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Geschichte

Hauptstädte und Städte des Fürstbistums Paderborn bis 1802/03 (Stand 1789):
Paderborn, Warburg, Brakel, Borgentreich | Beverungen, Borgholz, Bredenborn, Büren, Driburg, Dringenberg, Gehrden, Calenberg, Kleinenberg, Lichtenau, Lippspringe, Lügde, Nieheim, Peckelsheim, Salzkotten, Steinheim, Vörden, Willebadessen, Wünnenberg

Nieheim wird als Nyhem am 25. Mai 1036 in der Busdorf-Urkunde erwähnt. In dem Jahr übergab Bischof Meinwerk von Paderborn dem Kanonikerstift Busdorf in Paderborn unter anderem den Herrenhof Nieheim mit vier Vorwerken.[11]
Schon zuvor gehörte die heutige Stadt Nieheim zum Gebiet des späteren Hochstifts Paderborn. Um den kurkölnischen Expansionsbestrebungen etwas entgegenzusetzen, verleiht Fürstbischof Bernhard IV. zur Lippe (reg. 1228 bis 1247) um 1230 dem damaligen Dorfe Nieheim die Stadtrechte mit niederer Gerichtsbarkeit, Marktrecht, Münzrecht und so weiter. Nieheim bildet innerhalb des Fürstbistums ein eigenes Amt, irreführenderweise Richterei genannt. Der Amtmann nannte sich Richter. Die Richterei Nieheim war dem Oberamt Dringenberg zugeordnet.

Die Bauern der Umgebung verlassen danach ihre Hofstellen in der Steinheimer Börde und verlegen sie in die neue Stadt, welche sich so zu einer Ackerbürgerstadt entwickelt, die später auch dem Städtebund der Hanse beitritt.

1802 verliert das Hochstift Paderborn mit der Besetzung durch Preußen seine staatliche Selbständigkeit, fällt aber bereits 1807 für wenige Jahre an das Königreich Westphalen (Departement der Fulda) und 1813 nach der napoleonischen Niederlage an Preußen zurück. Nieheim wird der 1815 gegründeten Provinz Westfalen eingegliedert und kommt durch Erlass der Königlichen Regierung in Minden an den 1816 gegründeten Kreis Brakel. Dieser wird allerdings bereits 1832 dem östlich benachbarten gleichzeitig gegründeten Kreis Höxter zugeschlagen.

Bei Einteilung der preußischen Landkreise in Ämter wird Nieheim Sitz des Amtes Nieheim. Dieses besteht bis zum Zusammenschluss seiner Gemeinden zur neuen Stadt Nieheim am 1. Januar 1970.

Als Folge des Zweiten Weltkrieges steigt die Zahl der Einwohner der Stadt Nieheim und der umliegenden Gemeinden des Amtes um ungefähr 2000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene.

1956 verlegt die Barmer Ersatzkasse, deren Hauptverwaltung bislang in Nieheim lag, diese nach Wuppertal-Barmen, woraufhin etwa 600 Einwohner von Nieheim wegziehen.

Nahe Merlsheim und Pömbsen auf dem Bilster Berg befand sich bis in die 1990er Jahre ein Munitionsdepot der Britischen Streitkräfte in Deutschland. Auf diesem Gebiet entstand bis 2013 der Neubau des Autotestcenters „Bilster Berg Drive Resort“ mit einer etwa 4,2 km langen Rennstrecke.[12]

1994 gewinnt Nieheim den 3. Bundeswettbewerb „Familienferien in Deutschland“ und erhält 1995 die staatliche Anerkennung als heilklimatischer Kurort.

Religionen

Die Mehrheit der Bevölkerung Nieheims ist, wie im gesamten Gebiet des ehemaligen Hochstifts Paderborn, katholisch.
Die katholischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet sind Sankt Nikolaus Nieheim, Sankt Antonius von Padua Eversen und Sankt Antonius von Padua Himmighausen mit der Filiale Sankt Luzia Merlsheim, Sankt Johannes Baptist Entrup und Sankt Johannes Baptist Holzhausen, Sankt Kosmas und Damian Oeynhausen sowie St. Peter und Paul Sommersell. Diese Gemeinden bilden einen gemeinsamen Pastoralverbund im Erzbistum Paderborn, der bis zum 30. Juni 2006 zum Dekanat Brakel-Steinheim der Seelsorgeregion Hochstift gehörte. Seit dem 1. Juli 2006 – mit der Auflösung der Seelsorgeregionen und Zusammenfassung der Dekanate zu größeren Einheiten im Erzbistum – sind diese Gemeinden Teil des neugeschaffenen Dekanates Höxter.

