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Geschichte
Historische Karte Norderneys von Karl Ludwig von Le Coq aus dem Jahr 1805 mit dem Inseldorf im Westteil hinter einem Dünengürtel
Hauptartikel: Geschichte Ostfrieslands

Bevölkerungsentwicklung Norderneys
Zahlen von 1550 bis 20121
Jahr Einwohner
1550    80
1650    101
1700    267
1750    450
1797    563
1800    573
1825    678
1850    968
1875    2.042
1885    2.842
1895    3.988
1900    4.018
1905    3.888
1910    4.262
1920    4.098
1930    4.506
1939    4.369
1948    8.127
1950    7.478
1960    7.388
1975    8.170
1980    8.299
19872    6.200
1987    6.181
1988    6.187
1989    6.125
1990    6.215
1991    6.362
1992    6.405
1993    6.418
1994    6.347
1995    6.261
1996    6.257
1997    6.179
1998    6.129
1999    6.095
2000    6.090
2001    6.054
2002    5.992
2003    5.970
2004    5.996
2005    5.904
2006    5.919
2007    5.986
2008    5.866
2009    5.810
2010    5.908
20103    5.886
20114    5.847
2012    5.803
1 Die Zahlen sind eine Fortschreibung des Bevölkerungsstandes.
Ab 1987 beziehen sich die Zahlen auf die Bevölkerung am 31. Dezember des jeweiligen Jahres.
Die angegebenen Werte bis einschließlich 1850 können von der tatsächlichen Einwohnerzahl abweichen.
Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN).
[5][68][69][70][71][72]
2 Volkszählung vom 25. Mai 1987 in Niedersachsen[73]
3 Daten vom 30. Juni 2011[5]
4 Zensus 2011 vom 9. Mai 2011[74]

Entstehung, Besiedelung und Demographie

Die Ostfriesischen Inseln wurden zuerst in Reiseberichten des griechischen Geographen Strabon im Jahr 12 vor Christus und von Plinius dem Älteren in der Naturalis historia um 79 nach Christus erwähnt, jedoch bis auf Borkum (Burchana) nicht namentlich bezeichnet. Etwa um 800 waren die Inseln Bant, Borkum, Juist, Buise, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge dem Festland vorgelagert. Durch die schwere Allerheiligenflut am 1. November 1170 brach die Insel Bant auseinander. Die Insel Buise lag westlich der heutigen Position Norderneys und wurde durch die Zweite Marcellusflut vom 15. bis zum 17. Januar 1362 in zwei Teile gerissen. Der dabei entstandene östliche Teil der Insel erhielt den Namen Oesterende. Die Inseln Bant und Buise nahmen durch Sedimentabtragung und Überflutung an Größe ab und versanken nach der Petriflut vom 22. Februar 1651 endgültig in der Nordsee.

In der Zeit der ostfriesischen Häuptlinge von 1350 bis 1464 gehörten die Ostfriesischen Inseln zum Herrschaftsgebiet der Häuptlingsfamilie tom Brok aus dem Brookmerland, die das Norderland mit Norderney unter ihrer Kontrolle hatten. Unter der Herrschaft des Adelsgeschlechts der Cirksena regierten zwischen 1464 und 1744 vorwiegend Landvögte die Insel. Die erste namentliche Erwähnung der Insel Norderney findet sich in einer Lehnsurkunde für Herzog Albrecht von Bayern vom 11. September 1398, in der die Inseln Burse und Oesterende verzeichnet sind.[75] Oesterende wurde durch stetige Zufuhr von Sand und Sedimenten aus ihrer westlich gelegenen Schwesterinsel immer größer.[76] Als eigenständige und zusammenhängende Insel existiert Norderney erst seit etwa Mitte des 16. Jahrhunderts. Damit ist sie vom Ursprung her die jüngste der Ostfriesischen Inseln. Erstmals wird sie in einem Rechnungsbuch der Gräfin Anna von Oldenburg, der vormundschaftlichen Regentin Ostfrieslands, aus dem Jahr 1550 als Norder neye Oog erwähnt. In einem im Juli 1650 von der vormundschaftlichen Gräfin Juliane in Auftrag gegebenen Kommissionsbericht heißt es:

„… das Eyland Ny norderoghe, unter Behrumer Amt gehörig, hat eine Kirche und 18 Häuser hinter hohen Dünen.“

– Kommissionsbericht vom 4. Juli 1650[77]

Wann sich die ersten Menschen auf der Insel niedergelassen haben, ist nicht mehr zu ermitteln, da keine Quellen darüber vorliegen. Nach derzeitigem Forschungsstand wird davon ausgegangen, dass die Besiedelung Norderneys zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert begann. Gesichert ist eine Information, nach der 1578 500 Steine von Berum nach Norderney geliefert wurden, um dort ein Haus zu bauen oder auszubessern.[77] In dem bereits erwähnten Rechnungsbuch der Gräfin Anna ist überliefert, dass ab 1550 Familien mit etwa 80 Personen in 16 Häusern auf der Insel wohnten. Es handelte sich dabei um Erbpächter, die das Land der Landesherren bewirtschafteten und in erster Linie vom Fischfang lebten, da der sandige Boden Ackerbau und Viehzucht kaum zuließ.[78]

Das Inseldorf entwickelte sich von 1688 an im Westteil mit zwei Häuserreihen, der Norder- und Süderreihe, die aus eingeschossigen Fischerhäusern bestanden.[77][79] Die ersten Einwohner Norderneys waren hauptsächlich freie Erbpächter. Um dort Fischfang (hauptsächlich Angelschellfisch) zu betreiben, zogen Menschen auf die Insel. Weitere Ertragsquellen bildeten die Muschelzucht und die Bergung von Strandgut. Über die Verteilung dieses Strandgutes wachte von 1607 an ein Inselvogt, der in Vertretung des Landesherrn die Verwaltung und Polizeiaufsicht sowie die Geldeinnahme wahrnahm. Norderney stand ab dem 15. Jahrhundert als Vogtei unter dem Berumer Amt, einem der Herrschaftssitze der Cirksena, der einen Teil der Grafschaft Ostfrieslands darstellte. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlangte die Frachtschifffahrt für festländische – in erster Linie Emder, Norder, Groninger und Bremer – Handelshäuser größere Bedeutung. 1744 starb der letzte ostfriesische Fürst Carl Edzard und Norderney fiel bis in das Jahr 1806 unter preußische Regentschaft.

In Johann Heinrich Zedlers Universallexicon von 1750 findet sich über Norderney der folgende Text:

„Norderney – eine kleine Insel auf der Küste von Ost-Friesland, darzu sie auch gehöret, und hat der Fürst darauf einen Vogt. Es wohnen etwa 50 Familien von Schiffern und Fischern darauf.“

– Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, 1750[80]

Um das Jahr 1700 lag das Inseldorf bereits weitgehend an seiner heutigen Position, und es waren bereits 267 Einwohner in 49 Häusern, die sich im Umkreis der ersten aus Holz errichteten Inselkirche im Bereich der heutigen Kirchstraße im Westen der Insel ansiedelten. Allerdings wurde die Inselbevölkerung in den Jahren 1759 und 1760 durch Seuchen wie die Rote Ruhr dezimiert, konnte sich jedoch in den darauf folgenden Jahren wieder erholen. Vor dem Ausbau Norderneys zum Seebad lebten 1793 noch 563 Einwohner in 106 Häusern im Inseldorf; um 1800 stieg die Anzahl geringfügig auf 573 Menschen. Bedingt durch die steigende Zahl der Kurgäste wuchs die Zahl der ständigen Einwohner an. Waren es 1833 700 Bewohner in 175 Häusern[81] und 1838 schon 800 Bewohner, so erhöhte sich diese Zahl im Jahr 1895 bereits auf knapp 4000. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl im Jahr 1948 mit über 8000 auf einen Höchststand. Diese Zahl verringerte sich jedoch im Laufe der Jahre durch die Landflucht auf heutzutage knapp unter 6000.[5] Im Vergleich zur Einwohnerzahl von 1991 lebten 2006 7,2 % weniger Menschen auf der Insel.[82] Das Durchschnittsalter der auf Norderney lebenden Bevölkerung betrug 2014 46,4 Jahre.[83] Zusammen mit den rund 3.900 Nebenwohnsitzen beträgt die Gesamteinwohnerzahl heutzutage knapp 10.000 bei etwas über 4000 Haushalten. Die amtliche Einwohnerzahl (nur Hauptwohnsitze) auf Norderney betrug am 30. Juni 2008 5992, davon waren 2666 männlich und 3326 weiblich.[5] Der Anteil der ausländischen Bevölkerung lag 2014 bei 11,7 %.[84] Entsprechend der Altersstruktur der Norderneyer Bevölkerung (Stand: 2014) beträgt der Anteil der unter 18-jährigen 13 %, der Anteil der 18- bis 25-jährigen 8 %, der 25- bis 45-jährigen 24 % und macht der Anteil der 45 bis 65-jährigen 33 % aus, während die Alterspyramide der über 65-jährigen mit 23 % in Urnenform anwächst. Somit liegt eine ungleichmäßige Verteilung von junger zu älterer Bevölkerung vor, was damit zu erklären ist, dass viele ältere Menschen Norderney als ihren Alterswohnsitz wählen.[85][86]

Für Norderney wird längerfristig eine im Vergleich zur Gegenwart etwa gleichbleibende Inselbevölkerung vorhergesagt. Ein leichter Anstieg der Bevölkerung wird aufgrund des demographischen Wandels ab dem Jahr 2012 vorhergesagt. Anhand der Basisdaten der Bevölkerungszahl vom 31. Dezember 2007 wurde für das Jahr 2012 vorausberechnet, dass sich die Einwohnerzahl leicht auf 6046 erhöhen wird. Diese Einwohnerzahl wird etwa gleich bleiben, so dass sich die Voraussage für das Jahr 2017 auf 6106 Menschen beläuft. Diese kleinräumige Bevölkerungsentwicklung bezieht sich dabei auf die Zahl der Hauptwohnsitze.[87] Tatsächlich ist die Zahl der auf Norderney lebenden Bevölkerung gesunken. Ausgehend von der Volkszählung von 1987 (= 100 %) hatten am 31. Dezember 2012 nur noch 93,4 % ihren Wohnsitz auf der Insel.

Zensus 2011

Die Ergebnisse der ersten Volkszählung nach der vom 25. Mai 1987, dem Zensus 2011, wurden veröffentlicht. Nach diesem Ergebnis lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, 5847 Menschen auf der Insel, darunter 3193 Frauen und 2654 Männer.[74] Diese Zahlen beziehen sich dabei auf die Menschen, die mit ihrem Erstwohnsitz auf Norderney gemeldet waren.[74] Die Bevölkerungsstruktur bezieht sich dabei auf 806 Personen (13,7 %) unter 18 Jahren, 756 der 18 bis 29-jährigen (12,9 %), 1743 der 30 bis 49-jährigen (29,8 %), 1219 der 50 bis 64-jährigen (20,8 %). Der Anteil der Personen über 65 beträgt 1323 (22,6 %).[88]
Am Stichtag gab es auf der Insel 5431 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 67 Quadratmetern.[89] Davon wurden 1180 Wohnungen durch den Eigentümer bewohnt. Diese Zahl ist mit 34,5 % die geringste der zum Vergleich herangezogenen Gemeinden in Ostfriesland, woraus die starke touristische Nutzung der Wohnungen hervorgeht.[90] Vermietet oder zur Nutzung überlassen wurden 2178 Wohnungen, 1921 als Ferien- oder Freizeitwohnungen. Insgesamt standen am 9. Mai 2011 152 Wohnungen leer.[91]

Etymologie
Historische Karte Ostfrieslands von Ubbo Emmius – um 1600
Karte der Deutschen Bucht aus dem Jahr 1881. Norderney ist per Kutsche über den Postweg zu erreichen
Norderney in der ursprünglichen Form ohne Südstrandpolder auf einer zeitgenössischen Landkarte der Elbe-, Jade- und Wesermündung des Jahres 1906

„Osterende quae Norderneya nunc est“

„Oesterende, welche nun Norderney ist“

– Ubbo Emmius, 1616[92]

Auf der Landkarte Ostfrieslands von Ubbo Emmius, die um 1600 entstand, ist die Insel als Nordernie verzeichnet. Auch das von Dünen umgebene Inseldorf ist eingezeichnet. Vom 16. Jahrhundert an wurde die Insel mit Nordernei[93] und ab dem 18. Jahrhundert mit dem heutigen Namen Norderney bezeichnet. Aus der Zeit des preußischen Badebetriebs existieren Karten mit der Bezeichnung Bad Norderney. Davor ist sie unter dem Namen Osterende oder auch Oesterende[78][94] (1398), Norder Nie Oech[95] (1549), Norder neye oog[96] und Norder ney ogg[92] (1550), Nie Norderoghe[34] (1564), Ninoorderooghe[95] (1589), Noorderny[34] (um 1600), Ninorder Ooge[97] (um 1650), Ny norderoghe[34] (1651) und Nenderme[98] (1692) auf Karten und Vertoonungen (Reliefkarten der Inseln von der Seeseite aus) verzeichnet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1500, als der östlich verbliebene Teil der Insel Buise Norderoog[92] 1515 in mittelniederdeutscher Sprache Norder neye Oog genannt wurde. Der Namensbestandteil Oog fiel bereits im späten 16. Jahrhundert weg.

Vom Ursprung her bedeutet der Name der Insel auf Ostfriesisch neue Norder Insel (Nordens neue Insel). Das Norder bezieht sich dabei auf die Stadt Norden, vor deren Küste die Insel liegt. Das -ney ist die ältere Schreibweise des ostfriesischen neei, was so viel wie ‚neu‘ bedeutet. Im lokalen Niederdeutsch wird die Insel Nördernee [nœədəˈneɛɪ] genannt.[95]

1797 – Das erste deutsche Nordseebad

Die ersten Seebäder an der Nord- und Ostseeküste wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts in England sowie in Frankreich und in Dänemark eingerichtet. Der englische Arzt Richard Russel hatte in seinen Publikationen über Meeresheilkunde und Thalassotherapie von 1750 erkannt, dass sich die nahezu pollen- und schadstofffreie Seeluft bei Erkrankungen der Atemwege heilsam auswirkt.[99] Dieser Ansicht waren in Deutschland Georg Christoph Lichtenberg und Christoph Wilhelm Hufeland. Ein Antrag, eine private Seebadeanstalt einzurichten, der den Ständen Ostfrieslands und dem damaligen Inselvogt Johann-Gerhard Feldhausen am 17. Mai 1794 vorgelegt wurde, brachte ein für die Zukunft der Insel richtungweisendes Ergebnis:

„Da man sich allerseits überzeugt hält, dass ein Seebad bei verschiedenen Krankheiten sehr vielen Nutzen leistet, auch selbst hiesige Eiländer den wohltätigen Einfluss der Seebäder auf die Gesundheit bereits aus der Erfahrung kennen gelernt hatten, da ferner nach Anlegung eines Seebades die kostbaren Reisen nach ausländischen Bädern erübrigt sein können und endlich der Kostenaufwand in Absicht des Ganzen von geringer Erheblichkeit ist, sodann auch in der Folge die Anstalt sich selbst erhalten kann, so sind sämtliche Stände für die Veranstaltung eines Seebades.“

– Ergebnis der Versammlung der ostfriesischen Landstände vom 17. Mai 1794[100]

Der Präsident (Praeses Statuum) der Ostfriesischen Ritterschaft sowie der Ostfriesischen Stände war zu dieser Zeit der hannoversche Graf Edzard Moritz zu Innhausen und Knyphausen auf Lütetsburg bei Hage.[101] Er setzte sich stark für diese Idee ein und investierte auf Norderney.[79][102]

Die Ständeversammlung konnte sich dabei auf das Gutachten des obersten Medizinalbeamten Friedrich Wilhelm von Halem, der ein Schüler Lichtenbergs und seit 1797 Landphysikus des Fürstentums Ostfriesland war, stützen.[103] Das Ergebnis der am 20. Juli 1797 durch den Emder Apotheker Heydeck durchgeführten Wasseranalyse lautete: Das Wasser, helle und klar, wie gutes Brunnenwasser, dabei von salzig-bitterem Geschmack.[34]

Daraufhin konnte am 3. Oktober 1797 die erste Seebadeanstalt auf einer Ostfriesischen Insel eröffnet werden, nachdem der Beschluss der Stände, eine Nordseebadeanstalt zu errichten, vom preußischen König Friedrich Wilhelm II. genehmigt worden war.[79][104] Am 7. Juli 1783, bereits 14 Jahre vorher, war ein ähnlicher Antrag des Juister Inselpastors Gerhard Otto Christoph Janus[16] gescheitert, auf der Nachbarinsel Juist ein Seebad einzurichten.[99] Das Seebad auf Norderney wurde nach dem Vorbild der englischen Seebäder und des Ostseebades Heiligenbad (Heiligendamm), das seit 1793 die erste deutsche Badeanstalt war, eröffnet.[12]

19. Jahrhundert
Im 1840 fertiggestellten Conversationshaus befindet sich heute neben der Touristinformation auch die Stadtbibliothek König Georg V. von Hannover macht Norderney ab 1851 zu seiner Sommerresidenz. Damit sorgt er nachhaltig für die Bekanntheit und das mondäne Flair des Nordseebades.

