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Geschichte

Durch archäologische Funde konnte belegt werden, dass die Osthofener Gemarkung am Seebach schon mindestens vor vier Jahrtausenden besiedelt war. Der Ort wurde im Lorscher Codex in einer auf 1. Juli 784 datierten Urkunde als Ostowa erstmals erwähnt.[4] Damals schenkte Graf Gerold von Anglachgau mit seiner Frau Imma Besitz in verschiedenen Gauen an das Kloster Lorsch, darunter in Osthofen Hofreiten, Felder, Wege und Stege, Weinberge und Leibeigene.

Vermutlich handelt es sich bei Osthofen um eine vom heute eingemeindeten Mühlheim bzw. von der einstigen merowingischen Königspfalz in Neuhausen ausgehende Gründung.

Auf dem Osthofener Goldberg wurde möglicherweise schon im 6. Jahrhundert eine Remigiuskapelle errichtet. Hier befand sich der erste größere Gutshof, der sich bis 1195 zur kaiserlichen Burg entwickelte. In Mühlheim erbaute 1215 der Templerorden ebenfalls eine Burg. Es entstand auch das frühe Nonnenkloster Mühlheim.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Osthofen zum kurpfälzischen Oberamt Alzey. Während der Franzosenzeit war der Ort Sitz einer Mairie im Kanton Bechtheim, der Teil des Departements Donnersberg war.

Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und einem 1816 zwischen Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region zum Großherzogtum Hessen und wurde von diesem der Provinz Rheinhessen zugeordnet. Die Kantone wurden beibehalten, der Kanton Bechtheim jedoch 1822 in Kanton Osthofen umbenannt, nachdem der Sitz des Friedensgerichts bereits 1804, also schon in der französischen Zeit, faktisch nach Osthofen verlegt worden war.[5] Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam Osthofen 1835 zum neu errichteten Kreis Worms, dem es bis zur Verwaltungsreform 1969 angehörte.

Von März 1933 bis Juli 1934 befand sich ein Konzentrationslager in Osthofen, das KZ Osthofen, Schauplatz von Anna Seghers‘ Roman Das siebte Kreuz. Im Gegensatz zur Romanhandlung sind im KZ Osthofen allerdings keine Menschen ermordet worden.

Im Durchgangslager Osthofen wurden von 1946 bis Anfang 1953 rund 215.000 Flüchtlinge durchgeschleust. Danach suchten sie sich in Rheinland-Pfalz eine neue Lebensgrundlage.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Osthofen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[1][3]

Mit aktuell 9.009 Einwohnern zählt Osthofen zu den größten Gemeinden Rheinhessens.

Jahr Einwohner
1815 1.240
1835 3.318
1871 2.879
1905 3.924
1939 4.743
1950 5.510
Jahr Einwohner
1961 5.732
1970 6.732
1987 7.033
1997 8.430
2005 8.455
2015 9.009

Politik
Stadtrat

Stadtratswahl 2014
Wahlbeteiligung: 50.0 % (2009: 46.2 %)
Gewichtetes Ergebnis

 %50403020100

35,8 %
(-11,3 %p)25,2 %
(-2,2 %p)4,0 %
(+0,2 %p)13,3 %
(-8,5 %p)21,7 %
(n. k.)

SPDCDUÖDPFWGBVW

20092014

Der Stadtrat in Osthofen besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[6]

Wahl SPD CDU ÖDP FWG BVW Gesamt
2014 9 6 1 3 5 24 Sitze
2009 11 7 1 5 24 Sitze
2004 11 8 5 24 Sitze

