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Geschichte
Übersicht über die politische Ereignisgeschichte
Karte der Republik Baden

Vor der römischen Eroberung im ersten nachchristlichen Jahrhundert lag das Gebiet des heutigen Pforzheim im Gebiet der Kelten. Direkte Spuren der Kelten finden sich aus der Zeit 500 bis 300 vor Christus. Die römische Epoche dauerte bis ins 3. Jahrhundert, in dieser Zeit wurde an der Enz für die Römerstraße Straßburg-Cannstatt eine Furt eingerichtet. Die daher entstehende Siedlung wurde Portus genannt.

Um 259/260 überwanden alemannische Bevölkerungsgruppen den Limes. Um 500 wurde Alemannien dem Frankenreich eingegliedert. Die Nordgrenze Alemanniens wurde dabei weit nach Süden verschoben; lag sie zuvor nahe am Main, verlief sie nun weit südlich von Pforzheim, in der Nähe von Calw. Eventuell im 11. Jahrhundert war Pforzheim Teil salischer Territorien und ging von den Saliern an die Staufer über.

Per Heirat kam Pforzheim 1195 an die Welfen und wenige Jahre später, 1220–1227, wiederum per Heirat, von den Welfen an die von Baden. Der Stadtwerdungsprozess begann möglicherweise bereits in staufischer Zeit und dauerte bis ins 14. Jahrhundert an. 1344 ging das Eigentum an der Pfarrkirche (schloss sowohl St. Martin als auch St. Michael mit ein) vom Kloster Hirsau an das Kloster Lichtenthal über. Zwischen 1462 und 1750 war Pforzheim lediglich als Lehen des Kurfürstentums Pfalz bei Baden. Eine Ordnung des badischen Markgrafen Christoph I. brachte der Stadt 1486 den Verlust der politischen Autonomie.

Nach der Teilung Badens gehörte Pforzheim von 1515/1535 bis 1771 (mit Unterbrechungen) zur Unteren Markgrafschaft Baden (Ernestinische Linie, später auch Markgrafschaft Baden-Durlach genannt). 1535 wurde Pforzheim zum Residenzort der Unteren Markgrafschaft gewählt, jedoch wurde die Residenz bereits 1565 nach Durlach verlegt. Pforzheim wurde 1538 auch zentrale Begräbnisstätte der ernestinischen Linie und blieb dies auch für das vereinigte Baden nach 1771.

Zwischen 1519 und 1556 wurde in Pforzheim bzw. Baden-Durlach die Reformation eingeführt. Durch den Verkauf von Liebenzell und anderer Gebiete an Württemberg 1594 und den darauffolgenden Jahren geriet Pforzheim an die Peripherie Baden-Durlachs. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) war die Stadt dem Zugriff Badens meist entzogen (1624–1635 Besetzung durch kaiserliche oder schwedische Truppen, 1635–1645 gehörte Pforzheim zu Bayern).

Im Jahre 1803 wurde Baden zum Kurfürstentum, 1806 zum Großherzogtum. Zwischen 1871 und 1933 war Baden Bundesstaat des Deutschen Reiches, seit 1918 als Freistaat. Unter dem NS-Regime des Deutschen Reiches erfolgte 1933 die Gleichschaltung Badens und Pforzheims (Abschaffung der Rechte der Teilstaaten, Ernennung des Pforzheimer Oberbürgermeisters durch die NSDAP, Umbildung des Stadtrats anhand des Reichstagswahlergebnisses 1933). Ab April 1945 gehörte die Stadt für wenige Monate zur französischen Besatzungszone, ab Juli 1945 bis 1949 zur US-amerikanischen Besatzungszone, in der das Land Württemberg-Baden eingerichtet wurde. 1952 ging Württemberg-Baden im Land Baden-Württemberg auf.

Historische politische Geographie

Vor der napoleonischen Bereinigung 1803/1806 zählten die auf dem heutigen Pforzheimer Stadtgebiet gelegenen Gemarkungen überwiegend zum baden-durlachischen Oberamt Pforzheim. Weitere Gemeinden des Amts Pforzheim (z. B. Dietlingen, Ispringen, Eisingen, Bauschlott, Dürrn, Niefern) lagen vor allem im Norden und Nordwesten, ebenso wie weitere badische Gebiete, nämlich die Ämter Stein und Frauenalb. Die heutigen Pforzheimer Stadtteile Würm und Hohenwart gehörten zu in der Reichsritterschaft organisierten Familienterritorien, beide unter badischer Landeshoheit. Hohenwart war Teil des im Südosten, entlang der Würm gelegenen, katholisch gebliebenen Landes der Reichsritterfamilie von Gemmingen-Steinegg, des sogenannten Biets. Im Osten und Südwesten lagen württembergische Territorien, vor allem die Ämter Neuenbürg und Liebenzell im Südwesten sowie das umfangreiche Territorium des Klosteramts Maulbronn im Osten.[15]

Frühgeschichte

Die Stadt geht auf eine römische Siedlung an einer Enz-Furt zurück (um 90 n. Chr.), der Name vermutlich auf lateinisch portus = Hafen/Stapelplatz.

Pforzheim – Portus, freie Nachbildung der ehemaligen römischen Furt durch die Enz

Die erste Urkunde, der römische Leugenstein von Friolzheim von 245 n. Chr., weist auf die römische Siedlung portus hin. Die Siedlung lag an der römischen Heerstraße zwischen Oberrhein- und Neckargebiet gerade dort, wo die Fernhandels- und Heerstraße die Enz, kurz nach der Vereinigung mit der Nagold, in einer Furt überquerte. Wohl schon zu dieser Zeit etablierte sich die Flößerei in der römischen Siedlung, da die Enz ab Portus durch den Zufluss von Nagold und Würm schiffbar wird. Über eine zu vermutende Hafenanlage an der Enz ist nichts bekannt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der lateinische Name unvollständig überliefert und hatte weitere Bestandteile. Ein weit verbreiteter, auf Philipp Melanchthon zurückgehender Irrtum ist, dass der Name Pforzheim auf porta = Tor/Porta Hercyniae (zum Schwarzwald) zurückzuführen sei. Auch Reuchlins spekulative Ableitung des Namens von dem Trojaner Phorkys als mythischem Stadtgründer ist falsch.[16]

Im 3. Jahrhundert angefangene römische Großbauten lassen den Schluss zu, dass die kleine Handwerkersiedlung zu einem Verwaltungszentrum, etwa einem Civitas-Hauptort, ausgebaut werden sollte. 259 und 260 eroberten Franken und Alamannen die rechtsrheinischen Gebiete des römischen Reichs. Die Siedlung Portus wurde dem Erdboden gleichgemacht. Die Überlieferung über die Siedlung bricht vorerst ab.

Einige Keramikscherben und Münzen machen einen Fortbestand der Siedlung wahrscheinlich, die Siedlungskontinuität könnte aber real auch sehr schwach gewesen sein.[17] Eine Besiedlung wird eigentlich erst wieder mit den Reihengräbern aus dem 6. und 7. Jahrhundert richtig greifbar, die allerdings etwa 800 m flussabwärts der römischen Siedlung liegen.[18] Über die römische Siedlung selbst wuchs später in der Karolingerzeit die Alte Stadt von Pforzheim.[19] Ein Zeugnis für diese Zeit ist unter anderem die Grabungsanlage am Kappelhof im Untergeschoss des Caritas-Gebäudes.

1067 bis 1500
Johannes-Reuchlin-Statue am Schlossberg

1067 wurde Pforzheim in einer Urkunde Kaiser Heinrichs IV. zum ersten Mal erwähnt, um 1080 erhielt die Siedlung das Marktrecht. Beurkundete Besuche Pforzheims durch Kaiser Heinrich IV. waren in den Jahren 1067 und 1074. 1100 war dem Codex des Klosters Hirsau zu entnehmen, dass die Alte Stadt von Pforzheim bereits vor 1100 Marktrecht besaß und sich im Besitz des Klosters Hirsau befand. Im 12. Jahrhundert war die Alte Stadt klösterlich-kirchlich geprägt mit einer Nikolauskapelle (Schutzpatron der Flößer und Schiffer), im Schutz einer frühen Martinskirche, und bekam Konkurrenz von einem neuen Siedlungskern (Neustadt), unterhalb eines 800 m flussaufwärts gelegenen Burgbergs mit einer Michaelskapelle (heutiger Schlossberg mit Schlosskirche). Die Neustadt wuchs schnell.