Für die evangelischen Christen gibt es die evangelische Kirchengemeinde Marienmünster-Nieheim im Kirchenkreis Paderborn der Evangelischen Kirche von Westfalen. Gotteshaus ist die neugotische Kreuzkirche in Nieheim.

Die Zeugen Jehovas (Versammlung Nieheim) haben seit 1975 ihren Königreichssaal in der Wasserstr.11. Anfang 2016 wurde der Königreichssaal verkauft, da in Steinheim ein neuer Königreichssaal(Kirchengebäude) von Jehovas Zeugen Versammlung Nieheim und Versammlung Blomberg gebaut wird.

Ein Indiz für die Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Nieheimer Schüler sein. Demnach gaben im Schuljahr 2006/2007 20,2 % der Schüler evangelisch, 70,4 % katholisch und 0,3 % islamisch als Religionszugehörigkeit an. 6,2 % gaben eine andere Religionszugehörigkeit und 2,9 % keine Konfession an.[13]

Eingemeindungen

Aufgrund eines freiwillig abgeschlossenen Gebietsänderungsvertrages schließen sich durch das Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Kreises Höxter vom 2. Dezember 1969[14] die bisherigen Gemeinden des Amtes Nieheim Entrup, Erwitzen, Eversen, Himmighausen, Holzhausen, Merlsheim, Oeynhausen, Schönenberg, Sommersell und die Stadt Nieheim am 1. Januar 1970 zur neuen Stadt Nieheim zusammen.[15] Das Amt Nieheim wird aufgelöst. Rechtsnachfolgerin ist die neue Stadt Nieheim.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Nieheim nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 um Volkszählungsergebnisse und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Zahlen für 1975, 1980 und 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich für 1837 auf die „Zivilbevölkerung“, ab 1861 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“.
Am (Stand 31. Dezember 2014), hatte Nieheim nach eigenen Angaben 6221 Einwohner, davon lebten 2869 Einwohner in der Kernstadt. Hinzu kommen noch 246 Bürger mit zweitem Wohnsitz.[16] Nach Angaben des Statistischen Landesamtes NRW hatte Nieheim am 30. Juni 2015 6221 Einwohner.[17]
Aktuell zum 31. Dezember 2016 gibt die Stadt Nieheim eine Einwohnerzahl von 6.266 Einwohner an.[18]

Bevölkerungsentwicklung in Nieheim von 1837 bis 2007 (untere Linie: jeweiliger Gebietsstand, obere Linie: heutiger Gebietsstand)

Nieheim nach dem damaligen Gebietsstand

Jahr Einwohner
118371 1521
118611 1721
118671 1669
118711 1563
Jahr Einwohner
119391 1968
119501 2845
119611 2186
1969 2469

Nieheim nach dem heutigen Gebietsstand

Jahr Einwohner
119501 7184
119611 5726
1969 6194
119701 6374
1974 6383
1975 6353
1980 6533
1985 6351
119871 6505
1990 6725
1995 7114
Jahr Einwohner
2000 7087
2005 7001
2007 6787
2011 6536
2012 6382
2013 6483
2014 6274
2015 6221
2016 6266

1 Volkszählungsergebnis

Politik
Stadtrat

Die folgende Tabelle zeigt die Zusammensetzung des Stadtrates und die Kommunalwahlergebnisse seit 1975[19][20]:

2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  %
CDU 11 45,4 13 50,2 13 56,60 14 55,54 11 49,08 14 49,61 17 60,88 17 63,21 19 68,81
SPD 9 38,1 8 35,1 7 28,91 7 29,62 8 34,19 8 31,55 7 25,90 7 25,86 8 31,19
UWG1 3 11,3 2 8,8 3 10,94 3 13,68 4 16,73 5 18,85 3 13,22 3 10,93
FDP 1 5,1 1 5,9 1 3,56 0 1,16
Gesamt2 24 100 24 100 24 100 24 100 23 100 27 100 27 100 27 100 27 100

1Unabhängige Wählergemeinschaft
2ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen

Sitzverteilung im Rat seit 2009

Zum Vergleich: Sitzverteilung im Rat von 2004 bis 2009

Bürgermeister

Bei der Bürgermeisterwahl am 30. August 2009 wurde Rainer Vidal Garcia mit 54,0 % der gültigen Stimmen gewählt und am 13. September 2015 mit 68,8 Prozent bestätigt.[21] Seine Vorgänger waren Johannes Kröling (CDU), der 1999 und 2004 gewählt wurde, und Josef Wiechers, der bis 1999 im Amt war.