Als das Seebad am 1. Mai 1800 offiziell eröffnet wurde, besuchten 250 Kurgäste die Insel, die wegen fehlender Unterkünfte zum Teil in mitgebrachten Zelten hausten.[16] Während der französischen Besatzung ab 1806 und der gegen England eingerichteten Kontinentalsperre bis 1813 kam der Bäderbetrieb zum Erliegen. Zwischen den Jahren 1813 und 1815 stand die Insel unter preußischer Regentschaft. Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 Ostfriesland dem Königreich Hannover zugesprochen. Bald wurde der geregelte Badebetrieb auf Norderney wiederaufgenommen. Ein erstes Warmbadehaus wurde errichtet und die meisten Gebäude der Insel renoviert oder erweitert.[79][105] In dieser Zeit wurde mit der Einrichtung des ersten Kurparks auf der Insel begonnen.[79] Der Bäderbetrieb entwickelte sich zu einer lukrativen Einnahmequelle, denn die Zimmer der eigenen Wohnhäuser konnten an die Badegäste vermietet werden. Für zusätzliche Attraktivität sorgte die 1820 gegründete Spielbank, die seit 1833 vom Hamburger Juden Samuel Hartog gehalten und deren Betrieb nach dem Verbot durch das Paulskirchenparlament 1849 eingestellt wurde.

Heute sind die entsprechenden Anbauten an vielen Häusern im Stadtkern anhand der Veranden zu erkennen. Die Einwohner- und die Gästezahlen wuchsen sprunghaft an, 1860 gab es schon doppelt so viele Häuser mit rund 1200 Bewohnern und Herbergen für über 2600 Badegäste (1865).

Männer und Frauen wurden getrennt mit Badekarren zu zwei verschiedenen Strandabschnitten gefahren. Dort nahmen sie liegend oder kniend ein Bad im Meer. Noch immer existiert der Herrenpfad und der Damenpfad. Der Physikus Friedrich-Wilhelm von Halem beschrieb den angemessenen Abstand zwischen Damen- und Herrenbad:

„Am Strande der Badegegend sind in gehöriger Entfernung zwei Stangen aufgerichtet, in deren Zwischenräumen sich niemand baden darf und woselbst die Buden für die Badekutschen stehen. Außer der Linie derselben nach Süden hin baden sich die Frauenzimmer, und der nach Norden die Mannspersonen. Diese Einrichtung ist des Abstands wegen erforderlich und wird jeder honette Badegast sich Beobachtung derselben zu bescheiden wissen“

– Friedrich-Wilhelm von Halem: Beschreibung des Badebetriebs auf Norderney[106]

Bereits 1819 gehörte die Insel als Königlich-Hannoversches Seebad zu den bekanntesten europäischen Bädern. Vor allem der Herzog von Cumberland, König Georg V. von Hannover trug nachhaltig dazu bei, der Insel ein mondänes Flair zu verleihen, indem er die Insel zusammen mit seiner Gemahlin Königin Marie ab 1851 mehrere Monate im Jahr zu seiner Sommerresidenz machte. Da dem Paar der Hofstaat folgte, wurden in den nächsten Jahren mehrere Gebäude errichtet, die bis heute den Stadtkern prägen. Das im Jahr 1800 errichtete Warmbadehaus aus Holz wurde durch einen Steinbau ersetzt. Das Große Logierhaus (später Conversationshaus) entstand 1837 mit einem Investitionsvolumen von 31.000 Reichstalern,[16] vorgesehen als Kurhotel für die Unterbringung fürstlicher Personen in passender Weise und den König. Heute ist in diesem Gebäude das Kurhotel untergebracht. Das Conversationshaus entstand 1840 im klassizistischen Stil am Kurplatz im Zentrum der Stadt. Es gilt als einer der bedeutenden Profanbauten in Nordwestdeutschland. An das Königspaar erinnern die beiden Dünen Georgshöhe am Nordstrand und Marienhöhe am Weststrand. Viele der heute noch geläufigen Bezeichnungen der übrigen Dünen, Flure und des sich südlich der Insel erstreckenden Wattenmeers auf die Hannoversche Grundsteuervermessung (1830) und die Preußische Grundsteuervermessung (1870)[107] zurück. Neben der Errichtung der Prachtbauten wuchs das Stadtgebiet stark an.

Im Jahr 1866 endete die hannoversche Regentschaft durch den Deutschen Krieg. Unter preußischer Herrschaft wurde Norderney zur Königlich-Preußischen Seebadeanstalt und Staatsdomäne[108], die der Finanzdirektion Hannover unterstellt war. Der Wandel vom kleinen Badeort zum Bad mit weltlichem Flair konnte dadurch weiter gefördert werden. Von 1869 an wurde das als Preußisches Staatsbad bezeichnete Norderneyer Seebad die Sommerresidenz der preußischen Königsfamilie. Nach preußischem Vorbild wurde 1870 ein Bebauungsplan entwickelt, der den Inselort nachhaltig veränderte und vergrößerte. Die Bebauung wurde parzellenweise bis zur Nordseite der Insel genehmigt. Dabei wurde der dortige Dünenkamm eingeebnet und in Bauland umgewandelt. Durch finanzielle Hilfe des preußischen Wirtschaftsministeriums in Form von Bauprämien und Zuschüsse wurden den Insulanern Anreize geschaffen, Parzellen zu erwerben und darauf zu bauen, um in den Fremdenverkehr einzusteigen.[108]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Anreise nach Norderney noch recht langwierig. Kurgästen, die aus dem Rheinland anreisten, wurde noch 1832 die folgende Reiseroute vorgeschlagen:

„Sie reisen am besten mit dem auf dem Rhein fahrenden Dampfschiff nach Rotterdam, von dort nach Amsterdam zu Lande; von Amsterdam fährt dreimal wöchentlich ein Dampfer über die Zuidersee nach Harlingen, von wo man dreimal täglich durch Wagen oder Zugschiffe nach Groningen oder Delfzijl gelangen kann. Von hier fahren täglich Schiffe nach Emden, von da kommt man mit dem Wagen nach Norden und Norddeich“

Beschreibung der Reiseroute nach Norderney im Jahre 1832[79]

Es gab in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine direkte Schiffsverbindung von Bremen nach Norderney.[109] Noch bis in die Mitte der 1850er Jahre mussten die Schiffe in der Norderneyer Reede im Südwesten der Insel festmachen. Die Fahrgäste wurden mit Pferdekarren durch das seichte Wasser bis auf die Insel gefahren. Die erste tidenunabhängige Dampfschiffverbindung mit dem Dampfer Stadt Norden wurde im Jahr 1872 eingerichtet und ab 1889 die Bahnstrecke von Emden nach Norddeich ausgebaut.[79] Damit war eine Schienenverbindung von der Nordseeküste bis nach Münster geschaffen. Am 1. Juni 1886 wurde das auf Initiative des Geheimen Medicinalrates Friedrich Wilhelm Beneke aus Marburg errichtete Kinderkrankenhaus Seehospiz Kaiserin Friedrich vom Verein für Kinderheilstätten an den deutschen Seeküsten eröffnet. Es bestand bereits seit dem 1. Juni 1882 provisorisch und war die erste Einrichtung dieser Art. Sie diente an Skrofulose oder Tuberkulose erkrankten Kindern als Heilstätte.[110]

Hauptartikel: Inselinternat Norderney

Das Seehospiz wurde im Jahr 1888 von den Preußen zum Nationalhospiz für Kinder und Soldaten ausgebaut.[68] Es besteht noch in Form einer Kinderkurklinik, in der Atemwegs- und Hauterkrankungen behandelt werden.

20. Jahrhundert bis heute
Der Norderneyer Familienbadestrand unterhalb der Marienhöhe im Jahr 1900; im Hintergrund machen Segelschiffe an einer Buhne fest
Strandleben auf Norderney 1910

Norderney wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum Seebad mit Weltruhm[34] und es besuchten jährlich 40.000 Badegäste die Insel, wobei der Inselort nur rund 4000 Einwohner hatte. Es entstanden Häuser im Stil der Bäderarchitektur und der Gründerzeit und Prachtstraßen wie die Kaiserstraße.[34] Ab dem Jahr 1900 residierte der spätere Reichskanzler Bernhard von Bülow im Sommer in der Villa Fresena (heute Hotelvilla Belvedere), einer im Tudorstil 1869/1870 erbauten Villa am Weststrand und empfing dort am 18. Juni 1906 Kaiser Wilhelm II. Von 1906 bis 1914 wohnte von Bülow auch in der Villa Edda (heute Hotel Meeresburg) nebenan.

Der Badebetrieb kam mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum Erliegen und die Insel wurde zu einer Seefestung ausgebaut. Doch gab es zu Beginn des Krieges, im Gegensatz zu anderen Ostfriesischen Inseln, noch keine Inselbahn. Für den Bau der militärischen Anlagen mussten jedoch große Mengen an Baumaterial in die Dünen transportiert werden. Deshalb entschied sich die Kaiserliche Marineleitung 1915 zum Bau einer Inselbahn, deren Gleise in Normalspur Richtung Insel-Osten verlegt wurden, um das Bahnmaterial und die Fahrzeuge der Preußischen Staatsbahn nutzen zu können.

Hauptartikel: Marinebahn auf Norderney

Den schnellen Wiederaufbau der touristischen Infrastruktur nach dem Ersten Weltkrieg verdankt Norderney dem damaligen Bürgermeister Jann Berghaus. Zunächst war er Rektor an der Volksschule auf Norderney. Nachdem er 1908 vergeblich für die Wahl als Landtagsabgeordneter im preußischen Landtag im Wahlkreis Leer-Weener kandidiert hatte, blieb er weiter auf Norderney. Seine politische Karriere begann 1910. Er wurde in den Norderneyer Gemeindeausschuss gewählt und nach dem Kriegsende 1918 zum Bürgermeister der Insel ernannt. Berghaus gelang es, die Kriegsfolgen zu mildern und Norderney mit der durch Preußen gewährten finanziellen Inselhilfe wieder zu einem der führenden Seebäder zu machen. Dies wurde durch die von ihm betriebene Pachtung des Seebades seitens der Gemeinde erreicht.[111] 1926 wurde der seit 1895 am Weststrand stehende Seesteg wegen baulicher Mängel demontiert. Dafür wurde Ende der 1920er Jahre das erste Meerwasser-Wellen-Hallenschwimmbad errichtet, damals das einzige in Europa.[79] Zu Beginn der 1930er Jahre war Norderney einer der Orte des freiwirtschaftlichen Geldexperiments namens Wära. Die Initiatoren dieses Experiments auf der Insel waren der damalige Norderneyer Badearzt Anton Nordwall und der auf Norderney lebende Künstler Hans Trimborn.[112]

Strandleben auf Norderney 1910

Anders als Borkum warb Norderney nicht um „völkisch-nationale“ Gäste.

Hauptartikel: Bäder-Antisemitismus

Der erste NSDAP-Bürgermeister war 1933/1934 Bruno Müller, später Gestapo-Chef in Oldenburg, im Zweiten Weltkrieg Führer von Einsatzkommandos und Sonderkommandos in Polen und in der Sowjetunion. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Norderney ab 1935 zu einem Luftwaffen- und Marinestützpunkt als Seefestung im Rahmen des Atlantikwalls ausgebaut.[34] Die Seeflugstation am Hafen, auf der eine Seenotstaffel stationiert wurde, wurde als Militärflugplatz umfunktioniert und in den Dünen wurden über 60 schwere Geschütz- und FlaK-Stellungen sowie Regelbauten errichtet. Deren Sockel und Batterien sind nach Sprengungen heute noch in der Dünenlandschaft am Weststrand[113] und ostwärts der Stadt sichtbar. Um die Inselmühle herum entstand bis 1938[34] eine Kasernensiedlung. Zwischen 1935 und 1938 wurden östlich der Stadt liegende Dünen planiert, um dort die Siedlung Nordhelm anzulegen, in der während des Krieges in erster Linie rund 2000 Soldaten mit ihren Familien und Zivilangestellte der Kriegsmarine in Reihenhäusern untergebracht waren. Der Name Nordhelm stammt von den auch als Strandhafer bezeichneten Helmpflanzen, die die Dünen bewachsen.[114] Die Kasernenbauten des Seefliegerhorstes werden zu einem Teil erst im Jahr 1980 abgebrochen und weichen einer Reihenhaussiedlung deren Bezeichnung Alter Horst an die Nutzung in den 1920er und 1930er Jahren erinnert. Die Königsdüne Georgshöhe am Nordstrand wurde zu einer Schiffsignal- und Marinestation. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam der Badebetrieb erneut zum Erliegen. 1939 waren noch über 48.000 Kurgäste auf Norderney, die jedoch noch vor Kriegsbeginn die Insel verlassen mussten. In den folgenden sechs Jahren war die Insel mehrfach Ziel von britischen, kanadischen und französischen Luftangriffen.

Siehe auch: Luftangriff auf Wangerooge am 25. April 1945

Ein Arbeitslager der Organisation Todt auf der Kanalinsel Alderney erhielt die Tarnbezeichnung Lager Norderney. Dort mussten Zwangsarbeiter Befestigungsanlagen gegen eine mögliche Invasion der Alliierten bauen.

Nach der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 wurde Norddeutschland bis zum 1. November 1946 zur britischen Besatzungszone und nach dem Bakker-Schut-Plan sollte die Gebietskörperschaft Norden-Emden, zu der Norderney gehörte, von den Niederlanden annektiert werden. 1946 richtete die britische Militärverwaltung ein Erholungszentrum für Soldaten der Besatzungstruppen und für deren Angehörige auf Norderney ein. Dazu wurden Kureinrichtungen, größere Hotels und der Golfplatz beschlagnahmt. Weitere Unterkünfte wurden für die Unterbringung von hunderten Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen genutzt. Der Kurbetrieb wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen. Die Militärverwaltung genehmigte ab Juli 1946 die Aufnahme von deutschen Kurgästen, zunächst jedoch noch mit Einschränkungen. Seit diesem Jahr gehört Norderney zum neu gegründeten Land Niedersachsen im eingerichteten Regierungsbezirks Aurich, der 1978 im Zuge der niedersächsischen Kreisreform in den Regierungsbezirk Weser-Ems mit Sitz in Oldenburg überging. Zuvor stand die Stadt unter preußischer Herrschaft. Die Stadtrechte wurden der Gemeinde Norderney 1948 übertragen sowie 1949 der Status eines staatlich anerkannten Niedersächsischen Staatsbades mit dem Prädikat Heilbad. Die beschlagnahmten Kureinrichtungen wurden 1952 von den Briten freigegeben, so dass der Kurbetrieb für deutsche Erholungssuchende wieder möglich wurde. Seit dem 1. Juli 1972 gehört Norderney nach der niedersächsischen kommunalen Gebietsreform und der damit verbundenen neuen Festlegung der politischen Gemeinde- und Kreisgrenzen zum Landkreis Aurich.

