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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Neusäß nicht vorenthalten.

Geschichte
Topographische Karte von Augsburgs Nordwesten, vor 1830
Alt-Neusäß: Eiscafé und der Turm von St. Ägidius
Die Wallfahrtskirche St. Maria von Loreto auf dem Kobel
Acht Dörfer

Die acht ehemals eigenständigen Dörfer, aus denen das heutige Neusäß besteht, blicken auf eine lange Geschichte zurück.

Der Ortsteil Neusäß, der seit dem Zusammenschluss zur Gemeinde zur Unterscheidung auch „Alt-Neusäß“ genannt wird, geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit siedelten sich mehrere Bauern um einen kleinen See an und nannten ihren Ort „Niusazen“ (etwa „Neuer Wohnsitz“), was später zu „Neusäß“ wurde. Der See wurde später trockengelegt. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Spielplatz. Die Patrizierfamilie der Rembolds erbaute ein Schloss, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Erhalten ist eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert. Neusäß war zwar lange unbedeutend klein neben seinen Nachbardörfern geblieben (siehe Karte rechts), hatte aber dann im 19. und 20. Jahrhundert ein so starkes Wachstum erfahren, dass er zum einwohnermäßig größten Ortsteil angewachsen war.

Im Ortsteil Täfertingen fand man Alemannengräber als Zeichen einer frühen Besiedelung. Täfertingen wurde vermutlich bereits im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet und ist damit der älteste Ortsteil.

Der Ortsteil Hammel wurde erstmals urkundlich im 12. Jahrhundert erwähnt und geht vermutlich auf eine heute nicht mehr existierende Burg mit Kloster am Hammelberg zurück. Im 17. Jahrhundert wurde das heute noch bewohnte Schloss Hammel erbaut. Fast dreihundert Jahre lang gab es neben dem Schloss nur wenige Häuser in Hammel.

Ottmarshausen wurde vermutlich im 8. Jahrhundert gegründet. Bei Grabungen an der alten Ortskirche St. Vitus fand man Reste einer Holzkirche aus dem Jahr 900. Abt Otmar war im Jahre 759 gestorben und seine Gebeine wurden 864 in St. Gallen beigesetzt. Die Verbindungen der Augsburger Bischöfe zu St. Gallen wurden in dieser Zeit immer enger. Somit dürfte auch in diese Zeit die Orts- und Kirchengründung von Ottmarshausen fallen. Der alte Kirchplatz in dieser Gemeinde galt schon früh als bevorzugter Siedelplatz, wie Steinzeitfunde beweisen.[2]

In Hainhofen gibt es zwei Schlösser aus dem 18. Jahrhundert.

Der Ortsteil Schlipsheim wurde ca. im 10. Jahrhundert gegründet und war lange Zeit ein Straßendorf. In der Ortsmitte stand bis 1821 ein Schloss, das dann wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Von diesem Schloss ist nur noch die Kapelle übrig geblieben.

Steppach wurde erstmals 1150 urkundlich erwähnt. Über den Zeitpunkt der Gründung von „Stetebach“ lassen sich keine genauen Angaben machen. In der Forschung wird „stete“ meist im Sinne einer schon länger bestehenden (möglicherweise römischen) Siedlung gedeutet. Ob die Namensgebung auf einen ausgetrockneten Bach, einen linken Zufluss zur Wertach, im Verlauf etwa der heutigen „Alten Reichsstraße“ entsprechend, zurückgeht, ist zwischen Historikern und Geologen umstritten. Eine Besonderheit der Bevölkerungsentwicklung von Steppach war das Aufblühen einer jüdischen Gemeinde. Nach 1438 waren die Juden in der Reichsstadt Augsburg nicht mehr geduldet und fanden im Umland eine Existenzmöglichkeit. Sie waren hauptsächlich im Handel tätig, da sie zu Handwerk und Gewerbe nicht zugelassen waren. Von 1584 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war ein Viertel bis ein Drittel der Einwohner Steppachs jüdischen Glaubens. In der „Alten Reichsstraße“ gab es nicht nur mehrere „Kommunhäuser“ (entsprechend heutigen Eigentumswohnungen), sondern auch eine Synagoge und ein rituelles Tauchbad (Mikwe). Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine stetige Abwanderung der jüdischen Bevölkerung ein, im Jahr 1910 war kein Jude mehr ansässig. Der Bismarckturm in Steppach wurde 1905 errichtet. In den letzten Jahren ist in Steppach nach dem Bau einer Ortsumgehung ein belebtes Einkaufs- und Geschäftszentrum entstanden.

Auf Westheimer Gebiet wurde 1852 eine 7,5 Hektar große römische Siedlung mit fünf Brennöfen entdeckt, die etwa von der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n, Chr. betrieben wurden.[3] Der Ort selbst wurde im 11. Jahrhundert gegründet und geht auf ein örtliches Adelsgeschlecht zurück. An der Stelle einer früheren Burg wurde ein Schloss errichtet, das heute als Seniorenheim genutzt wird. Im 16. Jahrhundert wurde die Wallfahrtskirche Maria Loreto auf dem Kobelberg errichtet. Auf dem Kobelberg liegt auch der hochmittelalterliche Burgstall Kobel. Die Wallfahrtskirche, aber auch der Bahnhof Westheim trugen zu dessen Bedeutung bei. Westheim war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die größte Ansiedlung nordwestlich von Augsburg.