Wappen und Flagge

Der Stadt Nieheim ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten Detmold vom 8. Februar 1974 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen worden.

Wappenbeschreibung:
In Rot ein goldenes (gelbes) freischwebendes Kreuz mit nach unten verlängertem Balken, bewinkelt von vier goldenen (gelben) Kugeln.

Bedeutung und Geschichte des Wappens:
Das Kreuz und die Farben Rot und Gold entstammen dem Wappen des Hochstifts Paderborn, dessen Gebiet die Stadt über Jahrhunderte zugehörte. Die Kugeln symbolisieren den heiligen Nikolaus, den Schutzheiligen der Stadt und ihrer Pfarrkirche.

Das erste bekannte Stadtwappen stammt aus dem Jahre 1591. Es hat eine leicht andere Form mit einem durchgehenden statt freischwebenden Kreuz. In dieser Form wird es am 18. Juli 1908 vom preußischen König bestätigt.[22]

Beschreibung der Flagge:
Von Gelb und Rot längsgestreift, abgeteilt jedoch in jedem Streifen vorn ein Quadrat in verwechselten Farben.
Im oberen roten Quadrat die heraldische Figur des Stadtwappens.[7]

Stadtwappen

Historisches Stadtwappen von 1908

Stadtflagge

Städtepartnerschaften

Nieheim unterhält derzeit keine Städtepartnerschaften, ist jedoch Mitglied des Städtebundes der Neuen Hanse.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Westfalen Culinarium. Hier Käsemuseum und Eingang.

Das Heimat- und Sackmuseum befindet sich im alten Kornhaus im Stadtkern von Nieheim (unterhalb der katholischen Kirche).

Das am 29. April 2006 neu eröffnete Westfalen Culinarium besteht aus vier Museen mit westfälischen Spezialitäten auf 3000 Quadratmetern: dem Käsemuseum, dem Westfälischen Schinkenmuseum, dem Brotmuseum (mit speziell Pumpernickel) und dem Bier- und Schnapsmuseum. Dabei wird auch auf deutsche, europäische und weltweite Themen zu diesen „Grundnahrungsmitteln“ eingegangen. In einer Probierstube können die Spezialitäten der Region auch verkostet werden.

Bauwerke

Als Wahrzeichen Nieheims kann der Holsterturm auf den nahen Anhöhen des Holster Berges südlich der Kernstadt auf eine siebenhundertjährige Geschichte zurückblicken. Der frühere Wartturm, der auch Nieheimer Warte genannt wird, kann heute über Treppenstufen als Aussichtsturm bestiegen werden und bietet einen guten Blick auf Nieheim. In Erinnerung an seine umkämpfte Vergangenheit sind außen Speere als Kunstobjekte angebracht.[23]

Rathaus, dahinter der 2016 abgebrannte Ratskrug

Zu den sehenswerten historischen Bauwerken der Stadt zählen das im Stil der Weserrenaissance errichtete Rathaus Nieheim aus dem Jahre 1610, sowie das im Jahre 1701 erbaute Richterhaus.

Der Ratskrug, ein stattliches Fachwerkgebäude von 1712, ist am frühen Morgen des 7. Februar 2016 aus bisher ungeklärter Ursache komplett abgebrannt.[24] Die Reste des Hauses wurden kurz darauf vollständig abgebrochen.

kath. Kirche

Die katholische Pfarrkirche Sankt Nikolaus mit einem durch Reliefdarstellungen kunstvoll verzierten Taufbecken und einem spätgotischen Sakramentshäuschen stammt in ihren ältesten Gebäudeteilen aus dem 13. Jahrhundert.

Die evangelische Kreuzkirche Nieheim wurde 1868/69 im neugotischen Stil errichtet.

Einmalig in Westfalen ist der Nikolausbach, der unterhalb des Holsterberges entspringt und im Ortszentrum in einem mittelalterlichen Gewölbesystem verläuft.