1220 wählten die badischen Markgrafen Pforzheim zur Residenz. Der Schwerpunkt verschob sich zugunsten der Neustadt; die Alte Stadt verlor an Bedeutung. 1240 ist ein Pforzheimer Bürgermeister erstmals urkundlich erwähnt. 1447 wurde mit der Pforzheimer Fürstenhochzeit die Hochzeit des badischen Markgrafen Karl I. mit Katharina von Österreich, der Schwester Kaiser Friedrichs III., mit großem Prunk gefeiert.

In der zweiten Hälfte des 15. und 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Pforzheimer Lateinschule zu einer der bedeutendsten Gelehrtenschulen Süddeutschlands. Ihre Lehrer und Schüler spielten eine wichtige und herausragende Rolle in der Ausbreitung des Humanismus und der Reformation. Zu den bekanntesten Schülern gehörten Philipp Melanchthon und der in Pforzheim geborene Humanist Johannes Reuchlin. Er ist Namensgeber für das 1961 eingeweihte Kulturzentrum Reuchlinhaus, zu dem auch ein internationales Schmuckmuseum gehört, sowie für das Reuchlin-Gymnasium. Außerdem wurde der Reuchlinpreis nach dem Gelehrten benannt. Die Auszeichnung wurde 1955 anlässlich der Feier des 500. Geburtstags von Johannes Reuchlin erstmals verliehen.

1500 bis 1680
Merian-Stich, Pforzheim 1643
Fürstengruft des Hauses Baden im Stiftschor der Schlosskirche
Siehe auch: Baden-Durlach

1501 erließ Markgraf Christoph I. die Ordnung der flötzer oder schiffer zu Pfortzheim. Zu den ältesten Gewerben in Pforzheim zählt die Flößerei. Die über Enz, Nagold und Würm geflößten Einzelstämme und Kleinflöße aus dem Schwarzwald (die langen und geraden Tannen waren als Baumaterial ideal) wurden in der Pforzheimer Au zu Großflößen für die untere Enz und die Wasserlinie Neckar/Rhein umgebunden. Jedem Floßfahrer der vergangenen Jahrhunderte waren die Flößer-Stationen Weißenstein, Dillstein und Pforzheim feste Begriffe. Pforzheim besaß zu dieser Zeit auch eine Zollstation, an der Flößer für die Beschiffung der Wasserwege eine Gebühr entrichten mussten.

1535 bis 1565 wurde die Stadt bei der Erbteilung der badischen Lande Residenz des badischen Markgrafen Ernst I. Danach wurde die Residenz nach Durlach verlegt, weshalb man von der Linie Baden-Durlach spricht. Die Stadt blieb aber Sitz eines badischen Amtes und weiterhin letzte Ruhestätte der badischen Markgrafen. 1618, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, hatte Pforzheim etwa 2500 bis 3000 Einwohner und war damit mit Abstand die größte unter den Städten der Markgrafen von Baden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Pforzheim schon viel an Bedeutung eingebüßt, zum Teil, weil im 15. Jahrhundert viele Oberschichtfamilien (Patrizier) die Stadt verließen.

1645, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, brannten bayerische Truppen die Alte Stadt nieder. Sie wurde ohne Befestigungsanlagen wieder aufgebaut; damit war der Status eines dorfähnlichen Weilers besiegelt, und sie verschwand bis auf ein paar Randnotizen aus der Geschichtsschreibung. Die Neustadt bestand weiter. Im 13.–15. Jahrhundert kam Pforzheim durch die tatkräftige Förderung der badischen Markgrafen, die die Stadt als den wichtigsten Stützpunkt ihrer Hausmacht betrachteten, und die günstige Lage am Kreuzungspunkt großer Handelsstraßen zu einer wirtschaftlichen Blüte. Holzhandel und Flößerei, Gerberei, Tuch- und Zeugmacherei trugen neben dem Handwerk zum Reichtum der Stadt bei. Drei Orden ließen sich in der Stadt nieder. Die letzten Jahrzehnte dieser Blütezeit, in denen die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung zu wanken begann, sind in geistiger Hinsicht Höhepunkte der Stadtgeschichte.

1680 bis 1830

Von 1689 bis 1697 richtete der Pfälzische Erbfolgekrieg in Südwestdeutschland große Zerstörungen an. Pforzheim wurde von französischen Truppen, die König Ludwig XIV. unterstanden, insgesamt dreimal geplündert und niedergebrannt. Brigadier Comte Ezéchiel de Mélac war für die Besetzung der Stadt im Oktober 1688, die verheerende Niederbrennung der Stadt im Januar 1689, den Artilleriebeschuss und eine zweite Niederbrennung im August 1689 verantwortlich. Weitere Zerstörungen standen unter dem Befehl von Marschall Joseph de Montclar und Marschall Duc de Lorge. Des Weiteren war Duc de Villeroy für den Artilleriebeschuss der Stadt und die Plünderung im August 1691 verantwortlich. Unter General Chamilly wurde die Stadt im September 1692 erneut besetzt und geplündert. Die Fürstengruft in der Schlosskirche wurde dabei verwüstet.

1718 wurde das Pforzheimer Waisenhaus (Landeswaisenhaus) im Gebäude des ehemaligen Dominikanerinnenklosters eröffnet. Dieses Waisen-, Toll-, Kranken-, Zucht- und Arbeitshaus wurde später zur Keimzelle der noch heute existierenden Schmuck- und Uhrenindustrie.

Briefmarke der Deutschen Bundespost (1992): 225 Jahre Schmuck- und Uhrenindustrie, Pforzheim

1767 erfolgte die Gründung der Schmuck- und Uhrenindustrie in Pforzheim durch den Markgrafen Karl-Friedrich. Mit Unterstützung eines Unternehmers aus der Schweiz wurde im Waisenhaus zur Beschäftigung der Waisenkinder eine Uhrenfabrik eingerichtet. Einige Zeit später kam die Fertigung von Schmuckwaren hinzu. Das Unternehmen entwickelte sich rasch, bald wurde in alle Welt exportiert, wenngleich die Uhrenproduktion schon bald verschwand und erst ab 1920 mit der Fertigung von Armbanduhren eine Renaissance erlebte. Um 1800 galt Pforzheim mit 900 Fabriken als erste Fabrikstadt Badens und bedeutendstes Zentrum der Bijouteriefabrikation in der Welt. Viele der 26.000 Beschäftigten kamen aus dem Umland und waren somit Pendler. Diese wurden Rassler genannt. 1809 wurde das badische Amt Pforzheim in ein Stadtamt sowie ein Erstes und ein Zweites Landamt aufgeteilt. Die beiden letztgenannten wurden jedoch 1813 wieder zum Landamt Pforzheim vereinigt. 1819 wurden Stadt- und Landamt Pforzheim zum Oberamt Pforzheim vereinigt, das 1864 in das Bezirksamt Pforzheim überführt wurde.

Siehe auch: Karl Friedrich (Baden)
1830 bis 1918
Marktplatz im Jahr 1901
Bertha Benz Memorial Route

1836 entwickelte Ferdinand Oechsle in der Stadt die Mostwaage, mit der noch heute das Mostgewicht des frisch gepressten Traubensafts in Grad Oechsle gemessen wird. Von 1861 bis 1863 erfolgte durch den Bau der Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker die Anbindung Pforzheims an das Eisenbahnnetz. 1868 und 1874 wurden mit dem Bau der Enztalbahn und der Nagoldtalbahn auch die zwei großen, in Pforzheim einmündenden Schwarzwaldtäler an die Eisenbahn angeschlossen. Dies leitete das Ende der Flößerei ein.

Im Dreikaiserjahr 1888 war Pforzheim Ziel der ersten Überlandfahrt mit einem Automobil, die die gebürtige Pforzheimerin Bertha Benz ohne Wissen ihres Mannes Carl Benz mit ihren beiden Söhnen von Mannheim aus unternahm. Seit 2008 erinnert die Bertha Benz Memorial Route an diese Pioniertat. Zehn Jahre später erwarb der Unternehmer Bernhard Heinrich Mayer als erster Pforzheimer ein eigenes Automobil, einen Benz „Victoria“.[20]

Seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien in der Stadt ansässig. Sie legten 1846 den jüdischen Friedhof an, der bis 1877 belegt wurde, danach wurde ein jüdischer Friedhof auf dem neuen überkonfessionellen Pforzheimer Hauptfriedhof eingerichtet. Im Jahr 1893 errichtete die Jüdische Gemeinde eine Synagoge.[21] Im 19. Jahrhundert bildeten die Textil-, Metall- und Schmuckwaren-Fabriken in Pforzheim das industrielle Zentrum des Großherzogtums Baden.