Zusammenschluss

Am 1. Juli 1972 schlossen sich zunächst fünf Dörfer – Hainhofen, Hammel, Neusäß, Schlipsheim und Westheim – unter dem Namen Neusäß zusammen.[4] Am 1. Mai 1978 kamen Ottmarshausen, Steppach und Täfertingen hinzu.[5] Der Zusammenschluss geschah im Zuge der Gemeindegebietsreform, aber auch, um einer drohenden Eingemeindung nach Augsburg zu entgehen.

Am 10. Juni 1988 wurde der Ortszusammenschluss Neusäß zur Stadt erhoben.

Einwohnerentwicklung

Alt-Neusäß

1933: 0.434 Einwohner
1939: 0.942 Einwohner
1946: 1.300 Einwohner
1961: 3.667 Einwohner[5]
1970: 6.500 Einwohner[5]
heute: ca. 9.000 Einwohner

Gemeinde Neusäß

1961: 11.555 Einwohner[5]
1970: 16.063 Einwohner[5]
1991: 20.679 Einwohner
1995: 21.784 Einwohner
2002: 21.914 Einwohner
2005: 21.853 Einwohner
2006: 21.750 Einwohner
2007: 21.571 Einwohner
2008: 21.480 Einwohner
2009: 21.534 Einwohner
2010: 21.564 Einwohner
2011: 21.087 Einwohner
2012: 21.265 Einwohner
2013: 21.529 Einwohner
2014: 21.433 Einwohner
2015: 21.617 Einwohner
Religionen

Die katholischen Pfarreien Sankt Ägidius und Sankt Thomas Morus in Neusäß, Sankt Vitus in Ottmarshausen, Mariä Himmelfahrt in Täfertingen und Sankt Martin in Aystetten gehören zur Pfarreiengemeinschaft Neusäß im Dekanat Augsburg-Land im Bistum Augsburg. Die evangelische Emmausgemeinde in Neusäß gehört zum Dekanat Augsburg im Kirchenkreis Augsburg. Eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche besteht in Westheim seit 1947.

Politik
Stadtrat und Bürgermeister

Sitzverteilung im 30-köpfigen Stadtrat (Stand Kommunalwahl 2014):

CSU: 15 Sitze
SPD: 4 Sitze
GRÜNE: 5 Sitze
Freie Wähler-Vereinigung: 5 Sitze
FDP: 1 Sitz

Von 1984 bis 2008 war Manfred Nozar (parteilos, bei der Wahl 1984 noch SPD) Bürgermeister von Neusäß.
Am 2. März 2008 wurde Hansjörg Durz (CSU) mit 64 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
Da Hansjörg Durz in den Bundestag gewählt wurde, übernahm ab dem 9. Oktober 2013 der 2. Bürgermeister Richard Greiner die Amtsgeschäfte in Neusäß als amtierender Bürgermeister. Bei den Kommunalwahlen am 16. März 2014 wurde Richard Greiner mit knapp 61 Prozent der Stimmen zum ersten Bürgermeister der Stadt Neusäß gewählt.

Tafel mit den Partnerstädten von Neusäß
Partnerstädte
Deutschland: Markkleeberg, bei Leipzig, seit 1992
Schweden Schweden: Eksjö, seit 1995
Frankreich Frankreich: Cusset, seit 2000
Italien Italien: Bracciano, seit 2011 [6]
Sehenswürdigkeiten
Schloss Hainhofen
Wallfahrtskirche Maria Loreto auf dem Kobel in Westheim
Katholische Pfarrkirche St. Stephanus in Hainhofen
Schloss Hainhofen
Schloss Hammel
Bismarckturm in Steppach
Freizeit- und Erlebnisbad Titania-Therme

siehe auch:
Liste der Baudenkmäler in Neusäß

Natur
Einzelner Baum auf dem Feld in Neusäß gegenüber Am Kobelgraben 12

In Neusäß gibt es zur Naherholung zwei Wälder, den Lohwald und den unter Landschaftsschutz stehenden Kobelwald. Auch das Schmuttertal und die darin mäandernde Schmutter sind beliebte Ziele für Naturfreunde und Spaziergänger. Zwischen Täfertingen und Alt-Neusäß entstand durch Ausbaggerung ein Weiher in Neusäß, der Thalersee.