Typisches Straßenbild (2016) am Beispiel der Wiedaschstraße

Schon 1959 kamen erstmals mehr als 100.000 Besucher und Kurgäste.[115] Neue Wohnhäuser wurden errichtet, die das Stadtbild nachhaltig prägen und alte Bädervillen und Logierhäuser verdrängten. Dazu zählen zwei Hochhäuser am Nordstrand und eine Reihe von mehrgeschossigen Hotels am Weststrand, die unmittelbar hinter den historischen Strandhotels errichtet wurden. Zu den Einrichtungen für den Bäderbetrieb gehören die 1960 errichteten Liegehallen am Weststrand, die mittlerweile als Kinderspielhaus genutzt werden, ebenso wie das 1964 eingeweihte Kurmittelhaus. 1974 folgte ein beheizbares Freiluft-Meerwasser-Wellenbad, welches aus Gründen der Wirtschaftlichkeit im Jahr 2000 aufgegeben wurde. Auf dem Grundstück ist das bade~museum und seit 2010 die galerie trimborn untergebracht. Das ehemalige Becken des Schwimmbads wurde mit Sand verfüllt. Dort entstand im Jahr 2011 ein Hochseilklettergarten.[116] 1990 wurde das Meerwasser-Wellenbad Die Welle eröffnet.[79] Auf dem Gelände des abgerissenen Kurmittelhauses soll ein Hotel der Fünf-Sterne-Kategorie durch die Steigenberger Hotel Group errichtet werden, jedoch fehlen noch Investoren (Stand 2008).
Am 17. Mai 1997 feierte die Insel mit 266.513 Gästen[7] den 200. Jahrestag als Kur- und Ferieninsel sowie das Bestehen des ältesten deutschen Nordseeheilbades.

Zum 1. Juli 1999 wurde die 1975 gegründete Niedersächsische Bädergesellschaft mbH (NBG) aufgelöst. Als Grund nannte das Land Niedersachsen die schlechte finanzielle Lage der Staatsbäder und einen hohen Kapitalbedarf, die den weiteren Betrieb unrentabel erscheinen ließen. Die der Gesellschaft angehörenden Staatsbäder Norderney, Bad Pyrmont und Bad Nenndorf gehen seither eigene Wege. Von 1999 bis 2003 war die Niedersächsische Staatsbad Norderney GmbH eine hundertprozentige Tochter des Landes Niedersachsen, jedoch mit eigenverantwortlicher Budgetierung. Zudem wurde die Stelle eines Kurdirektors eingerichtet.[117] Am 1. Januar 2003 übernahm die Stadt Norderney die Landesgesellschaft Niedersächsisches Staatsbad Norderney GmbH und führt seitdem die kommunalen mit den touristischen Angelegenheiten unter einem Dach.[79] Der gemeinsam von Kur- und Stadtverwaltung genutzte Verwaltungsstandort ist seit 2006 im eigens für diesen Zweck umgebauten ehemaligen Bazargebäude am Kurplatz untergebracht. Nach den Richtlinien des Deutschen Tourismusverbandes und des Deutschen Heilbäderverbandes wurde Norderney durch die Service-Agentur Bäderland Niedersachsen am 24. Februar 2010 als Nordseeheilbad reprädikatisiert.[118] Die Auswertung wurde von einem Fachausschuss in Hannover übernommen, der eine entsprechende Empfehlung an das Niedersächsische Wirtschaftsministerium weitergab.

Bekannte Gäste auf Norderney
Bernhard Fürst von Bülow mit seiner Gattin auf Norderney 1910

Seit der Gründung des ersten deutschen Nordseebades im Jahr 1797 wurde Norderney von einer Vielzahl bekannter und berühmter Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben besucht. Darunter befanden sich unter anderem Staatsoberhäupter, weshalb die Insel noch heute als Königin der Nordsee oder St. Moritz des Nordens bezeichnet wird.[119]

Zwischen 1801 und 1805 weilte General Gebhard Leberecht von Blücher auf der Insel. Als großer Förderer gilt König Georg V. von Hannover, Herzog von Cumberland, indem er erstmals 1836 und danach von 1851 bis 1866 die gesamte Hofhaltung während der Sommermonate nach Norderney verlegte. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 1866 das Cumberland-Denkmal auf der Insel errichtet. Nachdem das Königreich Hannover im Deutschen Krieg 1866 von den Preußen besetzt wurde, war bereits 1869 Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich III. Gast auf Norderney. Unter anderem besuchten Reichskanzler Fürst Bernhard von Bülow, Kaiser Wilhelm II., Walther Rathenau, Gustav Stresemann, Frank Thiess, Felix Graf von Luckner, Joseph Joachim, Peter Kreuder die Insel.

Gäste aus der jüngeren deutschen Politikgeschichte waren Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger, Walter Scheel, Karl Carstens und Horst Köhler (am 24. Juli 2006 als Schirmherr der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)). Angela Merkel stattete Norderney am 17. August 2009 im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung vor der anstehenden Bundestagswahl einen Besuch ab.

Auch unter Kulturschaffenden und Wissenschaftlern erfreute sich die Insel großer Beliebtheit. Zu erwähnen sind hier Wilhelm von Humboldt, Theodor Fontane, Jenny Lind, Clara und Robert Schumann sowie Kurt und Barbara Aland.[120] Der Künstler Felix Nussbaum malte mehrere Bilder, unter anderem „Erinnerung an Norderney“.[121][122]

Heinrich Heine war im August 1825 sowie im Sommer 1826 und 1827 als Sommerurlauber auf Norderney. Dieser Autor hat zumindest im August 1825 einmal 50 Louis d’or in der dortigen Spielbank gelassen. Der Aufenthalt inspirierte ihn zu seinem Zyklus Die Nordsee, in dem er die Insel und ihre Einwohner beschrieb.[123] und zu der Reihe Seestücke, einem Zeitzeugnis, welches das harte und karge Leben der Insulaner im frühen 19. Jahrhundert schildert:

„Die Eingeborenen sind meistens blutarm und leben vom Fischfang, der erst im nächsten Monat, im Oktober, bei stürmischem Wetter, seinen Anfang nimmt. Viele dieser Insulaner dienen auch als Matrosen auf fremden Kauffahrteischiffen und bleiben jahrelang vom Hause entfernt, ohne ihren Angehörigen irgendeine Nachricht von sich zukommen zu lassen. Nicht selten finden sie den Tod auf dem Wasser. Ich habe einige arme Weiber auf der Insel gefunden, deren ganze männliche Familie solcherweise umgekommen; was sich leicht ereignet, da der Vater mit seinen Söhnen gewöhnlich auf demselben Schiffe zur See fährt.“

– Heinrich Heine: Die Nordsee – Dritte Abteilung von 1826

„Das Seefahren hat für diese Menschen einen großen Reiz; und dennoch, glaube ich, daheim ist ihnen allen am wohlsten zumute. Sind sie auch auf ihren Schiffen sogar nach jenen südlichen Ländern gekommen, wo die Sonne blühender und der Mond romantischer leuchtet, so können doch alle Blumen dort nicht den Leck ihres Herzens stopfen, und mitten in der duftigen Heimat des Frühlings sehnen sie sich wieder zurück nach ihrer Sandinsel, nach ihren kleinen Hütten, nach dem flackernden Herde, wo die Ihrigen, wohlverwahrt in wollenen Jacken, herumkauern, und einen Tee trinken, der sich von gekochtem Seewasser nur durch den Namen unterscheidet, und eine Sprache schwatzen, wovon kaum begreiflich scheint, wie es ihnen selber möglich ist, sie zu verstehen.“

– Heinrich Heine: Die Nordsee – Dritte Abteilung von 1826

Zu Ehren Heinrich Heines wurde im Herbst des Jahres 1983 vor dem Haupteingang des Hauses der Insel im Stadtzentrum das durch den umstrittenen Bildhauer Arno Breker geschaffene Heine-Denkmal eingeweiht. Nach seinem Abitur besuchte Franz Kafka 1901 die Insel Norderney. Es war sein erster Urlaub, den er alleine verbrachte.

In heutiger Zeit sind der SPD-Politiker Franz Müntefering und der Kabarettist Ludger Stratmann öfters auf Norderney anzutreffen. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler besuchte Norderney während seiner Amtszeit als Schirmherr der DLRG[124], außerdem verbringt er seinen Sommerurlaub ebenso wie der aus Niedersachsen stammende ehemalige Bundespräsident Christian Wulff auf der Insel.[125]

Politik
Frank Ulrichs, Bürgermeister der Stadt Norderney
Stadtrat und Bürgermeister
Hauptartikel: Liste der Bürgermeister der Stadt Norderney

Stadtratswahl, 11. Sept. 2016[126]

 %403020100

31,52 %13,08 %12,94 %19,29 %21,13 %2,04 %

SPDGrüneFWNcCDUFDPSonst.f
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2011
 %p 14 12 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10

-2,39 %p
-8,26 %p-5,67 %p+1,16 %p+13,12 %p+2,04 %p
SPDGrüneFWNcCDUFDPSonst.fVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:c Freie Wählergemeinschaft Norderneyf Sonstige Parteien

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang

Dem Norderneyer Stadtrat gehören gemäß dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) aufgrund der Bevölkerungszahl 16 Ratsfrauen und Ratsherren an. Dazu kommt als 17. stimmberechtigtes Mitglied der hauptamtliche Bürgermeister. Die ungerade Zahl sorgt im Fall einer Pattsituation für die ausschlaggebende Stimme.[127] Der Stadtrat wird für fünf Jahre gewählt.[128] Zuletzt fand die Kommunalwahl am 11. September 2016 statt. Die Sitzverteilung im Norderneyer Rat stellt sich seit November 2016 folgendermaßen dar: SPD (fünf Mitglieder, 31,52 % der Stimmen), FDP (vier Mitglieder, 21,13 %), CDU (drei Mitglieder, 19,29 %), Bündnis 90/Die Grünen (zwei Mitglieder, 13,08 %), Freie Wählergemeinschaft Norderney (FWN) (zwei Mitglieder, 12,94 %), sowie Frank Ulrichs als Bürgermeister.[129]

Insgesamt waren bei der Stadtratswahl am 11. September 2016 5348 Bürger wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,81 %.

Bürgermeister wurde im Jahr 2011 der SPD-Politiker Frank Ulrichs mit 60,31 % (2047 Stimmen). Er war Wahlvorschlag der SPD, CDU und der FDP. Der zuvor seit dem 1. November 2006 amtierende Bürgermeister Ludwig Salverius gab aufgrund einer schweren Erkrankung, der er im August 2011 erlag, sein Amt auf, so dass Ulrich bereits von Ende Juni 2011 an kommissarisch das Amt des Bürgermeisters ausübte.[130] Wahlberechtigt waren 4994 Norderneyer Bürger. Von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten 3434 Einwohner. Den 40 ungültigen Stimmzetteln standen 3394 gültige gegenüber.

Amtliches Endergebnis der Bürgermeisterwahl, 11. September 2011[131]

Kandidat Partei Stimmen in Prozent
Frank Ulrichs SPD 2047/3394 60,31
Karin Rass Bündnis 90/Die Grünen 663/3394 19,53
Hayo F. Moroni Freie Wählergemeinschaft Norderney (FWN) 684/3394 20,15

Landtagswahl

Norderney gehört zum Landtagswahlkreis 87 Wittmund/Inseln, der den gesamten Landkreis Wittmund sowie im Landkreis Aurich die Städte Norderney und Wiesmoor, die Gemeinde Dornum und die Inselgemeinden Juist und Baltrum umfasst. Zur Landtagswahl in Niedersachsen 2017 traten dort 15 Parteien an. Davon haben sechs Parteien Direktkandidaten aufgestellt. Direkt gewählter Abgeordneter ist Jochen Beekhuis von der SPD.

Bundestagswahl

Norderney ist in drei Wahlbezirke eingeteilt. Die Stimmen können im Conversationshaus (WB I), im Gebäude der Grundschule (WB II) und der Aula der Kooperativen Gesamtschule (WB III) abgegeben werden.[132] Bei der Bundestagswahl zum 19. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland am 24. September 2017 wurde der Sozialdemokrat Johann Saathoff mit 39,81 % der Erststimmen auf Norderney gewählt. Ebenso wurde Johann Saathoff im Bundestagswahlkreis Aurich – Emden, zu dem neben der Stadt Emden auch der Landkreis Aurich und somit Norderney gehört, direkt in den Bundestag gewählt. Im Vergleich zur Bundestagswahl von 2013 gewann die SPD leicht hinzu und konnte sich als stärkste Kraft durchsetzen. Die CDU ging mit Ihrem Kandidaten Reinhard Hegewald in den Wahlkampf, die FDP mit Uwe-Reiner Ewen, für die Grünen trat Gesine Agena und für die Linken Marcus Stahl an.[133] Über Listenplätze der Parteien zog kein Kandidat der Parteien aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.[134] Von den 4611 wahlberechtigten Norderneyern machten 75,79 % (3495) von ihrem Recht Gebrauch.[133]

Stadtwappen und Stadtflagge

Bürgerliche Flagge der Stadt Norderney

Vexillologisches Symbol: ??
Seitenverhältnis: 3:5
Offiziell angenommen am: 10. Juli 1928
Blasonierung: „Aus blauem Wellenschildfuß, darin zwei silberne Wellenleisten, wachsend in Silber eine silberner Düne (Einberg), darauf eine schwarze Landmarke (Seezeichen) aus rechteckigem Unterbau mit silbernem Rundportal, ein abgetrebtes, gestürztes silbernes Dreieck mit sieben schwarzen Stäben tragend.“[135]
Wappenbegründung: Am 10. Juli 1928 wurde der Stadt Norderney durch das Preußische Staatsministerium ein Stadtwappen verliehen. Vorher diente der preußische Adler als Wappen der Stadt. Im Jahr 1924 beschloss der Stadtrat, ein eigenes Stadtwappen einzuführen. 1926 lagen einige Entwürfe, unter anderem drei des Malers Hans Trimborn, vor, die jedoch alle abgelehnt wurden.[136] Das endgültige Wappen der Stadt beruht auf einer Zeichnung des Inselmalers Poppe Folkerts. Auf dem Wappen ist das Wahrzeichen der Insel, das schwarze Kap, abgebildet. Darunter befinden sich eine Düne und das stilisierte Meer. Die schwarze Farbe des Kaps rührt von der Versiegelung des Holzbauwerks mit Pech her.

Die Bürgerliche Flagge, als kleine Stadtflagge bezeichnet, ist horizontal sechsmal weiß-blau gestreift mit einem abwechselnd schwarz-weiß karierten Streifen am Liek. Das Verhältnis der Länge der Flagge zur Höhe ist drei zu fünf. Die blaue Farbe steht für das Meer, das Weiß symbolisiert die Farbe des Sandes und das Schwarz steht für das hölzerne Norderneyer Seezeichen von 1848 bis 1870. Die große Stadtflagge unterscheidet sich von der kleinen dadurch, dass sich im rechten Teil zusätzlich das Stadtwappen Norderneys befindet. Diese Dienstflagge wird nur selten gehisst. Die Ähnlichkeit der Norderneyer Flagge mit der Bremer Stadtflagge, die auch unter dem Namen Bremer Speckflagge[137] bekannt ist, deutet auf die guten Handelsbeziehungen zur Hansestadt Bremen im 19. Jahrhundert hin.

Städtepartnerschaft

Die Partnerstadt Garz liegt im Süden der deutschen Ostseeinsel Rügen, südlich von Bergen auf Rügen. Die Partnerschaft der beiden Städte wurde direkt nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 beschlossen. Die Freiwillige Feuerwehr Norderneys erhielt als Geschenk einen Trabant 601 in roter Lackierung, der bis 2008 auf dem Dach der Feuerwache stand.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Das Kap von 1927, als Seezeichen dienende Bake im Oktober 2015, teilweise eingerüstet vor dem Abriss
Der Große Norderneyer Leuchtturm
Ehemaliges Molenfeuer im Hafen Norderneys
Seezeichen
Kap
Siehe auch: Liste der Baken auf den Ostfriesischen Inseln

Das Kap (auch Kaap) ist ein Seezeichen und diente vor dem Bau des Leuchtturms als Landmarke zur Erkennung der Inseln von der Seeseite aus. Auf Borkum, Langeoog und Wangerooge gibt es ähnliche Bauwerke, die entweder aus Holz bestehen oder in massiver Ziegelstein-Bauweise errichtet wurden. Das Norderneyer Kap ist eine 13 m hohe Bake, die sich am östlichen Rand des Stadtgebietes auf dem Weg zur Siedlung Nordhelm an der Bürgermeister-Willi-Lührs-Straße befindet. Sie wurde im Jahr 1848 auf Bitte der Emder Kaufleute als pyramidenförmiges Balkengerüst aus mit Pech versiegeltem Holz auf einer Düne errichtet, um Schiffsunfälle und Fehldeutungen einzuschränken. Im Jahr 1871 wurde sie durch einen Ziegelsteinbau an gleicher Stelle ersetzt und 1930 aus Stein erneuert. Auf dem sechseckigen Unterbau in ist ein auf dem Kopf stehendes Holzdreieck montiert. Dahinter wurde von 1848 bis 1874 ein Feuer (auch als Blüse bezeichnet) entzündet, das zur Identifikation der Insel bei Nacht diente. Wegen der fehlenden Bebauung und der niedrigen Vegetation war die Bake von der See aus gut zu erkennen. Heutzutage geht das Kap aufgrund seiner geringen Höhe, des nahen Kiefernwäldchens und der höheren Gebäude im Stadtbild der Insel unter. Seit dem 10. Juli 1928 wird das Kap als Norderneyer Wappenzeichen verwendet und ist das Wahrzeichen der Insel.