Die städtische Traditionspflege begründete der Pforzheimer Stadtbaumeister Alfons Kern. Er plante den Rathausneubau von 1893/1895 und machte sich um den Aufbau einer städtischen Altertums- und Gemäldesammlung sowie die Vergrößerung und Neuordnung des Stadtarchivs verdient. 1905 kündigte er beim Bauamt und widmete sich nun nur noch dem Ausbau der Sammlungen, die in den 1920er und 1930er Jahren eigene Gebäude bezogen. Kern wurde 1939 die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen, die Gemäldesammlung trug ab diesem Jahr seinen Namen.

Ferner wurden im Zuge der Jahre 1830 bis 1918 zwei bis dahin autonome Gemarkungen eingemeindet; die Brötzinger Gemarkung wurde zum Jahreswechsel 1904/1905 eingemeindet, die Dillweißensteiner zum Jahreswechsel 1912/1913. Insgesamt wurden 1762 ha parallel hierzu eingemeindet.

1918 bis 1945
Geschändete Synagoge (1938)

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Alte Synagoge Pforzheim geschändet und schwer beschädigt. Die jüdische Gemeinde wurde verpflichtet, die Kosten für den Abriss zu übernehmen. Am 22. Oktober 1940 wurden 186 in der Stadt verbliebene Juden in der Wagner-Bürckel-Aktion deportiert. Nur wenige Überlebende kehrten zurück.

Aus dem Bezirksamt Pforzheim ging 1939 der Landkreis Pforzheim hervor, dessen Sitz Pforzheim wurde. Zugleich wurde die Stadt kreisfrei. 1944 arbeiteten in 101 Betrieben 18.622 Arbeitskräfte, davon mindestens 10.000 Arbeiter in der Rüstungsindustrie.

Die Pforzheimer Industrie war maßgeblich an der Entwicklung technologischer Neuerungen wie des X-Strahl-Verfahrens zur besseren Zielerfassung (entwickelt von G. Schaub Apparaturenbau-GmbH, eingesetzt unter anderem gegen Coventry) beteiligt. In manchen Bereichen der Bordfunkgeräte kamen bis zu 50 % der Teile aus Pforzheim. Um die steigende Nachfrage befriedigen zu können, griffen Pforzheimer Unternehmen auch auf Zwangsarbeiter zurück, wie auf zwangsdeportierte Arbeiter aus den Vogesen (ab Herbst 1944), internierte italienische Kriegsgefangene (ab 1943/44), Zwangsarbeiter aus der Ukraine und Russland. Die Anforderung von KZ-Häftlingen ist bekannt.

Am Stadtrand befand sich eine Fabrik zur Herstellung von Flakgranaten. Zudem kam der Stadt eine wichtige Schlüsselfunktion beim Schienentransport der militärischen Verbände zu. Sollte die Nord-Süd-Linie im Rheintal ausfallen, wäre die Stadt, die auf der Ausweichroute über den Schwarzwald lag und Anschluss an die Ost-West-Linien gewährte, ein wichtiger Umschlagplatz für die Versorgung der südlichen Ostfront und der Westfront gewesen. Jedoch führte die Britische Royal Air Force Pforzheim ursprünglich lediglich als in der Zielhierarchie niederrangiges Ausweichziel auf.

Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt beim Luftangriff auf Pforzheim von 379 britischen Bombern fast völlig zerstört. Innerhalb von 22 Minuten fanden 17.600 Menschen den Tod.[22] Die Bomben und der Feuersturm, der sich in der eng bebauten Altstadt entwickelte, töteten fast ein Drittel der anwesenden Bevölkerung. Gemessen an den Opferzahlen war es nach den Bombardierungen von Hamburg und Dresden der drittstärkste Angriff alliierter Bomber während des Zweiten Weltkriegs. 98 % des Stadtzentrums wurden zerstört. Pforzheim gehörte damit zu den am stärksten zerstörten Städten während des Kriegs. Insgesamt war dieser Angriff der konzentrierteste und folgenschwerste der Alliierten. Sein Ziel war auch, wie anderswo, die Demoralisierung der Bevölkerung; vielleicht spielte auch die feinmechanische Industrie eine Rolle, die während der Kriegsjahre weitgehend auf die Produktion von Zündern umgestellt hatte. Da die Betriebe teilweise jedoch ausgelagert worden waren, galt der Angriff möglicherweise auch direkt der Altstadt, die mit ihren Fachwerkhäusern als schnell brennendes Ziel ausgewählt wurde.

Siehe auch: Liste der Luftangriffe der Alliierten (1939–1945)
Seit 1945
Industriehaus Pforzheim
Städtebauliches Bild der 1950er Jahre in der Innenstadt

Von 1945 bis 1948 stand Pforzheim (nach anfänglicher französischer Besatzung) unter US-amerikanischer Militärverwaltung und war Teil des neuen Landes Württemberg-Baden. In diesen und den folgenden Jahren wuchs die Bevölkerung durch den Zuzug von Vertriebenen, Flüchtlingen, Aussiedlern und Immigranten wieder an. Die Pforzheimer Industrie verzeichnete bereits 1950 wieder Millionenumsätze im Export. Die Stadt boomte bereits, die Wiederaufbauplanung war 1946 von der Bürgerschaft kaum wahrgenommen und fast einstimmig verabschiedet worden.[23]

Das heutige Stadtbild ist durch die am Funktionalismus orientierte Architektur der 1950er Jahre geprägt. Wie in vielen kriegszerstörten Städten ging es auch im Pforzheim der unmittelbaren Nachkriegszeit um einen raschen Wiederaufbau der städtischen Infrastruktur. Repräsentative Einzelbauten im Baustil dieser Jahre sind der Hauptbahnhof, das Amtsgericht und das Reuchlinhaus. Auch die 1968 eingeweihte Evangelische Stadtkirche folgt dieser nüchternen Architektur. Nur in der Nord- und Südstadt gibt es stilgeschichtlich ältere Bauwerke. Exemplarische Straßenzüge, die einen signifikanten Bestand an Gebäuden aus der Vorkriegszeit aufweisen, sind die Zähringerallee und die Nebeniusstraße.

Im Jahre 1955 stiftete die Stadt Pforzheim den nach dem Pforzheimer Humanisten Johannes Reuchlin benannten Reuchlin-Preis für hervorragende deutschsprachige Arbeiten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Am 10. Juli 1968 wurde die Stadt und ihre Umgebung von einem Tornado der Stärke F4 nach der Fujita-Skala heimgesucht. Zwei Menschen starben, über 200 wurden verletzt, 2300 Häuser wurden beschädigt.

Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 ging der Landkreis Pforzheim im neu gebildeten Enzkreis auf, dessen Sitz die Stadt Pforzheim wurde. Sie selbst blieb kreisfrei. Pforzheim wurde ferner Sitz der neu gebildeten Region Nordschwarzwald. Am 1. Januar 1975 überschritt die Einwohnerzahl durch die Eingemeindung von Huchenfeld die Grenze von 100.000, wodurch Pforzheim zur Großstadt wurde. 1983 fanden in Pforzheim die Heimattage Baden-Württemberg statt, 1992 war die Stadt Gastgeber der Landesgartenschau Baden-Württemberg. Ende des 20. Jahrhunderts verschwand die Schmuck- und Uhrenindustrie in großen Teilen aus Pforzheim, sie wanderte nach Fernost aus. Zudem wurde in den 1990er Jahren das Maihälden-Areal erschlossen und anschließend umfassend bebaut.

Seit der Jahrhundertwende 1999/2000 begann für die Stadt ein neuer Aufschwung. Zahlreiche Stadtteile wurden saniert, so wurden und werden z. B. die Au, die Oststadt und das Gebiet um die Kaiser-Friedrich-Straße saniert.

Zunehmend, ab den 1960er Jahren, wurde das Areal der Wilferdinger Höhe erschlossen und nachfolgend industriell-gewerblich bebaut. Vormals Streuobstgärten und Brötzinger Äcker umfassend, ist die Wilferdinger Höhe heute nahezu vollkommen versiegelt bzw. bebaut. Lediglich bedingt liegen Baulücken vor, die auf die einstige Nutzung des Gebiets deuten. Die Gewerbegebiete Wilferdinger Höhe, Hohenäcker und Brötzinger Tal sind in den letzten Jahren um 20 bis 50 Prozent gewachsen.