FWG = Freie Wählergruppe der Stadt Osthofen
BVW = Bürgerverein Wonnegau e.V.
Bürgermeister
Wendelin Best (1822–1831)
Johann Weißheimer II. (1831–1843)
Georg Friedrich Knierim I. (1843–1850)
Peter Berger (1851–1853)
Friedrich Knierim I. (1853–1862)
Nikolaus Nagel (1862–1864)
Georg Friedrich Best II. (1864–1867)
Jakob Beckenbach (1867–1870)
Johann Rißler III. (1870–1883)
Simon Friedrich Schill (1883–1892)
Johann Rißler III. (1892–1897)
Georg Jakob Konrad (1897–1912)
Wilhelm Schmitt (1912–1923)
Carl Brenner (1924–1933)
Wilhelm Fuhrländer (1933–1935)
Kurt Mildner (1935–1944)
Heinrich Hundsdorf (1944–1945) (kommissarisch)
Heinrich Rhein (1945–1946)
Ludwig Knobloch (1946–1948)
Walter Aßmann (1948–1956)
Albert Fischer (1956–1972)
Günter Metzler (1973–1987)
Klaus Hagemann (SPD) (1987–1994)
Bernd Müller (SPD) (1994–2012) (hauptamtlicher Bürgermeister)
Wolfgang Itzerodt (SPD) (2013–2014) (ehrenamtlicher Stadtbürgermeister)
Thomas Goller (SPD) (seit 2014) (ehrenamtlicher Stadtbürgermeister)

Thomas Goller (SPD) wurde am 8. Juni 2014 (Stichwahl) bei einer Wahlbeteiligung von 36 Prozent mit 53,95 Prozent der gültigen Stimmen zum ehrenamtlichen Stadtbürgermeister gewählt.[7]

Fusion

Die bisher verbandsfreie Stadt Osthofen fusionierte am 1. Juli 2014 mit der Verbandsgemeinde Westhofen zur neuen Verbandsgemeinde Wonnegau. Die Verbandsgemeinde hat ihren Sitz in Osthofen. Einige Fachbereiche verbleiben in Westhofen.

Wappen

Blasonierung: „In Schwarz ein rotbewehrter, -gezungter und -gekrönter goldener Löwe, begleitet von einer ungebildeten goldenen Sonne im rechten Obereck und drei sechstrahligen goldenen Sternen an der rechten Flanke.“

Begründung: Der Löwe erinnert an die Zugehörigkeit der Stadt zur Kurpfalz, die aufgehende Sonne im „Osten“ symbolisiert den Ortsnamen Osthofen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Osthofen
Bauwerke
Die evangelische Bergkirche geht vermutlich auf eine aus dem 6. Jahrhundert stammende Remigiuskapelle zurück, neben der sich ein im Lauf der Geschichte zur Burg befestigter Gutshof ansiedelte. Die heutige Bergkirche ging aus Burg und Kapelle hervor, wobei der Kirchturm vermutlich auf den Fundamenten des Bergfrieds steht. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut und erhielt ihre heutige Gestalt nach einem Brand im 19. Jahrhundert. Der Bergfriedhof wird seit 1648 durchgehend belegt.
Die katholische Remigiuskirche hat ihren Ursprung in einer Kapelle des Templerordens, die später vom Johanniterorden übernommen wurde, ging 1713 an die kath. Kirchengemeinde über, die das Gebäude 1792 entscheidend umbaute. Der Altar der Kirche befand sich ursprünglich in der Wormser Karmeliterkirche.
Das zukünftige Rathaus der Verbandsgemeinde Wonnegau am Schneller wurde 1902 als Finanzamt im Stil der Neurenaissance erbaut.
Das Alte Rathaus stammt aus dem Jahr 1739 und diente bis 1972 als Rathaus von Osthofen. Danach zog die Verwaltung in das alte Finanzamt am Schneller um.
Die Miniaturburg Leckzapfen wurde im 1891 in Anmutung an Schloss Lichtenstein erbaut. Das Gebäude steht über der Weinlage „Leckzapfen“, oberhalb der Altstadt von Osthofen.
In der so genannten Kleinen Kirche, die direkt an das Alte Rathaus anschließt, gingen Bauteile des ersten Rathauses von 1581 auf.
Das 1933/34 von den Nationalsozialisten betriebene KZ Osthofen ist heute eine Gedenkstätte. Das Bauwerk wurde von der deutschen Schriftstellerin Anna Seghers in ihrem Roman Das siebte Kreuz verewigt, das auch mit dem amerikanischen Schauspieler Spencer Tracy in der Hauptrolle verfilmt wurde.
Der jüdische Friedhof an der Mettenheimer Chaussee wurde 1832 angelegt und erinnert an die jüdische Gemeinde des Ortes.
Der Schill-Turm ist ein Anfang der 1960er Jahre erbautes Malzsilo mit einer heute nicht mehr zugänglichen Aussichtsplattform. Ähnlich wie der fast zeitgleich ebenfalls als Malzsilo erbaute Henninger-Turm in Frankfurt, ist das Gebäude inzwischen zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt geworden.