Da Teile des Mauerwerks herausbrechen konnten, wurde das Bauwerk und die Besichtigungsplattform auf der Kap-Düne ab dem Winter 2014/15 gesperrt. Von Anfang 2015 war das Kap aufgrund starker Verwitterung der Mörtelfugen teilweise eingerüstet. Für den Abriss und Neubau des unter Denkmalschutz stehenden Kaps hat die Stadt Norderney rund 360.000 Euro veranschlagt.[138] Am 20. März 2017 wurde das endgültig einsturzgefährdete Kap innerhalb weniger Stunden abgerissen, der originalgetreue Neubau wurde mit einem Stahlbetonkern versehen und mit hochwertigen Ziegelsteinen verkleidet, um denselben äußerlichen Eindruck wie der Vorgänger zu erwecken. Im April 2017 begannen die Wiederaufbauarbeiten. Mit der am 9. Oktober 2017 erfolgten Installation des Toppzeichen, einem aus drei Tonnen Eichen-Kernholz bestehenden Dreiecks, ist das Kap wieder komplett.[139]

Leuchttürme
Hauptartikel: Leuchtturm Norderney

Nach Plänen der Königlich-Preußischen Wasser- und Schiffahrtsverwaltung wurde in den Jahren 1872 bis 1874 der Leuchtturm in der Inselmitte durch die Königliche General-Direktion des Wasserbaus gebaut. Seitdem ist er das einzige aktive Seefeuer auf der Insel.[140] Der Große Norderneyer Leuchtturm wurde am 1. Oktober 1874 als festes Schifffahrtszeichen der Insel Norderney eingeweiht.[141] Mit dem Leuchtturm wurde die Sicherheit des Schiffsverkehrs vor der Deutschen Küste erhöht; er schloss eine Lücke zwischen den Leuchtfeuern von Borkum bis Wangerooge. Das Leuchtfeuer wurde im Jahr 1926 auf elektrisches Licht umgestellt und hat seit 1977 die Blitzkennung (Blz.(3) 12 s).[142]

In der Hafeneinfahrt stand von 1980 bis 2016 ein kleines, weiß-rot gestreiftes Leuchtfeuer, das Norderneyer Unterfeuer. Es war ein Stahlmast mit einem Mastkorb und einer roten Signallampe, die sieben Seemeilen weit auszumachen war. Das dazugehörende Oberfeuer ist ein 8 m hoher rot-weiß gestreifter Mast, der stadteinwärts hinter dem Deich an der Zufahrt zum Fähranleger steht. Dieser Mast wird zudem als Windmessstation genutzt.[143] Die beiden Objekte bildeten die Richtfeuerlinie Norderney-Hafen. Im Zuge des Neubaus des Fähranlegers wurde das Unterfeuer 2016 demontiert.

Sonstige Seezeichen

Neben dem Kap und dem Leuchtturm gibt es noch andere Landmarken, mit denen Norderney von der See- und von der Wattseite aus auszumachen ist. Dazu zählt aufgrund seiner Höhe der 1930 eingeweihte 41 m hohe Wasserturm. Daneben gibt es im Osten der Insel noch drei kleinere Seezeichen aus Holz. Die Postbake, östlich des den Grohdepolders nach Süden hin abgrenzenden Hungerdeichs gelegen, wurde im 19. Jahrhundert als Peilbake vom Festland aus genutzt. Die Post wurde in dieser Zeit per Kutsche von Hilgenriedersiel aus über den Alten Postweg durch das Wattenmeer befördert. Heute können von diesem Punkt aus geführte Wattwanderungen in Richtung Neßmersiel unternommen werden, bei denen das Festland trockenen Fußes in rund zweieinhalb Stunden erreicht wird. Ein weiteres Seezeichen ist eine Peilbake auf der zum Aussichtspunkt umfunktionierten Mövendüne zwischen Leuchtturm und Inselende im Osten. Die Ostbake befindet sich am äußersten östlichen Inselrand.

Museen

Im 2007 eröffneten bade~museum wird die Badetradition des Nordseeheilbades veranschaulicht. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Freibades am Weststrand. Die Schwerpunkte des Museums sind die Badekultur Norderneys in den zurückliegenden drei Jahrhunderten und die Entwicklung des Inselortes zum heutigen Seebad Norderney. Auf 650 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet die Dauerausstellung grundlegende Informationen über Meer, Strand, Bäderbetrieb, Ortsentwicklung, Handel und Gewerbe der Insel und Unterhaltung im Seebad. Die rund zwanzig ehrenamtlichen Mitarbeiter richten darüber hinaus regelmäßig Wechselausstellungen ein.[144] Träger des Museums ist der Förderverein Museum Nordseeheilbad Norderney mit 180 Mitgliedern.[145]

Das Norderneyer Fischerhausmuseum[146] ist das Heimatmuseum der Insel und befindet sich seit 1937 im Argonner Wäldchen hinter dem Conversationshaus am Weststrand. Das Gebäude ist ein Nachbau eines alten Norderneyer Fischerhauses aus dem 17. Jahrhundert. Betreiber des Museums ist der Heimatverein Norderney. Das Museum vermittelt die Geschichte des ältesten deutschen Seebades an der Nordseeküste und die karge Lebensweise der ersten Inselbewohner. Zahlreiche Exponate und Dokumente informieren über das Alltagsleben auf Norderney, über Sitten und Gebräuche sowie über die Norderneyer Seefahrertradition und den Fischfang. Angeschlossen ist das Alte Schießhaus der Seebadeanstalt Norderney. Das Gebäude wird als Hochtiedsstuv (Standesamt) genutzt und es werden dort unter anderem friesische Teeseminare veranstaltet.

Neben dem seit 1997 im Hafen stationierten Seenotkreuzer Bernhard Gruben[147] unterhält die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger auf Norderney im ehemaligen Rettungsbootsschuppen-West von 1892 an der Promenade am Weststrand ein historisches Museum.[148] Die Geschichte der Deutschen Seenotrettung wird dort anschaulich präsentiert. Viele der Norderneyer Männer waren noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts Seenotretter. Das ausgestellte, 8,5 Meter lange, Ruderrettungsboot der Bootstation-West Fürst Bismarck wurde 1893 gebaut und im Notfall mit Pferden aus dem Schuppen und über den Strand in die Brandung gezogen. Es folgten in den nächsten Jahren weitere Boote, darunter die Upstalsboom[149], die Barmen[149] sowie das erste Motorrettungsboot Bremen II (von 1930 bis 1940)[150]; jedoch wurde die Fürst Bismarck erst 1975 außer Dienst gestellt. Der von 1969 bis 1997 auf Norderney stationierte Seenotrettungskreuzer Otto Schülke mit seinem Tochterboot Johann Fidi II (benannt nach einem Norderneyer Seenotretter, der in dritter Generation dieser Aufgabe nachging) übernahm die Dienste der Seenotrettung von Januar 1945 bis März 1969 hier stationierten Motorrettungsboot Norderney. Das Rettungsboot der 2004 als Versammlungsgebäude neu errichteten 1868 im heutigen Hafen befindlichen Bootsstation Norderney-Ost Amalie Wilhelm Ernst ist im Verzeichnis der Bootsstationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit Angaben der Bootsnamen von 1913 verzeichnet, es gibt jedoch keinen Nachbau, der ausgestellt werden kann.[151]

Bauwerke im Stadtgebiet
Hauptartikel: Liste der Baudenkmale in Norderney

Die Stadt Norderney ist von den Fassaden einer Vielzahl von zum Teil im 19. Jahrhundert im wilhelminischen Stil errichteten Gebäuden geprägt. Ein 1987 von der Bezirksregierung Weser-Ems in Auftrag gegebenes „Verzeichnis der Baudenkmale der Stadt Norderney“ zählt über einhundert unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Stadtgebiet auf[152], obwohl es kein städtebauliches Entwicklungskonzept gibt.[153] So finden sich neben Bauten der wilhelminischen Ära weitere Gebäude im Jugendstil, Bäderstil, Klassizismus[154] und Biedermeier sowie die mittlerweile als Bausünden der 1960er Jahre angesehenen Gebäude, die die Ansicht der Stadt nachhaltig prägen; so beispielsweise zwei 1964 gebaute Hochhäuser an der Kaiserstraße, der Nordseite des Stadtgebiets (Heutige Appartementhäuser Nordseeblick).[35] Die nachfolgende Auflistung stellt die markantesten und wichtigsten Gebäude vor.

Die Marienhöhe am Westkopf der Insel

Die Marienhöhe ist eine 11,5 m[18] hohe Düne im äußersten Westen der Insel am Stadtrand direkt an der Strandpromenade. Benannt wurde sie nach Königin Marie von Hannover, der Gemahlin König Georgs V. von Hannover. Bekanntheit erlangte die Düne durch den Dichter Heinrich Heine, der sein Lied am Meer hier geschrieben haben soll. Zu seinen Ehren ließ Marie von Hannover auf der Kuppe der Düne einen kleinen Holzpavillon errichten, der zum Verweilen einladen sollte. Bereits 1868 wurde unterhalb der Düne ein Café erbaut, das den gleichen Namen trug. 1923 wurde der Pavillon durch das noch existierende und als Café genutzte markante Steingebäude ersetzt.[155]

Kurze Zeit nach der Gründung des Seebades Norderney wurde 1799 am Rand des Ortszentrums ein Kurhaus, (Großes Logierhaus, später auch Conversationshaus genannt), mit einem kleinen Festsaal, einer Billardstube und einem Spielsalon errichtet. Dieses Gebäude wurde im Jahr 1822 durch einen Steinbau ersetzt und dieser im Laufe der Jahre um einen Arkadengang und einen Turm in der Mitte des Gebäudes, sowie einem angeschlossenen Wohnhaus an der Westseite erweitert. In diesem Wohnhaus, das in den 1920er Jahren bei Renovierungsarbeiten abgerissen wurde, waren im 19. Jahrhundert der Sitz der Königlich Hannoverschen Badeverwaltung und die Wohnung des Königlichen Badekommissars untergebracht. Zwischen den Jahren 1837 und 1865 diente das Conversationshaus dem hannoverschen Königspaar als Sommerresidenz. 1865 wohnte dort Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. Im Jahr 1904 wurde in diesem Haus der letzte deutsch-russische Handelsvertrag vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterzeichnet. Daran erinnert eine im Gebäude angebrachte Gedenktafel:

„In diesem Zimmer wurde im Juli 1904 zwischen dem Deutschen Reichskanzler Grafen Bernhard von Bülow und dem Präsidenten des Russischen Minister-Komitees, Sergius von Witte, der deutsch-russische Handelsvertrag vereinbart.“

– Gedenktafel am Conversationshaus auf Norderney[156]

Im Kurhaus, das nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Sommer 2008 unter dem alten Namen Conversationshaus wiedereröffnet wurde, sind ein Spielcasino, das Touristen-Informationszentrum, die Stadtbibliothek, sowie Veranstaltungsräume, ein Geschäft und ein Café untergebracht.

Hauptartikel: Kurtheater Norderney

Aus dem 19. Jahrhundert stammt das vom hannoverschen Architekten Johannes Holekamp erbaute Kurtheater.[157] Zunächst fanden Theateraufführungen im schräg gegenüberliegenden Conversationshaus statt. In den Jahren 1893/1894 ließ der Norderneyer Hotelier Gustav Weidemann das erste privat geführte Theater der Insel errichten. Nach dem Vorbild des Opernhauses in Hannover wurde das Kurtheater am 1. Juli 1894 feierlich eingeweiht. Im Kurtheater finden heute Theateraufführungen der Landesbühne Niedersachsen Nord und unter anderem die Filmvorführungen des Internationalen Filmfestes Emden-Norderney statt.[156]

Das ehemalige Postamt

Kaiserliches Postamt: Nachdem das Königreich Hannover Norderney 1819 zum Staatsbad ausgerufen hatte, wurde 1824 eine erste kleine Poststation im Stadtzentrum eingerichtet. Der Postverkehr wurde im 19. Jahrhundert nur während der Sommermonate aufrechterhalten, um die Post der Gäste aufzunehmen oder an sie weiterzugeben. 1844 wurde durch die Hannoversche Post zwischen Norden und Norderney ein regelmäßiger Postkutschenverkehr durch das Watt eingeführt. Die schon erwähnte Postbake im Osten der Insel und der Alte Postweg erinnern an diese Zeit. Erst mit der Einrichtung einer Dampfschiffs-Linienverbindung zwischen Norddeich Mole und Norderney ab 1872 konnte die Post ganzjährig zuverlässig befördert werden. Aufgrund der stetig steigenden Gästezahlen und der Vergrößerung des Postvolumens wurde 1888 durch die Preußische Postdirektion ein erstes Postgebäude angemietet. Am 1. April 1892 wurde das noch existierende Postamt im Stadtzentrum eingeweiht. Neben einem Postamt wurden Läden und Dienstwohnungen in diesem Gebäude untergebracht. Seit 1989 steht das markante Gebäude unter Denkmalschutz. Wegen der hohen Betriebskosten wurde Ende 2008 ein Gebäude im Gewerbegebiet Norderneys zu einem Post- und Paketzentrum eingerichtet. Das alte Postgebäude wird in ein Wohn- und Geschäftshaus umgewidmet.[158]

Das Haus der Insel ist das Gemeinde- und Veranstaltungszentrum Norderneys und wurde am 1. Mai 1977 eröffnet. Es befindet sich gegenüber dem Kurtheater im Stadtzentrum; auf dem Vorplatz steht die Statue Heinrich Heines. Aufgrund hoher Unterhaltungskosten wird über eine alternative Nutzung des Gebäudes in der Zukunft nachgedacht. Eine Schließung wird von der Stadtverwaltung aber vorerst abgelehnt.[159]

Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Jahr 1910 mit Kaiserbüste und Reichsadler …

… und 2015 mit Silbermöwe

Kaiser-Wilhelm-Denkmal: An der Kreuzung Herrenpfad/Friedrichsstraße/Knyphausenstraße steht ein am Sedantag, den 2. September 1899[160] eingeweihter und aus 75[160] Steinen bestehender 13 m hoher Obelisk. Dieser erinnert an die Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871.a Die Steine wurden von 61 deutschen Städten und Reichsstädten und Provinzen gestiftet und tragen deren Namen eingraviert. Darunter haben einige Steine eine symbolische Bedeutung, so beispielsweise die Steine aus Aachen und Frankfurt am Main als Krönungs- und Wahlorte der deutschen Könige und Kaiser.[161] Der auf der Spitze des Denkmals thronende preußische Reichsadler wurde nach dem Ersten Weltkrieg abmontiert. Zur Zeit des Kaiserreichs war in Nordrichtung die bronzene Büste des Kaisers Wilhelm I. angebracht, die 1917 an die Metall-Mobilmachungsstelle in Hamburg gegeben wurde, um für die Waffenproduktion eingeschmolzen zu werden. An dessen Stelle steht seit 1938 eine steinerne Möwe als Sinnbild der Nordsee. Die Idee des Obelisken hatte Paul Wallot, der das Reichshaus in Berlin erbaute; Architekten des Obelisken und der Kaiserbüste waren die Brüder Hellfriedt und Georg Küsthardt.[162][163] Gegossen wurde die Büste bei der Bleigiesserei H. Gladenbeck in Berlin.

a Die Anzahl der Steine, aus der der Obelisk besteht, schwankt je nach Quelle zwischen 61, 71 und 75 Steinen

Inselwindmühle Selden Rüst

Inselwindmühle: Im Jahr 1862 wurde die einzige Inselwindmühle in Niedersachsen als Kornwindmühle in der Bauform eines einstöckigen Galerieholländers durch den aus Ostermarsch stammenden Müller Eilert Abben errichtet.[164] Die Mühle steht als Bau- und Industriedenkmal unter Denkmalschutz und wird Selden Rüst genannt, was übersetzt selten ruhig bedeutet. Im 19. Jahrhundert konnten die beiden Mahlsteine täglich bis zu fünf Tonnen des auf der Insel angebauten Getreides (Weizen, Roggen und Gerste) für die Norderneyer Bäcker mahlen. Die reetgedeckte Mühle brannte nach Reparaturarbeiten am 24. April 1951 völlig nieder und wurde 1953 unter anderem durch Fördermittel des Heimatvereins Norderney wieder neu errichtet. Bis 1962 wurde in der Mühle Korn gemahlen.[165] Letzter Müller war Ocko Luitjens Fleetjer. Im Jahr 1970 begannen Umbauarbeiten zu einem noch heute in der Mühle befindlichen Gastronomiebetriebs. Seit 2010 ist die Mühle ein ausgewiesener Standort der Niedersächsischen Mühlenstraße.[166]