Bevölkerung
Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung von 1500 bis 2016

Im Jahre 1881 hatte Pforzheim 25.000 Einwohner, bis 1902 verdoppelte sich diese Zahl auf 50.000. 1905 wurde die Brötzinger Gemarkung eingemeindet, zugleich auch nahezu 6000 Brötzinger Einwohner. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges verlor die Stadt etwa die Hälfte ihrer Bewohner. Das fast komplett zerstörte Pforzheim hatte bereits 1951 eine der geringsten Arbeitslosenzahlen in Baden und entfaltete eine umfangreiche Bautätigkeit, um die Zuzüge aufzufangen. Bereits 1960 erreichte die Bevölkerungszahl mit rund 80.000 wieder den Vorkriegsstand. Am 1. Januar 1975 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Pforzheim durch die Eingemeindung von Huchenfeld die Grenze von 100.000, was sie zur Großstadt machte. Pforzheim ist die achtgrößte Stadt Baden-Württembergs und unter den größten Städten Deutschlands auf Platz 64.[24] Im Zeitraum von 2000 bis 2010 wuchs die Bevölkerung um 2,24 %, hauptsächlich durch Zuwanderung aus dem Ausland. Laut Zensus 2011 beträgt die Bevölkerungszahl mit Stand 9. Mai 2011 114.411 Einwohner[25] und ist damit geringer als bisher angenommen.[26]

Pforzheim ist seit den 1950er Jahren stark durch Einwanderer geprägt. 2004 betrug der Anteil der nichtdeutschen Einwohner an der Gesamtbevölkerung nach Angaben der Stadtverwaltung 17,1 Prozent (20.335 Personen). Die meisten Ausländer kamen aus der Türkei (5.912), Italien (3.920), dem ehemaligen Jugoslawien (3.378) und aus der GUS (1.129). Ende September 2005 lebten in Pforzheim nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg 119.014 Menschen mit Hauptwohnsitz. Zum 31. Dezember 2008 hatten 42,6 % der Pforzheimer einen Migrationshintergrund. Bei den unter Dreijährigen waren es 71,7 %.[27]

Nach den Ergebnissen der Volkszählung 2011 nimmt Pforzheim mit einem Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund von 46,6 Prozent in der bundesweiten Statistik unter den Großstädten Platz 2 ein. 53.060 Pforzheimer haben mindestens einen Elternteil, der im Ausland geboren wurde, eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzt oder nach 1955 zugewandert ist. In der baden-württembergischen Statistik liegt Pforzheim damit an erster Stelle.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1500 800
1689 1.000
1789 4.311
1800 5.062
1812 5.301
1830 6.284
3. Dezember 1852 ¹ 9.142
3. Dezember 1855 ¹ 10.711
3. Dezember 1858 ¹ 13.520
3. Dezember 1861 ¹ 13.900
3. Dezember 1864 ¹ 16.320
3. Dezember 1867 ¹ 16.400
1. Dezember 1871 ¹ 19.803
1. Dezember 1875 ¹ 23.692
1. Dezember 1880 ¹ 24.037
1. Dezember 1885 ¹ 27.201
Jahr Einwohner
1. Dezember 1890 ¹ 29.988
2. Dezember 1895 ¹ 33.345
1. Dezember 1900 ¹ 43.351
1. Dezember 1905 ¹ 59.389
1. Dezember 1910 ¹ 69.082
1. Dezember 1916 ¹ 60.749
5. Dezember 1917 ¹ 59.307
8. Oktober 1919 ¹ 73.839
16. Juni 1925 ¹ 78.859
16. Juni 1933 ¹ 79.816
17. Mai 1939 ¹ 78.743
31. Dezember 1945 42.402
29. Oktober 1946 ¹ 46.752
13. September 1950 ¹ 54.143
25. September 1956 ¹ 71.684
6. Juni 1961 ¹ 82.524
Jahr Einwohner
31. Dezember 1965 87.066
27. Mai 1970 ¹ 90.338
31. Dezember 1975 108.635
31. Dezember 1980 106.500
31. Dezember 1985 104.184
25. Mai 1987 ¹ 106.530
31. Dezember 1990 112.944
31. Dezember 1995 117.156
31. Dezember 2000 117.156
31. Dezember 2005 119.021
31. Dezember 2010 119.781
31. Dezember 2015 122.247
31. Dezember 2016 122.881

¹ Volkszählungsergebnis

Bevölkerungsprognose

Die Prognose der „Wegweiser Kommune“-Studie der Bertelsmann Stiftung von 2011 prognostiziert für Pforzheim folgende Entwicklung:

Nebenstehende Prognose im Verglich zur realen Entwicklung von 1990 bis 2016

Prognose 2011

Datum Einwohner
31. Dezember 2009 119.680
31. Dezember 2012 121.986
31. Dezember 2015 121.800
31. Dezember 2020 122.590
31. Dezember 2025 122.660
31. Dezember 2030 122.120

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Eingemeindungen

Ehemals selbständige Gemeinden beziehungsweise Gemarkungen, die in die Stadt Pforzheim eingegliedert wurden[28]:

Jahr Orte Zuwachs in ha
1. Januar 1905 Brötzingen 1301
1. Januar 1913 Dillweißenstein 461
1. April 1924 Teile der Gemarkung Haidach 76
1. Oktober 1929 Teile der Gemarkung Hagenschieß 1623
1. September 1971 Würm 822
1. April 1972 Hohenwart 492
1. Januar 1974 Büchenbronn 1114
1. Januar 1975 Huchenfeld 947
20. September 1975 Eutingen an der Enz 845

Religion
Hauptartikel: St, Michael, St. Franziskus und Alte Synagoge

Nachdem Markgraf Karl II. von Baden 1556 in der Markgrafschaft Baden, dessen Residenz Pforzheim seinerzeit noch war, die Reformation eingeführt hatte, war Pforzheim über Jahrhunderte eine protestantische Stadt. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken nach Pforzheim, sie gehören zum Dekanat Pforzheim der Erzdiözese Freiburg. Die evangelischen Christen gehören zum Dekanat Pforzheim-Stadt der Evangelischen Landeskirche in Baden. Ferner gibt es in Pforzheim eine große Anzahl an Freikirchen, z. B. Evangelisch-methodistische Kirche, Baptisten, Heilsarmee, Siebenten-Tags-Adventisten, Bibelgemeinde. Auch die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas sind in Pforzheim vertreten.

Außerdem sind in Pforzheim eine israelitische und eine islamische Gemeinde vertreten. Die von 1990 bis 1992 erbaute Fatih-Moschee ist eine der ersten als Moschee geplanten und entsprechend repräsentativ ausgestalteten größeren Moscheebauten in Baden-Württemberg. Seit 2008 hat sich eine mittlerweile etwa 2500 Köpfe zählende Jesiden-Gemeinschaft[29] in Pforzheim niedergelassen. Auch gibt es seit einigen Jahren in der Turnstraße eine hinduistische Gemeinde mit zirka 200 Mitgliedern.

Politik
(Ober-)Bürgermeister

An der Spitze der Stadtverwaltung stand zunächst der vom Stadtherrn ernannte Schultheiß. Später bestand ein Rat mit einem Bürgermeister an der Spitze, der seit 1849 den Titel Oberbürgermeister führt. Die Amtszeiten der Bürgermeister bis 1750 sind nur zum Teil bekannt. Es werden in den Geschichtsquellen lediglich die Namen der Bürgermeister erwähnt.

1607–1609: Peter Maler
1611–16??: Jakob Simmerer
1614–1621: Jeremias Deschler
1622–1627: Wolf Karle
1629–1639: Joachim Bub, Hans Felder (abwechselnd)
1642–1665: Georg Weeber, Hans Beckh, Hans Friedrich Kern (abwechselnd)
1750–1758: Ernst Matthäus Kummer
1758–1770: W. C. Steinhäuser
1770–1775: Weiß
1775–1783: Kißling
1783–1795: Günzel
1795–1798: Geiger
1798–1815: Jakob Friedrich Dreher
1815–1830: Christoph Friedrich Krenkel
1830–1837: Wilhelm Lenz
1837–1848: Rudolf Deimling
1848–1849: Christian Crecelius
1849–1862: Carl Zerrenner
1862–1875: Kaspar Schmidt
1875–1884: Karl Groß
1885–1889: Emil Kraatz
1889–1919: Ferdinand Habermehl
1920–1933: Erwin Gündert (DVP)
1933: Emil Gölser
1933: Hans Gottlob
1933–1941: Hermann Kürz
1941–1942: Karl Mohrenstein
1942–1945: Ludwig Seibel
1945: Albert Hermann
1945: Wilhelm Becker
1945–1947: Friedrich Adolf Katz
1947–1966: Johann Peter Brandenburg (FDP/DVP)
1966–1985: Willi Weigelt (SPD)
1985–2001: Joachim Becker (SPD)
2001–2009: Christel Augenstein (FDP/DVP)
2009–2017: Gert Hager (SPD)
seit 1. August 2017: Peter Boch (CDU).