Bergkirche

Altes Rathaus

Miniaturburg Leckzapfen

Gedenkstätte KZ Osthofen

Sitz der Verbandsgemeinde Wonnegau

Schill-Turm

Regelmäßige Veranstaltungen
Wonnegauer Winzerfest

Von 1949 bis 2013 fand in Osthofen das jährliche Wonnegauer Winzerfest statt. Zu den Höhepunkten der mehrtägigen Veranstaltung zählte die Krönung der Wonnegauer Weinkönigin und des Prinz Schampus, sowie die traditionelle Montagsweinprobe. Künftig soll ein Stadtfest, an dem sich auch die örtlichen Vereine beteiligen, das Winzerfest ersetzen.[8]

Wonnegauer Weinmajestäten

Amtszeit Weinkönigin Weinprinzessin Prinz Schampus
2013/2014 Marie-Christin Strauch Patrick Seiler
2012/2013 Wibke Ahl Rika Unkelbach und Franziska Kromm
2011/2012 [9] Benjamin Gumbel
2010/2011 Mona Hartmann Benjamin Gumbel
2009/2010 Anja Bartmann David Knierim
2008/2009 Anja Bartmann David Knierim

Wirtschaft und Infrastruktur
Öffentliche Einrichtungen
Die Wonnegau-Halle

Den Vereinen und Schulen Osthofens und der Umgebung steht die Turnhalle Wonnegau-Halle zur Verfügung. Die Halle wird außerdem auch mit dem angrenzenden Platz für Großveranstaltungen genutzt.

Weinbau

Osthofen gehört zum „Weinbaubereich Wonnegau“ im Anbaugebiet Rheinhessen. In der Stadt sind 35 Weinbaubetriebe tätig, die bestockte Rebfläche beträgt 465 Hektar. Etwa 68 % des angebauten Weins sind Weißweinrebsorten (Stand 2007). Im Jahre 1979 waren noch 116 Betriebe tätig, die damalige Rebfläche betrug 429 Hektar.[3]

Unternehmen
Osthofen ist seit der Gründung im Jahr 1859 Sitz der Hauptverwaltung der Mälzereigruppe Schill Malz. Die Produktion am Standort Osthofen wurde Ende 2005 eingestellt.
In Osthofen produziert die Firma Nestlé HealthCare Nutrition spezielle Trink- und Aufbaunahrung für Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen. Das Werk ist aus dem deutschen Stammsitz der schweizerischen Wander AG hervorgegangen, dessen Gründer, Dr. Georg Wander, 1841 in Osthofen geboren wurde.
Verkehr
Regionalbahn mit Triebwagen der DB-Baureihe 628 im Osthofener Bahnhof auf dem Weg nach Mannheim über die Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen
Ortsausfahrt von Osthofen zur Bundesstraße 9

Osthofen verfügt über einen Bahnhof der Kategorie 4[10] an der Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen. Es halten im 30/60-Minuten-Takt Züge der RB 44 nach Mainz und Mannheim-Friedrichsfeld. Die Fahrtzeit zum Mainzer Hauptbahnhof beträgt rund 40 Minuten, der Mannheimer Hauptbahnhof ist in rund 45 Minuten erreichbar. Früher gab es auch noch Anschlüsse an die Strecken Osthofen–Rheindürkheim–Guntersblum (heute noch Güterverkehr bis Worms-Rheindürkheim), Osthofen–Westhofen und an die Bahnstrecke Osthofen–Gau Odernheim. Die Bahnstrecken Osthofen–Westhofen und Osthofen–Gau Odernheim wurden 1958 bzw. 1992 stillgelegt und demontiert.