Siehe auch: Liste der Windmühlen in Ostfriesland

Schulgebäude: Eines der markantesten Gebäude im Norderneyer Stadtgebiet ist das dreigeschossige Schulgebäude. Es wurde am 15. Oktober 1900 als Central-Schulgebäude eingeweiht und bot den zu dieser Zeit 700 Schulkindern der Insel eine Lernstätte in Form einer Grund- und einer Mittelschule. Auf Geheiß des Schulrektors und späteren Bürgermeisters Jann Berghaus wurden ab 1903 die Privatschulen der Insel ebenfalls in dem großen Schulgebäude eingegliedert und untergebracht. Bis zum 1. Mai 1952 war das Schulgebäude das einzige der Insel, bis die heutige Kooperative Gesamtschule Norderney in den ehemaligen Kasernengebäuden an der Mühle eröffnet wurde. In den Jahren 2010/2011 wurde der Uhrenturm des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes einer Sanierung unterzogen.[167] Mit dem Abbau des Turms wurde am 7. Juni 2010 begonnen. Die Kuppel erhielt eine neue Kupferverkleidung und eine Windrose mit einem Segelschiff.[168]

Siehe auch: Bildungswesen auf Norderney

Die Napoleonschanze, die mit dem angeschlossenen Schwanenteich zum erweiterten Kurpark im Stadtgebiet gehört, wurde zwischen 1811 und 1813 errichtet. Sie ist das älteste noch im Urzustand erhaltene Bau- und Kulturdenkmal der Insel.[169] Ostfriesland war zu dieser Zeit von Napoleons Armeen okkupiert und wurde als Département Ems-Oriental an die Niederlande abgetreten. Norderney lag zu dieser Zeit im Arrondissement Aurich, Kantonsort war Norden. Die Insulaner litten unter der durch Frankreich verhängten Kontinentalsperre gegen England und dem daraus resultierenden Seehandelsverbot. In dieser Zeit blühte auf Norderney wie auf den anderen Ostfriesischen Inseln der Schmuggel. Zu dessen Bekämpfung wurden 300 Soldaten auf der Insel stationiert, die einen Wall sowie eine Geschützstellung errichteten. Dieser Wall folgte zum Teil dem damaligen natürlichen Küstenverlauf zur Wattseite. Die heutige Marienstraße bildete damals den südlichen Rand der Insel. Erst im mittleren bis späten 19. Jahrhundert wurde dieser Bereich durch Landgewinnung vergrößert und darauf später das Hafenbecken und der Militärflugplatz errichtet. Am Rand der Schanze befindet sich auf einem Hügel ein am 20. Oktober 1930 eingeweihtes Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 gefallenen Söhne der Insel in Form eines breiten Kreuzes. Der sogenannte Bismarck-Stein wurde von dem Bildhauer Hermann Hosaeus entworfen und gebaut. Das Kreuz trägt auf der Vorderseite die Inschrift:

„Euch Allen Dank – Ob Ihr In Heimaterde Ruht, Ob Euch zum Letzten Schlummer Wiegte Meeresflut, Ob Fern Ihr Schlaft In Fremdem Land, Dies Eiland Denkt An Euch Solange Es Steht, Und Seewind Über Seine Dünen Weht – 1914–1918“

– Inschrift auf dem Bismarck-Kreuz an der Napoleonschanze auf Norderney

Auf der Rückseite sind die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Norderneyer eingraviert.

Wasserturm

Der 1929 nach Plänen des Auricher Baurats Eggerling errichtete und 1930 in Betrieb genommene Wasserturm am östlichen Stadtrand ist nach dem großen Leuchtturm das zweithöchste Gebäude der Insel. Er hat eine Höhe von 41,6 m und ist 11 m breit. Der Wasserturm kann wie der Leuchtturm besichtigt werden. In ihm befindet sich ein 500.000 Liter fassender Wassertank, der als Trinkwasserreservoir und Druckausgleichsbehälter der im Sediment der Insel befindlichen Süßwasserlinse dient. Ein Vorgängerbau des Wasserturms war von 1890 an ein Lüftungsturm an der südlichen Seite der Kapdüne. Dieser Turm hatte die Aufgabe das geförderte Trinkwasser mit Sauerstoff zu belüften, um schwefelhaltige Verbindungen im Wasser zu lösen.

Sport
Vereinswappen des TuS Norderney

Norderney bietet viele Möglichkeiten, Sport auszuüben. Zu nennen ist in erster Linie das als Freizeitbad konzipierte und 1931 erstmals errichtete und mehrmals umgebaute Meerwasserwellenbad Die Welle. Nach einem erneuten Umbau wurde am 13. August 2005 das größte Thalassozentrum Deutschlands unter dem Namen bade:haus norderney eröffnet. Das bade:haus norderney verzeichnete im Jahr 2009 eine Zahl von über von 119.000 Besuchern[8] und bietet auf drei Ebenen eine moderne Meerwasserbade- und Saunalandschaft mit aerosolhaltiger Luft sowie Behandlungen mit Schlick und ein angeschlossenes Wellen- und Spaßbad. Daneben wird auf der Insel Windsurfen, Wellenreiten, Strandsegeln, Kitesurfen, Reiten, Beachsoccer, Tennis, Minigolf und Golf angeboten.

Die Norderneyer Rad- und Wanderwege haben eine Gesamtlänge von über 80 Kilometern. Zudem besteht ein Wegenetz von Reitwegen in den Dünen, die teilweise parallel zu den Rad- und Wanderwegen verlaufen. Daneben werden geführte Wattwanderungen von einheimischen Wattführern angeboten. Ausschließlich in den Wintermonaten wird der Norderneyer Volkssport – das Boßeln, Klootschießen genannt – ausgeübt. Ein erster Klootschießverein wurde Ende Januar 1913 auf der Insel gegründet. Die Spieler verschiedener Vereine gründeten 1963 die Norderneyer Klootschießergemeinschaft.[170]

Der 1946 gegründete Turn- und Sportverein (TuS Norderney) e.V. bietet insgesamt 13 Sportarten für die Insulaner an, unter anderem Fußball, Volleyball, Tischtennis, Radfahren und Gymnastik. Mit rund 1400 Vereinsmitgliedern ist er der größte Verein der Insel Norderney und zugleich der größte Inselverein Deutschlands.[171] Der Verein bringt seit 1977 ein jährliches Vereinsmagazin über das zurückliegende Sportjahr unter dem Namen Flutlicht heraus. Neben vier Tennisplätzen mit Aschebelag sowie dem Vereinsheim stehen auf dem Vereinsgelände eine 400 Meter Rundlaufbahn und ein wettkampfgeeigneter Fußballplatz zur Verfügung, auf dem die Fußballabteilung des Vereins die Heimspiele austrägt. Die erste Herren-Fußballmannschaft spielte in der Saison 2009/2010 aufgrund von Personalproblemen nach freiwilligem Abstieg aus der Kreisliga in der zweiten Staffel der 1. Kreisklasse/Kreis Aurich.[172] Dort fand in der Saison 2009/2010 unter anderem das Duell gegen den TSV Juist statt.[173][174] Zur Saison 2010/2011 stieg die Mannschaft, bedingt durch eine neue Klasseneinteilung des Spielausschusses, in die 1. Kreisleistungsklasse.[175] Daneben gibt es in allen Sportarten Jugendabteilungen für Jungen und Mädchen. Auf den Sportstätten des Vereins können Norderneyer und Gäste von Mai bis September jeden Dienstag das Sportabzeichen erwerben. Der Fußballverein Werder Bremen nutzte die Sportstätten des TuS Norderney von Sommer 2001 bis Sommer 2012 unter dem langjährigen Trainer Thomas Schaaf regelmäßig, um während der Sommerpause seine Fußballprofis auf die anstehende Saison der 1. Fußball-Bundesliga vorzubereiten.[176] Im Januar 2010 veranstaltete der KFC Uerdingen[177] ein ähnliches Trainingslager als Saisonvorbereitung. Am 12. Juli 2010 trafen beide Mannschaften in einem Testspiel auf Norderney aufeinander.[178] Im Juli 2014 war Eintracht Frankfurt mit Trainer Thomas Schaaf zur Vorbereitung auf der Insel.[179] Zusammen mit der Stadtverwaltung Norderney hat die Athletikriege des TuS Norderney im Jahr 2010 sieben Laufsportwege konzipiert, die zwischen drei und 22 Kilometer lang sind und auf unterschiedlichen, farblich gekennzeichneten Routen durch die Stadt und über die Insel führen.

Der Segelverein Norderney (SVN) richtet jedes Jahr eine Segelregatta aus. Des Weiteren gibt es eine Segelschule auf Norderney. Ein Schießsportverein hat sein Vereinsgebäude am östlichen Stadtrand an der Meierei.

Veranstaltungen
Logo des Filmfestes Emden Norderney

Das Internationale Filmfest Emden-Norderney ist mit etwa 22.000 Besuchern das größte Filmfest in Niedersachsen. Es wurde 1990 mit der Förderung durch den Regisseur Bernhard Wicki ins Leben gerufen und findet alljährlich acht Tage zwischen Ende Mai und Anfang Juni in der Seehafenstadt Emden und auf Norderney statt. Auf Norderney besuchten in den Jahren 2007 und 2008 mehr als 3000 Kinogänger die Filmvorführungen.[180]

Siehe auch: Internationales Filmfest Emden-Norderney

Die Sportveranstaltungen auf der Insel haben zum Teil nationale und internationale Bedeutung. Das White-Sands-Festival findet jedes Jahr am Pfingstwochenende statt. Die Veranstaltung zieht neben den Sportinteressierten auch viele Partygäste nach Norderney. So wurden 2008 zirka 60.000 Gäste gezählt; die Fährreederei richtete zum Transport 24 Fährverbindungen statt der üblichen acht pro Tag ein.[181] Neben dem Deutschen Windsurf-Cup wird bei dieser Veranstaltung auch ein Beachvolleyball-Cup im Rahmen der Smart Beach Tour ausgetragen. Seit 1999 wird jeweils Anfang Juni der Beach-Soccer Junior Fun-Cup auf der Insel veranstaltet. Mit über 50 teilnehmenden Mannschaften ist er das größte Vereinsturnier des Landes Niedersachsen. Mit ihm werden die Landesmeisterschaften der C-, D-, E- und F-Jugend im Strandfußball ausgetragen. Ausrichter ist der TuS Norderney.[182] Mit insgesamt 58 Mannschaften und rund 800 Teilnehmern fand vom 14. bis zum 16. Juni 2013 das 8. Kempa Beach-Handball-Turnier des TuS Norderney statt.[183] Das Turnier findet am Ostbadestrand der Weißen Düne statt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Zum Vergleich, 2009 gingen 56 Mannschaften mit rund 650 Teilnehmern verschiedener Altersklassen an den Start.[184] Bereits seit 1994 findet jeweils Ende Juli das Insel-Springen statt. Bei diesem Stabhochsprung-Meeting auf der Kurplatzwiese trifft sich die Weltelite des Stabhochsprungs. So nahmen schon Heike Henkel, Stefka Kostadinowa und Tim Lobinger, der das Inselspringen dreimal für sich entscheiden konnte, an dieser Veranstaltung teil.[185] Bereits zum 22. Mal wurde am 17. Juli 2010 der Citylauf des TuS Norderney ausgetragen.[186][187] Es handelt sich dabei um den größten Volkslauf auf einer Ostfriesischen Insel mit weit über 1000 Teilnehmern[188], die Strecken von fünf oder zehn Kilometern wählen können. Der Lauf führt an der Strandpromenade entlang und durch Teile der Innenstadt. Am 21. August 2010 fand der erste Insel-Triathlon Islandman vor rund 10.000 Zuschauern auf Norderney statt. Etwa 450 Teilnehmer gingen in fünf verschiedenen Wettkampfdistanzen an den Start.[189][190][191] Jeweils im September eines Jahres veranstaltet der Reit- und Fahrverein Norderney seit 1960 ein Reitturnier und lädt zur Jagdwoche ein. Im November wird das Fußball-Alt-Herren-Turnier in der Turnhalle des TuS Norderney ausgetragen. Über den Jahreswechsel wird seit 1984 in der Turnhalle des TuS Norderney ein Fußballhallenturnier der Freizeitmannschaften durchgeführt. Traditionell am Neujahrstag findet am Weststrand das Neujahrsbaden statt. In der Konzertmuschel auf dem Kurplatz werden in den Sommermonaten Kurkonzerte aufgeführt. Die touristische Infrastruktur der Insel ist vielseitig gegliedert. Neben dem Inselkino gibt es ein Theater, in dem unter anderem das Inselmusical Hakenhand besucht werden kann sowie kulturelle Angebote für Freizeit, Bildung und Sport für alle Altersschichten.

Vereine

Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Norderney

Das HLF 20/20 im Einsatz

Außer Sportvereinen gibt es auf Norderney eine Reihe gemeinnütziger Vereine, wie die Arbeiterwohlfahrt, die 2003 gegründete Bürgerstiftung, der Astronomische Arbeitskreis und der bedeutende, 1926 gegründete Heimatverein Norderney, dessen Bestreben es ist, Norderneyer Volksgut, Sitten und Gebräuche in Wort und Schrift zu erhalten.

Die Freiwillige Feuerwehr wurde nach einem Großbrand auf der Insel im Jahr 1884 gegründet. Sie besteht aus einem Löschzug, der über ein Tanklöschfahrzeug (TLF), zwei Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge (HLF), eine Drehleiter (DLK), ein Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz (LF 20 KatS), ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) und einen Unimog als Löschgruppenfahrzeug (LF8) verfügt.[192] Zur Ausbildung zukünftiger Kräfte besteht seit 1992 eine Jugendfeuerwehr. Das 125. Jubiläum des Bestehens der Feuerwehr wurde am 17. Januar 2010 mit einem Festakt im Conversationshaus gefeiert.[193]

Im August 2010 feierte der aus etwa 590 Mitgliedern bestehende Norderneyer Seglerverein sein 85-jähriges Bestehen.[194]

Kulinarische Spezialitäten

Der Norderneyer Seeluftschinken gilt heute als eine kulinarische Spezialität der Insel Norderney, obwohl es sich bei diesem Produkt um keine traditionelle Delikatesse handelt, sondern vielmehr um eine jüngere Vermarktungsinitiative.[195] Der Vertrieb erfolgt über die Sauels AG mit Sitz in Tönisberg bei Kempen am Niederrhein.[196]

Religion
Evangelische Inselkirche mit altem Kirchhof (Friedhof)
Christentum

Der Großteil der Norderneyer Bevölkerung ist protestantisch. Der Landkreis Aurich, zu dem Norderney zählt, gehört mit einem Anteil von etwa 85 Prozent zu den Gebieten in Deutschland mit dem höchsten Anteil von Lutheranern an der Gesamtbevölkerung.[197] Norderney hat mit 3400 Mitgliedern die größte evangelische Kirchengemeinde im Kirchenkreis Norden.[198] Sie ist Träger eines Inselkindergartens und des neuen Inselfriedhofs. Das Gemeindehaus Martin-Luther-Haus steht in der Kirchstraße gegenüber der evangelischen Inselkirche.

Evangelische Inselkirche
Hauptartikel: Evangelische Inselkirche
Reliefkarte der Insel Norderney (Nynorderoge) aus einem dänischen Segelhandbuch von 1568. Rechts ist die Inselkirche zu sehen. Die Reliefkarten, auch Vertoonungen, dienten der Peilung.