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014
Wahlbeteiligung: 33,8 %

 %403020100

30,816,411,410,86,76,34,44,38,9

CDUSPDGrüneAfDFDPFWUBgWiPhSonst.
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p 12 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6

+0,3
-3,0+0,7+10,8-5,4-4,2-1,2-0,2+2,3
CDUSPDGrüneAfDFDPFWUBgWiPhSonst.Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:g Unabhängige Bürgerh Wir in Pforzheim

Sitzverteilung im Gemeinderat

          

Insgesamt 40 Sitze Linke: 2 SPD: 6 Grüne: 5 FW: 2 UB: 2 WiP: 2 FDP: 3 CDU: 12 AfD: 4 Sonst.: 2

Die zwei sonstigen Sitze entfallen auf:

1 OLEP
1 LBBH

Hauptartikel: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Pforzheim

Alle Gemeinderäte der Stadt sind im Transparenzportal abgeordnetenwatch.de vertreten. Dort kann jeder Bürger den gewählten Kommunalpolitikern öffentlich Fragen stellen.[30]
Er setzt sich aus 40 ehrenamtlich tätigen Gemeinderäten und dem Vorsitzenden des Gemeinderats Oberbürgermeister Gert Hager zusammen. Die Mitglieder des Gemeinderats werden direkt und für fünf Jahre gewählt. Der Gemeinderat bildet zur Arbeitsentlastung und zur tiefergehenden Auseinandersetzung mit Sachfragen Ausschüsse. Gemeinderatsvorlagen, Beschlussdokumente, Sitzungstermine sowie Tagesordnungen des Gemeinderats werden im Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim veröffentlicht.

Neben dem Gemeinderat gibt es noch Ortschaftsräte für in den Stadtteilen Büchenbronn, Eutingen, Hohenwart, Huchenfeld und Würm.

Wappen und Flagge
Flagge von Pforzheim

Die Blasonierung des Wappens der Stadt Pforzheim lautet: Gespalten; vorn in Gold ein roter Schrägbalken, hinten dreimal geteilt von Rot, Silber, Blau und Gold.

1256 wurde das erste Siegel angefertigt, das nur den Schrägbalkenschild der Herrschaft enthält. Seit Ende des 15. Jahrhunderts trat an seine Stelle das heute fast unverändert geführte Wappen in Siegeln und zahlreichen außersphragistischen Wiedergaben. Die vordere Schildhälfte weist den Schrägbalken von Baden auf, auf den sich wohl auch in den hinteren die Farben Rot und Gold beziehen. Die Bedeutung von Silber und Blau ist umstritten; naheliegend ist die Meinung, es handle sich um die dem wittelsbachschen Rautenwappen der Kurpfalz entlehnten Farben, da die Stadt von 1463 bis 1750 der pfälzischen Lehnshoheit unterstand.[31]

Der Schrägbalken ist schon seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar als Symbol der Stadtherren von Pforzheim, das später auch das Landeswappen von Baden wurde, doch ist die Bedeutung bis heute unklar. Ab 1489 ist das Wappen in seiner ganzen Form nachweisbar, dessen Bedeutung ebenfalls nicht nachgewiesen werden konnte. Die heutige Tingierung ist aber erst seit 1853 gebräuchlich, zuvor war die Farbgebung eine andere.

Die Stadtflagge ist weiß-blau.

Städtepartnerschaften

Pforzheim unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Die Pforzheimer Städtepartnerschaften

Gernika Spanien 1989
Saint-Maur-des-Fossés Frankreich 1989
Vicenza Italien 1991
Częstochowa Polen 2007
Irkutsk Russische Föderation 2007
Nevşehir Türkei 2007
Komitat Győr-Moson-Sopron Ungarn 2007 Ungarn
Osijek Kroatien 2008

Seit mehreren Jahren lädt die Stadt Pforzheim als Zeichen für Frieden und Versöhnung Menschen aus La Bresse ein. Während des Zweiten Weltkriegs waren ca. 500 Männer nach Pforzheim deportiert und als Zwangsarbeiter eingesetzt worden.[32][33]

Wirtschaft und Infrastruktur
Sparkasse Pforzheim Calw in der Pforzheimer Innenstadt

Pforzheim ist eines der Oberzentren in Baden-Württemberg und verfügt über eine der höchsten Industriedichten des Landes. Auf 1000 Einwohner kommen 593 Erwerbstätige.[34] Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund vier Milliarden Euro bzw. 56.756 Euro pro Erwerbstätigem.[34] Die Stadt besitzt vier große Gewerbegebiete: die Wilferdinger Höhe, das Brötzinger Tal, das Altgefäll und die Hohenäcker.

Die Wirtschaft ist nur noch teilweise auf die Herstellung von Uhren und Schmuck ausgerichtet. 75 Prozent des deutschen Schmucks kommen aus Pforzheim (z. B. Wellendorff). Viele Arbeitsplätze werden aber durch die Bereiche Metallverarbeitung, Elektronik und Elektrotechnik gestellt. Der Versandhandel (Bader Versand, Versandhaus Klingel, Wenz) nimmt mit seinen Millionenumsätzen eine führende Position in Deutschland ein. In Pforzheim gibt es etwa 68.100 Erwerbstätige.[35] Die Kaufkraft pro Einwohner lag bei 19.400 Euro.[36]

Strukturwandel und Arbeitsplatzverluste

Die Stadt Pforzheim hat seit Beginn der 1980er Jahre mit einem industriellen Strukturwandel zu kämpfen. Die Schmuckindustrie wanderte großflächig ab. Daraus resultiert ein hoher Arbeitsplatzverlust. Im Jahr 1990 waren noch rund 65.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Pforzheim tätig, 2011 waren es nur noch rund 50.000.[37] Das entspricht etwa einem Rückgang von 25 %.

Die Zahl der Erwerbstätigen bleibt jedoch konstant bei rund 70.000.[38]

Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2008 bei 7,0 Prozent. Betrachtet nach Stadt- und Landkreisen ergab sich im November 2011 für die Stadt Pforzheim bei 4539 Arbeitslosen eine Quote von 7,7 Prozent; die höchste in Baden-Württemberg.[39][40]

Ansässige Unternehmen (Auswahl)
Witzenmann Stammwerk
Aktivbank
Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG
Amazon.com
Aristo
Bader Versand
Doduco
Heimerle + Meule
Mahle Behr
Sparkasse Pforzheim Calw
Stadtwerke Pforzheim
Stöber Antriebstechnik
Versandhaus Klingel
Volksbank Pforzheim
Wellendorff
Witzenmann Gruppe
Verkehr
Straßenverkehr
A 8 bei Pforzheim

Nördlich von Pforzheim verläuft die Bundesautobahn 8 von Karlsruhe nach Stuttgart, von der die Stadt über vier Ausfahrten zu erreichen ist. Die vierte Ausfahrt Pforzheim Süd wurde 2008 fertiggestellt, die südlichen und besonders die südöstlichen Stadtteile lassen sich damit einfacher erreichen. Durch die Stadt selbst führen die B 10 und die B 294. Ferner beginnt hier die B 463 in Richtung Nagold.

Über die A 8 ist der Internationale Flughafen Stuttgart in etwa 35 Autominuten erreichbar, der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden in etwa 60 Autominuten.

Ein Ende 2009 vorgestellter Verkehrsentwicklungsplan enthält u. a. eine neue Ost-West-Achse entlang der Eisenbahntrasse, mit der die vom Auto- und Durchgangsverkehr geprägte Stadt entlastet werden soll.

Schienenverkehr
Pforzheim Hbf

Der Pforzheimer Hauptbahnhof liegt an der Bahnstrecke Mühlacker-Karlsruhe. Auf dieser verkehrt zweistündlich ein Intercity-Zug der Linie Karlsruhe–Nürnberg. Ferner führen zwei Eisenbahnstrecken in den Schwarzwald nach Bad Wildbad (Enztalbahn) und nach Nagold (Nagoldtalbahn) und weiter nach Horb am Neckar.