In der Nähe befindet sich auch ein Autobahnanschluss zur A 61 sowie in Richtung Rhein zur Bundesstraße 9.

Personen
Söhne und Töchter der Stadt
Margarete von Osthofen († 19. Juli 1418), Ehefrau des Ritters Hamman von Sickingen, Großmutter von Reinhard I. von Sickingen Fürstbischof in Worms (1445–1482)
Georg Helwich (* 21. Juli 1588 in Osthofen; † 1632 in Mainz); Domvikar und früher Historiker des Erzbistums Mainz
Friedrich Magnus Schwerd (* 8. März 1792 in Osthofen; † 22. April 1871 in Speyer), Gymnasiallehrer, Geodät, Astronom und Physiker
Johann Weißheimer II. (* 25. Oktober 1797; † 1883 in Osthofen), Gutsbesitzer, Bürgermeister und Chronist von Osthofen, Förderer des Komponisten Richard Wagner
Friedrich August von Pauli (* 6. Mai 1802 in Osthofen; † 26. Juni 1883 in Bad Kissingen), Oberbaudirektor und Pionier des Eisenbahnbrückenbaus, Erfinder des Fischbauchträgers (nach seinem Erfinder auch Pauli-Träger genannt)
Wendelin Weißheimer (* 26. Februar 1838; † 10. Juni 1910 in Nürnberg), Komponist, Kapellmeister, Musikschriftsteller, Vertrauter des Komponisten Richard Wagner
Georg Wander (* 11. August 1841 in Osthofen; 14. März 1897 in Bern), auf ihn geht die Ovomaltine-Produktion der Wander AG in Osthofen zurück.
Dietrich Gruen (* 22. Februar 1847 in Osthofen; † 10. April 1911 auf See bei Italien), Uhrmacher, Gründer und Inhaber der Gruen Watch Company, Pionier in der Herstellung von Taschen- und Armbanduhren[11]
Adam Schreiber (* 26. Juli 1849 in Osthofen; † 15. Dezember 1926 Worms), Apostolischer Protonotar, 1. Rektor der Päpstlichen Basilika und Propst am Dom zu Worms.
Franz Best (* 12. Oktober 1853; † 16. Oktober 1939): hessischer liberaler Landtagsabgeordneter
Carl Schill (* 5. November 1862 in Osthofen; † 22. Oktober 1944 ebenda), Unternehmer, Kommerzienrat und rheinhessischer „Turnvater“
Karl d’Angelo (* 9. September 1890 in Osthofen; † 20. März 1945 wahrscheinlich in Gernsheim): Leiter des KZ Osthofen, Schutzhaftlagerführer des KZ Dachau, Polizeidirektor in Cuxhaven und Heilbronn
Heinrich Worster (* 27. November 1909 in Osthofen; † 4. Oktober 1963 ebenda), SS-Hauptsturmführer und Leiter der Standortverwaltung im KZ Dachau und Majdanek
Christian Filips (* 22. November 1981 in Osthofen), deutscher Lyriker, Dramaturg und Essayist
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Georg Baselitz (* 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz, heute ein Ortsteil von Kamenz in der sächsischen Oberlausitz; eigentlicher Name Hans-Georg Kern), bedeutender zeitgenössischer deutscher Maler und Bildhauer, wohnhaft in Osthofen 1966 bis 1975[12]
Klaus Hagemann (* 31. Dezember 1947 in Wölkau, Landkreis Merseburg), deutscher Politiker (SPD), ehem. Bürgermeister von Osthofen und von 1994 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages
Karl Platt (* 14. März 1978), deutscher Mountainbike-Profi[13]
Literatur
Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 378–381.
Brigitte Kazenwadel-Drews: Osthofen – Ein Rundgang durch die Geschichte. Heidelberg 2006. 
Klaus Hagemann: Osthofener Bilderbogen – Ein Spaziergang durch die Weinstadt. Hamm am Rhein 1995.
Literatur über Osthofen in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
Weblinks
Stadt Osthofen
Linkkatalog zum Thema Osthofen bei curlie.org (ehemals DMOZ)