Neusäß besitzt folgende Naturdenkmäler:[7]

Ahorn- und Birkenallee am Fußweg Hainhofen-Westheim
Rotbuchen- und Ahornbestand im Schlosspark Hainhofen
Hohlweg am Gemeindeverbindungsweg Ottmarshausen-Aystetten (Weg zum „Schwäbischen Himmelreich“)
4 Linden an der Einmündung des Kapellenweges in die Kobelstraße in Westheim
Kultur
Eingang zum Haus der Musik an der Daimlerstraße
Eingang zum Stereoton von der Hauptstraße

Seit 1988 steht die Stadthalle Neusäß als Mehrzweckhalle für Veranstaltungen wie Konzerte, Theater oder Kabarett zur Verfügung. Sie hat eine Fläche von 531 m² und zusammen mit dem Foyer 815 m². Die Stadthalle kann für bis zu 633 Personen bestuhlt und mit einer flexiblen Trennwand auch verkleinert werden.[8]

Im Oktober 2015 eröffnete die Stadt Neusäß ein „Haus der Musik und Jugendkultur“ an der Stelle des alten Jugendzentrums „Stereoton“. Dieses beherbergt im Erd- und Obergeschoss mehrere Vereine:

Neusässer Kammerorchester e. V.
Sing- und Musikschule Neusäß e. V.
Stadtkapelle Neusäß e. V.
Faschingsverein „Narrneusia“ e. V. Showtanzgruppe

Im Untergeschoss, zugänglich durch einen separaten Eingang, befindet sich das neue „Stereoton“. Dort können sich Jugendliche treffen, es gibt ein Café und diverse Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Dazu gehört neben dem Haus ein Freigelände, auf dem im Sommer Open-Air-Veranstaltungen stattfinden.

Sonstige Vereine
Dienststelle des ACO e. V.

Der Augusta Club Ordnungsdienst e.V. (ACO e. V.) wurde am 15. Februar 1988 gegründet. Im Oktober 1992 wurde die Unfallfolgehilfe ins Leben gerufen. Ab 1997 war der ACO e. V. eine anerkannte Zivildienststelle und seit 2011 ist er eine Dienststelle für den Bundesfreiwilligendienst. Seit Oktober 2015 befindet sich die Dienststelle in einem Gebäude der ehemaligen Straßenmeisterei.[9]

Schulen

Am Schulstandort Neusäß gibt es vier Grundschulen, eine kombinierte Grund- und Mittelschule, eine Berufsschule, eine Realschule, das Justus-von-Liebig-Gymnasium sowie eine Fachoberschule, eine Berufsfachschule und eine Berufsfachoberschule.

Büchereien

Anstelle einer zentralen Stadtbücherei gibt es die öffentliche Bücherei Neusäß, die sich aus fünf Teilbüchereien in vier Stadtteilen zusammensetzt. Deren Träger und Verantwortliche sind die katholischen Pfarreien Sankt Nikolaus von Flüe, Sankt Raphael, Sankt Thomas Morus, Sankt Vitus und Sankt Ägidius. Zusammen gibt es in diesen über 50.000 ausleihbare Medien.

Verkehr

Neusäß ist an die Bundesautobahn 8 (Ausfahrt Neusäß 71B) und an die Eisenbahnstrecke Ulm-Augsburg angebunden. Neusäß hat zwei Bahnhöfe, einen in Westheim und einen in Alt-Neusäß. An beiden halten Regionalzüge der Linie R6 des AVV, sowie der Teil des Fugger-Express, der zwischen Ulm und München verkehrt.

Der Flughafen Augsburg ist ca. 15 km (zehn Autominuten) entfernt und der Flughafen München Franz Josef Strauß ca. 90 km (eine Autostunde).

Bekannte Bürger
David Heinemann (1819–1902), Porträtmaler und Kunsthändler, geboren in Schlipsheim
Sena Jurinac-Lederle (1921–2011), Kammersängerin und Mitglied des Wiener Mozartensembles, lebte von 1973 bis zu ihrem Tod in Hainhofen.
Martha Schad (* 1939), Historikerin und Autorin, lebt in Westheim
Christoph Stölzl (* 1944), Historiker, Museologe, Publizist und Politiker (CDU), in Westheim geboren
Rudolf Trautz, viermaliger Weltmeister, achtmaliger Europameister, 21 mal Deutscher Meister im Tanzen
Clemens Brocker (* 1961), Künstler, lebt in Neusäß
Tina Schüßler (* 1974), Profisportlerin, dreifache Weltmeisterin im Boxen, Kickboxen und amtierend im K-1 der WKU, Sängerin, Schauspielerin und Moderatorin. Sie lebt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Clemens Brocker in Neusäß
Meike Droste (* 1980), Schauspielerin, aufgewachsen in Neusäß
Annina Braunmiller (* 1985), Schauspiel- und Synchronsprecherin, aufgewachsen in Neusäß
Literatur
Richard Greiner, Winfried Greiner: Die Grundherrschaften in Alt-Neusäß – ein Beitrag zur Ortsgeschichte. Neusäß, 1975
Manfred Nozar (Hrsg.): Neusäß – Die Geschichte von acht Dörfern auf dem langen Weg zu einer Stadt. Neusäß, 1988
Stadt Neusäß (Hrsg.): 25 Jahre Stadt Neusäß 1988–2013. Neusäß, 2013
Weblinks
 Wiktionary: Neusäß – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Neusäß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Eintrag zum Wappen von Neusäß in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Neusäß: Amtliche Statistik des LfStat (PDF; 1,24 MB)