Daneben ist Pforzheim auch an die Stadtbahn Karlsruhe angeschlossen. Pforzheim wird von den Linien S 5 von Bietigheim-Bissingen nach Wörth am Rhein und S 6 über die Enztalbahn nach Bad Wildbad bedient. Beide werden von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft betrieben.

Zwischen 1900 und 1968 wurde der Nahverkehr maßgeblich durch die Pforzheimer Kleinbahn nach Ittersbach (1900 bis 1968), die städtische Straßenbahn Pforzheim (1911 bis 1964) und den Oberleitungsbus Pforzheim (1951 bis 1969) gewährleistet.

Übersicht Pforzheim Hbf Nahverkehr:

Regionalbahn-Linie R 5 (Karlsruhe–Pforzheim–Mühlacker–Stuttgart) mit Inter-Regio-Express- und Regional-Express-Zügen
Regionalbahn-Linie R 61 (Pforzheim–Horb–Tübingen)
Stadtbahn-Linie S 5 (Wörth–Karlsruhe–Pforzheim–Mühlacker–Bietigheim-Bissingen)
Stadtbahn-Linie S 6 (Pforzheim–Bad Wildbad).

Übersicht Pforzheim Hbf Fernverkehr:

Im Fernverkehr halten hier die Züge der Intercity-Linie 61 (Karlsruhe–Pforzheim–Stuttgart–Aalen–Nürnberg).
Öffentlicher Personennahverkehr

Die Stadt besitzt drei Busbahnhöfe, ZOB Nord (Zentraler Omnibusbahnhof Nord), Mitte und Süd. Den sonstigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet bedienen Busse der teilprivatisierten Stadtverkehr Pforzheim GmbH & Co. KG (SVP) und verschiedene andere Verkehrsunternehmen. Sie alle fahren zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbundes Pforzheim-Enzkreis.

Der Ende 2009 vorgestellte Verkehrsentwicklungsplan sieht die Zusammenfassung aller Busbahnhöfe südöstlich des Hauptbahnhofs vor. Ab Jahresende 2012 erfolgte die Realisierung des sog. Zob, eines konzipierten Busbahnhofs südwestlich der Nordstadtbrücke. Die Baukonzeption erfasst u. a. 29 Busabfahrtspositionen, welche von innerstädtischen sowie regionalen Bussen frequentierten werden sollen.

Medien

In Pforzheim erscheinen als Tageszeitungen die Pforzheimer Zeitung und der Pforzheimer Kurier, eine Regionalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN), die in Karlsruhe ihre Hauptredaktion hat. Der zuständige private Bereichssender ist Antenne 1 auf 107,0 MHz, der ein Regionalstudio in der Stadt unterhält. Der private Lokalsender für Pforzheim ist Die neue Welle auf 91,4 MHz.

Gerichte und Behörden
Amtsgericht Pforzheim

Pforzheim ist Sitz des Amtsgerichts Pforzheim, das zum Landgerichts- und OLG-Bezirk Karlsruhe gehört, sowie des Arbeitsgerichts Pforzheim. Ferner beherbergt die Stadt eine Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und mehrere Notariate.

Pforzheim ist auch Sitz des Regionalverbands Nordschwarzwald, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, deren Kammerbezirk die Region Nordschwarzwald umfasst, einer Agentur für Arbeit, eines Finanzamts und eines Zollamts.

Die Stadt ist ferner Sitz des Kirchenbezirks Pforzheim der Evangelischen Landeskirche in Baden und des Dekanats Pforzheim des Erzbistums Freiburg.

Die Stadt Pforzheim betreibt als einer von drei Trägern (20 %) zusammen mit dem Enzkreis (30 %) und dem Deutschen Roten Kreuz (50 %) die örtliche Integrierte Leitstelle für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Diese nahm am 15. Oktober 2015 [41] ihren Dienst auf und ersetzte die bisherigen Leitstellen der Feuerwehr, Träger war hier die Stadt Pforzheim die hier die gesetzliche Aufgabe für den Enzkreis mit erledigte während dieser finanziellen Ausgleich leistete, und des Rettungsdienstes dessen Trägerschaft beim DRK lag.

Pforzheim beherbergt eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Heimsheim, die Jugendstrafanstalt Pforzheim. Des Weiteren ist die Stadt Sitz des Landratsamtes Enzkreis.

Aufgrund ihrer Bevölkerungszahl von über 100.000 Einwohner muss die Stadt eine Berufsfeuerwehr unterhalten.

Bildung

Die Hochschule Pforzheim – Hochschule für Gestaltung, Technik, Wirtschaft und Recht hat etwa 6000 Studierende. Sie entstand 1992 durch Zusammenschluss der 1877 gegründeten ehemaligen Herzoglichen Kunstgewerbeschule und Fachschule für die Metallindustrie mit der 1963 gegründeten ehemaligen Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule. Die Bereiche Gestaltung und Technik/Wirtschaft haben getrennte Standorte. Die Hochschule legt Wert auf Internationalität, unter anderem ist sie Mitglied im NIBES-Verbund und pflegt zum Beispiel regelmäßigen akademischen Austausch mit der Josip-Juraj-Strossmayer-Universität Osijek in Kroatien. Es gibt zahlreiche Masterstudiengänge an der Pforzheim Graduate School, die zur Hochschule Pforzheim gehört.

Des Weiteren besteht die Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim. Sie ist die einzige ihrer Art in Europa, dadurch wird sie auch von vielen ausländischen Schülern besucht.

Pforzheim hat auch ein Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Grund- und Hauptschulen).

Das Staatliche Schulamt Pforzheim ist seit 2010 in der Maximilianstraße untergebracht. Die Behörde ist untere Schulaufsichtsbehörde für alle Grund-, Haupt-, Werkreal- und Real- und Gemeinschaftsschulen sowie für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Bereich der Stadt Pforzheim, des Enzkreises und des Kreises Calw.

Das Abitur kann auf dem Reuchlin-Gymnasium, dem Kepler-Gymnasium, dem Hebel-Gymnasium, dem Theodor-Heuss-Gymnasium, dem Hilda-Gymnasium, dem Schiller-Gymnasium (privates Ganztagesgymnasium), der Fritz-Erler-Schule (Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium), der Heinrich-Wieland-Schule (Technisches Gymnasium), der Johanna-Wittum-Schule (Ernährungswissenschaftliches Gymnasium/Biotechnologisches Gymnasium) der Goetheschule (Waldorfschule) und der Ludwig-Erhard-Schule Pforzheim (Wirtschaftsoberschule) abgelegt werden. Die Fachhochschulreife kann auf der staatlich anerkannten privaten Carlo Schmid Schule des Internationalen Bundes erworben werden.

Daneben gibt es in Pforzheim auch eine Reihe von Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ): Die Pestalozzi- und die Bohrainschule haben den Förderschwerpunkt Lernen, wobei die Bohrainschule von Schülern aus dem Pforzheimer Stadtgebiet und die Pestalozzischule von Schülern aus benachbarten Gemeinden des Enzkreises besucht wird. Schüler mit einer geistigen Behinderung besuchen die Gustav-Heinemann-Schule in Pforzheim oder die Schule am Winterrain in Ispringen, Schulträger dieser beiden Schulen und der Pestalozzischule ist das Landratsamt Enzkreis. Das örtliche Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache die Schlossparkschule. Daneben ist die Raphael-Schule in Pforzheim-Eutingen ein privates, an der Anthroposophie orientiertes Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung sowie Lernen.

Ver- und Entsorgung
Heizkraftwerk Pforzheim

Das Heizkraftwerk Pforzheim in der Pforzheimer Oststadt erzeugt überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme. Betrieben wird es von der Heizkraftwerk Pforzheim GmbH. Mit jährlich 270 Millionen Kilowattstunden hat das Kraftwerk den größten Anteil an der Pforzheimer Stromversorgung. Seine elektrische Leistung beträgt 102,6 MW, seine thermische Leistung 212 MW brutto. Das Heizkraftwerk wurde 1964 in Betrieb genommen und in mehreren Baustufen auf den heutigen Stand ausgebaut. Zuletzt wurde es 2004 von der Schweizer Colenco Power Engineering AG modernisiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pforzheim hat nicht zuletzt aufgrund seiner Bildungseinrichtungen und weltweit aktiver Industrie eine hohe Internationalität.