Als Relikt einer fast vergessenen Nachrichtentechnik steht hoch oben auf der Finnstätte bei Oeynhausen die vom Heimatverein Oeynhausen wieder aufgebaute optische Telegraphenstation Nr. 32 des Preußischen optischen Telegrafen. Auf Wunsch sind fachkundige Führungen möglich.

Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Johannes-der-Täufer-Kirche in Holzhausen.

Naturdenkmäler

Charakteristisch für das Erscheinungsbild von Feld und Flur ist die Nieheimer Flechthecke. Die Hecken bestehen zu 80 Prozent aus Haseln, die einreihig gepflanzt werden. Zusätzlich kommen Weißdorn und einzelne Wildrosen vor. Die Kopfweiden dienen in der Hecke als lebende Zaunpfosten zur Stabilisierung. Den Kopfweiden werden die jungen Ruten für die Flechtarbeiten entnommen. Werden außer dem Milchvieh auch Pferde auf der Weide gehalten, werden auf der Innenseite Schwarzdornäste (Schlehen) gegen den Verbiss eingebunden. Die fertigen Hecken haben eine Höhe von etwa 1,50 m und sind in drei Lagen geflochten.

Sport

Im Bereich des Schulzentrums in Nieheim steht das Bad am Holsterberg. Das Hallenbad verfügt über ein Schwimmbecken von 8 mal 16,66 Meter, das Freibad über ein Becken von 16,66 mal 25 Meter.

Der 1. FC Nieheim wurde 1937 gegründet. Zurzeit werden verschiedene Jugendmannschaften, eine Alte-Herren- sowie zwei Seniorenmannschaften betrieben. Die 1. Seniorenmannschaft spielt in der Kreisliga A, die 2. in der Kreisliga B. Der FC Nieheim war lange Zeit einer der wenigen (der einzige) Vereine im Sportkreis Höxter/Warburg/Lippe, der trotz relativ kleiner Einwohnerzahl drei Seniorenmannschaften stellte.

Parks

Der Garten des Schlosses Himmighausen ist ein nicht öffentlich zugängliches in Privatbesitz befindliches Areal von etwa 1 ha Größe. Der recht gut gepflegte Garten ist durch einen Umgangsweg erschlossen, besonders hervorzuheben sind der alte Baumbestand in der Nähe des Hauses und die erhaltene Grotte am Weg. Der östliche Teil des Gartens wird als Weideland genutzt.[25]

Der Gutspark Gut Grevenburg ist ein nicht öffentlich zugängliches in Privatbesitz befindliches Areal von etwa 2,5 ha Größe. Der Park ist recht gut gepflegt. Er wird bestimmt von seinem alten Baumbestand. Eine Pflanzschale mit Steinsockel und ein rundes Wasserbecken mit Fontäne stammen vermutlich aus dem 19. Jh.[26]

Der Gutspark Holzhausen ist ein in Privatbesitz befindliches Areal von etwa 3 ha Größe. Es ist bei Veranstaltungen zugänglich. Von der ursprünglichen Gartenanlage sind alte Bäume und Stützmauern, Treppen, Wasserbecken und Skulpturen erhalten. Die Gartenflächen sind heute Rasen- und Wiesenflächen, Teile sind mit Fichten bewaldet.[27]

Der Schlosspark Merlsheim ist ein in Privatbesitz befindliches Areal von etwa 2 ha Größe und nicht öffentlich zugänglich. Er wurde ursprünglich als Barockgarten angelegt, ist heute sehr vereinfacht, aber gepflegt.[28]

Regelmäßige Veranstaltungen
5. Deutscher Käsemarkt 2006
Deutscher Käsemarkt: Jeweils in den geraden Jahren am ersten Septemberwochenende kommen in Nieheim seit 1998 handwerkliche Käsehersteller und Verarbeiter der ganzen Welt zusammen und präsentieren ihre Produkte rund um den Käse. 2006 kamen an drei Tagen neben den über 70 Händlern aus Deutschland und Europa etwa 60.000 Gäste.
Nieheimer Holztage: Jeweils in den ungeraden Jahren am ersten Septemberwochenende zu den Themen „Holz, Wald und Natur“
Nieheimer Kulturnacht: Am Tag der Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit
Nieheimer Chorfestival: Stimmtraining für Chöre aus ganz Deutschland
Nieheimer Rosenmontagsumzug: Karnevalistische Hochburg Ostwestfalens
Jungschützenfest: Eines der ältesten Brauchtumsfeste ist das alle drei Jahre stattfindende Jungschützenfest. Hier präsentiert die Jungschützengilde Nieheim ihren zuvor am 1. Mai geschossenen König nebst Königin und Hofstaat. Hunderte junger Nieheimer Männer im Alter von 16 bis 35 sind aufgefordert, in der traditionellen Schützenuniform (schwarzer Anzug, graue Krawatte, weiße Mütze) am Schützenfest teilzunehmen.
Kulinarische Spezialitäten

