Verlag der Buchhandlung C. Rathje, Neumünster 1987, ISBN 3-926465-02-6.
Neumünster zwischen den zwei Meeren. Bilder und Geschichte Neumünsters. EPM-Verlag Euro-Print-Medienservice, Wilhelmsdorf, Druckerei Liebel, Bad Waldsee 1996.
Neumünster im Holsteiner Land. Chronik und Stadtbilder. Kurt Leuschner, Neumünster 1996.
Carsten Obst: Flüchtlinge in Neumünster. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-121-9. 
Carsten Obst: Jüdische Bürger in Neumünster – Von der Judenemanzipation bis zum Holocaust. In: Steinburger Jahrbuch 2002, Hrsg. Heimatverband für den Kreis Steinburg. S. 202–224.
Rudolf Ullemeyer: Neumünster. Die Geschichte von 1127–2000. Fakten – Zahlen – Dokumente – Fotos. 1. Auflage 1963, Überarbeitet und ergänzt von Alfred Heggen, Peter Schuster und Klaus Tidow, Neumünster 2000.
Weblinks
 Commons: Neumünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Neumünster – Reiseführer
Offizielle Website der Stadt
Literatur von und über Neumünster im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Linkkatalog zum Thema Neumünster bei curlie.org (ehemals DMOZ)