Regelmäßige Veranstaltungen
Januar: Rudolf Reinacher Turnier, internationales AH-Fußball-Hallenturnier des 1. FC Pforzheim (ältestes Hallenturnier der Welt)
Januar: Der Goldstadtpokal, großes internationales Tanzturnier, ausgerichtet vom Schwarz-Weiss-Club Pforzheim
Mai: S&G Goldstadt-Cup, internationales Reitturnier
Juni: Pforzemer Mess
Juli: Marktplatzfest, zweijährlich (war eines der größten Umsonst-und-draußen Feste in Süddeutschland, fand das letzte Mal 2005 statt)
Juli: Gute Toene Festival. Im Gegensatz zum eingestellten Marktplatzfest findet der Nachfolger Gute Toene Festival nicht in der Innenstadt Pforzheims statt, sondern nahe der BAB-Anschlussstelle Pforzheim-Nord. Auch die Besucherzahlen sind nicht vergleichbar.
August: Oechsle-Fest; Weinfest mit kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region, benannt nach dem Pforzheimer Christian Ferdinand Oechsle, Namensgebers der Wein- und Mostwaage
November: Sparkassen Cross Pforzheim, am Lohwiesenhof im Stadtteil Huchenfeld
Theater

Das Theater Pforzheim ist ein Mehrspartentheater mit Oper, Operette, Musical, Schauspiel, Ballett und Junger Bühne. Das Kulturhaus Osterfeld versteht sich als soziokulturelles Zentrum und ist zugleich Aufführungsort freier Gruppen (z. B. Amateurtheater) und Treffpunkt verschiedener Gruppen und Vereinigungen. Im Figurentheater Raphael Mürle finden Abendveranstaltungen, Kurzprogramme und Kinderaufführungen statt.

Orchester

Die Badische Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Markus Huber ist das Konzert- und Opernorchester am Stadttheater Pforzheim. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim wurde 1950 von Friedrich Tilegant gegründet. Es wirkte unter anderem bei der Uraufführung eines Werks von Boris Blacher mit. Als reines Streicherensemble umfasst es 14 Musiker aus sieben Nationen.

Museen
Das CongressCentrum am Waisenhausplatz
Archäologischer Schauplatz Kappelhof – Römische und mittelalterliche Ausgrabungen
Bäuerliches Museum Eutingen
DDR-Museum Gegen das Vergessen
Haus der Landsmannschaften
Städtische Galerie Pforzheim
Reuchlinhaus
Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus
Stadtmuseum Pforzheim (Stadtgeschichte)
Technisches Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie
Bahnhof Weißenstein – Eisenbahngeschichte im Raum Pforzheim
Römischer Gutshof im Kanzlerwald
Edelsteinausstellung Witwe Schütt
Schmuckwelten Pforzheim Einkaufs- und Erlebniszentrum für Schmuck und Uhren mit Mineralienmuseum
Museum Johannes Reuchlin: Das Museum wurde im September 2008 eröffnet und ist gleichzeitig die Vollendung des Wiederaufbaues der Schloss- und Stiftskirche St. Michael. Mit den Exponaten der Ausstellung wird auf vier Ebenen über Herkunft, Leben, Werk und Wirkung von Johannes Reuchlin, Deutschlands erstem Humanisten, berichtet.
Kulturelle Einrichtungen
Kulturhaus Osterfeld
Stadtbibliothek Pforzheim
CongressCentrum Pforzheim (CCP)
KOKI Kommunales Kino. Seit 2003 zeigt das Programmkino Filme im Kinosaal mit 106 Plätzen in der neuen Spielstätte am Schlossberg 20.
Stadtbibliothek. Im Jahr 2012 erzielte die Stadtbibliothek bei einem Medienbestand von 213 000 Medien eine Ausleihe von 981.000 Medien. Neben der Hauptstelle befinden sich zwei Zweigstellen in Buckenberg-Haidach und Huchenfeld, zusätzlich gibt es eine Fahrbibliothek für die Stadtteile ohne Zweigstellen. Die Onleihe wird ebenfalls angeboten (2400 Medien stehen digital zur Verfügung).
Kulturhaus Osterfeld
Kupferdächle (Jugendkulturtreff. Bietet kostenlos Bandproberäume, Theater, Foto-AG und mehr für Jugendliche aus der Umgebung. Weiterhin Veranstaltungen wie z. B. Konzerte und Poetry Slams.)
Kappelhof Römischer Gutshof
Haus der Jugend (am 9. Dezember 1949 eröffnetes Jugendhaus, dank amerikanischer Initiative. Bis heute eine Einrichtung offener Kinder- und Jugendarbeit der SJR Betriebs GmbH – Stadtjugendring.)
Sport

Pforzheim ist regionale Handballhochburg, in der Saison 2013/14 spielt die TGS Pforzheim in der 3. Liga, in der Oberliga Baden-Württemberg spielt die SG Pforzheim/Eutingen, der Heimatverein von Patrick Groetzki; die männliche A-Jugend der SG Pforzheim/Eutingen spielt in der A-Jugend-Bundesliga.

In der Fußballsaison 2015/16 spielt der 2010 gegründete 1. CfR Pforzheim in der fünftklassigen Oberliga Baden-Württemberg.

Arthur Hiller war 1905 Kapitän des 1. FC Pforzheim, das Team erreichte damals das Finale um die deutsche Meisterschaft. Im Jahre 1908 war Hiller erstmals Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Am 3. April 1910 machte der Neffe von Arthur Hiller, Marius Hiller, beim 3:2-Sieg gegen die Schweiz sein erstes Länderspiel und schoss ein Tor. Er ist dadurch mit 18 Jahren der zweitjüngste DFB-Debütant und der jüngste DFB-Torschütze.

Der Sparkassen Cross Pforzheim, ausgetragen am Lohwiesenhof im Stadtteil Huchenfeld, zählt zu den wichtigsten Crossläufen Deutschlands.

Stadtbild und Architektur

Klagen über ein uneinheitliches und wenig attraktives Stadtbild beeinträchtigen bis in die Gegenwart das Image der Stadt.[42] Sie werden gerne am Wiederaufbau Pforzheims im Stil der Nachkriegsmoderne in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren festgemacht.[43] Derartige Klagen gab es allerdings lange vor dem Luftangriff auf Pforzheim 1945. Das Fehlen einer klassischen repräsentativen Altstadt aufgrund der mehrfachen Stadtzerstörungen, Herrscherwechsel und internen Verschiebungen der Siedlungsschwerpunkte fiel in Pforzheim bereits vorher negativ auf.[23]

Etliche der frühen Nachkriegsbauten in Pforzheim sind allerdings bedeutende Pionierbauten für die Nachkriegsarchitektur in Deutschland: so die evangelische Auferstehungskirche, 1948 von Otto Bartning, die erste Bartning-Notkirche in Deutschland; weiters die Matthäuskirche, 1953–1956 von Egon Eiermann; sowie das Reuchlinhaus.