In der Stadt wird eine eigene Käsesorte hergestellt, der Nieheimer Käse, und verkauft in der Käserei Pott, in der Schaukäserei Menne und bei den Nieheimer Käsewirten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Nieheim ist heilklimatischer Kurort und ein Grundzentrum in einem Gebiet mit überwiegend ländlicher Struktur.

1961 betrug der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten 51 %, sank aber bis Mitte der 1990er-Jahre auf knapp über 10 %, da viele Bauern ihre Betriebe aus der Innenstadt in die freie Feldflur verlegten oder aufgaben.

Dagegen nimmt seit dem Zweiten Weltkrieg der Anteil der Industriebeschäftigten stark zu. Diese ist vor allem im Gewerbegebiet direkt östlich der Innenstadt angesiedelt, führend hier ist die Möbelindustrie.

Seit einigen Jahrzehnten nimmt der Dienstleistungsbereich immer stärker zu, mittlerweile auch zu Lasten des produzierenden Gewerbes. Größter Dienstleistungsbetrieb ist das Sankt-Nikolaus-Hospital, ein Altenwohn- und Krankenhaus. Hinzu kommt der immer wichtiger werdende Fremdenverkehr, für den mit dem historischen Ortskern und reizvoller Umgebung gute Voraussetzungen gegeben sind.

Verkehr

Nieheim liegt an der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bundesstraße 252 (Ostwestfalenstraße) und ist über diese an die 61 km entfernten Bundesautobahn 2 Hannover–Ruhrgebiet, als auch an die 47 km entfernten A 44 Dortmund–Kassel angebunden.

Die nächsten Haltepunkte sind Sandebeck an der Bahnstrecke Herford–Himmighausen sowie Steinheim (Westf) und Altenbeken an der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken sowie Brakel (Kr Höxter) an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen.

Die Stadt hat fünf Radrundwege und acht Wanderwege ausgeschildert, unter Letzteren den „Nieheimer Kunstpfad“ und den „Kultur-, Wald- und Landschaftserlebnispfad“. Nieheim liegt am Europaradweg R1, welcher von Frankreich bis nach Russland u.a. über Höxter, Münster und Berlin führt, sowie an der 500 km langen Wellness-Radroute, die als Radrundweg ausgeführt ist.[29]

Der nächstgelegene Verkehrsflughafen ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt in etwa 52 km Entfernung. Der Flughafen Hannover liegt rund 114 km entfernt.

Medien

An lokalen Tageszeitungen erscheinen die Neue Westfälische und das Westfalen-Blatt. Die Mantelausgabe beider Zeitungen wird von den jeweiligen Hauptredaktionen aus Bielefeld bezogen.
Des Weiteren erscheinen 8 bis 9 Ausgaben pro Jahr des städtischen Amtsblattes (Treffpunkt Nieheim), herausgegeben vom Westfalen-Blatt.[30] Zudem erscheint vierteljährlich im Hochstift Paderborn und dem Corveyer Land die Zeitschrift Die Warte für die Kreise Paderborn und Höxter, mit Beiträgen zu Regionalgeschichte, Literatur und Kunst.

Nieheim gehört zum Berichtsgebiet des Regionalstudios Bielefeld des WDR. Im Gebiet des ehemaligen Hochstifts Paderborn, zu dem auch Nieheim gehörte, gibt es seit 1991 den Radiosender Radio Hochstift, der insbesondere regionale Themen aufgreift und mehr Hörer hat als die überregionalen Sender (wie der WDR).

Öffentliche Einrichtungen

Das Weberhaus Nieheim, ehemaliges Wohnhaus des Arztes, Dichters und Politikers Friedrich Wilhelm Weber, beherbergte eine weithin im Lande bekannte Kolping-Diözesan-Bildungsstätte und Heimvolkshochschule, die sich für jede Form von Bildungsarbeit eignete. Diese Einrichtung wurde am 30. September 2011 geschlossen.[31]
Auch die Gesamtdeutsche Bildungsstätte Himmighausen der djo-Deutsche Jugend in Europa in Nieheim-Himmighausen bietet Seminare für verschiedene Zielgruppen an.