Über die Ursprünge des christlichen Glaubens liegen wenige Quellen vor. Das erste kirchenartige Gebäude der Insel Norderney entstand bereits kurz nach der Reformation im Jahr 1518, was aus einer Kirchenrechnung der Stadt Norden hervorgeht, wonach 500 Ziegelsteine für die Reparatur eines Kirchenbaus verwendet werden sollten.[199] Dabei handelte es sich um ein einräumiges, rechteckiges Gotteshaus, dessen Innenraum etwa 50 Quadratmeter groß war. Es war auf dem Platz der heutigen evangelischen Inselkirche errichtet worden und bildete zusammen mit dem alten Friedhof den Mittelpunkt des Ortes. Das turmartige Gebäude konnte von den Inselbewohnern als Unterschlupf bei Gefahren wie etwa Sturmfluten oder durch Angriffe von Seeräubern benutzt werden. Auf der Seekarte von Sgrothenthum[200][201] aus dem Jahr 1564 ist bereits ein höheres Gebäude im Westteil der Insel Nie Norderoghe verzeichnet. Nachdem die Kirche im Laufe der Jahrhunderte zur Seefahrerkirche für die stetig wachsende Einwohnerzahl ausgebaut worden war, entschied man sich 1878 für einen Neubau im neugotischen Stil. Das alte Gebäude aus Holz wurde durch einen Steinbau mit einem 25 m hohen Kirchturm ersetzt. Eingeweiht wurde die Kirche am 11. Juni 1879, dem Tag der goldenen Hochzeit des deutschen Kaiserpaares Wilhelm I. und Augusta, als neue Evangelische Inselkirche an der Kirchstraße. Eine Gedenktafel am Haupteingang erinnert an dieses Datum. Am 23. Mai 2008 wurde die durch Spendengelder finanzierte neue Orgel der Kirche feierlich eingeweiht. Sie wurde von Harm Dieder Kirschner erbaut, verfügt über 30 Register auf drei Manualen und Pedal und weist eine romantische Disposition auf.[202]

Evangelische Waldkirche
Katholische Inselkirche St. Ludgerus (weitere Bilder)
Katholische Sommerkirche Stella Maris (weitere Bilder)

Seit 1912 befindet sich an der Napoleonschanze die evangelische Waldkirche. Der damalige Inselpastor Christoph Friedrich Wilhelm Rieschel hatte die Idee, im Schutz des kleinen Wäldchens eine Naturkirche einzurichten. Auf der von Erdwällen umgebenen Fläche werden in den Sommermonaten von Juni bis August Gottesdienste gefeiert.

Daneben gibt es noch die evangelische Genezareth-Kapelle im Kinderkrankenhaus Seehospiz Kaiserin Friedrich, Benekestraße 27.

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)

Auf Norderney gibt es seit 1988 einen Zweig der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde mit Sitz in Norden. Die Veranstaltungen finden in der Genezareth-Kapelle des Seehospizes statt.

Römisch-katholische Inselgemeinde
Siehe auch: St. Ludgerus und Stella Maris

Die römisch-katholische Kirchengemeinde ist nach dem heiligen St. Ludgerus benannt. Sie wurde, nachdem es seit der Reformation keine Katholiken auf der Insel gegeben hatte, 1884 neu gegründet[203] und gehört zum Dekanat Ostfriesland im Bistum Osnabrück.

Die Anfänge der Gemeinde reichen ins Jahr 1840 zurück, als der Norder Pfarrer Heinrich Lackmann beim Bistum Osnabrück um einen Geistlichen für Norderney bat. Aufgrund der kurzen Badesaison und der geringen Zahl katholischer Inselgäste (um das Jahr 1850 etwa 100) wurde die Bitte abgelehnt.[199] Ein Bauunternehmer aus Norden erhielt am 29. Mai 1883 den Auftrag, die Pfarrkirche St. Ludgerus im neogotischen Stil als Saalkirche zu errichten. Das Geld stammte größtenteils aus Spenden der katholischen Kurgäste, die immer zahlreicher auf die Insel strömten. Am 17. Juli 1884 wurde die Kirche geweiht.[204] Zum 1. Januar 1909 wurde der erste Pfarrer auf Norderney eingesetzt, für den im Jahr 1912 an der Westseite des Kirchengebäudes ein eigenes Haus angebaut wurde. 1923 wurde die Kirchengemeinde Norderney zu einer selbstständigen Kuratiegemeinde, 1974 erhielt sie den Status einer Pfarrgemeinde. Bedingt durch den Zuzug von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten wuchs die Gemeinde in den Nachkriegsjahren zeitweise auf über 800 Mitglieder an.[205] Die Zahl der katholischen Gemeindemitglieder lag im November 2014 bei 1156.[206]

Das zweite Kirchengebäude der Kirchengemeinde St. Ludgerus ist die 1931 nach den Plänen des Architekten Dominikus Böhm im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtete Kirche Stella Maris (Meeresstern) an der Goebenstraße. Konzipiert wurde das Gebäude zunächst als Sommerkirche für die katholischen Kurgäste und die in Erholungsheimen untergebrachten Kinder.[207] Ein großes über dem Altar angebrachtes Gemälde von Richard Seewald trägt den Titel Stella Maris und zeigt mit Wellen, Schiffen und einem Leuchtturm maritime Motive.[208] Seit einem Umbau im Jahr 1978, bei dem unter anderem eine Heizungsanlage eingebaut und die Raumaufteilung verändert wurde, wird das Kirchengebäude ganzjährig genutzt. In der größten katholischen Kirche Ostfrieslands finden 700 Besucher Platz.[209] Am 13. Juni 2010 wurde eine neue, aus der Bremer Herz-Jesu-Kirche stammende Orgel in der Stella-Maris-Kirche eingeweiht. Der Gottesdienst wurde von NDR, RBB und WDR übertragen.[210][211]

Sonstige Gemeinschaften

Die Neuapostolische Kirche hat ihr Gemeindezentrum seit 1955 am Südwesthörn. Sie gehört zum Ältestenbezirk Emden des Bezirks Norddeutschland der Neuapostolischen Kirche Deutschlands. Für ihre Zusammenkünfte unterhalten die Zeugen Jehovas einen Königreichssaal.

Judentum
Hauptartikel: Geschichte der Juden auf Norderney
Die Norderneyer Synagoge um 1880

Mit der Entwicklung Norderneys zum ersten deutschen Nordseeheilbad wurde die Insel von einer größeren Zahl Juden besucht. In ihrem Gefolge ließen sich Juden aus Ostfriesland auf der Insel nieder, gründeten jedoch keine eigene Synagogengemeinde, sondern gehörten zu der Synagogengemeinde in Norden. Im Jahr 1878 wurde auf Sondererlass des Kaisers Wilhelm I. für die vielen jüdischen Badegäste der Insel eine Synagoge als Ersatz für die zu klein gewordene Privatsynagoge der Familie Abraham von der Wall gebaut. Schon vor dem Ersten Weltkrieg galt Norderney als „reiches Judenbad“, ganz im Gegensatz zu den anderen Inseln, vor allem zu Borkum, auf denen sich der Bäder-Antisemitismus festsetzte. Von 1933 an sollte Norderney ein „deutsches“ Bad werden; damit setzte die Ausgrenzung und Deportation der auf der Insel sesshaften Juden ein. Am 14. Dezember 1933 bezeichnete sich Norderney als judenfrei. Die letzten beiden jüdischen Mitbürger verließen die Insel 1941. Nachdem während der Zeit des Nationalsozialismus immer weniger Juden auf die Insel kamen, wurde die Synagoge, in der seit 1933 kein Gottesdienst mehr stattgefunden hatte, am 11. Juli 1938 an den Norderneyer Eisenwarenhändler Valentin[212] für 3500 Reichsmark unter der Bedingung verkauft, alle Hinweise auf die Synagoge zu entfernen. Dieser Umstand bewahrte das Gebäude vor der Zerstörung in der Reichspogromnacht am 9. November 1938. Heute befindet sich ein Restaurant in dem Gebäude an der Schmiedestraße.

Friedhöfe

Auf dem Gelände der evangelischen Inselkirche befindet sich der Friedhof der Kirchengemeinde Norderney, auf dem bis zum Jahr 1875 die Toten der Insel bestattet wurden. Einige Grabdenkmäler aus dem 19. Jahrhundert sind mit besonderen maritimen Ornamenten, wie zum Beispiel mit einem Segelschiff, versehen. Besonders hervorzuheben ist das gusseiserne Grabkreuz des 1864 gestorbenen Giovanni Velcich, einem der Gefallenen des Krieges zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark sowie das Grabkreuz mit Umfriedung des 1872 verstorbenen Hillrich Jacobs Rass, welcher Kapitän der Yacht König Georgs V. von Hannover war.[213] Dieser heute so genannte „alte“ Friedhof wurde 1876 durch den neu angelegten und größeren kommunalen Friedhof an der Jann-Berghaus-Straße abgelöst. Auf ihm steht die Auferstehungskapelle „Baptizatus sum!“.

Wirtschaft und Infrastruktur
Tourismus
Logo der Norderneyer Imagekampagne (seit 1997)

Gästezahlen und Übernachtungen
Jahr[9] Gäste[7] Übernachtungen[7]
1994 167.229 1.412.263
1995 174.526 1.458.862
1996 172.579 1.420.908
1997 181.236 1.367.411
1998 177.468 1.326.151
1999 192.699 1.357.121
2000 198.969 1.423.210
2001 200.175 1.400.845
2002 195.551 1.352.894
2003 203.292 1.340.025
2004 201.869 1.290.362
2005 195.384 1.250.342
2006 203.439 1.245.452
2007 214.087 1.318.243
2008 221.094 1.325.420
2009 231.339 1.383.902
2010 234.361 1.380.225
2011 236.371 1.363.492
2012 234.739 1.370.617
2013 241.842 1.377.386
2014 248.997 1.397.451
2015 249.848 1.446.041
2016 265.368 1.541.082
In der Statistik erscheinen geöffnete Beherbergungsbetriebe
mit mindestens 10 Betten und geöffnete Campingplätze
mit mindestens 10 Stellplätzen

Die Silhouette der Stadt (hier von der Nachbarinsel Juist aus gesehen) …

… ist von touristischer Infrastruktur geprägt.

Das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe ist vom Beginn des 19. Jahrhunderts an und vor allem seit der Zeit der preußischen Herrschaft in den 1870er Jahren die Haupteinnahmequelle und die Existenzgrundlage eines Großteils der Inselbewohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg begünstigte die weitgehend intakt gebliebene Infrastruktur einen rasanten Anstieg der Gästezahlen auf der Insel.[214] Insgesamt waren 2006 56,2 % der Norderneyer Erwerbstätigen im Handel und Gastgewerbe beschäftigt.[215] Im Jahr 2007 gab es auf der Insel durchschnittlich 8146 angebotene Betten[9] in 523 Ferienwohnungen, 57 Hotels, 19 Ferienheimen, 56 Pensionen, 140 Privatzimmern, zwei DJH Jugendherbergen und 330 sonstigen privaten Einrichtungen. Insgesamt hängen 1127 Betriebe direkt oder indirekt von der Beherbergungsbranche ab, davon 170 Dienstleister und 131 gastronomische Betriebe.[214] Die Gesamtzahl der Gäste lag im Jahr 2007 bei 426.533[7], bei rund 3,1 Millionen Übernachtungen bedeutet dies einen durchschnittlichen Aufenthalt auf der Insel von 7,2 Tagen. Die Einnahmen der Kurabgabe überstiegen im Jahr 2009 zum ersten Mal sechs Millionen Euro.[8] Die Kurverwaltung ist eine der wenigen deutschen kommunalen Touristikbetriebe, der Gewinne ausweist. Die Stadt Norderney erhebt im Gegensatz zu den anderen Inseln und den angrenzenden Festlandsgemeinden keine Fremdenverkehrsabgabe.

Seit 1997 präsentieren sich Stadt und Kurverwaltung Norderney im Rahmen der Imagekampagne mit einem einheitlichen Logo in Form eines stilisierten N in Printmedien und im Internet. Der Werbeslogan der Insel lautet Norderney: Hier will ich sein. Zum Jahr 2011 wird der Slogan in Meine Insel umgetauft und entsprechend neue Logos und Marketing-Ideen mit einem jährlichen Etat von 200.000 Euro umgesetzt. Ziel der Kurverwaltung ist, bis zum Jahr 2020 die bekannteste Thalasso-Insel Europas zu werden.[216] Mit der NorderneyCard wurde im März 1997 ein elektronisches Kurkartensystem als Weltneuheit eingeführt. Dieses zu dieser Zeit in Deutschland einmalige System verbindet die Abrechnung des Kurbeitrags mit der Möglichkeit, die Inanspruchnahme der einzelnen Dienstleistungen und Kureinrichtungen über die Karte zu erfassen und abzurechnen. Eine Besonderheit ist der Einsatz der Karte für die Überfahrt mit den Fähren der Frisia-Reederei.[217] Die NorderneyCard löste die bisherige Kurkarte ab und dient außerdem der statistischen Auswertung anonymer Nutzerdaten.[218] Durch diese Auswertung der NorderneyCard verfügen Stadt- und Kurverwaltung über konkrete Gästezahlen, die die Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Stadt hervorheben. Die Norderneyer Touristinformation ist im Conversationshaus am Kurplatz untergebracht und besteht aus der Service-Stelle für die NorderneyCard, einer Zimmervermittlung, der Strandkorbreservierung, einem Veranstaltungsbüro mit einer Vorverkaufsstelle für die Veranstaltungen im Kurtheater und im Haus der Insel.

Norderney ist zur touristischen Vermarktung der Insel der Marketingorganisation „Die Nordsee“ in Schortens beigetreten. Die Gesellschaft vertritt die sieben Ostfriesischen Inseln sowie 15 niedersächsische Küstenorte.[219] Darüber hinaus ist die GmbH verantwortlich für die gemeinsame Pressearbeit, das Marketing, die Durchführung von Messen und Veranstaltungen, die Erstellung von Printmedien sowie die Klassifizierung von privaten Ferienunterkünften.

Auf Norderney gibt es fünf Badestrände. Der West- und der Nordstrand mit je einem bewachten Badestrand liegen am westlichen und nördlichen Rand der Stadt. Ruhesuchende können außerhalb des Stadtgebiets das Ostbad mit der Weißen Düne und den FKK-Strand mit der Oase nutzen. Am Ausgang der Lippestraße wird vom Kreis Detmold ein bewachter Jugend- und Sportstrand unterhalten. An allen Stränden können Strandkörbe gemietet werden. Da zwei Drittel der Inselfläche zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehören und die unter der Insel befindliche Süßwasserlinse gegen übermäßige Wasserentnahme geschützt werden muss, wird von der Kur- und Stadtverwaltung auf den sanften Tourismus gesetzt,[34][220] um diese Bereiche der Insel nach Möglichkeit weitgehend sich selbst zu überlassen.

In Eigeninitiative des Astronomischen Arbeitskreises Norderney wurde der Planetenpfad angelegt.[41] Entlang des Wanderweges Alter Postweg von der Stadt in Richtung Leuchtturm finden sich hier die Modelle der neun Planeten des Sonnensystems vor der im Jahr 2006 durch die Internationale Astronomische Union beschlossene Definition, die mit Informationstafeln versehen sind. Der Maßstab der Entfernungen beträgt 1:2 Milliarden, so dass der Abstand der Erde zur Sonne 75 Meter beträgt; der Maßstab der Planeten beträgt 1:1 Milliarde, so dass die Sonnenscheibe 1,4 Meter Durchmesser hat; die Gesamtlänge des Lehrpfades beträgt rund zwei Kilometer.