Einzelbauten
Schlössle-Galerie
Barfüßerkirche
Auferstehungskirche
Industriehaus, Unterbringung der Schmuckwelten
Technisches Museum der Schmuck- und Uhrenindustrie. Städtische Galerie für regionale Kunst
Reuchlin-Denkmal
(Matthias Dämpfle)
Altes und Neues Rathaus am Marktplatz
Archivbau
Industriehaus Pforzheim mit Schmuckwelten
Sparkassenturm, ein 75 Meter hohes Bürohochhaus in der Innenstadt
Reuchlinhaus mit Schmuckmuseum
Bogenbrücke in Dillweißenstein
Leitgastturm
Seehaus
Alte Kelter Brötzingen
Wasserturm auf dem Rodrücken, ein 1900 fertiggestellter, ca. 45 Meter hoher Wasser- und Aussichtsturm am Reuchlin-Gymnasium[44]
Hachelturm, ein 1903/1904 errichteter ca. 10 Meter hoher denkmalgeschützter Aussichtsturm in der Hachelanlage[45]
Kupferhammer
Büchenbronner Aussichtsturm
Schlössle-Galerie (Einkaufszentrum)
Il Tronco (Verwaltungszentrum des Versandhauses Klingel, erbaut 2011/12)
Villa Becker am östlichen Ende der Wilferdinger Höhe
Wartturm auf dem Wartberg, ein 11 Meter hoher ehemaliger Befestigungs- und Signalturm aus dem 15. Jahrhundert, der heute als Aussichtsturm genutzt wird[46]
Buckenbergkaserne
Ehemalige Villa Kahn
Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB)[47]
Hohe Warte, 40 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm im Stadtteil Hohenwart
Burgruinen
Burg Hoheneck, Pforzheim-Dillweißenstein
Burgruine Kräheneck, Pforzheim-Dillweißenstein, siehe Weißenstein (Adelsgeschlecht)
Burgruine Liebeneck, Pforzheim-Würm
Schlossruine Pforzheim[48]
Burgruine Rabeneck (Weißenstein, Dillweißenstein), Pforzheim-Dillweißenstein
Kirchen
Schlosskirche St. Michael, das Wahrzeichen der Stadt
Altstadtkirche St. Martin (evangelisch)
Auferstehungskirche (evangelisch), 1948 von Otto Bartning und erste Bartning-Notkirche in Deutschland
Barfüßerkirche (katholisch)
Evangelische Stadtkirche, 1965–1968 von Heinrich Otto Vogel
Herz-Jesu-Kirche (katholisch), 1928–1929 von Otto Linder
Matthäuskirche (evangelisch), 1953–1956 von Egon Eiermann
St.-Franziskus-Kirche (katholisch), 1888–1891 von Adolf Williard
Lutherkirche (evangelisch), 1954 von Olaf Andreas Gulbransson
ehem. St. Martin in Brötzingen, heute Heimatmuseum
Christuskirche in Brötzingen (evangelisch), 1909–1912
St. Antonius in Brötzingen (katholisch), 1934–1935
Sonstige Sehenswürdigkeiten
Der Pforzheimer Hauptfriedhof entstand aus dem 1877 angelegten städtischen Friedhof Auf der Schanz. Der Friedhof weist das Gebäudeensemble Campo Santo von 1914 bis 1917 auf, in dessen Arkadengang zahlreiche historische Grabmäler aus älteren Bestattungsplätzen transloziert wurden. Im Friedhof befinden sich mehrere Ehrengräber örtlicher Honoratioren sowie zahlreiche künstlerisch bedeutende Grabmale. In dem als Kulturdenkmal geltenden Friedhof befinden sich neben den Massengräbern für die Opfer des 23. Februar 1945 auch Ehrengräber für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, ein jüdischer Friedhofsteil sowie verschiedene Ehrenmale, darunter ein Mahnmal mit den Namen der Euthanasie-Morde bei der Aktion T4 sowie ein Urnenfeld und Grabplatten mit den Namen von ermordeten KZ-Häftlingen aus elf Ländern.
Brötzinger Friedhof mit den Grabstätten und einer Gedenktafel für 32 Frauen, Kinder und Männer, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
Kollmar & Jourdan-Haus mit Technischem Museum, Pforzheim Galerie und Carlo Schmid Schule
Gedenktafel am Standort des Alten Jüdischen Friedhofs an der Eutinger Straße zur Erinnerung an den Guten Ort sowie an über 200 jüdische Einwohner, die in der NS-Zeit Opfer der Shoa wurden
Gedenkstein mit Bronzetafel aus dem Jahre 1981 gegenüber dem Siloah-Krankenhaus in der Kuppenheimstraße am Wallberg zur Erinnerung an den jüdischen Arzt Rudolf Kuppenheim und seine Frau Lily, die 1940 in den Freitod gingen, um der Deportation in das Camp de Gurs zu entkommen
Gedenkstein von 1967 in der Zerrennerstraße am Standort der ehemaligen Synagoge zur Erinnerung an den Novemberpogrom 1938
Das Stadion Brötzinger Tal ist das Fußballstadion des 1. CfR Pforzheim von 1896, das 1913 eröffnet wurde.
Skulpturenweg Seehaus Pforzheim. Im Waldgebiet Hagenschiess stellen 14 Künstler ihre Werke aus (Stand 2016). Der Skulpturenweg ist als sich ständig weiterentwickelnde Dauerausstellung konzipiert. Pro Jahr kommen etwa zwei bis drei neue Objekte hinzu, andere Werke werden wieder abgebaut oder ersetzt.
Enzauenpark, errichtet zur Landesgartenschau 1992, der letzten stark besuchten Landesgartenschau in Baden-Württemberg mit 1,33 Millionen Besuchern.
Wildpark mit Hochseilgarten
Bertha-Benz-Denkmal von René Dantes vor dem CongressCentrum Pforzheim, sowie direkt davor die Bertha Benz Memorial Route, von Mannheim nach Pforzheim und zurück, die an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Weststadtpark, ein Grünflächenareal im Pforzheimer Wohnquartier Maihälden. Er wurde im Zuge des 19. Jahrhunderts an den Hängen des Wallbergs errichtet, gegen 1907 aufgelassen und nachfolgend in eine Parklandschaft umstrukturiert.
Hindu-Tempel Sri Nagapoosani Amman Aalayam
Mahnmal Wallberg

Auf dem Gipfel des Wallbergs erinnern Stahlstelen an den Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945.

Persönlichkeiten
Neues Reuchlin-Museum

Eine Übersicht über die Ehrenbürger der Stadt Pforzheim sowie von weiteren Personen, die in Pforzheim geboren sind oder mit der Stadt in Bezug stehen, findet sich in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Pforzheim.

Zu den in Pforzheim geborenen und besonders bekannt gewordenen Persönlichkeiten zählen unter anderem der Philosoph und Humanist Johannes Reuchlin, der Chemiker Heinrich Otto Wieland (Nobelpreis 1927), der Boxer René Weller, der Digitalkunstpionier Manfred Mohr sowie der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus. In den USA wurde der Pforzheimer Christopher Bechtler bekannt, der die ersten standardisierten Golddollar herstellte. Pforzheim war Ziel der ersten Autofernfahrt der Geschichte durch die in Pforzheim geborene Bertha Benz, die ohne das Wissen ihres Mannes zusammen mit ihren Söhnen dessen Fahrzeug für einen Besuch bei ihren Eltern nutzte.

Literatur
Klaus Kortüm: Portus – Pforzheim. Untersuchungen zur Archäologie und Geschichte in römischer Zeit. In: Quellen und Studien zur Geschichte der Stadt Pforzheim. Bd. 3, Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-7403-4.
F. Huttenlocher, H. Dongus: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 Stuttgart. Bad Godesberg 1967.
Stefan Pätzold: Kleine Geschichte der Stadt Pforzheim. Braun, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-7650-8359-4.
Christian Groh: Geschichte der Stadt Pforzheim. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2005, ISBN 3-8313-1514-0.
Hans Georg Zier: Geschichte der Stadt Pforzheim. Theiss, Stuttgart 1982, ISBN 3-8062-0234-6.
Das Land Baden-Württemberg. Band V, Stuttgart 1976, S. 437–452.
Johann Pflüger: Geschichte der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1989. (Nachdruck der Ausgabe von 1862) (Volltext)
Hans-Peter Becht (Hrsg.): Pforzheim im Mittelalter. Studien zur Geschichte einer landesherrlichen Stadt. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-6044-0.
Hans-Peter Becht (Hrsg.): Pforzheim in der frühen Neuzeit. Thorbecke, Sigmaringen 1989, ISBN 3-7995-6045-9.
Hans-Peter Becht (Hrsg.): Pforzheim im 19. und 20. Jahrhundert. Thorbecke, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-6046-7.
Hans Peter Becht u. a.: Die „Chronik der Stadt Pforzheim“ 1891–1939. Verl. Regionalliteratur, Ubstadt-Weiher, 1996, ISBN 3-929366-41-X.
Ottmar Sexauer: Die Mundart von Pforzheim. H. Eichblatt, Leipzig 1927. (zugleich phil. Dissertation Heidelberg 1925)
G. Heinz: Mundart der Pforzemer Seggl. Pforzheim 1984.
Robert Künzig u. a.: Pforzheim, ein Heimatbuch. Biesinger, Neuenbürg 1956.
Kurt Schwab: Straßen- und Kleinbahn in Pforzheim. Kenning, Nordhorn 1997, ISBN 3-927587-64-8.
Christoph Timm: Pforzheim. Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, ISBN 3-89735-221-4.
Folke Damminger: Pforzheim: Vom römischen vicus zur markgräflichen Residenz. In: Acta Praehistorica et Archaeologica. Band 34, 2002. S. 241–257.
Weblinks
 Wikivoyage: Pforzheim – Reiseführer
 Wikisource: Pforzheim – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Pforzheim – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Pforzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur von und über Pforzheim im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Website der Stadt Pforzheim
Pforzheim im Stadtwiki Pforzheim-Enz
Artikel und Fotos auf badischewanderungen.de zur Kritik am Pforzheimer Stadtbild
Video zum Stadtbild und dem Vorhaben der Pforzheimer Architektenkammer die 50er-Jahre-Architektur als Besonderheit Pforzheims zu etablieren