In Nieheim gibt es eine öffentliche katholische Bücherei in der Vikarie, unterhalb der katholischen Kirche, im Stadtkern.

Bildung

In der Stadt gibt es eine Grundschule (zwei Standorte), eine nach Peter Hille benannte Realschule, eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und eine Hauptschule. Die Hauptschule ist geschlossen, zum Schuljahr 2012/13 gab es keine Einschulungen mehr.[32] Die Förderschule befindet sich im Ortsteil Eversen.

Im Jahr 2007 wurden an den Schulen der Stadt mit 85 Lehrkräften insgesamt 1130 Schüler unterrichtet, davon 31,6 % an den Grundschulen (bis 2008 GS Nieheim und GS Sommersell), 17,3 % an der Hauptschule und 42,5 % an der Realschule, sowie 8,6 % an der Förderschule.[6]

Darüber hinaus gibt es in Nieheim vier Kindergärten.

Telefonvorwahlen

Die Vorwahl der Stadt lautet 05274. Abweichend hiervon gelten: 05233 in Eversen, 05238 in Himmighausen und Merlsheim sowie 05276 und 05284 in Sommersell.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt

Im kirchlichen Bereich internationale Anerkennung oder gar Berühmtheit erlangten der Magister Dietrich von Nieheim (1338/48–1418), der drei Päpsten diente und in der päpstlichen Kurie in hohem Ansehen stand, sowie Jahrhunderte später der auf Gut Externbrock bei Nieheim geborene Jesuitenpater, Religionsphilosoph und Meditationslehrer Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898–1990), Erbauer der Friedenskirche in Hiroshima. Sein Lebenswerk war die Erschließung der japanischen Zen-Praxis als Weg zu einer tiefen Glaubenserfahrung für Christen.

Gottfried Borninck („de Nym“) († 1453), Geistlicher, führende Persönlichkeit der Devotio moderna
Karl von Oeynhausen (1795–1865), preußischer Berghauptmann
Wilhelm Hillebrand (1821–1886), Arzt und Botaniker
Peter Hille (1854–1904), Schriftsteller
Ferdinand A. Hermens (1906–1998), Politologe und Nationalökonom
Norbert Wolff (* 1962), Theologe und Kirchengeschichtler
Jürgen Jasperneite (* 1964), Ingenieur und Professor
Weitere Persönlichkeiten
Friedrich Wilhelm Weber (1813–1894), Dichter, Arzt und Politiker, hat zuletzt in Nieheim gelebt. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Nieheimer Friedhof.
Fritz Kukuk (1905–1987), Dichter und plattdeutscher Autor[33]
Literatur
Heiko Lohre: Touristische Entwicklung eines Kurortes und Erhalt von Kulturlandschaft: Entwicklung des heilklimatischen Kurortes Nieheim unter besonderer Berücksichtigung des Tourismus und Erhalt der Kulturlandschaft. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-639-01838-7. 
Theo Reineke: 750 Jahre Stadt Nieheim 1228/47-1993: Dichterstadt zwischen Teutoburger Wald und Weser. Geiger-Verlag, 1992, ISBN 978-3-89264-721-8. 
Dietrich von Nieheim, Viridarium imperatorum et regum Romanorum. In: Alphons Lhotsky, Karl Pivec (Hrsg.): Monumenta Germaniae Historica. Band 1. Monumenta Germaniae Historica, München 1956, ISBN 978-3-7772-5603-0. 
Dietrich von Nieheim, Historie de gestis Romanorum principum. Cronica. Gesta Karoli Magni imperatoris. In: Katharina Colberg, Joachim Leuschner (Hrsg.): Monumenta Germaniae Historica. Band 2. Monumenta Germaniae Historica, München 1980, ISBN 978-3-7772-8015-8. 
Weblinks
 Commons: Nieheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Niem in der Topographia Westphaliae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
Webpräsenz des Tourismus- und Kulturamts Nieheim
Nieheim im Kulturatlas Westfalen

Stadtteile:

Stadtteil Entrup
Stadtteil Eversen
Stadtteil Merlsheim