Eine Touristenattraktion befindet sich an der Ostspitze der Insel. Dort liegt seit Januar 1968 das Wrack des letzten ostfriesischen Schillsaugers Capella im Sand. Mit diesem Schiff wurde um die Jahreswende 1967/1968 versucht, den seit dem 2. Dezember 1967 auf einer Sandbank festsitzenden Heringslogger Ministerialrat Streil[221] zu befreien. Der Logger kam aus eigener Kraft frei, der Schillsauger strandete jedoch. Eine Befreiungsaktion des Schillsaugers schlug im März 1968 fehl, so dass das Schiff aufgegeben wurde.[222]

Bildungswesen

Neben einer Frühförderungsgruppe und dem evangelisch-lutherischen Kindergarten Am Kap am östlichen Ortsrand mit 114 Kindern[223] beherbergt (Stand November 2010), gibt es eine Grundschule und eine Kooperative Gesamtschule. Für die Erwachsenenbildung werden Kurse der Kreisvolkshochschule Norden angeboten. Es gibt neben einer Stadtbibliothek ein Stadtarchiv, das seit 1982 hauptamtlich geleitet wird.[224] Im Jahr 1976 wurde durch Initiative der Aktionsgemeinschaft Jugendzentrum Norderney e.V. ein selbstverwaltetes Jugendzentrum auf der Insel gegründet. Seit 1999 ist die Stadt Norderney Träger der Einrichtung. Wie das Stadtarchiv befindet sich das Jugendzentrum im „Haus der Begegnung“ an der Mühle. Das Jugendzentrum dient als Treffpunkt der Norderneyer Jugendlichen zwischen zwölf und 21 Jahren. Neben der Möglichkeit Freizeitaktivitäten in den Aufenthaltsräumen des Gebäudes auszuüben werden über die Einrichtung beispielsweise Fahrten zum Festland und weitere Aktivitäten angeboten.[225]

Grundschulgebäude

Auf Norderney bestand bereits im Jahr 1704 die erste Schule, in der der Inselpastor die Schüler unterrichtete.[226] Die heutige Grundschule ist mit den Klassen 1 bis 4 im Centralschulgebäude (im Jahr 1900 als Volksschule erbaut) untergebracht. Die weiterführende Kooperative Gesamtschule (KGS) mit den Klassen 5 bis 10 wurde ab dem 1. Mai 1952 in einem Gebäude der ehemaligen Kasernensiedlung der Wehrmacht in unmittelbarer Nähe der Inselmühle eingerichtet. Sie bietet die Sekundarstufe I mit einem Haupt-, einem Realschul- und einem Gymnasialzweig auch mit Ganztagsbetreuung an.[227][228] In beiden Norderneyer Schulen werden über 200 Schüler unterrichtet (Stand 2008). Um das Abitur zu erlangen, steht den Schülern nach der 10. Klasse das Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Esens[229], das Ulrichsgymnasium in Norden oder die Berufsbildenden Schulen Norden (Conerus-Schule) mit einem Fachgymnasium für Wirtschaft sowie einem Fachgymnasium Gesundheit und Soziales zur Verfügung.[230] Seit 1969 existiert der Förderkreis Norderneyer Schulen e.V., ein gemeinnütziger Verein, der unter anderem bedürftigen Familien finanzielle Mittel zur Beschaffung von Lernmitteln und Schulbüchern zur Verfügung stellt.[231] Der Förderkreis gibt seit 1981 jährlich das Schuljahrbuch heraus.

Verkehr
Linienfährverbindung
Auto- und Personenfähre Frisia VI der AG Reederei Norden-Frisia
Haus Schiffahrt
Neuer Terminal der Reederei am Hafen
Siehe auch: Liste der Norderneyer Fährschiffe

Vom Hafen Norddeich Mole ist die Insel mit den fünf eingesetzten Frisia-Autofähren der Reederei Norden-Frisia im Linienverkehr tidenunabhängig in knapp 50 Minuten zu erreichen. Die Reederei Norden-Frisia wurde im Jahr 1917 nach Fusion der Dampfschiffsreederei Norden und der Neuen Dampfschiffs-Reederei Frisia zur Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia gegründet. Anders als bei der Fährverbindung zur Insel Juist kann Norderney mehrmals am Tag angesteuert werden. Der Grund dafür ist, dass die für die Schifffahrt benutzten Fahrrinnen Busetief und Hohe Plate mehrmals jährlich durch Bagger von angeschwemmten Sedimenten befreit werden. Die größtenteils durch Strömungsverhältnisse gebildete Wattfahrwasserrinne bleibt somit bei Niedrigwasser für die Schifffahrt passierbar. Der Fahrplan der Fähren wird saisonal angepasst und ist an den Fahrplan der Bahn vor allem für den Verkehr auf der Bahnstrecke Rheine–Norddeich Mole in und von Richtung Münster/Ruhrgebiet gebunden. In den Sommermonaten gibt es einen Fahrplan mit kürzeren Taktzeiten mit bis zu 14 Fahrten täglich zur Hauptreisezeit. Befördert wurden im ersten Halbjahr 2004 825.000 Personen und insgesamt 180.000 Kraftfahrzeuge[232], wonach die Verbindung Norddeich-Mole/Norderney, (nach der Vogelfluglinie, mit im Jahr 2010 rund 350.000 Lkw, 1,6 Millionen Pkw und 6,2 Millionen Passagiere), die zweitwichtigste deutsche Fährverbindung ist. Vergleichszahlen aus dem Jahr 2009 ergeben 1.976 Millionen Fahrgäste und rund 146.500 Pkw-Beförderungen.[233]

Im Haus Schiffahrt, das seit 1984 der Reederei Norden-Frisia gehört, konnten bis 2017 Ausflugsfahrten gebucht sowie mitgeführte Fahrzeuge für die Rückfahrt angemeldet werden. Das Gebäude wurde im Jahr 1896 als Gepäckabfertigungshalle der königlich preußischen Bahndirektion erbaut und ist der einzige Bahnhof Deutschlands ohne Gleisanschluss. Seit 2017 hat die Reederei ihren neuen Verwaltungssitz am Molenkopf in Betrieb genommen, welches futuristisch anmutet und optisch einer Düne nachempfunden wurde. Im neuen multifunktionalen Gebäude ist neben der Verwaltung auch die Personenabfertigung nach Norddeich untergebracht, ebenso alle weiteren Aufgaben des Hauses Schifffahrt. Das Gebäude, ausgestattet mit Restauration und einer Dachtesrasse, wurde am Hafen auf ehemaligen Freiflächen errichtet und ersetzt die alten und für das Touristenaufkommen zu klein gewordenen Wartehallen.

Die Nachbarinseln Juist, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und die am Ostende Norderneys befindliche Seehundsbank werden mit Ausflugsschiffen der Cassen-Tours angefahren. Auch die etwa 70 Kilometer (etwa 42 Seemeilen) entfernte Insel Helgoland wird angesteuert. Der Hochgeschwindigkeits-Katamaran MS Polarstern der Wilhelmshaven-Helgoland-Linie (WHL) gehörte bis zum Verkauf im November 2008 der AG Ems und fuhr unter anderem von Emden nach Helgoland über Norderney. In die Schlagzeilen geriet der Katamaran, als es am 5. August 2008 bei einer Fahrt von Helgoland nach Borkum vor Norderney bei schwerem Seegang zu einem Zwischenfall kam, bei dem das Schiff beschädigt wurde und Insassen verletzt wurden.[234] Aufgrund des enormen Energieverbrauchs und der hohen Unterhaltungs- und Beförderungskosten wurde der Katamaran verkauft.[235] Ende 2006 geschah dies auch mit dem Katamaran Cat No. 1 der Reederei Norden-Frisia, so dass es nach wie vor noch offen ist, ob es zukünftig weiterhin eine Katamaran-Verbindung von den Ostfriesischen Inseln nach Helgoland geben wird.

Individualverkehr

Borkum und Norderney sind die einzigen der Ostfriesischen Inseln, auf denen private Kraftfahrzeuge fahren dürfen. Sie sind mit einer Plakette gekennzeichnet. Im Jahr 2001 waren auf Norderney 1760 Kfz zugelassen.[236] Gäste können ihre Autos für die Dauer des Aufenthalts auf Norderney entweder auf dem Festland in dafür vorgesehenen Garagen abstellen oder sie auf die Autofähre mitnehmen und auf einem der drei öffentlichen kostenfreien Parkplätze auf der Insel parken. Der Kfz-Verkehr ist seit 1953 während der Monate April bis Oktober (im Normalfall vom Anfang der Oster- bis zum Ende der Herbstferien) und zwischen Weihnachten und Neujahr (Winterferien) saisonal bedingt stark eingeschränkt, um die Kurgäste vor Verkehrslärm zu schützen. Die Insel wird in der Saison für den Individualverkehr in drei Verkehrszonen eingeteilt. Die Zonen I und II sind der Stadtkern und der Stadtrand, die Verkehrszone III umfasst die restlichen Straßen der Insel. In die Zone I und II darf mit dem Auto nach dem Anlegen der Fähre gefahren werden, um das Gepäck auszuladen, danach muss das Fahrzeug auf einem der Stellplätze geparkt werden. In den Zonen I und II ist das Fahren mit Kraftfahrrädern nicht erlaubt, in der Zone III nur von 8 bis 20 Uhr. Bei der Abreise darf das Fahrzeug wiederum nur vom Parkplatz zur Unterkunft und von dort zum Hafen gefahren werden (Ausnahmegenehmigung von einer Stunde). In der Verkehrszone III gilt ein Tempolimit von 50 km/h sowie seit 1958 ein Nachtfahrverbot von 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.[237] Innerstädtisch, in den Zonen I und II, gilt die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.

Der komplette Ostteil der Insel (ab Parkplatz Ostheller) liegt in der Ruhezone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und darf weder mit dem Kfz noch mit dem Fahrrad befahren werden. Fußgänger dürfen die markierten Wanderpfade am Strand, in den Dünen und an der Wattseite nicht verlassen, damit die Tier- und Pflanzenwelt nicht gestört wird.

Hafen
Hauptartikel: Hafen Norderney
Siehe auch: Forschungsstelle Küste und Liste der Norderneyer Fährschiffe
Schienenverkehr

Zwischen 1915 und 1947 fuhr die normalspurige Inselbahn Norderney, die jedoch primär für die Marine verkehrte.

Öffentlicher Personennahverkehr

Norderneyer ÖPNV 
Linie 1 Hafen – Milchbar – Rosengarten
Linie 2 Hafen – Benekestraße – Marienstraße
Linie 3 Hafen – Meierei – Cornelius
Linie 4 Busbahnhof – Flugplatz – Oase
Linie 5 Busbahnhof – Weiße Düne
Linie 6 Hafen – Weiße Düne
Linie 7 Richtung Innenstadt
Südstraße – Marienstraße
Richtung Nordhelmsiedlung
Rosengarten – Krankenhaus

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist auf Norderney bedarfsgerecht ausgebaut. Neben Omnibussen stehen für die Personenbeförderung Taxis zur Verfügung. Insgesamt gibt es fünf Buslinien: Die Linien 1, 2 und 3 befördern Fahrgäste auf unterschiedlichen Routen zwischen Hafen und Stadt. Die Abfahrtszeiten der Busse am Hafen sind auf den Fahrplan des Fährverkehrs abgestimmt. Bei Bedarf werden zusätzliche Busse eingesetzt. Die Linie 4 verkehrt in den Sommermonaten stündlich zwischen dem Busbahnhof in der Stadt, dem Leuchtturm und der Oase/FKK-Strand und die Linie 5 von Mitte April bis Mitte Oktober zwischen Busbahnhof, Ostbad und Weißer Düne. Während der Sommermonate Juli und August verkehrt die Linie 6 vom Hafen in Richtung Ostbad und Weiße Düne.

Der innerstädtisch fahrende NC-Bus (NorderneyCard-Bus) befördert die Fahrgäste vom Stadtzentrum (Haltestelle Rosengarten am Kurhotel) zum Stadtteil Nordhelm und zurück. Diese Verbindung ist eine Serviceleistung der Norderneyer Stadtverwaltung, die mit gültiger elektronischer Kurkarte (NorderneyCard) im Vergleich zum normalen Fahrpreis etwas kostengünstiger ist.

Nach den Plänen der SPD-Fraktion im Stadtrat soll der Busverkehr auf der Insel langfristig ausgebaut und die vorhandenen Fahrzeuge durch abgasarme Fahrzeuge ersetzt werden.[238]

Flugverkehr
Flugplatz
Hauptartikel: Flugplatz Norderney

Norderney besitzt auf der Inselmitte in der Nähe des Leuchtturms einen gut ausgebauten Verkehrslandeplatz für die allgemeine Luftfahrt mit einer 1000 Meter langen Asphaltlandebahn. Mit Linien- und Charterflügen von Air Hamburg, FLN Frisia-Luftverkehr, Luftverkehr Friesland Harle und OLT Express werden Ziele in Schleswig-Holstein, auf den anderen ostfriesischen Inseln sowie auf dem niedersächsischen Festland erreicht.

Offshore-Windpark
Übersichtskarte des Offshore-Windparks alpha ventus in der Nordsee
Das Entsorgungsschiff Störtebeker – hier am Güterfähranleger in der Nähe des Weststrandes – übernimmt Ver- und Entsorgungsfahrten zwischen Norddeich-Mole und Norderney

Im September 2006 wurde durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) der erste Offshore-Windpark im deutschen Teil der Nordsee Gode Wind genehmigt. Die Bauherren des Projekts waren E.ON, Vattenfall und die in Oldenburg ansässige EWE AG, die bereits das Norderneyer Versorgungsnetz betreibt. Das Projekt wurde in Offshore-Windpark alpha ventus umbenannt. Derzeit werden etwa 33 Kilometer nordwestlich von Norderney weitere Windenergieanlagen der 5-MW-Klasse errichtet. Der Offshore-Windpark wird eine Nennleistung von rund 400 Megawatt erbringen. Die Einspeisung des erzeugten Stroms in das Netz am Festland geschieht über eine Kabeltrasse, die auf einer Länge von 1½ Kilometern durch die Inselmitte Norderneys führt.

Gegen die Planungen für die Kabeltrasse unter der Insel und durch das sich südlich der Insel erstreckende Watt regte sich im Vorfeld der Bauarbeiten Widerstand, da befürchtet wurde, die Verlegung des Kabels durch das Wattenmeer und die Insel beeinträchtigte die natürlichen Bodenverhältnisse.[239] Die Arbeiten wurden deshalb von Spezialisten begleitet, die die Einhaltung der hohen Umweltschutzauflagen kontrollierten. Dennoch stieß das Projekt bei Umweltschutzorganisationen wie dem BUND, Greenpeace und WWF auf Kritik.[240]

Energie- und Wasserversorgung

Ab 1914 wurde Strom vom Torfkraftwerk Wiesmoor aus per Seekabel auf die Insel geleitet und in das Stadtnetz eingespeist. Das 5-kV-Seekabel wurde im Jahr 1953 durch zwei im Wattboden verlegte Kabel mit je 20 kV ersetzt. Seitdem wird die Stromversorgung der Insel über ein Umspannwerk bei Norddeich geregelt. Die Seekabel wurden 1998 altersbedingt ausgetauscht; zusätzlich wurde ein weiteres Kabel verlegt. Das Stromnetz hat auf der Insel eine Gesamtlänge von 150 Kilometern mit 51 Umspannstationen und gehört den Stadtwerken Norderney. Auf der Insel wird eine Fläche von 10 Quadratkilometern mit Strom versorgt.[241] Als Pilotprojekt des ehemaligen Bundesministeriums für Forschung und Technik wurden 1986 am Klärwerk zwei Windenergieanlagen der Firma Enercon aufgebaut, mit denen bis 1992 die Erzeugung von Strom durch Windkraft getestet wurde.[241] In der Solarbundesliga lag Norderney 2010 bundesweit auf Platz 544 und im Landkreis Aurich auf Platz 1.[242][243]

Nachdem bereits 1888 einzelne Hoteliers auf der Insel ihre Hotels mit Strom versorgten richtete die Königliche Badeverwaltung 1889 ein Kraftwerk ein, um die Kurhausbetriebe und die Strandpromenade mit gasbetriebenen Leuchten zu versehen. Seit 1966 ist die Insel über zwei Gaspipelines, die durch das Wattenmeer verlegt wurden, vom Festland aus an das Gasnetz angeschlossen. Die Länge des Gasnetzes auf der Insel beträgt 81 Kilometer mit über 1980 Hausanschlüssen.[244]

Die autarke Wasserversorgung der Insel Norderney wurde ab 1884 durch den preußischen Regierungsrat in Auftrag gegeben. Als Grundlage dienten die Erkenntnisse aus dem Entwässerungs- und Wasserversorgungs-Project im Inseldorfe Norderney zwischen 1885 und 1887.[245] Im Jahr 1888 wurden der erste Brunnen errichtet, der das in der Süßwasserlinse im Sediment der Insel befindliche Wasser fördert. Zusätzlich wurde das erste Kanalisationsnetz nach dem Vorbild der Danziger Kanalisation gebaut und eine zentrale Trinkwasserversorgung geschaffen. Das Kanalnetz zur „Entwässerung und Wasserversorgung im Inseldorfe Norderney“ war 1889 zehn Kilometer lang. Heutzutage erfolgt die Wassergewinnung über die beiden Wasserwerke Ort und Weiße Düne, in denen das aus 30 Brunnen geförderte Wasser aufbereitet wird. Der Wasserturm dient mit seinem 500.000 Liter fassenden Wasservorratsbehälter als Gegendruckanlage für das Wasserversorgungsnetz. Die Süßwasserlinse hat ein Fassungsvermögen von 33 Millionen Kubikmetern.[245] Die Entnahmemenge beträgt jährlich etwa 900.000 Kubikmeter.[246]

1989 wurde auf Norderney ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk in der Nähe des Weststrands errichtet, um Belastungsspitzen im Stromverbrauch vorzubeugen. Mit ihm werden das Schwimmbad und sonstige Einrichtungen der Stadt beheizt, unter anderem das Conversationshaus und Gebäude der Stadtverwaltung. Neben dem Blockheizkraftwerk werden drei Heizzentralen für die Nahwärmeversorgung betrieben, die öffentliche Gebäude, und die Wohnungen der Norderneyer Wohnungsgesellschaft (WGN) mit Wärme sowohl für die Heizung als auch zur Warmwasserbereitung versorgen. Daneben gibt es noch andere Bereiche im Stadtgebiet, die mit Nahwärme versorgt werden. In erster Linie handelt es sich um städtische Gebäude, wie das Krankenhaus, die Schule, das Altersheim und Gebäude der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Als Pilotprojekt wurde 2007 eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach des städtischen Bauhofes am Gorch-Fock-Weg installiert, die an das Nahwärmenetz der Insel angeschlossen ist.[247]

In der Telekommunikation wurden auf Norderney alle Elemente moderner Kommunikationstechnik eingerichtet. Ein durch das Wattenmeer verlegtes Telefonkabel aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde 1983 von der Bundespost gegen ein Breitbandkabel ausgetauscht, das digitale Übertragungen für Telefon (ISDN) und Internet (DSL) ermöglicht. Daneben wird Kabelfernsehen eingespeist, sowie seit dem 22. Mai 2006 das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm über DVB-T vom Grundnetzsender Ostfriesland in Aurich-Popens.[248]

Norderney glühlampenfrei

Vom 27. April 2009 bis zum Jahresende 2009 lief auf Norderney ein Pilotprojekt unter der Leitung der Wirtschaftsbetriebe Norderney und der Firma Philips Lighting, wonach Norderney zur glühlampenfreien Insel und zum ersten Ort Deutschlands, der dies umsetzt, werden sollte.[249] Die Haushalte sollten nur noch mit Energiesparlampen als Leuchtmittel beleuchtet werden. Das Projekt war von vornherein bis zum Jahresende 2009 angesetzt. Den Status zeigte eine durch den aus Hamburg stammenden Lichtkünstler Michael Batz am Wasserturm installierte LED-Beleuchtung an. Während der Wasserturm zu Beginn des Projekts ausschließlich grün beleuchtet wurde, sollte, wenn mindestens 80 %[250] der Haushalte auf Energiesparlampen gewechselt haben, die Beleuchtung zum Abschluss auf blau, der Farbe der Insel, umgestellt werden. Ausgediente Leuchtmittel konnten im Conversationshaus abgegeben werden, die in einer ebenfalls illuminierten Plexiglassäule[251] bis zum Abschluss des Projekts aufbewahrt wurden. Die Resonanz verlief jedoch bis zum Jahresende schleppend, so waren es im September lediglich 105[252] und im Dezember 150[253] der 2000 Norderneyer Haushalte, die auf Energie-sparende Beleuchtung umgestellt hatten.

Entsorgung

Da auf der Insel keine Möglichkeit besteht eine große Mülldeponie einzurichten, wird der auf der Insel anfallende Abfall seit 1984 über eine dafür eingerichtete Umschlagstation am Hafen mit den Schiffen Frisia VII, Frisia VIII und seit 1991 mit dem Inselentsorgungsschiff Störtebeker zum Festland transportiert und dort getrennt oder verbrannt. Die bis zum Jahr 1989 genutzte Müll-Abladefläche am östlichen Stadtrand wurde im Jahr 2006 renaturiert und ist seitdem Bestandteil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Dennoch existiert noch ein über 20 m hoher Deponieberg am Südstrandpolder. Dort werden nutzbare Werkstoffe zwischengelagert. So wird zum Beispiel der auf der Insel anfallende Grünschnitt kompostiert und dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

An das Recycling- und Zwischenlager ist die biologische Kläranlage der Stadt Norderney angeschlossen. Die auf der Kläranlage errichtete Lysimeteranlage ist Bestandteil eines durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojektes.

Im Jahr 1991 wurde am südwestlichen Teil des Südstrandpolders eine Vererdungsanlage, als eine der ersten dieser Art in Deutschland errichtet. Jedes Jahr werden in der Norderneyer Kläranlage 900.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt. Dabei fallen 25.000 Kubikmeter Klärschlamm an. Dieser Klärschlamm wird durch mehrere Verfahren in neun wasserdicht gebauten Schilfbeeten entwässert, wodurch er vererdet. Das dabei entstehende Abwasser wird über eine Drainage unter den Beeten wieder zur Kläranlage zurück geleitet. Während das im Schilf gebundene Wasser verdunstet werden Kleinstlebewesen mit Sauerstoff versorgt, die den übrig gebliebenen Klärschlamm biologisch umbauen und reduzieren. Die in der Pilotanlage auf der Insel gewonnenen Erfahrungen in der Klärschlammvererdung wurden inzwischen erfolgreich auf Anlagen im gesamten Bundesgebiet übertragen.

Auf kommunaler Ebene übernehmen die Technischen Dienste Norderney (TDN) als Eigenbetrieb der Stadt Norderney Reinigungs-, Garten- und Instandsetzungs-Arbeiten.[254]

Messstationen

Auf Norderney befindet sich eine von rund 1800 Messstellen des Radioaktivitätsmessnetzes des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).[255] Die Messstation misst die Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) am Messort und sendet die Daten an das Messnetz. Die über 24 Stunden gemittelten Daten können direkt im Internet abgerufen werden.[256]

In der Straße Am Wasserwerk II befindet sich die Station Ostfriesische Inseln (Kennung NYNO) des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN). Die Station ist eine von 25 Messstationen in Niedersachsen und misst neben meteorologischen Daten Feinstaub, Ozon sowie Stickoxide in der Luft. Die Messwerte werden stündlich automatisch gemessen und an die Messnetz-Zentrale in Hannover gesendet. Nach der Datenaufbereitung stehen sie im Internet zur Verfügung.[257]

Der Deutsche Wetterdienst unterhält auf Norderney eine Wetterstation mit der Stations-Kennziffer 10113. Die Station
liegt bei 53° 42′ N, 07° 09′ O und liefert seit 1947 frei verfügbare Daten zur Wetter- und Klima-Beobachtung.[258]

Medien
Zeitungen
1910 im Jugendstil erbautes Ehemaliges Verlagshaus der Soltauschen Buchdruckerei[153]

Alle Printmedien werden morgens mit der ersten Fähre von Norddeich Mole auf die Insel gebracht. Die Norderneyer Badezeitung, die von Montag bis Samstag täglich erscheint, wurde von 1922 bis zum 11. Februar 2004 auf der Insel in der Soltauschen Buchdruckerei mit einer Rotationsdruckmaschine der Firma MAN gedruckt. Die neun Tonnen schwere Maschine wurde an das Gutenberg-Museum in Mainz übergeben und druckt dort einmal wöchentlich die Museumszeitung. Seit August 2004 wird die kleinste selbstständige Tageszeitung Deutschlands auf dem Festland in der Druckerei Otto G. Soltau in Norden gedruckt.[259] Die Norderneyer Badezeitung erschien erstmals 1868 als Norderneyer Bade – Zeitung und Anzeiger und ist somit eine der am längsten erscheinenden Zeitungen in Deutschland und eine der kleinsten täglich erscheinenden mit einer Auflagenzahl von 1767 Exemplaren im 3. Quartal 2008.[260] Am 15. Oktober 2008 wurden die Verlagsrechte der Zeitung an die Zeitungsgruppe Ostfriesland mit Sitz in Leer verkauft. Damit endete nach 140 Jahren die Eigenständigkeit der Norderneyer Badezeitung.[261] Die Badezeitung erschien am 7. November 2009 zum ersten Mal nach 141 Jahren mit farbigen Fotos.[262]

Der Verlag Fischpresse gibt seit dem 29. Oktober 2005 die einmal im Monat erscheinende Norderneyer Rundschau als Online-Ausgabe und seit dem 1. November 2008 den kostenlos ausliegenden täglichen Norderneyer Morgen aus. Die Startauflage betrug täglich 2500 Exemplare. Diese Auflage wurde aufgrund der saisonalen Einschränkungen im Winter im Dezember 2008 auf 2200 Exemplare reduziert. Im Sommer 2010 waren es in der Spitze 4000 Exemplare täglich. Das Tagesblatt informiert über Neuigkeiten aus städtischer Politik, Sport, Gesellschaft und Kultur. Gedruckt wird es in der hauseigenen Druckerei und ist damit nach dem Verkauf der Verlagsrechte der Norderneyer Badezeitung das letzte täglich erscheinende Presseerzeugnis das vollständig auf der Insel hergestellt wird.[263]

Seit dem 9. Januar 2009 gibt der Verlag Soltau Kurier in Norden, neben dem Ostfriesischen Kurier den freitags erscheinenden Norderney Kurier heraus, der sich ausschließlich mit dem Geschehen auf der Insel befasst.

Hörfunk

Auf Norderney gab es den SturmWellenSender Radio SWS, der ab August 1986 zunächst als Piratensender seinen Sendebetrieb aufnahm. Dabei wurden täglich mehrere Stunden Musik gesendet. Seit Pfingsten 1994 besaß der Sender eine offizielle Sendegenehmigung für die Sommersaison und sendete von 2003 bis zum 30. April 2015 rund um die Uhr aus dem einzigen Strandstudio Deutschlands direkt an der Promenade am Nordstrand. Im Jahr 2006 wurde ein altes Bootshaus am Hafen erworben und zu einem Medienhaus umgestaltet. Dort waren die Redaktion des Radiosenders und ein modernes Sendestudio untergebracht. Der Sender finanzierte sein Programm durch lokale und überregionale Werbung, Spendengelder und durch Einnahmen bei Veranstaltungen. Der Sender erhielt für die Übertragungen der Norderneyer Rats- und Ausschusssitzungen eine Sondersendelizenz und übertrug diese auch außerhalb des Saisonsendebetriebes. Radio SWS war ein Privatsender, der auf den Frequenzen 101,3 MHz im Kabel oder auf 104,0 MHz terrestrisch sowie als Live-Stream über das Internet zu hören war. Der Radiosender unterstand der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) und betrieb den genehmigungspflichtigen Veranstaltungsrundfunk zu besonderen Anlässen (zum Beispiel während des white-sands-festival an Pfingsten). In der Hauptsaison von Mai bis Oktober hatte der Sender durchschnittlich 3500 bis 9000 Zuhörer.[264]

Seit dem 30. April 2015 wird mit Radio Nordseewelle privates Hörfunkprogramm aus der Stadt Norden für die ostfriesische Küste ausgestrahlt. Der Sender ist unter der alten Frequenz 104,0 MHz auf Norderney und über Live-Stream weltweit zu hören.[265] Auf Norderney ist weiterhin das Außenstudio im Hafen eingerichtet.[266][267]

Fernsehen

Norderney diente unter anderem in der zweiten Folge der TV-Krimiserie Pfarrer Braun mit dem Titel Das Skelett in den Dünen als Drehort. Allerdings wird die Insel dort mit Nordersand bezeichnet. Ebenfalls wurden Teile der dritten Folge der Fernsehreihe Friesland, Klootschießen, auf der Insel gedreht, allerdings spielt die Handlung im Kreis Leer. Des Weiteren strahlt der Norddeutsche Rundfunk mehrmals im Jahr Sendungen aus, die die Insel zum Thema haben, so zum Beispiel Inselgeschichten, Nordtour, Inas Norden und Bilderbuch Deutschland. Das Reisemagazin Wunderschön! des WDR wurde am 10. Juli 2011 ausgestrahlt. Der Roman „Urlaub mit Papa“, der auf Norderney spielt, wurde vom ZDF auf Sylt verfilmt, was zu Kontroversen auf beiden Inseln führte. In der NDR-Dokumentation Rettet die Glühbirne: Vom Unsinn der Energiesparlampe wurde die Entsorgungsproblematik des durch die Europäische Union verordneten Wechsels hin zur Energiesparlampe im Zuge des Projekts Norderney Glühbirnenfrei thematisiert.[268]

Persönlichkeiten
Hauptartikel: Liste Norderneyer Persönlichkeiten
Gebürtiger Norderneyer: Poppe Folkerts

Einige der auf Norderney geborenen Personen haben nationale und internationale Bekanntheit erlangt. Zu erwähnen sind die SPD-Politikerin Elvira Drobinski-Weiß und der mehrfache Deutsche Meister im Windsurfen Bernd Flessner.

Personen, die auf Norderney nachhaltig gewirkt haben, waren der Bürgermeister Jann Berghaus, der nach dem Ersten Weltkrieg einen Weg fand, die der ausbleibenden Kurgäste halber kümmerliche finanzielle Situation der Stadt mit Hilfe von Fördergeldern zu beseitigen; auf Grund seiner Verdienste um die Stadt Norderney wurde der langjährige Bürgermeister Remmer Harms zum bislang einzigen Ehrenbürger der Stadt ernannt; als bildende Künstler sind der gebürtige Norderneyer Poppe Folkerts, der Bildhauer Wilhelm Krieger und der aus Wedel stammende Kunstmaler Ole West zu nennen, der fast zweieinhalb Jahrzehnte lang auf Norderney gelebt hat[269] und dessen Besonderheit maritime Gemälde mit einer Seekarte als Hintergrund sind.

Literatur
Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5. 
Ingeborg Pauluhn: Zur Geschichte der Juden auf Norderney. Von der Akzeptanz zur Desintegration. Igel-Verlag Michael Schardt, Oldenburg 2003, ISBN 3-89621-176-5. 
Jürgen Friese, Bernd Röben: DAWA Sonderband 6: Die Festung Norderney im Zweiten Weltkrieg. Harry-Lippmann-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-931032-35-7. 
Michael Fleischer: Berühmte Gäste Norderneys. Eigenverlag, Norderney 2008. 
Christiane Winter: Architektur Highlights auf Norderney. Book Print Verlag, Goch 2009, ISBN 978-3-940754-47-9. 
Jann Saathoff: Norderney. Band 1 – Die bauliche Entwicklung der Insel Nordsee-Insel. Soltau-Kurier-Norden, Norden 2010, ISBN 978-3-939870-82-1. 
Weitere Literatur in der Google-Buchsuche

Bildbände

Manfred Bätje: Norderney – wie es früher war. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2002, ISBN 3-8313-1269-9. 
Heinz Busching, Martin Stromann: Norderney – Panorama einer Nordsee-Insel. Soltau-Kurier-Norden, Norden 2004, ISBN 3-928327-67-4. 
Manfred Bätje, Ottmar Heinze: Norderney. Eine Bildreise. Seebad mit Tradition. Ellert & Richter, Hamburg 2004, ISBN 3-8319-0147-3. 
Manfred Bätje, Paul Schild: Norderney – Fotografien von gestern und heute. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2005, ISBN 3-8313-1443-8. 
Karl-Heinz Stuhr: Norderney. Ein historischer Streifzug. Sutton-Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-836-2. 
Rainer Strzolka, Susanne Engelmann-Strzolka: Die Norderney-Tagebücher. 234 Photographien aus einer anderen Welt. epubli, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-3782-5. 
Historische Literatur
Carl Mühry: Über das Seebaden und das Norderneyer Seebad. Hahn, Hannover 1836, DNB 362280843 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 2. Februar 2010]). 
Friedrich Wilhelm von Halem: Die Insel Norderney und ihr Seebad. Hahn, Hannover 1822 (Volltext in der Google-Buchsuche). 
Herman Lohausen „Heinrich Heine auf Norderney – seine Nordsee-Gedichte, sein Denkmal von Arno Breker“. Kalkumer Verlag 1983, Düsseldorf. ISBN 3-9800555-1-5. Vorzugsausgabe: Marco-Edition Bonn-Berlin 1984.
Weblinks
 Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google
 Commons: Norderney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Norderney – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Norderney – Reiseführer
Linkkatalog zum Thema Norderney bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Offizielle Webseite der Stadtverwaltung Norderney. Stadtverwaltung Norderney. Abgerufen am 7. Mai 2009.
Chronik der Insel Norderney. Hans-Helmut Barty. Abgerufen am 7. Mai 2009.
Gezeitenvorausberechnung für Norderney, Riffgat. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Abgerufen am 7. Mai 2009.
Messtischblatt (TK 25) von 1939. Institut für Geographie und Geologie, Universität Greifswald. 30. Mai 2011. Abgerufen am 7. Dezember 2012.
Karte Norderneys zentriert mit den Daten des Zensus 2011 zur Auswahl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Abgerufen am 8. Juni 2013.